Poesie am Samstag
Welche Grenzen
braucht die Freiheit?
Die Welt ist schwarz, die Welt ist weiß,
dreht sich um sie herum im Kreis.
So schnell, dass alles Grau in Grau
erscheint der jungen Frau.
Der Tag ist hell, die Nacht so blind;
verzweifelt sucht das große Kind
nach einem Halt im Karussell.
Vergeblich – es dreht sich zu schnell.
Wo bin ich und wo zieht’s mich hin?
Wo liegt denn nur der tiefe Sinn?
Kaum dass es glaubt, ‚jetzt wird es klar‘,
erkennt es, dass es dort schon war.
„Die Mutter“ sagt es, die ist Schuld
an seiner wachsend‘ Ungeduld.
Hat es als Kind nicht eingegrenzt,
gab zuviel Raum im jungen Lenz.
Kind! Halt ein! Besinne Dich,
den Augenblick begrenzt Du nicht.
Der Raum zu groß, das Kind verloren,
wurd‘ es in freien Raum geboren.
Nach Grenzen sucht es voller Pein
und schafft sich neue nur zum Schein.
Und schließt die Augen vor den Wänden,
die es erschuf mit eig‘nen Händen.
Gebiert in engen Grenzen selber Leben,
will für die Kinder Halt erstreben.
Und ahnt nicht, dass mit aller Kraft,
das neue Leben ihre Grenzen rafft.
Mit aller Macht wird dieses Leben
nach Räumen ohne Grenzen streben.
Nicht jeder kann befreit dort sein
und mauert sich schnell wieder ein.
g.c.roth 2008
von g.c.roth
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