Samstag, 3. April 2010

Text: Helga König - Es lohnt sich noch immer, Wolfram Siebeck zu lesen.

Einer meiner Freunde schenkte mir während meiner Studienzeit die ersten Kochbücher, die ich übrigens noch immer besitze. Der studierte Mathematiker kochte mit viel Fantasie und ich aß mit Begeisterung seine  Kreationen, die an die elsäßische Küche angelehnt waren. Das Elsaß galt in den 1970er Jahren als lukullisches Paradies. Gekocht habe ich damals noch nicht und Kochbüchern näherte ich mich mit Skepsis. Die Gründe waren ideologischer Natur, muss ich heute schmunzelnd eingestehen.

Einige Jahre später las ich durch Zufall Texte von Wolfram Siebeck, der für die deutsche Esskultur den gleichen Stellenwert hat, wie Marcel-Reich-Ranicki für die Literatur.  Dieser intellektuelle Gourmet  machte mich durch seine Kolumnen  und seine Bücher neugierig,  mich in diese Materie zu vertiefen, Kochbücher zu studieren und schließlich auch selbst am Herd aktiv zu werden.

Siebeck war es, der mir  in einem seiner Bücher nahe brachte, dass es in Frankfurt die "Kleine Markthalle" mit ungeahnten Einkaufsmöglichkeiten gibt und der mich dadurch auf die Vielfalt von Gewürzen und anderen Dingen mehr aufmerksam machte. Ich lernte einen alten, sehr arrivierten Gewürzladen in Wiesbaden kennen und vertiefte mich fortan immer intensiver in diese Materie, begann mit Gewürzhändlern zu sprechen, nicht zuletzt auch mit Iranern in der "Kleinen Markhalle", um  auf diese Weise die Geheimnisse des Würzens in Erfahrung zu bringen. Erst später las ich verschiedene Bücher zu dem Thema.

Ich begann  unzählige Kochbücher aus allen Herren Ländern zu studieren, um zu  ermitteln, ob der Grad der Kultivierung eines Landes  sich in den Speisen ablesen lässt und bin dabei zu bemerkenswerten Ergebnissen gelangt. Jahrhundertköche wie Witzigmann  oder Alain Ducasse besitzen ein Wissen, das dem eines Universitätsprofessoren in nichts nachsteht. Sie setzen ihr Wissen, das sie in ihren Kochbibeln niedergelegt haben, täglich praktisch um, kreieren kleine Kunstwerke, die jedoch nicht für die Ewigkeit gedacht sind. Ihr Wert ist deshalb allerdings kein geringerer als der langlebiger Objekte und deshalb haben sie auch ihren berechtigten Preis.

Lange bevor ich bei Amazon auf der Plattform Rezensionen zu schreiben begann, entdeckte ich auf der Frankfurter Buchmesse ein Kochbuch von Witzigmann "Shrimps, Hummer und Langusten", das ich anschließend kaufte und voller Neugierde las.  Dieses Buch  ließ mich begreifen, was einen wirklich gebildeten Koch von einem Null-Acht-Fünfzehn-Koch unterscheidet, welche Welten Köche voneinander trennen können. Mit jedem Kochbuch, das ich las, begriff  ich eine bestimmte Facette unserer Kulturgeschichte besser.

Ein hochwertiges Kochbuch ist weitaus mehr als eine bloße Kochanleitung. Es ist die Darstellung dessen, was lukullisch möglich ist, wenn handwerkliche Fähigkeiten sich mit Intuition und kulinarischer Intelligenz auf höchstem Niveau paaren. 

Freitag, 2. April 2010

Samstagsrezension Helga König- Die Kreolische Küche von Babette de Rozières

Für mich gibt es keinen Grund  einem guten Kochbuch einen anderen Stellenwert einzuräumen, wie einem guten Philosophie- Psychologie-, Wein- oder Sexbuch oder einem bemerkenswerten Roman. Deshalb auch lese ich diese Bücher im Wechsel  und rezensiere sie als bewußten Mix. Alle Bücher inspirieren auf ihre Weise und bilden gelebtes Leben ab.

Ich möchte heute ein Buch vorstellen, das ich 2008 auf  der Amazon -Plattform bereits rezensiert habe. Zwischenzeitlich habe ich viele Gerichte nachgekocht und werde  deshalb neben den bereits bekannten einige andere Speisen hervorheben. Ich will an dieser Stelle auf das Buch abermals aufmerksam machen, weil es ein interessantes Kochbuch ist, dass sich in den dargebotenen Geschmacksnuancen von vielen anderen unterscheidet und mich letztlich dazu motiviert hat, auf der Amazon-Plattform neuerdings auch Gewürze  zu "rezensieren".

Babette de Rozieres ist die Autorin des vorliegenden Kochbuchs. Sie stammt von der Insel Guadeloupe/Karibik und kocht heute in ihrem Restaurant "La Table de Babette " in Paris. Die charmante Kreolin stellt 160 exotische Rezepte vor, die der so genannten kreolischen Küche entstammen, einer Küche, die westindische - karibische, französische, englische, spanische und afrikanische Elemente beinhaltet.

Beim ersten Durchblättern war ich begeistert von den bunten Farben der Speisen, aber auch den schönen Landschaftsbildern aus Gegenden, wo man kreolisch kocht.  Ich bin es übrigens noch immer.

Das Kochbuch ist untergliedert in:
Fisch und Meeresfrüchte
Fleisch und Geflügel
Gemüse...oder Früchte?
Saucen
Desserts und Süssigkeiten
Ti`punch und Co.

Hocharomatische Marinaden, Früchte und Kräuter spielen bei de Rozieres Kochkünsten eine nicht unwesentliche Rolle.  Die typischen Zutaten, sowie Namen und Wissenswertes aus dem Küchenlatein der Antillen sind mit einem Sternchen versehen und in einem Glossar näher erläutert. Eine essentielle Gewürzmischung heißt "Colombo". Es handelt sich hierbei gewissermaßen um das Curry der Karibik. "Colombo" besteht u. a. aus Kurkuma, Chili, Koriander, Senfsamen und Knoblauch. Ähnlich wie Curry verleiht auch "Colombo" vielen Gerichten seinen Namen.

Man lernt Fische der Karibik kennen, so etwa den Großaugenbarsch, den roten Papageienfisch sowie andere mehr und erfährt wie man delikate Rezepte diesbezüglich zubereitet, beispielweise "Bananenblüten gefüllt mit Meeresfrüchten", auch einen "Meeresfrüchte-Gratin mit Zitronengras". Sehr delikat  sind für mich och immer die marinierten "Meeresschnecken mit süßsauerer Sauce". Die Autorin erklärt gut nachvollziehbar, wie man die Schnecken enthäutet und die nicht zum Verzehr bestimmten Teile fachgerecht entfernt. Superlecker und einfach in der Zubereitung ist die "Fischsuppe mit Chili ". Der Fisch wird tags zuvor bereits mariniert. Auch "Haifisch-Colombo" mit grünen Tomaten muss mariniert werden. Zu dieser Speise reicht man kreolischen Reis. (Der Langkornreis wird wie üblich mit etwas Salz gekocht. Zum Schluß wird ein Eßl. Pflanzenöl daruntergehoben. So bleibt er schön locker.)  Den "Kreolischen Meeresfrüchterisotto" habe ich schon mehrfach zubereitet. Die Aroma-Verbindung von Safran und Basilikum finde ich sehr bemerkenswert.
Bei den Fleisch- und Geflügelgerichten bin ich  mittlerweile von den "Geschmorten Schweinebäckchen nach Art Karibik" besonders angetan.  Dies hängt weniger mit der Marinade als mit den vielen gut aufeinander abgestimmten Zutaten zusammen.

Nach wie vor mundet die "Gebratene Hähnchenbrust in Kokos-Zimt-Sauce", aber auch das "Hähnchenragout mit frittierten Süßkartoffeln" exotisch. Damit das Fleisch eine schöne dunkle Farbe erhält, verwendet Rozieres Zuckercouleur. Das machen viele Köche um Saucen dunkel zu färben, auch ich habe dagegen keine Vorbehalte. 

Wirklich außergewöhnlich sind die Saucenrezepte. Allein wegen diesen lohnt sich der Kauf des Buches.
Das gilt im Speziellen für die "Feurige Sauce á la Babette"  und die "Sauce Chien", die man als eine Art Vinaigrette zu gegrilltem Fleisch oder Fisch verwendet.

Die Desserts und Süßigkeiten sind viele Sünden wert, sofern ein Bandwurm die Absolution erteilt. Wie wäre es mit "Rum -Grananita mit Limettensaft und Estragon" oder "Papayasalat mit Himbeeren und Minze"?
Die Autorin zeigt auch wie man kreolische Konfitüren kocht. Rohrzucker und Früchte sorgen hier für feines Aroma und schließlich erfreut Rozieres ihre Leser mit vielen kreolischen Punschrezepten. Der traditionelle " Ti`Punch von Guadeloupe" wird aus 1/4 unbehandelte Limette, 3 Eßl . Rohrzucker und 4 cl weißem Rum pro Person hergestellt. Besonders lecker allerdings ist das Rezept für "Caresse des Antilles" ( Liebkosung der Antillen), das ich Ihnen an dieser Stelle aber nicht verrate.
Die Köchin Babette de Rozieres verzichtet auf die üblichen begleitenden Texte, wie man sie in Büchern dieses Genres erwartet, sondern geht gleich zu Sache. Wer wissen möchte, was die kreolische Küche ausmacht, muss die Rezepte studieren und tatkräftig die Schürze umbinden.

Sehr zu empfehlen, um Karibikträume am heimischen Herd auszuleben.






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