Samstag, 21. August 2010

Samstagsrezension Helga König: "Hexenhausgeflüster"

Sylvia B. hat mit dem Märchen "Hexenhausgeflüster" ein Antidrogenbuch der besonderen Art verfasst. Sie agiert nicht mit moralischem Zeigefinger, sondern verdeutlicht, dass Cannabis- und Kokain-Konsumenten letztlich mit den gesellschaftlich anerkannten Schnaps-Trinkern in einem Boot sitzen und alle Drogenabhängigen letztlich arme Teufel oder anders ausgedrückt kleine Bonsais sind.

Die Schnaps-Trinker wollen nicht wissen, dass vier Finger auf sie zurück deuten, wenn ihr Zeigefinger Cannabis-und Kokainkonsumenten beschämen möchte, auch wenn ihnen der Wacholder die Zehennägel kröselich kringelt, um es es in Sylvias stets latent ironischer Sprache auszudrücken.

Worum geht es in diesem Buch? Die quirlige Unternehmerin Lyrich (sie ist durch den Handel mit bereits benutzten Damenslips reich geworden) sucht eine idyllische Alternative zu ihrer komfortablen Penthouse-Wohnung und findet diese in einem "Hexenhaus" am Ortsrand. In diesem Haus leben zwei merkwürdige Gestalten, Bonsai, ein baumlanger Freak und sein Kumpel Juri.

Lyrich berichtet ihrer Freundin Lieschen ausführlich über die Geschehnisse im "Hexenhaus", in das sie mit ihrem "Alter Ego" Charlotte einzieht. Diese ist ihre vor langer Zeit verstorbene Urgroßmutter, deren Seele in Lyrich wohnt, ihr kluge Ratschläge erteilt und aufgrund ihrer überirdischen Fähigkeiten stets mehr sieht als die bodenständige Lyrich.

Die reiche Unternehmerin gibt sich bei den beiden Jungs ausgefuchst als arme Witwe aus, damit diese nicht auf die Idee kommen sie anzupumpen. Sie vermutet, dass diese Freaks ständig Geld brauchen. Noch ahnt sie nicht, womit sich die beiden befassen. Dies wird ihr klar als ihre Katze "Äugelchen" in Bonais Räumen verschwindet, dort, wie Lyrich entsetzt feststellen muss, in dessen "Cannabistreibhaus" ein "großes Geschäft" verrichtet und auf diese Weise die Cannabisernte vernichtet hat. Die Jungs sind zum Zeitpunkt des Geschehens nicht im Haus. Lyrich weiß, dass dies schlimme Folgen hat, wenn das Malheur entdeckt wird.

Über die Konsequenzen und wie Lyrich sich dagegen erfolgreich zur Wehr setzt, informiert die gewitzte Unternehmerin ihre Freundin Lieschen kurzweilig im leicht sarkastischen Ton. Das liest sich dann so:

„mittlerweile blickten schon
die nachbarn äußerst argwöhnisch
auf das rege treiben
was bonsai natürlich nicht mitbekam
das ist der vorteil des zauberpulvers
es scheint eine art tunnelblick
zu erzeugen und macht stumpf und bonsais zu deutschen eichen“

Lyrich, wie wir aus ihren "Briefen an Lieschen" wissen, ein großer Fan von Machiavelli, bedient sich dieser Wacholderfreunde- Nachbarn geschickt, um sich Bonsai vom Hals zu schaffen. Zwei Flaschen Wacholder für ihre Helfer und ein guter Rat an ihre Brieffreundin:

"lieschen wenn ich dir einen guten rat
geben darf
lass bloß die finger von den drogen"

zeigen, dass die Macherin begriffen hat, was es heißt, dass der Zweck die Mittel heiligt. Lyrich stets hellwach und in der Lage ganze Volksstämme in Bewegung zu setzen, wenn es um ihre Interessen geht, ist mit allen Wassern geschwaschen. Ist Lyrich ein Hexe? Nein. Sie ist bloß eine lebenskluge Machiavellistin, die niemals Fragen im Hinblick auf moralische Bedenklichkeiten stellt, wenn sie ein Ziel im Auge hat. So wird man bekanntermaßen erfolgreich, nicht nur im Märchen.


Wie immer schreibt Sylvia B. ohne Punkt und Komma. Ihre Protagonistin Lyrich ist viel zu schnell, als dass sie anders, als wie aus der Pistole geschossen schreiben könnte.


Montag, 16. August 2010

Auch in geheimnisvollen Welten wird Geburtstag gefeiert! ...



 


    … und heute feiern wir den von Walter-Jörg Langbein




Lieber Walter,

Du bist in Deinem Leben schon viel herumgereist, damit Du in Deinen Büchern steht’s aus eigener Erfahrung berichten kannst. Trotz vieler gefährlicher Unternehmungen bist Du jedes Mal gesund zurückgekehrt und kannst heute mit Freuden Deinen Geburtstag feiern. Dazu wünschen wir Dir alles Gute, viel Glück und ein langes Leben.

Du hast als Schriftsteller viele wundervolle Bücher geschrieben, hast die Leser in ein Reich geführt, das im Verborgenen lag.

Mit Deinen abenteuerlichen Berichten, hier, bei „Ein Buch lesen“, verrätst Du uns regelmäßig häppchenweise von Deiner fantastischen Welt. Jeden Sonntag freuen wir uns auf einen neuen Erlebnisbericht! Es ist schön, dass Du aus dem Reich der „Unterwelt“, zu uns, in unsere Gemeinschaft gefunden hast. Wir schätzen Dich nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als wundervollen Kollegen.

Alle Leseratten können sich auf dieser zu Deinem Geburtstag gestalteten Seite über dich und Dein Schaffen informieren und auch Deine Bücher bestellen.

Herzlichen Glückwunsch von Deinen Ein-Buch-lesen-Kollegen!

Welche Freude, wenn es heißt:
Alter, du bist alt an Jahren,
blühend aber ist dein Geist
Gotthold Ephraim Lessing, (1729 - 1781), deutscher Schriftsteller,
Kritiker und Philosoph der Aufklärung


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