Sonntag, 26. September 2010

36 »Die verlorene Stadt in den Anden«

Teil 36 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Ein Besuch in Machu Picchu ist eine Reise in die Vergangenheit: in die Bergwelt der peruanischen Anden. Erbaut hat die geheimnisvolle Stadt, so heißt es, Pachacútec Yupanqui. Der legendäre Herrscher der Inka gilt als der eigentliche Vater des großen Inkareiches. Er war es, der den Sonnengott Inti ins Zentrum des offiziellen Glaubens rückte. Aber war Pachacútec Yupanqui (Regierungszeit 1438-1471) wirklich der Architekt von Machu Picchu? Ließ er um 1450 die verlorene Stadt der Anden 400 Meter über dem Rio Urubamba erbauen?

Wichtiger ist die Frage, ob Machu Picchu zu Inkazeiten aus dem Nichts entstand.. oder auf Fundamenten einer weit älteren Kultstätte errichtet wurde. Nach wie vor gilt Hiram Bingham als »Entdecker« der mysteriösen Stätte. Entdeckt hat er sie aber nicht, sondern ausgeplündert. Bingham hat Vilabamba und Machu Picchu heimgesucht... und 200 Kisten mit kostbaren Goldobjekten und anderen archäologischen Preziosen auf 60 Mulis über Bolivien außer Landes schaffen lassen.

173 Mumien »entdeckte« Bingham in Machu Picchu. 150 davon waren Frauen. Welche Kostbarkeiten mögen den Toten mit auf die Reise ins Jenseits gegeben worden sein? Wir wissen es nicht. Hiram Bingham ließ sich zwar weltweit als großen Forscher feiern.. in den Augen vieler Peruaner war er aber eher ein erfolgreicher Dieb. Bis zum heutigen Tag wartet man in Peru vergeblich auf die Rückgabe der Kostbarkeiten, die Bingham außer Landes schaffen ließ. Sie dürften sich noch heute im Besitz der renommierten Yale Universität befinden. Bingham hinterließ keinerlei Aufzeichnungen seiner Funde. So dürfte der Beweis, was nun alles in der Ruinenstadt gefunden und ins Ausland geschafft wurde, mehr als schwierig sein!

Wie Hiram Bingham Machu Picchu »entdeckte«... ist inzwischen hinlänglich bekannt! Fakt ist: Als Mr. Bingham am 24. Juli 1911 die majestätischen Stadtmauern bestaunte, da prangte bereits eine eingeritzte Inschrift im moosbewachsenen Stein: »Augustin Lizarraga, Enrique Palma und Gabino Sanches – 1901«. Jene drei Herren hatten zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach archäologischen Schätzen gesucht, die sich versilbern ließen. Sie fanden immerhin eine gut erhaltene Mumie, die sie wegschleppten.

Augustin Lizarraga, der 1901 seinen Namen auf einer der steinernen Wände in Machu Picchu verewigte, führte 1894 Don Luis Bejar in das Gemäuer. Und eben jener Augustin Lizarraga gehörte 1911 zum Team von Mr. Bingham. Und der ließ sich zu Unrecht bombastisch als der »Entdecker« einer »vergessenen« Stadt feiern. »Verlassen« war Machu Picchu anno 1901 übrigens nicht. Inka-Nachkomme Anacleto Alvarez hatte die heute weltberühmten Terrassen gepachtet. Übrigens: Schon drei Jahrhunderte zuvor gehörte die Stadt ganz offiziell einem gewissen Don Martin de Concha.

Machu Picchu liegt auf einem Bergrücken, der von unbekannten Meistern vollkommen umgestaltet worden ist. Gewaltige Stein- und Erdmassen müssen unter Aufbietung unvorstellbarer Kräfte bewegt worden sein. Und doch scheinen sich die Bauten und Terrassen dem mächtigen Berg anzuschmiegen. Am Eingang zur Stadt misst man eine Höhe von 2370 Metern, an der höchst gelegenen Terrasse immer eine Höhe von 2530 Metern.

Unbekannte Baumeister waren es wohl, die lange vor den Inkas, das ursprüngliche Heiligtum errichteten. Sie hinterließen den Inkas einen massiv umgeformten Bergrücken und riesenhafte Steinkolosse. Auf diese monolithischen Ungetüme setzten die Inkas Jahrhunderte später ihre Mäuerchen aus kleinen Steinen.

Es kommt mir so vor, als hätten die Erbauer der Inka-Stadt Machu Picchu ungeheueren Respekt vor ihren Vorgängern gehabt. Sie passten ihre »Neubauten« millimetergenau den uralten Fundamenten an. Sahen sie sich als Erben einer uralten Tradition? Wie auch immer: Die Inkas selbst haben nie riesige Steinkolosse zurechtgemeißelt und eingesetzt, sondern stets übernommen und als Fundament verwendet.

Von den Megalithbaumeistern des »Ur-Machu Picchu« aus Vorinkazeiten dürften monströse Steinskulpturen stammen, deren Sinn und Zweck wir nicht kennen. Es werden »Erklärungen« in die Welt gesetzt, die sich – bei Licht betrachtet – als reine Fantasiegebilde erweisen. So heißt es, dass auf einem sauber zugehauenen Stein einst Mumien zum Trocknen auf ihre spätere Bestattung warteten. Diese Spekulation entbehrt jeder Grundlage.

Hiram Bingham taufte eine mysteriöse Steinhöhle mit intensiver Steinbearbeitung »Mausoleum der Könige«. Bingham stützte sich bei dieser Titulierung auf die Tatsache, dass im Inneren zwei Mumien gefunden wurden, die von edler Herkunft gewesen sein müssen. Wertvolle Stoffe umhüllten die sterblichen Überreste, denen man wertvolle Beigaben aus Gold und Silber für die Reise ins Jenseits mitgegeben hatte.

Binghams These ist allerdings mehr als fragwürdig. Es gibt keinen Beweis dafür, dass zu Zeiten der Inkas je »Könige« in Machu Picchu residierten. Mumifiziert wurden überwiegend Frauen. Sollte es sich um »Tempeljungfrauen« etwa eines Sonnenkults gehandelt haben?

Der »Intiwantana« wurde aus einem einzigen Granitblock gemeißelt. Er wird als »Sonnenstein« bezeichnet. Sein Name lässt sich mit »Ort, an dem die Sonne gebunden ist« übersetzen. Nach Aufzeichnungen des Inka-Chronisten Poma de Ayla diente der eigenartige Stein der Beobachtung des Sonnenlaufs. Auch soll er dazu benutzt worden sein, Planetenbahnen zu bestimmen und wichtige Sternbilder zu beobachten. Angeblich standen auf der Plattform einst vier Säulen, deren Schatten den Intiwantana zu einer Art Sonnenuhr machten.

Unklar ist, ob das steinerne Messinstrument von den Inkas gebaut oder bereits vorgefunden wurde. Vielleicht wurde es ja von den Meistern der Steinmetzkunst übernommen, deren erstaunliche Fähigkeiten uns noch heute in Erstaunen versetzen. Über welche Erkenntnisse astronomischer Art mögen sie verfügt haben? Leider liegen keinerlei schriftliche Aufzeichnungen aus jenen Tagen vor.

Die sorgsame astronomische Beobachtung deutet auf sakrale Bedeutung von Sternen und Planeten hin. Der ewige Kreislauf von Sonne, Mond und Sternen war so etwas wie das Sinnbild uralter Religion. Ewiges Leben war fester Bestandteil ältester Religionen: die ewige Wiederkehr von natürlichen Abläufen wie Aussaat und Ernte, von Frühling, Sommer, Herbst und Winter schenkte den Menschen Zuversicht und Trost.

Bei Dreharbeiten für den Werbespot einer Brauerei wurde das Zeugnis uralter Wissenschaften leider beschädigt ... trauriger Beleg für die Missachtung uralter Kulturen. Betuchte Kulturbanausen ließen sich übrigens gern mit dem Hubschrauber direkt nach Machu Picchu fliegen. Dafür nahmen sie es in Kauf, dass durch Druckwellen uraltes Mauerwerk zum Einsturz gebracht wurde ... Rucksacktouristen sind nicht unbedingt rücksichtsvoller. Durch Lagerfeuerchen in Mayaruinen, die in schwer unzugänglichen Gefilden um Machu Picchu zu finden sind, wird immer noch erheblicher Schaden verursacht.

Die Spanier haben bei ihrem Verwüstungszug durch Südamerika vor Jahrhunderten Machu Picchu nicht entdeckt. Sie hätten die geheimnisvolle Ruinenstadt sicher vollkommen zerstört... die vergessene Stadt.

Irgendwann wurde von Meistern der Steinmetzkunst so etwas wie das »Ur-Machu Picchu« gebaut. Die Inkas übernahmen die wuchtigen Ruinen ... und irgendwann wurde die Stadt verlassen ... und »verloren«!

»Mit der Bahn in die Vergangenheit«
Teil 37 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 3.10.2010





>>> Die Bücher von Walter-Jörg Langbein

Samstag, 25. September 2010

Samstagsrezension: Jetzt reicht`s mir! - Barbara Berckhan

Die Kommunikationstrainerin Barbara Berckhan  zeigt in diesem Buch wie man Kriktik austeilen und einstecken kann, ohne sich Feinde zu machen oder sich "angemacht" zu fühlen. Im ersten Teil ihres Buches  verdeutlicht sie gleich zu Anfang, dass ohne Rückmeldungen Beziehungen "vertrocknen". Damit dieses nicht geschieht, macht es Sinn  über alles, was bislang unter den Teppich gekehrt wurde, zu reden.

Die Autorin stellt im Buch  immer wieder Fragen, über die der Leser nachdenken sollte und vermittelt Strategien für den Umgang mit sich selbst und auch solche für konstruktive Gespräche.

Meckern, motzen und maulen begreift die Kommunikationstrainerin als impotente Kritik. Anstelle zu nörgeln, empfiehlt Berckhan zu handeln.  Charakterisiert wird das Verhalten  des Nörglers sowie der Meckerziege und es wird unterstrichen, dass man sich tunlichst aus den Angelegenheiten anderer Leute raushalten möge. Wörtlich schreibt die Autorin: "Atmen Sie aus und erlauben Sie Ihren Mitmenschen, ihr eigenes Leben zu leben. Das Leben der anderen müssen Sie weder kontrollieren noch korrigieren."

Berckham  erklärt, dass es für einen harmoniebedürftigen Menschen wichtig ist zu lernen, dicke Luft auszuhalten, ohne sogleich wieder alles auszubügeln und nein zu sagen, ohne sich zu entschuldigen. Deutlich gemacht wird, dass Runterschlucken von Kritik zu einem echten Beziehungskiller wird. So genannte "Störmeldungen" sind für alle eine Hilfe. Man sollte dabei allerdings nicht auf den Tisch hauen, sondern sanft die Störung ansprechen.

Es ist durchaus möglich zu kritisieren, ohne zu verletzten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang u.a. zuzuhören, keine langen Monologe abzuspulen und nicht mehr als einen Kritikpunkt anzubringen.

Die Autorin zeigt, wie man seinen Ärger managt und weshalb Schuldzuweisungen nicht selten Lösungen blockieren. Anstelle Schuld zuzuweisen, sollte man sich fragen, welche Strategie man anwenden kann, damit sich ein Problem nicht wiederholt. Dargestellt werden die sechs häufigsten Gründe, warum eine Rückmeldung keine Wirkung zeigt und was sie tun können, des Weiteren wird aufgezeigt wie man hypersensible Menschen kritisiert. Was tut man, wenn das Gegenüber sofort in Tränen ausbricht?

1) Betten Sie in ihre Kritik eine Menge Bestätigung ein
2) Kritisieren Sie nicht, sondern korrigieren sie nur
3) Kritisieren Sie nicht, sondern machen sie nur Verbesserungsvorschläge
4) Kritisieren Sie nicht, sondern liefern Sie Lösungsvorschläge

Das sind die Überschriften zu Ausführungen zum Thema Kritik an hypersensiblen Menschen. Nach meiner Meinung sollte man bei allen Menschen  nach dieser Art vorgehen, um zu verhindern, dass sie den Rolladen  sofort runterlassen und weitere Gespräche auf diese Weise blockiert werden. Anerkennung, Wertschätzung  und Dankbarkeit  dürfen niemals fehlen, wenn man einen Kritikpunkt anmeldet und man sollte sich  immer dann, wenn man selbst kritisiert wird, eine Schrecksekunde gönnen, bevor man kontert. Vorschnelle Reaktionen sind nicht selten unüberlegt und können zur Verschlechterung von Beziehungen führen.

Berckhan klärt über die vier häufigsten Gründe unsachlicher Kritik auf und zeigt sehr gut, wie man in diesem Fall vorgeht, auch klärt sie auf, wie man Tratsch, Klatsch und Lästereien beendet. Man muss sich üble Nachrede nicht gefallen lassen.

Die Autorin  macht klar, wie man mit Kritik gelassener umgehen und welche Schutzschilder  man aufbauen kann, um selbst übelste Anfechtung nicht persönlich zu nehmen. Sehr neugierig las ich Berckans Ausführungen zur "beleidigten Leberwurst", einem Menschenschlag, mit dem ich große Schwierigkeiten habe, umzugehen. Menschen dieser Art machen mich stets ratlos. Die Betrachtungen der Kommunikationswissenschaftlerin haben mich diesbezüglich etwas schlauer gemacht. Man  sollte beleidigte
Leberwürste nicht versuchen aus der Schmollecke rauszuholen, es ist zwecklos.

Zum Schluss lernt man sogar, mit seinem inneren Kritiker besser umzugehen. Ein Buch, das ich allen Berufskritikern empfehle, um sich darüber klar zu machen, dass der Kritisierte auch ein Mensch ist.
Den wichtigste Satz im Buch zitiere ich an dieser Stelle zum Einprägen abermals: 

"Atmen Sie aus und erlauben Sie Ihren Mitmenschen, ihr eigenes Leben zu leben. Das Leben der anderen müssen Sie weder kontrollieren noch korrigieren."




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