Samstag, 17. September 2011

Poesie am Samstag- Sylvia B. »Die Tochter der Magd«

Illustration: Sylvia B.
ich habe keine träne gesehen
als ihr erstgeborener starb
auch nicht
als ihr mann verschied

ein einziges mal
habe ich sie weinen sehen
und das liegt lange zurück

ihre mutter war magd
bei dem mann
der später ihr vater wurde

die magd diente
in gutem hause

sie hatte es geschafft
den mann zu betören
und herrin des hauses
zu werden
gebar ihm
seine töchter und söhne
führte
ein strenges regiment
machte
den reichen
noch reicher

ihre härte übertrug sie
auf die tochter
die
die nicht weinen konnte
die den makel
ihrer herkunft
für sich behielt

ich weiß es nur durch zufall
da ich das alte scheidungsurteil fand

Illustration: Sylvia B.
als ich sie dann doch
ein einziges mal
weinen sah
erzählte sie mir
dass die frau
die ihre mutter war
als kind ihre geschwister
vergiftet hatte

so hart war die magd
schon als kind
hart genug um später
herrin zu werden

zu mir
war sie nie hart
mich mochte sie
ich weiß nicht warum

ich hatte nie das zeug
zur magd
oder
zur herrin

(bisher unveröffentlicht)


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Dienstag, 13. September 2011

»Der Tote im Zwillbrocker Venn« Eine kleine Leseprobe



...Die Nacht war wundervoll sternenklar. Gespenstisch beleuchtete der Mond die Landschaft. Das Venn ist schön, auch und gerade bei Nacht. Am Nachmittag hatte es eine Veranstaltung gegeben, mit Kaffee und Kuchen für die Besucher. Martin hatte überschlagen, dass gut 500 Euro in der Stahlkassette sein müssten, die im Büroschreibtisch des Besucher- zentrums eingeschlossen ist.

Die Zivis verfügen über Schlüssel zum Eingang. Die Tür zum Büro und das Schreibtischschloss sind mit dem Werkzeug, das sich im Rucksack befand, mühelos zu knacken. Die Polizei wird unter dem Schreibtisch das Handy finden, in der Mülltonne von Jopies Eltern die Gummistiefel und die stinkenden Socken. Im Fahrradschuppen eine Tüte mit Zigarettenstangen, die aus dem Einbruch im Kiosk stammen, der neben der Aussichtsplattform liegt. Zwei Tatorte und zwei Straftaten in einer Nacht. Doppelt hält besser.

Die aufgebrochene und leere Geldkassette aus dem Einbruch in der Station wird Martin im Papierkorb am Parkplatz entsorgen, damit sie auch gefunden wird. Das Geld kommt in einen Umschlag, natürlich liegt der bereits in einer Plastiktüte und wird in Martins Schrank für die Dauer seines Urlaubes versteckt gehalten. Wenn Jopie irgendwann den Wald fegen muss, um seine Sozialstunden abzudienen, wird im Briefkasten der Station eine anonyme Spende eingehen. Martin ist kein Dieb, er ist ein perfekter Planer. Die Handschuhe und die restlichen Tüten landen in einem Papierkorb des Weezer Flughafens.

Und Jopie wird kein Alibi haben, denn zurzeit dürfte der sich in Kiffers Heaven befinden. Am Nachmittag hat Martin beobachtet, wie sich Jop mit seinem Fahrrad auf dem alten Schmugglerpfad in Richtung Grüne Grenze zubewegte. Hinter der Grenze wohnt ein Kumpel von Jop, der einen sehr privaten Coffeeshop betreibt und der wird Jopie mit Sicherheit kein Alibi verschaffen.

Der Einbruch in den Kiosk bringt Jopie noch eine zusätzliche Sachbeschädigung ein. Martin wird das Schloss mit dem Akkuschrauber aufbohren müssen. Auch wenn das Tatwerkzeug nicht gefunden wird, werden die Spuren auf den gleichen Täter hinweisen.

Es gibt Sinn, den benutzten Bit am besten morgen früh beim Umsteigen am Essener Bahnhof zu entsorgen. Jopies Eltern werden den Schaden schon richten, das haben sie bislang immer getan. Aber Jopie wird aus der Nummer so leicht nicht herauskommen.

Nach einer guten Viertelstunde unbequemem Fußmarsch erreichte Martin die Stelle seines ersten Zugriffes.

Auf der Wegstrecke war ihm niemand begegnet, vorsichtig scannte er mit seinen Augen die Umgebung ab.

Er ist ein aufmerksamer Nachtwanderer. Darum entdeckte er den leblosen Körper umgehend, der merkwürdig verrenkt nahe einer Sitzbank bei der Plattform lag. Ein mulmiges Gefühl überkam Martin in der Herz-Magen-Gegend und er hörte das Blut in seinen Adern pochen.

Vorsichtig trat er näher heran und bückte sich zu der Gestalt. Es war ein Mann und dieser war eindeutig tot. Weit aufgerissene Augen starrten Martin an, der Mund wie zu einem stummen Schrei geöffnet.

Martin setzte sich auf die Bank. Der unverhoffte Adrenalinschub hatte seine Knie weich werden lassen. Jop hätte aufgeschrien und Fersengeld gegeben. Martin machen Tote normalerweise keine Angst. Onkel Herbert hat ein Bestattungsunternehmen in Vreden, Martin ist ihm dort oft zur Hand gegangen. Er wird dort auch arbeiten und irgendwann das Unternehmen übernehmen, wenn sich Onkel Herbert in den Ruhestand versetzen wird.

Jetzt hieß es für Martin kühlen Kopf bewahren. Aufmerksam lauschte er in das Venn. Er konnte keine menschlichen Geräusche ausmachen. So erhob er sich nach einer Weile und nahm den Toten in Augenschein...

Genießen Sie hier einen Text aus dem Krimi, rezitiert von Sylvia B.

Ihre

Tuna von Blumenstein





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