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Sonntag, 21. Juli 2019

496. »Licht und Hölle im Nahbereich Tod«

Teil 496 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Gekreuzigter bei Holzhausen
Als Hannelore S. das Licht am Ende des Tunnels immer rascher näherkommen sah, machte sie eine Gestalt aus. »Sie hob sich hell vom hellen Licht ab. Sie strahlte in gleißendem Licht. Ich fühlte mich von ihr angezogen. Ihr Licht blendete aber nicht. Es war ein Engel. Er trug ein fließendes, lang wallendes Gewand. Am Rücken waren zwei mächtige Flügel, die weit über die Schultern reichten. Jener Engel öffnete die Flügel weit, breitete sie aus und versperrte mir den Weg. Er bewegte zwar nicht die Lippen. Ich konnte aber deutlich seine Worte vernehmen: ›Bis hierher und nicht weiter! Noch ist deine Zeit nicht gekommen!‹«

Nach den Recherchen von George Gallup Jr. dürfte etwa jeder dritte Amerikaner, der ein Nahtoderlebnis hatte, auch so eine »Gestalt« wahrgenommen haben. Sie berichten, »die Gegenwart eines Wesens gespürt oder eine sonstige konkrete Erfahrung mit dem Jenseits gehabt zu haben.« Dr. Moody erfuhr durch Befragung von Menschen, die klinisch bereits tot waren, das Gleiche. Er fasst zusammen: »Eine ganze Reihe von Menschen hat mir berichtet, dass sie irgendwann im Laufe ihres Sterbeerlebnisses, sei es gleich zu Beginn, sei es erst später, die Gegenwart anderer spiritueller Wesen in ihrer Nähe wahrgenommen hätten. Diese Wesen seien offensichtlich gekommen, um ihnen den Übergang in den Tod zu erleichtern, oder aber um ihnen anzukündigen, dass die Zeit zu sterben für sie noch nicht gekommen sei, weshalb sie in ihren stofflichen Körper zurückkehren müssten.«

Hannelore S.: »Hinter den Flügeln nahm ich weitere Gestalten war. Sie winkten mir zu, freudestrahlend. Sie gaben mir zu verstehen, dass sie wieder zur Stelle sein würden, sobald ich sterben würde. Ich drehte mich um und flog wieder durch den Tunnel. Dabei flackerten Bilder vor meinem ›geistigen Auge‹ auf. Es begann mit dem Unfall, den ich nochmals wie in einem Film sah, dann folgten, immer weiter zurückgehend, blitzartig aufleuchtend, Szenen aus meinem Leben. Ich erlebte mich schließlich sogar als Baby im Arm meiner Mutter.« 

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Eine solche »Rückschau« erlebten viele der von Dr. Moody befragten Menschen mit Sterbeerlebnissen. Manche sahen so etwas wie einen Film im Zeitraffertempo ablaufen. Andere visionierten ein eher chaotisches Durcheinander von Erinnerungsfetzen. Dr. Moody: »Obwohl sie so außerordentlich rasch vor sich geht, wird die Rückschau, die fast durchwegs als Spiel visueller Vorstellungsbilder bezeichnet wird, von den Betroffenen doch übereinstimmend als erstaunlich lebendig und lebensecht dargestellt. In manchen Fällen wird von dreidimensionalen und sogar bewegten Bildern in lebhaften Farben berichtet. Selbst wenn sie Schlag auf Schlag vorbeiflimmern, wird doch jedes einzelne Bild wahrgenommen und auch erkannt, ja während des Betrachtens werden die mit den Bildern zusammenhängenden Gefühle und Gemütsbewegungen manchmal sogar erneut durchlebt.«

Genauso erging es Hannelore S.: »Diese Filmsequenzen sausten förmlich an mir vorbei. So wohl ich mich gefühlt hatte, als es in Richtung Licht zuging, so gern ich auch vollkommen in das Licht eingetaucht wäre, jetzt war ich froh, dass es wieder zurück in mein ›altes Leben‹ ging. Bei den Bildern von bestimmten Szenen aus meinem früheren Leben hatte ich erneut die Gefühle von damals verspürt. Ich  konnte zum Beispiel den salzigen Geschmack der Lippen meines ersten Freundes schmecken, vom ersten zärtlichen Kuss als 16jährige.« Hannelore S. empfand schon bald die Chance nochmals in ihr altes Leben zurückkehren zu können, als überaus positiv. Das ist eher selten. Die meisten Menschen mit Nahtoderlebnissen haben sich gegen diese Rückkehr gewehrt. Ganz typisch ist das bereits mehrfach zitierte Erlebnis von Alberta Osborne. Bei ihr folgte auf das als wunderschön empfundene Licht die Rückkehr in die Intensivstation des Krankenhauses:

Foto 2: Höllenwelten von Herrad von Landsberg.
»Dann, schlagartig, hörte ich menschliche Stimmen. Ich wollte die Stimmen nicht vernehmen. Ich wollte bleiben wo ich war und ich wollte nicht zurück. Ich versuchte den Atem anzuhalten, in der Hoffnung, wieder zurückgehen zu können. Aber was auch immer ich versuchte, nichts funktionierte und so fing ich an zu realisieren, was die Menschen um mich herum sagten. Die Schwester meinte zum Arzt: ›Ich hoffe, dass die Nadel nicht zu dick war, ich hatte ja keine Zeit!‹ Und der Arzt antwortete ihr: ›Sie war zu dick, ich musste vorsichtig sein, keinen Knochen zu treffen!‹ Dann wurde mir bewusst, dass eine Nadel in meiner Brust steckte, die in mein Herz führte. Ich hatte eine Injektion ins Herz bekommen.« Sie fragte sich, was geschehen war. Da hörte sie die Antwort von einem der Menschen in ihrer Nähe: »Ihr Herz war stehengeblieben. Sie war dreieinhalb Minuten klinisch tot! Aber jetzt atmet sie wieder!«

Die meisten der Menschen, die Sterbeerlebnisse hatten und mit denen Dr. Raymond Moody gesprochen hat, kehrten nur widerwillig um. »Sobald die Sterbenden in ihrem Erlebnis bis zu einer gewissen Tiefe vorgedrungen sind, liegt ihnen nicht mehr an der Rückkehr, ja sie scheinen sich sogar dagegen zu sträuben, ihre körperliche Existenz wieder aufzunehmen. Insbesondere gilt das für diejenigen, die schon so weit gekommen waren, dass sie dem Lichtwesen begegneten. Wie ein Mann es überschwänglich formulierte: ›Die Nähe dieses Wesens wollte ich nie mehr verlassen!‹«

Foto 3: Höllenwelten von Herrad von Landsberg.
Es ist nur zu verständlich, dass die Sterbeerlebnisse von allen Betroffenen als starker Einschnitt im Leben empfunden wurden. Verglichen mit dem bis dahin erlebten Alltag ist die neue Realität im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch. Was bis dahin als einzige wirklich Welt empfunden wurde, erscheint jetzt als Teil einer umfassenderen Wirklichkeit. Der Tod ist dann nicht das Ende, sondern nur eine Grenze, die überschritten wird. Alberta Osborne stellte rückblickend fest: »Nichts im Leben lasst sich mit der Freude, der Schönheit und dem Frieden vergleichen, was einen alles erwartet, wenn man dieses Leben verlässt und in das nächste eintritt. Ich war dort drüben, wenn auch nur für kurze Zeit und bin zurückgeschickt worden. Das ist es, was ich als Botschaft all jenen vermitteln möchte, die noch Angst vor dem Sterben haben. Lass’ sie los, die Angst. Es gibt nichts Schöneres als das, was nach dem Leben kommt, wenn wir versuchen, richtig zu leben. Leben beinhaltet so viel Schmerz, Kummer, Sorgen und Angst. Doch das alles ist vorbei, wenn der Herr uns zu sich nimmt. Oh, dieser Frieden, diese Freude wird niemand kennenlernen, bevor er nicht dorthin gelangt. Das heißt aber nicht, dass man sich beeilt, dorthin zu gelangen, heißt nicht, dass man sich das Leben nimmt!

Nein, man muss alles Gott überlassen! Ich will keineswegs behaupten, perfekt zu sein. Ich habe viele Fehler in meinem Leben begangen, genau wie andere auch. Aber Gott schickte mich zurück ins Leben, mit einem Grund. Er zeigte mir nur einen Schimmer davon, wie schön der Tod sein kann, aber jetzt weiß ich eines gewiss. Ich kann die Fehler in meinem Leben sehen. Mein Erlebnis mit dem Sterben hat mir gezeigt, wie schön der Himmel sein wird. Das Thema Sterbeforschung hatte mich vor meinem Erlebnis nie interessiert. Doch seither lese ich alles, was ich zu diesem Thema finden kann und habe schon einiges an Nachforschungen geleistet. Niemand wollte jemals wieder zurück ins irdische Leben der einmal drüben war. Ich schließe mit der Aufforderung: Fürchte dich nicht vor dem Tod. Wenn du versuchst zu leben, wie du sollst, dann kannst du auf den Ruf warten. Du hast etwas Schönes in Aussicht, das wunderbarer sein wird als alles, was du je erlebt hast: den Tod. Er ist nicht von dieser Welt!«

Foto 4: Höllenwelten von Herrad von Landsberg.

Alle Menschen, die Sterbeerlebnisse hatten, haben ihre Angst vor dem Tod verloren. Das ist das wichtigste Ergebnis von Dr. Raymond Moody. Einer der von Dr. Moody befragten Betroffenen: »Als ich noch ein kleiner Junge war, grauste es mir vor dem Sterben. Ich wachte nachts häufig auf und schrie und tobte. Meine Mutter und mein Vater stürzten in mein Zimmer und fragten mich, was denn los sei. Ich sagte zu ihnen: ›Ich will nicht sterben, aber ich weiß, dass ich sterben muss. Ihr solltet machen, dass das aufhört.‹ Meine Mutter sprach dann mit mir und sagte: ›Nein, das können wir nicht, es muss wohl so sein, wie es ist und wir müssen uns alle damit abfinden.‹ Sie sagte, dass wir es alle ganz allein vollbringen müssten und dass wir, wenn es soweit sei, unsere Sache auch gut machen würden. Und noch viele Jahre später, als meine Mutter längst gestorben war, sprach ich mit meiner Frau über den Tod. Ich hatte immer noch Angst davor. Ich wollte nicht, dass er zu mir komme. Aber seit diesem Erlebnis (mit dem Tod) fürchte ich mich nicht mehr vor dem Tod. Derartige  Gefühle sind verflogen. Beerdigungen sind mir nicht mehr zuwider. Ich fühle dabei sogar etwas wie Freude, weil ich weiß, was der Tote hinter sich gebracht hat. Ich glaube, dass Gott mir dieses Erlebnis zugeteilt hat, weil ich mich so sehr vor dem Tode gefürchtet habe. Ich rede nicht viel über diese Dinge, aber ich weiß genug, und das macht mich ruhig und zufrieden.«

Was Menschen über ihre Sterbeerlebnisse berichten, klingt trostreich. Fragen aber bleiben. Das größte Geheimnis der Menschheitsgeschichte bleibt bestehen: Was erwartet uns nach dem Tode? Irgendwann wird jeder Mensch diese Frage für sich ganz persönlich beantworten können. Mehr Zeitgenossen als man gewöhnlich annimmt haben Nahtoderlebnisse. Und sie alle kommen zur Überzeugung, dass der physische Tod nicht das Ende ist. Es geht weiter.

Einige Menschen, die klinisch tot oder dem Tod sehr nahe waren, erinnern sich an Höllenvisionen. Ernst M., zum Beispiel (2), sah sich zusammen mit anderen »Toten« in einem Käfig im Höllenfeuer. »Eine Stimme ermahnte mich. So würde ich enden, wenn ich meinen Lebensweg nicht ändern würde. Tatsächlich hatte ich bis dahin manches getan, was eigentlich mit meinem Gewissen nicht vereinbar war. Mein Erlebnis im Todesbereich war alles andere als angenehm. Seither lebe ich so, dass ich keine Gewissenskonflikte habe!«

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Von Herrad von Landsberg (*1125-1130; †1195), einer hochgebildeten Äbtissin und Schriftstellerin, stammt der »Hortus Deliciarum«. Das Werk, in lateinischer Sprache verfasst, war eine einzigartige Enzyklopädie des Wissens. Es enthält eine äußerst detailreiche Darstellung der höllischen Unterwelt, ein Dokument religiöser Fantasien und Ängste. Wenn manche Menschen in Nahtoderlebnissen Höllenszenen durchleben, sind diese Bilder dann Ausdruck ihrer Ängste? Wenn Menschen im Nahbereich Tod verstorbene Verwandte und Freunde entgegenkommen, sind das dann echte Erlebnisse oder nur die visualisierten Hoffnungen der Menschen, die fast gestorben wären?

Fußnoten
1) Moody, Raymond A.: »Leben nach dem Tod/ Die Erforschung einer unerklärten Erfahrung«, Hamburg 1977
2) Persönliche Mitteilungen von Ernst M., Name geändert
Literatur
Doucet, Friedrich W.: »Die Toten leben unter uns«, Wien 1979
Gallup Jr., George: »Begegnungen mit der Unsterblichkeit«, München 1983
Moody, Raymond A.: »Blick hinter den Spiegel/ Botschaften aus der anderen Welt«, München 1994


Zu den Fotos
Foto 1: Der Gekreuzigte, unweit Keltenschanze 2, Holzhausen, Foto Walter-Jörg Langbein

Fotos 2-4: Höllenwelten von Herrad von Landsberg. wikimedia commons gemeinfrei 
X: Höllenwelten von Herrad von Landsberg. wikimedia commons gemeinfrei

497. »›Geheime Dinge hat er gesehen.‹«
Teil 497 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 28. Juli 2019
 


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Sonntag, 14. Juli 2019

495. »Grenzbereich Tod«


Teil 495 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Friedhöfe - für viele unheimliche Orte

DER SPIEGEL (1) fragte auf dem Cover der Ausgabe Nr. 17 vom 20.4.2019 »WER GLAUBT DENN SOWAS?« Der Untertitel der Schlagzeile »Warum selbst Christen keinen Gott mehr brauchen«. Diese provokative Feststellung kann DER SPIEGEL zwar nicht belegen, bemerkenswert sind aber die konkreten Zahlen aus über die Deutschen und ihren Glauben. 2005, so vermeldet DER SPIEGEL, glaubten noch 45% der Befragten an ein Leben nach dem Tod. Nach den aktuellen Umfrageergebnissen sind es nur noch 40%.

Deutlich »gläubiger« sind Katholiken nach wie vor: 2005 bekundeten noch 65% der Befragten Katholiken, dass ihrer Überzeugung nach der Tod nicht das Ende ist, aktuell sind es nur noch 53%. Bei den Protestanten glaubten anno 2005 49% an ein Weiterleben nach dem Tod, heute sind es nur noch 41%.

Interessant ist, dass bei den »Konfessionslosen« die Zahl jener, die an ein Leben nach dem Tod glauben, anders als das bei Katholiken und Protestanten der Fall ist,  nicht etwa geschrumpft, sondern deutlich angewachsen ist, nämlich von 15% (anno 2005) auf 25%! Es glauben also heute mehr Konfessionslose als 2005 daran, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht. Meiner Meinung nach bedeutet »konfessionslos« nicht grundsätzlich, dass sich die Menschen vom christlichen Glauben abwenden. Viele von ihnen können einfach nichts mehr mit einer Institution Kirche anfangen. Skandale wie der schlimme Missbrauch von Kindern durch Geistliche haben sicher zu Kirchenaustritten geführt. Man kann sich von der Geistlichkeit distanzieren, dabei aber bei alten Glaubensüberzeugungen bleiben.

Foto 2: »Wer glaubt denn sowas?«
Unerwartet ist für mich, dass der Glaube an ein Leben nach dem Tod mit dem Alter nicht wächst, sondern sinkt. Bekundeten in der Altersgruppe der 18- bis 39-jährigen 43%, dass sie an ein Leben nach dem Tode glauben, so sind das bei den 65-jährigen und älteren Befragten nur noch 29%!
George Gallup Jr. führte in den USA eine ausführliche Untersuchung durch. Resultat: Hochgerechnet hatten etwa 23.000.000 Amerikaner zumindest kurzfristig einen »totenähnlichen Zustand« erfahren. 8.000.000 dieser Menschen hatten dabei »im Umfeld des Todes« so etwas wie ein »mystisches Erlebnis irgendeiner Art«. So umfassend die Recherchen von George Gallup Jr. auch waren, so sind sie doch nur bedingt verwertbar, wenn es um die Frage nach dem Leben nach dem Tode geht. Dr. Raymond A. Moody ist genau dieser Frage nachgegangen  und zum Ergebnis gekommen, dass es ein Leben nach dem Tode gibt. Nicht wenige Zeitgenossen hatten Nahtoderlebnisse, Visionen vom Weg ins Jenseits. Und da spielen Engel fast immer eine zentrale Rolle. Wenn das keine »fantastischen Realitäten« sind, was dann?

Dr. Raymond A. Moody (* 30. Juni 1944 in Porterdale, Georgia, USA) studierte zunächst Philosophie und promovierte zum Dr. phil. Nach einer Anstellung als Dozent studierte er Medizin und promovierte erneut. Schon während seines Studiums beschäftigte er sich intensiv mit unerklärlichen Phänomenen im Grenzbereich des Todes. Weltbekannt wurde er durch die Veröffentlichung seiner Studie »Leben nach dem Tod« (1). Es handelt sich dabei um eine wissenschaftliche Auswertung von Berichten von 150 Menschen, die im medizinisch-klinischen Sinne bereits gestorben waren und doch überlebt hatten. Dr. Moody kam zu einer Erkenntnis, die gar nicht in unser materialistisches Weltbild zu passen schien: Es gibt so etwas wie ein »Grundschema« des Sterbens. So unterschiedlich die Individualschicksale auch waren, den Menschen, die bereits einmal klinisch tot waren, widerfuhr Vergleichbares. Zunächst einmal erlebten sie ihr eigenes Sterben.

Foto 3: Reise ins Licht...
Ein ganz typisches Todeserlebnis hatte die Amerikanerin Alberta Osborne (2). Sie stellte dem Verfasser einen persönlichen, ausführlichen Bericht zur Verfügung. Alberta Osborne erlebte ihren eigenen Tod so: »Ich schloss die Augen und fiel zu Boden. Ich wurde aufs Bett gelegt. Die Krankenschwester begann sofort mit der Herzmassage. Es gelang ihr, mein Herz wieder in Ganz zu bringen. Ich keuchte und mein Herz blieb stehen. Sie ließ nicht von mir ab bis der Notarzt da war und übernahm. Mein Atem raste und der Schmerz schlug heftig und schnell. Auf dem schnellsten Wege kam ich in die Intensivstation des Krankenhauses. Ich war bei Bewusstsein. Ich registrierte alles, was geschah. Ich wurde an den Herzschlagmonitor angeschlossen und konnte den Schlag meines Herzens hören. Ich hörte wie eine Schwester zum Arzt sagte: ›Der Blutdruck fällt!‹ und ›Ich fühle keinen Puls mehr!‹ Wie ein Blitz kam mir der Gedanke: ›So, nun bin ich tot!‹«

Alberta Osborne wurde Mitte der 1970er Jahre wegen Anstiftung zum Mord zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt. Die Todesstraferteil wurde in lebenslängliche Haft umgewandelt. Alberta Osborne, die immer ihre Unschuld beteuerte, verstarb am 11. August 2000 77jährig in ihrer Gefängniszelle, in Marysville, Ohio, USA.

Dr. Moody: »Ein Mensch liegt im Sterben. Während seine körperliche Bedrängnis sich ihrem Höhepunkt nähert, hört er, wie der Arzt ihn für tot erklärt. Danach befindet er sich plötzlich außerhalb seines Körpers.« Zunächst nimmt er sich in der normalen Umgebung wahr. Er sieht seinen eigenen Leib. Nach und nach gewöhnt er sich an den neuen Zustand. Alberta Osborne: »Ich hatte keine Angst. Ich sah meinen Körper, als ob ich schwebte, wie ohne Gewicht. Ich muss sagen: Ich war so glücklich und voller Freude, ohne Sorge. Kein Kummer, kein Schmerz, nur völlige Heiterkeit.« Nach Dr. Moodys Erkenntnissen wird die Tatsache, dass man gestorben ist, schnell akzeptiert. Dann folgt dann so etwas wie eine »Reise« ins Jenseits. Sie wird von vielen der Betroffenen häufig als ein Flug durch so etwas wie einen Tunnel beschrieben.

Hannelore S. etwa, 41, hatte mit 29 einen »tödlichen Motorradunfall«. Aus ihrem Bericht an den Verfasser: »Ich fühlte mich leicht und ohne Schmerz. Ich schwebte und sah einige Meter unter mir meinen Körper. Ein Arzt kniete neben mir, schüttelte den Kopf: ›Da ist nichts mehr zu machen! Die Ärmste ist tot!‹ Er wirkte so wahnsinnig traurig, dass ich ihn am liebsten getröstet hätte. Aber dann tat sich  ein Tunnel vor mir auf. Ich flog hinein. Ich hatte das deutliche Gefühl, dass es sehr rapide aufwärts ging. Plötzlich tauchte am Ende ein strahlendes Licht auf. Es war so wunderschön. Ich konnte gar nicht erwarten, in dieses Licht einzutauchen.«

Der Übergang von der Welt des Diesseits in das Jenseits wird von vielen Menschen, die Todeserlebnisse hatten, sehr ähnlich beschrieben, auch wenn die  konkreten Ausdrücke variieren: »dunkler Raum«, »Höhle«, »Schacht«, »Rinne«, »eingegrenzter Raum«, »Tunnel«, »Trichter«, »Vakuum«, »Leere«, »Rohr«, »Tal« oder »Zylinder«.

Ganz ähnliches widerfuhr auch Alberta Osborne. Allerdings hatte sie kein Röhrenerlebnis, sie sah
vielmehr gleich das als herrlich empfundene Licht: »Da war kein Kummer, kein Schmerz. Nur völlige Heiterkeit. Und als ich weiter schwebte, sah ich plötzlich vor mir ein sanftes orangenes Licht. Es war so hell, dass es mit Worten nicht zu beschreiben war. Es war fast blendend, aber ich sah immerzu hinein und schwebte näher und fühlte nur, dass ich mich beeilen wollte, um hineinzugelangen. Es sah so sanft aus, wie ein enormer Ball aus Zuckerwatte. Obwohl ich immer wieder sagen muss, dass Worte die Schönheit von all dem nicht beschreiben können: So war es in etwa.«

Während meines Studiums der evangelischen Theologie machte ich ein Praktikum in einem Altersheim. Einige der alten Menschen fassten Vertrauen zu mir und erzählten mir sehr persönliche Erlebnisse in Sachen »Grenzbereich Tod«.

Foto 4: Sterben, wie ein Gang durch einen Tunnel?

Karl Schuster (3) bereiste in Mitte der 1950er Jahre Peru. Besonders fasziniert war der gelernte Buchdrucker von Ollantaytambo. Karl Schuster: »Ich hatte zu wenig Zeit und habe mir wohl zu viel zugemutet. In Ollantaytambo, immerhin fast 2.800 Meter hoch gelegen, wurde mir plötzlich schlecht. Ich erinnere mich noch daran, dass ich aus einem in Stein gefassten Brunnen trinken wollte. Das Wasser war glasklar. Ich habe noch das Geräusch des plätschernden Wassers in den Ohren… «
Karl Schuster, damals 55 Jahre alt, bückte sich, doch bevor er einen Schluck zu sich nehmen konnte, wurde ihm schwarz vor Augen. Er brach zusammen, zog sich dabei eine blutende Wunde an der Stirn zu.

»Plötzlich hörte ich einen anschwellenden, zirpenden Ton. Ich fühlte mich so unglaublich leicht. Meine Rückenschmerzen, unter denen ich damals fast rund um die Uhr gelitten habe, waren weg. Ich empfand es als ganz natürlich, dass ich sanft gen Himmel schwebte, immer schneller und schneller. Schließlich sah ich unter mir die Ruinen von Olantaytambo.«

Foto 5: Ein Brunnen bei Ollantaytambo...

Karl Schuster bedauerte, keinen Fotoapparat dabei zu haben. »Der Anblick war überwältigend! Immer höher und höher stieg ich auf. Neben mir, rechts und links, schwebten zwei Gestalten mit Flügeln. Ihre Gesichtszüge konnte ich nicht erkennen, sie wirkten irgendwie verschwommen. Etwas sehr Positives ging von den beiden aus. Beide deuteten dann auf etwas Helles, sich am Himmel Drehendes. Es erinnerte mich an einen Wasserstrudel. Es kam mir so vor, als würden mich die beiden Gestalten zu diesem Wirbel bringen. Der wurde immer größer und größer. Er drehte sich gemächlich. Ich wusste: Das war der Zugang zur anderen Welt. Als wir fast direkt vor diesem kreisrunden Licht angekommen waren, konnte ich durch diesen Eingang hindurch sehen. Ich sah Gesichter, Gesichter von alten Menschen, aber auch von Kindern. Ich erkannte niemanden. Plötzlich hielten wir inne. Ich wollte so gern durch dieses runde Tor in die andere Welt eingehen. Meine beiden Begleiter aber hinderten mich daran. Es sei noch nicht so weit, ich hätte noch vieles in meinem Leben zu erledigen!«

Karl Schuster spürte so etwas wie einen Ruck und Kälte.»Ich war wieder in meinem Körper. Ein junger Mann schöpfte eben wieder mit seinem Hut  glasklares Wasser aus der Quelle, schleuderte es mir förmlich ins Gesicht. Ich wäre gern den anderen Weg zu Ende gegangen, aber die Zeit war wohl noch nicht gekommen…« Angst vor dem Tod hatte Kerl Schuster seither nicht mehr.

Fußnoten
1) DER SPIEGEL, Nr. 17, 20.4.2019, Titelgeschichte »Wer glaubt denn sowas? Warum selbst Christen keinen Gott mehr brauchen«, S.40-48
2) Osborne, Alberta: »Alberta Osbornes Bericht« in Langbein, Walter-Jörg (Herausgeber): »Im Gespräch mit dem Jenseits«, Göttingen 1984
3) Name wurde geändert

Zu den Fotos
Foto 1: Friedhöfe - für viele unheimliche Orte. Foto: Walter-Jörg Langbein (Symbolfoto)
Foto 2: »Wer glaubt denn sowas?«
Foto 3: Reise ins Licht... Foto: Walter-Jörg Langbein (Symbolfoto)
Foto 4: Künstlerische Darstellung eines Nahtoderlebnisses. Foto wikimedia commons/ gemeinfrei/ Jesse Krauß (Symbolfoto)
Foto 5: Ein Brunnen beiOllantaytambo... Foto Walter-Jörg Langbein (Symbolfoto)

496. »Licht und Hölle im Nahbereich Tod«
Teil 496 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 21. Juli 2019




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