»Ein Buch lesen!« ist schließlich AUCH ein Literaturblog, darum bietet es sich an, dass ich meinen Beitrag mit einem Zitat aus dem Zauberlehrling von Johann Wolfgang von Goethe beginne:
»Die ich rief, die Geister,
Werd’ ich nun nicht los.«
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| Ein Bild mit Symbolkraft: Teilnehmer des Bürgerforums im Spiegel der Weltkugel auf dem Markplatz Wittenberg |
Ende November 2014 erreichte mich ein Anruf von »uzbonn – Gesellschaft für empirische Sozialforschung und Evaluation«, und ich wurde freundlich eingeladen, am ENTRIA - Bürgerforum zum Thema »Wohin mit unserem Atommüll?« teilzunehmen.
»Wohin mit dem Atommüll?« - eine gute Frage und einem Zufallsprinzip ist es zu verdanken, dass ausgerechnet ich zu den Bürgerinnen und Bürger gehöre, die auf diese Frage eine Antwort finden soll. Für mich gibt es keine Zufälle, für mich hat alles was geschieht einen tiefen Sinn, ist Bestandteil meines Lebensweges.
Erinnerungen wurden wach. Es war in den 1980er Jahren. Damals wohnte ich näher an der Stadt Ahaus, als ich heute lebe. Das BZA war in der Bauphase, gegenüber auf der anderen Straßenseite hatte die Bürgerinitiative »Kein Atommüll in Ahaus e.V.« einen Bauwagen geparkt und Mahnwachen wurden abgehalten. Ich erinnere mich, wie ich an einem Abend dort ausharrte, es war kalt und der Fieselregen suchte sich seinen Weg durch meine Kleidung. Autos fuhren vorbei. Manche Fahrer hupten, um Protest kundzutun, andere fuhren vorbei, ohne nach rechts oder links zu blicken, als würde es sie nichts angehen. Aber ich bekam auch den einen oder anderen Vogel zu sehen (Stinkefinger waren zu der Zeit noch nicht so gebräuchlich!).
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| Arbeitsgruppe Bürgerforum |
Ich kann mich nicht erinnern, dass ich gefragt worden bin, als AKWs Thema wurden. Wäre ich denn damals von den Verantwortlichen auch klar informiert worden? Ich denke nicht! Sicher möchte auch ich billigen Strom, ich bin doch meinem Geld nicht böse. Nur mittlerweile dürfte es sich herumgesprochen haben, dass wir uns aus Kernspaltung gewonnene Energie nie hätten leisten können. Was kostet ein Menschenleben? Diese Frage ist berechtigt, nach Tschernobyl, spätestens nach Fukushima. Die Kosten der Sicherheitstransporte, nicht zu vergessen diese möglichen Folgekosten, Kosten der Polizeieinsätze. Dann die Verletzten auf beiden Seiten und wir wissen nicht, wohin mit dem Müll. Was gewiss sicher sein dürfte, es wird der Hexenmeister dem Zauberlehrling nicht zu Hilfe eilen:
»In die Ecke,
Besen! Besen!
Seid’s gewesen«.
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| Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden vorgestellt und besprochen |
Wie hätten Sie eigentlich reagiert? Immerhin hätte der Zufallsgenerator auch Sie auswählen können. Hätten Sie drei Urlaubstage geopfert? Hätte Ihnen Ihr Arbeitgeber frei gegeben? Was hätten Ihre Familienangehörigen gesagt, wenn Sie drei Wochenenden lieber über Atommüll und dessen Entsorgung debattieren wollten, statt im Kreis Ihrer Lieben Ihre kostbare Zeit zu verbringen? Wie hätten Sie das Ihren Kindern erklärt? Denken Sie mal darüber nach, denn außer Unterbringung, Verpflegung und Erstattung der Fahrtkosten war mit nicht mehr als einem »Danke für die Teilnahme« zu rechnen.
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| Eine Bürgerin und ein Bürger übergeben das Gutachten an Michael Müller, SPD |
Und wenn Sie sich entschlossen hätten, an dem Bürgerforum »Wohin mit dem Atommüll?« teilzunehmen, welche Argumente hätten Sie beigetragen? Wäre das Bürgergutachten dann anders ausgefallen? Die Formulierungen schärfer oder weichgespülter? Ich denke, Sie sollten sich darüber Gedanken machen und sich die Frage stellen: Wie hätte ich mich verhalten?
Hier der Link PDF Bürgergutachten.
Auf die Diskussion mit Ihnen freue ich mich.
Fotos: Sylvia B.
Lesen Sie zu diesem Thema auch: Bürgerbeteiligung: das Feigenblatt für die Atomlobby? Atommüll: Bürgergutachten, quo vadis? …
Zwei Filmbeiträge möchte ich Ihnen empfehlen:
ARTE »Albtraum Atommüll«
und:
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