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Sonntag, 24. März 2013

166 »Hanuman, der göttliche Affe«

Teil 166 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Kleiner Hanuman
Foto: W-J.Langbein
»Wir müssen auch diesen ... Menschen hier respektvoll begegnen ...« führt der Geistliche aus Deutschland aus. Ein beleibter Glatzkopf protestiert schwitzend, mit den Armen so energisch wie möglich in der Luft wedelnd. »Aber das sind doch ... Heiden, die der Verdammnis anheim fallen werden!« Seine noch dickere Begleiterin pflichtet bei: »Primitive Heiden sind das doch! Man schaue sich doch nur um ... In den Tempeln hausen Affen. Auf den Straßen marschieren Rinder und Kühe umher. Das Vieh hat immer Vorfahrt! Einfach primitiv!« Der Geistliche, offenbar der Reiseführer der kleinen Gruppe, bläst die Backen auf. »Und doch müssen wir auch solchen ... diesen ... Menschen mit Respekt begegnen!«

Es kommt mir so vor, als suche er nach vermeintlich richtigen Begriffen. Da ihm aber nur beleidigende Ausdrücke einfallen, bringt er nur – nach einer peinlichen Pause - »diese ... Menschen« über die Lippen.

Und in der Tat, Äffchen bevölkern viele der Tempel Indiens. In den Affen wird der göttliche Hanuman verehrt. Im Jahrtausende alten Ramadan-Epos tritt Hanuman als heldenhafter Krieger in Erscheinung. Dämon Ravana hatte Sitar, die Frau Namas entführt. Rama, siebente Verkörperung des Supergottes Vishnu, suchte verzweifelt. Hanuman, der himmlische Krieger, scharte ein Heer von Affen-Kriegern um sich. Hanuman war ein wirklich mächtiger Gehilfe Ramas. War er doch ein Sohn des Windgottes Vayu. Verfügte er doch über die Kraft des Wirbelsturms. Eine besondere Gabe zeichnete ihn aus: Sein himmlischer Vater hatte ihm die Kunst des Fliegens beigebracht. So konnte Hanuman durch die Lüfte sausen und nach der verschleppten Sita suchen.

Der Erfolg blieb nicht aus. Der Gott in Affengestalt entdeckte mit seinen Truppen das Gefängnis der Sita – in Shri Lanka (Ceylon). Stand nun die Familienzusammenführung unmittelbar bevor? So schien es...

Tempelstürmer
Foto: W-J.Langbein
Das Happyend wollte sich aber so schnell nicht einstellen. Sita weigerte sich, sich von Hanuman aus dem Gefängnis befreien zu lassen. Nur ihr Mann, Rama selbst, durfte sie erretten. Alles andere wäre schmachvoll für ihn gewesen. Hanuman fiel mit seinem Heer über die Stadt Ravanas her, zerstörte die gewaltige Verteidigungsanlage und tötete viele aus der Schar der dämonischen Wächter. Auch der Palast des dämonischen Entführers Ravana wurde verwüstet. Ravana attackierte Hanuman. Es gelang ihm, den Schwanz des Affen in Brand zu stecken. Hanuman wurde wütend und verwandelte sich in einen gigantischen Riesenaffen, nach »King Kong Manier«. Wütend entfachte er ein höllisches Feuer. Schließlich holte er Rama, der nun seine Frau Sita befreien konnte, da der Feind ja erheblich geschwächt worden war.

Nur Hanuman wollte als einziger aus dem Heer auch weiter Rama und Sita dienen. Um seine absolute Treue zu beweisen, riss er seine Brust auf. Zum Vorschein kam ein Bild von Rama und Sita. So wurde Hanuman zur personifizierten Treue ... und wird bis heute von der mächtigen Bhakti-Bewegung (»Bhakti«, »Hingabe«, »bedingungslose Liebe«) verehrt ... als ein göttlicher Zauberer, der über immense magische Kräfte verfügt. Unzählige Tempel wurden zu Ehren Hanumans errichtet ... und seither genießen Äffchen Narrenfreiheit. Hanuman-Languren und andere Äffchen, werden von frommen Pilgern in den Tempeln gefüttert und bewundert ... als »Repräsentanten« Hanumans.
Vor Ort erklärte mir ein einheimischer Führer: »Die Hanuman-Äffchen stehen für Verlässlichkeit, Treue und Liebe. Wenn wir sie füttern, ehren wir Hanuman ... und bekennen uns zu den großen Tugenden wie Treue und Liebe!«

Diese Touristen ...
Foto: W-J.Langbein
Kurz bleibe ich bei der kleinen Reisegruppe stehen, in der man sich mit wachsender Begeisterung über den »primitiven Glauben« der Inder echauffiert. »Es ist unglaublich ...«, pflichte ich bei. »Wie kann man nur einen Affen als so etwas wie ein Symbol für Liebe und Treue verstehen! Primitiv ist so etwas!« Meine gespielte Entrüstung stößt auf Begeisterung. Der dickbauchige Reiseleiter der kleinen Schar von Frömmlern stimmt mir selbstgefällig nickend zu. »Da lobe ich mir doch unseren christlichen Glauben!« verkünde ich. »Da werden keine Affen verehrt.. « Einer aus der Gruppe wirft ein: »Auch keine heiligen Kühe!« Ich nicke: »Dafür haben wir aber unsere Taube, den Heiligen Geist!« Ich fürchte, nicht jeder der frommen Schar hat damals meine Ironie erkannt ...

»Die alten Überlieferungen, die alten Epen erscheinen mir als unwissendem Europäer doch oft sehr rätselhaft ...« gab ich abends meinem Guide, einer attraktiven jungen Inderin, zu bedenken. Sie lachte herzhaft. »Von der einstigen Superstadt Vijayanagara sind nur kleine Teile erhalten. Wie imposant sie einst war, wir erahnen es nur ...« Erhalten geblieben sind einzelne gewaltige Portale, die darauf schließen lassen, dass die einstige Monstermauer zum Schutz der heiligen Stadt gewaltig gewesen sein muss. »Bruchstückhaft wie die Überbleibsel von Vijayanagara ... ist unser Wissen über die uralte Vergangenheit der Stadt, als sich Götter und Menschen begegneten!«

Nachdenklich gibt sie zu: »Auch wir Inder verstehen vieles aus der alten Welt der Überlieferungen nicht mehr ... Unser Wissen ist bruchstückhaft ... so wie die Ruinen von Vijayanagara! In Kellergewölben uralter Tempel ruhen noch wahre Schätze des Wissens, ganze Bibliotheken mit geheimnisvollen Texten. Sie sind nur wenigen Eingeweihten bekannt. Bücher mit »Seiten« aus hölzernen Tafeln tragen Schriften, deren Ursprünge Jahrtausende alt sind. Wie viele Wissende können diese Texte noch lesen und verstehen? Wie viele Eingeweihte geben ihr Wissen weiter? Welche Schätze uralten Wissens gehen mit dem Tode der Geheimnisträger für immer verloren?

Manchmal wurde versucht, Mäuerchen zu errichten, um die Funktion der »Portale« augenscheinlicher zu machen. Im Vergleich zu den massigen Portalen wirken die neuzeitlichen Mäuerchen aber eher kläglich ...

Ein mächtiger Portalbau
Foto: W-J.Langbein
Durch die Straßen von Vijayanagara trotten heilige Kühe ... und gelegentlich huschen auch Äffchen vorbei. Fußgänger, Radfahrer, brausende Mopeds und Autos weichen ihnen ebenso aus wie Busse und Rikschas. Oder der wabernde Straßenverkehr kommt plötzlich zum Stillstand, weil sich drei Kühe mitten auf der Straße ein Plätzchen zur nachmittäglichen Ruhe gesucht haben.

Für den »zivilisierten« Besucher aus Europa oder den USA ist es unbegreiflich, wieso man die dösenden Wiederkäuer nicht mit ein paar kräftigen Fußtritten von der Straße treibt. Für den »kultivierten« Europäer oder Amerikaner ist es nicht verständlich, wieso es im undurchschaubaren Gewusel auf indischen Straßen nicht ständig und überall zu Verkehrsunfällen kommt. Die Erklärung ist einfach: Wer im Auto sitzt und eigentlich Vorfahrt hat, der setzt sein Recht nicht rücksichtslos durch. Man wartet geduldig, lässt den Verkehrsteilnehmer, der eigentlich im »Unrecht« ist, gewähren ... und fährt dann gelassen weiter.

Manche Touristen
wissen, dass wir
Nüsse mögen ...
Foto: W-J.Langbein
Die Tradition der Verehrung der Heiligen Kuh löst in der Regel in anderen Ländern Befremden aus. Sie sei, so stellt ein Reiseführer fest (1) »außerhalb Indiens kaum noch nachvollziehbar«. Wann sie entstand – wir wissen es nicht. Fest steht nur, dass bereits vor 3.500 Jahren die Heiligen Kühe verehrt wurden ... von einem indogermanischen Hirtenvolk, den Ariern. Schon damals wurde den Göttern geopfert, vornehmlich geschmolzene »Kuhmilchbutter« (2). Weiter heißt es im Reiseführer (3): »Zum Alltag der Arier gehörten Opferrituale, bei denen neben der eigentlichen Opferung heilige Verse rezitiert wurden. Den formalen Ablauf des Opferrituals bestimmten die Brahmanen-Priester ... Die Opfer wurden von der Bevölkerung dargebracht.« Warum wurde hauptsächlich Butter geopfert? Warum wurde die Kuh als Spenderin so ganz besonders heilig? Wir wissen es nicht! Wir wissen nur, dass die Kuh eine herausragende Rolle spielte: »Im Leben der Menschen hatte die Kuh denselben Stellenwert wie das vedische Feuer oder die Verse der Brahamanen.«

Der Reiseführer erklärt (4): »Die Kuh war ›kamadhenu‹ die Erfüllung aller Wünsche. Das Füttern und die Pflege einer Kuh wurden als aktive Verehrung verstanden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Kuh zum Sinnbild der Göttlichkeit, gleichsam zum Wohnsitz der Götter.«

Nach mehr als drei Jahrzehnten des Erforschens ältester religiöser Bräuche kann ich dieser Erklärung nicht folgen. Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass die Kuh seit Ewigkeiten – und zwar lange vor den altindischen Ariern – als die Manifestation der ältesten Göttin überhaupt angesehen wurde ... nämlich der »Großen Urmutter« schlechthin! Die »Heilige Kuh« war die Mutter allen Lebens, die heilige Mondkuh, die Himmelskuh der Ägypter. Aus ihrem Euter spritzte die Milch, die in unseren Breiten immer schlechter zu erkennen ist ... die Milchstraße!

Autor Langbein mit
Begleitung - Foto:
Ingeborg Diekmann
Der Ursprung der Kuh-Mutter-Gottheit verliert sich in der grauen Vergangenheit, Ägypter und Inder führten nur eine sehr viel ältere Tradition fort, ohne den ursprünglichen Sinn zu verstehen! Die Brahamanen glaubten an die Wiedergeburt. Bei ihren Riten setzten sie entweder eine Kaurischnecke ... oder das Bild einer Kuh ein.

Meine Überzeugung: Die »heilige Kuh« ist das älteste Symbol für die älteste Gottheit ... für die Göttin! Sie wird heute noch in Indien wie Hanuman, der göttliche Affe, verehrt. In unseren Kirchen tummeln sich natürlich keine Affen. Auf unseren Straßen behindern keine »heiligen Kühe« den Straßenverkehr. Bei uns reisen Kühe, Rinder, Pferde Tausende Kilometer unter unsäglichen Bedingungen durch die halbe Welt, um dann oft wiederum unter schlimmsten Bedingungen geschlachtet zu werden. Es gibt zwar Gesetze, die solche Todestransporte »humaner« gestalten sollen ... aber kaum Kontrollen. Die Organisation »Animals' Angels« sammelte weit über eine Million Unterschriften. Es soll erreicht werden, dass Schlachttiere nie länger als acht Stunden transportiert werden. »Animals' Angels« setzt sich für diese gequälten Tiere ein, die sonst keine Lobby haben. Sie versuchen, das Leid der Tiere zu lindern, das oft schlimmer ist als wir uns das vorstellen können!

Ich habe Vorfahrt ...
Foto: W-J.Langbein
Ich erlaube mir, eine Frage zu stellen: Was ist »primitiver«? Die Verehrung der »Heiligen Kuh« als göttliches Sinnbild ... oder der tierquälerische Umgang mit Schlachttieren wie Kühen, Rindern, Pferden? Was ist schlimm? Die Achtung der »Heiligen Kuh« oder übelste Tierquälerei um des Profits willen? Wir empfinden kein Tier als heilig ... sollten doch aber auch dem tierischen Leben mit sehr viel mehr Respekt begegnen, mit Achtung!

Ich selbst bin Fördermitglied bei »Animals' Angels«(6).. und darf Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, diese wichtige Gruppe ans Herz legen!

Fußnoten
1 Nelles Guides: »Indien Nord«, 2. Auflage, München 1991, S. 234
2,3 und 4 ebenda
5 Walker, Barbara G.: »Das geheime Wissen der Frauen«, Frankfurt am Main 1993, S.589 und 590, Stichwort »Kuh«
6 »Animals' Angels e.V.«, Rossertstraße 8, D – 60323 Frankfurt. https://www.animals-angels.de/  

»Ein kurioses Ritualbad«
Teil 167 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein
erscheint am 31.03.2013


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Sonntag, 19. Februar 2012

109 »Marae Titiroa«

Teil 109 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Moorea
Foto: Ian Sewell
Der moderne Mensch hat auch in der Südsee keine Zeit. Und so entscheidet er sich gern für das schnellste Verkehrsmittel, um die 17 Kilometer »lange« Strecke von Papeete nach Moorea zu überbrücken: Maximal zehn Minuten dauert der Flug. Allerdings muss man die Zeit addieren, die man schon vor dem Start auf seinen Flieger warten muss. Das Gepäck muss aufgegeben ... und nach der Landung wieder in Empfang genommen werden. So dauert die modernste Verbindung insgesamt länger als die »langsamste«. Zwei Alternativen gibt es: das schnelle Motorboot (ca. 30 Minuten Fahrtdauer) und ... die gemütliche Fähre.

Das schnelle Motorboot wird von Umweltschützern ungern gesehen. Wiederholt wurden Verbote ausgesprochen, durften die luxuriösen Flitzer nicht in See stechen. Ich meine: Ihr knatternder Lärm passt nicht in das Südseeidyll von Tahiti und Moorea. Ich habe mich für die »träge« Fähre entschieden, die eine Stunde benötigt ... und dafür eine Mini-Seereise bietet ... mit geradezu romantischem Südseeflair! Lachende Kinder sausen umher. Müde Einheimische sitzen auf prall gefüllten Säcken. Sie haben in Tahiti eingekauft. Da sind die Preise günstiger als auf Moorea. Die Fahrt vergeht mir viel zu schnell, wie im Flug ... und schon taucht Moorea auf.

Rucksacktouristen im Paradies
Foto: W-J.Langbein
Blauer Himmel spiegelt sich in blauem Meer. Dazwischen strahlt das kleine Eiland förmlich in sattem Grün ... meistens jedenfalls! Denn manchmal ist der Himmel auch bedeckt. Und je näher man dem Eiland kommt, desto düsterer wirken die imposanten Vulkanberge. Am Himmel zieht ein Jet seine Bahn und hinterlässt einen Kondensstreifen.

Dunkel und schroff ragen sie in den Himmel, scheinen eine gigantische Monstermauer zu bilden. Was mag den Besucher hinter der riesigen Bergkette erwarten ... die einst todbringende Lavamassen in den Himmel spien? Alles ist real, auch wenn manches wie eine für viel Geld geschaffene Filmkulisse wirkt. Die Sonne brennt stechend vom babyblauen Himmel ... bis plötzlich Wolken über der Insel aufziehen und das üppige Grün irgendwie gespenstisch aussehen lassen.

Mir kommt es so vor, als wäre die Insel von Kino-Monster »King Kong« mein Ziel.  Das Gebirge wächst wie eine Mauer aus hartem Basalt zum Himmel. Was mag mich dahinter erwarten? Städte gibt es im Südseeparadies Moorea mit seinen herrlichen weißen Stränden, »glasklaren« Lagunen und üppigster Vegetation keine. Allerdings erkenne ich auf den wogenden Wellen einen seltsamen bräunlichen Schaum und einiges an Zivilisationsmüll. Konservendosen schaukeln hier. Dort schwimmt ein Toilettendeckel. Zum Baden habe ich aber sowieso keine Zeit ... Mein ausgeklügelter Reiseplan sieht leider nur einen mehrstündigen Aufenthalt vor ... Dann muss ich mit der Fähre zurück nach Tahiti. Und so nehme ich mir am Fähr-Hafen ein Taxi ... und los geht’s.

Gut erhaltene Marae auf Moorea
Foto: W-J.Langbein
Vom Hafen aus folgen wir der Küstenstraße. Mangobäume gedeihen prächtig. Ein blechernes Schild kündigt das Dorf »Honu Iti« an. »Das bedeutet ›kleine Schildkröte‹« erklärt der Taxifahrer. Von Ferne winken einige strahlend fröhliche Frauen, schwere Lasten schleppend ... und dennoch bester Laune. Die Freundlichkeit der Menschen macht Moorea erst zum Paradies. Ob für sie der oft schwere Alltag manchmal unerträglich wird? Wenn ... dann zeigen sie es nicht.

»Sie sind aus Deutschland?« fragt mich der Taxifahrer. Als ich nicke, lacht er: »Wir leben hier im Paradies! Nicht im German Schlaraffenland ... Wir müssen arbeiten!« Dann und wann überholen wir schwitzende Rucksacktouristen, die sich die Vulkanberge hinauf quälen. Manche von ihnen recken die Faust gen Himmel und schreien etwas von »Scheiß Touristen« hinter meinem gemächlich fahrenden Taxi her ... so als seien sie selbst keine Touristen.

Wir nähern uns dem Opunohu-Tal. »Gleich sehen Sie die mysteriösen Maraes!« erfahre ich. Maraes sind Kultstätten der vorchristlichen Zeit. In der Regel waren es komplexe Anlagen, rechteckig angelegt, von einer steinernen Mauer umgeben. Im Inneren der Mauer gab es altarähnliche Steinplattformen. Auf Tahiti gab es einst pyramidenförmige »Plattformen«. Sie wurden im Rahmen der Christianisierung verwüstet und zerstört. Aber auch auf Moorea wirkten religiöse Eiferer.

Rituelle Plattform von Moorea
Foto: W-J.Langbein
So gab es an der Nordküste Mooreas im Dörfchen Papetoai einen beeindruckenden Kultplatz. Die christlichen Geistlichen der »London Missionary Society« zerstörten ihn und errichteten (1822-1827) darauf eine achteckige Kirche ... Gleichzeitig wurde alles in christlichen Augen »Unsittliche« verboten – wie die traditionellen Tänze. Paradiesische Lockerheit wurde zur sündhaften Lasterhaftigkeit erklärt. Sonntägliche Gottesdienstbesuche wurden zur Pflicht ... der Besuch von Maraes wurde verboten. Und weil diese Kultanlagen auf Tahiti trotzdem anziehend für die Menschen waren ... wurden sie planmäßig zerstört. Auf Moorea blieben einige erhalten ...

In donnernden Predigten wurden den Menschen grässliche Konsequenzen ihres traditionellen Lebenswandels vor Augen gehalten. Ihr natürlicher Umgang mit Sexualität wurde zur verdammenswerten Sündhaftigkeit, die direkt in die Hölle führte ... Mein Eindruck: Die Menschen von Tahiti wurden mit drastischen Schilderungen zu erwartender Höllenqualen ... aus dem Paradies vertrieben. Paradiesische Unschuld galt von nun an als teuflisches Laster.

Marae von Titiroa
Foto: W-J.Langbein
Das Opunohu Tal war wohl einst so etwas wie ein religiöses Zentrum. Religiös-sakrale Anlagen und steinerne Plattformen, aber auch Wohnhäuser standen dicht an dicht. 500 Bauten sind archäologisch nachweisbar. Einst lebte hier eine Gemeinschaft ... bis ihr hochentwickeltes Gesellschaftssystem von den Missionaren zerstört wurde. Die kulturellen Wurzeln wurden von Eiferern gekappt ... die Tendenz zum »tröstenden Alkohol« wuchs. Mir scheint: die Missionierung war für die Menschen von Moorea alles andere als segensreich. Das einst heilige Tal wurde nach und nach geräumt. Die Natur überwucherte rasch die einstmals heiligen Plätze. Manche wurden zerstört und »landwirtschaftlich genutzt«.

Gezielt wurde das uralte Erbe der Insel zerstört. Die alten Überlieferungen, einst ehrfurchtsvoll von Generation zu Generation weiter gereicht, wurden verboten. Die Menschen im Paradies der Südsee verloren ihre Wurzeln, ihre Identität.

Die Bücher von Walter-Jörg Langbein

»Geheimnisvolles Opunohu-Tal«,
Teil 110 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 26.02.2012


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