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Sonntag, 9. Juni 2013

177 »Kosmischer Plan und Weltuntergang«

Teil 177 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Gigantische Steintore
Fotos: W-J.Langbein
Das Allerheiligste von Vijayanagara, der priesterlich-sakrale Bereich, war einst von Monstermauern umgeben. Die mächtigen Wände sind weitestgehend verschwunden. Staunend stehe wir vor den Überresten, die allenfalls erahnen lassen, welche gigantischen Steinmassen da einst verbaut worden sind! Königliche und Himmlische sollen sich hier einst getroffen haben. Himmlische Wesen und mächtige Menschen begegneten einander.

Gut fünf Meter hohe, tonnenschwere Steintore sind erhalten geblieben. Wie hat man sie wohl in die Senkrechte gestellt? Und wie wurden sie aufgehängt? Das Türscharnier muss gewaltige Gewichte getragen haben ... Diese Monstertüren deuten auf echte Monstermauern hin. Und was geschah hinter den Mauern? Wie begegneten die Mächtigen, die vom Himmel stiegen, den mächtigen Vertretern der Menschen?

Um 1500 n. Chr. Wurden Grundregeln der Baukunst schriftlich festgelegt. Vastu Vidya ist aber sehr viel älter. Nach manchen Quellen kannten die Wissenden schon vor sieben Jahrtausenden da Geheimnis, wie der Mensch seinen Lebensraum gestalten muss, um die unsichtbaren Kräfte zu nutzen – für Bauwerke, in denen man gesund leben kann. Viele Generationen lang war das uralte Wissen nur Eingeweihten zugänglich.

Andreas Volwahsen und Gerd Mader schreiben in ihrem Werk »Indien/ Bauten der Hindus, Buddhisten und Jains« (1): »Vastu-Vidya, die Lehre von der Architektur, war schon in vedischer Zeit eine Geheimwissenschaft. Sie wurde vom Vater auf den Sohn mündlich weitergegeben. Eine schriftliche Festlegung wurde erst im Mittelalter notwendig.«

Der Sonnentempel von Konarak - Foto: W-J.Langbein
Offen gestanden: Das kann meiner Meinung nach so nicht stimmen. Die riesigen Tempelanlagen im »Alten Indien«, steil in den Himmel ragende Tempeltürme mit gewaltigen Steinen von zig Tonnen Gewicht auf der Spitze, Tempel in Kuppelform... all das muss sorgsam auf dem Reißbrett entworfen worden sein. Es muss schriftlich fixierte Baupläne gegeben haben, bevor der erste Stein gesetzt werden konnte. Bauten wie der Sonnentempel von Konarak setzen eine fortgeschrittene Wissenschaft des Bauens voraus, allein schon was die Statik angeht. Die Architekten müssen, wenn auch nicht auf Papier, dann aber auf Palmblatt präzise Bauzeichnungen angefertigt haben ... vor dem Baubeginn.

Schon im 19. Jahrhundert haben englische Wissenschaftler eine »Archaeological Survey of India« (2) unternommen. Ob diese Expedition ihren Namen verdient hat, sei dahingestellt. Offenbar waren die Engländer, die sich als arrogante Vertreter ihrer vermeintlich wahren Zivilisation auf Erden keine Freunde machten, sehr stark an der Baukunst des »Alten Indien« interessiert. Sie befragten auch sehr intensiv indische Priester-Architekten, Sthapatis. Allerdings fand sich nicht ein einziger Wissender, der die europäischen Besucher in die Geheimwissenschaft der Baukunst einzuweisen bereit war.

Stella Kramrisch (1896-1993) verfasste eine Dissertation über »Buddhistische Skulpturen« und unterrichtete von 1921 bis 1950 an der Universität von Kalkutta. Sie konvertierte zum Hinduismus und dürfte eine der wenigen nichtindischen Wissenschaftler gewesen sein, denen ein gewisses Vertrauen entgegengebracht wurde. Offenbar entdeckte Stella Kramrisch, die gebürtige Tschechin, einige alte Manuskripte über die Baukunst in Indien. In wieweit es ihr gelungen ist, die Texte zu verstehen ... wir wissen es nicht. Nach meinen Recherchen sind die Texte bis heute erst zu einem kleinen Teil ausgewertet worden!

Ausschnitt aus einem
Palmblatt mit einer Art
Bauskizze
Foto: W-J.Langbein
Für den Priester-Architekten Sthapati gibt es vor der Entstehung von Materie so etwas wie einen undefinierbaren Geist. In der Schöpfung wird das Ungeordnete und Formlose geordnet und erhält Form. Der kosmische Plan sieht vor, dass der Sthapati alles in seiner Macht stehende tut, um eine Auflösung des Geordneten zu verhindern.

Andreas Volwahsen und Gerd Mader halten fest (3): »Jede Bautätigkeit bedeutet einen neuen Sieg über die Gefahr der Auflösung und unterstützt die kosmische Ordnung. Vorausgesetzt allerdings, daß das Bauwerk im Einklang mit dieser phänomenalen … Ordnung errichtet wird.« Der Tempelbauer errichtet also nicht nur ein sakrales Gebäude als Raum der Lobpreisung und des Gottesdienstes. Sein Wirken im Einklang mit dem großen kosmischen Plan verhindert, dass sich unsere Welt einfach auflöst.

Der Priesterarchitekt schwadroniert nicht über die Allmacht der Göttlichkeit. Er verfügt über uraltes Geheimwissen über den »Kosmischen Plan«. Er weiß von der ewigen Tendenz zur Auflösung alles Existierenden ... und versucht, mit seinen Bauten eben diese geordnete Schöpfung zu stabilisieren. Es gibt eine unsichtbare Welt des Geistigen ... und unsere sichtbare Welt des Materiellen.

Jahrtausende vor unserer Zeit verkündeten in Indien Propheten – anders als im Judentum, Christentum und Islam – nicht den Willen eines Gottes. Er war vielmehr ein Forscher, ein Wissenschaftler. Seine Aufgabe bestand nicht darin unterwürfig die göttliche Macht über die Menschenhit zu verkünden. Die Seher (4) »verkünden nicht mehr den Weg zur Erlangung ihrer Gunst (der Götter!) durch Opfer oder Verehrung, sie bemühen sich vielmehr, das den Kosmos durchdringende Gesetz zu erkennen und alles Sein und Handeln in einem kausalen Zusammenhang zu sehen.«

Der Tempelbauer huldigt keinem individuellen Gott, sondern – wenn überhaupt – einem kosmischen Prinzip, dem kosmischen Plan. Die Frage der Fragen lautet: Kann auch heute noch das verborgene Wissen, das in Sakralbauten wie dem Jagannath-Tempel von Puri, Orissa, verewigt wurde ... erkannt und entschlüsselt werden? Werden wir die Steine irgendwann wieder wie ein Buch lesen können?

Der Jagannath-Tempel - Foto: W-J.Langbein
Es gilt, verborgene Gesetzmäßigkeiten, den kosmischen Plan zu erkennen ... und nicht den Willen willkürlich handelnder Götter. Niemand muss einem vermeintlich allmächtigen Gott Loblieder darbringen, der sonst vielleicht böse wird und Schaden über die Menschen bringt. Der Forschende sucht nach den Gesetzen der Natur. Das Leben soll dann nach diesen Gesetzmäßigkeiten ausgerichtet werden, nicht nach den willkürlichen Launen eines Gottes. Tagesaktuell ausgedrückt: Mit den Gesetzen der Natur leben, nicht nach den Launen einer Gottheit.

Der Tempel, gebaut nach den verborgenen Prinzipien, demonstriert: Bestand hat, was im Einklang mit den Gesetzen des Kosmos ist. Und wer die ewigen Gesetze des Kosmos kennt, der kann schließlich eins werden mit dem Geistigen. Ziel des Buddhisten ist es nicht, in einem Paradies vom Typ Schlaraffenland als Unsterblicher bis in alle Ewigkeit zu schlemmen! Er wartet weder auf saftige Trauben, noch auf liebreizende Jungfrauen. Er will alle irdischen Fesseln abstreifen und eins werden mit dem undefinierbaren Göttlichen.



In diesem Kosmos haben auch körperliche Wesen Platz, die so mächtig sind, dass man sie für Götter halten könnte. Es sind aber physische Wesen. Prof. Dr. Dileep Kumar Kanjilal ist überzeugt: Solche Wesen kamen aus den Tiefen des Alls und besuchten unseren Planeten. Ihre Vehikel werden als Vimanas bezeichnet ... und Vimanas in Stein wurden in Indien als Tempel verewigt. »Göttliche« Riesenvehikel umkreisten die Erde, sich um die eigene Achse drehend. Kleinere Vehikel pendelten zwischen den Monsterschiffen und der Erde hin und her.

Mir wurde ein Palmblatt aus einer privaten Sammlung gezeigt. Diverse Zeichnungen waren eingeritzt worden. Angeblich sind die Motive viele Jahrhunerte, wenn nicht Jahrtausende alt. Die Palmblätter vertrocken und zerfallen ... müssen also rechtzeitig immer wieder kopiert werden. Ich durfte ein Detail fotografieren ... nämlich ein kleines Vimana, so wie es sich der unbekannte Künstler vorgestellt hat!

Ein Vimana wird in einer Prozession mitgezogen. Foto W-J. Langbein
Liebe Leserin, lieber Leser! Wenn Sie diesen Beitrag lesen ... im Juni 2013 ... ist der angebliche Maya-Weltuntergangstermin längst verstrichen. Keine einzige echte Maya-Prophezeiung hat den Weltuntergang für das Jahr 2012 vorhergesagt. Es gibt aber eine konkrete Prophezeiung aus dem »Alten Indien«.

Demnach wird unsere Welt, so wie wir sie kennen, am Ende des Kaliyuga-Zeitalters, in dem wir leben, untergehen. Nicht nur unsere Welt wird ausgelöscht werden, auch das Universum ist dem Untergang geweiht.

Wer sich den Weltuntergangstermin im Kalender notieren möchte ... Das Ende des laufenden Kaliyuga-Zeitalters ist für das Jahr 428.898 n. Chr. vorgesehen.


Fußnoten
1 Stierlin, Henri (Herausgeber): »Indien/ Bauten der Hindus, Buddhisten und Jains«, Band 9 der Reihe »Architektur der Welt«, herausgegeben von Henri Stierlin, Köln, ohne Jahresangabe, S. 43
2 Etwa: »Archäologische Untersuchung Indiens«
3 Stierlin, Henri (Herausgeber): »Indien/ Bauten der Hindus, Buddhisten und Jains«, Band 9 der Reihe »Architektur der Welt«, herausgegeben von Henri Stierlin, Köln, ohne Jahresangabe, S. 44
4 ebenda, S. 10 unten und S. 11 oben

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»Das Geheimnis der Kuppelbauten«,
Teil 178 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien« von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 16.06.2013


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Sonntag, 7. April 2013

168 »Fliegende Wagen«

Teil 168 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Einer der mysteriösen
Tempeltürme von
Virupaksha, Hampi - Foto:
W-J.Langbein
Einst war Hampi die Hauptstadt des Königreiches Vijayanagar. Das heutige Dorf Hampi lässt nicht mehr erahnen, dass die Metropole einst Hunderttausenden Bewohnern Schutz bot. Die Schätzungen der Einwohnerzahl gehen weit auseinander ... » 200.000 lebten hier!« meinen die einen, »1.000.000 waren es!«, meinen die anderen Experten.

Wahre Monstermauern umgaben einst die riesige Stadt. Sieben konzentrisch angelegte Mauern sollen einst als unüberwindbar gegolten haben. Eine Million Söldner, so notierte der persische Herrscher Abdul Razak, sollten angriffslustigen Feinden Furcht einflößen. Bis auf einige Reste sind die Monstermauern vollkommen verschwunden, ebenso wie die einst so stolzen Paläste. Von einigen von ihnen sind nur noch karge Grundmauern erhalten. Zerstört wurde ein Großteil der majestätischen Stadt erst im Jahr 1564 – durch siegreiche muslimische Heere. Die Eroberer überwanden auch die Monstermauern von Hampi. Unzählige Menschen wurden getötet, die Überlebenden vertrieben.

Hampi war wohl eher eine Stadt der sakralen Gebäude. Die Häuser der Menschen hatten wenig Bestand ... die Häuser der Götter wurden für die Ewigkeit gebaut: aus Granit. Der Vitthala-Tempel zum Beispiel erscheint heute immer noch imposant. Drei Tortürme lassen erkennen, wo einst Vishnu verehrt wurde. Vishnu, der »Alldurchdringende«, wird schon in den uralten Veden-Dichtungen zelebriert. Er wurde, wohl unter anderem Namen, als ein Sonnengott verehrt. Er setzte die kosmische Uhr in Gang. Noch älter aber ist Aditi, Mutter Vishnus. Aditi, die »Unendliche«, die »Unbegrenzte«, wird auch als Personifikation von Mutter Erde angesehen, als »Magna Mater«, als große Mutter.

Diese Kolosse blieben bestehen ...
Foto: W-J.Langbein
Vishnu verfügte über ein furchteinflößendes »Reittier«... ein Mischwesen halb Mensch, halb Adler. So fremd uralter indischer Glaube auch ist, so nah ist er uns manchmal. Indische Göttinnen und Götter können oft als männliche und weibliche Aspekte des Göttlichen betrachtet werden. Andererseits waren indische Gottheiten auch höchst real. Und so lebten in steinernen Bauten Erinnerungen an himmlische Wagen, an Flugvehikel, fort, die von den Himmlischen benutzt wurden.

Der mythologischen Überlieferung zufolge soll einst in grauer Vorzeit, vor vielen Jahrtausenden, der mächtige Sonnengott in einem fliegenden Wagen aus kosmischen Gefilden herabgestiegen sein. Diese »mythische Begebenheit« war für die »Alten Inder« kein unglaubwürdiges Märchen, sondern Realität der Vorzeit. Fliegende Wagen muss es einst in großer Zahl im »Alten Indien« gegeben haben. Sie düsten über den Himmel, landeten mit Donnergetöse, nahmen irdische und himmlische Passagiere auf. So eindrucksvoll müssen die seltsamen fliegenden Wagen gewesen sein, dass sie immer wieder dargestellt wurden. Immer und immer wieder schuf man ihnen Denkmäler aus Stein. So wurde so ein Himmelswagen in Konarak im Stein verewigt. Im Marco Polo Reiseführer »Indien« heißt es dazu kurz und bündig: »Mitten im Nichts steht er, ein mystischer Wagen des Sonnengotts Surya, von sieben Pferden gezogen, auf zwölf Paar Rädern rollend.« Jedes der steinernen Räder misst stolze drei Meter.

Sonnentempel von Konarak
Foto: W-J.Langbein
Anno 1250 soll der Tempel entstanden sein. Doch wohl nicht aus dem Nichts. Sondern sakralen Gesetzen der Baukunst folgend, vermutlich eine Kopie eines älteren Tempels, der wiederum Kopie eines noch älteren Bauwerks war.

Erotische Darstellungen unterschiedlichster Sexvariationen sind in zahllosen Steinreliefs höchst plastisch dargestellt. Dargestellt sind aber auch seltsame Mischwesen, Kreaturen, wie sie die Evolution nicht hat hervorbringen können.

Heilige altindische Überlieferungen, sie wurden vor vielen Jahrtausenden, lange vor dem Beginn unserer Zeitrechnung schriftlich fixiert, berichten präzise und detailfreudig über die Flugvehikel der himmlischen Besucher aus kosmischen Sphären. Experten wissen: Sie wurden in umfangreichen Texten höchst eindringlich dargestellt. Wir müssen annehmen, dass wir erst einen kleinen Bruchteil der heiligen indischen Texte kennen. In geheimen Bibliotheken ruhen auch heute noch unüberschaubar große Textansammlungen, die wohl auch von den fliegenden Wagen zu berichten wissen. Tausende Bände antiker Mythen sollen in Indien nach wie vor versteckt werden. Ob sie jemals übersetzt werden?

Uraltes Wissen wurde in Indien nicht nur schriftlich fixiert, sondern auch in Stein verewigt ... als Tempel. Einst führten »heilige Straßen« zum Komplex von Vijayanagara. Sie waren mit Stein gepflastert. Zu wichtigen Terminen, zu hohen Feiertagen, zog man auf diesen Straßen Nachbildungen der Götterfahrzeuge, in denen Götterfiguren saßen, zu den Tempeln. Wurden so Erinnerungen an die Besuche von Außerirdischen in ihren Flugmaschinen am Leben erhalten?

Rätselhafte Bauten . .. Überreste der
einstigen Metropole
Foto: W-J. Langbein
Die »Royal Sanskrit Library« von Mysore verfügt über die größte Sammlung altindischer heiliger Bücher. Zu den edelsten Kostbarkeiten gehört der uralte Text »Vymaanika Shaastra«. Er handelt sehr technische Aspekte der Raumschiffe der alten Götter ab. Da wird beispielsweise die Kleidung der Piloten beschrieben. Da wird berichtet, wie sie ausgebildet wurden. Ihre Flugrouten werden angegeben. Da werden die Metalle aufgelistet, die für die Flugmaschinen zu verwenden sind. Es werden verschiedene Antriebsarten miteinander verglichen, ihre Vor- und Nachteile erörtert. Schließlich werden diverse »Geheimnisse der Astronautik« aufgezählt.

Sehr interessant sind auch die geheimnisvollen Vorrichtungen an Bord der Raumschiffe. Die Namen sind für uns Europäer kaum auszusprechen. »Visvakriyadarpana« etwa ist ein Teleskop. Mit Hilfe dieses Geräts können vom Erdorbit aus Vorgänge, die sich auf der Erde abspielen, genau beobachtet werden. »Shaktyakarsanayantra« bezeichnet einen »Spiegel, fähig Energie anzuziehen«. Handelt es sich um eine Art von Sonnenkollektor, etwa von der Art, wie er heute auch bei Satelliten zur Anwendung kommt?

Der technischen Kommunikation diente, so wissen es die heiligen Texte, »Parivesayantra«. Mit Hilfe dieses Apparats war es möglich, sich von der Erde aus mit der Besatzung von Flugvehikeln zu unterhalten. Er kam auch zum Einsatz, wenn die Piloten untereinander Kontakt aufnahmen. Die Lenker der Raumschiffe waren sehr auf Sicherheit bedacht. Ständig wollten sie darüber informiert sein, ob auch wirklich mit ihren Flugvehikeln alles stimmte. Dabei verließen sie sich unter anderem auf »Vyairopadarpana«. Dieses Gerät meldete selbständig sofort, wenn ein Teil ausgetauscht oder repariert werden musste. Ähnliche Aufgaben hatte auch »Sirahkeelaka«. Der Beschreibung nach handelte es sich dabei um einen Computer zur Koordinierung aller einzelnen Bestandteile der Raumschiffe. Der Flugsicherheit diente auch »Puspinee«. Es beobachtete das Flugwetter, registrierte speziell Gewitter und warnte vor Beeinträchtigung des Flugs.

Auch in Vijayanagar gibt es steinerne
Himmelswagen. Foto: Adrian Sulc
Wir müssen uns vergegenwärtigen: Vor Jahrtausenden gab es derlei Technologie nicht aus irdischer Produktion. Fachausdrücke, wie sie uns alltäglich sind, gab es nicht. Die gelehrten Textverfasser mussten umschreiben. Und sie taten dies mit erstaunlicher Präzision.

In heiligen Texten sind Details überliefert, die mehr als technisch anmuten. Sie klingen wie Beschreibungen einer fortschrittlichen Technologie. »Das Wissen der alten Inder war vor Jahrtausenden enorm!« raunte mir ein junger Bibliothekar in einer der Tempelbibliotheken zu. »Die Priester hielten Wissen fest, das sie nicht verstanden. Die Priester waren nicht nur Geistliche, die Gottesdienste abhielten und heilige Gesänge anstimmten. Sie waren auch Architekten. Sie legten die Baupläne der Tempel fest. Und die Tempel waren häufig nichts anderes als die Flugvehikel der Götter von einst, in Stein verewigt!« »Warum?« will ich wissen. Vom Bibliothekar erhielt ich die gleiche Antwort wie von Prof. Dr. Dileep Kumar Kanjilal, der sich intensiv mit altindischer Mythologie beschäftigt hat. »Es gab vor Jahrtausenden Wissen, das auf keinen Fall verlorengehen durfte. Deshalb wurde es schriftlich festgehalten ... und zugleich in steinernen Denkmälern verewigt. Werden wir eines Tages die alten Tempel wie ein Buch lesen können? Ich hoffe es sehr!«

Prof. Dr. Dileep Kumar Kanjilal jedenfalls ist davon überzeugt, dass vor Jahrtausenden außerirdische Flugmaschinen in Indien zum Alltag gehörten. »Sie müssen«, meinte der angesehene Gelehrte aus Kalkutta, »aus dem Weltraum gekommen sein!«

Technologie in Stein
Foto: W-J.Langbein
Bei brütender Hitze marschierte ich schwitzend durch die Ruinen von Vijayanagar ... Steinerne Himmelswagen ... steinerne Tempel ... gewaltige Tempeltürme mit steinernen Flugvehikeln an der Spitze ... Es wäre wirklich mehr als faszinierend, wenn man die steinernen Botschaften wie ein Buch lesen könnte. Sollte es sich zeigen, dass die graue Vorzeit von Planet Erde fantastisch war ... wie von einem Sciencefiction-Autor erfunden?



»Das Geheimnis der eisernen Säule«,
Teil 169 der Serie 

»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

erscheint am 14.04.2013

Sonntag, 31. März 2013

167 »Ein kurioses Ritualbad«

Teil 167 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Das mysteriöse Ritualbad
Foto: W-J.Langbein
Der Kopf brummt. Die Nase ist verstopft. Ich habe Fieber. Schuld an der schlimmen Erkältung ist die Klimaanlage unseres Reisebusses. Immer wieder bin ich völlig verschwitzt der Gluthitze Indiens in unserem modernen Gefährt entkommen. Genüsslich habe ich die Kaltluftdüse angestellt, den kalten Lufthauch genossen. Und dabei habe ich Bakterien und Viren eingeatmet ... die von der kräftigen Klimaanlage im ganzen Bus verteilt wurden. Das Kontrastprogramm »Sauna im Freien - Kältekammer im Bus« plus Bazillen-Virenschleuder Kaltluftgebläse haben Wirkung gezeigt ...

Ich bin erkältet ... Der Busfahrer hat mir eine Kur mit »Naturheilmitteln« empfohlen: Schnupftabak und Rum. Der Schnupftabak, von einem Straßenhändler erworben, scheint meine Nase innerlich vollkommen auszubrennen. Und der Rum heilt meine schlimme Erkältung auch nicht wirklich. Aber die hochprozentige Arznei macht mich gelassener. Schließlich lasse ich beide »Naturheilmittel« weg.

Unser Guide, eine schlanke, zierliche Inderin, spricht perfekt Englisch. Sie versteht, dass unsere kleine Reisegruppe an den Geheimnissen und Mysterien Indiens interessiert ist. Und so erfahren wir von ihr, was nicht in den offiziellen Lehrbüchern steht. So erfahren wir, dass vermeintliches »Wissen« oft nur reine Spekulation ist. »Ein Gebäude mit massiven Mauern und zahlreichen kleinen Kammern kann nach dem im Boden erhaltenen Fundament rekonstruiert werden. Aber welchem Zweck dienten die kleinen Räume? Waren es Zellen für Mönche ... oder Ställe? Waren hier Elefanten untergebracht ... oder Pferde? Wir wissen es nicht.«

Vermessungsarbeiten
Foto: Ingeborg Diekmann
Schließlich führt sie uns zu einem »Ritualbad«. Es erinnert eher an eine »Sportarena« unserer Tage, das aber im kleinen Maßstab. Was es einst auch war, es wurde vollständig im Erdreich versenkt. Erhalten ist nur der unterirdische, quadratische Teil, so erklärt vor Ort unser Guide. Und – so erfahren wir weiter – es wurde »erst kürzlich« ausgegraben. Welchem Zweck diente der kuriose Bau einst? Handelt es sich bei der im Boden versenkten steinernen »Sportarena« um den unterirdischen Teil eines Tempels? Wurde der oberirdische Teil abgetragen, um Baumaterialien zu gewinnen?

John Fritz lässt in seinem fulminanten Werk »City oft Victory« keinen Zweifel aufkommen. Demnach handelt es sich um (1) ein »rituelles Bad«, das einst zum »königlichen Zentrum« gehörte. Ist damit das Rätsel um die »kürzlich bei der archäologischen Begutachtung getätigten Entdeckung« gelöst? Mit Freunden habe ich vor Ort die seltsame Anlage vermessen. Sie ist fast exakt quadratisch. Ausmaße an der Oberkante: 22,50 mal 22 m. Vier Stufen, jeweils 0,90 m tief, führen nach unten zu einem Quadrat von 6,13 m Seitenlänge. Wie tief die letzte Stufe ist, konnte nicht eruiert werden. Im untersten Bereich steht Wasser, am Boden befindet sich fester Schlamm. Sollte auch die letzte Stufe, also die fünfte, 0,90 m tief sein, ergäbe das eine Gesamttiefe von 4,50 m. Baumaterial: vermutlich Granit.

Unpraktische
Treppchen
in großer Zahl
Foto: W-J.Langbein
Noch heute besticht die an eine präzise Zeichnung von Escher erinnernde Struktur durch die unzähligen kleinen steinernen »Treppchen« die von einer Stufe zur nächsten führen. Aber sind es denn wirklich »Treppchen«? Ich habe da meine Zweifel die einzelnen »Stufen« der steinernen »Treppchen« sind so schmal, dass man winzige Füßchen haben müsste, um sie wirklich als Treppen benützen zu können. Und warum erstellte man Dutzende von kleinen Steintreppen, eine neben der anderen? Die Königin konnte, so lautet eine Erklärung, von jedem Punkt aus den Abstieg nach unten zum Wasser beginnen... und musste keinen einzigen Meter gehen, um eine Treppe zu erreichen.

Eine andere Erklärung mutet viel profaner an. Demnach handelte es sich nicht um ein »rituelles Bad«, sondern um einen Brunnen. Sollte diese Erklärung stimmen? Angeblich kletterten Wasserträgerinnen auf den Treppen nach unten, um Wasser zu schöpfen und in Eimern nach oben zu tragen. Ich muss einwenden: Aber gerade dann sind die äußerst schmalen Treppenstufen alles andere als unpraktisch. Ich muss wiederholen: Warum hat man statt der vielen Treppchen nicht eine einzige, praktischere gebaut?

Angeblich gab es einst »Tausende« von »Stufenbrunnen« in Indien. Die ersten sollen vor mindestens 1400, vielleicht schon vor 2000 Jahren gegraben und gebaut worden sein. Hindus sollen diese für Indien sehr wichtigen Wasserquellen »erfunden« haben. Die muslimischen Truppen hätten sie später als Besatzer übernommen. Oder haben indische Baumeister nur übernommen, was sie im Industal gesehen haben?

Wie auch immer: Wichtig müssen die seltsamen Bauten gewesen sein. Sie wurden einst so gebaut, dass auch Erdbeben erheblicher Stärke ihnen nichts anhaben konnten. Von »Tausenden« von »Stufenbrunnen« sind nicht mehr viele erhalten. Oder schlummern noch unzählige vergraben im Erdreich?

Der Brunnen von Abhaneri,
Rajasthan, Indien
Foto: Doron
Der »Stufenbrunnen« von Chand Baori, ìm Dorf Abhaneri, Rajasthan, Indien, soll der wahrscheinlich tiefste seiner Art sein. Konstruiert wurde er angeblich im neunten Jahrhundert ... unweit des »Harshat Mata«-Tempels. Seine Basis befindet sich in rund dreißig Metern Tiefe unter der Erdoberfläche. Dreizehn »Etagen« lassen sich erkennen. Wiederum sind es unzählige kleine Treppchen ... eine an der anderen, die nach unten führen. So soll es möglich gewesen sein, bei sinkendem Wasserspiegel immer leicht an das kostbare Nass zu gelangen. Aber waren dazu wirklich 3500 (dreitausendfünfhundert) enge Stufen erforderlich? Wäre es nicht sehr viel einfacher und praktischer gewesen, eine Treppe mit breiteren Stufen zu bauen?

Harshat Mata wird heute noch als Göttin des Glücks und der Fröhlichkeit verehrt. Sollte der so kunstvoll-unpraktisch angelegte Brunnen eine andere als eine rein profane Bedeutung gehabt haben? Jutta Jain-Neubauer hebt in ihrem Werk »The Stepwells of Gujarat« die sakral-religiöse Bedeutung solcher Brunnen hervor. Noch heute, so weiß die Autorin zu berichten, wird Göttinnen via Brunnen geopfert. Mag sein, dass einst Menschen rituell getötet und in die Brunnen geworfen wurden. Angeblich sind Selbstopferungen aus uralten Zeiten überliefert. Derlei grausige Rituale werden heute nicht mehr vollzogen. Es soll aber Glück bringen, vom eigenen Blut einige Tropfen in das Brunnenwasser fallen zu lassen.

In Gujarat sieht man in der einheimischen Bevölkerung noch heute eine Verbindung zwischen »Stufenbrunnen« und der segensreichen Muttergöttin. Noch heute sollen sie als heilige Stätte der Verehrung von Göttinnen wie Devi oder Mata gesehen werden. Mich verwundert es nicht, dass das auch und gerade in Indien so kostbare Lebenselixier Wasser mit Muttergöttinnen in Verbindung gebracht wird. Der Muttergöttin verdankt man Leben, Wachsen und Gedeihen. Zum Leben gehört unverzichtbar Wasser, das aus dem harten und trockenen Boden Pflanzen sprießen lässt.

Teilansicht - Foto: W-J.Langbein
Es waren, Jutta Jain-Neubauer weist darauf hin, Damen von königlichem Blut oder aus dem »Hochadel«, die die Schirmherrschaft für sakrale Brunnen übernommen haben. Die vornehmen Damen verfügten offensichtlich über erhebliche finanzielle Mittel, die ihnen den Bau teurer und höchst kunstvoller »Stufenbrunnen« ermöglichten.

Vermutlich wurde in Indien schon vor vielen Jahrtausenden komplexe Bewässerungssysteme ersonnen. Die ersten Brunnen waren »primitiv«, einfach Erdlöcher bis zum Grundwasserspiegel. Von den Wasserlöchern führten Gräben zu den Äckern, die in trockenen Zeiten bewässert werden konnten. Die Brunnen waren somit Garanten für das Überleben der Menschen. Ohne das kostbarere Nass gab es kein Überleben.

Aus den einfachen Erdlöchern, die mit Steinbrocken gefasst wurden, entwickelten sich immer modernere Bauten ... bis hin zu den Wasserheiligtümern von Göttinnen, ja von der großen Muttergöttin, die im heiligen Wasser residierte. So sehe ich das vermeintliche »rituelle Bad« von Vijayanagara eben nicht als simplen Brunnen an ... sondern als Heiligtum einer Muttergöttin, der einst Opfer gebracht wurden – Nahrungsmittel wie Getreide, aber auch Ost und Gemüse, Tiere, aber auch Menschen.

Stufen für eine Göttin
Foto: W-J.Langbein
Die »Treppen« sind für profane menschliche Füße höchst unpraktisch. Sollten sie gar nicht für irdischen Gebrauch gedacht gewesen sein? Sollten sie es der Göttin ermöglichen, aus den Fluten empor zu steigen? Zu den sakralen Brunnen gehörten dann auch Altäre für die Göttinnen wie Asapuri. Die sakralen Brunnen – im Gegensatz zu profanen, die nur der Bewässerung dienten? - waren so etwas wie Eingänge zu Erd-Mutter-Göttin.

Mit Freunden vermesse ich stundenlang den kuriosen »Brunnen« von Vijayanagara. Ob die Bezeichnung »Ritualbad« denn so abwegig sei, frage ich unseren Guide. »Keineswegs!« lautet die Antwort. Liegt der Gedanke nicht nahe, dass das Bad im heiligen Wasser der Göttin von besonders segensreicher Wirkung war?

Fußnoten
1: Fritz, John: »City oft Victory«, New York 1991, S.63
2: Jain-Neubauer, Jutta: »The Stepwells of Gujarat«, 1. Auflage, New Delhi 1981, S. 6
Literatur

Folgende Werke seien dem interessierten Leser empfohlen ... zur vertiefenden Lektüre zum Thema Indien ...

Im Wasser haust die
Göttin - Foto:
W-J.Langbein
Bhagavdgita, die
Sanskrittext mit Einleitung und Kommentar von S. Radharkrishnan/ Mit dem
indischen Text verglichen und ins Deutsche übersetzt von Siegfried
Lienhard, Wiesbaden 1970
Bhagavdgita,die Mit einem spirituellen Kommentar von Bede Griffiths/ Aus dem Sanskrit
übersetzt, eingeleitet und erläutert von Michael von Brück, München 1993
Bhagavdgita/ As ist is/ Abridged Edition/ with translations and elaborate purports by his
Divine Grace A.C. Bhaktivedanta Sywami Prabhupada/ Founder-Acarya of
the International Society for Krishna Consciousness, New York
Childress, David Hatcher: Vimana Aircraft of Ancient India and Atlantis,
Stelle 1991
Childress, David Hatcher: Lost Cities of China, Central Asia and India, Stelle
1991
Euringer, Florian: Indische Astrologie/ Die 27 Frauen des Mondes, Genf 1989
Franz, Heinrich Gerhard: Das alte Indien/ Geschichte und Kultur des
indischen Subkontinents, München 1990,
Fritz, John: City oft Victory/ Vijayanagara, New York 1991
Gentes, Lutz: Die Wirklichkeit der Götter/ Raumfahrt im alten Indien,
München 1996
Higgins, Godfrey: The Celtic Druids or An Attempt to shew, that the Druids
were the priests of oriental colonies who emerged from India And were the
introducers of the first or Cadmean system of letters and the builders of
Stonehenge, of Carnac, and of other cyclopean works, in Asia and Europe,
London 1829
Kearsley, Graeme R.: Pacal’s Portal to Paradise at Palenque/ The Iconography
of India at Palenque and Copan, London 2002
Kircher, Bertram: (TerraX) Atlantis/ alle Mythen, Legenden und Dichtungen,
Düsseldorf 2007 (Das Mysterium des Shiva/ Heilige Männer in Indien)
Rao, S.R. (Shikaripur Ranganatha): The Lost City of Dvaraka,
New Delhi, 1. Auflage 1999
Richter-Ushanas, Egbert: The Indus Script and the Rg-veda, Delhi 1997
Thompson, Richard L.: Vedic Cosmography and Astronomy, Los Angeles
1990

»Fliegende Wagen«, 
 Teil 168 der Serie  »Monstermauern, Mumien und Mysterien« 
 von Walter-Jörg Langbein
 erscheint am 07.04.2013

Sonntag, 24. März 2013

166 »Hanuman, der göttliche Affe«

Teil 166 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Kleiner Hanuman
Foto: W-J.Langbein
»Wir müssen auch diesen ... Menschen hier respektvoll begegnen ...« führt der Geistliche aus Deutschland aus. Ein beleibter Glatzkopf protestiert schwitzend, mit den Armen so energisch wie möglich in der Luft wedelnd. »Aber das sind doch ... Heiden, die der Verdammnis anheim fallen werden!« Seine noch dickere Begleiterin pflichtet bei: »Primitive Heiden sind das doch! Man schaue sich doch nur um ... In den Tempeln hausen Affen. Auf den Straßen marschieren Rinder und Kühe umher. Das Vieh hat immer Vorfahrt! Einfach primitiv!« Der Geistliche, offenbar der Reiseführer der kleinen Gruppe, bläst die Backen auf. »Und doch müssen wir auch solchen ... diesen ... Menschen mit Respekt begegnen!«

Es kommt mir so vor, als suche er nach vermeintlich richtigen Begriffen. Da ihm aber nur beleidigende Ausdrücke einfallen, bringt er nur – nach einer peinlichen Pause - »diese ... Menschen« über die Lippen.

Und in der Tat, Äffchen bevölkern viele der Tempel Indiens. In den Affen wird der göttliche Hanuman verehrt. Im Jahrtausende alten Ramadan-Epos tritt Hanuman als heldenhafter Krieger in Erscheinung. Dämon Ravana hatte Sitar, die Frau Namas entführt. Rama, siebente Verkörperung des Supergottes Vishnu, suchte verzweifelt. Hanuman, der himmlische Krieger, scharte ein Heer von Affen-Kriegern um sich. Hanuman war ein wirklich mächtiger Gehilfe Ramas. War er doch ein Sohn des Windgottes Vayu. Verfügte er doch über die Kraft des Wirbelsturms. Eine besondere Gabe zeichnete ihn aus: Sein himmlischer Vater hatte ihm die Kunst des Fliegens beigebracht. So konnte Hanuman durch die Lüfte sausen und nach der verschleppten Sita suchen.

Der Erfolg blieb nicht aus. Der Gott in Affengestalt entdeckte mit seinen Truppen das Gefängnis der Sita – in Shri Lanka (Ceylon). Stand nun die Familienzusammenführung unmittelbar bevor? So schien es...

Tempelstürmer
Foto: W-J.Langbein
Das Happyend wollte sich aber so schnell nicht einstellen. Sita weigerte sich, sich von Hanuman aus dem Gefängnis befreien zu lassen. Nur ihr Mann, Rama selbst, durfte sie erretten. Alles andere wäre schmachvoll für ihn gewesen. Hanuman fiel mit seinem Heer über die Stadt Ravanas her, zerstörte die gewaltige Verteidigungsanlage und tötete viele aus der Schar der dämonischen Wächter. Auch der Palast des dämonischen Entführers Ravana wurde verwüstet. Ravana attackierte Hanuman. Es gelang ihm, den Schwanz des Affen in Brand zu stecken. Hanuman wurde wütend und verwandelte sich in einen gigantischen Riesenaffen, nach »King Kong Manier«. Wütend entfachte er ein höllisches Feuer. Schließlich holte er Rama, der nun seine Frau Sita befreien konnte, da der Feind ja erheblich geschwächt worden war.

Nur Hanuman wollte als einziger aus dem Heer auch weiter Rama und Sita dienen. Um seine absolute Treue zu beweisen, riss er seine Brust auf. Zum Vorschein kam ein Bild von Rama und Sita. So wurde Hanuman zur personifizierten Treue ... und wird bis heute von der mächtigen Bhakti-Bewegung (»Bhakti«, »Hingabe«, »bedingungslose Liebe«) verehrt ... als ein göttlicher Zauberer, der über immense magische Kräfte verfügt. Unzählige Tempel wurden zu Ehren Hanumans errichtet ... und seither genießen Äffchen Narrenfreiheit. Hanuman-Languren und andere Äffchen, werden von frommen Pilgern in den Tempeln gefüttert und bewundert ... als »Repräsentanten« Hanumans.
Vor Ort erklärte mir ein einheimischer Führer: »Die Hanuman-Äffchen stehen für Verlässlichkeit, Treue und Liebe. Wenn wir sie füttern, ehren wir Hanuman ... und bekennen uns zu den großen Tugenden wie Treue und Liebe!«

Diese Touristen ...
Foto: W-J.Langbein
Kurz bleibe ich bei der kleinen Reisegruppe stehen, in der man sich mit wachsender Begeisterung über den »primitiven Glauben« der Inder echauffiert. »Es ist unglaublich ...«, pflichte ich bei. »Wie kann man nur einen Affen als so etwas wie ein Symbol für Liebe und Treue verstehen! Primitiv ist so etwas!« Meine gespielte Entrüstung stößt auf Begeisterung. Der dickbauchige Reiseleiter der kleinen Schar von Frömmlern stimmt mir selbstgefällig nickend zu. »Da lobe ich mir doch unseren christlichen Glauben!« verkünde ich. »Da werden keine Affen verehrt.. « Einer aus der Gruppe wirft ein: »Auch keine heiligen Kühe!« Ich nicke: »Dafür haben wir aber unsere Taube, den Heiligen Geist!« Ich fürchte, nicht jeder der frommen Schar hat damals meine Ironie erkannt ...

»Die alten Überlieferungen, die alten Epen erscheinen mir als unwissendem Europäer doch oft sehr rätselhaft ...« gab ich abends meinem Guide, einer attraktiven jungen Inderin, zu bedenken. Sie lachte herzhaft. »Von der einstigen Superstadt Vijayanagara sind nur kleine Teile erhalten. Wie imposant sie einst war, wir erahnen es nur ...« Erhalten geblieben sind einzelne gewaltige Portale, die darauf schließen lassen, dass die einstige Monstermauer zum Schutz der heiligen Stadt gewaltig gewesen sein muss. »Bruchstückhaft wie die Überbleibsel von Vijayanagara ... ist unser Wissen über die uralte Vergangenheit der Stadt, als sich Götter und Menschen begegneten!«

Nachdenklich gibt sie zu: »Auch wir Inder verstehen vieles aus der alten Welt der Überlieferungen nicht mehr ... Unser Wissen ist bruchstückhaft ... so wie die Ruinen von Vijayanagara! In Kellergewölben uralter Tempel ruhen noch wahre Schätze des Wissens, ganze Bibliotheken mit geheimnisvollen Texten. Sie sind nur wenigen Eingeweihten bekannt. Bücher mit »Seiten« aus hölzernen Tafeln tragen Schriften, deren Ursprünge Jahrtausende alt sind. Wie viele Wissende können diese Texte noch lesen und verstehen? Wie viele Eingeweihte geben ihr Wissen weiter? Welche Schätze uralten Wissens gehen mit dem Tode der Geheimnisträger für immer verloren?

Manchmal wurde versucht, Mäuerchen zu errichten, um die Funktion der »Portale« augenscheinlicher zu machen. Im Vergleich zu den massigen Portalen wirken die neuzeitlichen Mäuerchen aber eher kläglich ...

Ein mächtiger Portalbau
Foto: W-J.Langbein
Durch die Straßen von Vijayanagara trotten heilige Kühe ... und gelegentlich huschen auch Äffchen vorbei. Fußgänger, Radfahrer, brausende Mopeds und Autos weichen ihnen ebenso aus wie Busse und Rikschas. Oder der wabernde Straßenverkehr kommt plötzlich zum Stillstand, weil sich drei Kühe mitten auf der Straße ein Plätzchen zur nachmittäglichen Ruhe gesucht haben.

Für den »zivilisierten« Besucher aus Europa oder den USA ist es unbegreiflich, wieso man die dösenden Wiederkäuer nicht mit ein paar kräftigen Fußtritten von der Straße treibt. Für den »kultivierten« Europäer oder Amerikaner ist es nicht verständlich, wieso es im undurchschaubaren Gewusel auf indischen Straßen nicht ständig und überall zu Verkehrsunfällen kommt. Die Erklärung ist einfach: Wer im Auto sitzt und eigentlich Vorfahrt hat, der setzt sein Recht nicht rücksichtslos durch. Man wartet geduldig, lässt den Verkehrsteilnehmer, der eigentlich im »Unrecht« ist, gewähren ... und fährt dann gelassen weiter.

Manche Touristen
wissen, dass wir
Nüsse mögen ...
Foto: W-J.Langbein
Die Tradition der Verehrung der Heiligen Kuh löst in der Regel in anderen Ländern Befremden aus. Sie sei, so stellt ein Reiseführer fest (1) »außerhalb Indiens kaum noch nachvollziehbar«. Wann sie entstand – wir wissen es nicht. Fest steht nur, dass bereits vor 3.500 Jahren die Heiligen Kühe verehrt wurden ... von einem indogermanischen Hirtenvolk, den Ariern. Schon damals wurde den Göttern geopfert, vornehmlich geschmolzene »Kuhmilchbutter« (2). Weiter heißt es im Reiseführer (3): »Zum Alltag der Arier gehörten Opferrituale, bei denen neben der eigentlichen Opferung heilige Verse rezitiert wurden. Den formalen Ablauf des Opferrituals bestimmten die Brahmanen-Priester ... Die Opfer wurden von der Bevölkerung dargebracht.« Warum wurde hauptsächlich Butter geopfert? Warum wurde die Kuh als Spenderin so ganz besonders heilig? Wir wissen es nicht! Wir wissen nur, dass die Kuh eine herausragende Rolle spielte: »Im Leben der Menschen hatte die Kuh denselben Stellenwert wie das vedische Feuer oder die Verse der Brahamanen.«

Der Reiseführer erklärt (4): »Die Kuh war ›kamadhenu‹ die Erfüllung aller Wünsche. Das Füttern und die Pflege einer Kuh wurden als aktive Verehrung verstanden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Kuh zum Sinnbild der Göttlichkeit, gleichsam zum Wohnsitz der Götter.«

Nach mehr als drei Jahrzehnten des Erforschens ältester religiöser Bräuche kann ich dieser Erklärung nicht folgen. Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass die Kuh seit Ewigkeiten – und zwar lange vor den altindischen Ariern – als die Manifestation der ältesten Göttin überhaupt angesehen wurde ... nämlich der »Großen Urmutter« schlechthin! Die »Heilige Kuh« war die Mutter allen Lebens, die heilige Mondkuh, die Himmelskuh der Ägypter. Aus ihrem Euter spritzte die Milch, die in unseren Breiten immer schlechter zu erkennen ist ... die Milchstraße!

Autor Langbein mit
Begleitung - Foto:
Ingeborg Diekmann
Der Ursprung der Kuh-Mutter-Gottheit verliert sich in der grauen Vergangenheit, Ägypter und Inder führten nur eine sehr viel ältere Tradition fort, ohne den ursprünglichen Sinn zu verstehen! Die Brahamanen glaubten an die Wiedergeburt. Bei ihren Riten setzten sie entweder eine Kaurischnecke ... oder das Bild einer Kuh ein.

Meine Überzeugung: Die »heilige Kuh« ist das älteste Symbol für die älteste Gottheit ... für die Göttin! Sie wird heute noch in Indien wie Hanuman, der göttliche Affe, verehrt. In unseren Kirchen tummeln sich natürlich keine Affen. Auf unseren Straßen behindern keine »heiligen Kühe« den Straßenverkehr. Bei uns reisen Kühe, Rinder, Pferde Tausende Kilometer unter unsäglichen Bedingungen durch die halbe Welt, um dann oft wiederum unter schlimmsten Bedingungen geschlachtet zu werden. Es gibt zwar Gesetze, die solche Todestransporte »humaner« gestalten sollen ... aber kaum Kontrollen. Die Organisation »Animals' Angels« sammelte weit über eine Million Unterschriften. Es soll erreicht werden, dass Schlachttiere nie länger als acht Stunden transportiert werden. »Animals' Angels« setzt sich für diese gequälten Tiere ein, die sonst keine Lobby haben. Sie versuchen, das Leid der Tiere zu lindern, das oft schlimmer ist als wir uns das vorstellen können!

Ich habe Vorfahrt ...
Foto: W-J.Langbein
Ich erlaube mir, eine Frage zu stellen: Was ist »primitiver«? Die Verehrung der »Heiligen Kuh« als göttliches Sinnbild ... oder der tierquälerische Umgang mit Schlachttieren wie Kühen, Rindern, Pferden? Was ist schlimm? Die Achtung der »Heiligen Kuh« oder übelste Tierquälerei um des Profits willen? Wir empfinden kein Tier als heilig ... sollten doch aber auch dem tierischen Leben mit sehr viel mehr Respekt begegnen, mit Achtung!

Ich selbst bin Fördermitglied bei »Animals' Angels«(6).. und darf Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, diese wichtige Gruppe ans Herz legen!

Fußnoten
1 Nelles Guides: »Indien Nord«, 2. Auflage, München 1991, S. 234
2,3 und 4 ebenda
5 Walker, Barbara G.: »Das geheime Wissen der Frauen«, Frankfurt am Main 1993, S.589 und 590, Stichwort »Kuh«
6 »Animals' Angels e.V.«, Rossertstraße 8, D – 60323 Frankfurt. https://www.animals-angels.de/  

»Ein kurioses Ritualbad«
Teil 167 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein
erscheint am 31.03.2013


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Sonntag, 17. März 2013

165 »Nach Indien, der Götter wegen ...«

Teil 165 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Autor Langbein in
Vijayanagara - Foto:
Ingeborg Diekmann
Mich haben uralte »Heilige Texte«, wie das Mahabharata, und eine mysteriöse Stadt nach Indien gelockt. Altindische Texte berichten von riesigen walzenförmigen Städten, die sich um die eigene Achse drehten ... und das im unendlichen All. Aus diesen Monsterschiffen sollen kleine Vehikel geflogen und zur Erde hinabgestiegen sein. Sie pendelten zwischen »Mutterschiff« und Erde.

Was wie Sciencefiction klingt ... wurde in altindischen Epen bereits vor Jahrtausenden geschrieben. Sollte das »Alte Indien« tatsächlich vor Jahrtausenden von Außerirdischen besucht worden sein? Kamen sie in gigantischen Generationen-Raumschiffen? Pendelten sie in Zubringervehikeln zwischen Mutterstation und Erde? Den altindischen Epen zufolge waren es Götter, die den Weltraum bereisen konnten. Und die über fürchterliche Waffen verfügten. Auch wenn es unglaublich klingt, so ist es doch real: Zwischen Gruppen von Göttern gab es im Himmel über Altindien regelrechte »Starwars«. Dabei wurden Raketen abgeschossen. Diese Götter lockten mich nach Indien! Und da war noch ein ganz besonderes Reiseziel ...

Hatte ich doch gelesen, dass sich dort einst Menschen und Götter getroffen haben sollen. Sie hieß Vijayanagara. Touristen verlaufen sich selten hierher ... in den Nordwesten von Hopset, auf halbem Weg zwischen Penukonda und Bijapur. Der Weg zu einer der geheimnisvollsten Stätten unserer Erde ist beschwerlich, führt über extrem schlechte Straßen.

Teil der Stadtmauer
von Vijayanagara
Einst war diese mysteriöse Stadt von einer wahren »Monstermauer« umgeben, die heute nur noch in Teilen erhalten ist. Noch heute lässt die Präzision der einstigen Steinmetze staunen. Wuchtige Steinquader wurden so präzise bearbeitet, dass sie fast fugenlos auf- und ineinander passen. Da passt auch heute noch keine Messerklinge dazwischen. Bei meinem Besuch löste mein Interesse an der »Monstermauer« Befremden unter den Einheimischen aus. Sollte denn dieser bleiche Fremdling mit einigen Gefährten aus dem fernen Europa nach Vijayanagara gekommen sein, um dicke Steine zu bestaunen?

Über die Geschichte von Vijayanagara, heute Hampi, am Tungabhadra gelegen, ist wenig bekannt. Im Jahr 1443 besuchte Abdul Razzaq, ein berühmter persischer Reisender, die mysteriöse Stadt. Staunend stellte er fest, wie er in seinem Tagebuch notierte: »Ich sah, dass sie (die Stadt) von enormer Größe mit riesiger Bevölkerung war, mit einem König von perfekter Herrschaft. Er besaß tausend Elefanten. Sie findet nicht ihresgleichen in der Welt!«

1565 fielen marodierende muslimische Armeen ein, mordeten und verwüsteten. Was wurde aus den Siegern? Was geschah mit den Verlierern? Wir wissen nicht viel. Ihre Vergangenheit verliert sich im Dunkel der Geschichte. Mag sein, dass in gewaltigen Archiven Indiens bis heute nicht erfasster schriftlicher Texte die genaue Historie von Vijayanagara erfasst wurde ... Bis heute imponieren die Reste der einstigen Monstermauer um Vijayanagara. Wer aufmerksam das riesige Areal durchstreift, steht immer wieder staunend vor Beispielen höchst präziser Steinmetzkunst.

»Von der einstigen Verteidigungsmauer ist so gut wie nichts mehr übrig geblieben ... « erklärt mir fast wehmütig ein einheimischer Guide. »Die muslimischen Truppen haben bei der Eroberung sehr viel zerstört.«

Reste einer Präzisionsmauer
Foto: W-J.Langbein
John M. Fritz hat zusammen ein großformatiges Werk über Vijayanagara geschrieben. Erschienen ist es bei »Aperture« in New York, gedruckt und gebunden wurde es in Würzburg ... und gekauft habe ich es vor Ort in Vijayanagara. Die Autoren fassen die besondere Bedeutung der Stadt in einer Kapitelüberschrift zusammen (1): »Where Kings and Gods Meet« ... Wo sich Könige und Götter treffen. Die beiden Autoren führen aus: »Wie andere antike Städte, wo menschliche Geschicke nicht von Mythen getrennt werden können, kann Vijayanagara nicht vollständig begriffen werden, wenn wir uns nur an historische und archäologische Fakten halten!« Weiter heißt es da: »Über zwei Jahrhunderte erfüllte die Stadt die militärischen, verwaltungstechnischen und hauptstädtischen Bedürfnisse von Herrscher und Hofstaat. Seine Funktion war aber eine wichtigere als die einer Hauptstadt eines Hindu Imperiums.

Tatsächlich war Vijayanagara die städtische Verwirklichung von kosmischen Prinzipien, die den Herrscher mit göttlicher Macht ausstattete.« Die Autoren erklären dass die Reiche von Königen und Göttern nicht separat voneinander existierten. Göttliches und Irdisches gingen ineinander über. Götter waren keine Geistwesen, sondern reale hoheitliche Wesen, wie zum Beispiel Gott Ganesha (»Herr der Scharen«), der sich in Vijayanagara großer Beliebtheit erfreute. Ganesha, häufig mit einem mächtigen Elefantenkopf dargestellt, wurde – wie der biblische Adam – aus Lehm erschaffen. Allerdings formte ihn kein männlicher, sondern ein weiblicher Gott, nämlich die Göttin Parvati, »Göttin der Berge«.

Ganesha darf in keinem Haus eines Hindu fehlen, gilt er doch heute noch als Gottheit des Glücks, als »Beseitiger der Hindernisse«, der Weisheit und des Neuanfangs. Es gibt kaum eine Situation im Leben eines Hindu, in der nicht Ganesha angerufen werden kann!

Ein Ganesha in Vijayanagara
Foto: W-J.Langbein
Vijayanagara war einst ein Wunder der prachtvollen Baukunst. Und warum? Wollten die Baumeister nur Prunk bieten für eingebildete Herrscher? Nein! Es galt nicht, nur mächtigen Irdischen zu huldigen. Die Göttlichen waren genauso real wie die Irdischen! Was ist das besondere von Städten wie Vijayanagara? Antwort (2): »Die antiken Sanskrittexte waren Anleitungen (Handbücher) für den Bau von heiligen und säkularen Monumenten. Sie legen fest, wie man Hauptstädte anlegt, definieren den angemessenen dreidimensionalen Rahmen für Begegnungen von Königen und Göttern.«

Aus jener längst vergangenen Zeit der Vorgeschichte, als sich Götter und Menschen trafen, gibt es einige interessante Überlieferungen. Eine dominante Rolle spielte einer der bedeutendsten Götter Indiens überhaupt, der mächtige Shiva. Shiva wurde nicht als körperloses, unsichtbares Geistwesen angebetet. Er wurde als reales, mächtiges Wesen angesehen ... mit durchaus »irdischen« Gelüsten! So fand er Gefallen an hübschen Menschentöchtern. Und wenn eine Schöne nackt badete, wendete er sich nicht verschämt ab. Man könnte Shiva als »göttlichen Spanner« bezeichnen ... und als eitlen Geck. Selbstgefällig beobachtete Shiva, dass ihm eine junge, sehr attraktive Frau regelmäßig Opfer darbrachte.

Die Schönheit hieß Pampa und war eine Tochter des weisen Mantanga. Shiva begnügte sich nicht mit einer platonischen Beziehung. Er verliebte sich und heiratete die attraktive Menschentochter. So paarten sich Gott und Mensch. Der Eheschließung wohnte die Creme der irdischen Gesellschaft und Götter bei!

Noch heute gedenkt man in der indischen Stadt Hampi, dem heutigen Vijayanagara, dieser Hochzeit. Man feiert im »Virupaksha Tempel« (Virupaksha ist der örtliche Name Shivas). Tausende von Pilgern strömen alljährlich im Frühjahr herbei, um den rituell nachgestellten Zeremonien beizuwohnen. So wie Christen das Leben ihres Gottes Jesus Jahr für Jahr im Gottesdienst von der Geburt bis zu Tod und Auferstehung feiern, so erinnert man sich möglichst plastisch an die Zeit, als sich Götter und Menschen paarten. Das uralte Fest, so wird überliefert, soll es schon gegeben haben, als Vijayanagara noch eine blühende Metropole war. Schon die allerersten Herrscher der Stadt verehrten Shiva als »den« Beschützer schlechthin. Sie dankten in pompösen Feiern Shiva und anderen Göttern für die Aufmerksamkeit, die ihnen von den Himmlischen zuteil wurde.

Gott Shiva, Bangalore
Foto: Deepak Gupta
Die Sensation aus Indien wurde rasch von anderen Meldungen aus anderen Teilen unseres Globus verdrängt. So dauerte es dann noch Jahre, bis Gelder für archäologische Ausgrabungen zur Verfügung standen. Erst 1917 führte A. L. Longhurst einige Ausgrabungen vor Ort durch. In den 20er Jahren versuchten einige Experten, die Metropole als Musterbeispiel für antike Städteplanung zu erforschen. Doch auch ihr Interesse ließ rasch nach ... und so blieben die bis in jene Tage halbwegs gut erhaltenen Baudenkmäler schutzlos der »modernen Zivilisation« ausgeliefert. Kostbare Denkmäler verfielen, andere mussten der modernen Städteplanung weichen.

Dabei müsste doch Vijayanagara jeden Erforscher der »grauen Vorzeit« faszinieren! Meiner Meinung nach ist Vijayanagara das indische Pendant zu Tiahuanaco in Südamerika. Hier wie dort sollen himmlische Wesen zur Erde herabgestiegen sein. Und – ich wiederhole dieses Faktum – diese Götter waren für die Inder reale Wesen aus himmlischen Gefilden ... aus Fleisch und Blut! Daran ändert auch nichts die Tatsache, dass sie – für uns Mitteleuropäer manchmal befremdlich, auch als Tiere oder Mensch-Tier-Mischwesen dargestellt werden.

Ein Kuriosum für Nicht-Inder stellen die häufig anzutreffenden Tempel-Äffchen dar. Geschwind sausen sie in den steinernen Heiligtümern umher ... ersteigen Statuen und Tempeldächer, bestaunen kamerabehängte Touristen und lassen sich beim Mittagsschläfchen ungern stören.

Indische Tempeläffchen - Fotos: W-J. Langbein


Fußnoten
1: Fritz, John: »City oft Victory«, New York 1991, S. 11
Literatur
2: ebenda, Seite 11 unten und 15 oben (Hinweis: Seiten 12-14 sind reine Bildseiten!)

Literatur
Fritz, John: »City oft Victory«, New York 1991
Langbein, Walter-Jörg: »Bevor die Sintflut kam«, München 1996
Langbein, Walter-Jörg: »Das Sphinx-Syndrom«, Berlin 1997
Langbein, Walter-Jörg: »Reisenotizen Indien 1996«, unveröffentlichtes Manuskript
Marco-Polo-Reiseführer: »Indien«, Ostfildern o.J.
Michell, George: »Der Hindu-Tempel«, Köln 1991
Nelles Guides: »Indien Nord«, ohne Ortsangabe, 2. Auflage

»Hanuman, der Göttliche Affe«,
Teil 166 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«,
erscheint am 24.3.2013


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