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Sonntag, 31. März 2013

167 »Ein kurioses Ritualbad«

Teil 167 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Das mysteriöse Ritualbad
Foto: W-J.Langbein
Der Kopf brummt. Die Nase ist verstopft. Ich habe Fieber. Schuld an der schlimmen Erkältung ist die Klimaanlage unseres Reisebusses. Immer wieder bin ich völlig verschwitzt der Gluthitze Indiens in unserem modernen Gefährt entkommen. Genüsslich habe ich die Kaltluftdüse angestellt, den kalten Lufthauch genossen. Und dabei habe ich Bakterien und Viren eingeatmet ... die von der kräftigen Klimaanlage im ganzen Bus verteilt wurden. Das Kontrastprogramm »Sauna im Freien - Kältekammer im Bus« plus Bazillen-Virenschleuder Kaltluftgebläse haben Wirkung gezeigt ...

Ich bin erkältet ... Der Busfahrer hat mir eine Kur mit »Naturheilmitteln« empfohlen: Schnupftabak und Rum. Der Schnupftabak, von einem Straßenhändler erworben, scheint meine Nase innerlich vollkommen auszubrennen. Und der Rum heilt meine schlimme Erkältung auch nicht wirklich. Aber die hochprozentige Arznei macht mich gelassener. Schließlich lasse ich beide »Naturheilmittel« weg.

Unser Guide, eine schlanke, zierliche Inderin, spricht perfekt Englisch. Sie versteht, dass unsere kleine Reisegruppe an den Geheimnissen und Mysterien Indiens interessiert ist. Und so erfahren wir von ihr, was nicht in den offiziellen Lehrbüchern steht. So erfahren wir, dass vermeintliches »Wissen« oft nur reine Spekulation ist. »Ein Gebäude mit massiven Mauern und zahlreichen kleinen Kammern kann nach dem im Boden erhaltenen Fundament rekonstruiert werden. Aber welchem Zweck dienten die kleinen Räume? Waren es Zellen für Mönche ... oder Ställe? Waren hier Elefanten untergebracht ... oder Pferde? Wir wissen es nicht.«

Vermessungsarbeiten
Foto: Ingeborg Diekmann
Schließlich führt sie uns zu einem »Ritualbad«. Es erinnert eher an eine »Sportarena« unserer Tage, das aber im kleinen Maßstab. Was es einst auch war, es wurde vollständig im Erdreich versenkt. Erhalten ist nur der unterirdische, quadratische Teil, so erklärt vor Ort unser Guide. Und – so erfahren wir weiter – es wurde »erst kürzlich« ausgegraben. Welchem Zweck diente der kuriose Bau einst? Handelt es sich bei der im Boden versenkten steinernen »Sportarena« um den unterirdischen Teil eines Tempels? Wurde der oberirdische Teil abgetragen, um Baumaterialien zu gewinnen?

John Fritz lässt in seinem fulminanten Werk »City oft Victory« keinen Zweifel aufkommen. Demnach handelt es sich um (1) ein »rituelles Bad«, das einst zum »königlichen Zentrum« gehörte. Ist damit das Rätsel um die »kürzlich bei der archäologischen Begutachtung getätigten Entdeckung« gelöst? Mit Freunden habe ich vor Ort die seltsame Anlage vermessen. Sie ist fast exakt quadratisch. Ausmaße an der Oberkante: 22,50 mal 22 m. Vier Stufen, jeweils 0,90 m tief, führen nach unten zu einem Quadrat von 6,13 m Seitenlänge. Wie tief die letzte Stufe ist, konnte nicht eruiert werden. Im untersten Bereich steht Wasser, am Boden befindet sich fester Schlamm. Sollte auch die letzte Stufe, also die fünfte, 0,90 m tief sein, ergäbe das eine Gesamttiefe von 4,50 m. Baumaterial: vermutlich Granit.

Unpraktische
Treppchen
in großer Zahl
Foto: W-J.Langbein
Noch heute besticht die an eine präzise Zeichnung von Escher erinnernde Struktur durch die unzähligen kleinen steinernen »Treppchen« die von einer Stufe zur nächsten führen. Aber sind es denn wirklich »Treppchen«? Ich habe da meine Zweifel die einzelnen »Stufen« der steinernen »Treppchen« sind so schmal, dass man winzige Füßchen haben müsste, um sie wirklich als Treppen benützen zu können. Und warum erstellte man Dutzende von kleinen Steintreppen, eine neben der anderen? Die Königin konnte, so lautet eine Erklärung, von jedem Punkt aus den Abstieg nach unten zum Wasser beginnen... und musste keinen einzigen Meter gehen, um eine Treppe zu erreichen.

Eine andere Erklärung mutet viel profaner an. Demnach handelte es sich nicht um ein »rituelles Bad«, sondern um einen Brunnen. Sollte diese Erklärung stimmen? Angeblich kletterten Wasserträgerinnen auf den Treppen nach unten, um Wasser zu schöpfen und in Eimern nach oben zu tragen. Ich muss einwenden: Aber gerade dann sind die äußerst schmalen Treppenstufen alles andere als unpraktisch. Ich muss wiederholen: Warum hat man statt der vielen Treppchen nicht eine einzige, praktischere gebaut?

Angeblich gab es einst »Tausende« von »Stufenbrunnen« in Indien. Die ersten sollen vor mindestens 1400, vielleicht schon vor 2000 Jahren gegraben und gebaut worden sein. Hindus sollen diese für Indien sehr wichtigen Wasserquellen »erfunden« haben. Die muslimischen Truppen hätten sie später als Besatzer übernommen. Oder haben indische Baumeister nur übernommen, was sie im Industal gesehen haben?

Wie auch immer: Wichtig müssen die seltsamen Bauten gewesen sein. Sie wurden einst so gebaut, dass auch Erdbeben erheblicher Stärke ihnen nichts anhaben konnten. Von »Tausenden« von »Stufenbrunnen« sind nicht mehr viele erhalten. Oder schlummern noch unzählige vergraben im Erdreich?

Der Brunnen von Abhaneri,
Rajasthan, Indien
Foto: Doron
Der »Stufenbrunnen« von Chand Baori, ìm Dorf Abhaneri, Rajasthan, Indien, soll der wahrscheinlich tiefste seiner Art sein. Konstruiert wurde er angeblich im neunten Jahrhundert ... unweit des »Harshat Mata«-Tempels. Seine Basis befindet sich in rund dreißig Metern Tiefe unter der Erdoberfläche. Dreizehn »Etagen« lassen sich erkennen. Wiederum sind es unzählige kleine Treppchen ... eine an der anderen, die nach unten führen. So soll es möglich gewesen sein, bei sinkendem Wasserspiegel immer leicht an das kostbare Nass zu gelangen. Aber waren dazu wirklich 3500 (dreitausendfünfhundert) enge Stufen erforderlich? Wäre es nicht sehr viel einfacher und praktischer gewesen, eine Treppe mit breiteren Stufen zu bauen?

Harshat Mata wird heute noch als Göttin des Glücks und der Fröhlichkeit verehrt. Sollte der so kunstvoll-unpraktisch angelegte Brunnen eine andere als eine rein profane Bedeutung gehabt haben? Jutta Jain-Neubauer hebt in ihrem Werk »The Stepwells of Gujarat« die sakral-religiöse Bedeutung solcher Brunnen hervor. Noch heute, so weiß die Autorin zu berichten, wird Göttinnen via Brunnen geopfert. Mag sein, dass einst Menschen rituell getötet und in die Brunnen geworfen wurden. Angeblich sind Selbstopferungen aus uralten Zeiten überliefert. Derlei grausige Rituale werden heute nicht mehr vollzogen. Es soll aber Glück bringen, vom eigenen Blut einige Tropfen in das Brunnenwasser fallen zu lassen.

In Gujarat sieht man in der einheimischen Bevölkerung noch heute eine Verbindung zwischen »Stufenbrunnen« und der segensreichen Muttergöttin. Noch heute sollen sie als heilige Stätte der Verehrung von Göttinnen wie Devi oder Mata gesehen werden. Mich verwundert es nicht, dass das auch und gerade in Indien so kostbare Lebenselixier Wasser mit Muttergöttinnen in Verbindung gebracht wird. Der Muttergöttin verdankt man Leben, Wachsen und Gedeihen. Zum Leben gehört unverzichtbar Wasser, das aus dem harten und trockenen Boden Pflanzen sprießen lässt.

Teilansicht - Foto: W-J.Langbein
Es waren, Jutta Jain-Neubauer weist darauf hin, Damen von königlichem Blut oder aus dem »Hochadel«, die die Schirmherrschaft für sakrale Brunnen übernommen haben. Die vornehmen Damen verfügten offensichtlich über erhebliche finanzielle Mittel, die ihnen den Bau teurer und höchst kunstvoller »Stufenbrunnen« ermöglichten.

Vermutlich wurde in Indien schon vor vielen Jahrtausenden komplexe Bewässerungssysteme ersonnen. Die ersten Brunnen waren »primitiv«, einfach Erdlöcher bis zum Grundwasserspiegel. Von den Wasserlöchern führten Gräben zu den Äckern, die in trockenen Zeiten bewässert werden konnten. Die Brunnen waren somit Garanten für das Überleben der Menschen. Ohne das kostbarere Nass gab es kein Überleben.

Aus den einfachen Erdlöchern, die mit Steinbrocken gefasst wurden, entwickelten sich immer modernere Bauten ... bis hin zu den Wasserheiligtümern von Göttinnen, ja von der großen Muttergöttin, die im heiligen Wasser residierte. So sehe ich das vermeintliche »rituelle Bad« von Vijayanagara eben nicht als simplen Brunnen an ... sondern als Heiligtum einer Muttergöttin, der einst Opfer gebracht wurden – Nahrungsmittel wie Getreide, aber auch Ost und Gemüse, Tiere, aber auch Menschen.

Stufen für eine Göttin
Foto: W-J.Langbein
Die »Treppen« sind für profane menschliche Füße höchst unpraktisch. Sollten sie gar nicht für irdischen Gebrauch gedacht gewesen sein? Sollten sie es der Göttin ermöglichen, aus den Fluten empor zu steigen? Zu den sakralen Brunnen gehörten dann auch Altäre für die Göttinnen wie Asapuri. Die sakralen Brunnen – im Gegensatz zu profanen, die nur der Bewässerung dienten? - waren so etwas wie Eingänge zu Erd-Mutter-Göttin.

Mit Freunden vermesse ich stundenlang den kuriosen »Brunnen« von Vijayanagara. Ob die Bezeichnung »Ritualbad« denn so abwegig sei, frage ich unseren Guide. »Keineswegs!« lautet die Antwort. Liegt der Gedanke nicht nahe, dass das Bad im heiligen Wasser der Göttin von besonders segensreicher Wirkung war?

Fußnoten
1: Fritz, John: »City oft Victory«, New York 1991, S.63
2: Jain-Neubauer, Jutta: »The Stepwells of Gujarat«, 1. Auflage, New Delhi 1981, S. 6
Literatur

Folgende Werke seien dem interessierten Leser empfohlen ... zur vertiefenden Lektüre zum Thema Indien ...

Im Wasser haust die
Göttin - Foto:
W-J.Langbein
Bhagavdgita, die
Sanskrittext mit Einleitung und Kommentar von S. Radharkrishnan/ Mit dem
indischen Text verglichen und ins Deutsche übersetzt von Siegfried
Lienhard, Wiesbaden 1970
Bhagavdgita,die Mit einem spirituellen Kommentar von Bede Griffiths/ Aus dem Sanskrit
übersetzt, eingeleitet und erläutert von Michael von Brück, München 1993
Bhagavdgita/ As ist is/ Abridged Edition/ with translations and elaborate purports by his
Divine Grace A.C. Bhaktivedanta Sywami Prabhupada/ Founder-Acarya of
the International Society for Krishna Consciousness, New York
Childress, David Hatcher: Vimana Aircraft of Ancient India and Atlantis,
Stelle 1991
Childress, David Hatcher: Lost Cities of China, Central Asia and India, Stelle
1991
Euringer, Florian: Indische Astrologie/ Die 27 Frauen des Mondes, Genf 1989
Franz, Heinrich Gerhard: Das alte Indien/ Geschichte und Kultur des
indischen Subkontinents, München 1990,
Fritz, John: City oft Victory/ Vijayanagara, New York 1991
Gentes, Lutz: Die Wirklichkeit der Götter/ Raumfahrt im alten Indien,
München 1996
Higgins, Godfrey: The Celtic Druids or An Attempt to shew, that the Druids
were the priests of oriental colonies who emerged from India And were the
introducers of the first or Cadmean system of letters and the builders of
Stonehenge, of Carnac, and of other cyclopean works, in Asia and Europe,
London 1829
Kearsley, Graeme R.: Pacal’s Portal to Paradise at Palenque/ The Iconography
of India at Palenque and Copan, London 2002
Kircher, Bertram: (TerraX) Atlantis/ alle Mythen, Legenden und Dichtungen,
Düsseldorf 2007 (Das Mysterium des Shiva/ Heilige Männer in Indien)
Rao, S.R. (Shikaripur Ranganatha): The Lost City of Dvaraka,
New Delhi, 1. Auflage 1999
Richter-Ushanas, Egbert: The Indus Script and the Rg-veda, Delhi 1997
Thompson, Richard L.: Vedic Cosmography and Astronomy, Los Angeles
1990

»Fliegende Wagen«, 
 Teil 168 der Serie  »Monstermauern, Mumien und Mysterien« 
 von Walter-Jörg Langbein
 erscheint am 07.04.2013

Sonntag, 4. März 2012

111 »Die Monsterbauten von Malta«

Teil 111 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Geheimnisvolles Malta
Foto: NASA
Malta ist ein Zwergstaat im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn man die Nebeninsel Gozo mit einbezieht ... dann ist das mysteriöse Eiland nicht größer als Bremen. Mit einer Fläche von 316 Quadratkilometern erscheint Malta als kleiner Klecks auf dem Globus. Und doch gehört das Eiland zu den geheimnisvollsten Gefilden unseres Planeten.

Wieso wurden auf dem kargen Fleckchen Land – keine 100 Kilometer südlich von Sizilien gelegen – 25 Tempel errichtet? Wozu benötigten die Steinzeitmenschen von Malta ... es waren vor Jahrtausenden eher Hunderte als Tausende ... gleich 25 Tempel? Und warum wurden diese sakralen Bauten so angelegt, als hätten Riesen mit gigantischen Steinquadern gespielt? 25 Monsterbauten stehen in keinem Verhältnis zur Mini-Inselwelt von Malta.

Ein Beispiel: Die Ruinen des Tempels von Hagar Qim. Die verwirrende Anlage sieht so aus, als hätten Kinder Bauklötzchen aneinander gereiht und aufeinander getürmt, um so etwas wie ein Märchenschloss zu bauen ... mit vielen Türchen und Toren, verschachtelten Höfen und kleinen Plätzen. Von »Bauklötzchen« aber kann nicht die Rede sein: einer der monströsen Kolosse ist über fünf Meter hoch und über einen Meter dick! Ein anderer ist knapp sieben Meter lang und über drei Meter breit. Seine »Dicke«: etwa 75 Zentimeter!

Hagar Qim - Foto: W-J.Langbein
Bislang habe ich keine glaubhafte Erklärung gefunden, wie derartige Steinmonster transportiert wurden. Gewiss, sie wurden aus »weichem« Kalkstein gemeißelt. Dafür können sehr wohl primitive Faustkeile benutzt worden sein. Wie aber hat man die wuchtigen Steinkolosse befördert? Hagar Qim entstand, so lautet übereinstimmend die Meinung der Wissenschaftler, in mehreren Etappen. 3700 und 2700 vor Christus wurde an Hagar Qim gearbeitet. Die Ausrichtung des verwirrenden Tempelkomplexes wurde mehrfach geändert, da und dort wurden »Kammern« ergänzt ... nach wessen Plan? Und wenn vor Jahrtausenden über Jahrhunderte hinweg auf der riesigen Baustelle gearbeitet wurde ... wer hatte die Bauaufsicht? Wer entwarf die Baupläne, als es keinerlei Schrift gab?

Im Verlauf mehrerer Malta-Aufenthalte kroch ich immer wieder in Hagar Qim umher. Die wuchtigen Steinkolosse wurden mit Präzision aneinandergefügt. Der verschachtelte Bau muss sorgsam geplant, die riesigen Bauelemente müssen vorher entsprechend der Pläne exakt vorbereitet worden sein. »Kleeblatt-Form« sei, so lese ich immer wieder, die Grundform der meisten Tempel. »Einst gab es unterirdische Grabhöhlen, in denen die vornehmen Toten bestattet wurden!« erklärte mir vor Ort ein Wissenschaftler. »Die wuchtigen Tempel sind überirdische Nachbildungen der unterirdischen Anlagen! Kollege widersprach energisch: »Umgekehrt verhält es sich, genau umgekehrt!« Die unterirdischen Grabanlagen von Malta seien Nachbildungen der überirdischen Tempelkomplexe.

Hagar Qim - Foto: W-J.Langbein
Während Experten über die unterirdischen Tunnel und Grabanlagen streiten ... erfreut sich die mysteriöse Unterwelt von Malta bei der einheimischen Bevölkerung keiner besonderen Beliebtheit. So werden zwar auch heute noch immer wieder – etwa beim Ausschachten von Kellerräumen – unterirdische Kammern entdeckt. Offiziell müssten solche Entdeckungen den amtlichen Behörden gemeldet werden. Das aber geschieht so gut wie nie. Müssen doch die »Häuslebauer« damit rechnen, dass dann ihr Grundstück enteignet wird. Ich selbst durfte einmal mit Erlaubnis des Hausbesitzers in einen muffigen Kellerraum steigen ... nachdem ich hoch und heilig versprochen hatte, niemandem zu verraten, wo ich was gesehen habe! Lachend erklärte mir der Hausbesitzer in gebrochenem Englisch: »Solche geheimen Entdeckungen gibt es viele auf Malta!«

Der Autor in Hagar Qim - Foto: Ilse Pollo
Eine schwache Glühbirne flackerte an der bröckelnden Decke. Hinter einem Regal mit süßsauer eingelegtem Kürbis verdeckte ein wollener Teppich ein etwa einen Quadratmeter großes Loch. Auf meine wiederholte Bitte wurde der Teppich abgenommen. Ich leuchtete mit meiner Taschenlampe hinein.

Die Größe des Raums konnte ich nur vage abschätzen. Er war wohl einst – etwa – fünf Meter im Quadrat und mindestens drei Meter hoch. An einer Seite machte ich – halb reliefartig herausgearbeitet – so etwas wie »Säulen« aus. Sie reichen von einem schmalen Sockel am Boden bis unter die Decke. Ein gutes Viertel des Raums war vom Boden bis zur Decke mit Geröll gefüllt. »Vielleicht gab es hier einst einen Ausstieg nach oben...«

Der Lichtkegel wandert über die Wände. Da und dort, so scheint es mir, hat man mit Hammer und Meißel Löcher in die Wände geschlagen, wohl auf der Suche nach vermeintlichen Schätzen. Ob man fündig wurde? Der Besitzer schwieg wie ein Grab. Ob ich fotografieren darf, frage ich höflich. »Auf keinen Fall!« Ist es erlaubt, durch das Loch in den angrenzenden Raum zu klettern? Auf keinen Fall. Das sei zu gefährlich. Immerhin darf ich meinen Kopf durch das Loch stecken. Mühsam gelingt es mir, auch noch Platz für meinen Arm zu finden. Der Lichtkegel schleicht nun über die glatt polierte Decke und den etwas raueren Boden. Im Boden fallen mir wiederum einige offensichtlich frisch gemeißelte Löcher auf.

Nach längerem Rückfragen gibt der Hausbesitzer zu: »Unter diesem Raum gibt es einen weiteren. Vom tieferen Raum führt eine schmale Treppe nach oben ... « Die sei aber »wohl schon vor Ewigkeiten« eingestürzt. »Und wenn man etwas von dem Schutt herausholt ... rutschen weitere Steinbrocken und Sand nach ...« Und eine weitere Etage tiefer ... mag es noch einen Raum geben. »In solchen Räumen ...« erfahre ich ... »wurden schon manches Mal Sachen gefunden«. Sachen ... frage ich nach. »Naja, so kleine Figürchen aus Stein ... von fetten Weibern!«

Eine schlafende Muttergöttin von Malta
Foto: W-J.Langbein
Natürlich ist jeder Entdecker archäologischer Objekte verpflichtet, seine Funde zu melden. Wie häufig Archäologisches gefunden ... und einbehalten wird? Niemand vermag das zu sagen. Fakt ist: Unzählige archäologische Funde – von Statuetten und Statuen unterschiedlichster Größe belegen, dass es vor Jahrtausenden auf Malta einen Kult der Muttergöttin gegeben haben muss. In privaten Sammlungen, aber auch in offiziellen Museen sah ich diverse »Exemplare« dieser Muttergöttin. Ob nur wenige Zentimeter klein ... ob über lebensgroß ... immer wurde diese Göttin mit sehr femininen, drall-ausladenden Formen dargestellt.

Für mich gibt es keinen Zweifel: Malta war vor vielen Jahrtausenden Zentrum einer matriarchalischen Religion, in deren Mittelpunkt eine Erdgöttin stand, die über Leben, Sterben und Geburt »regierte«. Es war eine Göttin der Fruchtbarkeit, die in den unterirdischen Höhlen von Malta angebetet wurde. Meiner Überzeugung nach sind die Monstermauern von Malta Überbleibsel einst gigantischer Tempels, die Nachbildungen der Höhlen darstellten. DIE Urgöttin wurde weltweit – zum Beispiel auch in Ägypten, bevor die Pyramiden gebaut wurden – in unterirdischen Kammern verehrt. Unterirdische Höhlen – künstliche wie natürliche – wurden als besonders heilig angesehen, als »Gebärmutter« der Erde, aus der alles Leben hervorging.

Fast alle der Muttergöttinnen von Malta scheinen Schwangere zu zeigen. Was mir aufgefallen ist: Bei der überwiegenden Mehrzahl dieser Figürchen und Figuren fehlt der Kopf. Häufig liegt eine Hand der Göttin auf ihrem Leib, so, als solle die Schwangerschaft betont werden. In einem einzigen Fall wurde meines Wissens nach eine komplette Darstellung einer Malta-Göttin gefunden, tief unter der Erde in einem bunkerartigen Keller, mehrere Etagen unter der Erdoberfläche.

Lesetipp: Die Bücher von Walter-Jörg Langbein

»Die Göttin von Malta«,
Teil 112 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 11.03.2012


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