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Sonntag, 18. Januar 2015

261 »Die Schlangengöttin«

Teil 261 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: In zahlreichen indischen Tempeln
wurde die Schlangengöttin verehrt.

Indien ist und bleibt das Land der Widersprüche. Auf der einen Seite herrscht bittere Armut. Ein Millionenheer von Indern hat offenbar ein trauriges Los akzeptiert, lebt in unvorstellbarem Elend. Nach wie vor bestimmt in Indien ein uraltes Kastendenken das Leben. Es wird schon vor der Geburt an festgelegt, wer zu den Vielen ganz unten und den Wenigen ganz oben gehört. Vergeblich wurde von der Politik mit mal weniger, mal mehr Anstrengung versucht, dieses Kastensystem aufzulösen. Das mag auf dem Papier gelungen sein, in der Realität des Lebens aber nicht. Gleichzeitig verfügt Indien über eine bewundernswerte Weltraumforschungsorganisation, die »Indian Space Research Organisation« (ISRO). ISRO hat bereits mit Erfolg eine Sonde zum Mond geschickt und peilte dann als nächstes Ziel den Mars an. Während China und Indien bei ersten Versuchen teure Misserfolge vermelden mussten,  erreichte Indiens unbemanntes Raumvehikel »Mangalyaan« (Hindi für »Marsgefährt«) nach fast zehn Monaten Flugzeit den roten Planeten, bremste ab und trat in eine Umlaufbahn ein. Keiner anderen Nation ist das auf Anhieb gelungen. Alle anderen Länder scheiterten zunächst mit ihren Marsprojekten.

Foto 2: Göttin von Parasurameswar
 »Indiens preiswerte Mission zum Mars erfolgreich«, vermeldete »SVT.de« am 24. September 2014. Kostenpunkt: 57 Millionen Euro. Während die NASA für ein vergleichbares Projekt rund eine halbe Milliarde Euro ausgab, kann man die indische Mission als preiswertes Schnäppchen bezeichnen. 2016 soll ein Roboter zum Mond geschickt werden. Für 2018 hat sich die indische Raumfahrt die Landung eines Roboters auf dem Mars vorgenommen. Mir scheint: »Schwellenland« Indien hat in Sachen Weltraumfahrt die Nase vorn, vor der NASA. Ob Indien vor den USA den ersten bemannten Flug zum Mars wagen wird?

»Saubhika« war in altindischen Texten die Bezeichnung des Kommandeurs einer oberthschen Riesenraumstation. Sein Berufsbild wird von den altindischen Texten so umschrieben: »Jemand, der die Kunst des Fliegens einer Raumstadt kennt«. Prof. Kanjilal: »Die Beschreibung von einer Anzahl um sich selbst drehender Städte im Weltall, die bezeichnet sind als ›Vaihayasu‹, ›Gagancara‹ und ›Khecara‹, erscheinen im ›Vanaparvan‹ des ›Mahabharata‹. Im ›Sabhaparvan‹ finden sich ebenfalls Beschreibungen von Raumstädten, von Maya erbaut. Was erstaunlich an dieser Beschreibung ist, dass diese ›Sabhas‹ sich in unveränderten Bahnen rund um die Erde bewegten. Ihre Eingänge waren weit genug, um schmalen Flugzeugen den Durchgang zu ermöglichen.« (1)

Heutige und künftige Raumfahrtprojekte Indiens erfüllen auch Professor Dileep Kumar Kanjilal (geboren am 1. August 1933 in Kalkutta) mit Stolz. Der Gelehrte gilt als einer der führenden Experten der Welt für Pali, Sanskrit und andere Sprachen Indiens. Nach intensivstem Studium Jahrtausende alter heiliger Bücher Indiens kam der Wissenschaftler zum Ergebnis, dass altindische Epen präzise außerirdische Raumschiffe beschreiben, die in der Prähistorie aus dem All zur Erde kamen. Gewaltige Weltraumstädte kreisten um die eigene Achse auf ihren Reisen durchs All. So entstand an Bord künstliche Schwerkraft. Die gigantischen Vehikel sollen Planet Erde umkreist und »kleine« Zubringerschiffe ausgesetzt haben, die zwischen Mutterschiff  und Erde hin und herpendelten. Setzt also das heutige Indien eine Jahrtausende alte Tradition fort, wenn es zunächst unbemannte Flugkörper zu Mond und Mars schickt?

Foto 3: Noch
eine Schlangengöttin.
Indien war für mich eines der faszinierendsten Reiseländer.  Meine Reisegefährten und ich, wir hatten viel Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung. In abgelegenen, selten von Touristen heimgesuchten Gefilden, begrüßten uns die Menschen mit einer kaum zu beschreibenden echten Herzlichkeit. Oft machten die Ärmsten der Armen einen äußerst zufriedenen, ja glücklichen Eindruck. Dankbare Blicke ernteten wir, wenn wir den alten Gottheiten Indiens unseren Respekt zeigten. In Bhupaneswar bewunderten wir herrliche Tempel, von denen einige wohl über ein Jahrtausend alt waren. Wir staunten über die Vielfalt der antiken Gotteshäuser. Sie waren alle Beweise für eine hochentwickelte Steinmetzkunst im »Alten Indien«. Mit bemerkenswerter Präzision wurden einst Steinblöcke so zurechtgeschnitten, dass sie millimetergenau aufeinander und ineinander passten. Die Fugen waren oft so gut wie gar nicht zu erkennen, es schien so, als gehe ein Stein in den anderen über.

Tempel à la Parasurameswar sind Bücher in Stein. Könnten wir sie doch wirklich wie ein Buch lesen! Würden wir doch wirklich verstehen, was die zahlreichen Fabelwesen bedeuten. Oft erinnern sie mehr an abstrakte Zeichnungen moderner Künstler als Jahrhunderte oder gar Jahrtausende alte Kunst. Von einem deutschen Professor für Völkerkunde weiß ich, dass wir weit weniger wirklich verstehen als wir meinen. »Die uralten Darstellungen haben auf wundersame Weise die Zeiten und die Zerstörungswut vieler ›Besucher‹ aus unterschiedlichen Kulturkreisen überdauert. Die ersten Europäer, waren Christen. Glauben Sie wirklich, dass den Fremden die Quintessenz der alten Geheimnisse offenbart wurde?« Wirklich interessiert hat man sich ja wohl aus Abscheu gegenüber der Darstellung sexueller Praktiken an Tempelwänden nicht. Dass es sich um Symbolik handeln könnte, wollte man weder wissen noch glauben.
Foto 4: Mysteriöses Fabelwesen... Kreatur aus uralten Mythen.
Was wir »zivilisierten« Europäer als zu fremdartig empfinden, können wir nicht wirklich begreifen (2). Und mancher Zeitgenosse neigt noch immer dazu, das Unverstandene als »primitiv« zu verunglimpfen. Die Darstellungen der ägyptischen Göttin Hekate mit drei Köpfen und drei Armpaaren findet zahlreiche Pendants im Alten Indien. So wurde der Opfer- und Schutzgott Brahma als die männliche Personifikation des Brahman (Neutrum) angesehen. Der Schöpfergott und Lenker des Universums wurde stets mit drei Köpfen und mehreren Armen dargestellt. Seine Gattin Sarasvati, die Göttin der Fruchtbarkeit und der Reinheit, verfügt auf Reliefs über vier Arme. Rudra, Gott der Stürme und Krankheits-plagen, war gut und böse zugleich. Auch er ist in so manchem Tempel mit mehreren Armpaaren dargestellt. So wie sich in der Glaubenswelt des Voodoo Götter in Gestalt von Tieren zeigen konnten, so wurden fast alle Götter des Hinduismus ebenfalls in Tieren verehrt. (3)

Foto 5: Noch ein Fabelwesen ... verwittert, mysteriös ...
Unzählige Tempel waren mit hunderten, ja tausenden von Skulpturen versehen. Den Portugiesen, deren erste Stützpunkte in Diu, Daman und Goa bereits 1498 entstanden, waren viele Darstellungen an Tempelwänden zu »unsittlich«. Auch die »frommen« Franzosen und Engländer waren entsetzt ob der freizügigen Darstellungen in Stein. Verstanden haben sie die Bedeutung der altindischen Kunst alle nicht. Wie viele Skulpturen religiösen Eiferern im Lauf der Jahrhunderte der Entdeckung zerschlagen wurden? Wir wissen es nicht.  Fakt ist, dass konkrete Pläne existierten, nach denen ganze Tempelanlagen zerstört werden sollten. Es ist jedenfalls ein Segen, dass noch so viele alte Tempel bis in unsere Zeit überdauert haben.

Foto 6: Fabelwesen aus Sandstein

In Bhubhaneswar und Umgebung stießen wir immer wieder auf Darstellungen von Naga Kanya. Die ersten christlichen Besucher müssen entsetzt gewesen sein ob dergleichen Darstellungen. Wurde doch die verehrte Göttin häufig halb als menschliche Frau, halb als Schlange dargestellt. Ihre obere Hälfte war die einer höchst attraktiven Frau mit wirklich stattlicher Oberweite. Ihre untere Hälfte war der einer Schlange. In den Augen der Christen konnte es kaum Schlimmeres geben als eine – wie sie meinten – Darstellung der Schamlosigkeit und Sünde einerseits und der teuflischen Schlange andererseits!

Die »Schlangenkönigin«, eine »Frau-Schlangen-Mischung«, »Naga Kanya« genannt, freilich war – und ist auch heute noch – hoch angesehen: als Beschützerin und Lehrerin der Frauen, als »Mutter der Erde«, als des Lebens, der Fruchtbarkeit. Ihre Darstellungen variieren. Manchmal wird die Göttin als Schlange ohne menschliche Züge gezeigt. Andere Skulpturen der Göttin weisen sie als Mischwesen aus: als Schlange mit Menschenkopf oder als Kreatur mit Schlangenunterleib und menschlichem Oberkörper. Manchmal trägt die Naga Kanya ihren schönen Kopf stolz hoch erhoben und eine Kobrahaube wie eine – für uns Europäer ungewöhnliche – Krone.

Foto 7: Schlangengöttin
und Schlangengott.
 Schlangen haben, ganz anders als im Christentum, eine positive Bedeutung im »Alten Indien«. Nagas werden als Wächter der Übergänge angesehen: zwischen innen (Haus) und außen (Umwelt), wohl auch zwischen Diesseits und Jenseits. Was mir positiv aufgefallen ist: Die uralte Schlangengöttin wird keineswegs nur von den Anhängern einer »Religion« verehrt. Wiederholt habe ich Buddhisten und Hindus in friedlicher Eintracht erlebt. Die heiligen Stätten der Schlangengöttin dürfen von allen aufgesucht werden. Und man muss keiner bestimmten Religion angehören, um zur Schlangengöttin zu beten.


Wer sich die Zeit nimmt, um in einem alten indischen Tempel zu verharren, der kann – so er das wirklich zulässt – die Heiligkeit fremder Orte der Religiosität förmlich körperlich spüren.

Foto 8: Schlangengöttin aus Bronze...
Erich von Däniken  bringt es in wenigen Sätzen auf den Punkt (4):

»Soll man Tempel sprengen, Kirchen schleifen? Nie und nimmer. Wo Menschen sich zusammenfinden und den Schöpfer preisen, empfinden sie eine wohltuende stärkende Gemeinsamkeit.

Wie vom Ton einer Stimmgabel angerührt, schwingt gemeinsame Ahnung von etwas Großartigem im Raum. Tempel und Kirchen sind Orte der Besinnung, Räume des gemeinsamen Lobs für das Undefinierbare, für ES, das wir behelfsweise Gott zu nennen gelernt haben.

Diese Versammlungsstätten sind notwendig. Der Rest aber ist überflüssig.«


Foto 9: Fabelwesen aus Stein...
Zur Lektüre empfohlen…

(1) Kanjilal, Prof. Dr. Dileep Kumar:
»Vimana in Ancient India.
     Aeroplanes or Flying Machines
in Ancient India«, Calcutta
     Februar 1985
(2) Franz, Heinrich Gerhard:
Das alte Indien/ Geschichte und Kultur des
     indischen Subkontinents,
München 1990
(3) Bhagavdgita, die. Mit einem spirituellen
Kommentar von Bede Griffiths/
Aus dem Sanskrit übersetzt, eingeleitet
und erläutert von Michael von Brück,
München 1993

Zitat

(4) Däniken, Erich von: »Aussaat und Kosmos/ Spuren und Pläne außerirdischer
     Intelligenzen«, Düsseldorf 1972, S. 249 unten und S. 250 oben


Zu den Fotos: Alle Fotos - mit Ausnahme von Foto 7 - Walter-Jörg Langbein

Foto 1: Parasurameswar Tempel
Foto 2: Naga Kanya Bhupaneswar
Foto 3: Schlangenkönigin oder Schlangengöttin. Sammlung W-J.Langbein
Foto 4: Parasurameswar
Foto 5: Parasurameswar
Foto 6: Parasurameswar
Foto 7: Schlangenkönigin und - könig, naga und nagini, wiki commons Nohonu
Foto 8: Schlangenkönigin oder Schlangengöttin. Sammlung W-J.Langbein
Foto 9: Parasurameswar

262 »Tempel des Teufels«,
Teil 262 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 25.01.2015



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Sonntag, 27. Oktober 2013

197 »Stadt der Tausend Tempel«

»Stadt der 1000 Tempel«
Teil 197 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Stolz ragen Tempeltürme in den Himmel - Foto: W-J. Langbein
»Kanchipuram« muss einst ein religiöses Zentrum der besonderen Art gewesen sein. Tausend Tempel gab es hier einst, von denen nur noch zweihundert erhalten sind. Kanchipuram, im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu gelegen,  blühte schon in vorchristlichen Zeiten. Wer die Stadt gründete, wir wissen es nicht. Herrscher der alten Pallava-Dynastie haben womöglich schon im zweiten Jahrhundert nach Christus beschlossen, Kanchipuram zu einem sakralen Zentrum zu machen.

Aber woher kamen die ersten Pallava-Herrscher? Von Sri Lanka? Aus dem einstigen Perserreich? Oder haben die fast schon legendären Fürsten von Pallada ihre Wurzeln im »Land der Andhra« (heute Bundesstaat Andhra Pradesh)?

Diente ihnen die Religion   der Hinduismus   als Mittel zum Zweck? War der massive Bau von Tempeln als Mammutprojekt gedacht, der die  Untertanen einen sollte? Initiierten sie eine Art von Wettbewerb in Sachen Tempelbau? Oder entstand eine Gemeinschaft, weil alle zusammen ein religiöses Zentrum schaffen wollten?
Professor  Dr. Kumar Kanjilal, einer der führenden Sanskrit-Gelehrten Indiens, klärte mich auf: »Westliche Besucher meinen oft, Hindu-Tempel seien mit christlichen Gotteshäusern vergleichbar. Das ist nur bedingt richtig. Gewiss, Tempel waren auch Orte des Gottesdienstes, wo Gläubige sich versammeln, um Gott zu preisen, oder um Bitten an Gott zu richten . Sie waren schon zu alten Zeiten aber auch Orte des Lernens, ähnlich wie Schulen und Universitäten!«

Die Tempel waren, so erklärte mir Professor  Dr. Kumar Kanjilal weiter, ursprünglich bunt, ja für unser Empfinden grell bemalt. Uns Heutigen gefallen die schlichten Grau-Braun-Töne der Tempel, die die Jahrhunderte überstanden haben, besser. Aber sieht es heute an den großen Wallfahrtsorten des Christentums nicht ähnlich bunt aus ... so wie vor Jahrhunderten in den sakralen Zentren des Hinduismus?
Ein »Lehrfach« war auch die Kunst des Tempelbauens. Viel Aufwand wurde zum Beispiel getrieben, um den richtigen Standort für einen Tempel zu finden. Bevorzugt wurde eine natürliche »Plattfom« aus Granit, auf der dann massive Sandsteingebäude stehen sollten.

Wann die ersten Tempel erstanden? Wir wissen es nicht. Der älteste, noch erhaltene Tempel ist der Kailasanatha-Tempel, der Ende des 7. Jahrhunderts gebaut wurde. Geweiht hat man ihn Gott Shiva. Ist er als »Ersatz« für einen noch früheren Tempel aufgetürmt worden?

Die vielleicht schönste Pyramide
von Kanchipuram - Foto: W-J.Langbein
Schon vom Weitem fällt die steinerne »Pyramidenfom« auf. Sie erinnert an sakrale Bauten der Mayas in Zentralamerika. Ein Reiseschriftsteller berichtet, das sakrale Bauwerk bestehe »ganz aus importiertem ägyptischen Kalkstein«. Das mutet seltsam an, wurde für den Tempel doch fast ausschließlich Sandstein verwendet.

In einer dunklen Nische finde ich eine interessante Darstellung: Shiva, in tänzerischer Pose, einen Arm gen Himmel gereckt, ein Bein hoch angewinkelt, auf einem kleinen, am Boden kauernden Wesen ruhend. Ich weiß: Häufig wird Shiva als »Nataraja«, als »König des Tanzes«, gezeigt, als steinernes Relief oder Skulptur, aber auch als metallene Plastik. Es kam mir bei meinem Besuch so vor, als hätte ich verbotenes Terrain betreten. Ein gereizter »Wächter« (?) warf mir böse Blicke zu. Als ich gar versuchte, Shiva zu fotografieren, kam er energischen Schritts auf mich zu. Ich zog unverrichteter Dinge ab.

Es war schon vor tausend Jahren offenbar ein beliebtes Motiv: Shiva, im kosmischen Tanz ... und zu seinen Füßen der »Dämon der Unwissenheit«, Apasmara. Shiva führt einen magischen Tanz auf, der alles zerstört: die Unwissenheit und das Universum! Shiva tritt als Erlöser auf, der alles Übel vernichtet. Er erinnert an eine Christusgestalt, die das Böse in Form einer Schlange zertritt. In Indien ist es ein zwergenhafter Dämon, der unter Shivas Füßen endet. Warum wird er in allen möglichen Darstellungen als Mischwesen aus Fratzenkopf und Kleinkind-Leib gezeigt?

Die biblische Schlange erreichte nach christlicher Überzeugung mit Arglist, dass Adam und Eva ungehorsam wurden und zur Strafe das Paradies  verlassen mussten. Apasmara will angeblich auch heute noch verhindern, dass der Mensch erkennt, wie er ins Nirvana gelangen kann. Er soll vergessen, dass er nach Durchleben der erforderlichen Wiedergeburten ins erlösende Nichts eintreten kann. Keine Frage: Apasmara erinnert deutlich an den »Teufel« aus der Bibel. Apasmara gilt in der Welt der Hindu noch heute als »personifizierte Verblendung«. Der Mensch soll den Weg ins Heil nicht mehr erkennen. So wird er der Chance, erlöst zu werden, beraubt.

Tanzender Shiva
Foto: wikicommons vassil
Bei meinem Gang durch die Tempelanlagen von Kanchipuram begegnete mir ein scheinbar altersloser, kleinwüchsiger Mann. Er war in eine Art Kutte gehüllt und trug einen großen, gelb glänzenden Ring am Daumen der rechten Hand. Er redete eifrig und sehr eindringlich auf mich ein. Zum Glück war eine Dolmetscherin in der Nähe: »Er möchte die Namen Shivas aufzählen ...«, klärte sie mich auf. Ich wollte schon zustimmen, wurde aber noch rechtzeitig von der freundlichen Dolmetscherin zur Seite gezogen. »Nur das nicht!«, warnte sie mich. »Wenn er einmal angefangen hat, hört er so schnell nicht mehr auf. Womöglich kennt er sogar die über 1 000 Namen Shivas, wie sie in den Purana-Texten des Hinduismus überliefert sind!«

So verzichtete ich auf die Darbietung, was bei dem wissenden Anbieter der Namen Shivas sichtlich Verärgerung auslöste. Ein kleiner Obolus ließ ihn wieder erstrahlen. Hastigen Schritts entfernte er sich, um sich  ein anderes »Opfer« zu suchen.

Tausend Tempel, so heißt es, machten Kanchipuram zu einem einzigen, riesigen Zentrum der Verehrung der alten Götter. Wie viele Ruinen langsam verfallen, das scheint niemanden wirklich zu interessieren. »In Armenvierteln gibt es noch Gebäudereste von einst heiligen Bauten! Sie wurden zum Teil von den Ärmsten der Armen in Beschlag genommen und in traurige Hütten einbezogen. Ich habe auch schon ärmliche Verkaufsstände gesehen, die zum Teil aus altem Tempel-Mauerwerk bestanden!«, erklärte mir mein kundiger Guide.

Der Kailasanatha-Tempel - Foto: W-J.Langbein

Natürlich hätte es mich gereizt, vergessenen Spuren alter Tempelkultur zu folgen. Mein Guide riet mir aber dringlich vor meinem Plan ab. »Das könnte gefährlich werden!«, warnte er. »Leicht könnten einen die Ärmsten der Armen für einen Schnüffler halten, der für reichte Großgrundbesitzer spioniert. Und wenn die, die so gut wie nichts haben, befürchten, das Wenige könnte ihnen noch genommen werden ...« Ich verzichtete auf das unkalkulierbare Risiko. 

Stattdessen erkundete ich den Kailasanatha-Tempel. Das komplexe Bauwerk besteht im Wesentlichen aus einer massiv wirkenden Mauer, die von einem nicht minder massiven Tempelturm überragt wird. Das vierstöckige Bauwerk, so erfuhr ich, stelle ein »Vimana« dar. Vimanas sind aus den ältesten Heiligen Texten Indiens bekannt: als Flugvehikel, die zwischen Himmel und Erde pendelten. Und als steile Tempelpyramiden, die an die Vimanas von einst erinnern sollen.

Hunderte, womöglich Tausende Figuren wurden mit Eifer geschaffen, um Haupt- und Nebengebäude zu schmücken. Es sind Fabelwesen, die manchmal den Albträumen der Künstler entsprungen zu sein scheinen. Oder werden diese Mensch-Tierwesen irgendwo in altehrwürdigen Schriften beschrieben, die noch in den Kellerarchiven altehrwürdiger Tempel ruhen?

Säulen mit Fabelwesen - Foto: W-J.Langbein

Nach vorsichtigen Schätzungen wurden 200.000 Tonnen Stein im Denkmal zu Ehren Shivas verarbeitet. Ein Jahrhundert lang sollen Bauleute gebraucht haben, um das Steinmaterial heranzuschaffen und zu bearbeiten. Gewaltige Erdmassen wurden durchwühlt, um brauchbare Steine für Tempel und Statuen zu finden. Gewaltige Steinbrocken wurden mit – so heißt es – einfachen Mitteln über weite Strecken herbeigeschafft.
Immer weitere Kreise zog ich, folgte einer massiven Mauer, die mich an eine Wehranlage erinnert. Unüberschaubar ist noch heute die Fülle an erhaltenen Tempelbauten. Als die 1.000 Tempel von einst noch alle standen, muss die sakrale Stadt riesig gewesen sein.
 
Ein Bauelement wiederholt sich immer wieder in unzähligen Variationen. Ein Säulchen reiht sich an Säulchen, wobei Fabeltiere aus dem Stein zu wachsen scheinen. Und heilige Schreine aus Stein stehen Spalier. Auch sie sind von kleinen »Vimanas« gekrönt. Immer wieder kehre ich an die Umgebungsmauer zurück. Kleine Räumchen, die an Einsiedlerklausen erinnern, wurden in das Mauerwerk eingearbeitet. Und auf jeder dieser winzigen Zellen sitzt, wie eine Krone aus Stein, wiederum ein kleines Vimana.

Überall sitzen kleine Vimanas aus Stein - Foto: W-J.Langbein

Die altindischen Texte, so versicherte mir Prof. Kanjilal, berichten immer wieder, dass einst Götter zur Erde kamen, um uns Menschen zu studieren. Um nicht aufzufallen, tarnten sie sich dabei als Menschen. Himmelsfahrzeuge –  »Vimanas« genannt – waren nach den Berichten der alten Texte alles andere als selten. Allein in der Schilderung von Arjunas Reise durch zahlreiche himmlische Regionen und sternenreiche Gefilde des Firmaments wurden Hunderte von Himmelsschiffen gesichtet. Im bekanntesten indischen Epos, dem Mahabharata, tauchen sie an 41 Stellen auf. Die rund 100.000 Doppelverse des höchst umfangreichen Werkes wurden vermutlich zur Zeitenwende schriftlich niedergelegt. Es basiert aber auf mythischen Quellen, die womöglich einige Jahrtausende älter sind.

Vimana von Ekambareswarar
Foto: W-J.Langbein
Zurück zur Stadt der Tausend Tempel! Die schriftkundigen Sthapatis waren höchst vielseitige Theologen. Sie waren für die Rituale in den Tempeln zuständig und berieten die Gläubigen in allen Lebensfragen. Außerdem wussten sie gut Bescheid über die mysteriösen Vimanas. Als Priester konnten sie die entsprechenden Texte auswendig zitieren, in denen die Flugapparate und fliegende Städte vorkommen. Als Architekten bauten sie Erinnerungen an die Vimanas aus Stein nach ... und verewigten sie in sakralen Tempelkomplexen.


»Elefanten, Tempel und die Göttin«
Teil 198 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von 
Walter-Jörg Langbein,                                                                                               
erscheint am 03.11.2013

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Sonntag, 31. März 2013

167 »Ein kurioses Ritualbad«

Teil 167 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Das mysteriöse Ritualbad
Foto: W-J.Langbein
Der Kopf brummt. Die Nase ist verstopft. Ich habe Fieber. Schuld an der schlimmen Erkältung ist die Klimaanlage unseres Reisebusses. Immer wieder bin ich völlig verschwitzt der Gluthitze Indiens in unserem modernen Gefährt entkommen. Genüsslich habe ich die Kaltluftdüse angestellt, den kalten Lufthauch genossen. Und dabei habe ich Bakterien und Viren eingeatmet ... die von der kräftigen Klimaanlage im ganzen Bus verteilt wurden. Das Kontrastprogramm »Sauna im Freien - Kältekammer im Bus« plus Bazillen-Virenschleuder Kaltluftgebläse haben Wirkung gezeigt ...

Ich bin erkältet ... Der Busfahrer hat mir eine Kur mit »Naturheilmitteln« empfohlen: Schnupftabak und Rum. Der Schnupftabak, von einem Straßenhändler erworben, scheint meine Nase innerlich vollkommen auszubrennen. Und der Rum heilt meine schlimme Erkältung auch nicht wirklich. Aber die hochprozentige Arznei macht mich gelassener. Schließlich lasse ich beide »Naturheilmittel« weg.

Unser Guide, eine schlanke, zierliche Inderin, spricht perfekt Englisch. Sie versteht, dass unsere kleine Reisegruppe an den Geheimnissen und Mysterien Indiens interessiert ist. Und so erfahren wir von ihr, was nicht in den offiziellen Lehrbüchern steht. So erfahren wir, dass vermeintliches »Wissen« oft nur reine Spekulation ist. »Ein Gebäude mit massiven Mauern und zahlreichen kleinen Kammern kann nach dem im Boden erhaltenen Fundament rekonstruiert werden. Aber welchem Zweck dienten die kleinen Räume? Waren es Zellen für Mönche ... oder Ställe? Waren hier Elefanten untergebracht ... oder Pferde? Wir wissen es nicht.«

Vermessungsarbeiten
Foto: Ingeborg Diekmann
Schließlich führt sie uns zu einem »Ritualbad«. Es erinnert eher an eine »Sportarena« unserer Tage, das aber im kleinen Maßstab. Was es einst auch war, es wurde vollständig im Erdreich versenkt. Erhalten ist nur der unterirdische, quadratische Teil, so erklärt vor Ort unser Guide. Und – so erfahren wir weiter – es wurde »erst kürzlich« ausgegraben. Welchem Zweck diente der kuriose Bau einst? Handelt es sich bei der im Boden versenkten steinernen »Sportarena« um den unterirdischen Teil eines Tempels? Wurde der oberirdische Teil abgetragen, um Baumaterialien zu gewinnen?

John Fritz lässt in seinem fulminanten Werk »City oft Victory« keinen Zweifel aufkommen. Demnach handelt es sich um (1) ein »rituelles Bad«, das einst zum »königlichen Zentrum« gehörte. Ist damit das Rätsel um die »kürzlich bei der archäologischen Begutachtung getätigten Entdeckung« gelöst? Mit Freunden habe ich vor Ort die seltsame Anlage vermessen. Sie ist fast exakt quadratisch. Ausmaße an der Oberkante: 22,50 mal 22 m. Vier Stufen, jeweils 0,90 m tief, führen nach unten zu einem Quadrat von 6,13 m Seitenlänge. Wie tief die letzte Stufe ist, konnte nicht eruiert werden. Im untersten Bereich steht Wasser, am Boden befindet sich fester Schlamm. Sollte auch die letzte Stufe, also die fünfte, 0,90 m tief sein, ergäbe das eine Gesamttiefe von 4,50 m. Baumaterial: vermutlich Granit.

Unpraktische
Treppchen
in großer Zahl
Foto: W-J.Langbein
Noch heute besticht die an eine präzise Zeichnung von Escher erinnernde Struktur durch die unzähligen kleinen steinernen »Treppchen« die von einer Stufe zur nächsten führen. Aber sind es denn wirklich »Treppchen«? Ich habe da meine Zweifel die einzelnen »Stufen« der steinernen »Treppchen« sind so schmal, dass man winzige Füßchen haben müsste, um sie wirklich als Treppen benützen zu können. Und warum erstellte man Dutzende von kleinen Steintreppen, eine neben der anderen? Die Königin konnte, so lautet eine Erklärung, von jedem Punkt aus den Abstieg nach unten zum Wasser beginnen... und musste keinen einzigen Meter gehen, um eine Treppe zu erreichen.

Eine andere Erklärung mutet viel profaner an. Demnach handelte es sich nicht um ein »rituelles Bad«, sondern um einen Brunnen. Sollte diese Erklärung stimmen? Angeblich kletterten Wasserträgerinnen auf den Treppen nach unten, um Wasser zu schöpfen und in Eimern nach oben zu tragen. Ich muss einwenden: Aber gerade dann sind die äußerst schmalen Treppenstufen alles andere als unpraktisch. Ich muss wiederholen: Warum hat man statt der vielen Treppchen nicht eine einzige, praktischere gebaut?

Angeblich gab es einst »Tausende« von »Stufenbrunnen« in Indien. Die ersten sollen vor mindestens 1400, vielleicht schon vor 2000 Jahren gegraben und gebaut worden sein. Hindus sollen diese für Indien sehr wichtigen Wasserquellen »erfunden« haben. Die muslimischen Truppen hätten sie später als Besatzer übernommen. Oder haben indische Baumeister nur übernommen, was sie im Industal gesehen haben?

Wie auch immer: Wichtig müssen die seltsamen Bauten gewesen sein. Sie wurden einst so gebaut, dass auch Erdbeben erheblicher Stärke ihnen nichts anhaben konnten. Von »Tausenden« von »Stufenbrunnen« sind nicht mehr viele erhalten. Oder schlummern noch unzählige vergraben im Erdreich?

Der Brunnen von Abhaneri,
Rajasthan, Indien
Foto: Doron
Der »Stufenbrunnen« von Chand Baori, ìm Dorf Abhaneri, Rajasthan, Indien, soll der wahrscheinlich tiefste seiner Art sein. Konstruiert wurde er angeblich im neunten Jahrhundert ... unweit des »Harshat Mata«-Tempels. Seine Basis befindet sich in rund dreißig Metern Tiefe unter der Erdoberfläche. Dreizehn »Etagen« lassen sich erkennen. Wiederum sind es unzählige kleine Treppchen ... eine an der anderen, die nach unten führen. So soll es möglich gewesen sein, bei sinkendem Wasserspiegel immer leicht an das kostbare Nass zu gelangen. Aber waren dazu wirklich 3500 (dreitausendfünfhundert) enge Stufen erforderlich? Wäre es nicht sehr viel einfacher und praktischer gewesen, eine Treppe mit breiteren Stufen zu bauen?

Harshat Mata wird heute noch als Göttin des Glücks und der Fröhlichkeit verehrt. Sollte der so kunstvoll-unpraktisch angelegte Brunnen eine andere als eine rein profane Bedeutung gehabt haben? Jutta Jain-Neubauer hebt in ihrem Werk »The Stepwells of Gujarat« die sakral-religiöse Bedeutung solcher Brunnen hervor. Noch heute, so weiß die Autorin zu berichten, wird Göttinnen via Brunnen geopfert. Mag sein, dass einst Menschen rituell getötet und in die Brunnen geworfen wurden. Angeblich sind Selbstopferungen aus uralten Zeiten überliefert. Derlei grausige Rituale werden heute nicht mehr vollzogen. Es soll aber Glück bringen, vom eigenen Blut einige Tropfen in das Brunnenwasser fallen zu lassen.

In Gujarat sieht man in der einheimischen Bevölkerung noch heute eine Verbindung zwischen »Stufenbrunnen« und der segensreichen Muttergöttin. Noch heute sollen sie als heilige Stätte der Verehrung von Göttinnen wie Devi oder Mata gesehen werden. Mich verwundert es nicht, dass das auch und gerade in Indien so kostbare Lebenselixier Wasser mit Muttergöttinnen in Verbindung gebracht wird. Der Muttergöttin verdankt man Leben, Wachsen und Gedeihen. Zum Leben gehört unverzichtbar Wasser, das aus dem harten und trockenen Boden Pflanzen sprießen lässt.

Teilansicht - Foto: W-J.Langbein
Es waren, Jutta Jain-Neubauer weist darauf hin, Damen von königlichem Blut oder aus dem »Hochadel«, die die Schirmherrschaft für sakrale Brunnen übernommen haben. Die vornehmen Damen verfügten offensichtlich über erhebliche finanzielle Mittel, die ihnen den Bau teurer und höchst kunstvoller »Stufenbrunnen« ermöglichten.

Vermutlich wurde in Indien schon vor vielen Jahrtausenden komplexe Bewässerungssysteme ersonnen. Die ersten Brunnen waren »primitiv«, einfach Erdlöcher bis zum Grundwasserspiegel. Von den Wasserlöchern führten Gräben zu den Äckern, die in trockenen Zeiten bewässert werden konnten. Die Brunnen waren somit Garanten für das Überleben der Menschen. Ohne das kostbarere Nass gab es kein Überleben.

Aus den einfachen Erdlöchern, die mit Steinbrocken gefasst wurden, entwickelten sich immer modernere Bauten ... bis hin zu den Wasserheiligtümern von Göttinnen, ja von der großen Muttergöttin, die im heiligen Wasser residierte. So sehe ich das vermeintliche »rituelle Bad« von Vijayanagara eben nicht als simplen Brunnen an ... sondern als Heiligtum einer Muttergöttin, der einst Opfer gebracht wurden – Nahrungsmittel wie Getreide, aber auch Ost und Gemüse, Tiere, aber auch Menschen.

Stufen für eine Göttin
Foto: W-J.Langbein
Die »Treppen« sind für profane menschliche Füße höchst unpraktisch. Sollten sie gar nicht für irdischen Gebrauch gedacht gewesen sein? Sollten sie es der Göttin ermöglichen, aus den Fluten empor zu steigen? Zu den sakralen Brunnen gehörten dann auch Altäre für die Göttinnen wie Asapuri. Die sakralen Brunnen – im Gegensatz zu profanen, die nur der Bewässerung dienten? - waren so etwas wie Eingänge zu Erd-Mutter-Göttin.

Mit Freunden vermesse ich stundenlang den kuriosen »Brunnen« von Vijayanagara. Ob die Bezeichnung »Ritualbad« denn so abwegig sei, frage ich unseren Guide. »Keineswegs!« lautet die Antwort. Liegt der Gedanke nicht nahe, dass das Bad im heiligen Wasser der Göttin von besonders segensreicher Wirkung war?

Fußnoten
1: Fritz, John: »City oft Victory«, New York 1991, S.63
2: Jain-Neubauer, Jutta: »The Stepwells of Gujarat«, 1. Auflage, New Delhi 1981, S. 6
Literatur

Folgende Werke seien dem interessierten Leser empfohlen ... zur vertiefenden Lektüre zum Thema Indien ...

Im Wasser haust die
Göttin - Foto:
W-J.Langbein
Bhagavdgita, die
Sanskrittext mit Einleitung und Kommentar von S. Radharkrishnan/ Mit dem
indischen Text verglichen und ins Deutsche übersetzt von Siegfried
Lienhard, Wiesbaden 1970
Bhagavdgita,die Mit einem spirituellen Kommentar von Bede Griffiths/ Aus dem Sanskrit
übersetzt, eingeleitet und erläutert von Michael von Brück, München 1993
Bhagavdgita/ As ist is/ Abridged Edition/ with translations and elaborate purports by his
Divine Grace A.C. Bhaktivedanta Sywami Prabhupada/ Founder-Acarya of
the International Society for Krishna Consciousness, New York
Childress, David Hatcher: Vimana Aircraft of Ancient India and Atlantis,
Stelle 1991
Childress, David Hatcher: Lost Cities of China, Central Asia and India, Stelle
1991
Euringer, Florian: Indische Astrologie/ Die 27 Frauen des Mondes, Genf 1989
Franz, Heinrich Gerhard: Das alte Indien/ Geschichte und Kultur des
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Fritz, John: City oft Victory/ Vijayanagara, New York 1991
Gentes, Lutz: Die Wirklichkeit der Götter/ Raumfahrt im alten Indien,
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Higgins, Godfrey: The Celtic Druids or An Attempt to shew, that the Druids
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Kearsley, Graeme R.: Pacal’s Portal to Paradise at Palenque/ The Iconography
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Kircher, Bertram: (TerraX) Atlantis/ alle Mythen, Legenden und Dichtungen,
Düsseldorf 2007 (Das Mysterium des Shiva/ Heilige Männer in Indien)
Rao, S.R. (Shikaripur Ranganatha): The Lost City of Dvaraka,
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Richter-Ushanas, Egbert: The Indus Script and the Rg-veda, Delhi 1997
Thompson, Richard L.: Vedic Cosmography and Astronomy, Los Angeles
1990

»Fliegende Wagen«, 
 Teil 168 der Serie  »Monstermauern, Mumien und Mysterien« 
 von Walter-Jörg Langbein
 erscheint am 07.04.2013

Sonntag, 28. Februar 2010

7 »Vimanas, Flugvehikel der Götter«

Teil 7 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Indien ist nicht nur das Land der Tempel, die vor vielen Jahrhunderten errichtet wurden. Indien ist nicht nur das Land der heiligen Tradition, Flugvehikel in Tempelform zu verewigen. Indien ist auch das Land der auch heute noch lebenden Vimana-Tradition. Immer wieder sieht man – oft an zentralen Plätzen – scheinbar roh zusammengezimmerte Hütten eigentümlicher Form. Sie dienen nicht etwa als Unterkunft für Arme. Es sind mit einfachen Mitteln nachgebaute »Tempeltürme«. So wie die altehrwürdigen steinernen Monumente erinnern sie an jene Zeiten, als Götter aus dem Kosmos zur Erde herabstiegen und die Menschen besuchten.

Die »Raumfahrt« unserer Zeit, die Astronauten zum Mond brachte, nötigt schriftkundigen Indern nur ein müdes Lächeln ab. In der Tat muten die Raketen der Menschheit zu Beginn des dritten nachchristlichen Jahrtausends armselig an... im Vergleich zu den gewaltigen Raumschiffen Götter Indiens, die vor Jahrtausenden zur Erde kamen.

»Andere Menschen dagegen leben nur in der Gegenwart. Sie betrachten die Gegenwart als das Vollkommene, als das Produkt der Entwicklung, und sie halten es für überflüssig, sich mit der Vergangenheit zu befassen.« So schrieb der langjährige Bürgermeister meiner Heimatgemeinde Michelau (Oberfranken), Johann Nemmert, im Vorwort zum Büchlein »Ein Beitrag zur Michelauer Ortsgeschichte« (Michelau/ Lichtenfels 1958)

In der Welt der Wissenschaften scheint diese Philosophie weit verbreitet zu sein: In grauer Vorzeit... zum Anbeginn... gab es einen Big Bang im Universum. Und von da an entwickelte sich alles evolutionär: Auf das Weniger-Entwickelte folgt stets Höher-Entwickeltes. Das Bessere geht aus dem Schlechteren hervor. Aus primitivsten Lebensformen im Einzellerbereich entwickelten sich nach und nach komplexere. Aus »primitiven Tieren« wurden irgendwann im Lauf der Zeiten unsere Vorfahren, aus denen der heutige intelligente Mensch hervorging. Wir sind, um es bildhaft auszudrücken, die Krone der Schöpfung. So wie sich das Leben vom Einzeller zum heutigen Menschen entwickelte... so evolutionär verlief demnach auch die Geschichte der Menschheit: von primitiven Gesellschaften bis zur heutigen modernen Zivilisation.

Folgt man dieser Vorstellung, dann hat der Mensch heute den höchsten Entwicklungsstand aller Zeiten. Mensch und Zivilisation sind gleichermaßen Ergebnisse von Evolution. In diesem Weltbild gibt es keinen Platz für die altindischen Vimanas, die Flugvehikel der Götter. Erst wir Menschen beginnen langsam, Raumfahrt zu betreiben. Wir, als Krone der Schöpfung, stoßen die Tür ins Universum auf. Raumfahrt darf es vor Jahrtausenden nicht gegeben haben.

Und doch gibt es in den altindischen Epen und heiligen Dichtungen, die ganze Bibliotheken füllen, unzählige Hinweise auf eben Vimanas, auf Flugvehikel der utopischsten Art. Strenge Vertreter der »Der Mensch ist die Krone der Schöpfung«-Theorie dulden auch keine außerirdischen Zivilisationen, die der unseren um Jahrtausende der Entwicklung überlegen sind.

Einst sollen riesige Weltraumstädte aus den Tiefen des Alls zur Erde gekommen sein. Vimanas pendelten zwischen Himmel und Erde, brachten die fremden Besucher in irdische Gefilde und wieder zurück in ihre riesigen Weltraum-Siedlungen. Parallelen zwischen Ägypten und Indien sind nicht zu übersehen: Pyramiden kennen wir aus Ägypten. Sie begegnen uns auch in Indien: als pyramidenförmige Tempeltürme. Einst thronte im Land am Nil auf der Spitze von Pyramiden und Obelisken ein heiliger Stein, genannt Benben. Bei den indischen Tempeln sind es oft pyramidenartige, steil aufragende Türme, die die sakralen Bauwerke dominieren.

Interpretieren wir modern, sozusagen mit »Weltraumfahrerbrille«: Der Obelisk symbolisiert so etwas wie eine Rakete, mit der einst in grauer Vorzeit Atum-Ré von seiner himmlischen Heimat zur Erde herabstieg. War der Benben-Stein so etwas wie eine Landekapsel? »Das wahrscheinlich metallene Raumschiff wurde wegen der Härte und Festigkeit des Materials als ›Art harter Stein‹ bezeichnet, der ›glänzt‹ und ›in den Himmel aufschießt‹.« schreibt Peter Fiebag in seinem hochinteressanten Aufsatz »Der Obelisk: Symbol für ein Raumfahrzeug?«

Wie auf der Spitze der Pyramiden und der Obelisken thront auch heute noch ganz oben auf vielen Tempeltürmen Indiens etwas Ähnliches, nämlich eine Art heiliger Stein etwas wie ein Flugvehikel der Götter. Bis heute ist unklar, wie diese gewaltigen Kolosse in luftige Höhen geschafft wurden.

Der Begriff »Gott« ist im christlichen Abendland positiv besetzt. Gern wird auch vom »lieben Gott« gesprochen. In Indien ist das anders. Gott ist dort weder das personifizierte Gute noch ein Sinnbild für alles Gute. Seit Jahrtausenden weiß man in Indien, dass die himmlischen Wesen auch durchaus negative Eigenschaften hatten. Sie harmonierten selten miteinander, bekämpften sich häufig heftig. In der Wahl ihrer Mittel waren sie dabei nie zimperlich. Mit brachialer Gewalt versuchten sie, die göttliche Konkurrenz zu vernichten. Zahllose Berichte von Götterkämpfen und Kriegen sind in heiligen Büchern überliefert. Sie erinnern uns an heutige Science-Fiction-Filme a la Steven Spielberg.

Einst kamen – folgt man den uralten Überlieferungen – riesige Weltraumstädte aus den Tiefen des Alls und zogen dann ihre Bahn um die Erde. Arjuna zum Beispiel griff vehement das riesengroße Raumschiff Hiranyapurna an. Die attackierten Götter wehrten sich vehement. Sie starteten ein fliegendes Kampfgeschwader, das mit furchteinflößenden Waffen ausgerüstet war. Arjuna freilich ließ sich nicht beirren. Er feuerte ein »Raketengeschoß« ab, das exakt ins Ziel traf. Die Weltraumstadt explodierte und wurde in Stücke gerissen. Brennend und qualmend stürzten die Trümmer auf die Erde. Einige mögen auf dem Land eingeschlagen sein, die meisten versanken im Meer.

Die beschriebenen kriegerischen Auseinandersetzungen wurden in enormer Höhe, im erdnahen Weltraum ausgefochten, aber auch in geringeren Höhen. So vermeldet das heilige Epos »Bhagavata«, dass Salva einst die Stadt Dvaraka mit seinem Flugzeug angriff und mit Geschossen überschüttete. Krisna versuchte, rettend einzugreifen. Er lockte den Angreifer von der Stadt weg und verwickelte ihn in eine Luftschlacht.

Salva fühlte sich unterlegen. Er würde den Kampf nicht gewinnen. Also versuchte er sein Heil in der Flucht. Womöglich wurde er dabei getroffen. Seine Flugmaschine mag beschädigt worden sein. Kurzzeitig landete er im Meer, stieg aber kurz darauf bereits wieder mit enormer Geschwindigkeit empor – bis in eine Höhe von 1 300 Metern. Krishna zeigte kein Mitleid. Er feuerte ein Raketengeschoss ab. Salvas Los war entschieden. Er konnte der Gefahr nicht entrinnen. Die Rakete folgte ihm, wurde vom Geräusch von Salvas Flugzeug gelenkt. Salva starb in einem glühenden Feuerball.

Im 7. Buch des wohl ältesten Epos der Menschheitsgeschichte, des »Mahabharata« werden Götterwaffen beschrieben, deren Wirkungsweise mit denen von Atombomben gleichgesetzt werden muss. Über eine dieser Waffen heißt es: »Sie schoss hoch in die Lüfte, und Flammen brachen aus ihr hervor, die dem Feuer glichen, das die Erde am Ende des Erdzeitalters verschlingt. Tausende von Sternschnuppen fielen vom Himmel. Die Tiere in den Gewässern und auf dem Land erzitterten vor Angst. Die Erde bebte.«

Die fürchterlichen Geschossen waren »mit der Kraft des Universums« ausgestattet. Sie explodierten mit vernichtender Gewalt, wobei »eine weißglühende Säule von Rauch und Flammen, so hell wie zehntausend Sonnen« entstand. »Die unbekannte Waffe ist ein strahlender Blitz, ein verheerender Todesboote, der alle Angehörigen der Vrischni und der Andhala zu Asche zerfallen ließ. Die verglühten Körper waren unkenntlich. Denjenigen, die davonkamen, fielen die Haare aus. Töpfereien zerbrachen, Vögel wurden weiß. In kurzer Zeit war die Nahrung vergiftet. Der Blitz senkte sich und wurde feiner Staub. Um diesem Feuer zu entkommen, stürzten sich die Soldaten in die Flüsse, um sich und ihre Ausrüstung zu waschen. Es war, als seien die Elemente losgelassen, die Sonne drehte sich im Kreise. Von der Glut der Waffen versengt taumelte die Welt in Hitze. Tausende von Wagen wurden vernichtet. Dann senkte sich tiefe Stille. Es bot sich ein schauerlicher Anblick. Die Leichen der Gefallenen waren von der fürchterlichen Hitze verstümmelt, so dass sie nicht mehr wie Menschen aussahen.«

Derlei Texte beschäftigten auch Dr. Robert Oppenheimer, der in den Jahren 1943-1945 Leiter der Atombombenentwicklung in Los Alamos war. Als die erste Test-Atombombe gezündet worden war, zitierte Physiker und Sanskritkenner Oppenheimer einen altindischen Vers aus dem »Mahabharata«: »Ich habe die Gewalt des Universums entfesselt. Nun bin ich zum Zerstörer des Universums geworden.«

Sieben Jahre später hielt Dr. Oppenheimer einen Vortrag an der Universität von Rochester. Als es im Anschluss daran zu einer Diskussion kam, fragte ein Student, ob denn die Atombombe von Alamogordo die erste gewesen sei, die man gezündet habe, oder ob es nicht vielleicht schon früher bereits ähnlich erfolgreiche Tests gegeben habe, die bislang der Öffentlichkeit verheimlicht worden waren. Kaum jemand verstand die Aussage Oppenheimers: »Well. es war die erste, ja. Jedenfalls in moderner Zeit!« Oppenheimer ging also davon aus, dass es bereits in vorgeschichtlichen Zeiten atomare Explosionen gegeben hat - im Alten Indien.

»Science-Fiction - Realität vor Jahrtausenden?«,
Teil 8 meiner »Sonntags-Serie«
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«,
erscheint ausnahmsweise bereits am
Donnerstag, den 4. März 2010
.

Grund: Vom 5.-7.3.2010 führe ich das 15.Seminar »Phantastische Phänomene« in Bremen durch!

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