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Sonntag, 7. August 2016

342 »Die Göttin und die sieben Tempel«

Teil 342 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Ganga
»Die Göttin Ganga stürzte einst in Form von Wasser vom Himmel zur Erde. Gott Shiva selbst rettete sie, er milderte ihren Aufprall. Heute ist der Fluss Ganges die lebende Wasserform der himmlischen Göttin!«, erzählt mir eine junge kundige Inderin. In ihrer wohlklingenden Stimme schwingt jahrtausendealte Mythologie mit. Und immer wieder höre ich von Göttin Ganga. Liebevoll nennt sie »mein« Guide »Mutter Ganga«. »Mutter Ganga hatte einen göttlichen Vater: Himavat. Himavat kann man mit ›große Kälte‹ übersetzen. Himavat ist die Personifikation der Himalayaberge. Die Mutter von Ganga ist Mena, Tochter des Weltenberges Meru. Das Himalayagebirge ist Sitz des Lebens, Meru bietet den Göttern Heimat. Sonne, Mond und Sterne kreisen um ihn.«

Seltsam, auch die hellhäutige Sarasvati, Göttin der Dichtkunst, der Musik, der Wissenschaft des Lernens, soll eine (?) Mutter der Ganga sein. Sie wird als eine Fluss-Göttin und Königin des Himmels verehrt, als Göttin der Liebe, als Mutter der Gewässer. Sarasvati kam als Kulturbringerin zu den Menschen. Zahlreich sind ihre klangvollen Beinamen: »Mahavidya« (»die große Weisheit«), »Jagaddhatri« (»Herrin der Welt«) und »Brahmani« (»Frau des Brahma«). Bei dieser Fülle von Beinamen und Eigenschaften tritt leicht Verwirrung auf. Andere Göttinnen haben zumindest zum Teil gleiche oder ähnliche Fähigkeiten. Besonders opulent aber ist Sarasvati ausgestattet. Sarasvati gilt als besonders mächtig. So soll sie – wie der biblische Jahwe – das Universum erschaffen haben.

Foto 2: Göttin Sarasvati
Mir scheint, Sarasvati hat eine erstaunliche Karriere vorzuweisen: Von einer Art Ur-Wassergöttin kam sie als heiliger Fluss aus dem Himmel herab. Sie wurde zu einer Göttin des Lebens und der Fruchtbarkeit. Oder war sie immer alles? Sind die zahllosen Göttinnen Personifikationen der Kräfte der Schöpfung und des Lebens?

Nach einem glühend heißen Tag zu so manchem Tempel des südlichen Indien sind wir am Meer angelangt. Von Chennai (Madras) sind wir nach Mahabalipuram gereist, in den Bundesstaat Tamil Nadu, Distrikt Kanchipuram. Es ist stockdunkel, die Sterne grüßen vom nachtschwarzen Himmel. Wir genießen die spätabendliche Kühle, den salzigen Wind, der vom Golf von Bengalen herüber weht. Das Meeresrauschen, die Sterne und die Silhouetten kleiner Tempelchen – sie wurden aus dem massiven Stein herausgeschlagen – formieren sich zu einer nicht wirklich in Worte zu fassenden geheimnisvollen Kulisse eines Indien, das vor Jahrtausenden unzählige Göttinnen und Götter angelockt hat. In den Sagen leben sie noch, im Glauben vieler Hindus ebenso.

Die Zeit scheint seit den Tagen der Himmlischen stehengeblieben zu sein. Unvorstellbar umfangreiche Epen berichten über sie und ihre Taten, über ihre Kontakte mit den Menschen, über Kriege zwischen den Göttern. Die sich untereinander in gewaltigen Gemetzeln im All und auf der Erde bekämpften.

Der Hinduismus hat etwa eine Milliarde Anhänger weltweit. Aber wer nun ein Hindu ist, das ist nicht so leicht zu definieren. Hindus sind jedenfalls tolerant und anderen Religionen gegenüber mehr als aufgeschlossen. Als Hindu kann man sehr wohl Jesus auf seinen kleinen Hausaltar stellen, direkt neben Jesu Mutter Maria und einen lachenden Buddha. Über 90 Prozent der Hindus leben in Indien. Bunt zusammengewürfelte Gesellschaften von Göttinnen und Göttern habe ich auf so manchem Hausaltar gesehen. Niemand schreibt vor, wer zu verehren ist oder angebetet werden darf. Jeder toleriert die Religiosität des anderen, niemand kommt auf die Idee, zu missionieren. Und vor allem unterscheidet man nicht zwischen »Ketzern« und »Rechtgläubigen«.

Foto 3: Der Tempelkomplex am Strand

Geschickt ist ein kleiner Tempelkomplex in Strandnähe bunt angestrahlt. Das kleine sakrale Bauwerk könnte ebenso aus einem Märchenfilm wie aus einem Sciencefiction-Opus stammen. Die Architektur des rätselhaften Gebäudes wirkt fremd und doch irgendwie vertraut. Einheimische haben sich nach einem harten Arbeitstag unter glühender Sonne eingefunden, um am Tempel zu beten. Respektvoll weichen wir zurück, um die Gläubigen nicht in ihrer Andacht zu stören.

»Die Göttin Ganga stürzte einst in Form von Wasser vom Himmel zur Erde.«, wiederholt unsere attraktive junge Führerin. »Morgen zeige ich euch das herrliche Steinrelief, auf dem verewigt wurde, wie Ganga im Wasserstrom vom Himmel kam!«

Foto 4: Linker Teil des Riesenreliefs

Im Verlauf der Reise, die uns zu vielen Tempeln führte, versuche ich so viel wie möglich über Indiens Göttinnen und Götter zu lernen. Doch je mehr ich erfahre, desto unüberschaubarer, ja verwirrender wird mein Wissen. Je mehr ich lerne, desto weniger verstehe ich. Da sind die Geheimnisse gigantischer Monstermauern, aus riesigen, kunstvoll zugehauenen Steinkolossen zwar auch unerklärbar, aber doch greifbarer. Geheimnisvoll ist und bleibt das wahrscheinlich größte Flachrelief »Herabkunft der Ganga«. Zwölf Meter ist es hoch, 33 Meter misst seine Breite. »Nach unserem Glauben hat König Bhagiratha den Ganges aus dem himmlischen Meer zur Erde kommen lassen, um die Seelen seiner verstorbenen Vorfahren von ihren Sünden zu befreien. Im 7. Jahrhundert soll dieses Kunstwerk entstanden sein, das eine verwirrende Vielzahl von Menschen, Tieren und Gottheiten zu bieten hat. Da verblüfft die präzise naturgetreue Darstellung auf der einen Seite, da verwundern seltsame Bilder auf der anderen Seite.

Foto 5: Mittlerer Teil
Klar zu erkennen ist die Göttin Ganga, die im Himmelsfluss – oder als Himmelsfluss? – von oben zur Erde kommt. Da tanzen menschliche Gestalten, oder schweben sie? Da marschiert ein majestätischer Riesenelefant und unter seinem Bau können wir kleine Elefantenkinder ausmachen. Aber was ist das für ein Wesen an der Basis des Reliefs? (Siehe Fotos 7 und 8, weiter unten!)

Es hat menschenähnliche Gestalt. Oder ist es doch ein Tier? Dem Kopf nach zu urteilen könnte es sich um eine Katze handeln, die aufrecht auf zwei Beinen dasteht und die vorderen Pfoten gen Himmel gestreckt hat. Nimmt die Katze (?) eine Yoga-Position ein? Sie wird von kleinen Kreaturen umtanzt (?). Sollte es sich um Mäuse handeln? Vermutlich! Was hat es zu bedeuten, wenn Mäuse um eine Katze in Yoga-Haltung herumspringen? Und das auf einem gewaltigen Relief in Stein von eindeutig religiös-mythologischer Bedeutung?

Foto 6: Rechter Teil des Reliefs
Ich gebe es zu: Katze und Mäuse habe ich vor Ort nicht bemerkt. Ich habe die amüsante Gruppe erst nach meiner Rückkehr aus Indien entdeckt, zuhause, beim Betrachten der Fotos.  Der herabstürzende »Wasserfall« des Ganga-Flusses hat mich abgelenkt. Eine einleuchtende Erklärung für das Ensemble der tierischen Art konnte ich in der Literatur bislang nicht finden. Bemerkenswert ist, dass sich die kleine Gesellschaft an zentraler Stelle befindet, nämlich just dort, wo der himmlische Ganga-Fluss die Erde berührt!

Auch unsere Führerin wusste keine Antwort. »Ein Rätsel!«, flüsterte sie leise. Aber das eigentliche Geheimnis von Mahabalipuram liegt da draußen. Mit ausgestreckter Hand deutete sie in Richtung Meer. »Göttin Ganga kam hier in Mahabalipuram zur Erde. Und dort, dort standen einst sieben majestätische Tempel!« Und wieder streckte sie ihren Arm aus, in Richtung Meeresstrand.

Zu den Fotos
Fotos 1-6: Walter-Jörg Langbein
Fito 7: Ingeborg Diekmann
Foto 8: Walter-Jörg Langbein

Literaturempfehlungen Indien Teil 1

Berendt, Joachim-Ernst: Nada Brahma/ Die Welt ist Klang, Reinbek 1985

Foto 7: Katze und Mäuse
Bhagavdgita, die
     Sanskrittext mit Einleitung und Kommentar von S. Radharkrishnan/ Mit dem
     indischen Text verglichen und ins Deutsche übersetzt von Siegfried
     Lienhard, Wiesbaden 1970
Bhagavdgita, die
     Mit einem spirituellen Kommentar von Bede Griffiths/ Aus dem Sanskrit
     übersetzt, eingeleitet und erläutert von Michael von Brück, München 1993
Bhagavdgita
     As it is/ Abridged Edition/ with translations and elaborate purports by his
     Divine Grace A.C. Bhaktivedanta Sywami Prabhupada/ Founder-Acarya of
     the International Society for Krishna Consciousness, New York


Foto 8: Im Kreis - Katze, umtanzt von Mäusen

Bhagavdgita und Aschtavakragita, Indiens heilige Gesänge, Köln 1978
Blavatsky, Helena Petrowna: Rätselhafte Volksstämme/ Magische und okkulte 
     Fähigkeiten bei den Kurumbas und Todas, Wiesbaden o.J
Childress, David Hatcher: Vimana Aircraft of Ancient India and Atlantis,
     Stelle 1991
Childress, David Hatcher: Lost Cities of China, Central Asia and India, Stelle
     1991
Däniken, Erich von: Das unheilige Buch/ Von falschen Gräbern und
     himmlischen Gestalten, Rottenburg 2014
Euringer, Florian: Indische Astrologie/ Die 27 Frauen des Mondes, Genf 1989
Franz, Heinrich Gerhard: Das alte Indien/ Geschichte und Kultur des
     indischen Subkontinents, München 1990, GROSSFORMAT
Fritz, John: City of Victory/ Vijayanagara, New York 1991, 
     GROSSFORMAT
Gentes, Lutz: Die Wirklichkeit der Götter/ Raumfahrt im alten Indien,
     München 1996

Literaturempfehlungen Indien Teil 2

Gottschalk, Herbert: Sonnengötter und Vampire/ Mythen und Legenden aus  
     Ägypten und dem Alten Orient, Indien, China und Tibet, Japan und Korea, 
     aus Afrika und aus Lateinamerika, Berlin 1978
Higgins, Godfrey: The Celtic Druids or An Attempt to shew, that the Druids
     were the priests of oriental colonies who emerged from India And were the
     introducers of the first or Cadmean system of letters and the builders of
     Stonehenge, of Carnac, and of other cyclopean works, in Asia and Europe,
     London 1829
Kearsley, Graeme R.: Pacal’s Portal to Paradise at Palenque/ The Iconography
     of India at Palenque and Copan, London 2002
Kircher, Bertram: (TerraX) Von Atlantis zum Dach der Welt/ Rätsel alter
     Weltkulturen, Bergisch Gladbach 1988
     (Das Mysterium des Shiva/ Heilige Männer in Indien, S. 116-165)
Mallebrein, Cornelia: Darshan/ Blickkontakte mit indischen Göttern. Die    
     ländliche und tribale Tradition, Berlin 1998
Norman, Bruce: Footsteps/ Nine Archaeological Journeys of Romance and
     Discovery, o. Ortsangabe, Nachdruck 1988
     (Siehe Kapitel 3/ The wonders of Ellora S. 75 -100)
Obermeier, Siegfried: Starb Jesus in Kaschmir?/ Das Geheimnis seines Lebens
     und Wirkens in Indien, Düsseldorf/ Wien 1983
Rao, S.R. (Shikaripur Ranganatha): The Lost City of  Dvaraka,
     New Delhi, 1. Auflage 1999
Rao, S.R. (Shikaripur Ranganatha): Marine Archaeology in India, New Delhi  
     2001
Rao, Dr. P.V.L. Narasimha: Kanchipuram/ Land of legends, saints and 
     temples, New Delhi 2008
Richter-Ushanas, Egbert: The Indus Script and the Rg-veda, Delhi 1997
Risi, Armin: Gott und die Götter/ Das vedische Weltbild revolutioniert die
     moderne Wissenschaft, Esoterik und Theologie, Zürich und Berlin 1995
Thompson, Richard L.: Vedic Cosmography and Astronomy, Los Angeles
     1990


343 »Tempel auf dem Meeresgrund«,
Teil 343 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 14.08.2016


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Sonntag, 11. Januar 2015

260 »Honig für die Götter«

260 »Honig für die Götter«
Teil 260 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein





Autor Langbein in Orissa. Foto I. Diekmann
Aus winterlich-kalten Gefilden ging’s in die Gluthitze von Orissa (heute Odisha) am Golf von Bengalen. Ein kleiner Reisebus, ausgestattet mit allem Komfort, brachte uns von Tempel zu Tempel. Erschöpft wankten wir zwischen Ruinen und bestens rekonstruierten Kultbauten. Zurück im Bus umwehte uns angenehm kalte Luft aus der auf Hochtouren laufenden Klimaanlage. Der ständige Wechsel zwischen  erfrischender Kühle und strapaziösen Hochtemperaturen erwies sich bei mir als gesundheitlich abträglich. Fieber, Schnupfen, Heiserkeit und Schüttelfrost suchten mich heim. Unser Busfahrer hatte schnell zwei Heilmittel zur Hand:

Ein Fläschchen mit hochprozentigem Rum und ein Döschen mit Schnupftabak. Letzerer, so hatte ich das Gefühl, würde nicht nur meine Nasenschleimheute wegätzen, sondern gleich die ganze Nase. Und der Rum schmeckte so, wie ich mir in jungen Jahren Feuerwasser bei der Lektüre von Karl Mays Amerika-Romanen vorgestellt habe, nämlich scharf und scheußlich. Indes… Die Kur zeigte bald die erwünschte Wirkung. Ich konnte weiter Ruinen und Tempel erkunden… und das bei rund 30 Grad im Schatten.

Der Bundesstaat Odisha hat unzählige hochinteressante Tempel zu bieten, besser gesagt hatte. Der größte Teil dieser sakralen Bauten ist inzwischen verschwunden. Die ältesten dürften zwei Jahrtausende alt gewesen sein. Trotzdem sind noch so viele der steinernen Gotteshäuser erhalten, so dass man viele Wochen, ja Monate vor Ort verbringen könnte. In der Hauptstad von Odisha, Bhubaneswar, finden sich heute noch rund 500 Tempel, ursprünglich sollen es 7 000 gewesen sein. Unklar ist, wie viele Kulthöhlen genutzt wurden, lange bevor die ersten steinernen »Gotteshäuser« errichtet wurden. Offiziell nicht bekannt ist, in wie vielen solcher Höhlen sich heute noch Gläubige versammeln, ungestört durch Touristen.

Marodes Tempelchen. Foto W-J.Langbein
Fernab der Touristenpfade gibt es auch noch so manchen kleinen Tempel, der alles andere als ein museales Schaustück ist. Gerade besonders große und aufwändig rekonstruierte und restaurierte Bauwerke ziehen Touristen in großen Scharen an. So imposant diese Denkmäler fantastischer Baukunst der alten Inder auch sind, so »leben« sie längst nicht mehr. Sie waren einst als Stätten der Andacht und Besinnung konzipiert, nicht als Attraktion für neugierige Besucher ohne Respekt vor fremdem Glauben. Beeindruckend ist die Toleranz, die in Hindu-Tempeln praktiziert wird. Das mag daran liegen, dass es kein »heiliges Buch« gibt, das genau festlegt, was der Gläubige als unumstößliche Wahrheit anzusehen hat. Im Hinduismus gibt es keine Definition, was »rechter Glaube« und was »ketzerisch« ist.

Hunderttausende, nein Millionen von Hausaltären gibt es in Indien, in Privathäusern von Hindus. Da können sich neben Figürchen von Brahma, Shiva und Vishnu problemlos auch solche von Jesus und Maria finden. Ich selbst sah einmal in einer Privatwohnung bei einer Einladung eine Krippe, die zur Adventszeit in jeder christlichen Kirche hätte stehen können. Doch statt des Jesuskindes lag der elefantenköpfige Ganesha darin. Einer der Beinamen Ganeshas lautet »Herr der Scharen«. Just diesen Beinamen - »Herr Zebaot« oder »Herr der Scharen« - trägt auch der Gott des Alten Testaments. (Beispiel: 1. Samuel 1, 3!)

Glücksbringer Ganesha. Foto W-J.Langbein
Und neben der Krippe aus dem Stall von Bethlehem stand keine Geringere als Parvati, die Gütige, selbst. Ein Esel fehlte allerdings, stattdessen kauerte da ein stolzer Tiger, das Reittier der Muttergöttin Parvati. Es gibt nicht wenige Hindus, die glauben (wie Christen), Jesus sei als Retter auf die Erde gekommen. Andere wiederum sehen in Jesus den wiedergeborenen Ganesha. Und wiederum andere verstehen »Ganesha« und »Jesus« als zwei Namen des gleichen göttlichen Wesens. Für andere wiederum sind »Jesus«, »Ganesha« und alle sonstigen göttlichen Wesen Verkörperungen der unendlichen göttlichen Energie.

Große Summen werden aufgebracht, um monumentale Tempelanlagen für Besucher aus dem Ausland möglichst attraktiv zu gestalten. Die Reisenden bringen wiederum Geld ins Land, was die Investitionen in steinalte Kultur sinnvoll erscheinen lässt. Aber fernab der Touristenströme gibt es – besonders auf dem Land – eine Vielzahl kleinerer Tempel, die oftmals recht baufällig sind. Es steht nicht genug Geld zu Verfügung, um auch nur einen Bruchteil der heute zusehends verfallenden Tempel zu erhalten oder gar zu restaurieren. Diese kleinen sakralen Bauwerke sind keine Denkmäler der archäologischen Künste, auch keine »Magnete« für Touristenströme, sondern »nur« Räume des Glaubens. Sie sind in Armenvierteln anzutreffen, vollständig integriert in das Alltagsleben. Man mag bedauern, dass sie langsam verfallen. Andererseits würden sie wahrscheinlich restauriert bald keine »lebenden« Tempel mehr sein.

Mukteshwara-Tempel. Foto Walter-Jörg Langbein

Ein Beispiel: In einem Hüttchen wurden Einmachgläser mit verschiedenen Gemüsesorten angeboten. Auf einer Wäscheleine trockneten bescheidene Kleidungsstücke. Und im Hintergrund trotzte ein Tempelturm aus uralten Zeiten wacker so gut er konnte dem Zahn der Zeit, der schon deutliche Spuren hinterlassen hatte. Ein Foto aus respektvollem Abstand habe ich aufgenommen, auf weitere Fotos aber verzichtet.

Mukteshwara-Tempel aus anderer Perspektive.
Foto W-J.Langbein

Geradezu rührend war die schlichte Ganesha-Statuette, aus Holz geschnitzt, vor der Gläubige bescheidene Opfergaben ablegten. Eine vom Wetter gegerbte alte Dame verharrte lange (im stillen Gebet?) und schenkte dann Ganesha eine winzige exotische Blüte. Beim Weggehen nickte sie mir freundlich zu. Ich glaube, sie freute sich, weil ich als Fremder aus fernen Landen »ihrem« Ganesha meine Aufwartung machte. Leider benehmen sich aber Besucher aus der sogenannten »zivilisierten Welt«  an den ältesten Kultstätten unseres Planeten alles andere als »kultiviert«. Eine Minderheit schreckt selbst vor Beschädigungen nicht zurück. Ein Besucher der Osterinsel wurde mit einem Stück einer der Riesenstatuen erwischt, das er abgeschlagen hatte und als »Souvenir« mit in die Heimat nehmen wollte. Ein anderer Reisender schlug Stückchen von Steinen der Cheopspyramide ab, um sie in einer häusliche Vitrine zur Schau zu stellen. Weitaus mehr »Gäste« legen in fremden Ländern nur ein inakzeptables, herablassendes Benehmen an den Tag.

Mythologie in Stein... Foto W-J.Langbein
Wer sich wirklich für die alte indische Tempelkultur interessiert und nicht mehrere Monate im Land verbringen kann, mag sich die Region von Bhubaneswar konzentrieren. Bhubaneswar, heute Hauptstadt des indischen Bundestaates Odisha wird zu Recht als »Stadt der Tempel« bezeichnet. Gegründet wurde die wichtige Metropole offiziell im dritten Jahrhundert vor Christus, es dürften sich aber schon lange vorher dort Menschen angesiedelt haben. In der Zeit vom achten bis ins 15. Jahrhundert wurden zahllose Tempel gebaut, von denen die meisten schon längst wieder verfallen und abgetragen worden sind. Der älteste, bekannte Tempel ist der von Mukteshwara. Er entstand vor mehr als einem Jahrtausend! Wann er genau gebaut wurde, ob im zehnten, im neunten Jahrhundert… oder noch früher? Wir wissen es nicht.

»Traum in Sandstein« wird der Tempel von Mukteshwara genannt, weil die Kultanlage aus rötlichem Sandstein gebaut wurde, vor allem aber weil sie über und über mit einer Vielzahl von konkret-figürlichen wie abstrakt-ornamentalischen Kunstwerken geschmückt wurde. Zahlreiche Göttinnen und Götter wurden von Steinmetzen geschaffen, denen noch heute von gläubigen Menschen geopfert wird. Die meisten Hindus lehnen – anders als andere Religionen – blutige Opferrituale, die mit Tieren zelebriert werden, ab. Statt Tierblut wird den Göttinnen und Göttern gern der berühmte »Pooja Honey« dargeboten. Der köstliche Honig ist überall zu haben, auch in winzigen Mengen.  »Es kommt nicht auf die Größe der Gabe an, die man den Göttinnen und Göttern schenkt!«, erklärte mir eine örtliche Reiseleiterin. »Wichtig ist allein die Einstellung des Gebers! Er anerkennt die hohe Stellung des Göttlichen, die für den Hindu viele Namen haben kann!«

Im Tempel von Mukteshwara begegnete ich einem Studenten, der mir von Dr. Shikaripur Ranganatha Raos (1922-2013) hochinteressanten, ja sensationellen Arbeiten berichtete. Uralten heiligen esoterischen Schriften Indiens zufolge gründete Sri Krishna einst die legendäre Stadt Dvaraka. Westliche Indienexperten schenkten derlei Überlieferungen selten Glauben, weil die vorgeschichtliche Metropole im altindischen Mahabharata auch als Austragungsort von gewaltigen Schlachten (bei denen Furcht einflößende Flugvehikel zum Einsatz kamen) zwischen himmlischen Göttern und Menschen erwähnt wird. Dr. Shikaripur Ranganatha Rao hat in Jahrzehnten intensiver archäologischer Arbeit schon mehrere mythologische Stätten Indiens als einst real existierend nachgewiesen. 

Göttin in Stein... oder Tempeltänzerin?
Der angesehene Wissenschaftler, langjähriger leitender Mitarbeiter an diversen wissenschaftlichen Instituten Indiens (»Indian National Science Academy«, »Department of Science and Technology«, »Council of Scientific and Industrial Research«, »National Institute of Oceanography«) fand nun auch Dvaraka: an der Westküste Indiens....auf dem Meeresgrund. Nördlich von Porbandar an der Mündung des »Gulf of Kachchh« kamen kürzlich umfangreiche unterwasserarchäologische Untersuchungen einen vorläufigen Abschluss. Über Jahrzehnte hinweg war immer wieder intensiv getaucht worden. Unzählige Artefakte wurden vom Meeresboden geborgen. Sie stammen mindestens aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus! Wann Dvaraka überflutet wurde, konnte bislang nicht definitiv bestimmt werden.


Tipp für Reisende

Besuchen Sie das »Museum of Tribal Arts & Artifacts«. Adresse: Off CRP-DAV Road, Near CRP Square, Palika Nagar, Bhubaneswar, 751015, Indien. Montags ist das Museum geschlossen. Das Museum informiert ausführlich über die verschiedenen Stämme, deren Lebensgewohnheiten, Bräuche, Kunst, Schmuck, Waffen.

Literaturempfehlungen

Göttin in Stein. Foto W-J.Langbein
Euringer, Florian: Indische Astrologie/ Die 27 Frauen des Mondes, Genf 1989

Franz, Heinrich Gerhard: Das alte Indien/ Geschichte und Kultur des
     indischen Subkontinents, München 1990
Rao, Dr. P.V.L. Narasimha: Kanchipuram/ Land of legends, saints and 
     temples, New Delhi 2008
Thompson, Richard L.: Vedic Cosmography and Astronomy, Los Angeles
     1990

Hinweis zu den Fotos

Mit Ausnahme des ersten Fotos (aufgenommen von
Ingeborg Diekmann) stammen alle Fotos von
Walter-Jörg Langbein. Copyright: Walter-Jörg Langbein


261 »Die Schlangengöttin«,
Teil 261 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 18.01.2015



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Sonntag, 27. Oktober 2013

197 »Stadt der Tausend Tempel«

»Stadt der 1000 Tempel«
Teil 197 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Stolz ragen Tempeltürme in den Himmel - Foto: W-J. Langbein
»Kanchipuram« muss einst ein religiöses Zentrum der besonderen Art gewesen sein. Tausend Tempel gab es hier einst, von denen nur noch zweihundert erhalten sind. Kanchipuram, im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu gelegen,  blühte schon in vorchristlichen Zeiten. Wer die Stadt gründete, wir wissen es nicht. Herrscher der alten Pallava-Dynastie haben womöglich schon im zweiten Jahrhundert nach Christus beschlossen, Kanchipuram zu einem sakralen Zentrum zu machen.

Aber woher kamen die ersten Pallava-Herrscher? Von Sri Lanka? Aus dem einstigen Perserreich? Oder haben die fast schon legendären Fürsten von Pallada ihre Wurzeln im »Land der Andhra« (heute Bundesstaat Andhra Pradesh)?

Diente ihnen die Religion   der Hinduismus   als Mittel zum Zweck? War der massive Bau von Tempeln als Mammutprojekt gedacht, der die  Untertanen einen sollte? Initiierten sie eine Art von Wettbewerb in Sachen Tempelbau? Oder entstand eine Gemeinschaft, weil alle zusammen ein religiöses Zentrum schaffen wollten?
Professor  Dr. Kumar Kanjilal, einer der führenden Sanskrit-Gelehrten Indiens, klärte mich auf: »Westliche Besucher meinen oft, Hindu-Tempel seien mit christlichen Gotteshäusern vergleichbar. Das ist nur bedingt richtig. Gewiss, Tempel waren auch Orte des Gottesdienstes, wo Gläubige sich versammeln, um Gott zu preisen, oder um Bitten an Gott zu richten . Sie waren schon zu alten Zeiten aber auch Orte des Lernens, ähnlich wie Schulen und Universitäten!«

Die Tempel waren, so erklärte mir Professor  Dr. Kumar Kanjilal weiter, ursprünglich bunt, ja für unser Empfinden grell bemalt. Uns Heutigen gefallen die schlichten Grau-Braun-Töne der Tempel, die die Jahrhunderte überstanden haben, besser. Aber sieht es heute an den großen Wallfahrtsorten des Christentums nicht ähnlich bunt aus ... so wie vor Jahrhunderten in den sakralen Zentren des Hinduismus?
Ein »Lehrfach« war auch die Kunst des Tempelbauens. Viel Aufwand wurde zum Beispiel getrieben, um den richtigen Standort für einen Tempel zu finden. Bevorzugt wurde eine natürliche »Plattfom« aus Granit, auf der dann massive Sandsteingebäude stehen sollten.

Wann die ersten Tempel erstanden? Wir wissen es nicht. Der älteste, noch erhaltene Tempel ist der Kailasanatha-Tempel, der Ende des 7. Jahrhunderts gebaut wurde. Geweiht hat man ihn Gott Shiva. Ist er als »Ersatz« für einen noch früheren Tempel aufgetürmt worden?

Die vielleicht schönste Pyramide
von Kanchipuram - Foto: W-J.Langbein
Schon vom Weitem fällt die steinerne »Pyramidenfom« auf. Sie erinnert an sakrale Bauten der Mayas in Zentralamerika. Ein Reiseschriftsteller berichtet, das sakrale Bauwerk bestehe »ganz aus importiertem ägyptischen Kalkstein«. Das mutet seltsam an, wurde für den Tempel doch fast ausschließlich Sandstein verwendet.

In einer dunklen Nische finde ich eine interessante Darstellung: Shiva, in tänzerischer Pose, einen Arm gen Himmel gereckt, ein Bein hoch angewinkelt, auf einem kleinen, am Boden kauernden Wesen ruhend. Ich weiß: Häufig wird Shiva als »Nataraja«, als »König des Tanzes«, gezeigt, als steinernes Relief oder Skulptur, aber auch als metallene Plastik. Es kam mir bei meinem Besuch so vor, als hätte ich verbotenes Terrain betreten. Ein gereizter »Wächter« (?) warf mir böse Blicke zu. Als ich gar versuchte, Shiva zu fotografieren, kam er energischen Schritts auf mich zu. Ich zog unverrichteter Dinge ab.

Es war schon vor tausend Jahren offenbar ein beliebtes Motiv: Shiva, im kosmischen Tanz ... und zu seinen Füßen der »Dämon der Unwissenheit«, Apasmara. Shiva führt einen magischen Tanz auf, der alles zerstört: die Unwissenheit und das Universum! Shiva tritt als Erlöser auf, der alles Übel vernichtet. Er erinnert an eine Christusgestalt, die das Böse in Form einer Schlange zertritt. In Indien ist es ein zwergenhafter Dämon, der unter Shivas Füßen endet. Warum wird er in allen möglichen Darstellungen als Mischwesen aus Fratzenkopf und Kleinkind-Leib gezeigt?

Die biblische Schlange erreichte nach christlicher Überzeugung mit Arglist, dass Adam und Eva ungehorsam wurden und zur Strafe das Paradies  verlassen mussten. Apasmara will angeblich auch heute noch verhindern, dass der Mensch erkennt, wie er ins Nirvana gelangen kann. Er soll vergessen, dass er nach Durchleben der erforderlichen Wiedergeburten ins erlösende Nichts eintreten kann. Keine Frage: Apasmara erinnert deutlich an den »Teufel« aus der Bibel. Apasmara gilt in der Welt der Hindu noch heute als »personifizierte Verblendung«. Der Mensch soll den Weg ins Heil nicht mehr erkennen. So wird er der Chance, erlöst zu werden, beraubt.

Tanzender Shiva
Foto: wikicommons vassil
Bei meinem Gang durch die Tempelanlagen von Kanchipuram begegnete mir ein scheinbar altersloser, kleinwüchsiger Mann. Er war in eine Art Kutte gehüllt und trug einen großen, gelb glänzenden Ring am Daumen der rechten Hand. Er redete eifrig und sehr eindringlich auf mich ein. Zum Glück war eine Dolmetscherin in der Nähe: »Er möchte die Namen Shivas aufzählen ...«, klärte sie mich auf. Ich wollte schon zustimmen, wurde aber noch rechtzeitig von der freundlichen Dolmetscherin zur Seite gezogen. »Nur das nicht!«, warnte sie mich. »Wenn er einmal angefangen hat, hört er so schnell nicht mehr auf. Womöglich kennt er sogar die über 1 000 Namen Shivas, wie sie in den Purana-Texten des Hinduismus überliefert sind!«

So verzichtete ich auf die Darbietung, was bei dem wissenden Anbieter der Namen Shivas sichtlich Verärgerung auslöste. Ein kleiner Obolus ließ ihn wieder erstrahlen. Hastigen Schritts entfernte er sich, um sich  ein anderes »Opfer« zu suchen.

Tausend Tempel, so heißt es, machten Kanchipuram zu einem einzigen, riesigen Zentrum der Verehrung der alten Götter. Wie viele Ruinen langsam verfallen, das scheint niemanden wirklich zu interessieren. »In Armenvierteln gibt es noch Gebäudereste von einst heiligen Bauten! Sie wurden zum Teil von den Ärmsten der Armen in Beschlag genommen und in traurige Hütten einbezogen. Ich habe auch schon ärmliche Verkaufsstände gesehen, die zum Teil aus altem Tempel-Mauerwerk bestanden!«, erklärte mir mein kundiger Guide.

Der Kailasanatha-Tempel - Foto: W-J.Langbein

Natürlich hätte es mich gereizt, vergessenen Spuren alter Tempelkultur zu folgen. Mein Guide riet mir aber dringlich vor meinem Plan ab. »Das könnte gefährlich werden!«, warnte er. »Leicht könnten einen die Ärmsten der Armen für einen Schnüffler halten, der für reichte Großgrundbesitzer spioniert. Und wenn die, die so gut wie nichts haben, befürchten, das Wenige könnte ihnen noch genommen werden ...« Ich verzichtete auf das unkalkulierbare Risiko. 

Stattdessen erkundete ich den Kailasanatha-Tempel. Das komplexe Bauwerk besteht im Wesentlichen aus einer massiv wirkenden Mauer, die von einem nicht minder massiven Tempelturm überragt wird. Das vierstöckige Bauwerk, so erfuhr ich, stelle ein »Vimana« dar. Vimanas sind aus den ältesten Heiligen Texten Indiens bekannt: als Flugvehikel, die zwischen Himmel und Erde pendelten. Und als steile Tempelpyramiden, die an die Vimanas von einst erinnern sollen.

Hunderte, womöglich Tausende Figuren wurden mit Eifer geschaffen, um Haupt- und Nebengebäude zu schmücken. Es sind Fabelwesen, die manchmal den Albträumen der Künstler entsprungen zu sein scheinen. Oder werden diese Mensch-Tierwesen irgendwo in altehrwürdigen Schriften beschrieben, die noch in den Kellerarchiven altehrwürdiger Tempel ruhen?

Säulen mit Fabelwesen - Foto: W-J.Langbein

Nach vorsichtigen Schätzungen wurden 200.000 Tonnen Stein im Denkmal zu Ehren Shivas verarbeitet. Ein Jahrhundert lang sollen Bauleute gebraucht haben, um das Steinmaterial heranzuschaffen und zu bearbeiten. Gewaltige Erdmassen wurden durchwühlt, um brauchbare Steine für Tempel und Statuen zu finden. Gewaltige Steinbrocken wurden mit – so heißt es – einfachen Mitteln über weite Strecken herbeigeschafft.
Immer weitere Kreise zog ich, folgte einer massiven Mauer, die mich an eine Wehranlage erinnert. Unüberschaubar ist noch heute die Fülle an erhaltenen Tempelbauten. Als die 1.000 Tempel von einst noch alle standen, muss die sakrale Stadt riesig gewesen sein.
 
Ein Bauelement wiederholt sich immer wieder in unzähligen Variationen. Ein Säulchen reiht sich an Säulchen, wobei Fabeltiere aus dem Stein zu wachsen scheinen. Und heilige Schreine aus Stein stehen Spalier. Auch sie sind von kleinen »Vimanas« gekrönt. Immer wieder kehre ich an die Umgebungsmauer zurück. Kleine Räumchen, die an Einsiedlerklausen erinnern, wurden in das Mauerwerk eingearbeitet. Und auf jeder dieser winzigen Zellen sitzt, wie eine Krone aus Stein, wiederum ein kleines Vimana.

Überall sitzen kleine Vimanas aus Stein - Foto: W-J.Langbein

Die altindischen Texte, so versicherte mir Prof. Kanjilal, berichten immer wieder, dass einst Götter zur Erde kamen, um uns Menschen zu studieren. Um nicht aufzufallen, tarnten sie sich dabei als Menschen. Himmelsfahrzeuge –  »Vimanas« genannt – waren nach den Berichten der alten Texte alles andere als selten. Allein in der Schilderung von Arjunas Reise durch zahlreiche himmlische Regionen und sternenreiche Gefilde des Firmaments wurden Hunderte von Himmelsschiffen gesichtet. Im bekanntesten indischen Epos, dem Mahabharata, tauchen sie an 41 Stellen auf. Die rund 100.000 Doppelverse des höchst umfangreichen Werkes wurden vermutlich zur Zeitenwende schriftlich niedergelegt. Es basiert aber auf mythischen Quellen, die womöglich einige Jahrtausende älter sind.

Vimana von Ekambareswarar
Foto: W-J.Langbein
Zurück zur Stadt der Tausend Tempel! Die schriftkundigen Sthapatis waren höchst vielseitige Theologen. Sie waren für die Rituale in den Tempeln zuständig und berieten die Gläubigen in allen Lebensfragen. Außerdem wussten sie gut Bescheid über die mysteriösen Vimanas. Als Priester konnten sie die entsprechenden Texte auswendig zitieren, in denen die Flugapparate und fliegende Städte vorkommen. Als Architekten bauten sie Erinnerungen an die Vimanas aus Stein nach ... und verewigten sie in sakralen Tempelkomplexen.


»Elefanten, Tempel und die Göttin«
Teil 198 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von 
Walter-Jörg Langbein,                                                                                               
erscheint am 03.11.2013

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