Mittwoch, 6. Januar 2010

Hund und Katz / Teil I


Teil 1: Die Ankunft


Könnten Sie diesem Blick widerstehen? Wir konnten es jedenfalls nicht. Wir, das sind mein Mann und ich.

Ein Rückblick: Oktober 2008, es ist mitten in der Nacht, ich erwarte meinen Mann nach zwei Wochen, die er in seiner Heimat Bosnien verbracht hat, zurück. Ich bin vorgewarnt. Die Lage ist in diesem Land für Vierbeiner jeglicher Art wie immer besorgniserregend. Es ist an der Tagesordnung, dass Hunde, für die man die Verantwortung nicht übernehmen will, einfach ausgesetzt werden. Katzen dürfen sich ungehemmt vermehren und viele der Jungtiere werden überfahren oder sterben mangels der nötigen Pflege. Mein Prachtexemplar von einem Mann kann dieses Leid nicht einfach akzeptieren und wegsehen, wie es so viele tun. Er hat drei junge Katzen von der Straße geholt, sie impfen und chippen lassen und auf seiner zwölfstündigen Heimfahrt in einem Transportkorb nach Deutschland geholt. Mit dem einen Zweck, sie so bald als möglich zu vermitteln. Ein Platz war bereits fest zugesichert worden, meine Schwester erklärte sich bereit, eines der Kätzchen bei sich auf Lebzeit aufzunehmen. Für die anderen beiden wollten wir Plätze suchen.

Endlich kommt er an, doch meine Gedanken gelten den drei erschöpften Kätzchen im Korb. Die Begrüßung fällt dementsprechend kurz aus. Katzentoilette steht bereit, Futter- und Wassernapf sind gefüllt, Liegeplätze wurden hergerichtet. Nichts steht einer ersten Nacht in unserem Haus mehr entgegen.



Meine Aufregung geht auf unseren Hund über, den wir ein Jahr zuvor, im Februar, ebenfalls aus Bosnien gerettet hatten. Die Hündin fand mein Mann als etwa acht Wochen alten Welpen in einem Karton am Straßenrand. Weggeworfen wie Müll, dem sicheren Tod preisgegeben. Marie, unsere treue, verrückte Pudelmixdame fasst den Transportkorb sofort fest ins Auge und lässt es sich nicht nehmen dabei zu sein, wenn die winzige Katzenlieferung ausgepackt wird.


Marie im Auge behaltend öffne ich die Klappe und kaum zwei Sekunden später streckt ein vorwitziges Kätzchen seinen kleinen Kopf heraus, sieht mich mit ihren riesengroßen Augen an und tut den ersten wackligen Schritt in ein neues Leben. Ihr Silberblick scheint auf mich gerichtet zu sein, könnte aber ebenso gut die Wand hinter mir ansehen, ich bin mir nicht sicher. Dann wackelt sie los und mir sind zwei Dinge sofort klar:
1. Ich werde diese Katze behalten.
2. Mit dieser Katze stimmt etwas nicht.

Die beiden anderen Kätzchen nehme ich in diesem Moment kaum wahr, denn meine auserwählte Schielekatze ist offenbar nicht gesund. Ihr Gleichgewichtssinn funktioniert nicht, sie ist unsicher auf den Beinen, schlicht unkoordiniert. Zusätzlich hat sie einen merkwürdig auffälligen Blähbauch. Panik erfasst mich. Ich will weder meine alte Katze gefährden, noch meinen Hund. Also fällt sehr schnell die Entscheidung: Quarantäne!

Lizzys erste Nacht, denn später werden wir sie so nennen, verbringt sie in einem leeren Raum auf dem Dachboden, den wir zum Wäscheaufhängen nutzen. Gleich am nächsten Morgen packen wir unsere Jungkatzen ein und gehen zu unserer Tierärztin. Zum Glück bekommen wir Entwarnung, es ist zwar ein bleibender Schaden, jedoch nichts Bedrohliches. Offenbar wurde unsere Lizzy durch Schläge verletzt, ein Nerv war wohl über längere Zeit eingeklemmt, daher die Koordinationsschwierigkeiten. Der Ursprung des Blähbauchs war ebenfalls sehr leicht auszumachen: Würmer!

Für uns stellte das kein Problem dar. Wurmpaste rein, Würmer raus. Bewegungsschwierigkeiten hin oder her, wir hatten uns auf den ersten Blick in diesen Unschuldsengel verliebt und offensichtlich erging es unserem Hund ebenso. Marie nahm sich von der ersten Sekunde an dieser Katze an, behandelte sie wie ihr eigenes Kind und bemuttert sie bis heute. Wohingegen unsere ältere Katze, eine Griechin, mit dem schönen Namen Luna, weitaus mehr Probleme mit dem Neubürger in unserem Haus hatte.



Der Brotkrümmel an der Wand oder Romeo und Julia etwas anders


Es war ein verregneter Tag und der Schwarzbrotkrümel Romeo, der an der Wand der Bäckerei Tütjens klebte, sehnte sich wieder einmal danach, bei der Sonnenblumenkernlady Julia auf dem Tablett zu liegen. Er schaute zu, wie alle seine Freunde nach und nach verkauft wurden. Als es langsam dunkel wurde; dachte er sich: "Bald ist es dunkel, und wenn es dunkel ist, kann ich meine liebste Sonne Julia nicht mehr sehen, also muss ich jetzt zu ihr!"

Und dann versuchte er; sich mit aller Kraft von der Wand abzustoßen aber es half nichts. nach fünf Minuten gab er auch schon wieder auf. Doch was war das? Es waren die dicken Finger der Bäckersfrau Shakespeare, die ihn fast zerdrückten. Plötzlich kam ein Kunde herein, die Bäckerin erschrak und ließ Romeo fallen. Er landete direkt neben seiner liebsten Julia. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals "Na Süße!", schnurrte er verführerisch. „Oh, mein Romeo, endlich bist du da!" Und dann küssten sie sich. Dann sagte Romeo: "Pst... sei mal still!" Sie hörten einen Kunden sagen:"Ich hätte gerne diese Scheibe dort“, und sie sahen, wie er auf die Schnitte mit Romeo und Julia zeigte. "Schnell, halte dich fest Romeo!" flüsterte Julia und schon ging die Reise los. Erst nahm die Bäckerin die Schnitte vom Tablett und ließ sie in eine gelb-organgefarbene Papiertüte fallen, dann drückte sie sie dem Kunden unfreundlich in die Hand und motzte mit patziger Stimme:"10 Cent!" Der Mann bezahlte, und fröhlich die Tüte schwenkend, verließ er den Laden. "Oh mir wird schlecht!" murmelte Julia. So schnell er konnte, riss Romeo ein Loch in die Papiertüte. Julia beugte sich über das Loch ... in dem Moment stolperte der Mann und Julia wurde von der Brotscheibe durch das Loch geschubst. Sie fiel in einen Gulli und verschwand. Romeo fing an zu weinen "Wir wollten doch heiraten!", schluchzte er. Nach einer Weile schlief er ein ...

Als er aufwachte, hatte er tierische ... äääh ... brotische Kopfschmerzen, dann sah er etwas großes, rundes, silbernes auf sich zu kommen, dann spürte er Schmerzen ... als er sich aufrappelte, das Gleiche noch einmal und so ging es dann noch eine Ewigkeit weiter.
Nur damit ihr Bescheid wisst, Romeo war daheim angekommen und dem Kleinkind auf den Teller gelegt worden. Das hämmerte mit dem Löffel auf ihm herum. Nach einigen Minuten spürte er sich nicht mehr, fühlte sich frei und leicht und verstand, dass er im Himmel angekommen war. "Julia, ich bin tot!" Endlich wurden sie glücklich.

Norma


Foto: http://www.pixelio.de/ (Knipseline)

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