Samstag, 24. April 2010

Meine Erfahrungen mit Wein. Text: Helga König

In meiner Herkunftsfamilie trank in meiner frühesten Kindheit in den 50er Jahren nur mein Urgroßvater Wein. Das tat er täglich. Er trank 1/2 Flasche Roten und wurde 93 Jahre alt.  Jedem, der es hören wollte, erklärte er, dass Wein, in Maßen genossen  gut für die Gesundheit sei. Mein Vater bezweifelte dies, trank keinen Tropfen Alkohol und verstarb im Alter von 57 Jahren.

Meine erste Erfahrung  mit Wein  machte ich im zarten Alter von 11 Lenzen. Damals nämlich interessierten mich Weinetiketten. Mein Cousin, einige Jahre älter als ich, hatte sich eine Stehlampe  gebastelt und den Lampenschirm mit Weinetiketten beklebt. Mein Onkel, heute 87 Jahre alt und Weinliebhaber noch immer, erlaubte  meinem Cousin und in der Folge auch mir, die Etiketten von den Flaschen zu lösen, um damit etwas Kreatives anstellen zu können. Ich klebte die Etiketten auf Papierkörbe, die ich dann in der Verwandtschaft verschenkte und vertiefte mich immer wieder in die Motive, lernte auf diese Art Rebensorten, Jahrgänge, Namen von Weingütern etc. kennen und bewahrte dieses Wissen im Hinterkopf.

Wein begann ich als 17 jährige zu trinken, zunächst nur Weißweine aus Oppenheim und Nierstein, weil diese Städtchen nur 10 Kilometer von meinem  Geburtsort entfernt liegen. Erst später lernte ich durch den Vater eines Freundes Bergsträßer und Pfälzer Weine kennen. Auf Partys mit Gleichaltrigen trank man in den 1970ern Chianti, der allerdings nichts mit den guten Chianti Classicos von heute zu tun hat. Ich trank niemals mehr als 2  Gläser und so ist es bis heute geblieben.

In Mainz an der Uni schließlich belegte ich  zwei Weinseminare und las damals die ersten Bücher über Wein, um  die Vielfalt zu begreifen. Begriffen habe ich sie erst Jahre später als mein Schwiegervater mir seine Weinbücher schenkte, u.a.  "Hornickels Weinreisen", die er keine Zeit hatte zu studieren, was er jedoch besser hätte tun sollen. In seinem Weinkeller  habe ich Dinge über Wein gelernt,  über die ich sehr dankbar bin.  Wann gehen Weine um? Wodurch werden Korken porös? Wie riechen Weine, die firn sind? Wann kann man sie noch trinken und wann kippt man sie besser in den Abfluss? Wie verändert sich das Farbbild, gerade bei Grand Crues?  Haben Sie schon einmal an einem Wochenende 500 Grand Crues entsorgt?  Ich schon.

In den 90er Jahren dann las ich drei Dutzend Weinbücher und begann Weine aus unterschiedlichen Weingütern zu bestellen und zu testen.  Gemeinsam mit meinem Gatten besuchte ich nun Weinverkostungen, nicht zuletzt jährlich in Bad Kreuznach die große VDP-Verkostung, aber auch Weinverkostungen  französischer, italienischer, spanischer, schweizer, burgenländischer und überseeischer Weine.  Nachdem ich  viele Weine unterschiedlichster Preisklassen probiert habe, Nuancen aller Art erschmeckte,  bin ich dazu übergegangen zumeist ein Glas  trockenen Rosé mit fruchtigem Aroma an Wochenden zum Essen zu trinken. Es sind die einfachen Genüsse, die am nachhaltigsten sind, so meine Erfahrung.

Der beste Rotwein kommt nach meiner Ansicht vom Weingut Nittardi/Toscana. Den dortigen Chianti classico ziehe ich selbst den großen  Weinen aus dem Bordeaux vor, zumal ich mich mit Cabernet-Sauvignons ohnehin nicht anfreunden kann. 

Rieslinge trinke ich so gut wie nie, weil ich die Säure nicht vertrage. Ich mag Badische und Pfälzer Weißburgunder von ausgesuchten Winzern,  mag aber auch Sancerre . Den besten Weißwein , den ich je auf der Zunge hatte war "Baron de L" von 1994 . Der beste  Rosé kam von der "Domaine Ott".

Samstagsrezension: Helga König- Wein: André Dominé

Im Laufe der vergangenen Jahre habe ich gut fünf  Dutzend Bücher über Wein gelesen. André Dominés Nachschlagwerk wurde nicht umsonst in Frankreich als das beste Weinbuch ausgezeichnet. Noch immer schließe ich mich der Beurteilung der Franzosen ohne Vorbehalte an.

Beginnend mit der Geschichte des Weines, wird in der Folge der Umgang mit Wein erläutert. Muß ein Wein zwingend dekantiert werden? Wie alt sollte er sein? Wie wird er serviert? Über die Farben des Weines, über Blume und Bukett, und die richtigen Gläser kann man sich hier informieren und natürlich auch über die korrekte Lagerung.

Die Weinreben und ihre Sorten werden umfangreich beleuchtet und man befasst sich ausgiebig mit dem so genannten Terroir. Auch die Bewirtschaftung und die Rebkrankheiten werden thematisiert, um schließlich irgendwann die Grundlagen der Weinbereitung detailliert zu erläutern. In diesem Zusammenhang bekommt man alles über Fässer erklärt und weiß hinterher genau wie gutes Fasssholz beschaffen sein muss.

Ab Seite 160 bis Seite 885 erfahren sie alles über die Weine dieser Welt. Die besten Franzosen, Italiener, Spanier, Portugiesen, Griechen, Österreicher, Schweizer, Osteuropäer schließlich die Deutschen werden ebenso präsentiert, wie Südafrikaner, Australier, Südamerikaner u.s.w.u.s.f.........

Da ich gerne Rioja trinke, habe ich mit großer Neugierde die Geschichte des Riojas gelesen und mich über gute Erzeuger informieren lassen, das gleiche funktioniert bei allen anderen Weinregionen und Weinen auch. Jetzt ein schöner Bandol oder vielleicht besser noch einen kühlen, leckeren Veltliner aus dem Kremstal! Wunderbar!

Wenn man mich auf einer einsamen Insel aussetzen würde und ich mich auf zehn Bücher beschränken müsste, wäre dieses Buch ganz gewiss auf meiner Wunschliste.





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