Sonntag, 5. Dezember 2010

Johannes Heesters zum 107. Geburtstag - Eine Würdigung von Walter-Jörg Langbein

Heute, am 2. Advent des Jahres 2010, kann Johannes Heesters seinen geradezu biblischen 107. Geburtstag feiern. Johan Marius Nicolaas Heesters wollte ursprünglich katholischer Geistlicher werden. Doch dann strebte er eine ganz andere Laufbahn an. An einem renommierten Bankhaus machte er eine kaufmännische Lehre. Vielleicht wäre aus Johannes Heesters ein erfolgreicher Bänker geworden... wäre er nicht an seinem 16. Geburtstag mit seinem Vater ins Theater gegangen.

Johannes Heesters hatte sich einen Bazillus eingefangen, der auch heute noch, neun Jahrzehnte später, sein Leben bestimmt. Mit 17 Jahren stand er zum ersten Mal auf der Bühne. Die Bühne war und ist sein Lebens-Elixier. Mit 21 eroberte er die Leinwand, drehte den niederländischen Stummfilm »Cirque Hollandais«.

Vor 87 Jahren übernahm Johannes Heesters seine erste Gesangsrolle. Er brillierte in Strindbergs »Trauerspiel«. Zahlreiche glänzende Erfolge machten Johannes Heester schön früh zum Publikumsliebling... »Walzertraum«, »Dreimädelhaus«, »König der Vagabunden«.

1934 eroberte Johannes Heesters die Herzen der Wiener. Presse wie Publikum waren begeistert. 1936 folgte auf Wien, Salzburg, Innsbruck und Graz Berlin als Wirkungsstätte. Eine beispiellose Filmkarriere begann... »Gasparone«, »Nanon«, »Rosen in Tirol«, »Illusion«, »Bellami«.

Johannes Heesters Karriere war einzigartig. Eine Würdigung, die ihr auch nur halbwegs gerecht zu werden versucht, fordert den Umfang eines Buches: Vom Stummfilm in Schwarzweiß, zum Tonfilm in Farbe, zum Fernsehen, vom heiteren Unterhalter zum Mimen im Charakterfach. Johannes Heesters engagiert sich immer voller Leidenschaft: in der »Lustigen Witwe« wie in den »Sunny Boys« von Neil Simon (unvergesslich mit Carlheinz Schroth)... im »Zarewitsch« wie in Flatows »Ein gesegnetes Alter«. Bis zu seinem 97. Lebensjahr spielt Johannes Heesters den neunzigjährigen Georg Neumann.

2003 steht Johannes Heesters als er selbst im Musical »Heesters« auf der Bühne, das ihm auf den Leib geschrieben wurde. Johannes Heesters, die 100 hat er längst überschritten, bietet, was im Showbusiness selten geworden ist: Bühnenpräsenz! Im Vergleich zu Johannes Heesters wirkt so mancher »Große« wie ein Zwerg.

2004 und 2009 war Johannes Heesters der vielleicht imposanteste Darsteller Gottes in den »Jedermann«-Aufführungen in Köln. 2010 spielte er in Berlin den »König« in der »Inselkomödie«. Johannes Heesters wurde vielfach für seine Leistungen ausgezeichnet.... immer wieder wurde er geehrt, erhielt Preise über Preise, vom »Bambi Medienpreis« anno 1967 bis zum »Bambi Ehrenpreis« 2009!

Johannes Heesters schenkte vielen Generationen von Menschen Freude, neun Jahrzehnte lang! Dafür ein herzliches DANKESCHÖN!

Samstag, 4. Dezember 2010

Samstagsrezension Helga König: Der Hauptmann von Köpenick -DVD

Karl Zuckmayers Bühnenstück "Der Hauptmann von Köpenick" habe ich vor vielen Jahrzehnten in der Schule gelesen und diesbezüglich damals eine Hausarbeit angefertigt. Möglicherweise sah ich den Film bereits als Kind im Fernsehen, ich meine mich nämlich an einige Szenen erinnern zu können, speziell an jene, bei der der Schuster Wilhelm Voigt (Heinz Rühmann) als Hauptmann von Köpenick sich über seine Maskerade schier schippelig lacht.

Zum "Hauptmann von Köpenick" wurde im Grunde bereits alles gesagt und geschrieben. Ich thematisiere den Film heute auf ein "Buch lesen", weil die Quintessenz der Handlung weit über eine Kritik am preußischen Obrigkeitsstaat, auch an den Auswüchsen von Militarismus unter Wilhelm II., wie sie im Film deutlich werden, hinausgehen. Die Quintessenz ist eine Warnung vor der Hierarchiegläubigkeit, die sich seit Zeiten Kaiser Wilhelm II. kaum geändert hat. Waren es in jener Zeit der Adel und die gehobenen Beamten, wie auch die oberen Dienstgrade beim Militär, die den Menschen Erfurcht einflößten, sind es heute gekaufte oder im Internet gar gefakte Doktorentitel, mittels denen sich Menschen täuschen und zu gruppendynamischen Handlungen antreiben lassen. Insofern hat der Film in seiner dargestellten Problematik nichts an Brisanz verloren.

Die Geschichte Voigts an dieser Stelle in epischer Breite  zu erzählen, erspare ich mir, nicht zuletzt, weil man diese bei Wikipeda nachlesen kann. Rühmann spielt den Schuster, der nicht bei seinen Leisten bleibt, hervorragend. Man sieht über seine Straftaten in jungen Jahren beinahe hinweg, weil er es schafft, beim Zuschauer Mitleid zu erregen. Voigt braucht ein Dokument (einen Pass), den er auf legalem Wege nicht zugebilligt bekommt und findet als "Hauptmann von Köpenick" einen Weg, diesen zu erhalten und zwar, weil man sich über seine Gewitztheit amüsiert.

Mitleid zu erregen, durch angemaßte Titel zu täuschen und zu einem erfolgreichen Ergebnis zu gelangen, das ist die Botschaft des Films. Diese sollte man sich gut merken, um bei hinkenden Möchtegerngrafen oder- doktoren den schmutzigen Pferdefuß nicht zu übersehen, d.h. nicht auf diese Mitleid- sowie Titelmasche hereinzufallen und sich ergo nicht über den Tisch ziehen zu lassen.


Bei all dem ist freilich die harsche Kritik an der menschenverachtenden Bürokratie berechtigt, aber sie ist nicht das Hauptthema des Films, wie mir scheint.


Das Bonusmaterial enthält den Trailer, eine abgedruckte Kurzbiografie und einige Informationen zu Filmen Rühmanns. Heinz Rühmann und dessen Sohn geben dabei erhellende Interviews. Rühmann berichtet u.a., dass er ursprünglich die Rolle des Hauptmanns nicht hätte spielen sollen und zwar mit der Begründung, dass er zuvor "Charleys Tante" gespielt habe und deshalb in den Augen einiger "Ewig- Gestriger" unwürdig gewesen sei, einen Hauptmann zu mimen. Damit wird deutlich, dass zum Zeitpunkt des Drehs immer noch Menschen in den Denkstrukturen von 1906 steckten. Im Interview wird auch klar, dass es Rühmann noch in den 1950er Jahren sehr schwer hatte und in seinem Leben neben Höhen auch Tiefen erlebte. Vielleicht strahlte er deshalb so viel Herzenswärme, Milde und Nachsicht aus.

Ein toller Film. Dass die Farbqualität nicht das Niveau heutiger Filme hat, finde ich unproblematisch.





Bild: Wikipedia- de: Wilhelm Voigt, Hauptmann von Köpenick, Statue vor dem Rathaus Berlin-Köpenick



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