Dienstag, 2. Oktober 2012

Gnadenhof Arche Noah abgebrannt – Spendenaufruf

Von Walter-Jörg Langbein

Karin Müller
Fast 15 Jahre betrieb Karin Müller in Löwendorf bei Höxter einen kleinen privaten Tiergnadenhof. Sie nahm Fundtiere auf, auch verletzte Tiere, die am Straßenrand gefunden wurden. Sie kümmerte sich um arme Geschöpfe, lebte selbst mehr als bescheiden. Ihre Schützlinge gingen immer vor. 

Manches Mal habe ich Frau Müller mit meiner Frau besucht. Das wunderschöne alte Fachwerkhaus war ein echtes Tierparadies. Katzen umwuselten freudig uns Besucher. Hähne krähten. Hasen hoppelten. Kanarienvögel erfreuten sich sichtlich ihres Lebens ... so wie zuletzt 22 Katzen und ein Hund.

Eigentlich wollte ich das kleine Tieridyll im alten Fachwerkhaus längst schon einmal fotografieren. Dazu wird es nicht mehr kommen. Der Gnadenhof »Arche Noah« ist abgebrannt! »Zuletzt beherbergte Karin Müller 22 Katzen, einen Hund, mehrere Hähne, Kaninchen und Kanarienvögel.«, berichtete mir am Montag, den 1.10.2012 weinend ein Nachbar. »Nun hat sie alles verloren... und alle ihre Tiere sind tot!« Was war geschehen?

Gnadenhof »Arche Noah« Marienmünster-Löwendorf
In der Nacht von Sonntag (30.September) auf Montag (1. Oktober 2012) kam es zu einer Katastrophe. Ein Feuer brach aus, beißender Rauch breitete sich im alten Bauernhaus aus. Es gehörte zu einem alten Bauernhof, zu einem der schönsten im ganzen Umkreis. Verzweifelt versuchte Frau Müller noch, ihre Tiere zu retten. Frau Müller wollte ihren Schützlingen eine Fluchtmöglichkeit bieten. Hustend, kaum noch Atem findend und so gut wie nichts mehr sehend, kämpfte sie sich eine Treppe hoch ... musste aber umkehren.

Vergeblich waren ihre Rettungsversuche. Mit knapper Not entkam sie dem Inferno ins Freie. Sie schrie um Hilfe ... Nachbarn alarmierten die Feuerwehr. 100 Feuerwehrmänner kamen zum Einsatz. Sie konnten ein Übergreifen der Flammen auf Nachbarhäuser verhindern.

Gnadenhof »Arche Noah« Marienmünster-Löwendorf
Das Haus der Frau Müller, ihr »Gnadenhof Arche Noah« aber konnte nicht mehr gerettet werden. Frau Müller aber hat alle ihre Habe verloren. Verzweifelt weinte sie um ihre geliebten Tiere. Der Sachschaden ist noch nicht abzuschätzen, überschreitet aber sicher die 100.000 Euro-Grenze.

»Nina Hagen hat mir das Leben gerettet!«, berichtet die 64jährige, dem Weinen nah. Weil sie spätabends noch eine Fernsehsendung mit Nina Hagen sah ... war sie, als das Feuer ausbrach, noch wach. »Ohne Nina Hagen wäre ich ins Bett gegangen ... und wahrscheinlich erstickt.«

Gnadenhof »Arche Noah« Marienmünster-Löwendorf
Frau Müller hat all' ihr Hab und Gut verloren. Aber am schlimmsten trifft sie der Verlust ihrer Tiere, die für sie wie ihre große Familie waren. Ihr Haus ist nur noch eine Ruine. Die Feuerwehr hat Absperrgitter errichtet.

Es besteht Einsturzgefahr. Betreten strengstens verboten. Frau Müllers geliebter Hund Jacky ist bei der Brandkatastrophe umgekommen. Von den 22 Katzen haben, wie durch ein Wunder, 10 überlebt. Die völlig verängstigten Tiere sind vorübergehend in einem alten Schweinestall untergebracht ... keine Lösung auf Dauer. Es fehlt an allem ... 

Frau Müller ist dringend auf Spenden angewiesen. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet!
Tierhilfe KowaNeu 
Volksbank Unna 
Filiale Dortmund 
Konto 650 500 5000 
BLZ 441 600 14 
Verwendungszweck Großbrand

Fotos: Walter-Jörg Langbein

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Sonntag, 30. September 2012

141 »Der Gott mit dem Rüssel«

Schildkröten, Schlangen und Ruinen 2
Teil 141 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


In den Ruinen von Palenque soll es
Darstellungen von Elefanten
geben - Foto W-J.Langbein
Zu den bedeutendsten Künstlern unter den frühen Erforschen von Zentralamerika gehört Johann Friedrich Graf von Waldeck (1766-1875), der sich auch gern Jean Frédéric Maximilien de Waldeck nannte. Die genauere Herkunft des Mannes, der auch als Herzog oder Baron auftrat, ist bis heute unklar. Er selbst gab gelegentlich Deutschland, Österreich und Großbritannien als Heimat an. In Paris, der Stadt der Liebe und der Kunst, lebte der Adelige als Maler. Es zog ihn in die Ferne. Er wollte Zentralamerika erkunden und erforschen. Mit bedeutungslosen »amtlichen Dokumenten« machte er sich anno 1825 nach Mexiko auf. Sein erstes Ziel: Palenque. Er ließ auf eigene Kosten Grabungen durchführen und entdeckte – seiner Meinung nach – Sensationelles: Darstellungen von Elefanten ... in Palenque ... eine Unmöglichkeit.

Graf von Waldeck infizierte mit seiner Begeisterung John Lloyd Stephens (1805-1852) und Frederick Catherwood (1799-1854). Wie der reiselustige Graf von Waldeck waren auch Stephens und Catherwood Amateure. Das bedeutete, dass zunächst nur sehr wenige Mitglieder der schulwissenschaftlichen Archäologenzunft die enthusiastischen Männer zur Kenntnis nahm. 1838 reisten Stephens und Catherwood nach Mexiko und erkundeten unter anderem auch die Ruinen von Palenque. Dann wandten sie sich nach Copan ... und trauten ihren Augen nicht: Ganz eindeutig, so meinten sie, hatten da Mayas oder ihre Vorgänger Elefanten dargestellt.

Gewiss, die Vorstellung, Mayas hätten Elefanten gesehen und dargestellt, ist verrückt. Sie ist aus wissenschaftlicher Sicht vollkommen unakzeptabel. Selbst wenn man kühn die ersten Mayas weit früher als bislang angenommen ansetzt, sie können in Zentralamerika nie und nimmer Elefanten erlebt haben. Und doch soll es in mehreren Ruinenstädten der Mayas diese unmöglichen Darstellungen von Elefanten geben: zum Beispiel in Copan, Honduras.

Bei einem meiner ersten Besuche dort suchte ich gezielt nach Reliefs, die irgendwie »elefantös« wirkten. Ich wurde aber nicht fündig. »Hier soll es Darstellungen von Elefanten geben ... « fragte ich einen Arbeiter (via Führer, der übersetzte). Der Mann war gerade dabei, Zement für Restaurierungsarbeiten anzurühren. »Das ist verbotene Archäologie ...« antwortete er. »Niemals wird man ein Buch lesen können, das über diesen Fund berichtet!« Von was für einem Fund er denn spreche, wollte ich wissen. Der Mann druckste herum. Ein saftiges Trinkgeld lehnte er fast empört ab.

Reste eines »Maya-Elefanten«
Foto: W-J.Langbein
»Es ist eine steinerne Statue ...« rückte er schließlich heraus. »Sie war stark beschädigt! Bestand aus mehreren Trümmern, die mühsam zusammengesetzt werden müssen.« Bislang seien noch nicht alle Teile des Tieres gefunden worden. »Es war ein sehr schweres Tier mit vier stämmigen Beinen, einem massigen Körper, einem dicken Kopf und einem gewaltigen Rüssel!« Natürlich wollte ich das mysteriöse Fabelwesen aus Stein sehr gern sehen. »Das darf ich nicht zeigen ...« sträubte sich der Arbeiter. »Was meinen Sie, was mir mein Chef sagt ... wenn er erfährt, dass ich Sie diesen kleinen Weg entlang geführt habe ... bis wir nach etwa zweihundert Metern an das eingezäunte steinerne Tier gekommen sind?«

Es folgte eine geradezu humoristische Szene ... Ich nicke verständnisvoll. »Natürlich dürfen Sie mir nicht raten ... diesem Weg zu folgen ...« Dabei deute ich auf einen schmalen Trampelpfad. »Genau!« Und so folge ich dem Weg, den mir der Arbeiter nicht gezeigt hat ... und gelange schließlich an eine massige Skulptur. Die Einzäunung besteht aus vier Pfählen, die mit Draht verbunden sind ... Den unscheinbaren Koloss wird wohl kaum jemand stehlen, denke ich. Und mittendrin entdecke sich ein kurioses Tier, das – mit einiger Fantasie – als »Elefant« identifiziert werden kann. Besonders eindrucksvoll ist der gewaltige Rüssel am steinernen Quadratschädel.

Vier Elefanten - Fotos: W-J.Langbein
(links außen, Mitte und rechts
unten), Jean-Pierre Dalbéra
(rechts oben)
»Die Beine fehlen noch ... « erklärt der Arbeiter, der gefolgt war. »Deshalb haben wir den Leib auf Steine gestellt ...« Ich nicke erneut ... »Die Ohren kann ich nicht so recht erkennen ...« Lächelnd versucht mein Informant, meine zweifelnde Anmerkung zu entkräften. »Es ist ein indischer Kleinohrelefant...«

Elefanten ... von den alten Mayas in Stein gemeißelt ... das passt so gar nicht in das Geschichtsbild Zentralamerikas. Ich fotografiere ... und der Arbeiter entfernt sich eiligen Schrittes. Ob ich ihn beleidigt habe? Der Übersetzer verneint. Einige Stunden später drückt mir mein »Informant« triumphierend eine Zeichnung in die Hand. Angeblich zeigt sie – vor rund einhundert Jahren von einem Archäologen angefertigt – einen Elefanten auf einem Relief von Copan. In der Tat: Da scheint ein Maya ein Rüsseltier zu führen ... einen Elefanten. »Die Zeichnung erschien in einer führenden wissenschaftlichen Zeitschrift ...«, erfahre ich ... aber weder dem Namen des Wissenschaftlers, noch der Quelle.

Gott Chaak von Uxmal
Foto: W-J.Langbein
Zögerlich gebe ich die Zeichnung dennoch wieder ... zwischen steinernen Elefanten aus Indien (Relief von Mahabalipuram) und einer Statue des indischen Gottes Ganesha mit Elefantenkopf ... Bislang habe ich vergeblich nach der Quelle gesucht, die angeblich die Elefantenzeichnung enthielt ...

Prof. Hans Schindler-Bellamy, Wiener Archäologe und Südamerikaspezialist, bot mir eine interessante Antwort auf die »Elefanten-Frage«. In Zentralamerika spielte Gott Chaak eine ganz bedeutende Rolle!

Gott Chaak wird in vielen Maya-Tempeln dargestellt ... und das darf nicht verwundern! Chaak – gesprochen »cha-ak« - war der Gott des Regens. Er spendete das kostbare Nass, ohne das es kein Leben geben konnte. Die Mayas verehrten ihn als Gott der Landwirtschaft, der er den Regen schenkte. So ließ er Pflanzen sprießen. Und er war – als Gott der Fruchtbarkeit – für den Fortbestand des Lebens zuständig! Chaak hat ein besonders Merkmal: einen Rüssel, der sehr stark an einen Elefanten erinnert!

Nirgendwo sonst in Zentralamerika begegneten mir steinerne Chaaks, die so deutlich an einen Elefanten erinnerten wie in Uxmal. Wer einen Elefanten gesehen hat, muss förmlich in Chaak ... einen Elefanten erkennen: mit hoch erhobenem Rüssel und mit seitwärts aufgestellten Ohren. Sind das ganz zufällig übereinstimmende Merkmale? Ich weiß: Selbst vor zwei Jahrtausenden hat es im Reich der Mayas definitiv keine Elefanten gegeben! Sehen wir was wir sehen wollen?

Der Gott mit dem Rüssel
Foto: W-J.Langbein
Die Spanier staunten nicht schlecht über die herrlichen Bauwerke von Uxmal. Und sie verliehen ihnen Namen. Ein Prachtbau mit vielen kleinen Räumen wurde so zum »Nonnenkloster« ernannt. Die Spanier meinten ein »Viereck der Nonnen« zu erkennen. Welchem Zweck er auch gedient haben mag: ein »Nonnenkloster« war er mit Sicherheit nicht.

Ein anderer Bau kam den Spaniern ganz besonders majestätisch vor. Schon hatten sie einen Namen für ihn parat: »Palast des Gouverneurs«, auch wenn nie ein solcher darin gewohnt hat. Die Mayas hatten natürlich keine »Gouverneure«. Weitere Bauten erweckten bei den Spaniern wieder andere Assoziationen. Und schon gab es in Uxmal die »Taubenhausgruppe«. Mag sein, dass die Spanier damals noch hätten in Erfahrung bringen können, welchem Zweck die so formschönen Gebäude wirklich einst dienten ... Das aber interessierte die Spanier nicht. Wozu sollte man auch »Wilde« befragen?

Der »Gouverneurspalast«
Foto: W-J.Langbein
So muss ich die angeblichen »Elefanten« kritisch betrachten. Sehen sie nur zufällig wie Rüsseltiere aus ... und sind doch nur von den Mayas verehrte Chaak-Götter? Und ist es nur ein Zufall, dass auch der indische Ganesha einen Elefantenkopf hat? Im Hinduismus war Brahma, der vierköpfige und vierarmige Gott, der große Schöpfer. (Hinweis: Es gab bei den Mayas vier verschiedene Chaaks ... Zufall?)

Shiva wurde als Gott der Zerstörung und der Erneuerung angesehen, der vermutlich meistverehrte Gott. Er galt keineswegs als negative Kraft, ganz im Gegenteil. Leben war ohne ihn nicht möglich. Sein Sohn war Ganesha ... der mit dem Elefantenkopf!



»Kuriose Tempel, kuriose Schlangen«,
Schildkröten, Schlangen und Ruinen 3
Teil 142 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 07.10.2012


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