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Sonntag, 21. Oktober 2012

144 »Das geheimnisvolle Tor von Labná«

Teil 144 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Labná von Frederick Catherwood
Archiv: W-J.Langbein
Es waren zwei Abenteurer, die anno 1842 die Ruinen von Labná entdeckten: John Lloyd Stephens (1805-1852) und Frederick Catherwood (1799-1854). Stephens war eigentlich Diplomat und Anwalt ... und von Reisen in ferne Länder begeistert. Catherwood war Architekt von Beruf ... und zeichnete mit großem Enthusiasmus. Seine Zeichnungen und Gemälde führten vor rund 150 Jahren zu einer bald weltweit grassierenden Begeisterung für die alte Kultur der Mayas. Man kann sie wie ein Buch lesen, wie einen Reisebericht ohne Worte.

Frederick Catherwood und John Lloyd Stephens legten den Grundstein der wissenschaftlichen Mayaforschung ... Die beiden Laien machten vor rund eineinhalb Jahrhunderten Entdeckungen, die auch heute von der Wissenschaft noch lange nicht erforscht und verstanden werden.

Labná, im heutigen Yucatán, Mexiko, gelegen, lässt sich mit »altes Haus« übersetzen. Vermutlich bekamen die altehrwürdigen Ruinen diesen Namen erst im 19. Jahrhundert. Wie die Stadt einst hieß ... wir wissen es nicht. Schon um 300 n.Chr. (»Frühklassik«) war Labná besiedelt. Die einst stolzen großen Bauwerke sind, so heißt es, erst um 800 bis 1000 n.Chr. entstanden (»Spätklassik«). Ein eingraviertes Datum entspricht dem Jahr 862 n.Chr. Das Bauwerk kann aber möglicherweise älter sein. Das eingravierte Datum kann durchaus entstanden sein, als das Gebäude schon alt war.

Auferstanden aus Ruinen ...
Foto: Walter-J. Langbein
Wer Labná wann genau erbaut hat ... unbekannt. Es wurde bislang erst ein kleiner Teil der steinernen Gebäude rekonstruiert ... und das wiederum nur teilweise. Vermutet wird, warum auch immer, dass Labná zwar bedeutend, aber nicht selbständig war. Labná sei – lese ich in einem Reiseführer – die Dependance einer größeren, mächtigeren Stadt gewesen. »Die monumentale Architektur lässt ... darauf schließen, dass der Ort eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat, doch vermutlich unter der Herrschaft einer größeren Stadt stand.« (1)

Auch in Labná scheint die Rekonstruktion der alten Bauwerke in Etappen zu erfolgen. Sobald wieder finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, wird wieder etwas gearbeitet. Da ragt der sogenannte »Aussichtsturm« aus einem Schutthügel heraus. Die Bezeichnung »Aussichtsturm« ist willkürlich und falsch gewählt! Bei dem stark zerfallenen Bauwerk handelt es sich um eine steile Pyramide mit einem Tempel oben an der Spitze. Wie beim Turm zu Babel sollte der Tempel dem Himmel so nah wie möglich sein. Gottesdienste wurden hoch über den Normalsterblichen, dem Himmel so nah zelebriert.

Der »Aussichtsturm«
von Labná, Foto:
W-J.Langbein
Tempel in luftiger Höhe waren für Göttinnen und Götter eine Einladung: »Kommt vom Himmel herab! Wir haben euch ein Haus bereitet!« Der biblische Gott indes reagiert mit Zorn ... (2) ... und zerstörte wütend den legendären Turm zu Babel. Sein aggressiver Akt war gegen den heidnischen Kult der »heiligen Hochzeit« gerichtet, die im Tempel in luftiger Höhe zelebriert wurde. Die Pyramiden-Ruine von Labná erinnert mich ... an die Zerstörung von Babel! Allerdings ist der Zerfall in Labná auf den »Zahn der Zeit« zurückzuführen. So sollen am Dachaufsatz – Höhe vier Meter – einst riesenhafte menschliche Gestalten zu sehen gewesen sein. Sie sind fast vollständig verschwunden.

»Wenn ich nur wüsste, wie der ›palacio‹ zu rekonstruieren ist!« vertraute mir ein verzweifelter Archäologe bei einem meiner Besuche in Labná an. »Offensichtlich wurde der ›Palast‹ im Laufe der Zeit immer wieder umgebaut! Es ist sehr schwer zu erkennen, welcher Grundriss der ältere, welcher der neuere ist. Und dann stellt sich die Frage: Soll die Urform des palacio so weit wie möglich wieder hergestellt werden.... oder die letzte, neueste?«

Ein Palast nach unserem Verständnis war der »palacio« nie. Er war kein weltlicher, sondern ein sakraler Bau. Welchem Zweck die vielen Kammern dienten ... wir wissen es nicht. Ein Arbeiter verriet mir: »Die Bauaufsicht wechselt immer wieder. Und dann kann es sein, dass die Richtlinien für den Wiederaufbau ... geändert werden!«

Der »Palacio« von Labná
Foto: W-J.Langbein
Einig scheinen sich alle Archäologen zu sein, dass einstmals in dem großen Bauwerk der Regengott Chaak (Chac u.a. Schreibweisen kommen vor!) verehrt wurde. Es erhebt sich auf einer fast 170 Meter langen Plattform. Im unteren Stockwerk gab es einst vierzig Kammern. Auf einem steinernen Fries reihte sich eine Chaak-Maske an die andere. Auch von diesen sakralen Darstellungen ist kaum noch etwas zu erkennen.

Erstaunlich gut hat eine ungewöhnliche Chaak-Skulptur dem Zahn er Zeit widerstanden. Chaak wirkt hier nicht roboterhaft-kantig wie sonst. Er hat ein recht menschliches Gesicht ... und blickt aus dem weit aufgerissenen Maul einer Schlange. Eine ähnliche Darstellung hat auch das »Nonnenviereck« vom Uxmal aufzuweisen. Ein Reiseführer beschreibt den »Schlangenkopf« von Labná so (3): »Bemerkenswert ist eine ungewöhnliche Chac-Maske an der Südostecke des Gebäudes, der Außenecke von Kammer 18. Sie zeigt einen Menschenkopf, der aus dem aufgesperrten Rachen einer Schlange herausschaut: Eine Darstellung, die auch im ungleich berühmteren Nonnenviereck von Uxmal zu finden ist.«

Ich habe beide Chaaks fotografiert ... wenn es denn wirklich Chaaks sind. Gibt es doch eine ganz andere Interpretation des »Menschenkopfes im Schlangenmaul«. In der Ikonographie versucht man, bildliche Darstellungen zu interpretieren.

»Menschenkopf im Schlangenmaul« wird häufig als »visionärer Kontakt mit dem Jenseits« verstanden! Es sind nach dieser Deutung die Häupter von Verstorbenen, die aus dem Schlangenschlund schauen und sprechen.

Der Chaak von Labná (links),
der Chaak von Uxmal (rechts),
Fotos: W-J.Langbein
Im Zentrum von Labná steht – unweit des »Aussichtsturms« – ein imposanter Torbogen, der aber kein Tor ist. Wer ihn durchschreitet, gelangt nicht ein ein Gebäude, kommt nicht auf einen Platz. Der »Arco« ist kein Ein- oder Ausgang. Er ist ein eigenständiges Bauwerk. Ist der Bogen ein Denkmal, das zu Ehren eines triumphalen Siegers in einem vergessenen Krieg errichtet wurde? Oder hatte der »Arco« einst mythisch-religiöse Bedeutung: etwa als Verbindung zwischen den Welten des Diesseits und des Jenseits? In diesen Zusammenhang würde die Visionsschlange passen, aus deren Maul die Toten zu den Lebenden sprechen.

Linda Schele und David Freidel, zwei internationale Mayaexperten, erklären in ihrem fulminanten Opus »Die unbekannte Welt der Maya« (4): »Die Kommunikation zwischen Diesseits und Jenseits wurde in den tiefgründigsten Sinnbildern des Maya-Königtums symbolisiert: in der Visionsschlange und dem doppelköpfigen Schlangenstab.« Die Visionen wurden auf in wahrstem Sinne des Wortes blutigem Wege erreicht: Man nahm bei sich selbst einen kräftigen Aderlass vor, ließ das eigene Blut fließen und erlebte dann ... bei womöglich schwindenden Sinnen ... geheimnisvolle Bilder.

Linda Schele und David Freidel (5) sprechen von einem »Portal ins Jenseits«, das als »Rachen der Unterwelt in Gestalt einer bärtigen Riesenschlange mit skelettierten Riesenbacken« dargestellt werden kann. Ist da die Vermutung so abwegig, dass das imposante Tor – lichte Höhe der Toröffnung immerhin fünf Meter! – eben jenes mythologische Portal ins Jenseits darstellte? Wurde es von Auserwählten durchschritten, um ihre Visionen auszulösen? Man stelle sich vor: durch selbst beigefügte Verwundungen – Durchstechen der Zunge mit Pflöcken – floss das Blut in Strömen. Torkelten die Auserwählten mit schwindenden Sinnen durch das mächtige Tor? Wurden ihnen Visionen zuteil?

Das mysteriöse Tor von Labná.
Vorder- und Rückseite.
Fotos: W-J.Langbein.
Zeichnung von Catherwood.
Frederick Catherwood jedenfalls war vom Tor fasziniert. Seine Darstellung könnte aus unserer Zeit stammen, ist aber rund 170 Jahre alt!

Fußnoten


1 Mehling, Marianne (Herausgeberin): »Mittelamerika – Die Welt der Maya«, Lizenzausgabe, Augsburg 1998, S. 182
2 Das 1. Buch Mose Kapitel 11, Verse 1-9
3 Mehling, Marianne (Herausgeberin): »Mittelamerika – Die Welt der Maya«, Lizenzausgabe, Augsburg 1998, S. 182 unten und S. 183 oben
4 Schele, Linda und Freidel, David: »Die unbekannte Welt der Maya/ Das Geheimnis ihrer Kultur entschlüsselt«, Lizenzausgabe, Augsburg 1994, S. 57
5 ebenda





Literaturhinweise

Eine kleine Auswahl wichtiger Maya-Literatur
Adams, Richard: »The Origins of the Maya-Civilization«, Albuquerque, New Mexiko 1977
Benson, Elizabeth (Hrsg.): »City-states of the Maya«, Denver 1986
Coe, Michael: »Die Maya«, Bergisch-Gladbach 1977
Eggebrecht, Eva und Grube, Arne: »Die Welt der Maya«, Mainz 1992
Maler, Teobert: »Auf den Spuren der Maya«, Graz 1992
Wilhelmy, Herbert: »Welt und Umwelt der Maya«, München 1990

Buchtipp: 2012 - Endzeit und Neuanfang, von Walter-Jörg Langbein

»Von Rädern, Zahnrädern und Spielzeug«,
Teil 145 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 28.10.2012


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Sonntag, 30. September 2012

141 »Der Gott mit dem Rüssel«

Schildkröten, Schlangen und Ruinen 2
Teil 141 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


In den Ruinen von Palenque soll es
Darstellungen von Elefanten
geben - Foto W-J.Langbein
Zu den bedeutendsten Künstlern unter den frühen Erforschen von Zentralamerika gehört Johann Friedrich Graf von Waldeck (1766-1875), der sich auch gern Jean Frédéric Maximilien de Waldeck nannte. Die genauere Herkunft des Mannes, der auch als Herzog oder Baron auftrat, ist bis heute unklar. Er selbst gab gelegentlich Deutschland, Österreich und Großbritannien als Heimat an. In Paris, der Stadt der Liebe und der Kunst, lebte der Adelige als Maler. Es zog ihn in die Ferne. Er wollte Zentralamerika erkunden und erforschen. Mit bedeutungslosen »amtlichen Dokumenten« machte er sich anno 1825 nach Mexiko auf. Sein erstes Ziel: Palenque. Er ließ auf eigene Kosten Grabungen durchführen und entdeckte – seiner Meinung nach – Sensationelles: Darstellungen von Elefanten ... in Palenque ... eine Unmöglichkeit.

Graf von Waldeck infizierte mit seiner Begeisterung John Lloyd Stephens (1805-1852) und Frederick Catherwood (1799-1854). Wie der reiselustige Graf von Waldeck waren auch Stephens und Catherwood Amateure. Das bedeutete, dass zunächst nur sehr wenige Mitglieder der schulwissenschaftlichen Archäologenzunft die enthusiastischen Männer zur Kenntnis nahm. 1838 reisten Stephens und Catherwood nach Mexiko und erkundeten unter anderem auch die Ruinen von Palenque. Dann wandten sie sich nach Copan ... und trauten ihren Augen nicht: Ganz eindeutig, so meinten sie, hatten da Mayas oder ihre Vorgänger Elefanten dargestellt.

Gewiss, die Vorstellung, Mayas hätten Elefanten gesehen und dargestellt, ist verrückt. Sie ist aus wissenschaftlicher Sicht vollkommen unakzeptabel. Selbst wenn man kühn die ersten Mayas weit früher als bislang angenommen ansetzt, sie können in Zentralamerika nie und nimmer Elefanten erlebt haben. Und doch soll es in mehreren Ruinenstädten der Mayas diese unmöglichen Darstellungen von Elefanten geben: zum Beispiel in Copan, Honduras.

Bei einem meiner ersten Besuche dort suchte ich gezielt nach Reliefs, die irgendwie »elefantös« wirkten. Ich wurde aber nicht fündig. »Hier soll es Darstellungen von Elefanten geben ... « fragte ich einen Arbeiter (via Führer, der übersetzte). Der Mann war gerade dabei, Zement für Restaurierungsarbeiten anzurühren. »Das ist verbotene Archäologie ...« antwortete er. »Niemals wird man ein Buch lesen können, das über diesen Fund berichtet!« Von was für einem Fund er denn spreche, wollte ich wissen. Der Mann druckste herum. Ein saftiges Trinkgeld lehnte er fast empört ab.

Reste eines »Maya-Elefanten«
Foto: W-J.Langbein
»Es ist eine steinerne Statue ...« rückte er schließlich heraus. »Sie war stark beschädigt! Bestand aus mehreren Trümmern, die mühsam zusammengesetzt werden müssen.« Bislang seien noch nicht alle Teile des Tieres gefunden worden. »Es war ein sehr schweres Tier mit vier stämmigen Beinen, einem massigen Körper, einem dicken Kopf und einem gewaltigen Rüssel!« Natürlich wollte ich das mysteriöse Fabelwesen aus Stein sehr gern sehen. »Das darf ich nicht zeigen ...« sträubte sich der Arbeiter. »Was meinen Sie, was mir mein Chef sagt ... wenn er erfährt, dass ich Sie diesen kleinen Weg entlang geführt habe ... bis wir nach etwa zweihundert Metern an das eingezäunte steinerne Tier gekommen sind?«

Es folgte eine geradezu humoristische Szene ... Ich nicke verständnisvoll. »Natürlich dürfen Sie mir nicht raten ... diesem Weg zu folgen ...« Dabei deute ich auf einen schmalen Trampelpfad. »Genau!« Und so folge ich dem Weg, den mir der Arbeiter nicht gezeigt hat ... und gelange schließlich an eine massige Skulptur. Die Einzäunung besteht aus vier Pfählen, die mit Draht verbunden sind ... Den unscheinbaren Koloss wird wohl kaum jemand stehlen, denke ich. Und mittendrin entdecke sich ein kurioses Tier, das – mit einiger Fantasie – als »Elefant« identifiziert werden kann. Besonders eindrucksvoll ist der gewaltige Rüssel am steinernen Quadratschädel.

Vier Elefanten - Fotos: W-J.Langbein
(links außen, Mitte und rechts
unten), Jean-Pierre Dalbéra
(rechts oben)
»Die Beine fehlen noch ... « erklärt der Arbeiter, der gefolgt war. »Deshalb haben wir den Leib auf Steine gestellt ...« Ich nicke erneut ... »Die Ohren kann ich nicht so recht erkennen ...« Lächelnd versucht mein Informant, meine zweifelnde Anmerkung zu entkräften. »Es ist ein indischer Kleinohrelefant...«

Elefanten ... von den alten Mayas in Stein gemeißelt ... das passt so gar nicht in das Geschichtsbild Zentralamerikas. Ich fotografiere ... und der Arbeiter entfernt sich eiligen Schrittes. Ob ich ihn beleidigt habe? Der Übersetzer verneint. Einige Stunden später drückt mir mein »Informant« triumphierend eine Zeichnung in die Hand. Angeblich zeigt sie – vor rund einhundert Jahren von einem Archäologen angefertigt – einen Elefanten auf einem Relief von Copan. In der Tat: Da scheint ein Maya ein Rüsseltier zu führen ... einen Elefanten. »Die Zeichnung erschien in einer führenden wissenschaftlichen Zeitschrift ...«, erfahre ich ... aber weder dem Namen des Wissenschaftlers, noch der Quelle.

Gott Chaak von Uxmal
Foto: W-J.Langbein
Zögerlich gebe ich die Zeichnung dennoch wieder ... zwischen steinernen Elefanten aus Indien (Relief von Mahabalipuram) und einer Statue des indischen Gottes Ganesha mit Elefantenkopf ... Bislang habe ich vergeblich nach der Quelle gesucht, die angeblich die Elefantenzeichnung enthielt ...

Prof. Hans Schindler-Bellamy, Wiener Archäologe und Südamerikaspezialist, bot mir eine interessante Antwort auf die »Elefanten-Frage«. In Zentralamerika spielte Gott Chaak eine ganz bedeutende Rolle!

Gott Chaak wird in vielen Maya-Tempeln dargestellt ... und das darf nicht verwundern! Chaak – gesprochen »cha-ak« - war der Gott des Regens. Er spendete das kostbare Nass, ohne das es kein Leben geben konnte. Die Mayas verehrten ihn als Gott der Landwirtschaft, der er den Regen schenkte. So ließ er Pflanzen sprießen. Und er war – als Gott der Fruchtbarkeit – für den Fortbestand des Lebens zuständig! Chaak hat ein besonders Merkmal: einen Rüssel, der sehr stark an einen Elefanten erinnert!

Nirgendwo sonst in Zentralamerika begegneten mir steinerne Chaaks, die so deutlich an einen Elefanten erinnerten wie in Uxmal. Wer einen Elefanten gesehen hat, muss förmlich in Chaak ... einen Elefanten erkennen: mit hoch erhobenem Rüssel und mit seitwärts aufgestellten Ohren. Sind das ganz zufällig übereinstimmende Merkmale? Ich weiß: Selbst vor zwei Jahrtausenden hat es im Reich der Mayas definitiv keine Elefanten gegeben! Sehen wir was wir sehen wollen?

Der Gott mit dem Rüssel
Foto: W-J.Langbein
Die Spanier staunten nicht schlecht über die herrlichen Bauwerke von Uxmal. Und sie verliehen ihnen Namen. Ein Prachtbau mit vielen kleinen Räumen wurde so zum »Nonnenkloster« ernannt. Die Spanier meinten ein »Viereck der Nonnen« zu erkennen. Welchem Zweck er auch gedient haben mag: ein »Nonnenkloster« war er mit Sicherheit nicht.

Ein anderer Bau kam den Spaniern ganz besonders majestätisch vor. Schon hatten sie einen Namen für ihn parat: »Palast des Gouverneurs«, auch wenn nie ein solcher darin gewohnt hat. Die Mayas hatten natürlich keine »Gouverneure«. Weitere Bauten erweckten bei den Spaniern wieder andere Assoziationen. Und schon gab es in Uxmal die »Taubenhausgruppe«. Mag sein, dass die Spanier damals noch hätten in Erfahrung bringen können, welchem Zweck die so formschönen Gebäude wirklich einst dienten ... Das aber interessierte die Spanier nicht. Wozu sollte man auch »Wilde« befragen?

Der »Gouverneurspalast«
Foto: W-J.Langbein
So muss ich die angeblichen »Elefanten« kritisch betrachten. Sehen sie nur zufällig wie Rüsseltiere aus ... und sind doch nur von den Mayas verehrte Chaak-Götter? Und ist es nur ein Zufall, dass auch der indische Ganesha einen Elefantenkopf hat? Im Hinduismus war Brahma, der vierköpfige und vierarmige Gott, der große Schöpfer. (Hinweis: Es gab bei den Mayas vier verschiedene Chaaks ... Zufall?)

Shiva wurde als Gott der Zerstörung und der Erneuerung angesehen, der vermutlich meistverehrte Gott. Er galt keineswegs als negative Kraft, ganz im Gegenteil. Leben war ohne ihn nicht möglich. Sein Sohn war Ganesha ... der mit dem Elefantenkopf!



»Kuriose Tempel, kuriose Schlangen«,
Schildkröten, Schlangen und Ruinen 3
Teil 142 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 07.10.2012


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