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Sonntag, 4. August 2019

498. »Der ›Trank der Unsterblichkeit‹ und der Graf von Saint Germain«


Teil 498 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Der Airavateshwarartempel
»Einst, so lautet die uralte Überlieferung, waren die meisten Götter sterblich wie Menschen. Doch dann gab es einen Krieg zwischen den Göttern und ihren göttlichen Feinden. Vishnu und Shiva fühlten sich bedroht und suchten tatkräftige Unterstützung. Um andere Götter als Mitkämpfer gewinnen zu können, bedurfte es eines überzeugenden Geschenks: Unsterblichkeit. Der »Trank der Unsterblichkeit« musste zubereitet werden, der aus Sterblichen Unsterbliche machte. Von heute auf morgen ging das freilich nicht. Einige Jahrhunderte lang musste das ›Milchmeer‹ gequirlt werden, bis der wundersame Zaubertrunk entstanden ist.«

So erzählte mir »mein« Guide im November 2005 einen geheimnisvollen Mythos aus der Zeit, als Götter und Dämonen auf unserem Planetenlebten und stritten. Ich saß, ermüdet vom Erkunden der sakralen Anlage von Darasuram, neben einem steinernen Elefanten auf einem steinernen Treppchen, als ich die wundersame Geschichte hörte. Emsige Pilger kletterten die wenigen Stufen empor zum Tempel, andere kamen zufriedenlächelnd aus dem steinernen Gotteshaus retour.

Der Airavateshwarartempel war ist ein himmlischer »Götterwagen« gestaltet. In solchen Vehikeln sausten einst die Götter des »Alten Indien« durch die Lüfte und legten dabei zum Teil gewaltige Strecken zurück. So manchen Abend in so manchem südindischen Tempelstädtchen lauschte ich den faszinierenden Geschichten von Göttern und ihren Kriegen, von Menschen und den Tempeln für die Götter und weitschweifigen Heldensagen. Immer wieder bekam ich zum Teil stark abweichende Varianten von einem uralten Mythos zu hören: über den »Trank der Unsterblichkeit«. Märchenhaft muteten die Geschichten an und nirgendwo klangen sie so glaubwürdig wie im Umfeld von Tempeln, deren Plastiken Göttinnen und Götter, Tempeltänzerinnen und erstaunlich gewandte Akrobaten der besonderen Art zeigen.

Wagen wir einen Sprung durch Raum und Zeit, begegnen wir einem echten Abenteurer, der nach eine Quelle suchte, die ewiges Leben spenden sollte! Ponce de León (* um 1460; †1521) war ein echter Haudegen. Bereits mit 18 nahm er an den brutalen Kämpfen gegen die Mauren in Südspanien teil. 1493 war er an Bord, als Christoph Kolumbus zum zweiten Mal gen Amerika aufbrach. Anno 1508 wurde de León von Häuptling Agüeybaná auf Puerto Rico begeistert empfangen. Er baute die erste europäische Siedlung auf Puerto Rico auf und wurde der erste Gouverneur. Die Urbevölkerung freilich litt unter der Herrschaft de Leóns. 1512 erteilte ihm König Ferdinand den Befehl, die mysteriöse Insel Bimini zu suchen, zu erkunden und zu übernehmen. Warum? Sollte Gonzalo Fernández de Oviedo den sagenumwobenen »Jungbrunnen« ausfindig machen? Das ist heute allerdings umstritten. Fakten und Fabeln sind manchmal kaum zu unterscheiden.

Foto 2: Ein steinerner Elefant am Airavateshwarartempel von Darasuram

Bereits im März 1513 startete de León von Haiti aus ins Unbekannte. Doch  im Norden fand man nicht nur eine, sondern zahlreiche Inseln. Welche aber war nun Bimini? Quellen gab es ebenfalls viele. Welche war die gesuchte? Wie sollte man sie erkennen? Man entschloss sich zu experimentieren, trank aus jedem Rinnsal. Der erhoffte Erfolg, Verjüngung nach Genuss des Wassers, blieb freilich aus. Also suchte man weiter.

Ostersonntag 1513 betrat man Neuland, sumpfige Gefilde. Das Land wurde nach dem christlichen Feiertag »Pascua de Flores« Florida genannt. Gab es hier irgendwo den Brunnen mit dem Wasser des ewigen Lebens? Die Spur schien heiß zu sein: »Indianer« berichteten, dass ihr Gott Olelbis einst, als er die Welt erschuf, für die Menschen Unsterblichkeit vorgesehen hatte. Erde und Himmel (»Olelpanti«) sollten mit einer Leiter verbunden werden. Auffällig ist die biblische Parallele: Jakobs Himmelsleiter wurde von Engeln genutzt, um aus dem Himmel zur Erde und wieder in himmlische Gefilde zurück zu gelangen. Nach der »Indianer-Legende« sollte es Irdischen möglich sein, zum Gott Olelbis zu gelangen und bei ihm zu leben. Zwei magische Vögel sollten die Leiter bauen. Sie machten sich auch ans Werk, wurden aber von einem bösen Kojoten überredet, die Arbeit einzustellen. Der Kojote selbst wollte der Überlieferung nach in die Welt des Olelbis fliegen, um unsterblich zu werden. Er scheiterte aber.

Foto 3: Vishnu und Shiva.
In den Sagen und Mythen der Wintun-»Indianer« ist von zwei Zauber-Quellen die Rede. In der einen müsse man baden, aus der anderen trinken und schon werde aus dem kränkelnden Alten wieder ein gesunder, junger Mensch. Ponce de León  und seine brutalen Gefolgsleute scheinen an diese Quellen geglaubt zu haben. Stand damals die Entdeckung des Jungbrunnens unmittelbar bevor? Oder wurden die plündernden Eroberer nur weiter und weiter geschickt, weil man sie los werden wollte? Die Suche wurde intensiviert. Zahlreiche »Indianer« wurden grausam gefoltert.

1521 machte sich Ponce de León wieder nach Florida auf. Ziel war nach wie vor der »heilige Brunnen, dessen Wasser die Alten verjüngt«. Florida aber war, wie der Abenteurer erkannt hatte, keine Insel. Auf einem Eiland aber sollte das wundersame Wasser zu finden sein. De León kam zu der Überzeugung: Damit konnte nur die Bahamas-Insel Bimini gemeint sein. Er kam aber nicht mehr dazu, dort das segensreiche Wasser zu suchen. Ein giftiger Indianerpfeil setzte seinem Leben eher zu spät als zu früh ein Ende. Die Spanier gaben die Suche nach dem Zauberwasser auf. Sie wurde aber rund 400 Jahre später wieder aufgenommen.

Edgar Cayce (*1877, †1945), das berühmte amerikanische Trancemedium, äußerte wiederholt, es handele sich bei Bimini um Reste des vor Jahrtausenden versunkenen Kontinents Atlantis (1). Und in jenem Reich habe einst eine wundersame Quelle gesprudelt. Verschiedene Details der übersinnlichen Aussagen Cayces haben sich inzwischen bestätigt. So führten 1957 Wissenschaftler der Columbia-Universität Bohrungen an einer seichten Stelle nahe Bimini durch. Das geförderte Material wurde datiert. Es ist etwa 4.370 Jahre alt. Die Wissenschaftler: »Dieser Umstand lässt vermuten, dass Materialien, die sich in einer Tiefe von zwölf oder fünfzehn Fuß befinden, einige Jahrtausende älter sein dürften. Sie könnten durchaus 10.100 Jahre alt sein oder etwas mehr.« Edgar Cayce hatte vorhergesagt, die künftigen Funde würden sich als 12.000 Jahre alt erweisen. (2)

1970 wurde vor der Insel Bimini, nur fünfzig Meilen von der Metropole Miami entfernt, auf dem Meeresboden eine eindeutig künstliche Struktur gefunden. Vorsichtigen Schätzungen von Archäologen zufolge entstand sie 5000 vor Christus, zu einer Zeit, als der Wasserspiegel des Atlantiks mindestens sechs Meter unter dem heutigen Niveau lag. Die Meldung über den Fund schlug in der wissenschaftlichen Welt wie eine Bombe ein. Sie bestätigte genau, was Edgar Cayce vorhergesehen hatte. Der Seher hatte präzise die Lokalisation vorherbeschrieben, anno 1926 waren seine Aussagen protokolliert worden.

Foto 4: Bhrama, Vishnu und Shiva.
Im Jahre 1977 machte sich eine Fischfangexpedition von Don Henry auf, um mit modernster Technologie verstärkt Kapital durch Leerfischen zu gewinnen.

In  der Cay Sal Bank wurden Messungen per Echolot durchgeführt. Exakt südlich der Florida Keys, vor den Bahamas, registrierte das Gerät etwas Merkwürdiges. Das entdeckte Objekt hat eine Höhe von rund 140 m und eine Kantenlänge von 150 m. Es handelt sich also um ein pyramidenförmiges Gebilde, das die legendäre »Cheops-Pyramide« an Höhe überragt. Bis heute ungeklärt ist die Frage, ob es sich um ein künstliches Bauwerk auf dem Meeresgrund handelt oder nicht.»Jene Bewohner von Atlantis hatten das Geheimnis entdeckt, wie man die Sonnenenergie einfangen konnte. Sie konzentrierten sie in einem Stein mit magnetischen Eigenschaften, der mehr Energie abgab als er erhielt.« Und in der Region westlich der Bimini-Insel, so Cayce, soll es unter dem Schlamm des Ozeans noch »Reste von Tempeln geben«. »Dies war die erste Hochkultur. Sie wird in dem westlich und südlich an die Inseln angrenzenden Gebiet entdeckt werden. Man wird Tempel finden. Es hat in den unterseeischen Bergen auch Gold, Spat und Ammonium.« Dann würden, so Cayce, wieder Quellen sprudeln, die angeblich vor Jahrtausenden versiegten. Ganz besonderes Quellwasser werde dann zutage treten: ein moderner Jungbrunnen. Das Wasserreservoir werde »knapp unter dem Meeresspiegel angebohrt werden«. Wird es je dazu kommen?

Gilgamesch, Alexander der Große, Kolumbus, Ponce de León und Edgar Cayce, sie alle stehen für die Suche nach dem Geheimnis vom ewigen Leben. Es stellt drängen sich einige Fragen auf: Ist diese Suche mit der Jagd nach einer Fata Morgana zu vergleichen? Entstand sie aus der Angst vor dem Tod, der unvermeidbar auf jedes Lebewesen zukommt? Oder gibt es doch die Möglichkeit, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen? Einer der geheimnisvollsten Menschen der europäischen Geschichte jedenfalls behauptet, das Geheimnis vom ewigen Leben gelöst zu haben: der Graf von Saint Germain (3).

Foto 5: Der Graf von Saint Germain.
Fußnoten
1) Stearn, Jess: »Der schlafende Prophet/ 
Prophezeiungen in Trance«, 20. Auflage, Genf 1984
Sugrue, Thomas: »Edgar Cayce/ Sein Leben/ There is a river«, München 1981
2) Heyden, Martin: »Auf der Suche nach der Ewigkeit: Realitäten«, Alsdorf 2015 (Interessante Gedanken zum Phänomen Zeit)
3) Krassa, Peter: »Der Wiedergänger/ Das zeitlose Leben des Grafen Saint-Germain«, München 1998

Zu den Fotos
Foto 1: Der Airavateshwarartempel von Darasuram, Foto W-J.Langbein
Foto 2: Ein steinerner Elefant am Airavateshwarartempel von Darasuram. Foto W-J.Langbein
Foto 3: Vishnu und Shiva. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Von links nach rechts Bhrama, Vishnu und Shiva. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Der Graf von Saint Germain. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein





499. »Ewig sein in jedem Augenblick«
Teil 499 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 11. August 2019



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Sonntag, 28. Juli 2019

497. »Geheime Dinge hat er gesehen.«


Teil 497 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Gilgamesch
»Geheime Dinge hat er gesehen. Was verborgen dem Menschen ist, kennt er. Er hat Nachrichten gebracht von den Zeiten der Sintflut.«, heißt es in einem der geheimnisvollsten Texte der Menschheitsgeschichte, im Gilgamesch-Epos (1). Es ist Jahrtausende älter als die Bibel und enthält die älteste Beschreibung überhaupt der wohl ältesten Sehnsucht des Menschen. Es geht um Gilgameschs Suche nach dem ewigen Leben. Auch Alexander der Große soll in Indien versucht haben, das Geheimnis der Unsterblichkeit zu ergründen. Kolumbus suchte womöglich deshalb den Seeweg in jenes Land. Der Spanier Ponce de León vermutete Wunderquellen auf Bimini. Jahrhunderte später wurde er vom berühmten amerikanischen Seher Edgar Cayce bestätigt.

Für Sir Austen Henry Layard wurde anno 1849 der Traum aller Forscher wahr: Auf dem linken Ufer des Tigris, unweit der irakischen Stadt Mosul, entdeckte er die Ruinen einer uralten Stadt. Er machte sich sofort ans Werk grub das legendäre Ninive, die Hauptstadt des Assyrerreiches, aus. Deutlich zu erkennen waren die Überreste einer einst uneinnehmbaren doppelten Festungsmauer. Unter dem Hügel Kujundschik wartete eine Sensation auf ihn: die Bibliothek Assurbanipals, bestehend aus 5.000 Keilschrifttafeln. Im Südwestpalast schien die Zeit stehengeblieben zu sein. In zwei kleineren Räumen waren, als Babylonier und Meder 612 v. Chr. die einst so stolze Stadt verwüstet hatten, Tontafeln zu Boden gefallen. Rund zweieinhalb Jahrtausende waren sie liegengeblieben. Anno 1853 fand Hormuzd Rassam 20.000 weitere Tontafeln und Fragmente. Die wertvollen Dokumente wurden nach London, in das »British Museum«, geschafft, in mühseliger Arbeit zusammengesetzt und nach und nach übersetzt.

Foto 2: Der »Sintflutbericht« aus der Bibliothek Asurbarnipals

1872 machte George Smith vom Museum weltweit Schlagzeilen: Ein Fragment enthielt Verse des ältesten Epos der Menschheitsgeschichte, einen Bericht von der Sintflut, nur vermutlich Tausende Jahre älter als die Bibel. Die britische Tageszeitung »Daily Telegraph« zahlte Smith tausend Guineas,   der Forscher konnte nach Ninive reisen. Wenig später fand er auf weiteren Tafeln den kompletten Text der ersten Sintflutgeschichte. Sie gehörte zum Gilgamesch-Epos, das einst im Alten Vorderen Orient so populär wie die Bibel gewesen sein muss. Es kursierte in zahlreichen Abschriften und Kopien. Die jüngeren stammen aus dem siebten und sechsten Jahrhundert v. Chr. Ins 14. Jahrhundert v. Chr. datiert wurden eine akkadische, eine hethitische und eine hurritische Übersetzung, die in der Bibliothek von Hattuscha, der Hauptstadt des Hethiterreiches (heute Türkei) gefunden wurde. Ältere Versionen stammen aus weit früheren Epochen: sie wurden Ende des dritten und Anfang des zweiten Jahrtausends v. Chr. auf Tontafeln verewigt. Aber schon im dritten Jahrtausend v. Chr. wurde das Epos in sumerischer Sprache verewigt. Erstaunt stellten weltweit führende Experten fest: Der Text hatte Jahrtausende fast vollkommen unverändert überdauert, war häufig mit Sorgfalt übertragen und übersetzt worden. Übrigens: Das »Gilgamesch-Epos« ist nach wie vor nicht komplett. Auch heute noch tauchen immer wieder Splitter von Keilschrifttafeln auf, die dem mysteriösen Epos zugerechnet werden können.

Foto 3: Aruru alias Ninḫursanga
Die Handlung des Epos weist immer wieder Parallelen zu viel später entstandenen Bibeltexten auf. So heißt es, dass sich Held Gilgamesch einsam fühlt. Göttin Aruru erhört sein Flehen und erschafft ihm einen Gefährten, den Enkidu. Die akkadische Göttin Aruru, alias Ninmaḫ, Nintu, Mami, Ninlil und Damkina,  war als sumerische Gebirgs- und Muttergöttin hoch geachtet. Einer ihrer Ehrennamen lautet »Mutter der Götter«. 

Bekannt war sie auch ob ihrer Funktion als »Göttin der Gebärenden« und »Mutter aller Kinder«. Interessante Parallele zum Alten Testament: Eva wurde als »Mutter allen Lebens« verehrt.

Gemeinsam wollen Gilgamesch und Enkidu den Chumbaba, ein schreckliches Monster, töten. In einem wütenden Kampf verletzt Gilgamesch das Untier mit seinem Schwert am Hals, Enkidu enthauptet es. Die Götter aber beschließen den Tod Enkidus. Nach schwerer Krankheit stirbt er. Gilgamesch ist verzweifelt. Sieben Tage lässt er den Gefährten, der sein Bruder geworden ist, nicht bestatten. Vergeblich hofft er, dass das Leben in Enkidu zurückkehren möge.

Gilgamesch (2) wird sich seiner Sterblichkeit bewusst. Von panischer Todesangst gepeinigt macht er sich auf die Suche nach dem Geheimnis vom ewigen Leben. Nur Utnapischtim, so weiß er, kann ihm helfen. Nach strapaziösen, qualvollen Märschen erreicht Gilgamesch das Maschugebirge. Riesige Skorpionmenschen hüten ein geheimnisvolles »Bergtor«. Gilgamesch wird schließlich eingelassen und kommt nach vierundzwanzigstündiger Reise durch schreckliche Finsternis in einen herrlichen Garten mit Edelsteinbäumen. Die fantastische Welt liegt am Ufer eines geheimnisvollen Meeres, das noch kein Sterblicher überquert hat. Mit Hilfe von Urschanabi überwindet Gilgamesch die »Gewässer des Todes« und begegnet endlich Utnapischtim. Der ist als einziger Mensch unsterblich. Auf den Rat des Gottes Ea hat er einst eine Arche gebaut, die Sintflut überlebt. Aber warum muss er nicht sterben?

Foto 4: Ein Skorpionmensch

 Utnapischtim verrät ihm das Geheimnis des ewigen Lebens: Es ist eine stachelige Pflanze, die auf dem Grunde eines Sees gedeiht. Mit schweren Steinen als Gewicht taucht Gilgamesch in die Tiefe  und findet tatsächlich die Wunderpflanze. Mit seinem kostbaren Fund taucht er an die Oberfläche zurück und tritt den Heimweg an. Erneut überwindet er das Meer des Todes. Als er sich aber in der Wüste in einem kühlen Brunnen badet, stiehlt ihm eine Schlange die Pflanze der Unsterblichkeit. Gilgamesch gibt auf. Er resigniert und akzeptiert seine Sterblichkeit. In der Schöpfungsgeschichte des »Alten Testaments« wird die Schlange Eva die Unsterblichkeit wieder anbieten.

Wir wissen heute: Gilgamesch hat wirklich gelebt. Die Königslisten der ersten Dynastie von Uruk verzeichnen ihn als großen Herrscher. Er lebte um 2600 v. Chr. Unsterblichkeit wurde ihm im physischen Sinne nicht zuteil. Aber er erreichte immerhin ein »biblisches Alter« von 126 Jahren. Unsterblich wurde er nur im übertragenen Sinne: Sein Name ist auch heute, fast fünf Jahrtausende später, unvergessen. Historisch real wie Gilgamesch (3) war auch Alexander der Große (*356 v. Chr.; †323 v. Chr.). Beide haben nach Unsterblichkeit gesucht. Der große Herrscher hat, so vermeldet es die »Alexandersage«, von Ägypten aus eine Forschungsreise angetreten. Wie Gilgamesch durchquert Alexander in der einst weit verbreiteten, alten Überlieferung ein »Land der Finsternis« und kommt am Fuße eines Zauberbergs an. Ganz allein, seine Leibwache lässt er zurück, besteigt er ihn. 

Foto 5: Ein Skorpionmensch
Nach zwölf Tagen und zwölf Nächten steht er schließlich an der Grenze zu einer »Überwelt«. Ein Engel, dessen Strahlenglanz ihn blendet, verrät Alexander das Geheimnis des ewigen Lebens: »Ich will dir sagen, wie du leben kannst, ohne zu sterben. Im Lande Arabien hat Gott die Schwärze undurchdringlicher Dunkelheit eingesetzt. Darin ist verborgen ein Schatz dieses Wissens. Dort ist auch der Brunnen des Wassers, das Lebenswasser genannt wird, und wer davon trinkt, und sei es auch nur einen einzigen Tropfen, wird nie sterben.«

Alexander (4) ist diese Auskunft zu rätselhaft. »In welchem Erdteil liegt dieser Brunnen?«, will er wissen. »Frage diejenigen Menschen, die Erben dieses Wissens sind.«, erfährt er nur. Zeit seines Lebens soll er nach dem geheimnisvollen Land gesucht haben. Vermutete er es in Indien (5)? 327 v. Chr. unternimmt Alexander einen Feldzug nach Nordwestindien, will bis zur Mündung des Ganges vordringen. Seine Truppen meutern. Sie weigerten sich, sich weiter in unbekannte Gefilde vorzukämpfen. Der Legende nach, sie ist im »Alexanderroman« von Lambert le Tort (12. Jahrhundert) überliefert, entdeckte ein fünfundsechzigjähriger Gefährte des großen Königs an der Mündung des Ganges, der in der Bibel mit dem Paradiesstrom Pison gleichgesetzt wird, drei Wunderbrunnen: Einer verjüngt, einer verleiht Unsterblichkeit, einer erweckt Tote zum Leben. Der 65-Jährige soll vom Verjüngungswasser getrunken und wieder zu einem Dreißigjährigen geworden sein.

Foto 6: Alexander der Große

Diese Legende, historisch in keiner Weise belegbar, war im Europa des frühen Mittelalters Wissenschaftlern wie Abenteurern wohl bekannt. Sie wollten nach den geheimnisvollen Brunnen suchen und trachteten danach, nach Indien zu gelangen. So leicht war das aber nicht. Der Landweg nach Indien war unpassierbar. Die Sarazenen ließen Europäer nicht durch. Indien konnte nur auf dem Seeweg erreicht werden. Wollte also Kolumbus vorwiegend deshalb Indien aufsuchen, weil er hoffte, in den Besitz des Wassers der Unsterblichkeit zu gelangen? Bekanntlich entdeckte er »nur« Amerika doch auch dort stießen er und seine Gefolgsleute auf geheimnisvolle Hinweise, wonach es auf einer Insel ein Wasser des ewigen Lebens gab.
Foto 7: Juan Ponce de León
Juan Ponce de León (6), Gouverneur von Haiti und Puerto Rico, erfuhr jedenfalls 1511 von »Indianern«, dass es irgendwo im Norden eine Insel namens Bimini gebe. Bimini sei reich an Schätzen und Edelsteinen, das kostbarste Gut aber stelle eine Quelle dar, die aus Greisen wieder junge Männer mache. Juan Ponce de León vermeldete diese Kunde sofort dem spanischen König Ferdinand. Und der gab am 23. Februar 1512 den Befehl, eine Expedition sofort auszurüsten. Aufgabe: die Suche nach Bimini im Norden Haitis. »Sobald Sie die Insel erreicht und erfahren haben, was sie enthält, werden Sie mir den Bericht zustellen!«, so lautete der strikte Befehl.


Fußnoten
1) Röllig, Wolfgang (Hrsg.) »Das Gilgameschepos«, Ditzingen 2009
2) Maul, Stefan (Übersetzer): »Das Gilgamesch – Neu übersetzt und kommentiert von Stefan Maul«, München 2014
3) Sallaberger, Walther: »Das Gilgamesch-Epos/ Myhos, Werk und Tradition«, München 2013
4) Demandt, Alexander: »Alexander der Große/ Leben und Legende«, München 2013
5) Fox, Robin Lane: »Die klassische Welt: Eine Weltgeschichte von Homer bis Hadrian«, 4. Auflage, Stuttgart 2011
6) Morison, Samuel Eliot: »The European Discovery of America/ The Southern Voyages«, Oxford University Press, 1974

Zu den Fotos
Foto 1: Gilgamesch und der Löwe. Foto gemeinfrei/ jastrow
Foto 2: Der »Sintflutbericht« aus der Bibliothek Asurbarnipals. Foto wikimedia commons/ Fæ
Foto 3: Aruru alias Ninḫursanga, Herrin der steinigen Einöde, auch Ninhursag, Ninmaḫ, Nintu und Mami genannt. Foto public domain
Foto 4: Ein Skorpionmensch, Königsgräber von Ur. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Ein Skorpionmensch, Königsgräber von Ur. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Alexander der Große. Foto wiki commons/ Berthold Werner
Foto 7: Juan Ponce de León. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein



498. »Der ›Trank der Unsterblichkeit‹ und der Graf von Saint Germain«,  
Teil 498 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 4. August 2019


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