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Sonntag, 23. Dezember 2012

153 »21.12.2012«

Teil 153 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


So soll das Zentrum von
Copan ausgesehen haben.
Foto: W-J.Langbein
Zwei Tage ist es her: Der 21.12.2012 war ein Freitag wie jeder andere. Die Welt ist nicht untergegangen, wie so mancher »Maya-Experte« genüsslich prophezeit hat. Auch ein Bewusstseinssprung hat sich nicht bemerkbar gemacht. Auch am 21.12. drehte sich unser Heimatplanet weiter um die eigene Achse, setzte seine Reise um die Sonne fort. »Die Mayas haben sich also geirrt!« triumphiert jetzt so mancher Zeitgenosse, der kaum mehr als sensationsgierige Schlagzeilen in unseriösen Presseorganen gelesen hat.

Fakt ist: Die Mayas haben nicht die abstrusen Prophezeiungen verzapft, die man ihnen gern unterstellt hat. Die Mayas beobachteten die Gestirne und erkannten, dass das Universum so etwas wie ein riesiges Uhrwerk ist. Sie erkannten, dass die Zeit in Zyklen abläuft ... als ewiger Kreislauf ohne Anfang und Ende.

Fakt ist auch: Unser Wissen in Sachen Copán ist auch heute noch, auch wenn Glyphen-Inschriften inzwischen gelesen werden können, nach wie vor bruchstückhaft. Wir setzen unzählige Details zu einem immer noch unvollständigen Mosaik zusammen. Es ist, als versuchten wir ein Buch zu lesen, aus dem viele Seiten herausgerissen worden sind.

Unser Bild von Copan ist immer noch
bruchstückhaft. Foto: W-J.Langbein
Im siebten Jahrhundert nach Christus erreichte die Kultur der Mayas in Copán nach schulwissenschaftlicher Ansicht einen grandiosen Höhepunkt. Und in der Tat: Copán war eine wirklich imposante Metropole im Maya-Reich. Wie groß sie einst war, wir wissen es nicht. Noch so manches Gebäude aus den einstigen »Vororten« von Copán wird unter dicht bewaldeten Erdhügeln vermutet. Das Zentrum von Copán allein hatte erstaunliche Ausmaße: 130.000 Quadratmeter! Im Norden wurde einst von den Mayas eine künstliche Plattform angelegt: Zehn Meter hoch, 50.000 Quadratmeter groß. Wurden hier einst religiöse Zeremonien abgehalten? Die Wissenschaft der Astronomie war fester Bestandteil der Maya-Religion. Die Wissenschaftler der Mayas versuchten über viele Jahrhunderte hinweg den Schöpfungsplan zu entdecken, das Konzept hinter Erde, Sonne, Mond und Sternen. Die Mayas sahen sich als Teil einer hoch komplizierten Schöpfung. Nie und nimmer wären sie auf die anmaßende Idee gekommen, sich als »Krone« der Schöpfung zu sehen!

Noch im 16., 17. und 18. Jahrhundert gab es Überbleibsel des einstigen Maya-Geheimwissens. Die kostbaren Berichte aus jener Zeit liegen noch vor: in Maya-Sprache, aber in lateinischer Schrift notiert. Die »Bücher des Chilam Balam (»chilam«, zu Deutsch »Wahrsager«, »balam« zu Deutsch »Jaguar«) ünerstanden den Zorn jener christlicher Missionare, die derlei »teuflischen Aberglauben« mit heiligem Zorn verfolgten. Allerdings kann man sie leider nicht mehr als »Maya-Wissen pur« bezeichnen. In die mysteriösen Texte floss, von christlichen Spaniern eingefügt, christlicher Glaube mit ein.

Womöglich warten in noch
verschütteten Ruinen verborgene
Maya-Texte auf Entdeckung.
Foto: W-J.Langbein
Der Ursprung dieser Werke ist in der Wissenschaft nach wie vor umstritten. Handelt es sich um schriftlich fixierte mündliche Überlieferungen? Oder lagen vor einigen Jahrhunderten noch Maya-Glyphentexte vor, die – bevor die Originale verbrannt wurden – als christlich verfälschte Transkriptionen erhalten blieben? Unklar ist nach wie vor, wie viele Chilam-Balam-Bücher es einst gab. Waren es zwanzig oder nur sechzehn? Wie viele der Texte sind im Laufe der letzten Jahrhunderte verloren gegangen? Wie viele solcher Bücher befinden sich noch im Besitz von Maya-Nachkommen oder begeistert-fanatischen Sammlern?

Vor Ort hörte ich immer wieder, dass es solche heiligen Bücher nach wie vor in »Maya-Besitz« gibt. Das Misstrauen gegenüber ausländischen Forschern ist nach wie vor sehr groß. Und so muss angenommen werden, dass so mancher Text womöglich niemals der modernen Wissenschaft zugänglich gemacht wird. Einst gab es ein Ritual zur Verherrlichung der vier Ecken der Welt. Wie es im Original ausgesehen hat, wir wissen es nicht. In der verchristianisierten Chilam-Balam-Überlieferung wird der Erste der Maya-Völker des Südens als Erster aus der Noah-Familie bezeichnet. In der mystischen Maya-Mythologie haben heilige Bienen eine große Rolle gespielt. Vermutlich geht dieser weithin vergessene Kult auf Vor-Mayazeiten zurück, als primär Göttinnen verehrt wurden. Die Bienenkönigin bringt alle Bienen hervor, aus ihren Eiern schlüpfen alle Nachkommen. Sie ist – wie die Urgöttin alles Lebenden – die Mutter ihres Volkes.

Astronomen oder Priester ...
Fotos: W-J.Langbein
»Die Worte der Göttinnen und Götter sind unverständlich geworden ... oder die Göttinnen und Götter sind verstummt ...« erfuhr ich mehrfach von Maya-Nachkommen bei meinen Recherchen zum Fortbestehen alten Maya-Glaubens in unseren Tagen. Ich bin davon überzeugt, dass im »Untergrund« Zentralamerikas noch sehr viel mehr Maya-Kultur erhalten wird ... als uns, den Nachkommen der Zerstörer des Maya-Reiches bekannt ist.

So sehr ich die schweißtreibende Arbeit der Archäologen bewundere ... so skeptisch bin ich, wenn es um vermeintlich sichere wissenschaftliche Erkenntnisse in Sachen Mayas geht. So imposant die oft erschöpfende Arbeit der Wissenschaftler ist, so skeptisch bin ich, wenn es um vermeintlich unumstößliche »Wahrheiten« geht. Diese »Wahrheiten« haben oft nur eine kurze Halbwertszeit! Fakt ist, dass häufig heutiges »sicheres Wissen« morgen schon über den Haufen geworfen wird.

Alfred P. Maudslay entdeckte anno 1886 in Copán eine wuchtige, massive Steinplatte. Insgesamt sechzehn Gestalten, im Schneidersitz hockend, sieht man abgebildet. Auf jeder Seite des mächtigen Steins wurden vier Personen in den Stein graviert.
Fast bei jedem meiner Besuche hörte ich eine neue, nun endgültige Erklärung: »Wir sehen hier sechzehn Priesterastronomen bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit! Sie rechnen, werten die astronomischen Daten aus, die ihre Kollegen im Laufe von Jahrhunderten erarbeitet haben!« So wurde mir bei meinem ersten Besuch »Altar q« erklärt, wobei man bis heute nicht weiß, welchem Zweck der wuchtige Stein einst wirklich diente. Die Titulierung als »Altar« erfolgte rein willkürlich. Die Maße von »Altar q«, der wohl gar kein Altar war: Höhe 70 cm (ohne steinerne »Füße«), Seitenlänge 150 cm.

Könige oder Schreiber ...
Fotos: W-J.Langbein
Bei meinem zweiten Besuch erfuhr ich eine ganz andere, angeblich endgültige Interpretation. Copán war so etwas wie ein Knotenpunkt von Mayas, Olmeken und mehrerer weitestgehend unbekannter Völker der Pazifikküste. »Und so zeigt der Gedenkstein alias ›Altar q‹ ein politisches Ereignis von großer Bedeutung. Stammesfürsten und Häuptlinge haben sich in Copán getroffen, um machtpolitische Fragen zu erörtern. Die eingemeißelten Personen stellen Fürsten aus vier Himmelsrichtungen dar, die sich gleichberechtigt versammelt haben!«

So wurden also aus schreibenden Astronomen politische Führer, die die Geschicke ihrer Stämme bestimmen! Doch auch diese »wissenschaftliche« und mit Inbrunst vorgetragene Erklärung wurde längst ad acta gelegt. Heute weiß man, dass die sechzehn Gestalten so etwas wie ein Geschichtsbuch in Stein illustrieren, das man – so heißt es – heute endlich wie ein offenes Buch lesen könne. Abgebildet seien König Yax K'uk' Mo', der anno 426 nach Christus regierte und seine fünfzehn Nachfolger. König Nr.16 sei Yax Pac, der anno 776 n.Chr. das Zepter schwang. Welcher König auch herrschte, alle Regenten haben offenbar einem Jaguarkult gehuldigt. Vermutlich gab es wie in der Maya-Stadt Yaxchilán auch in Copán eigene Jaguar-Priester, die junge Adepten in die Geheimnisse ihrer Religion einweihten.

Yax Pac, so heißt es, hat das massive Monument seiner Macht schaffen lassen. In chronologischer Reihenfolge sieht man die sechzehn Könige nebeneinander sitzen ... und der erste König (Yax K'uk' Mo') händigt seinem 15. Nachfolger (Yax Pac) den Herrscherstab aus, der dreieinhalb Jahrhunderte später die Nummer 1 war. Mit anderen Worten: Der »Altar q« ist ein Stück Propaganda aus Stein, das Yax Pac als ebenbürtigen Nachfolger des legendären Yax K'uk' Mo' feiert.

Symbol eines sich ewig
wiederholenden Zyklus
Foto: W-J.Langbein
Das ist der aktuelle Wissensstand. Wie lange mag es dauern, bis wieder eine vollkommen neue Erklärung als die unumstößlich letzt-gültige angepriesen wird? Jeder der sechzehn Herrscher sitzt auf seiner Namensglyphe, an der Identität der dargestellten Personen kann es also keinen Zweifel mehr geben. Was aber stellt der geschlossene Kreis von sechzehn Herrschern dar? Ich bin davon überzeugt, dass man ihn symbolisch sehen und verstehen muss. Der sechzehnte Herrscher Yax Pac erhält vom ersten Herrscher Yax K'uk' Mo' das »Zepter« der Macht. Mit anderen Worten: Die sechzehn Herrscher stellen einen ewigen Zyklus dar. Vom ersten bis zum letzten der sechzehn Regenten wird das Zeichen der Macht wie in einem Staffellauf weitergegeben. Und der letzte händigt schließlich das Symbol des Königtums wieder an den ersten König.

Genauso symbolisch ist der 21.12.2012 zu verstehen. Es mag durchaus sein, dass am 21.12.2012 ein langer Zyklus von 5125 Jahren endete. Aber dann begann am 22.12.2012 der nächste »long count« von wiederum 5125 Jahren! Nirgendwo im Maya-Kalender ist der 21.12.2012 als Termin des »Weltuntergangs« vorgesehen! Die Welt ging am 21.12.2012 nicht unter ... und die Mayas haben sich nicht geirrt!

»Der begrabene Tempel«,
Teil 154 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 30.12.2012


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Sonntag, 2. Dezember 2012

150 »Von Riesenköpfen und Monsterwesen«

Teil 150 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Einer der Olmekenschädel von
Laventa mit dem Verfasser
(links im Bild)
Foto: Archiv W-J.Langbein
Mannshoch ist der mächtige steinerne Schädel, den ein Farmer um 1850 bei Hueyapan entdeckte. Wer mochte den tonnenschweren Koloss geschaffen haben? Archäologen verirrten sich damals selten in das Städtchen am Popocatépetl im Nordosten des mexikanischen Staates Morelos. Erst anno 1869 publizierte José Maria Melgar y Serrano im Mitteilungsblatt der »Mexikanischen Geographischen und Statistischen Gesellschaft«. Melgar beging einen schlimmen Fauxpas. Er beschrieb das mächtige Haupt so wie es ist, aber eigentlich nicht sein darf. Heute befindet sich der Riesen-Kopf im »La Venta Park« von Villahermosa, Gemeinde Centro, Bundesstaat Tabasco. Wurde der umstrittene Fund tatsächlich in das Freilichtmuseum geschafft? Oder stammen alle Riesenköpfe des Freilichtmuseums aus dem Sumpfland von La Venta? Wie auch immer:

Der Hueyapan-Kopf hat ganz eindeutig negroide Züge: eine breite Base und wulstige Lippen. So konstatierte Melgar anno 1869, der steinerne Kopfe beweise, das in einer sehr frühen Epoche der Menschheitsgeschichte »Neger« in Mexiko gelebt haben müssten!

Monument Nr.1
Foto: Hajor
Der spektakuläre Fund wurde von wissenschaftlicher Seite mehr als stiefmütterlich behandelt! Nie und nimmer durfte er Zeugnis ablegen für Menschen mit negroiden Zügen, die sehr lange vor Columbus Zentralamerika besucht haben müssten! Diese Behauptung durfte nur falsch sein, also lohne es sich nicht, den Kopf in Augenschein zu nehmen. Erst 1906 stattete der deutsche Forscher Eduard Seler dem Stein des Anstoßes einen Besuch ab. Einen Niederschlag in der wissenschaftlichen Literatur hatte diese Visite nicht zur Folge. Erst 1932 wurde der unmögliche Fund »wissenschaftlich« beschrieben: von Albert Weyerstall.

Der »unmögliche« Riesenfund lässt sich einwandfrei zuordnen seine unzähligen riesengroßen »Brüder« und »Schwestern«, nämlich der Olmeken-Kultur. Die Olmeken betraten vor rund 3200 Jahren die Bühne der Geschichte Zentralamerikas. Um 400 vor Christus erlosch der Stern dieses rätselhaften Volkes. Wenn nun die Olmeken eine riesigen Kopf mit negroiden Zügen schufen, schätzungsweise 30 Tonnen schwer, müssen sie da keinen Kontakt mit Schwarzafrikanern gehabt haben? Und das muss lange vor Columbus gewesen sein! Solch frühe Kontakte über den Atlantik hinweg darf es nach noch gültiger Lehrmeinung aber nicht gegeben haben.

Was nicht sein kann, das darf auch nicht sein. Daran ändern auch nichts die zigtonnenschweren Olmekenköpfe, die man im Sumpfland von La Venta in Küstennähe gefunden hat: und sie alle haben negroide Züge ... wulstige Lippen und breite Nasen! Wenn es nur einen solchen Riesenschädel gäbe ... man könnte von einem Zufall sprechen. Das ist aber nicht der Fall! Es gibt eine Vielzahl solcher Kolossalköpfe, und alle haben diese negroiden Züge. Ein Musterexemplar findet sich im »Museo Nacional de Antropología e Historia«, Mexico. Man sieht heute diese tonnenschweren, wuchtigen Plastiken als typisch für die olmekische Kunst an!

Riesenhaupt im Museum
Foto Maunus
Vor Jahren nahm ich an einer spontanen Diskussion im »Museo Nacional de Antropología e Historia« teil. Es ging um die Frage der Olmekenschädel mit den wulstigen Lippen und der breiten Nase. Ich wurde als »Rassist« beschimpft, als ich zaghaft auf das äußere Erscheinungsbild der Kolossalköpfe hinwies. Ich würde mich beleidigend über die frühen Kulturen Mittelamerikas äußern, hieß es. Ich würde den frühen Völkern Mittelamerikas nicht zubilligen, dass sie ihre alten Hochkulturen Mittelamerikas selbst gegründet haben. Ich würde vielmehr behaupten, sie gingen auf Einwanderer aus einem fernen Kontinent zurück. Eine etwa 50-jährige Amerikanerin mit blau gefärbtem Haar und einem Monokel (tatsächlich!) keifte giftig: »Sie berauben die Völker ihrer ureigensten Historie!«

Was für ein Unsinn! Natürlich wurden die frühen Kulturen Mittelamerikas in Mittelamerika von dort Ansässigen gegründet! Natürlich waren es die ortsansässigen Olmeken, die die grandiosen Riesenskulpturen schufen! Aber wen stellten sie dar? Waren es afrikanische Seefahrer, die lange, lange vor Columbus Amerika entdeckten? Erkundeten afrikanische Pioniere Zentralamerika und wurden von einheimischen Künstlern in Stein verewigt? Erwiesen die Olmeken der fremden Seefahrern auf diese Weise ihren Respekt? Meiner Meinung nach ist es rassistisch zu behaupten, afrikanische Seefahrer seien nicht in der Lage gewesen, bis nach Zentralamerika zu gelangen!

Das parkartige Freilichtmuseum von Villahermosa gehört zu den schönsten der Welt. Man kann heute gemächlich und bequem von Ausstellungsstück zu Ausstellungsstück flanieren ... und mysteriöse Kunstwerke aus Stein aus uralten Zeiten bewundern. Man kann sich kaum vorstellen, welche Strapazen Archäologen auf sich genommen haben, um die Kolossalfiguren aus dem Schlamm von La Venta zu bergen. An den Originalschauplätzen von La Venta ist heute erschreckend wenig zu sehen. Wo sensationelle Ausgrabungen vorgenommen wurden ... hat man später mächtig betoniert ... für die Landebahnen des Flugplatzes. Andere Areale wurden bis heute nicht archäologisch untersucht. Unter Erdhügeln scheinen sich Pyramiden zu verbergen. Wann wird man zum Spaten greifen?

»Altar 4« erinnert den heutigen Besucher am ehesten an einen Schreibtisch, unter dem sich jemand versteckt. Bei näherem Betrachten erkennt man aber das Gesicht und den weit aufgerissenen Rachen eines »Monsters«.

Altar 4 - Foto: Ruben Charles
Häufig wird dieses »Monster« als Jaguar interpretiert. Im Mittelpunkt olmekischer Mythologien – vergleichbar mit den ältesten Texten des »Alten Testaments« – steht ein ganz besonderer Schöpfungsakt: Demnach paarte sich einst ein Jaguar mit einer Frau. So entstand ein Geschlecht von Monstern, vergleichbar mit den Werwölfen, nur dass diese Wesen eben Zwitter aus Mensch und Jaguar waren. Aus diesen Mischwesen sollen später die Regengötter hervorgegangen sein.

»Altar 4« zeigt offenbar einen Jaguar, der seinen mit scharfen Zähnen bewehrten Rachen öffnet. Darin sitzt ein menschliches Wesen. Es könnte sich dabei um einen Priester handeln, der so etwas wie einen Totenkopfschmuck trägt. Verschlingt der Jaguar den »Priester« ... oder spuckt er ihn aus? Stellt der Mensch den Tod dar ... oder jemanden, der den Tod besiegt, der aus dem Rachen des Jaguars steigt? Geht es im Bild um Auferstehung, Wiedergeburt und ewiges Leben?

Niemand vermag mit Sicherheit zu sagen, was der »Schreibtisch« wirklich darstellt. Leider sind uns keine Maya-Hieroglyphen an den Monumenten erhalten, die wir wie ein Buch lesen könnten, um uns die steinernen Denkmäler erklären zu lassen. Gab es Codices, die zum Beispiel den Menschen im Monstermaul erklärten? Wir wissen es nicht. Primitiv waren die Schöpfer dieser Skulpturen nicht! Sicher ist, dass die komplexe Kalenderwissenschaft auf die Olmeken und deren Vorläufer zurückgeht!

Mann mit Totenkopf
Foto: W-J.Langbein
Eine mögliche Erklärung für den »Schreibtisch« lautet so: Dargestellt wird ein Herrscher. Er ergreift mit einer Hand ein Seil. Dieses Seil führt um den Altar herum. An den beiden schmalen Seiten des »Schreibtischs« (im Foto nicht zu sehen) waren ursprünglich zwei Gestalten dargestellt. Die Abbildung auf der rechten Schmalseite (im Bild nicht zu sehen) ist allerdings stark verwittert. Sind es Verstorbene, Vorfahren des Herrschers? Nimmt der Herrscher mit den Totengeistern Kontakt auf, um sich Hilfe von ihnen zu erbitten? Stellt also das Seil die Verbindung unserer Welt mit dem Totenreich dar?

Eine andere Interpretation versteht die vermeintlichen »Verstorbenen« ganz anders, nämlich als Gefangene des Königs. Der Herrscher hat ihr Schicksal in den Händen, entscheidet über Leben und Tod!

Je mehr Fachliteratur man liest, in der alte Kunstwerke Zentralamerikas interpretiert werden, desto mehr voneinander abweichende Erklärungen werden einem geboten. Es müsste von Seiten der Wissenschaft sehr viel deutlicher gemacht werden, dass bei den »Erklärungen« sehr viel Fantasie im Spiel ist! Und je weniger von einer Skulptur zu erkennen ist, desto mehr Spielraum wird der Vorstellungskraft geboten. Leider werden aber fantasiereiche Vermutungen gern als gesicherte Erkenntnis vorgetragen.

Noch ein Schreibtisch
Foto: Archiv W-J.Langbein
Ein weiterer »Schreibtisch« ist leider stark beschädigt. Große Teile scheinen abgeschlagen worden zu sein. Man erkennt wieder eine menschliche Gestalt. Sie kauert, mit nach vorn gebeugtem Oberkörper und einer »Zipfelmütze« auf dem Kopf, wieder im Schlund eines Monsters.

Die sitzende Gestalt hält etwas in den Armen. Was das ist, man kann es nicht mehr erkennen. Auch hier gibt es keine übereinstimmende Erklärung. Da ist von einem Menschenopfer die Rede. Wird ein Baby oder ein Kleinkind den nach Blut schreienden Göttern dargeboten? Oder genießt das Baby ganz besonderen Schutz der mächtigen Götter? Oder wird etwas ganz anderes dargestellt, nämlich die geistige Entwicklung des Menschen auf spiritueller Ebene vom Baby zum Erwachsenen? Oder schützt der Mensch – womöglich ein Priester – ein kleines Jaguar-Baby?

Ich habe großen Respekt vor den wissenschaftlich arbeitenden Archäologen. Was mich aber sehr stört: Sehr häufig trägt jeder Experte seine ganz persönliche Erklärung für ein bestimmtes Monument als absolut sichere Erkenntnis vor. In Wirklichkeit aber wird häufig nur spekuliert, wiedersprechen die verschiedenen »Erklärungen« einander.

Die Bücher von Walter-Jörg Langbein

»Von Pyramiden und heiligen Bäumen«,
Teil 151 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 09.12.2012


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