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Sonntag, 3. Juli 2016

337 »Dreizehn Schanzen«

Teil 337 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

(Text wurde am 12. Juli leicht ergänzt.)

Foto 1: Lageplan Großeichenhausen
Bad Saulgau, Landkreis Sigmaringen, Oberschwaben: Am Namen des am 1.1.2000 zum Kurort ernannten Städtchens scheiden sich die Geister. Die einen meinen: »Die Ortsbezeichnung Saulgau geht auf die Kelten zurück und lässt sich wohl mit ›Ort der Quellgöttin Sul‹ übersetzen.« Andere widersprechen da energisch. »Anno 819 wird Saulgau als ›Sulaga‹ in einer Urkunde erwähnt. ›Sulaga‹ bedeutet im Althochdeutschen ganz profan ›bei den Wälzlachen‹!«

Verweist nun der Name Saulgau auf eine Quellgöttin? Oder auf die einträgliche schwefelhaltige Thermalquelle, in der sich womöglich schon in graue Vorzeit Wildschweine, später schließlich Kelten und heute heilsuchende Kurgäste suhlen? Vielleicht errichteten die Kelten um 100 v.Chr. der Quellgöttin Sul ein Heiligtum, wo schwefelhaltiges Wasser aus der Erde sprudelte? Tatsächlich beherbergte der Himmel der Kelten zahlreiche Göttinnen, von Andraste, Schutzgöttin der Bären und des Krieges bis Sul, zuständig für Feuer und wärmende Heilquellen.

Die Diskussion um die Bedeutung des Ortsnamens Bad Saulgau verdeutlicht, wie unklar  die Bedeutung von Keltenschanzen ist. Welchem Zweck dienten sie? Wir wissen es nicht wirklich. Das liegt daran, dass Keltenschanzen bis heute so gut wie überhaupt nicht untersucht worden sind. In der Regel beschränkt sich die »Erforschung« einzelner, weniger der mysteriösen Anlagen auf eine mehr oder minder oberflächliche Beschreibung (1). Selbst wer die Schanzen angelegt hat, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Das wurde auf der »14. Niederbayerischen Archäologentagung« (21.-23. April 1995) von Deggendorf deutlich. Archäologische, definitive Beweise für die Kelten als Urheber gibt es nicht. Noch unklarer ist ihr Zweck!

Foto 2: Keltenschanze Großeichenhausen
Waren es Bauernhöfe mit Häusern und Brunnenschächten? Oder waren es doch Kultanlagen mit Tempelchen und Opferschächten? Waren es Viehpferche? Dienten sie als Weiden für Kühe, Pferde, Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen? Tatsächlich fanden sich im Bereich von »Keltenschanzen«, die gelegentlich auch den Römern oder den Schweden zugesprochen werden, Tierknochen. Was aber hat das zu bedeuten? Tierknochen können auf kultische Nutzung der Anlagen ebenso hinweisen wie auf landwirtschaftliche Viehhaltung. Oder traten auf Bauernhöfen vor Jahrtausenden dann und wann Viehseuchen auf? Befürchtete man eine Ausdehnung der Seuche durch Ansteckung und hat die befallenen Tiere getötet und die Kadaver in tiefen Löchern vergraben? Andere Interpreten halten die Schächte für ehemalige Brunnen, in die nach und nach Abfall, eben auch Tierknochen, geworfen wurden? Aber müssten dann nicht viel mehr Gebrauchsgegenstände wie Töpfereiwaren in solchen Schächten gefunden werden?

Foto 3: Keltenschanze Großeichenhausen

Nach wie vor wird die »Brunnen-Theorie vertreten (2), »obwohl offensichtlich in einer ganzen Reihe von Schächten niemals Wasser vorhanden war«. Es ist richtig: Brunnen wurden, zum Beispiel in Städten, immer wieder mit Abfall verfüllt. Allerdings hat man in den »Keltenschanzen« offenbar immer wieder wie zu 35 Meter tiefe Schächte ausgehoben, um sie umgehend wieder zuzuschütten. Warum? Brunnen können es dann nicht gewesen sein.

Wenn bei einigen wenigen intensiven Grabungen in tiefen Schächten Tierknochen entdeckt wurden, was hat das zu bedeuten? Klaus Schwarz hat sich um die Erfassung der Keltenschanzen in Bayern große Verdienste erworben. Sein »Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen dokumentiert, wo es einst Schanzen gab, die längst zerstörten worden und verschwunden sind. Er zeigt weiter auf, wo noch spärliche Reste von derlei Anlagen und wo noch relativ gut erhaltene Schanzen zu finden sind (4). Und er beschreibt genau, was war und was ist (5). Klaus Schwarz war es, der umfangreiche Ausgrabung im Bereich der »Viereckschanze« von Holzhausen, im Münchner Umland, vorgenommen hat. Seiner Überzeugung nach war (6) die Anlage von sakraler Bedeutung. Im Geviert der Schanze befanden sich mindestens ein Tempel und drei Opferschächte, in denen die Knochen von Opfertieren und Kultobjekte gefunden wurden. Er hat keinen Zweifel: Keltenschanzen waren Heiligtümer.

Foto 4: Keltenschanze Großeichenhausen

Unklar ist auch, wie viele »Keltenschanzen« es einst gab. Bis anno 1995 hatte man mit Hilfe der Luftbildarchäologie innerhalb von fünfzehn Jahren 40.000 »Keltenschanzen« ausfindig gemacht, und das allein in Bayern. Bedenkt man diese ungeheuerliche Vielzahl von Anlagen, dann kann man erahnen, was es für gewaltige Anstrengungen bedurfte, sie alle zu bauen. Gigantische Mengen an Erdreich müssen bewegt worden sein, allein schon beim Aushub der Gräben und beim Auftürmen der Wälle. Immer wieder stellt sich die Frage: Wozu geschah das alles? Nach Abwägung einer Fülle von Informationen stellt Gernot L. Geise zutreffend fest (7): »Die Archäologie tappt bezüglich der Schanzen nach wie vor im tiefsten Dunkel, das hat sich bis heute nicht geändert.«

Sehr aufschlussreich ist eine Hinweistafel, die vom Landratsamt München aufgestellt wurde. Überschrift: »Viereckschanze zwischen Großeichenhausen und Gumpertsham«. Der Text: »Im Gegensatz zu den auf freiem Feld liegenden Keltenschanzen /zum Beispiel im Lanzenhaarer Feld bei Deisenhofen) wurde diese Viereckschanze (aus dem letzten Jahrhundert v. Chr. Geburt) später vom Wald überwachsen. Sie ist Teil einer Gruppe von dreizehn Schanzen im Gebiet östlich der Isar zwischen Oberhaching, Eichenhausen und Wolfratshausen.« Keinen Zweifel lässt der Informationstext über Sinn und Zweck der Anlage aufkommen. Wir lesen weiter: »Es handelt sich um einen rechteckigen Kultbezirk von 100 m Länge und 85 m Breite in einem leicht nach Nordosten geneigten Gelände, umgrenzt von einem steil geböschten, 4 m hohen Wall und umlaufenden Spitzgraben. Der Eingang der Schanze liegt in der Mitte der Ostseite. (E.Keller)«

Foto 5: Lageplan der Keltenschanze

Stephan Gröschler schreibt auf seiner vorzüglichen Internetseite »Kraftvolle Orte« (8) : »Auch die Viereckschanze Großeichenhausen ist ein sehr charakteristische Schanze mit deutlichen Überhöhungen, relativ tiefen Gräben außen und einem breiten Tor. Die Nordecke ist sehr zugewachsen und schlecht zu erreichen, aber die entschädigt die restliche Schanze. In der Mitte steht ein Holzklotz, symbolisch für einen kleinen Altar, und die Ausstrahlung ist sehr positiv. Und gerade der Schnee hat diesen Eindruck verstärkt und aus dieser friedlich anmutenden und ruhigen Viereckschanze einen noch schöneren, kraftvollen Ort gemacht.«

Die »Viereckschanze Großeichenhausen« hat zwei »Schächte« aufzuweisen. Nach Geise »hat der erste einen Durchmesser von etwa drei Metern bei 17 Metern Tiefe … Der zweite Schacht hat einen Durchmesser von 2,50 Metern bei elf Metern Tiefe.«

Großeichenhausen ist wirklich einen Besuch wert. Die Viereckschanze erreichen Sie bequem zu Fuß. Fahren Sie von Neukolbing Richtung Gumpertsham und parken Sie am Ortsanfang. Ein Feldweg führt Sie in nördlicher Richtung in den Wald hinein, der Waldweg führt Sie ans Ziel. Linker Hand sehen Sie die Informationstafel und die Viereckschanze.

Wenn Sie ein paar Tage Zeit haben, sollten Sie unbedingt auch die Keltenschanze von Holzhausen besuchen. Ein Orientierungspunkt ist Gerblinghausen. In unmittelbarer Umgebung gibt es über zehn Keltenschanzen. Und wenn Sie eine günstig gelegene, gastliche Unterkunft suchen, empfehle ich Ihnen wärmstens den gemütlichen Ferienhof »Zum Dammerbauer« direkt in Holzhausen. Von hier aus erreichen sie zwei Keltenschanzen in wenigen Minuten! (9)

Zu den Fotos: Alle Fotos hat Hedi Stahl, Gerblinghausen, aufgenommen. Ich bedanke mich sehr herzlich für die Genehmigung, ihre Fotos in meinem Blog zu verwenden! DANKE! Copyright für alle Fotos: Heidi Stahl

Fußnoten

1) Siehe hierzu Walter Irlingers Aufsatz »Forschung zu den spätkeltischen
     Viereckschanzen« in »Schöne Heimat, Erbe und Auftrag«, Heft 3/ 1996, 
     Herausgeber ist der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V.
2) Geise, Gernot L.: »Keltenschanzen und ihre verborgenen Funktionen«,  
    Hohenpeißenberg, 10. Auflage 2014, Seite 112
3) ebenda, Seite 113
4) Schwarz, Klaus: »Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns – Pläne und  
     Karten«, München 1959
5) Schwarz, Klaus: »Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns/
     Textband«, München 2007
6) »Die Ausgrabungen in der Viereckschanze 2 von Holzhausen/ Grabungsberichte
     vom Klaus Schwarz/ Zusammengestellt und kommentiert von Günther
     Wieland«, Rahden/ Westfalen 2005, S. 11
7) Geise, Gernot L.: »Keltenschanzen und ihre verborgenen Funktionen«,  
    Hohenpeißenberg, 10. Auflage 2014, Seite 115
8) »KRAFTVOLLE ORTE Kraftvolle, mystische und geheimnisvolle Orte (in 
     Bayern)« www.kraftvolle-orte.de, siehe »Kelten- und Viereckschanzen  
     Viereckschanze Großeneichenhausen«
(9) Ferienhof »Zum Dammerbauer«, Dinghartinger Straße 3, 
     82064 Strasslach-Holzhausen

Literatur zum Themenkreis »Kelten«
Teil 3

Ritter, Thomas: Spuren ins Dunkel/ Erfahrungen an den Grenzen unseres
Foto 6: Kirchlein von Großeichenhausen

     Wissens, Schleusingen 2001
      (Kelten, Keltische Kontakte S. 94 fff.)
Röber, Dr. Ralph (Leitung der Redaktion): Die Welt der Kelten/ Zentren der  
     Macht Kostbarkeiten der Kunst, Ostfildern 2012
Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Rosenheim,
     Chiemsee, Traunstein, Bad Reichenhall, Berchtesgaden/ Führer zu vor- und
     frühgeschichtlichen Denkmälern, 2. Auflage, Mainz 1971
     (Keltenschanzen: Siehe z.B. S. 248ff., 250 ff., 256f., 257 ff., S. 258-283)
Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Rosenheim,
     Chiemsee, Traunstein, Bad Reichenhall, Berchtesgaden/ Führer zu vor- und
     frühgeschichtlichen Denkmälern, 2. Auflage, Mainz 1971
Rohrecker, Georg: Druiden – Wilde Frauen – Andersweltfürsten/ Das keltische
     Erbe in Österreichs Sagen, Wien 2002
     (Sagen zur Verteuflung von Glaube und Lebenseinstellung der Kelten, S.
     165-195)
Rohrecker, Georg: Die Kelten Österreichs/ Auf den Spuren unseres versteckten
     Erbes, Wien 2003
Rohrecker, Georg: Heilige Orte der Kelten in Österreich/ Ein Handbuch, Wien 
     2005
Rohrecker, Georg: Kelten, Götter, Heilige/ Mythologie der Ostalpen, Wien
     2007
Rohrecker, Georg: Die Kelten/ Auf den Spuren unseres versteckten Erbes,
     Wien 2011
Schwarz, Klaus und Wieland, Günther: Die Ausgrabungen in der
     Viereckschanze 2 von Holzhausen, Rahden/ Westf. 2005
Schwarz, Klaus: Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns – Pläne und  
     Karten, München 1959
Schwarz, Klaus: Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns Textband,  
     München 2007
Seabrook, Lochlainn: The book of Kelle/ An Introduction to Goddess-Worship
     and the Great Celtic Mother-Goddess Kelle, Franklin, 2. Auflage, 2010
     Seabrook, Lochlainn: Britannia Rules/ Goddess-Worship in Ancient Anglo-
     Celtic Society, 2. Auflage, Franklin 2010
Sharkey, John: Die Keltische Welt/ Religion und Gesellschaft, Frankfurt 1982 Shiels, Tony 'Doc': Monstrum/ A Wizard's Tale, London 1990
     (Kapitel 6, S.85-93, Celtic Connections)
Spence, Lewis: The Magic Arts in Celtic Britain, North Hollywood 1996
Verhart, Leo: Den Kelten auf der Spur/ Neue archäologische Entdeckungen
     zwischen Nordsee und Rhein, Mainz 2008
Wieland, Günther (Hrsg.): Keltische Viereckschanzen/ Einem Rätsel auf der
     Spur, Stuttgart 1999
Wood, Dr. Phil. Juliette: Die Lebenswelt der Kelten/ Alltag, Kunst und
     Mythen eines sagenhaften Volkes, Augsburg 1998, (Großformat!)

Zu den Fotos: Alle Fotos hat Hedi Stahl, Gerblinghausen, aufgenommen. Ich bedanke mich sehr herzlich für die Genehmigung, ihre Fotos in meinem Blog zu verwenden! DANKE! Copyright für alle Fotos: Heidi Stahl

338 »Die Göttin auf dem Berg«,
Teil 338 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 10.07.2016

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Sonntag, 26. Juni 2016

336 »Das verschwundene Schloss«

Teil 336 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: »Keltenschanze 2«, Holzhausen

Zugegeben: »Keltenschanze 2« von Holzhausen, Gemeinde Straßlach-Dingharting im Landkreis München, kann nicht mit. Monstermauern aufwarten. Zugegeben: Eine Weltsensation ist die über zwei Jahrtausende alte Keltenschanze nicht. Je intensiver ich mich aber mit Keltenschanzen beschäftige, desto mehr beeindruckt mich die »Keltenschanze 2« von Holzhausen. Sie ist nämlich sehr viel besser erhalten als ihre meisten »Kollegen«, die entweder – leider – so gut wie gar nicht mehr wahrnehmbar oder vollkommen verschwunden sind.


Foto 2

Vom Ferienhof »Zum Damerbauer« in Holzhausen, wo ich logierte, zur Schanze sind es nur einige wenige Minuten. Immer wieder habe ich das Relikt aus uralten Zeiten besucht, morgens, mittags, nachts. Und viele Stunden saß ich in meiner gemütlichen Ferienwohnung über Bergen von Unterlagen in Sachen Keltenschanzen. Folgen Sie mir bitte weiter auf weiteren Spurensuchen. Vielleicht finden Sie Geschmack und machen sich selbst auf die Suche?


Foto 3

»Die Flurnamen in der Gemeinde Schlangen machen ein alte Natur- und Kulturlandschaft sichtbar, die sich im Übergangsbereich von Teutoburger Wald, Senne und Paderborner Hochfläche über Jahrhunderte hinweg entwickelt hat«, so schreibt Annette Fischer in »Heimatland Lippe« (1). Und weiter: »Heute können die Flurnamen als Geschichtsquelle gelesen werden.«

Das gilt nicht nur für die Gemeinde Schlangen, sondern ganz allgemein. Bei meinen Recherchen in Sachen Keltenschanzen führten mich immer wieder Flurnamen auf die richtige Spur. Flurnamen mit »Burg« führen oft zu Jahrtausende alten Anlagen der Kelten. Einige Beispiele mögen genügen!

Foto 4

»Die Pfaffenburg im Großen Mühlholz« in meiner fränkischen Heimat findet sich im Landkreis Kitzingen, Unterfranken, unweit der Ortsmitte von Willanzheim. Laut Klaus Schwarz war der Wallkörper vor fünfzig Jahren (2) »nur noch an wenigen Stellen erhalten«. Vor einem halben Jahrhundert war kaum noch etwas von der einst stolzen Keltenschanze zu sehen, heute dürfte sie vollkommen verschwunden sein. Ein oberfränkischer Theologe und Heimatforscher, der anonym bleiben möchte im Gespräch mit dem Verfasser: »Die Bezeichnung ›Burg‹ deutet darauf hin, dass man die Keltenschanze für die Überbleibsel einer alten Burg hielt, die im Laufe der Zeit verschwunden war. Die Kombination mit der Bezeichnung ›Paffen‹ lässt auf eine ursprünglich sakral-religiöse Bedeutung der Anlage  schließen.«


Foto 5
»Der große Burggraben« lautet der Flurname, der in entsprechende Karten von Riedenheim, Landkreis Würzburg, eingetragen ist. Keltenschanzen waren von Wallanlagen umgeben. Wollten Angreifer so eine Keltenschanze erobern, mussten sie erst einen oftmals tiefen Graben überwinden, bevor sie sich überhaupt an den schützenden Wall heranwagen konnten. Und oben stand ja die Abwehr nicht gerade untätig herum! Von Keltenschanzen blieben manchmal die Wälle, manchmal die Gräben übrig. Besonders tiefe Gräben waren manchmal noch zu sehen, wenn von der übrigen Keltenschanze nichts mehr übrig war. Wieder glaubte man, dass eine Burg längst abgetragen worden, der große Burggraben übriggeblieben sei.

Die Gemeinde Bachern im Landkreis Friedberg (Schwaben) hat auch einen interessanten Flurnamen aufzuweisen: »Die alte Burg im Heilachwald«. Das Areal ist leicht zu finden, 1.000 Meter südwestlich der Kirche. Von der einstigen Keltenschanze indes ist wenig übrig geblieben.

Klarer sind Hinweise auf ehemaligen Keltenschanzen wie die Bezeichnung »Erdburg«. Dort gab es einst eine der ominösen Keltenschanzen, anno 1588 hieß sie »Erdburg«,1753 wurde sie offiziell »Bauernschantz« genannt (4).

Foto 6

Foto 7

Aussagekräftiger sind Flurnamen wie »Im Schanzfeld« (5), »Schwedenschanze« (6), »Römerschanze« (7) und »Das Viereck« (8). Keiner Interpretationen bedürfen Flurnamen wie »Die Schanze«, die – manchmal leicht variiert – häufig vorkommen (9).

Schanzen gab es wohl bundesweit sehr viele. Von den meisten sind nur kärgliche Reste zu finden. An manche erinnern nur von Generation zu Generation überlieferte Erzählungen. So berichtet der Keltenschanzenexperte schlechthin, Klaus Schwarz über die Maierhof-Schanze (10): »Die Schanze ist um 1880 abgetragen worden. Sie wäre heute ohne ältere Nachrichten nicht mehr auffindbar. Die Höhenflurkarte von 1885 läßt Orientierung und Größenverhältnisse noch erkennen.«

Vielen Schanzen, die rund zwei Jahrtausende überstanden hatten, ging es im 19. Jahrhudert an den Kragen, als immer größere Gebiete landwirtschaftlich erschlossen wurden. Keltenschanzen wurden abgetragen und in Ackerland verwandelt. So beklagt Karl Schwarz das traurige Los eines Keltenbaus im Bereich der Gemeinde Mainburg, Landkreis Kehlheim, Niederbayern (11): »Die Schanze ist durch Überpflügen fast bis zur Unkenntlichkeit verschleift. Sie wird jedoch in der topographischen Karte vom Jahre 1869 noch im Grundriß wiedergegeben.«

Und immer wieder sind es mündliche Überlieferungen, die man leider oft nur mitleidig belächelt. Ich machte vor Jahren auf einer Studienreise durch Deutschland – rein zufällig – in Marxheim, Landkreis Donau-Ries, im Schwabenländle gelegen, Rast. Eine von schwerer Arbeit gebeugte und stolze alte Bäuerin berichtete mir mit leuchtenden Augen, dass es einmal »ganz in der Nähe« ein herrliches Schloss gegeben habe (12):

Foto 8
»Es war ein prachtvoller, glanzvoller Bau, der den Neid vieler Menschen aus nah und fern auf sich zog. So mussten die edlen Herren des Schlosses, so friedlich und ohne Arg sie auch waren, auf der Hut vor bösen Feinden sein. Sie mussten sich also schützen, denn des einen Hab und Gut lockt den bösen anderen herbei. Das machte sie traurig. Hatten nicht ihre Altvorderen weniger besessen und doch glücklicher gelebt? Wussten sie doch, dass sie durch den erforderlichen Schutz auch von guten und lieben Menschen getrennt sein würden. Alle Bedenken halfen nichts. Wollten sie sich nicht leichtsinnig der Gefahr aussetzen, dann mussten sie handeln. So beratschlagten sie, wie denn ihr Schloss am besten zu verteidigen sei. Betrübt stellten sie fest, dass durch die Anlagen zum Schutze die Schönheit des Schlosses nicht mehr sichtbar sein würde.

Sie errichteten also um ihr herrliches Schloss herum einen tiefen, tiefen Wall. Und außerdem gruben sie rundherum einen tiefen, tiefen Graben. Die Untertanen der hohen Herrschaften halfen bereitwillig, das Werk zu vollenden. Waren doch die Herrschaften ob ihrer Güte, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit weithin beliebt. Als alles vollendet war, da feierten alle noch einmal im Schloss, die Herren, die edlen Damen, die fleißigen Bauern und braven Knechte.

Foto 9
Die Schutzanlage freilich ließ das Schloss zu einem noch begehrteren Ziel von Neidern und habgierigen Menschen werden, die nach dem Eigentum anderer trachten. Die sprachen, wer so ein Schloss auf diese Weise so gegen Angreifer rüstet, der muss viel Hab und Gut besitzen.

Die Anstrengungen aber haben alle nichts genützt. Mit List und Tücke ging ein neidiger Graf ans Werk. Er kam als Gast, wollte bis zum Morgen bleiben und öffnete nachts das Tor für seine Kumpane. Seine bösen Burschen strömten lachend hinein ins Schloss. Sie schlugen, mordeten und raubten. Das Schloss wurde geplündert, dann niedergebrannt. Bald schüttete man mit dem Erdreich des Walls den tiefen Graben zu. Die mächtigen Steine trug man davon.

Geblieben sind nur Erinnerungen an das Schloss von einst. Die Namen derer, die darin lebten und jener, die es erstürmten, brandschatzen, sie sind vergessen.«

Foto 10
Ein »Schloss« hat es im Raum der Gemeinde Marxheim, nie gegeben, von einem Gemetzel ganz zu schweigen, wohl aber eine Keltenschanze. Sie ist weitestgehend verschwunden. Vor  etwa 100 Jahren – also um 1916 –  sind angeblich noch Wälle zu erkennen gewesen. Wo? 1800 Meter nordöstlich der Ortsmitte. Der Flurname? »Das Viereck«.

Fußnoten

1) Fischer, Annette: »Flurnamen der Gemeinde Schlangen«, erschienen in »Heimatland Lippe«, April 2016, Seite 16
2) Schwarz, Klaus: »Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns Textband«, München 2007, Seite 96, Kapitel »Willanzheim«
3) Schwarz, Klaus: »Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns Textband«, München 2007, Seite 106, Kapitel »Bachern«
4) Schwarz, Klaus: »Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns Textband«, München 2007, Kapitel »Bütthard, Schanze 2«, Seite 98
5) Gemeinde Arberg, Landkreis Ansbach, Mittelfranken. Quelle: Schwarz, Klaus: »Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns Textband«, München 2007, Seite 86, Kapitel »Eyburg«
6) Gemeinde Thalmässing, Landkreis Roth, Mittelfranken. Quelle: Schwarz, Klaus: »Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns Textband«, München 2007, Seite 92, Kapitel »Thalmässing«
7) Gemeinde Eurasburg, Landkreis Aicach-Friedberg, Schwaben. Quelle: Schwarz, Klaus: »Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns Textband«, München 2007, Seite 107, Kapitel »Eurasburger-Forst«
8) Gemeinde Marxheim, Landkreis Donau-Ries, Schwaben. Quelle: Schwarz, Klaus: »Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns Textband«, München 2007, Seite 104, Kapitel »Graisbach«
9) Gemeinde Egling, Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, Oberbayern. Quelle: Schwarz, Klaus: »Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns Textband«, München 2007, Seiten 47 und 48, Kapitel »Endlhausen«
Gemeinde Rottenburg an der Laaber, Landkreis Landshut, Niederbayern. Quelle: Schwarz, Klaus: »Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns Textband«, München 2007, Seite 75, Kapitel »Schaltdorf«
10) Gemeinde Ruhstorf a. d. Rott, Landkreis Passau, Niederbayern. Quelle: Schwarz, Klaus: »Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns Textband«, München 2007, Seite 56, Kapitel »Maierhof«. Die Rechtschreibung wurde unverändert übernommen und nicht der heutigen Rechtschreibung angepasst.
11) Quelle: Schwarz, Klaus: »Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns Textband«, München 2007, Seite 65, Kapitel »Sandelzhausen«
12) Reisenotizen von Walter-Jörg Langbein, Datum nicht mehr feststellbar.

Zu den Fotos: Alle Fotos zeigen »Keltenschanze 2« von Holzhausen.
Alle Fotos: Walter-Jörg Langbein

Literatur zum Themenkreis »Kelten«
Teil 2

Krause, Arnulf: Von Göttern und Helden/ Die mythische Welt der Kelten
     Germanen und Wikinger, Stuttgart 2010
Lehner, Thomas (Hrsg.): Keltisches Bewusstsein/ Wissenschaft, Musik, Poesie,
     München 1985
Lengyel, Lancelot: Das geheime Wissen der Kelten/ enträtselt aus druidisch-
     keltischer Mystik und Symbolik, 3. Auflage, Freiburg i.Br. 1985
Machalett, Walter: Die Externsteine/ Das Zentrum des Keltentums, Maschen 
     1963 (kleines Heftchen)
Markale, Jean: Die keltische Frau – Mythos, Geschichte, soziale Stellung,
     München 1984
Markale, Jean: Die Druiden – Gesellschaft und Götter der Kelten, München
     o.J.
Menghin, Wilfried: Kelten, Römer und Germanen/ Archäologie und
     Geschichte in Deutschland, Augsburg 1980
Meyer, Jürgen: Die Kelten/ geheimnisvoll und mystisch, Reutlingen 2012
Monroe, Douglas: Merlyns Vermächtnis, Freiburg 1997
Monroe, Douglas: The Lost Books of Merlyn, St. Paul 2002
Pennick, Nigel: Die heiligen Landschaften der Kelten, Engerda 1998
Protter, Eric und Nancy: Celtic Folk and Fairy Tales, New York 1966
Reiser, Rudolf: Götter und Kaiser/ Antike Vorbilder Jesu, München 1975
     (keltische Vorbilder Jesu, siehe Register!)
Reiser, Rudolf: Die Kelten in Bayern und Österreich, Rosenheim 1992
Reiser, Rudolf: Bayern und Salzburg um Christi Geburt/ Die keltisch-römische
     Vergangenheit, München 2001
Resch-Rauter: Auf den Spuren der Druiden, Wien ohne Jahresangabe
     (besonders Keltischer Festtagskalender, S. 285-370)
Resch-Rauter, Inge: Unser Keltisches Erbe/ Flurnamen, Sagen, Märchen und 
     Brauchtum als Brücken in die Vergangenheit, Wien 2007
Resch-Rauter, Inge: Keltische Gegenwart/ Eine Spurensicherung/ Von
     Bergbau, Kampf und Himmelskunde, erhalten in Sagen, Brauchtum und
     Ortsnamen, Wien 2008

Zu den Fotos: Alle Fotos zeigen »Keltenschanze 2« von Holzhausen.
Alle Fotos: Walter-Jörg Langbein



337 »Dreizehn Schanzen«,
Teil 337 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 03.07.2016




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