Der Roman war zu Ende. Ich erwachte wie aus einem Traum und musste mich zunächst orientieren. Ich saß auf einer Wiese, den Rücken gegen eine Heu-Hocke gelehnt. Um mich herum zirpte und summte es. Einige leichtsinnige Frösche quakten, und ein Storch stolzierte ganz dicht an mir vorüber.
Wie unschwer zu erkennen, war das ein Wildwest-Roman, ein Roman von der Art, die in meiner Kindheit wohl einen großen Teil der sogenannten Schundliteratur ausmachte.
Sollten Eltern ihre Kinder Schundliteratur lesen lassen, wenn die Alternative bedeutet, dass die Kinder gar nicht lesen?
Dafür spricht, dass die Kinder den Zauber des Lesens erfahren.
Dagegen spricht die Gefahr, dass die Kinder diese Literatur nicht überwinden, sondern auch noch als Erwachsene nach dieser Art von Literatur greifen. Zusätzlich ist es durchaus möglich, dass sich in ihnen ein Bild von der Welt bildet, das dem Schema der von ihnen bevorzugten Literatur entspricht.
Wolf-Gero Bajohr