Donnerstag, 8. Juli 2010

Kennen Sie den Gritzmeck?

Sicher ist Ihnen der Gritzmeck auch schon mal begegnet. Von der Statur her klein und mager, die Gesichtsfarbe grau, leicht ins Gelbliche spielend, fallen zuerst seine grünen Haare auf, wenn man nur kurz hinsieht. Betrachtet man ihn näher, treten die Haare in den Hintergrund, denn seine Körperhaltung ist mitleiderregend. Eigentlich kann man den Blick kaum noch von ihm abwenden, wenn man sich einmal entschlossen hat, den Gritzmeck richtig anzuschauen, denn es zerreißt einem das Herz: Verkrümmt und verkrampft wandelt der Gritzmeck durch die Welt, eine Karikatur des Menschseins, ein Zerrbild seiner selbst.

Dabei war er auch einmal ein Mensch, der Gritzmeck. Genau genommen ist er das immer noch, auch, wenn das schon längst niemandem mehr auffällt. Als rosiges, schönes Baby wurde er geboren, so, wie alle Babys irgendwie rosig sind. Und schön. Wie konnte es nur so weit kommen? Wie konnte es sein, dass der Gritzmeck wurde, was er ist? Und warum zum Henker gibt es so viele seiner Art?

Eigentlich würde einem der Gritzmeck kaum auffallen. Denn er tut nicht viel. Zwar gibt es Ausnahmen, denn die Ordnung Gritzmeck kennt eine Unterart: den Action-Gritzmeck. Der ist immer aktiv. Seine Tragik ist, dass das keinen interessiert. Denn er neigt dazu, seine Kraft im Mikrobereich zu verschleudern, dort, wo er sicher sein kann, dass seine Arbeit niemandem auffällt. Der Action-Gritzmeck hat Angst. Angst davor, Fehler zu machen. Nur gut, dass er einen Tätigkeitsbereich gewählt hat, in dem diese nicht auffallen und er sich trotzdem beschäftigt fühlt.

Das Wesen des Action-Gritzmecks ist es, in einem tausendseitigen Roman drei vorhandene Kommafehler zu finden. Damit hält der sich gut und gerne mal ein dreiviertel Jahr auf, dabei beständig die Augen verdrehend über die Blödheit des Autors. Ob Leo Tolstoi auch einen Action-Gritzmeck hatte? Einen, der ihm Vorhaltungen gemacht hat, dass die Satzmelodie in »Krieg und Frieden« gerade auf Seite 1243 noch nicht ganz gelungen sei, und er ihm deshalb empfehle, eine mehrjährige Phase der Überarbeitung des gesamten Werks einzulegen, oder besser noch, die Arbeit lieber einzustellen, denn er wolle ja nur sein Bestes?

Klar: Tolstoi hatte mit absoluter Sicherheit einen Action-Gritzmeck am Hals. So wie jeder kreative Mensch einen findet, der sich gegen eigenes Schaffen entschieden hat, um »lieber dem Ganzen zu dienen«, da »eigene Ambition ja immer auch etwas Egoistisches« habe, »das meinem Wesen fremd ist, womit ich nichts gesagt haben will, Du musst ja wissen, was Du tust, und überhaupt: ich bin da, Dir zu helfen, das weißt Du doch«, hört man den Action-Gritzmeck hecheln und fühlt sich unwillkürlich veranlasst, ihm fest auf die Schulter zu klopfen, damit er am eigenen Redefluss nicht ersticke.

Gritzmecks treten in ganz unterschiedlichen Situationen auf. Einen trifft man schon einmal in einem Zirkus an, wo er dem Hochseilartisten, der gerade kopfstehend auf dem Seil Geige spielt, zuruft, er sei kein Menuhin, aber mit etwas Üben könne er …
Einen anderen Gritzmeck findet man vielleicht im Finanzamt, wo er konstatiert, der Bürger habe sämtliche Belege im Duplikat abzugeben, auch wenn das bedeute, 500 Fotokopien anzufertigen, denn das sei erste Bürgerpflicht und überhaupt, habe der Bürger denn eine Ahnung, was er, der Gritzmeck, täglich leiste seit Inkrafttreten der Durchführungsbestimmung 18-C, deren Erster Ritter er sei?

In Wirklichkeit gibt es kein Feld, auf welchem nicht ein oder mehrere Gritzmecks sich tummeln. Ob in der Schule, wo man den »dieses-Arbeitsblatt-hast-Du-aber-nicht-sorgfältig-ausgemalt«-Gritzmeck antrifft, oder auf dem Ballermann, wo er vielleicht den Namen »in-meinem-Zimmer-war-eine-Ameise-weshalb-ich-Minderung-meines-150 €-Reisepreises-verlange«-Gritzmeck trägt.
Sehr wohl fühlen sich Gritzmecks in juristischen Berufen: Der »laut-Paragraph-370 Absatz-c-haben Sie-nicht-das-Recht-Ihren-Kinderwagen-im-Hausflur-abzustellen«-Gritzmeck ist dort wohl bekannt.

Arme Gritzmecks. Sie plagen sich so ab, zum Wohle des Ganzen, und niemand bemerkt es. Kein Wunder, wenn sie nissig werden. Ärgerlich. Ätzend. Einfach nur unausstehlich.

Wir wollen es nicht vergessen: Gritzmecks meinen es stets nur gut. Also fesseln und knebeln wir sie am besten und wenden uns interessanteren Dingen zu ...

Mittwoch, 7. Juli 2010

Rita Hajaks Buchvorstellung: "Haus der Geheimnisse"

Hier möchte ich Ihnen mein neues Buch „Haus der Geheimnisse“ vorstellen, in das ich eigene Gefühle mit einfließen ließ.
Gerade als ich mich in einer schweren Trauerphase befand, kam mir der flüchtige Gedanke, über meinen Schmerz zu schreiben. Doch es blieb bei einem Versuch. Ich hatte nicht die Kraft mich näher mit diesem traurigen Thema zu befassen. Dank meiner Familie schaffte ich es, meinem täglichen Ablauf bald wieder gerecht zu werden. Erst drei Jahre später, als ich begann, einen neuen Roman zu verfassen, war ich in der Lage, meine eigene Trauer mit einzubringen.

Meine Protagonistin Katja, deren Eltern ums Leben gekommen sind, steht alleine da, ohne Angehörige. Außer einem Freund aus der Nachbarschaft hat sie niemanden. Sicherlich ist es dann noch schwieriger die Trauer zu bewältigen. Um endlich wieder ein normales Leben führen zu können, nimmt Katja eine Einladung von ihrem ehemaligen Studienprofessor aus Cornwall an. Doch auch dort fühlt sie sich einsam, bis sie von einigen Geheimnissen erfährt, die sie neugierig machen.
Sie ist erstaunt, was für Schicksale die Menschen mit sich herumtragen. Als sie jedoch von einem ungeklärten Verbrechen erfährt, gerät ihr eigenes Leben in Gefahr. Wäre es besser gewesen, sie hätte auf diese Reise verzichtet?

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Ihre Rita Hajak


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