Samstag, 27. November 2010

Rezension: Animal triste - Monika Maron

Heute möchte ich die erste Rezension, die ich je in meinem Leben verfasst habe, vorstellen. Ich ließ diese Rezension im Jahre 1999 Reich-Ranicki zukommen, nachdem ich in Frankfurt im Verlagshaus Fischer zur Lesung bei Monika Maron war und wenig später, nicht ganz einverstanden mit den Ausführungen im "Literarischen Quartett", zur Feder griff. Dem begnadeten Literaturkritiker schien die Rezension gefallen zu haben, denn er schickte mir in der Folge 2 Freikarten für die Vorstellung seiner Biografie in den Räumen des Goethe-Institutes, direkt neben dem Geburtshaus von Goethe in Frankfurt.

Von Reich-Ranickis Vortrag ist mir nach 11 Jahren kaum mehr etwas im Gedächtnis geblieben, allerdings habe ich noch immer das Bild vor mir, als er im Anschluss an die Lesung wie ein junger Gott (er hatte wenige Monate zuvor seinen 79.Geburtstag gefeiert) vom Podium hüpfte, um mit einigen hübschen Frauen vergnügt zu flirten. Goethe auf Wolke 7 hat sich gewiss gefreut, dies zu sehen, denn auch er warf bekanntermaßen im fortgeschrittenen Alter noch Äugelchen. :-))

3 Jahre später, im November 2002 begann ich dann auf der Amazonplattform Rezensionen zu verfassen und hätte diesen Schritt vermutlich niemals gewagt, wenn Herr Reich-Ranicki mich durch die Einladung zu seiner Lesung nicht zum Schreiben motiviert hätte. Ihm sei an dieser Stelle nochmals recht herzlich gedankt.

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Aninmal Triste- Monika Maron

Dieser Roman ist ein wirklich gelungener Beitrag zum Hohenlied der Minne.

Hier überwindet eine Frau, ob gewollt oder ungewollt sei dahingestellt, ihren Penthesileakomplex. Hier huldigt eine Naturwissenschaftlerin der Minne und zwar so, wie es beinahe tausend Jahre zuvor bereits einige südfranzösische Troubadoure taten und dennoch ist der Lobgesang alles andere als abgeschmackt.

Die Liebe an sich, nahezu unabhängig von ihrem Objekt, ist das zentrale Thema des Romans. Diese Liebe wartet darauf aus dem Menschen hervorzubrechen, - mithin keineswegs, wie landläufig angenommen, über ihn hereinzubrechen -, sich an einem Objekt zu entzünden, unkontrolliert, einen Flächenbrand zu bewirken, der alles, was das Individuum ausmacht, unwichtig werden läßt oder gar zerstört und am Ende das seligmachende Nichts zum Ergebnis hat.

Damit diese Liebe voll nach außen dringen kann, bedarf es offenbar einer philosophischen, möglicherweise auch religiösen oder ideologischen Bindungslosigkeit, herbeigeführt durch Desillusionierung gleich welcher Art.

Bei der Protagonistin hat sich diese Konstellation durch des Ende der DDR-Regimes und damit verbunden, durch den Wegfall alter, überkommener Denk- und Wertschablonen ergeben. Bleibt zu überlegen, ob besagte Zusammenhänge für das eruptive Hervorbrechen von Liebe eine "Conditio sine qua non" verkörpern.

Die Liebe, einmal herausgeschleudert, wie ein Dschinni aus der Flasche, läßt sich in diese nicht mehr zurückweisen, auch dann nicht, wenn das Objekt der Liebe bereits den Rückzug angetreten hat oder vielleicht sogar nicht mehr existent ist.

Sie führt, sowohl im als auch außerhalb des Menschen eine Eigenleben, ist Akteurin und läßt den Betroffenen zum Somnabulen, gleichsam zur entscheidungsunfähigen Ziehpuppe mutieren.

Demnach wird in "Animal triste" die Liebe als imposantes Naturschauspiel gezeigt.

Fasziniert beobachtet der Leser das Geschehen und konstatiert, daß die hier stattgefundene Eruption das vermeintliche Ich vollständig abgetragen hat.

Wenngleich die so gezeichnete Liebe eine alles zerstörende Naturgewalt zu sein scheint, ist sie aber auch eine nicht zu unterschätzende Chance für den Einzelnen, endlich von dem Korsett seiner individuellen Eitelkeiten und Egoismen loszukommen und auf diese Weise eins zu werden mit der Natur.

Vielleicht beruht genau auf dieser Möglichkeit die Meinung der Protagonistin, daß man im Leben nichts versäumen könne, als die Liebe.


Donnerstag, 25. November 2010

Interview: Markus Lanz über sein Buch »Grönland - Meine Reisen ans Ende der Welt«

Fernsehmoderator, Schriftsteller
und Fotograf: Markus Lanz
Es gibt viele Prominente, die ihr Privatleben fast schon mit Genuss in aller Öffentlichkeit ausbreiten. Über viele Promis wissen wir daher mehr, als uns eigentlich lieb ist. Doch es gibt auch jede Menge bekannte Persönlichkeiten, die wir praktisch tagtäglich sehen, über deren Privatleben aber so gut wie nichts bekannt ist. Fernsehmoderator Markus Lanz gehört sicher dazu. Oder wussten Sie, dass der ZDF-Moderator seit 15 Jahren immer wieder nach Grönland und in die Arktis reist und dort seiner Leidenschaft, dem Fotografieren nachkommt? Über seine Reisen ans „Ans Ende der Welt“ bringt er jetzt mit „NATIONAL GEOGRAPHIC“ ein Buch heraus.

Herr Lanz, vom warmen und mutmaßlich gemütlichen Fernsehstudio bis nach Grönland und in die Arktis ist es ja – vorsichtig formuliert – ein weiter Weg. Wie kam es dazu, dass Sie diesen Weg vor rund 15 Jahren für sich entdeckt haben?

Diese Region wollte ich ehrlich gesagt schon immer bereisen. Ich hatte das Gefühl, ich müsste diese unglaubliche Eislandschaft wenigstens einmal im Leben gesehen haben. Ich wollte vor allem der Frage nachgehen: Wie kann man in einer solch „menschenfeindlichen“ Umgebung leben? Wenn man zum Beispiel ein grönländisches Kind fragt: „Wie sieht ein Baum aus?“, guckt es dich mit großen Augen fragend an. Ich bin schließlich immer wieder nach Grönland gereist, um besser zu verstehen und Antworten auf meine Fragen zu bekommen. Inzwischen habe ich allerdings das Gefühl, je öfter ich nach Grönland reise, desto mehr Fragen tun sich auf und desto rätselhafter wird dieses Land für mich.



Ich denke, die wenigsten Menschen waren bisher in diesem Teil der Welt. Können Sie uns die „Faszination Arktis“ etwas näher bringen?

Es ist so: In Grönland läuft alles nach Plan. Leider ist dieser Plan nie der eigene. So kann einem, wenn man auf Reisen ist, auch mal ein gewaltiger Schneesturm dazwischen kommen. Wenn man das mal miterlebt hat, dann versteht man, was Naturgewalten alles ausrichten können. Es ist einfach ein wahres Abenteuer, in Grönland zu reisen. So wie grönländische Jäger, nämlich in erster Linie mit dem Hundeschlitten oder eben im Sommer mit kleinen Booten.

Sie haben gerade das Wort „Abenteuer“ gebraucht. Ist beim Abenteuer Grönland bei Ihnen auch mal Angst im Spiel?

Angst habe ich komischerweise nie. Und zwar nicht etwa, weil ich kein ängstlicher Mensch bin. Aber wenn ich die Jäger begleite, sehe ich, wie sie die Natur verstehen. Sie lesen die Spuren im Schnee, wenn sie auf die Jagd gehen. Selbst im dichtesten Nebel finden sie immer wieder ihren Weg nach Hause. Außerdem haben sie diese unglaublichen Hunde, auf die sie sich blind verlassen können. Wenn etwas Gefährliches passiert, dann hast du mit den Huskies eine großartige Lebensversicherung. Jeder Eisbär sucht sofort das Weite, wenn er die Huskies sieht, denn er weiß genau: Gegen diese Hunde hat er im Grunde keine Chance.



Sie verdienen Ihr Geld im Showbusiness – wie groß ist der „Kulturschock“, wenn es Sie wieder in den kalten Teil der Welt zieht?

Es ist vor allen Dingen etwas, was ich brauche, um einen gesunden Ausgleich zu bekommen. Diese Stille, die du dort erlebst, macht etwas mit dir. Und es ist ganz interessant, das zu erleben. Unser Gehirn ist wahnsinnig reizüberflutet, wir brauchen die ganze Zeit neue Zerstreuung: Wir brauchen die Zeitung, das Fernsehen und das Internet. In Grönland ist dann plötzlich alles weg. Du bist zurückgeworfen, auf dich allein gestellt. Zu Anfang wirst du nervös und unruhig. Mit der Zeit lässt man sich aber auf die Umgebung ein und wird ruhiger. Irgendwann fängt man schließlich an weniger zu denken. Bis der Zeitpunkt kommt, besonders auf so langen Märschen, wo Du gar nicht mehr denkst und sprichst. Das tut unheimlich gut. Umgekehrt, wenn man dann zurückkommt ins laute Fernsehstudio, ist das Umstellen natürlich gar nicht so einfach.

Das klingt nach einer „Beziehung“, die wohl noch länger andauern wird, oder?

Ich glaube, man hasst Grönland oder man liebt es. Wenn man bereit ist auf bestimmte Annehmlichkeiten zu verzichten und im Zweifel mal zwei Wochen auf das Duschen verzichten kann, dann gibt es meiner Meinung nach wenig schönere und vor allem romantischere Plätze als die Arktis. Ich werde da mit Sicherheit noch oft hinreisen. Wenn man mich allerdings richtig quälen möchte, dann schenkt man mir zwei Wochen Mallorca. Das wäre so ziemlich das Ende für mich.

Seit bald 15 Jahren sind Sie in der Fernsehbranche, nun haben Sie ein Buch über Ihre Grönland-Erlebnisse geschrieben und auch selber dafür fotografiert. Wie ist das für einen „Fernsehmann“, dann auf die Materie Buch umzuschwenken?

Ich habe 2007 mein erstes Buch geschrieben, da ich immer schon großen Spaß am Schreiben hatte. Das ist ein schönes Gefühl, etwas Bleibendes zu schaffen. Da steckt für mich eine große Motivation dahinter, seine Erlebnisse zu Papier zu bringen und irgendwann sein „Baby“ vor sich liegen zu haben: Ein schönes Buch, das nicht so flüchtig ist wie eine Fernsehsendung, die ja in dem Moment zu Ende ist, nachdem sie gesendet wurde.

Das Buch “Grönland – Meine Reisen ans Ende der Welt” erscheint bei NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND und ist für 39,95 € im Buchhandel und unter www.nationalgeographic-shop.de erhältlich.

Gebundene Ausgabe: 285 Seiten

Verlag: National Geographic; Auflage: 1., Aufl. (1. Oktober 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3866901957
Größe und/oder Gewicht: 30 x 25 x 3 cm

Bild Markus Lanz: Mit freundlicher Genehmigung des National-
Geographic-Verlags.



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