Mittwoch, 12. August 2015

Alien – Die Verwandlung zur Libelle

Liebe Leserinnen und Leser!

Mein kleiner Gartenteich, direkt an meiner Terrasse gelegen, ist für mich ein ständiger Hort der Freude. An und in ihm tummelt sich, neben den obligatorischen Grünalgen, allerlei Fauna und Flora. 





Auch »mein Lisa« fand von Anfang an gefallen an dem munteren Treiben, wie das Foto schön zeigt. 






Den Goldfischen geht es gut, auch Frösche haben sich angesiedelt. 




Einer näherte sich mir bereits, vermutlich wollte er unter Vortäuschung falscher Tatsachen von mir geküsst werden! 
















Ich bin doch nicht blöd! Ich küsse keine Frösche, aus gutem Grund:












Vermehrt haben sich die beiden Turteltauben und wie die Natur nun einmal so ist, liefert sie mit ihrem Laich Lebendfutter für eine besondere Gattung von Wasserbewohnern: Libellenlarven.

Wie Monster aus der Urzeit huschten diese am Wassergrund hin und her, fraßen gierig, was ihnen nicht schnell genug entkommen konnte. Aber keine Angst, einige Kaulquappen konnten den Räubern entkommen!

Wie wir alle wissen, ist irgendwann Schluss mit räubern. Dann ist der Moment der Metamorphose gekommen, den ich mehrmals verpasst habe. So fand ich urplötzlich am Schilf nur leere Larvenhüllen vor, an denen Libellen klebten, die ihre Flügel in der Sonne trockneten. Das weckte natürlich meinen Ehrgeiz. Morgen für Morgen schlich ich um meinen Teich herum, scannte die Uferpflanzen in der Hoffnung, ein Urmonster zu entdecken.

Ich will es nicht über Gebühr spannend machen. Am vergangenen Montag war es endlich soweit: Ich hatte das Morgenlied noch auf den Lippen, als ich fündig wurde. Alien war sogar so nett und drehte sich der Terrasse zu. So konnte ich das Objektiv wechseln und die Kamera auf ein Stativ setzen. Der Prozess ging über mehrere Stunden. Gegen 7.00 Uhr habe ich das erste Bild geschossen, um 13.00 Uhr war die Speicherkarte voll und die Verwandlung soweit abgeschlossen. Die Bilder habe ich zu einem Clip zusammengefasst, den ich Ihnen voller Stolz präsentieren möchte.
Herzlichen Dank für die Musik:
Summer Days (Kai Engel) / CC BY-NC 4.0
Free Music Archive.



Jetzt können wir diesem Wunder der Natur nur alles Gute wünschen.

Übrigens hat das Münsterland noch mehr zu bieten, z. B. das hier! Im Übrigen »Ein Buch lesen!« auch.

Bleiben Sie mir gewogen!

Ihre 

Sylvia B.



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Sonntag, 9. August 2015

290 »Die Wahrheit?«

 »Die Wahrheit«,
Teil 290 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Jesus wird verhaftet

Die Frage nach Wahrheit scheint eine einfache zu sein, wenn man nicht theologisch denkt. Vermelden die Evangelien die Wahrheit über Jesu Verhaftung, Prozess, Misshandlung und Hinrichtung Jesu die historische Wahrheit? Hans Conzelmann (1915-1989) verwundert den Laien mit einer befremdlich anmutenden Antwort (1): »Die Frage, ob die Auferstehung Christi ›ein historisches Ereignis‹ sei, ist theologisch abwegig.« Conzelmann, 1954 Extraordinarius an der Uni Zürich, 1956 ordentlicher Professor, von 1960 bis 1978 Inhaber des Lehrstuhls für »Neues Testament« an der Georg-August-Universität Göttingen, schreibt weiter (2): »Die Frage nach der Historizität der Auferstehung muß als irreführend aus der Theologie ausgeschieden werden. Wir haben andere Sorgen.«

Worüber aber macht sich der Theologe Sorgen in Sachen Glauben, wenn die Frage nach der historischen Wahrheit des für das Christentum bedeutsamsten Ereignisses »theologisch abwegig« ist?

Foto 2: Jesus wird vor Kaiphas gezerrt

Erstaunlich ist, wie rapide theologische »Erkenntnisse« über historische Hintergründe wachsen. So stellte Conzelmann 1983 im »Arbeitsbuch zum Neuen Testament« (3) noch lapidar fest: »Der historische Grundbestand der gesamten Passionstradition erweist sich also als relativ schmal: Viel mehr als die Tatsache der Verurteilung und der Kreuzigung läßt sich historisch nicht absichern.« 2004 erschien die 14. Auflage des gleichen Opus, von Andreas Lindemann fortgeführt. Jetzt heißt es: »Der historisch gesicherte Grundbestand der Passionstradition erweist sich als relativ schmal. Unbezweifelbar ist die Tatsache der Verurteilung Jesu, ferner seine Kreuzigung und sein Tod, überaus wahrscheinlich ist die Beisetzung des Verstorbenen durch einen Fremden.«

Weltweit wird in christlichen Predigten die Leidens- und Sterbegeschichte Jesu als historisch gepredigt. Mich hat auf meinen Reisen der naive Glaube an die Wahrheit der biblischen Schriften beeindruckt, im kleinen Kirchlein auf der einsamsten Insel der Welt, der Osterinsel, ebenso wie in der riesigen Basilika der »Jungfrau von Guadalupe« am Stadtrand von Mexico-City in »Villa da Guadalupe«.

Fotos 3 und 4: Jesus wird gedemütigt und gepeinigt

In der kleinen Kirche der Osterinsel erklärte mir der örtliche Geistliche voller Überzeugung: »Die Evangelien vermelden die Wahrheit über Jesu Leben, Wirken, Leiden und Sterben! Der Verlauf der Geschehnisse wird ja auch in außerbiblischen Quellen bestätigt!« Auf meine Frage hin, wo man denn in außerbiblischen Werken etwas über Jesus erfahren könne, wurde prompt und voller Überzeugung beantwortet: »Lesen Sie bei Tacitus nach! Da werden Sie fündig!« Bei Tacitus freilich erfahren wir nur, dass Nero die »Christianer« für den Brand Roms von 64 n.Chr. verantwortlich machte.

Foto 5: Jesus wird gegeißelt

Tacitus erklärt da lediglich, dass der Name »Christianer« auf Christus zurückgehe, der »unter der Herrschaft des Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war.« Als weitere Lektüreempfehlung legte mir der Geistliche den Historiker Sueton nahe. Von Sueton erfahren wir aber nur, dass Kaiser Claudius (10 v. Chr. bis 54 n. Chr.) »die Juden, die von Chrestus aufgehetzt, ständig Unruhe stifteten« aus Rom vertrieben hat. Es ist aber fraglich, ob mit »Chrestus« tatsächlich auch Jesus gemeint war. Chrestus könnte sehr wohl ein Jude gewesen sein, der in der ersten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts in Rom agierte und seine Glaubensgenossen gegen die römischen Autoritäten aufhetzte.

Ob denn auch jüdische Historiker Jesus erwähnen, wollte ich von meinem Gesprächspartner wissen. Der Geistliche legte mir Flavius Josephus ans Herz. Flavius Jopsephus allerdings erwähnt  nur einen gewissen Jakobus, der anno 62 (6) mit einigen Gesinnungsgenossen hingerichtet wurde. Und dieser Jakobus sein »ein Bruder Jesu, des sogenannten Christus« gewesen.

Foto 6: »Kreuzigt ihn!«
Schließlich zitierte der belesene Gottesmann noch eine weitere Stelle aus Flavius Josephus (7). Da geht es wiederum um Auseinandersetzungen zwischen Juden und Römern zu Zeiten des Pontius Pilatus. In diesem Zusammenhang wird Jesus in höchsten Tönen gepriesen und die Kreuzigung Jesu erwähnt (8): »Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten und Lehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen. So zog er viele Juden und auch viele Heiden an sich. Er war Christus. Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch seine frühesten Anhänger ihm nicht untreu. Denn er erschien am dritten Tage wieder lebend, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm vorherverkündet hatten. Und noch bis auf den heutigen Tag besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, fort.« Heute gilt allerdings dieser Passus als ein später eingefügter Text aus christlicher Feder, also als ein nicht von Flavius Josephus stammender Einschub (9).

Foto 7: Pilatus gibt nach
Ernst Bammel (1923-1996) wurde anno 1953 Privatdozent an der Universität Erlangen und 1984 Professor an der Universität Münster (»Wissenschaft des Judentums und neutestamentliche Theologie«). Der sympathische Gelehrte war auch im europäischen Ausland tätig. In den neunzenhundertsechziger und neunzehnhundertsiebziger Jahren hat er mehrere Gastprofessuren in Cambridge wahrgenommen. Sehr gern denke ich an mehrere Seminare, die ich bei Professor Bammel besuchte. Wir übersetzten damals Texte der »Qumran-Bibliothek« aus dem Hebräischen ins Deutsche. In kleiner Runde erörterten wir interessante Themen. Intensiv beschäftigten wir uns mit der Frage, ob Jesus in rabbinischen Texten erwähnt wird. Professor Bammel verwies auf einen in rabbinischer Literatur beschriebenen jüdischen Katzer namens »Jeschu«. Besonders konkret wurde der »Babylonische Talmud« (10):

»Am Vorabend des Pesahfestes hängte man Ješu. Vierzig Tage vorher hatte der Herold ausgerufen: Er wird zur Steinigung hinausgeführt, weil er Zauberei getrieben und Jisraél verführt und abtrünnig gemacht hat; wer etwas zu seiner Verteidigung zu sagen hat, der komme und sage es. Da aber nichts zu seiner Verteidigung vorgebracht wurde, so hängte man ihn am Vorabend des Pesahfestes.« Sollte damit wirklich Jesus gemeint sein? Das ist mehr als fraglich. Schließlich wurde Jesus weder gesteinigt, noch gehängt.

Was die »Wahrheit« über Jesu Leben, Wirken, Leiden und Sterben angeht, so ist unklar, ob die rabbinische Literatur überhaupt brauchbare Informationen bietet. Nach Professor Bammel wissen wir nicht, ob mit dem Ketzer Jeschu überhaupt der Jesus des Neuen Testaments gemeint ist. Wir sind bei unserer Wahrheitssuche auf die vier Evangelien angewiesen. Und bieten die uns »die Wahrheit«? So erweckt das Evangelium nach Markus (11) den Eindruck, als ob die Verhandlung gegen Jesus vor dem jüdischen Synedrium unmittelbar nach der Verhaftung in der Nacht stattfand. Das wäre rechtlich nicht möglich gewesen. Erweckt wird auch der Eindruck, als ob Jesu Behauptung »Sohn des Hochgelobten« zu sein nach jüdischer Rechtsprechung damals eine Gotteslästerung gewesen sei und somit als ein Kapitalverbrechen mit der Todesstrafe geahndet werden musste. Auch das ist falsch.

Foto 8: Jesus wird gedemütigt und vorgeführt

Seltsam mutet das Verhör Jesu durch Pilatus an (12). Es ist wohl kaum historische Wahrheit, dass Pilatus Jesus als »König der Juden« titulierte, so wie im Evangelium nach Markus behauptet wird (13): »Pilatus aber antwortete ihnen: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden losgebe?... Pilatus aber fing wiederum an und sprach zu ihnen: Was wollt ihr denn, dass ich tue mit dem, den ihr den König der Juden nennt?« Diese Worte wurden dem Römer wohl von Anhängern des jungen Christentums in den Mund gelegt.

Wenn Jesus gekreuzigt wurde, dann können das keine noch so mächtigen Juden veranlasst haben, sondern nur Vertreter der römischen Staatsbehörde. Die Kreuzigung war römische, nicht jüdische Hinrichtungsart. Das Todesurteil Kreuzigung muss von der römischen Justiz verhängt und ausgeführt worden sein. Demütigung, Misshandlung und Hinrichtung am Kreuz können also sehr wohl der historischen Wirklichkeit entsprechen. Sollten die Römer als religiös motivierten Aufständischen gesehen haben? Das ist möglich. Fürchteten die Römer eine religiös verbrämte Rebellion der allerdings machtlosen Juden? Wollten sie eine potentielle Gefahr schon im Keim ersticken? Dann machte es aus römischer Sicht Sinn, wenn sie sich über den »Messias« lustig machten und ihn folterten und durch die Straßen Jerusalems zur Hinrichtungsstätte trieben. So sollte den Juden jede Hoffnung auf einen Messias genommen werden, der sie von den Römern befreien würde.

Foto 9: Tod am Kreuz
Außerbiblische Quellen bieten nichts Brauchbares über Jesu Leben und Tod. Die Evangelien weisen den Juden die Schuld am Tode Jesu zu, sprechen die Römer von der Verantwortung frei. So muss Pontius Pilatus dem hasserfüllten Begehren der Juden nachgeben. Warum wird die Tragödie um Jesu Tod so römerfreundlich und vermutlich historisch nicht korrekt dargestellt? Das »Arbeitsbuch zum Neuen Testament« (14) bietet eine plausible Antwort:»Besonders bei Lukas, zumal in dessen Apostelgeschichte, wird deutlich, daß die sich ausbreitende christliche Gemeinde auf eine Duldung durch die römischen Behörden angewiesen ist; dabei geht es offenbar nicht um die Furcht vor römischen Verfolgungen, sondern Lukas will zeigen, daß die christliche Gemeinde für Rom keine Gefährdung darstellt.«

Für mich war die Diskrepanz zwischen gepredigtem Glauben einerseits und »wissenschaftlicher Theologie« andererseits der ausschlaggebende Anlass, mein Studium der evangelischen Theologie abzubrechen.


Fußnoten

(1) Conzelmann, Hans: »Grundriß der Theologie des Neuen Testaments«, Tübingen, 6. Auflage 1979, S. 227, Orthographie wurde unverändert übernommen
(2) ebenda, S. 228, Orthographie wurde unverändert übernommen
(3) Conzelmann, Hans: »Arbeitsbuch zum Neuen Testament«, Tübingen, 7. Verbesserte und ergänzte Auflage, S. 390, Orthographie wurde unverändert übernommen, Orthographie unverändert übernommen
(4) Conzelmann, Hans: »Arbeitsbuch zum Neuen Testament«, Tübingen, 14., durchgesehen Auflage, S. 505, Orthographie wurde unverändert übernommen
(5) Tacitus: »Annalen«, XV 44,2 und folgende
(6) Flavius Josephus, »Jüdische Altertümer«, XX 200
(7) Flavius Josephus, »Jüdische Altertümer«, XVIII.
(8) Theißen, Gerd und Merz, Annette: »Der historische Jesus/ Ein Lehrbuch«, 3 Auflage, Göttingen 2001, S. 75
(9) Siehe hierzu auch… Theißen, Gerd: Der historische Jesus/ Ein Lehrbuch, 3. Auflage, Göttingen 2001
(10) »bSanh43« zitiert nach Theißen/Merz, Der historische Jesus. Ein Lehrbuch. Göttingen, 3. Auflage 2001, S. 83.
(11) Evangelium nach Markus Kapitel 14, Verse 53, 55-64
(12) Evangelium nach Markus Kapitel 15, Verse 1-20
(13) Evangelium nach Markus Kapitel 15, Verse 9 und 12
(14) Conzelmann, Hans: »Arbeitsbuch zum Neuen Testament«, Tübingen, 14., durchgesehen Auflage, S. 508, Orthographie wurde unverändert übernommen

Alle Fotos: Altar Bad Segeberg - Walter-Jörg Langbein

291 »Mariae Himmelfahrt - Teil 1«,
Teil 291 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 16.08.2015

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