Sonntag, 8. April 2018

429 „Lasst die toten Riesen in den Gräbern!“

Teil  429 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“                         
von Walter-Jörg Langbein 
                    


Fotos 1 und 2: Reste einer Plattform heute (Foto 1, links) im 18. Jahrhundert (Foto 2, rechts).

Jakob Roggeveen (* 1. Februar 1659 in Middelburg; † 31. Januar 1729) war ein niederländischer Seefahrer und Forschungsreisender. Tatsächlich war Roggeveen nur der Namensgeber: Weil er die mysteriöse Insel am 5. April 1722,  Ostern also, erblickte, taufte er sie „Paaschen Eiland", „Osterinsel“. Carl Friedrich Behrens freilich dürfte der erste Europäer gewesen sein, der die „Osterinsel“ betreten hat!

Schon bei meinem ersten Besuch der „Osterinsel“ hatte ich Gelegenheit in einem spannenden Buch über die ersten Europäer auf dem Eiland zu lesen.

William J. Thomsons „Te Pito te Henua, or Easter Island“ ist 1891 erschienen (1). Thomson, der als unbedingt seriöse Quelle gelten darf, zitiert einen Bericht, den man sonst in der Literatur über die Osterinsel vergeblich sucht. Und zwar zitiert er Carl Friedrich Behrens, der über Begegnungen mit Riesen berichtet (2): „Wahrheitsgemäß könnte ich wohl sagen, dass diese Wilden von mehr als gigantischer Größe sind. Die Männer sind groß und breit, im Schnitt 3,65 Meter (3) groß. So erstaunlich es auch anmuten mag, aber der größte Mann unserer Besatzung konnte zwischen den Beinen dieser Kinder Goliaths hindurchgehen ohne auch nur den Kopf zu neigen. Die Frauen können nicht, was die Statur angeht, mit den Männern mithalten, da sie im Allgemeinen nicht größer als drei Meter sind.“ Sollte es noch Ende des 19. Jahrhunderts „Riesen“ auf der Osterinsel gegeben haben?

Foto 3: Gab es einst Riesen auf der Osterinsel?

Vor langer Zeit entstand nämlich auf dem kleinen Eiland in den Weiten des Pazifik ein seltsamer Mythos, in dem berichtet wird, wie der Fliegende Gott Make Make die erste Frau erschuf. Dieser fantastische Bericht deckt sich mit dem der Bibel, obgleich beide völlig unabhängig voneinander sind. Wie in der Bibel wird auch hier der erste Mensch betäubt, und eine Rippe wird ihm entnommen.

Noch heute erzählen die Osterinsulaner eine sonderbare Begebenheit, die sich vor langer Zeit abgespielt haben soll. Die Überlieferung legt nahe, dass es einmal Riesen auf der Osterinsel gab, dass aber diese Giganten die Ausnahme und nicht die Regel waren.

Foto 4: Die Tangata-Höhle.

Irgendeinmal, in grauer Vorzeit, sollen einige einfache Fischersleute eine Entdeckung gemacht haben: Ein menschenähnliches Wesen von kolossalem Körperbau sei dem Meer entstiegen. Es habe dann seine schwarze, glänzende Haut ausgezogen und sei in Richtung des Dorfes gegangen.

Die Fischer holten Verstärkung, griffen das fremde Wesen an und töteten es. Wenige Tage nach dem Mord am Riesen tauchte ein zweiter auf, der der Sage nach möglicherweise nach seinem Bruder suchte. Auf der Insel traf er keinen Menschen an, da alle Einwohner der Osterinsel Verstecke aufgesucht hatten. Sie fürchteten, für den Mord am Riesen bestraft zu werden.

Woher mögen die Riesen gekommen sein? Sollte es sich bei der ausziehbaren Haut um so etwas wie einen Taucheranzug gehandelt haben?

Im Alten Testament heißt es ja, dass die Riesen aus der Verbindung zwischen Göttersöhnen und Menschentöchtern hervorgingen. Haben einige dieser „Göttersöhne“ versucht dem einen oder dem anderen Riesen zu helfen? Gaben sie ihnen Taucheranzüge, um in einer Flutkatastrophe eine echte Chance zu haben? Vor rund 10.000 Jahren gab es so eine Sintflut in der Südsee.

Foto 5: In der Menschenfresserhöhle.

Bei meinem ersten Besuch auf der Osterinsel musste ich feststellen, dass nur wenige Einheimische überhaupt dazu bereit waren von den Riesen zu sprechen. Einige Male bekam ich zu hören: „Die steinernen Statuen stellen diese Riesen dar!“ Die sterblichen Überreste der Riesen, so ließ gar der Ortsgeistliche vernehmen, sollen unter einer der Plattformen bestattet worden sein, auf der einst steinerne Riesen standen.

Er selbst, so der christliche Gottesmann, glaube natürlich nicht an einen solchen „Unsinn“. „Und die meisten Menschen von Rapa Nui wollen heute nichts mehr von diesen Schauergeschichten wissen!“ Archäologische Funde, die die  alte Sage von Riesen auf der Osterinsel bestätigen könnten, sind meines Wissens in der wissenschaftlichen Literatur nicht erwähnt.

Wer freilich die wissenschaftliche Literatur über die Osterinsel gründlich liest, muss erkennen, dass sehr wenig wirklich gesichertes Wissen gibt. Fakt ist wohl, dass die ältesten Statuen der Osterinsel nicht aus dem weich-porösen Tuff, sondern aus Basalt gemeißelt wurden. Einst soll es viele Basalt-Statuen gegeben haben, sie wurden aber irgendwann „beseitigt“ und „begraben“. Angeblich ruhen sie – und das wurde mir bei verschiedenen Besuchen immer wieder erzählt – unter steinernen Podesten beerdigt, auf denen ihre „Nachfolger“ aufgestellt wurden. Andere hätten die „Vorfahren“ zerschlagen und als Baumaterial für die „Podeste“ verwendet.

Foto 6: Der Basaltriese im British Museum

„Lasst die toten Riesen in den Gräbern!“, meinte der Geistliche. Ich glaube, er meinte das allgemeiner, im Sinne von „Lasst die Vergangenheit in Vergessenheit geraten!“

Am Sonntag nach dem Gottesdienst erzählte er mir vom „entsetzlichen Heidentum“. Er sehe eine deutliche Gefahr aufkommen. Welche? Die Rückkehr zum Glauben der „heidnischen Zeit“!

Verächtlich meinte der „Gottesmann“, die „Ureinwohner“ hätten einst „Sonne, Mond und Sterne“ angebetet. Tatsächlich scheinen die „Ureinwohner“auf dem Gebiet der Astronomie bewandert gewesen zu sein. Wichtige Begräbnisstätten wurden offenbar nicht an zufällig gewählten Orten geschaffen. Sie markierten vielmehr wichtige „Linien“, die  von großer Bedeutung gewesen sein sollen.

Foto 7: Gang zum Grab des legendären Königs?

Eine besonders wichtige Linie markierte bedeutsame Sonnenstände. Der legendäre König Hotua Matua soll an der Südküste der Osterinsel bestattet worden sein. Rei Pua, die Schwester des Königs, fand auf der gegenüberliegenden Seite der Insel ihre letzte Ruhestätte. Verbindet man beide Gräber, so ergibt es eine astronomisch wichtige Linie, die den Morgen der Sommersonnwende und den Abend der Wintersonnwende kennzeichnet.

„Mein“ Geistlicher: „Für die Heiden gab es einen ewigen Kreislauf. Die Natur 'starb' und wurde wieder 'geboren'. Mag sein dass Menschenopfer dargebracht wurden, um diesen Kreislauf in Bewegung zu halten!“

Tatsächlich wird auch in Wissenschaftskreisen darüber diskutiert, ob es Kannibalismus auf der Osterinsel gab. Warum? Gab es Stammeskriege? Wurden die Verlierer aufgegessen? Oder gab es so extreme Hungersnöte, dass die Menschen um nicht elendig zugrunde zu gehen Menschenfleisch vertilgten?

noch unheimlich und düster wirkende Höhle in den gewachsenen Fels, fast fünf Meter ist sie hoch und am Eingang zum Pazifik fast zehn Meter breit. Vogel-Mensch-Wesen zieren die Wände, über ihre wahre Bedeutung kann nur spekuliert werden. Angeblich sind die meisten der Felsmalereien in der unheimlichen Höhle im Lauf der Jahrhunderte verschwunden.

Foto 8: Tourismus, Fluch oder Segen für die Osterinsel?

Vor allem die jungen Menschen, die heute auf der Osterinsel leben, erinnern sich wieder an  alte Bräuche, befragen die Ältesten nach den heiligen Gesängen und den rituellen Tänzen. Voller Stolz erlernen sie die Sprache der Ureinwohner, kleiden sich zu festlichen Anlässen nach alter Sitte und hüten ihr kostbares Erbe. Die „Heiligen Stätten“ werden strenger denn je bewacht. Das ist leider auch nötig. Denn es sind Vertreter der „zivilisierten Länder“, die im 19. Jahrhundert Elend über die Osterinsel brachten. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind es wieder Menschen unserer „Kultur“, die als Touristen die Osterinsel heimsuchen und so manchen Schaden verursachen. Mancher Besucher lässt es an Respekt vor altem Kulturgut fehlen. Da werden Namen in Höhlenwände geritzt oder Statuen beschädigt.

Fußnoten
1) Thomson, William J.: „Te Pito te Henua, or Easter Island“, Washington 1891

2) ebenda, S. 462. Die Originalausgabe von Thomson liegt mir leider nicht mehr vor. Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein.

Siehe auch Schoch, Robert M.: Die vergessene Zivilisation/ Die Bedeutung der Sonneneruptionen in Vergangenheit und Zukunft, eBook-Ausgabe, Ancient Mail Verlag Werner Betz, 1. Auflage. Groß Gerau Juli 2014 (Kapitel 5 Te Pito Te Henua, Unterkapitel Legenden von Riesen.) 

Schoch gibt ein Zitat von Thomson wieder. William J. Thomson schreibt im Kapitel Personal Appearance of the Natives: „Behrens solemnly states that a boat came off to the ship steered by a single man, a giant 12 feet high, etc. He afterwards observes, ›with truth I might say that these savages are all of more than gigantic size. The men are tall and broad in proportion, averaging 12 feet in height. Surprising as it may appear, the tallest men on board of our ship could pass between the legs of these children of Goliath without bending the head.‹ The women can not compare in stature with the men, as they are commonly not above 10 feet high.« 

3) 12 Fuß bei Thomson
4) Thomson, William J.: „Te Pito te Henua, or Easter Island“, Washington 1891, Kapitel „Cannibalism“

Zu den Fotos
Foto 9: Basaltfigur.
Fotos 1 und 2: Reste einer Plattform heute (links, Foto 1) im 18. Jahrhundert (rechts. Foto 2). 
Foto 1: Foto Walter-Jörg Langbein. 
Foto 2: Gemälde 18. Jahrhundert, Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Gab es einst Riesen auf der Osterinsel? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Blick in die Kai-Tangata-Höhle. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Felsmalerei in der Menschenfresserhöhle. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Der Basaltriese im „British Museum“, London, auf einer englischen Briefmarke. 
Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Gang zum Grab des legendären Königs? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Tourismus, Fluch oder Segen für die Osterinsel? Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Basaltfigur. Zeichnung Grete C. Söcker. Archiv Walter-Jörg Langbein


430 „Erich von Däniken zum 83.“
Teil  430 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint bereits am 14.04.2018,

am 83. Geburtstag von E.v.D.

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Sonntag, 1. April 2018

428 „Besuch bei einem monströsen Wesen aus Stein“


Teil  428 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“                         
von Walter-Jörg Langbein                       


Foto 1: Der „gestohlene Freund“ aus Basalt.

Die Kreatur wirkte gespenstisch. Auf scharfkantigen Schultern ruhte ein gewaltiger, unnatürlich langer Kopf. Trug das Wesen so etwas wie eine Maske, vielleicht sogar einen Helm? Die Augen starrten mich wie aus tiefen Höhlen durch die kleinen Öffnungen einer Maske oder eines Helms an. Nase und Mund waren kaum zu erkennen, waren nur angedeutet.

Die Augen wirkten bösartig und gemein. Der gewaltige, unnatürlich hohe Schädel hatte seltsame Beulen und Ausbuchtungen, er passte mehr in die Welt eines furchteinflößenden Horrorfilms als in ein Museum auf der mysteriösen Osterinsel. Immer wieder ließ ich den Lichtkreis meiner langsam schwächelnden Taschenlampe über dieses Wesen aus Stein wandern.

„Darf ich nicht doch ein Foto machen?“ Energisch schüttelte der „Chef“ der kleinen Privatpension am Rande von Hanga Roa, der „Hauptstadt“ der Osterinsel, den bärtigen Kopf. Der gutmütige Polynesier wohnte schon sein Jahrzehnten auf „Para Nui“, alias „Isla de Pascua“, à la „Osterinsel“. „Vielleicht kommt das Ding ja eines Tages in unser Museum. Dann kommst Du wieder und machst ein Foto!“ (1) Das war kein wirklicher Trost.

Fotos 2 + 3: Der gestohlene Freund unterwegs nach England.

Auf den ersten Blick erinnerte das Ding an die zum Teil gewaltigen Kolosse der Osterinsel. Eines hatten die etwa 1,40 Meter kleine Statue (2) mit den steinernen Riesen gemein: die eher schmächtigen Ärmchen lagen an den Seiten, die nur zu erahnenden Hände waren unnatürlich abgewinkelt, die Finger deuteten Richtung Nabel. Ansonsten aber gab es doch erhebliche Unterschiede. Kann man das Geschlecht der berühmten Osterinsel-Statuen nicht erkennen, so war die kleine Statue eindeutig weiblich. Deutlich auszumachen waren fast üppige Brüste.

Viel markanter aber war der lange, hohe Kopf. Die Figur maß von der Gürtellinie bis zum Hals in etwa 70 Zentimeter (3), genauso wie vom Halsansatz bis zu den „Haaren“. „Wir müssen wieder gehen!“, ermahnte mich „mein“ Pensionschef, der zugleich auch Koch, Empfangschef, Rezeptionist und Reiseführer war. Nirgendwo sonst auf der Welt schmeckte das morgendliche Toastbrot wie bei ihm. Höchstselbst spießte er Scheibe für Scheibe mit einer Gabel auf und hielt sie dann über die Flamme seines Gasherds in der Küche der Privat-Pension. Ich war viele Tage der einzige Gast, durfte mir immer wünschen, was es mittags oder abends zu essen gab. Die vegetarischen Gerichte, die mir zubereitet wurden, schmeckten köstlich.

„Wir müssen wieder gehen...“, ermahnte mich mein Pensionschef, der langsam etwas ungeduldig wird. Meine Uhr zeigte 5 Minuten vor 1 Uhr an. Das Ende der „Geisterstunde“ nahte. Entschlossen trat ich auf die steinerne Monstrosität zu. Die kleine Taschenlampe nahm ich in den Mund, hatte so beide Hände frei. Vorsichtig tastete ich die mysteriöse Skulptur ab. Die Oberfläche war glatt und feinporig, ganz anders als bei den Statuen, die einst zu Hunderten auf Sockeln standen, alle mit dem Rücken zum ewigen Pazifik.

Foto 4: 
Das „monströse Wesen“ aus Basalt.
Weite Flächen der Osterinsel sind förmlich übersät mit schwarzen Brocken: viele sind nur faustgroß, andere ähneln vom Format Fußbällen und wieder andere sind noch größer. Es handelt sich um Lavabrocken, die von Vulkanen wie Rano Kao (im Südwesten gelegen), Maunga Puakatiki (im Osten) und Maunga Terevaka (im Norden) ausgespuckt wurden. Die Osterinsel ist nicht ein kleines Stück Land mit Vulkanen. Sie ist in ihrer Gesamtheit vulkanisch. Sie verdankt ihre Existenz unterseeischen Vulkanausbrüchen in etwa dreitausend Metern Tiefe.

Vor drei Millionen Jahren durchbrach erstmals in der Region der heutigen Osterinsel glühend heiße Lava den Grund des Meeres. Gewaltige Lavamassen wurden empor geschleudert. Ein Vulkankegel wurde aufgetürmt. Vor zwei Millionen Jahren kam es zu einem weiteren Vulkanausbruch, wieder erhob sich ein Kegel aus dem Meer. Damit endet nicht die Vulkantätigkeit. Immer wieder gebiert die Erde aus ihrem glühenden Inneren vulkanische Riesen. Und so formiert sich langsam die Osterinsel: als das Resultat von Magma-Eruptionen aus dem Erdinneren. Der Vulkanismus lässt im Inneren der Osterinsel immer wieder Hohlräume entstehen. Nicht wenige dieser Höhlen wurden von den Insulanern entdeckt. Sie dienten als Kultstätten „im Leib von Mutter Erde“. Ob hier matriarchalisch orientierte Religionen zelebriert wurden?

Vor zweieinhalb Jahrtausenden, so gilt als gesichert, gab es zum letzten Mal vulkanische Aktivität auf der Osterinsel. Eher unansehnlich ist der kleine Puku-puhipuhi-Kegel im Osten des Eilandes. Übersetzt man diesen Namen des Vulkans, so heißt er „der Keuchende“ oder „der Schnaufende“. Der Name belegt eindeutig, dass die Osterinsulaner den Vulkan noch aktiv erlebt haben müssen. Das heißt: Die Osterinsel muss schon vor mindestens 2500 Jahren besiedelt gewesen sein. Das widerspricht der gängigen Lehrmeinung. Die Gelehrtenwelt ist sich nicht einig, wann die ersten Menschen auf die Osterinsel kamen.

Unterschiedliche Daten werden für die Ankunft des legendären Königs Hotu Matua genannt: 500 n. Chr., 1000 n. Chr. und 1500 n. Chr. Die letzte vulkanische Aktivität gab es aber 500 v.  Chr. Und schon damals müssen Menschen auf der Osterinsel gelebt haben, die noch aktiven Vulkanismus beobachten konnten. Die Geschichte der Besiedlung des Eilands muss also wesentlich weiter in die Vergangenheit zurückreichen als angenommen.

Die Osterinsel ist eine vulkanische Insel. Deshalb ist es doch ganz normal, dass erkaltetes Vulkangestein als Material für die weltberühmten Statuen verwendet wurde.

Foto 5: Kopf des „monströsen Wesen“ aus Basalt.
Es ist zwar nicht sonderlich hart, aber dennoch schwer zu bearbeiten. So sind die Osterinselriesen Zeugnis von hoher Steinmetzkunst. Die grässlich-monströse Statuette mit dem überlangen Kopf freilich ist ganz eindeutig nicht aus porösem Lavagestein gemeißelt worden wie die Osterinselkolosse, die aus dem Kraterrand des „Rano Raraku“-Vulkans herausgehauen wurden. Das monströse Wesen mit dem Aussehen eines „Leatherface“ wurde – wann auch immer – aus Basalt gearbeitet. Aber wann?

Im Oktober 1982 durfte ich in einem Bretterverschlag außerhalb von Hanga Roa, direkt am Pazifik, eine mysteriöse Statuette bestaunen, die so gar keine Ähnlichkeit mit den Riesenstatuen hatte. Zur Geisterstunde untersuchte ich die steinerne Kreatur so gut und gründlich ich konnte. „Das Material ist so glatt...“, stellte ich fest. „Ich habe zu Hause ein Foto von einer großen Statue, die aus dem gleichen Material gefertigt wurde...“  Ein letzter Versuch, das mysteriöse Ding doch noch im Foto festhalten zu dürfen, scheiterte kläglich. Zurück ging's, es war inzwischen 1.30 Uhr zur kleinen Privatpension.

Wie versprochen zeigte mir „mein“ Pensionswirt, der figurmäßig in Richtung Buddha tendierte, ein vergilbtes Schwarzweißfoto. Es zeigt eine „typische“ Osterinselstatue an Bord der Fregatte „HMS Topaze“. „1868 haben die Engländer unseren steinernen Freund entführt und nach England verschleppt!“ beklagte mein Gastgeber.

„Er ist aus dem gleichen Material gefertigt wie die Figur in der Hütte! Aus Basalt!“ Jahre später stand ich dem „gestohlenen Freund“ im Foyer des „British Museum“ London gegenüber. Mit einer Höhe von 2,42 m gehört er zu den kleineren Statuen, bringt aber immerhin rund vier Tonnen auf die Wage. Winzige Farbreste wurden entdeckt, so dass wir heute wissen: die Basalt-Statue war einst angemalt, und zwar in den Farben Schwarz und Weiß. Sollten alle Osterinselriesen einst bemalt gewesen sein?

Foto 6: Augenpartie des „monströsen Wesens“.

Bis heute heißt die Basalt-Statue „Hoa-haka-nana-ia“ im Londoner Museum in der Ur-Sprache der Osterinsulaner . Aber was heißt das? Die Osterinsulaner sind sich einig. Man könne, sagen sie, den Namen mit „Gestohlener Freund“ übersetzen. Im „British Museum“, so behauptete ein Kurator im Gespräch mit mir, bedeute „Meister Wellenbrecher“. Der seltsame Name freilich sei „frei erfunden“, weil man nicht so gern daran erinnert werde, dass die wertvolle Statue gestohlen wurde. Warum bringt man sie dann nicht in ihre Heimat zurück?

Bis zu zwanzig Osterinselstatuen sollen einst aus Basalt gemeißelte worden sein. Bis heute wurde aber auf der gesamten Osterinsel nur der Steinbruch der „Lava-Riesen“ an den Hängen des „Hanga Roa“-Kraters gefunden, einen Basalt-Steinbruch scheint es aber auf dem Territorium der heutigen Osterinsel nicht gegeben zu haben. Woher stammte dann der Basalt für die großen Statuen aus dem harten Material?

Immer wieder bekam ich von Osterinsulanern zu hören, es habe einst einen großen Basalt-Steinbruch gegeben. Das sei schon sehr sehr lange her. Damals sei „Isla la Pascua“ noch sehr viel größer gewesen. Große Teile der Osterinsel aber seien im Meer versunken, weil der Pazifik große Gebiet des Eilands wieder verschlungen habe. Wann aber soll das geschehen sein? Wann versanken Teile der Osterinsel im Pazifik, und mit ihnen der Steinbruch für die Basalt-Statuen?

Foto 7: Der „gestohlene Freund“ 
im „British Museum“ aus anderer Perspektive.

Erinnern wir uns: Nach der Mythologie der Osterinsel kamen die Ur-Bewohner des Eilands von einem im Westen gelegenen Königreich, das wie ein Atlantis der Südsee im Meer versunken ist. Dank des fliegenden Gottes Make Make konnte die Bevölkerung des von einer Sintflut heimgesuchte Landes umgesiedelt werden und auf der Osterinsel weiter leben.

Gab es eine „Sintflut“? Es gab einen dramatischen Anstieg des Meeresspiegels, dem die Basalt-Steinbrüche zum Opfer gefallen sein könnten. Allerdings liegt dieses katastrophale, apokalyptische Ereignis rund 10.000 Jahre zurück! Sollte das heißen, dass vor mehr als 10.000 Jahren die ältesten Statuen der Osterinsel geschaffen wurden? Ein Gedanke, der recht kühn zu sein scheint. Mehrere ältere Einheimische indes versicherten mir, sich gut an die Besuche von Jacques Cousteau (*1910, †1997) erinnern zu können. Der berühmte Marineforscher habe bei seinen Tauchgängen in einiger Entfernung von der Küste der Osterinsel auf dem Meeresboden Basalt entdeckt. Cousteau habe berichtet, dass seltsame „Löcher“ im Basalt offenbar künstlich, von Menschenhand geschaffen seien. Hat Cousteau einen der verschwundenen Basalt-Steinbrüche entdeckt?

Foto 8: Die berühmten Kolosse der Osterinsel.

Zu den Fotos

Foto 1: Der „gestohlene Freund“ aus Basalt. Foto: Wikimedia commons/ James Miles
Fotos 2 + 3: Der gestohlene Freund unterwegs nach England. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Das „monströse Wesen“ aus Basalt. Zeichnung Grete C. Söcker/ Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Kopf des „monströsen Wesen“ aus Basalt. Zeichnung Grete C. Söcker/ Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Augenpartie des „monströsen Wesens“. Zeichnung Grete C. Söcker / Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Der „gestohlene Freund“ im „British Museum“ aus anderer Perspektive. Foto: Wikimedia commons/ James Miles
Foto 8: Die berühmten Kolosse der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein

Fußnoten
1) Angeblich soll sich heute im kleinen Museum der Osterinsel eine solche steinerne Kreatur befinden. Ich kann aber nicht mit Sicherheit feststellen, ob es sich dabei um „meine“ Statuette handelt.
2) Schätzwert!
3) Schätzwert!

Ein herzliches Dankeschön....  
..... geht an Grete C. Söcker, die für mich mein „monströses Wesen aus Stein“ zeichnerisch rekonstruierte! So hat es ausgesehen! So habe ich es in Erinnerung! DANKE, Grete C. Söcker!

429 „Lasst die toten Riesen in den Gräbern!“,
Teil  429 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 08.04.2018



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