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Sonntag, 8. April 2018

429 „Lasst die toten Riesen in den Gräbern!“

Teil  429 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“                         
von Walter-Jörg Langbein 
                    


Fotos 1 und 2: Reste einer Plattform heute (Foto 1, links) im 18. Jahrhundert (Foto 2, rechts).

Jakob Roggeveen (* 1. Februar 1659 in Middelburg; † 31. Januar 1729) war ein niederländischer Seefahrer und Forschungsreisender. Tatsächlich war Roggeveen nur der Namensgeber: Weil er die mysteriöse Insel am 5. April 1722,  Ostern also, erblickte, taufte er sie „Paaschen Eiland", „Osterinsel“. Carl Friedrich Behrens freilich dürfte der erste Europäer gewesen sein, der die „Osterinsel“ betreten hat!

Schon bei meinem ersten Besuch der „Osterinsel“ hatte ich Gelegenheit in einem spannenden Buch über die ersten Europäer auf dem Eiland zu lesen.

William J. Thomsons „Te Pito te Henua, or Easter Island“ ist 1891 erschienen (1). Thomson, der als unbedingt seriöse Quelle gelten darf, zitiert einen Bericht, den man sonst in der Literatur über die Osterinsel vergeblich sucht. Und zwar zitiert er Carl Friedrich Behrens, der über Begegnungen mit Riesen berichtet (2): „Wahrheitsgemäß könnte ich wohl sagen, dass diese Wilden von mehr als gigantischer Größe sind. Die Männer sind groß und breit, im Schnitt 3,65 Meter (3) groß. So erstaunlich es auch anmuten mag, aber der größte Mann unserer Besatzung konnte zwischen den Beinen dieser Kinder Goliaths hindurchgehen ohne auch nur den Kopf zu neigen. Die Frauen können nicht, was die Statur angeht, mit den Männern mithalten, da sie im Allgemeinen nicht größer als drei Meter sind.“ Sollte es noch Ende des 19. Jahrhunderts „Riesen“ auf der Osterinsel gegeben haben?

Foto 3: Gab es einst Riesen auf der Osterinsel?

Vor langer Zeit entstand nämlich auf dem kleinen Eiland in den Weiten des Pazifik ein seltsamer Mythos, in dem berichtet wird, wie der Fliegende Gott Make Make die erste Frau erschuf. Dieser fantastische Bericht deckt sich mit dem der Bibel, obgleich beide völlig unabhängig voneinander sind. Wie in der Bibel wird auch hier der erste Mensch betäubt, und eine Rippe wird ihm entnommen.

Noch heute erzählen die Osterinsulaner eine sonderbare Begebenheit, die sich vor langer Zeit abgespielt haben soll. Die Überlieferung legt nahe, dass es einmal Riesen auf der Osterinsel gab, dass aber diese Giganten die Ausnahme und nicht die Regel waren.

Foto 4: Die Tangata-Höhle.

Irgendeinmal, in grauer Vorzeit, sollen einige einfache Fischersleute eine Entdeckung gemacht haben: Ein menschenähnliches Wesen von kolossalem Körperbau sei dem Meer entstiegen. Es habe dann seine schwarze, glänzende Haut ausgezogen und sei in Richtung des Dorfes gegangen.

Die Fischer holten Verstärkung, griffen das fremde Wesen an und töteten es. Wenige Tage nach dem Mord am Riesen tauchte ein zweiter auf, der der Sage nach möglicherweise nach seinem Bruder suchte. Auf der Insel traf er keinen Menschen an, da alle Einwohner der Osterinsel Verstecke aufgesucht hatten. Sie fürchteten, für den Mord am Riesen bestraft zu werden.

Woher mögen die Riesen gekommen sein? Sollte es sich bei der ausziehbaren Haut um so etwas wie einen Taucheranzug gehandelt haben?

Im Alten Testament heißt es ja, dass die Riesen aus der Verbindung zwischen Göttersöhnen und Menschentöchtern hervorgingen. Haben einige dieser „Göttersöhne“ versucht dem einen oder dem anderen Riesen zu helfen? Gaben sie ihnen Taucheranzüge, um in einer Flutkatastrophe eine echte Chance zu haben? Vor rund 10.000 Jahren gab es so eine Sintflut in der Südsee.

Foto 5: In der Menschenfresserhöhle.

Bei meinem ersten Besuch auf der Osterinsel musste ich feststellen, dass nur wenige Einheimische überhaupt dazu bereit waren von den Riesen zu sprechen. Einige Male bekam ich zu hören: „Die steinernen Statuen stellen diese Riesen dar!“ Die sterblichen Überreste der Riesen, so ließ gar der Ortsgeistliche vernehmen, sollen unter einer der Plattformen bestattet worden sein, auf der einst steinerne Riesen standen.

Er selbst, so der christliche Gottesmann, glaube natürlich nicht an einen solchen „Unsinn“. „Und die meisten Menschen von Rapa Nui wollen heute nichts mehr von diesen Schauergeschichten wissen!“ Archäologische Funde, die die  alte Sage von Riesen auf der Osterinsel bestätigen könnten, sind meines Wissens in der wissenschaftlichen Literatur nicht erwähnt.

Wer freilich die wissenschaftliche Literatur über die Osterinsel gründlich liest, muss erkennen, dass sehr wenig wirklich gesichertes Wissen gibt. Fakt ist wohl, dass die ältesten Statuen der Osterinsel nicht aus dem weich-porösen Tuff, sondern aus Basalt gemeißelt wurden. Einst soll es viele Basalt-Statuen gegeben haben, sie wurden aber irgendwann „beseitigt“ und „begraben“. Angeblich ruhen sie – und das wurde mir bei verschiedenen Besuchen immer wieder erzählt – unter steinernen Podesten beerdigt, auf denen ihre „Nachfolger“ aufgestellt wurden. Andere hätten die „Vorfahren“ zerschlagen und als Baumaterial für die „Podeste“ verwendet.

Foto 6: Der Basaltriese im British Museum

„Lasst die toten Riesen in den Gräbern!“, meinte der Geistliche. Ich glaube, er meinte das allgemeiner, im Sinne von „Lasst die Vergangenheit in Vergessenheit geraten!“

Am Sonntag nach dem Gottesdienst erzählte er mir vom „entsetzlichen Heidentum“. Er sehe eine deutliche Gefahr aufkommen. Welche? Die Rückkehr zum Glauben der „heidnischen Zeit“!

Verächtlich meinte der „Gottesmann“, die „Ureinwohner“ hätten einst „Sonne, Mond und Sterne“ angebetet. Tatsächlich scheinen die „Ureinwohner“auf dem Gebiet der Astronomie bewandert gewesen zu sein. Wichtige Begräbnisstätten wurden offenbar nicht an zufällig gewählten Orten geschaffen. Sie markierten vielmehr wichtige „Linien“, die  von großer Bedeutung gewesen sein sollen.

Foto 7: Gang zum Grab des legendären Königs?

Eine besonders wichtige Linie markierte bedeutsame Sonnenstände. Der legendäre König Hotua Matua soll an der Südküste der Osterinsel bestattet worden sein. Rei Pua, die Schwester des Königs, fand auf der gegenüberliegenden Seite der Insel ihre letzte Ruhestätte. Verbindet man beide Gräber, so ergibt es eine astronomisch wichtige Linie, die den Morgen der Sommersonnwende und den Abend der Wintersonnwende kennzeichnet.

„Mein“ Geistlicher: „Für die Heiden gab es einen ewigen Kreislauf. Die Natur 'starb' und wurde wieder 'geboren'. Mag sein dass Menschenopfer dargebracht wurden, um diesen Kreislauf in Bewegung zu halten!“

Tatsächlich wird auch in Wissenschaftskreisen darüber diskutiert, ob es Kannibalismus auf der Osterinsel gab. Warum? Gab es Stammeskriege? Wurden die Verlierer aufgegessen? Oder gab es so extreme Hungersnöte, dass die Menschen um nicht elendig zugrunde zu gehen Menschenfleisch vertilgten?

noch unheimlich und düster wirkende Höhle in den gewachsenen Fels, fast fünf Meter ist sie hoch und am Eingang zum Pazifik fast zehn Meter breit. Vogel-Mensch-Wesen zieren die Wände, über ihre wahre Bedeutung kann nur spekuliert werden. Angeblich sind die meisten der Felsmalereien in der unheimlichen Höhle im Lauf der Jahrhunderte verschwunden.

Foto 8: Tourismus, Fluch oder Segen für die Osterinsel?

Vor allem die jungen Menschen, die heute auf der Osterinsel leben, erinnern sich wieder an  alte Bräuche, befragen die Ältesten nach den heiligen Gesängen und den rituellen Tänzen. Voller Stolz erlernen sie die Sprache der Ureinwohner, kleiden sich zu festlichen Anlässen nach alter Sitte und hüten ihr kostbares Erbe. Die „Heiligen Stätten“ werden strenger denn je bewacht. Das ist leider auch nötig. Denn es sind Vertreter der „zivilisierten Länder“, die im 19. Jahrhundert Elend über die Osterinsel brachten. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind es wieder Menschen unserer „Kultur“, die als Touristen die Osterinsel heimsuchen und so manchen Schaden verursachen. Mancher Besucher lässt es an Respekt vor altem Kulturgut fehlen. Da werden Namen in Höhlenwände geritzt oder Statuen beschädigt.

Fußnoten
1) Thomson, William J.: „Te Pito te Henua, or Easter Island“, Washington 1891

2) ebenda, S. 462. Die Originalausgabe von Thomson liegt mir leider nicht mehr vor. Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein.

Siehe auch Schoch, Robert M.: Die vergessene Zivilisation/ Die Bedeutung der Sonneneruptionen in Vergangenheit und Zukunft, eBook-Ausgabe, Ancient Mail Verlag Werner Betz, 1. Auflage. Groß Gerau Juli 2014 (Kapitel 5 Te Pito Te Henua, Unterkapitel Legenden von Riesen.) 

Schoch gibt ein Zitat von Thomson wieder. William J. Thomson schreibt im Kapitel Personal Appearance of the Natives: „Behrens solemnly states that a boat came off to the ship steered by a single man, a giant 12 feet high, etc. He afterwards observes, ›with truth I might say that these savages are all of more than gigantic size. The men are tall and broad in proportion, averaging 12 feet in height. Surprising as it may appear, the tallest men on board of our ship could pass between the legs of these children of Goliath without bending the head.‹ The women can not compare in stature with the men, as they are commonly not above 10 feet high.« 

3) 12 Fuß bei Thomson
4) Thomson, William J.: „Te Pito te Henua, or Easter Island“, Washington 1891, Kapitel „Cannibalism“

Zu den Fotos
Foto 9: Basaltfigur.
Fotos 1 und 2: Reste einer Plattform heute (links, Foto 1) im 18. Jahrhundert (rechts. Foto 2). 
Foto 1: Foto Walter-Jörg Langbein. 
Foto 2: Gemälde 18. Jahrhundert, Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Gab es einst Riesen auf der Osterinsel? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Blick in die Kai-Tangata-Höhle. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Felsmalerei in der Menschenfresserhöhle. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Der Basaltriese im „British Museum“, London, auf einer englischen Briefmarke. 
Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Gang zum Grab des legendären Königs? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Tourismus, Fluch oder Segen für die Osterinsel? Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Basaltfigur. Zeichnung Grete C. Söcker. Archiv Walter-Jörg Langbein


430 „Erich von Däniken zum 83.“
Teil  430 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint bereits am 14.04.2018,

am 83. Geburtstag von E.v.D.

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Sonntag, 13. Dezember 2015

308 »Das Grauen der Osterinsel«

Teil 308 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Aufmarsch einiger Riesen

Als Schüler schrieb ich an die deutsche Botschaft in Santiago de Chile und bat um Unterlagen in Sachen Osterinsel. Monate später besuchte mich ein Mitarbeiter der deutschen Botschaft im Elternhaus. Er war auf Urlaub im Frankenland. Der freundliche Herr hatte einen Projektor dabei und führte meinen erstaunten Eltern einen Film über die Kolosse der Osterinsel vor. Das war 1968. Ich war damals 14 und hätte nie zu hoffen gewagt, jemals selbst »Isla la Pascua« besuchen zu können. In den vergangenen 25 Jahren war ich wiederholt auf dem geheimnisvollen Eiland.

Ich muss zugeben, dass ich mich sehr lange nur für die berühmten Steinkolosse interessiert habe. Wie wurden sie aus dem Stein gemeißelt? Wie wurden sie transportiert? Wie wurden sie aufgestellt? Ich muss zugeben, dass mich die jüngere Vergangenheit der Osterinsel nie wirklich interessiert hat. Ich muss zugeben, dass ich nur das Idyll der Osterinsel zur Kenntnis nehmen und genießen wollte. Kein anderes Fleckchen unseres Planeten kam mir so paradiesisch still vor. Auf der Osterinsel fühlte ich mich immer wie fern unserer lauten und hektischen Welt. Es kam mir immer so vor, als sei »Isla la Pascua« gar nicht wirklich von unserer Welt, als sei sie eine wunderschöne Oase in der Zeit.

Angeblich soll es an Orten, wo Menschen schlimmes Leid ertragen mussten, spuken. Angeblich sollen dort, wo Menschen ermordet wurden, Geister ihr Unwesen treiben. Wenn dem so wäre, dann müsste die Osterinsel ein Ort des Grauens sein, wie es nur der Großmeister des Horrors, Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) plastisch beschreiben kann (1). Das Grauen in Lovecrafts wird förmlich spürbar dank der Erzählkunst dieses großartigen Schriftstellers, war und ist aber fiktiv. Das Grauen auf der Osterinsel aber, es war – leider – real und wird bis heute gern verschwiegen und verdrängt.

Ich muss zugeben, dass mich die wohlklingenden Namen von Höhlen aus alten Zeiten sehr viel mehr interessierten als die jüngere Historie des Eilandes.  Ich besuchte den Steinbruch, also den Geburtsort der Riesenstatuen, liegende und aufgerichtete Steinkolosse und ich kroch in Höhlen. Ihre Namen ließ ich mir auf der Zunge zergehen, zum Beispiel »Ana Kai Tangata«.  »Ana« bedeutet Höhle, »Kai« zählen und »Tangata« bedeutet »Leute« (»Höhle - zählen - Leute«).

In der Ana Kai Tangata  Höhle. Foto Jürgen Huthmann

In »Ana Kai Tangata« wurden die mutigen Männer gezählt, die den »Vogelmann-Kult« zelebrierten. Sie musste eine steile Klippe zum Meer hinab klettern, durch haireiches Gewässer zu einer winzigen Insel schwimmen. Es galt, das erste Ei einer Rußseeschwalbe heil zur Osterinsel zu bringen. Nicht wirklich klar ist bis heute, was das für den Sieger bedeutete. Wurde er zum »Osterinselpapst«? Möglich. Oder traten die sportlichen Schwimmer für ihre Stammeshäuptlinge an?

Ich muss zugeben, ich liebte die Gesänge der Osterinsulaner in ihrer vokalreichen, so sanft klingenden Sprache. Aber wollte ich wirklich alles hören und verstehen, was sie uns mitteilen? Begierig notierte ich Überlieferungen von Make Make dem großen, fliegenden Gott der Osterinsel. Ich ließ mir immer wieder erklären, wie Make Make Menschen schuf, wie er ihm treu ergebene Menschen belohnte und wie er ungehorsame Menschen bestrafte. Da war die Rede davon, dass Make Make böse Menschen durch die Lüfte trug und auf einem winzigen Eiland aus nacktem Fels aussetzte. Da wurde berichtet, wie die Menschen aus dem Reich des »Atlantis der Südsee« erfuhren: durch einen Priester, den Make Make entführte und nach einer Himmelsreise auf der Osterinsel absetzte.

Ich interessierte – ich muss es zugeben – die fantastisch anmutende Zeit vor der Entdeckung der Osterinsel durch ach so zivilisierte Europäer. Das Grauen der Osterinsel unter »christlicher Herrschaft« verdrängte ich. Mag sein, dass es in der mythischen Zeit der Osterinsel Menschenfresserei gab. Die wirkliche Zeit des Grauens setzte aber erst ein, als sich Vertreter der »zivilisierten Welt« die Osterinsel aneigneten und die Geschicke der Menschen bestimmten.
Die reale Geschichte der Osterinsulaner ist nach dem Auftauchen von Vertretern der »zivilisierten Welt« von Grausamkeit und Brutalität geprägt.

1805. Der Schoner Nancy ankert vor der Osterinsel in der »Cooksbay«. Die Besatzung geht an Land, fällt über die ahnungslosen Osterinsulaner her. Wie viele Einheimische brutal niedergemetzelt werden, wir wissen es nicht. Ein zeitgenössischer Bericht beschreibt eine »blutige Schlacht«. Die Insulaner haben keine Chance, die Amerikaner sind ihnen dank ihrer Schusswaffen überlegen.

Männer und Frauen werden an Bord der Nancy, Heimathafen New-London, USA, gezerrt und gefesselt. Sie sollen als Sklaven auf der Insel »Más Afuera« (heute Alejandro Selkirk Insel, Juan-Fernández-Archipel) angesiedelt werden. Dort sollen sie für ihre »Besitzer« Seehunde jagen. Drei Tage lang hält man die Osterinsulaner in Fesseln. Als man schließlich den Männern die Eisen löste, stürzten sie sich in die Fluten.

Ein Boot wird zu Wasser gelassen, soll die Flüchtigen wieder einfangen. Das gelingt nicht. Die Männer tauchen, ertrinken lieben als dass sie in die Sklaverei gehen.

1811. »Pindos«, ein amerikanischer Walfänger, ankert vor der Osterinsel. Männer gehen an Land, fassen Frischwasser. Als die Wasservorräte ausreichen, fallen die Matrosen über die Einwohner der Osterinsel her. Sie haben es auf Frauen abgesehen, die sie brutal vergewaltigen und an Bord der »Pindos« verschleppen.

Dort »tobte sich die Besatzung in aller Scheußlichkeit aus«, wie ein zeitgenössischer Bericht vermeldet (2). Die schwer misshandelten,  übel zugerichteten Frauen werden schließlich über Bord geworfen. Und dienen als lebende Zielscheiben für »Schießübungen«.

»Offensichtlich hatten deine Vorfahren keinerlei Rechte im 19. Jahrhundert…«, sagte ich aufrichtig bedauernd zu der bildschönen Osterinsulanerin, die mich mehrere Tage lang kreuz und quer auf der Insel herumfuhr und mir auch Höhlen zeigte, die für »Schnell-Schnell-Touristen« zu weit abseits von den Kurztouren liegen. Traurig sah mich die Schöne an. »Meine Vorfahren hatten im 19. Jahrhundert keine Rechte. Daran hat sich im 20. Jahrhundert nichts geändert!«


Riesen aus Stein in Reih' und Glied....


Die Menschen lebten in Angst auf »Isla la Pascua«. Nahte ein Schiff, versteckten sie sich in den zahlreichen Höhlen, um nicht als Sklaven verschleppt oder »nur« vergewaltigt zu werden. Im Herbst 1862 schaffte Peru die Sklaverei ab, offiziell und aus »humanitären Gründen«. An den realen Verhältnissen änderte sich aber nichts. Die Menschenhändler wollen auf ihre immensen Profite nicht verzichten. Sie treiben ihr »Handwerk« weiter, verschleppen weiter Menschen aus dem polynesischen Raum. Weiter werden Menschen auf der Osterinsel gefangen. Weiter werden die Menschen nach Peru geschafft, wo sie unter unsäglichen Bedingungen schuften müssen.

Da der Sklavenhandel aber inzwischen verboten ist, dürfen die Sklaven nicht mehr als Sklaven bezeichnet und auch nicht mehr verkauft werden. Also bekommen die Sklaven »Arbeitsverträge« und »dürfen« in Südamerika »einwandern«. Als Sklavenhandel noch offiziell erlaubt war, wurden die Sklaven auf Märkten feil geboten und wie Ware hin und her geschoben. Das ist nun nicht mehr statthaft. Stattdessen werden jetzt die Arbeitsverträge verkauft und gekauft. Wer einen »Arbeitsvertrag« erwirbt, der kauft de facto den dazugehörigen Sklaven mit, auch wenn der Sklave jetzt nicht mehr Sklave genannt wird.

Weihnachten 1862 liegen acht Schiffe vor der Osterinsel. Fast 100 Mann gehen an Land, locken die Insulaner an den Strand. Netze werden über die Menschen geworfen, sie werden gefesselt und von den Sklavenhändlern an Bord ihrer Schiffe gezerrt. Da noch Platz für weitere Sklaven ist, wird regelrecht Menschenjagd betrieben. Wer sich widersetzt, wird kaltblütig ermordet. Ein gewisser de Aguirre, Kapitän des spanischen Schiffs »Cora« tötet Osterinsulaner mit gezielten Schüssen. Auch der Koordinator der scheußlichen, verbrecherischen Aktion, ein gewisser Juan Maristany, erschießt eigenhändig Gefangene, weil sie sich seiner Meinung nach nicht schnell genug auf die Schiffe verladen lassen.

Einigen Flüchtenden gelingt es, sich in einer großen Zuckerrohranpflanzung zu verstecken. Zunächst schießen die Sklavenjäger ziellos, doch die Menschen zeigen sich nicht. Also wird die Plantage angezündet. Es kommt zu einem blutigen Gemetzel. Die Einheimischen bewerfen ihre Peiniger mit Steinen, die Vertreter der »Zivilisation« setzen bedenkenlos ihre Schusswaffen ein. Fünf der verbrecherischen Sklavenjäger kommen ums Leben, die Zahl der ermordeten Insulaner ist nicht bekannt.

Wir können das Grauen, das Vertreter der »zivilisierten Welt« –  auch – auf der Osterinsel inszenierten nicht mehr vollständigen in seiner abartigen Abscheulichkeit erfassen. Zu spärlich sind die überlieferten Dokumente. Nackte Zahlen lassen Schlimmstes über die Umstände, unter denen die Sklaven schuften mussten, erahnen. Die menschenunwürdigen Zustände auf den Guanofeldern der Chincha-Inseln führten dazu, dass die meisten der Sklaven nicht lange überlebten. Größer waren die Überlebenschancen der Sklaven auf den Haciendas allerdings nicht. Im Chillón-Tal zum Beispiel starben 64 von 100 Sklaven, die aber nicht mehr als Sklaven bezeichnet werden durften. Sklaverei war ja schließlich verboten.

Das Grauen auf der Osterinsel – verantwortlich: »zivilisierte« Sklavenjäger – fand auf dem Festland Südamerikas seine Fortsetzung… verantwortlich: »zivilisierte« Haciendabesitzer.  So unsäglich waren die Verbrechen, dass schließlich Vertreter der katholischen Kirche protestierten und eine Rückkehr der überlebenden Sklaven in die Heimat forderten.

Fußnoten

1) Obwohl H.P. Lovecraft schon im Alter von 47 Jahren starb, hinterließ er ein umfangreiches Werk der einzigartigen Horrorliteratur. Eine kleine Auswahl…. Lovecraft, H.P.: »Chronik des Cthulhu-Mythos I«, »Chronik des Cthulhu-Mythos II«, »Die lauernde Furcht – 24 Horrorgeschichten«, »Gesammelte Werke Band 1: Der kosmische Schrecken« und »Gesammelte Werke Band 1: Der kosmische Schrecken«, »Gesammelte Werke Band 2: Namenlose Kulte«.

2) Mazière, Francis: »Insel des Schweigens«, Berlin 1967

Zu den Fotos...

»In der Ana Kai Tangata  Höhle.« Foto Jürgen Huthmann
Alle übrigen Fotos: Walter-Jörg Langbein


 309 »Der Genozid«,
Teil 308 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 20.12.2015


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