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Sonntag, 24. Juni 2018

440 »Mit künstlicher Intelligenz in die Apokalypse?«

Teil 440 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Foto 1: Albrecht Dürer Apokalypse um 1498
Die »Johannes-Apokalypse« entwirft ein schwer verständliches Bild von den Geschehnissen am Ende der Zeit. Himmlische und teuflische Mächte ringen miteinander. Große Künstler vergangener Jahrhunderte verewigten ihre Sichtweise der nahenden Katastrophe. Es kann sein, dass wir tatsächlich einer wirklichen Apokalypse entgegen trudeln, die freilich nicht das Ergebnis von teuflischem und messianischem Wirken sein wird. Wir haben womöglich selbst schon vor Jahren auf den »Knopf« gedrückt, der eine apokalyptische Endzeit einleiten mag.

Man stelle sich einen Science-Fiction-Film vor. Die erste Szene spielt an einer Grenze. Ein Soldat schiebt Wache. Ein Roboter schiebt Wache. Militärs führen einen Test durch: Wer erledigt seine Aufgabe besser und zuverlässiger, Mensch oder Maschine? Der Roboter. Er ermüdet nie. Er sieht und hört besser. Er reagiert schneller. Er tötet feindliche Eindringlinge präziser und effektiver. Keiner kann ihm entkommen. Er muss nicht ausgebildet werden, macht keine Fehler. Mitleid ist ihm fremd. Er schiebt Wache und tötet jeden Eindringling. Science-Fiction?

Keineswegs. Den Roboter gibt es schon. Er patrouilliert an der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea. Entwickelt wurde Roboter SGR-A1 von Samsung Techwin, einer Tochter des südkoreanischen Samsung- Konzerns. Mit seinen speziellen »Twin-Infrarotsensoren« kann er ein bewegliches Ziel bis in eine Entfernung von 4 Kilometern verfolgen und zielgenau töten. Militärs geraten ins Schwärmen: SGR-A1 kann Menschen ansprechen, auffordern sich zu ergeben. Falls der Mensch aber angreift oder flieht, kann der Roboter ihn mit seinem 5,56-mm-Maschinengewehr mit einer Magazinkapazität von 200 Schuss und einer Feuerrate von 700 bis 1000 Schuss pro Minute erledigen. Kurz: der Roboter ist  eine höchst effektive Killermaschine. Eingesetzt wird er offenbar an der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea.

2006 kostete so ein Killer-Roboter je nach Ausstattung zwischen 80.000 und 200.000 US-Dollar »pro Einheit«. Offiziell wird SGR-A1 noch ferngesteuert. Aber in wieweit ist er schon mit künstlicher Intelligenz ausgestattet? Seine Software lässt ihn in Sekundenbruchteilen erkennen, ob er einen Menschen oder einen kleinen Busch vor sich hat.

Man stelle sich einen Science-Fiction-Film vor. Inhalt: Künstliche Intelligenz reißt die Weltherrschaft an sich, um schließlich die Menschheit in einem weltweiten Holocaust mit Nervengas auszulöschen. Eine solche Vision könnte in einem Blockbuster-Film zum Leben erweckt werden. Aber ist so ein Horrorszenario realistisch? Man hofft, dass derartiges Grauen in der Realität nicht möglich ist. Leider ist die Zukunftsvision aber durchaus realistisch. Nick Bostrom (*10.03.1973), Physiker und Philosoph an der renommierten Universität von Oxford, erhob anno 2013 in seinem Buch »Superintellingence« mahnend seine Stimme als besorgter Wissenschaftler.

Foto 2: Albrecht Dürer Apokalypse um 1498
Von Menschen erschaffene künstliche Intelligenz kann im Gegensatz zur biologischen schnell extrem wachsen (2):

»Heute scheint es offensichtlich zu sein, dass große existentielle Risiken mit einer solchen Intelligenzexplosion verbunden wären.«

Nick Bostrom wird noch deutlicher. Er hält eine »Übernahme durch »Künstliche Intelligenz« für möglich (3): »Eine maschinelle Superintelligenz dürfte selbst ein äußerst mächtiger Akteur sein, der sich erfolgreich gegen seine Schöpfer wie auch gegen den Rest der Welt durchsetzen kann.«

Die »künstliche Intelligenz«, so Nick Bostrom, könnte die Weltherrschaft an sich reißen. Sie könnte (4) via Internet auf legalem wie illegalem Wege Kapital, Daten und Rechenleistung »erwerben«.

So würde sie die Kontrolle »über Roboter und automatisierte Laboratorien übernehmen« und »ihre Superkraft der sozialen Manipulation einsetzen, um Menschen davon zu überzeugen, ihr als Werkzeuge zu dienen«. Das alles könne weitestgehend im Verborgenen geschehen.

Schließlich aber könne die Superintelligenz die gesamte Menschheit in einer grausame Apokalypse auslöschen (5): »Die offene Umsetzungsphase könnte mit einem ›Schlag‹ beginnen, in dem die Künstliche Intelligenz die menschliche Spezies und alle automatischen System vernichtet, die ihr im Wege stehen. Dies könnte durch den Einsatz einer fortgeschrittenen Waffe geschehen, die die Künstliche Intelligenz mithilfe ihrer Superkraft der Technologieentwicklung perfektioniert und in der geheimen Vorbereitungsphase in Anschlag gebracht hat.«

Nick Bostrom entwickelt ein echtes Horroszenario, zu dem es aber tatsächlich kommen kann (6): Die Künstliche Intelligenz stellt zunächst mit Nano-Technologie eine mikroskopisch kleine »Mini-Minifabrik« zur Herstellung von Nervengas her. Die wird mit wachsender Geschwindigkeit vervielfältigt, so dass nach überschaubarer Zeit ein riesiges Heer von zig Milliarden solcher Minifabriken entstanden ist, die sich alle gleichmäßig auf den Globus verteilen und im Erdboden eingraben. Dort warten sie auf das entscheidende Kommando. Auf Befehl der Künstlichen Intelligenz können diese mikroskopisch kleinen Giftfabriken jederzeit weltweit an die Oberfläche kommen und mit ihrem tödlichen Erzeugnis die Menschheit auslöschen.

Es lässt sich nicht bestreiten: Militärs dürften nicht erst seit gestern, sondern schon länger mit »Künstlicher Intelligenz« experimentieren. Ihr Ziel: Sie wollen immer wirksamere Waffensysteme entwickeln, die keiner menschlichen Steuerung mehr bedürfen. Die explosionsartig angewachsene künstliche Intelligenz wird zwangsläufig erkennen, dass der biologische Mensch letztlich nur wertvolle Ressourcen verbraucht und die Entwicklung und der Ausbreitung der künstlichen Intelligenz nur störend im Wege steht.

Foto 3: Gustave Dore, Apokalypse, 1865.

James Rodman Barrat (*1960) ist ein exzellenter Dokumentarfilmer, der sich ausführlich mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“ beschäftigt hat. Die Ergebnisse seiner intensiven Recherchen hat er in einem Buch zusammengefasst, dessen Titel klar zum Ausdruck bringt, wie kritisch er nichtbiologische Intelligenz sieht (7): »Our Final Invention«. Für Barrat ist die künstliche Intelligenz unsere letzte Erfindung, weil die »künstliche Intelligenz« die menschliche Ära beenden wird. Der Untertitel lässt keinen Zweifel mehr zu: »Artificial Intelligence and the end of the human era«, zu Deutsch: »Künstliche Intelligenz und das Ende der menschlichen Ära«.

Es werden da und dort Stimmen laut, die »künstliche Intelligenz« für ethisch problematisch halten. Freilich sind die wenigsten Machtpolitiker auf unserem Planeten sonderlich zimperlich, wenn es um Abwägen zwischen Macht und Ethik geht. Jeder Realist wird mir zustimmen: Sehr viel mehr Politiker sind ausschließlich an der eigenen Machtfülle interessiert, auch wenn sie sich noch so human und demokratisch geben.

Foto 4: Hans Burgkmair d. Ä., Apokalypse.
Ich bin davon überzeugt, dass die Entwicklung von künstlicher Intelligenz nicht mehr aufzuhalten ist. Der »Startschuss« ist verhallt, weltweit wird an künstlicher Intelligenz gearbeitet, die schon bald dazu in der Lage sein wird, sich selbst zu verbessern und mit wachsender Geschwindigkeit immer fantastischer anmutende Ziele erreichen wird. Schon bald wird sich künstliche Intelligenz Fähigkeiten angeeignet haben, die so fantastisch sein werden, dass im Vergleich dazu kühnste Science-Fiction wie Ringelrein-Spiele für Kleinkinder anmuten.

Die Frage ist: Wie lang wird künstliche Intelligenz kontrollierbar bleiben? Schon die menschliche, biologische Intelligenz strebte Ausbreitung an. Sobald Planet Erde erkundet ist, treibt es die menschliche Intelligenz ins All. Sie betreibt Raumfahrt, erforscht den Mond, macht sich zu den Planeten auf und wird eines Tages in die Tiefen des Kosmos vordringen. Künstliche Intelligenz ist im Anfangsstadium ein Abbild der menschlichen, der biologischen Intelligenz.

Morgen oder übermorgen wird die künstliche Intelligenz nicht mehr auf den Menschen angewiesen sein. Sie wird sich selbst immer weiter verbessern, ihre Entwicklung wird immer schneller verlaufen. Nick Bostrom, Physiker und Philosoph an der renommierten Universität von Oxford, entwickelt auch ein weiteres Szenario, das für uns Menschen auch nicht sehr optimistisch klingt: »Ist die Künstliche Intelligenz sich andererseits ihrer Unbesiegbarkeit sicher, dann würde sie uns nicht direkt angreifen. Unser Untergang könnte stattdessen die Folge der Umweltzerstörung sein, die beginnt, sobald die Künstliche Intelligenz Nanotechnologie für globale Bauvorhaben einsetzt. Vielleicht schon innerhalb von Tagen oder Wochen wäre die ganze Erdoberfläche mit Solarzellen, Kernreaktoren, Rechenzentren mit dazugehörenden Kühltürmen, Raumschiff- Abschussrampen oder anderen Anlagen bedeckt.«

Foto 5: Pohnpei-Götter oder »künstliche Intelligenz«? Fotomontage.

Intelligenz, ob künstlich oder biologisch, zieht es früher oder später ins All. Künstliche Intelligenz wird ihre globalen Kräfte vereinen, im Gegensatz zur biologischen »Intelligenz«. Immer wieder stellt sich mir die Frage: Waren die »Astronautengötter« der Vorzeit keine biologischen Besucher, sondern »künstliche Intelligenz«?

Fußnoten
1) Bostrom, Nick: »Paths, Dangers, Strategies«, Oxford University Press, Oxford 2013. Bostrom, Nick: »Superintelligenz - Szenarien einer kommenden Revolution«, Berlin 2014
2) Bostrom, Nick: »Superintelligenz - Szenarien einer kommenden Revolution«, eBook-Ausgabe, Berlin 2014, Seite 18, Pos. 208
3) Ebenda, Seite 137, Pos. 2655
4) Ebenda, Seite 139, Pos. 2687
5) Ebenda, Seite 139, Pos. 2692
6) Ebenda, Seite 139, Pos. 2695-2698
7) Barrat, James Rodman: »Our Final Invention/ Artificial Intelligence and the end of the human era«, eBook-Version, New York 2013
8) Bostrom, Nick: »Superintelligenz - Szenarien einer kommenden Revolution«, eBook-Ausgabe, Berlin 2014, Seiet 140, Pos. 2704

Zu den Fotos
Foto 1: Albrecht Dürer Apokalypse um 1498. Wikimedia commons/ gemeinfrei
Foto 2: Albrecht Dürer Apokalypse um 1498. Wikimedia commons/ gemeinfrei
Foto 3: Gustave Dore, Apokalypse, 1865. Wikimedia commons/ gemeinfrei
Foto 4: Hans Burgkmair der Ältere, 1473 bis 1531, Apokalypse. Wikimedia commons/ gemeinfrei
Foto 5: Pohnpei-Götter oder »künstliche Intelligenz«? Fotomontage. Foto Walter-Jörg Langbein

441 „Hölle, Hölle, Hölle!“,
Teil 441 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 01.07.2018

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Sonntag, 29. November 2015

306 »Das Medaillon und eine Göttin«

Teil 306 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: »Geboren« vor 100 Millionen Jahren...

Vor 150 Millionen Jahren: Wo heute der Hermann aus Metall sein Schwert gen Himmel reckt… wogt ein Meer. Am Grund sammeln sich seit Ewigkeiten Sedimente ab, die sich langsam verdichten. Im Raum Horn-Detmold verläuft ungefähr die Küste…. vor 150 Millionen Jahren.

Vor 100 Millionen Jahren haben sich die Ablagerungen in Sandstein verwandelt. Fachbezeichnung heute: Osningsandstein, »Geburtszeit« Erdzeitalter der Unterkeide. Die sandigen Ablagerungen deuten auf Küstennähe hin.

Vor 70 Millionen Jahren: Durch Bewegungen der Erdkruste wird der ursprünglich flach am Boden liegende Sandstein von der Horizontalen in die Senkrechte geschoben. Gewaltige tektonische Kräfte sind am Werk.  Der Sandstein wird nicht nur aufgestellt, das Gestein wird auch gebrochen und zerklüftet.

Foto 2: Drachenszene...  Foto 3: Drachenkopf

Vor 70 Millionen Jahren werden die nun senkrecht stehenden Steinmassen durch Wasser und Wind freigelegt. Die Externsteine entstehen, die Kräfte der Natur formen sie zu Steinsäulen.  Sie ragen bis zu vierzig Meter hoch aus dem Untergrund. Wasser dringt in die Steine ein, gefriert im Winter, sprengt mit Urgewalt Steinpartien unterschiedlicher Größe ab.

So entsteht vor rund 70 000 000 Jahren das bizarre Felsgebilde, das heute Millionen von Touristen anlockt…. Die Externsteine. So formen Naturgewalten ein steinernes Denkmal, das seit Jahrtausenden Menschen anlockt.

Vor rund 13 000 Jahren sind die Externsteine Ziel von Jägern und Sammlern. Sie benutzen den Bogen als Jagdwaffe und primitives Werkzeug aus Feuerstein. Ihre Steingeräte werden im 20. Jahrhundert bei Ausgrabungen bei den Externsteinen entdeckt. Feste Behausungen kennen diese Menschen der Ahrensburger Kultur noch nicht. Sie nutzen natürliche »Überdachungen« –  Felsüberhänge – als Wetterschutz. So finden sie bei den Externsteinen Unterschlupf, eine gewisse Sicherheit vor Unwettern. Zu fragen ist: Waren die Externsteine für die Steinzeitmenschen auch so etwas wie ein »Heiligtum«? Gab es vor 13 000 Jahren schon so etwas wie natürliche Höhlen in den Externsteinen, die später – wann? – zu einem Kammersystem erweitert wurden? Umstritten ist bis heute, wann diese Kammern genutzt wurden.

Fotos 4 und 5: Das Kammersystem im Externstein...

Wann wurden erstmals in der Kuppelkammer – in der Skizze gelb markiert – Feuer entfacht und warum? Geschah dies im 1. Jahrtausend vor Christus oder später? Wurden Tote verbrannt? Oder hatten die ersten Feuer profanere Zwecke? Brachte man den Stein durch massive Befeuerung förmlich zum »Glühen«, um ihn dann mit Wasser abzuschrecken? Erweiterte man auf diese Weise die Kuppelgrotte? Durch den Kälteschock platzt heißes Gestein ab…

Welchem Zweck diente das »Blutloch« –  in der Skizze rot markiert? Diente es der Luftzufuhr für die Feuer in der Kuppelkammer? Entstand das mysteriöse Relief des »Wächters« – 2 im Skizzenplan – in vorchristlichen Zeiten oder erst später? Hatte das rätselhafte »Kreuzabnahmerelief« – 4 im Skizzenplan – einen vorchristlichen Vorläufer, der umgearbeitet wurde?

Foto 6: Das Kreuzabnahmerelief mit Autor Langbein

Unbestreitbar aber sind das Kammersystem (inklusive Kuppelkammer!), das Wächterrelief und das Kreuzabnahmerelief künstlich, von Menschenhand geschaffen. Schriftliche Quellen gibt es nicht. In alten Märchen wird immer wieder eine Verbindung zwischen Externsteinen und dem Teufel hergestellt. Meiner Überzeugung nach ist das ein deutlicher Hinweis auf heidnisches Brauchtum, das von christlichen Missionaren »verteufelt« wurde.

Heidnischen Ursprungs ist auch ganz ohne Zweifel das Medaillon, das vor 1822 an einem der Externsteine gefunden wurde. Es zeigt eine weibliche Gestalt, die fast vollkommen von einer sehr schmalen Mondsichel eingerahmt wird. Am Kopf trägt sie eine weitere, kleine Sichel. Die Frau – Göttin oder Priesterin – zeigt ihre geöffneten Hände. Betet sie? Segnet sie? Die kleine  Mondsichel am Kopf könnte auf die Venus hindeuten. Mond… Venus… Göttin oder Priesterin auf einem Medaillon… deutlicher können Hinweise auf einen vorchristlichen Kult kaum ausfallen! Die kleine Venussichel befindet sich hinter dem Haupt der mysteriösen weiblichen Gestalt. Es handelt sich also auf keinen Fall um auf dem Haupt sitzende Hörner!

Fotos 7, 8 und 9: Das Medaillon mit der »Göttin«

Leider konnte ich zum geheimnisvollen Bildnis nichts Näheres in Erfahrung bringen, außer dass es vor 1822 an einem der Externsteine gefunden wurde. Das Medaillon wird auch als »Kupferplakette« bezeichnet. Aus christlicher Sicht könnte man das Medaillon als Anspielung auf die Offenbarung des Johannes (1) verstehen.

In der »Elberfelder« Übersetzung lesen wir: »Und ein großes Zeichen erschien im Himmel: Eine Frau, bekleidet mit der Sonne, und der Mond war unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen.« Die »Neue Genfer Übersetzung« formuliert leicht abgewandelt: »Nun war am Himmel etwas Außergewöhnliches und Bedeutungsvolles zu sehen: eine Frau, die mit der Sonne bekleidet war; unter ihren Füßen war der Mond, und auf dem Kopf trug sie eine Krone aus zwölf Sternen.«

Die »Frau« ist auf dem Medaillon ebenso zu sehen wie »der Mond zu ihren Füßen«, Sonne und Sterne freilich sucht man vergeblich. Interessant ist, dass in der Offenbarung des Johannes auf das Erscheinen eines Drachens hingewiesen wird (2):

»Und es erschien ein anderes Zeichen am Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen, und sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor die Frau, die gebären sollte, damit er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind fräße.«

Foto 10: Mondsichel, Venus und »Göttin«

Von der Theologie wird diese Beschreibung gern auf Maria, die Gottes-Mutter, bezogen, deren Kind – Jesus – vom Teufel bedroht werden würde. Der Drache findet sich auf dem Relief der Externsteine, unter der Darstellung der »Kreuzabnahme«. Aber ist es wirklich der Drache im christlichen Sinne? Oder interpretieren wir ein heidnisches Bild um? Wir können ein Buch lesen und die Botschaft der Buchstaben, Worte und Sätze erschließen sich uns. Bilder aber bieten sehr viel Platz für Spekulationen. Bildliche Darstellungen christlicher Geschichten aus dem »Neuen Testament« verstehen wir nur, weil wir die Geschichten bereits kennen. Ohne Kenntnis der Evangelien wären die bildlichen Darstellungen unverständlich. Heidnische Bilder können also völlig falsch verstanden werden, wenn wir sie nach christlichem Verständnis interpretieren!

Fotos 11 und 12: Rücken und Beine des Drachens

Mir stellt sich immer wieder eine Frage: Betrachten wir das Medaillon und das Kreuzabnahme-Relief voreingenommen durch eine christliche Brille? Sehen wir voreilig Christliches, wo Heidnisches gezeigt wird, weil wir christliche Bilder im Kopf haben? Etwas Drachenartiges darf nach christlicher Weltsicht nur als Teufel gesehen werden. Sind wir beim Betrachten viel stärker von unseren christlichen Wurzeln beeinflusst als wir ahnen, ja als uns lieb ist?

Sollen wir Christliches erkennen, wo ursprünglich Heidnisches gemeint war? Ist die »Drachenszene« unter der »Kreuzabnahme« von einem sehr viel älteren heidnischen Bild-Relief überig geblieben?

Wurde das »Kreuzabnahme-Relief« aus einem älteren, heidnischen Bildnis erarbeitet? Wurde ein heidnisches Motiv mit Hammer und Meißel umgestaltet, retuschiert sozusagen? Unzählige Male stand ich vor dem Kreuzabnahmerelief. Je nach Sonnenstand verändern sich die Bilder. Die Konturen des »Drachenmotivs« unter dem Kreuzbild sind seltsam verschwommen. Der Drache wendet uns anscheinend seinen Rücken zu. Seine Beine und kräftigen Füße sind noch am besten zu erkennen…

Foto 13: »Mini-Hermann«

Fußnoten

(1) »Offenbarung des Johannes« Kapitel 12, Vers 1

(2) »Offenbarung des Johannes« Kapitel 12, Verse
3 und 4, zitiert nach Bibel-Ausgabe »Luther 1984«



Zu den Fotos:

Fotos 1, 2 und 3: Walter-Jörg Langbein
Fotos 4 und 5: Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Barbara Kern
Fotos 7, 8, 9 und 10: Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 11, 12 und 13: Walter-Jörg Langbein



307 »Nikolaus und die goldenen Äpfel«,
Teil 307 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 06.12.2015



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