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Sonntag, 29. November 2020

567. »Und es gab weder Anfang noch Ende.«

Teil 567 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


 »Doch was überhaupt ist das Leben
und was ist der Lebenssinn?
Mit welchem Recht geht der Mensch
so willkürlich von der eigenen Wichtigkeit
in der Schöpfung aus?«
Howard Phillips Lovecraft (1)


James Lovelock (*1919) hat als Hundertjähriger wieder ein faszinierendes Sachbuch verfasst und veröffentlicht. Er beschreibt auf überzeugende Weise Gegenwart und Zukunft der Menschheit. In seinem Opus »Novozän« (2) lässt er »Das kommende Zeitalter der Hyperintelligenz« plastisch sichtbar werden. Demnach sind wir Jetztmenschen die Steigbügelhalter unserer Nachfolger auf Planet Terra. Nichtbiologische Einheiten von gottgleicher Intelligenz und Allmacht werden morgen oder übermorgen das Regiment auf unserem Heimatplaneten übernehmen.

Was aus dem Jetztmenschen werden wird? Lovelock (3): »Die Zukunft ist für uns unvorhersehbar, so wie es schon immer gewesen ist, selbst in einer organischen Welt. Cyborgs werden Cyborgs entwerfen. Sie werden keineswegs als minderwertige Lebensform weitermachen, die uns Bequemlichkeiten verschafft, sondern sie werden sich entwickeln und könnten die fortschrittlichen evolutionären Produkte einer neuen und kraftvollen Spezies sein.« Bei allem Respekt vor James Lovelock und seinem Lebenswerk: Im Gegensatz zu Lovelock sehe ich keinen realen Grund, warum die künstliche Intelligenz nicht die Herrschaft über uns an sich reißen wird. Bei allem Respekt vor James Lovelocks wissenschaftlichen Leistungen, etwa für die NASA: Ich halte es für überhaupt nicht nachvollziehbar, dass das unendliche Universum ausschließlich den Menschen als intelligente Spezies hervorgebracht haben soll. »Wir sind allein« (4) behauptet James Lovelock. In einem unendlich großen Kosmos sollte es nur uns Menschen als intelligente Spezies geben? Der Mensch soll nicht nur die Krone der irdischen, sondern auch der kosmischen Schöpfung sein? Das ist – meine ich – unvorstellbar.

Foto 1: Prof. Hermann Oberth (links)
und Autor Langbein im Gespräch (März 1983).

James Lovelock, von 1961 bis 1964 »Professor für Chemie« am »Baylor College of Medicine« in Houston, Texas, sieht den Menschen als unfassbare Ausnahme im gesamten Universum. Seiner Überzeugung nach ist der Kosmos nur dazu in der Lage, ausschließlich uns Menschen hervorzubringen. Howard Phillips Lovecraft (*1890; †1937) monierte vehement diese Selbsterhöhung von uns Menschen (5): »Und so können wir begreifen, dass die Menschheit nichts anderes als ein momentanes Phänomen ist. Unsere Existenz auf unserem Planeten ist im Vergleich zur Unendlichkeit erst neueren Datums, wurde in der ganzen unermesslichen Weite des Raums erst gestern möglich.«

Die vielleicht zentralen Fragen, die sich uns an dieser Stelle aufdrängen müssen, lauten: Hat das tote Universum zufällig Intelligenz auf Welten wie der Erde hervorgebracht? Oder hat Intelligenz das Universum erschaffen? Ist das Universum das Produkt von Intelligenz und nicht Intelligenz das Produkt des Universums? Was war am Anfang: der Geist oder die Materie? Religiös orientierte Menschen, speziell die Anhänger einer der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam, postulieren, dass es am Anfang Gott gab, der das Universum schuf. Materialistisch orientierte Menschen, die freilich nur anderen »Gurus« folgen, gehen davon aus, dass am Anfang der Urknall war. Aber auch der Urknall kann nichts aus dem Nichts hervorbringen. Entweder gab es am Anfang Gott oder Materie.

Was aber war vor Gott? Was war vor der Materie? Auch wenn wir es nicht wirklich begreifen können, es gibt eine dritte Variante: War am Anfang Intelligenz? Mir ist klar: Niemand vermag zu erklären, was vor Gott, was vor der Materie, was vor der Intelligenz war. Die drei Denkmodelle setzen voraus, dass es am Anfang etwas und nicht das Nichts gab.

In der Lutherbibel von 1545 lesen wir gleich zu Beginn des Evangeliums nach Johannes: »Im anfang war das Wort / Vnd das wort war bey Gott / vnd Gott war das Wort.« Noch in der Lutherbibel von 1984 findet sich der 1. Vers des 1. Kapitels des Evangeliums nach Johannes so: »Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.«

Vergleicht man damit die Lutherbibel von 2017, reibt man sich staunend die Augen ob der Veränderungen im Text: »Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – «. Von einer Übersetzung kann nicht mehr die Rede sein, nur noch von einer freien Interpretation. Das Wort, das am Anfang war, ist verschwunden. Wir finden es nur noch in folgenden Bibelausgaben: »Neue Genfer Übersetzung«, »Hoffnung für alle«, »Zürcher Bibel«, »Gute Nachricht Bibel« und »Neues Leben. Die Bibel«. In der »Elberfelder Bibel« entdecken wir, freilich verklausuliert, das »Wort, das am Anfang war«: »Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens.«

Bis 1984 sagt die Lutherbibel klar und deutlich, dass am Anfang – vor dem eigentlichen Schöpfungsakt – das Wort war. Im Band 1 von Ginzbergs »Legends of the Jews«, 1909 von »The Jewish Publication Society of America« in Philadelphia publiziert, wird der Sachverhalt noch viel deutlicher, nämlich dass dass Wort vor der Schöpfung da war. Da wird präzisiert, dass das Wort (6) bereits »zweitausend Jahre vor der Erschaffung von Himmel und Erde« vorhanden ward, geschrieben mit »schwarzem Feuer auf weißem Feuer«. Als dann Gott zur Schöpfung schritt, konsultierte er das Wort. Wenn Gott das Wort zu Rate zog, hat er es nicht selbst geschaffen. Es muss vor Gott da gewesen sein. Warum sollte Gott Antworten in einem Buch suchen, das er selbst geschrieben hat?

Was aber war das »Wort«? Die »Intelligenz«? Der deutsche Physiker Prof. Markolf H. Niemz (* 1964 in Hofheim am Taunus) hat ein wahrhaft kühnes Bild von der Realität entwickelt. Nach Prof. Niemz ist das All eine Art Computerprogramm, das ohne »Hardware« auskommt. Wenn alles scheinbar Reale Illusion ist, wer oder was hat sie geschaffen? In der Kabbala, der jüdischen Mystik, kommt alles aus dem Göttlichen und kehrt ins Göttliche zurück. Kabbala-Kenner Michael Laitman enthüllt in seinem Standardwerk »Kabbala für Anfänger« (7):

Es gab »nur das Einfache Höhere Licht, welches die ganze Wirklichkeit ausfüllte.« Und weiter (8): »Es gab keinen leeren Raum und keine unausgefüllte Atmosphäre, sondern es war alles mit diesem unendlichen Einfachen Licht erfüllt. Und es gab weder Anfang noch Ende. Und alles war Eins: Einfaches, vollkommen gleichmäßiges Licht. Und dieses hieß: Licht von Ejn Sof (Unendlichkeit).« Was können wir uns unter diesem mysteriösen »Licht« vorstellen?

Foto 2: Prof. Oberths
bahnbrechendes Werk.
Alle Systeme, die die Wirklichkeit erklären sollen, sind allenfalls Versuche einer Annäherung an die Wirklichkeit. Genauer gesagt: Sie sind Versuche von Annäherungen an das, was man für die Wirklichkeit hält. Religiöse Weltbilder, fabriziert von monotheistischen Religionsgründern und ihren Anhängern, machen es sich leicht. Ein allmächtiger Gott hat das Universum, Erde inklusive, geschaffen. Diese Götter geraten allerdings recht irdisch-menschlich. Sie tun Gutes für ihre Geschöpfe, erwarten aber ewige Dankbarkeit und Kulthandlungen. Sie erlassen zum Teil seltsam anmutende Gesetze, die befolgt werden müssen. Nur wer nach diesen Gesetzen lebt, darf hoffen nach dem Tode in ein himmlisches Elysium aufgenommen zu werden. Solche »Götter« sind doch eher rechthaberische Kleingeister als allmächtige Schöpfer des Universums.

Religiös orientierte Menschen sind nicht automatisch alle dumm. Selbst Fanatiker können intelligent sein. Sie nutzen aber nicht ihre Intelligenz, um zu suchen. Warum nicht? Ganz einfach, weil sie glauben, dass alle Antworten in ihrem »Heiligen Buch« stehen. Sie suchen nicht nach Unbekanntem, weil man sie davon überzeugt hat, dass längst alles gefunden wurde. Sie versuchen auch gar nicht, Antworten auf bislang ungeklärte Fragen zu finden. Warum nicht? Weil sie glauben, alles zu wissen, was ihr Gott sie wissen lassen will. Wenn es unbeantwortete Fragen gibt, dann weil ihnen ihr Gott keine Antworten geben möchte. Zu suchen wäre dann Blasphemie. Sie akzeptieren ihr Unwissen in bravem Gottvertrauen.

Dabei haben schon die primitivsten Urformen, die in den Ozeanen hausten, gesucht. Unsere Vorvorfahren lebten im Wasser. Sie atmeten mit Kiemen, nicht mit Lungen. Das ideale Ambiente dieser unserer schlichten Urururahnen war das Wasser. Offensichtlich hatten sie keinen Anführer, der ihnen Ausflüge an Land verbieten konnte. Sie eroberten langsam das Land. Statt wie schwerelos im Wasser zu schweben, musste sie sich schwerfällig an Land dahinschleppen. Hitze versengte ihnen die Haut. Kälte schlug beißende Wunden.

Tödliche Gefahren lauerten, die es im Lebensraum Wasser nicht gab. So strapaziös und gefährlich der Umzug auch war, er brachte nicht nur Nachteile. Es tat sich eine vollkommen neue Welt für das Leben auf. Nein: Die Pioniere unter den primitiven Kleinstlebewesen eroberten eine neue Welt für sich und für ihre Nachkommen.

Unsere primitiven Vorfahren haben sich auf die Suche gemacht. Sie haben das Wasser verlassen und sind an Land gegangen. Ihre Nachkommen haben nach und nach den Heimatplaneten Erde erkundet. Ihr Wissensdrang hat sie auf die höchsten Berge steigen und in die tiefsten Abgründe der Meere tauchen lassen. Unser Wissensdurst treibt uns weiter. Geradezu zwangsläufig werden wir ins All aufbrechen. Erste zaghafte Schritte sind schon gewagt worden. Weitere werden folgen.

Das Meer ist unsere »Wiege«, Planet Erde ist unsere Kinderstube. Unsere Vorvorfahren haben die »Wiege« verlassen. Wir werden nicht in der Kinderstube ausharren. Wir werden sie verlassen. Unser Heimatplanet steht nicht im Zentrum des Universums. Er ist eine kleine unbedeutende Welt in einem unwichtigen Sonnensystems am »Rande« des Universums.

Vor vielen Jahrtausenden begannen die Menschen, Planet Erde zu erobern. Sie erkundeten zunächst die engere Heimat, dann das eigene Land. Sie erforschten schließlich den eigenen Kontinent und überquerten Berge und Meere. Irgendwann waren alle Länder erkundet, alle Flüsse befahren, alle Meere erforscht, alle Gebirge erklommen. In unseren Tagen verließen die ersten Menschen Planet Erde. Sie besuchten den Mond. Bald werden Menschen zum Mond zurückkehren. Bald werden sich Menschen zum Mars aufmachen.

Ich wage ein Prognose: Irgendwann wird es soweit sein, dass Menschen unser Sonnensystem verlassen, so wie einst die »Astronautengötter« vor Jahrtausenden aus den Tiefen des Alls zur Erde kamen. Prof. Dr. Hermann Oberth jedenfalls war davon überzeugt, dass jede Intelligenz irgendwann einmal Weltraumfahrt betreiben wird. Warum? Warum sollten einst Besucher aus dem All zur Erde gekommen sein? Warum soll der Mensch dereinst ins All aufbrechen?

Foto 3: Handschriftliche Widmung
von Prof. Oberth für Walter-Jörg Langbein.

Der »Vater der Weltraumfahrt« formulierte verallgemeinernd (9): »Das ist das Ziel: Dem Leben jeden Platz zu erobern, auf dem es bestehen und weiter anwachsen kann, jede unbelebte Welt zu beleben und jede lebende sinnvoll zu machen.« So wie wir ins All streben, so tun dies anderen Orts Außerirdische auch.


Fußnoten
(1) Lovecraft, Howard Phillips: »Gegen die Religion/ Atheistische Schriften«, Leipzig Juli 2020 (Einmalige Vorzugausgabe limitiert auf 250 Stück), Seite 60, 13.-10. Zeile von unten
(2) Lovelock, James: »Novozän: Das kommende Zeitalter der Hyperintelligenz«, 1. Auflage, München 2020
(3) Ebenda, Seite 148, 1. Zeile von unten und Seite 149, 1.-6. Zeile von oben
(4) Ebenda, Kapitel 1, »Wir sind allein«, Seiten 17-20
(5) Lovecraft, Howard Phillips: »Gegen die Religion/ Atheistische Schriften«, Leipzig Juli 2020, Seite 61, 2.-7. Zeile von oben
(6) Ginzberg, Louis: »The Legends of the Jews/ Bible Times and Characters from the Creation to Jacob«, Übersetzung nach dem deutschen Manuskript von Henrietta Szold, »The Jewish Publication Society of America«, Philadelphia 1909, Seite 3, »The First Things Created«.
(7) Laitman, Michael: »Kabbala für Anfänger«, Toronto/ Wien 2009, Seite 7, 2. Zeile von oben
(8) Ebenda, Zeilen 3-7 von oben
(9) Oberth, Hermann: »Menschen im Weltraum/ Neue Projekte für Raketen- und Raumfahrt«, 4. Auflage, Düsseldorf 1963,« S. 301

 

Zu den Fotos 
Foto 1: Prof. Hermann Oberth und Autor Langbein im Gespräch (März 1983). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Prof. Oberths bahnbrechendes Werk. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Handschriftliche Widmung von Prof. Oberth für Walter-Jörg Langbein. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein



 
568. »Nun überschreiten wir unsere Wissensgrenze«,
Teil 568 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 06. Dezember 2020


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Sonntag, 23. Oktober 2011

92 »Astronauten, Taucher, Fabelwesen?«

Teil 92 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Ein Astronaut in der
Museumsvitrine
Foto: R.Habeck-B.Moestl
Die jugendliche Frau trägt eine modische Frisur. In prachtvollen Locken fällt ihr Haar bis auf die ihre Schultern. Ihr Oberteil sitzt etwas eng, betont ihre weiblichen Formen. Vor der Brust hält sie eine Kugel. Es sieht so aus, als fordere sie den Betrachter auf, das runde Objekt entgegenzunehmen. Was wie eine Szene aus einem bunten Lifestyle-Magazin wirkt ... das hat ein Künstler vor rund zweitausend Jahren in Ecuador geschaffen. Archäologen entdeckten die kleine Statuette in der Provinz Manabi, nordöstlich von Ecuador. Ein wenig blasiert arrogant blickt das Figürchen aus der gläsernen Vitrine im »Museum Hilde und Eugen Weilbauer«.

Neben der Frau mit der Kugel ... ob es ein Kultobjekt war? – wirkt eine fremdartig wirkende Gestalt geradezu beängstigend. Der Kopf hat eine hohe, bizarre Form. »Ein menschenähnliches Wesen ...« sei das, erklärt man mir am Vormittag des 26. August 1992 im Museum. Und schon soll die Führung durch die opulente Sammlung fortgesetzt werden. Ich aber bleibe stehen. Zwischen beiden Figürchen steht ein weiteres Artefakt in der Vitrine, vielleicht halb so hoch wie die attraktive Lady mit der Lockenpracht. Vor rund zwei Jahrtausenden – so erklärt man mir – haben da unbekannte Künstler ein mythologisches Mischwesen dargestellt.

Hastig soll es weiter gehen ... ich aber bleibe stehen. »Ein mythologisches Mischwesen?« frage ich nach. »Aber das sieht man doch!«, lautet die fast etwas barsche Antwort. »Wir sehen einen mythologischen Riesenjaguar, in dessen weit aufgerissenem Schlund ein menschliches Gesicht zu sehen ist. Mich erinnert das kuriose Wesen an ein Relief in Stein, das ich in Guatemala fotografierte ...

Nach wissenschaftlicher Interpretation sehen wir da einen Menschen oder ein menschliches Wesen, das über seinem Kopf das Gesicht eines Affen oder das eines Opossums trägt. Auf mich machen beide Darstellungen einen eher technischen Eindruck. Ich erkenne ein Wesen im Schutzanzug eines Astronauten.

Und die Perry-Rhodan-Freunde unter uns werden bei der Miniplastik aus dem »Museum Hilde und Eugen Weilbauer« eher an ihren Helden Perry Rhodan im schützenden Raumanzug denken! Deutlich ist zu erkennen, dass ein helmartiges Gebilde den Kopf eines menschenähnlichen Wesens umschließt. Ein großes Guckfenster erlaubt den Blick auf Augen, Nase, Mund und Kinn des Astronauten!

Astronaut oder
Taucher ...
Foto W-J.Langbein
Walter Ernsting (1920-2005), weltbekannt unter dem Pseudonym Clark Darlton, ist der »Vater« der »Perry-Rhodan«-Romanreihe, der erfolgreichsten SF-Serie der Welt. Mein geschätzter Kollege Reinhard Habeck zeigte anno 2003 Walter Ernsting ein Foto des Porträtkopfes. Ernstings scherzhaft-hintersinnige Reaktion: »Was? Haben die Halunken damals schon meine Ideen geklaut?« Im »Museum Hilde und Eugen Weilbauer« gibt es eine schier unüberblickbare Menge von kostbaren archäologischen Artefakten. Besonders imposant sind die Figürchen aus der Küstenregion von Ecuador. Und darunter befinden sich einige, die an Taucher oder Astronauten erinnern ... Es sind menschenähnliche Wesen in plumpen Anzügen. Ihre Köpfe stecken in Helmen. Diese »Helme« haben Sichtfenster, hinter denen man Stirn, Augen, Nase und Kinn erkennt. Was auch immer diese Figürchen darstellen ... es sind Wesen, die über dem eigenen Kopf so etwas wie einen fremden Kopf tragen. Der eigene Kopf steckt in einem helmartigen Objekt. Und dieser »Helm« wiederum geht nahtlos in einen eng anliegenden Anzug über.

Mir ist klar: Die Helme haben oft auch etwas Maskenartiges oder Tierkopfähnliches. Ich gebe aber zu bedenken: Wie sollte ein Künstler vor zwei Jahrtausenden den Helm eines Außerirdischen darstellen? So ein Helm kann sehr wohl wie ein übergestülpter zweiter Kopf wirken. Moderne Technik, die für uns heute selbstverständlich ist, war ihm fremd. Künstler, die vor Jahrtausenden moderne Technologie sahen, mussten also zu Vergleichen aus der ihm wohlvertrauten Welt greifen.

Noch ein »Helmkopf«
aus einer der
Museumsvitrinen
Foto: W-J.Langbein
Nach der Philosophie von Charles Hoy Fort sind solche Figürchen ... Verdammte, die von der Schulwissenschaft abgelehnt werden. Nicht jedes Museum hat den Mut, derlei Artefakte auszustellen, wenngleich in »versteckten Ecken«.
Besucher von Außerirdischen auf unserem Planeten in grauer Vorzeit darf es nicht gegeben haben ... also werden entsprechende Darstellungen … wie Tonfigürchen aus uralten Zeiten … gern verschwiegen. Dabei findet sie der aufmerksame Besucher manchmal auch in anerkannten Museen, hinter dem schützenden Glas von Vitrinen ... Und wie ich von Insidern immer wieder höre, wandern solche Funde oft in Kellerdepots, wenn sie nicht gar weggeworfen werden.

Übrigens: Charles Hoy Fort (1874-1932), der unermüdliche Sammler »verbotener Fakten«, kam bereits vor fast einem Jahrhundert zu wirklich verblüffenden Überlegungen(1): »Eines Tages werde ich mich damit beschäftigen, dass die seltsam geformten Erdhügel von Forschern von irgendwo gebaut wurden, die nicht zurückkehren konnten, konstruiert in der Absicht, die Aufmerksamkeit von einer anderen Welt anzulocken ...«
.

Und noch ein Helmkopf
Foto: R.Habeck-B.Moestl
Charles Hoy Fort weiter (2): »Wir werden ... oder auch nicht ... akzeptieren, dass es eine verlorene Kolonie oder Expedition von irgendwo auf dieser Erde gegeben haben mag und außerirdische Besucher, die nie zurückkehren konnten, und andere außerirdische Besucher, die wieder gegangen sind.«

Vor fast einem Jahrhundert spekulierte Charles Hoy Fort über Besucher von Außerirdischen auf unserem Planeten, als Raumfahrt bestenfalls eine verrückte Idee von Fantasten ohne jeglichen Realitätssinn war. Und doch räsonierte Fort schon so früh über kosmische Besucher in grauer Vergangenheit (3): »Ich denke, wir sind Besitz. Ich denke, ich sollte sagen, wir gehören jemandem. Dass irgendwann diese Erde Niemandsland war und dass andere Welten forschten und kolonisierten, untereinander um den Besitz ... der Erde kämpften ... und dass jemandem diese Erde gehört.« (4)

Versteckt zwischen unzähligen Figürchen und Fragmenten in zahlreichen Vitrinen entdeckte ich mehr als merkwürdige Objekte ... und zwar solche, an denen Charles Hoy Fort seine helle Freude gehabt hätte! Für den Menschen an der Wende zwischen zweitem und drittem Jahrtausend wirken manche wie verblüffend realistische Darstellungen von Astronauten. Mich beeindrucken besonders einige Helme, bei denen nicht nur Gesichter hinter dem Sichtfeld zu erkennen sind ... sondern technische Details ... zum Beispiel ein Mikrofon vor dem Mund, integriert in den Helm!

Was stellen die kuriosen Artefakte aus dem Weilbauer-Museum dar? Sind es Taucher in ihren Anzügen ... oder kosmische Besucher aus dem All? Sind es gar mythische Wesen? Fabelwesen können sehr wohl auf realen Begegnungen basieren ... mit Außerirdischen? Mit Tauchern? Wie auch immer: Uralte Artefakte lassen sich manchmal vollkommen anders interpretieren als die Schulwissenschaften das gerne möchten! Uralte Artefakte können uns zu fantastischen Gedanken anregen! Und manchmal ist die Wirklichkeit nur scheinbar unglaubwürdiger als die vermutete Realität ... Reisen – das zeigt sich immer wieder – erweitert den Horizont!

Fußnoten
1 Fort, Charles Hoy: »The Book of the damned«, New York 1919/ deutsche Ausgabe »Das Buch der Verdammten«, Frankfurt am Main 1995, S. 157
2 ebenda, S. 159
3 ebenda, S. 163
4 siehe hierzu auch Langbein, Walter-Jörg und Sachmann, Hans-Werner: »Charles Hoy Fort – Der Chronist des Unerklärlichen« in Däniken, Erich von (Herausgeber): »Das Erbe der Götter/ Auf ›kosmischen Spuren‹ rund um die Welt«, München 1997, S.19-25

»Bestätigung für Professor Cabrera!«,
Teil 93 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 30.10.2011


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