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Sonntag, 21. Oktober 2018

457 »›Geisterstädte‹ auf der Osterinsel?«

Teil 457 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Fotos 1-3: Geheimnisvolle Osterinsel ...

Die 16 verschwundenen Moai von Ahurikiriki standen oder lagen noch im 19. Jahrhundert irgendwo in einer Steilwand an der Südwestküste der Osterinsel auf einer Plattform. Ein Erdbeben mag sie zu Fall gebracht haben. Wie dem auch sei: Warum auch immer, die Kolosse stürzten in die Tiefe, schlugen in der Gischt ein und zerbrachen wohl in mehrere Teile. Seit Jahrzehnten sucht man die Brocken, offiziell hat man sie bis heute nicht gefunden. Allerdings sieht man von der Steilklippe aus da und dort im brodelnden Wasser Felsklumpen liegen, bei denen es sich um die zertrümmerten Kolosse von Plattform Nr. 112, genannt »Ahurikiriki«, handeln könnte. Bislang hat sich freilich niemand an die mögliche Fundstelle herangewagt. Es besteht wegen der extremen Brandung und massiver Strömungen Lebensgefahr. Und wer weiß, vielleicht gibt es dann doch nur formlose Brocken und nicht Trümmer einst stolzer Statuen zu entdecken. Zu finden gibt es auf der Osterinsel noch sehr viel. Vieles aber wird wahrscheinlich für immer rätselhaft und unverstanden bleiben.

Als das Geheimnis der Osterinsel schlechthin gelten die riesigen Steinkolosse, die zum Teil fast zehn Meter hoch in den Himmel ragten. Bislang konnten lediglich kleinere bis mittelgroße Exemplare mit Kranen wieder aufgerichtet werden. Wer wie der Autor die Osterinsel besucht hat, wer schon zu Füßen der stoisch ins Nichts blickenden Kolosse stand, der kann sich über manchen »Wissenschaftler« nur wundern.

Foto 4: Nach wie vor rätselhaft ...
Je intensiver man sich in die wissenschaftliche Literatur über die Osterinsel vergräbt, desto mehr erfährt man über das geheimnisvolle Eiland. Je aufmerksamer man liest, desto klarer werden Widersprüche erkennbar zwischen Aussagen verschiedener Wissenschaftler.

Mit dieser Thematik beschäftigte ich mich bereits 1977. Damals erschien mein Artikel »The Easter Island Controversy« in »Ancient Skies« (1). Ein anschauliches Beispiel: Wilhelm Ziehr beispielsweise wundert sich darüber, wie man sich über die Osterinselriesen wundern kann. Trocken stellt er fest (2):

»Die Existenz monumentaler Steinplastiken auf der Osterinsel ist keineswegs so rätselhaft, wie oft behauptet wurde. Da Holz auf der Insel außerordentlich knapp war, bot sich das hingegen reichlich vorhandene Tuffgestein an.« Mit anderen Worten: Die Osterinsulaner verspürten einen sehr starken künstlerischen Drang. Sie griffen zum Stein, weil Holz extrem selten war.

Foto 5: ... die Kolosse der Osterinsel. Rechts im Bild: Ingeborg Diekmann

Wie aber war es möglich, die Steinkolosse zu transportieren? Da sieht Thor Heyerdahl wiederum keinerlei Problem (3). Seinen Untersuchungen zufolge gab es einst auf der Osterinsel Holz in unvorstellbaren Mengen. Das ganze Eiland war von einem Urwald überzogen. Dieses Holz wurde dann, so Heyerdahl, etwa in Form von Rollen zum Transport der Kolosse benutzt. Der Widerspruch ist eklatant.

Wurden die Riesenfiguren nun gebaut weil den Künstlern kein Holz zur Verfügung stand? Oder konnten die Riesenplastiken so leicht transportiert werden, weil Holz in Hülle und Fülle zur Verfügung stand? Der Widerspruch lässt sich nur mit unsinnigen Annahmen aus der Welt schaffen. Etwa so: Erst war die Insel kahl und leer, Holz gab es kaum. Deshalb griffen die Künstler in ihrem Drang, sich gestalterisch zu verwirklichen, zum Stein. Wie sie die Kolosse befördern würden, darüber machten sich die weltfremden Künstler keine Gedanken. Kaum waren die Kunstwerke aber fertig, wurde das Eiland aus unerfindlichen Gründen von einem wahren Urwald überzogen. Jetzt wussten die Steinmetze plötzlich, wie ihre Werke transportiert werden konnten: mit Hilfe von Holzrollen zum Beispiel. Warum schufen sie dann nicht in großem Umfang Kunstwerke aus Holz als es angeblich Holz im Überfluss gab?

Foto 6: Reste eines der massiven Podeste

Mit einer Fläche von 162,5 km² ist die Osterinsel sehr klein. Lebten einst sehr viele Menschen auf dem winzigen Eiland? Arnold Roggeveen, der das merkwürdige Eiland am Ostermontag den 6. April 1722 »entdeckte«, fühlte sich einmal von »mehreren Tausend« Einheimischen umzingelt und bedroht. Er ließ auf die friedlichen Osterinsulaner schießen. James Cook (*1728; †1779) besuchte die Osterinsel im Rahmen seiner zweiten Südseereise (1772 bis 1775) in der Zeit vom 11. bis zum 17. März 1774. Vergeblich hatte er nach dem legendären »Terra australis« gesucht, von der Osterinsel war er enttäuscht. Am Freitag, den 11. März 1774, notierte Cook in seinem Logbuch: »Leichte Brise und freundliches Wetter. Hatten noch um Mitternacht Tageslicht, nahmen sodann Fahrt auf und sichteten wenig später Land im Westen aus dem Mastkorb.« Dass es sich um die Osterinsel handelte, wurde Cook am Sonntag, den 13. März klar: »Bei der Annäherung an das Land entdeckten wir Leute und eben dieselben Monumente und Idole, welche von den Autoren von Roggeveens Reise erwähnt wurden, welcher Umstand uns keinen Raum für Zweifel daran ließ, dass es sich um die Osterinsel handele.«

James Cook, der die Osterinsel selbst wegen seiner angeschlagenen Gesundheit nicht betrat, schätzte die Zahl der Einwohner auf sechs- bis siebenhundert. George Foster, der im Auftrag Cooks an Land ging, ging von neunhundert Osterinsulanern aus. Alexander Ariipaea Salmon lebte viele Jahre auf der Osterinsel. Zwischen 1850 und 1860 gab es seinen Angaben zufolge fast 20.000 Menschen auf dem Eiland.

Foto 7: Auf Podesten standen einst steinerne Kolosse

Im Jahre 1886 suchte die Besatzung des US-Schiffs »Mohican« die Osterinsel heim, richtete zum Teil erhebliche Schäden an. In der kurzen Zeit vom 18. bis 31. Dezember wurden gut erhaltene Petroglyphen abgeschlagen und an Bord geschleppt. Die Kunstwerke befinden sich heute im »Smithsonian Institution«, Washington. Sicher gelangten kostbare Kunstschätze auch in Privatsammlungen. Sie sind somit für die für die Forschung verloren. Anno 1886 lebten insgesamt nur 155 Menschen auf der Osterinsel. Nach einer Liste aus jener Zeit waren das 68 Männer, 43 Frauen, 17 Knaben und 27 Mädchen unter 15.



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Lebten nun viele Menschen auf der Osterinsel, als die Statuen entstanden? Gab es viele Steinmetze, die die Statuen aus dem Vulkangestein schlugen? Waren viele Menschen erforderlich, um die zum Teil kolossalen Statuen zu transportieren und aufzustellen? Bemerkenswert sind die zahlreichen Spuren auf einstige Siedlungen, die auf eine einstmals dichte Besiedelung schließen lassen könnten. So gab es wohl einst auf dem »Kotatake«-Berg eine Siedlung. Am Fuß des Kotatake Bergs bis zur Küste im Westen erstreckte sich eine Siedlung, immerhin über eine Länge von fast zwei Kilometern! Es könnten hier einst die ältesten Behausungen gestanden haben. Der Grundriss der Häuser war elliptisch, vielleicht in Anlehnung an Boote. Weitere Siedlungen gab es zum Beispiel im Bereich der Küste bei »Rana-Hana-Kana« und an der Küste der »La Pérouse«- Bucht.

Foto 8: Einige der Podeste trotzten dem Zahn der Zeit.

Es gibt also eigentlich zu viele Ruinenreste auf der Osterinsel. Wären sie alle bewohnt gewesen, dann hätten die Menschen nicht ausreichend ernährt werden können. Eine mögliche Erklärung: Es gab eine ganze Reihe von Siedlungen, die aber nicht immer bewohnt waren. Die Insulaner zogen von Siedlung zu Siedlung und wieder zurück. So wurden, und das ist Fakt, die Häuser von Orongo nur während der Feierlichkeiten des »Vogelmann-Kults« bewohnt. Sie standen also den Großteil des Jahres leer. Das mag auch für andere Siedlungen auf der Osterinsel gegolten haben. Es gab also wohl kleine »Geisterstädte« auf der Osterinsel, die einstens aber nicht verfielen, sondern periodisch bewohnt wurden.

Die Osterinsel ist wirklich sehr klein, das schließt eine dichte Besiedlung aus. Je dichter das Eiland besiedelt war, desto mehr Menschen konnten auf der Osterinsel leben, aber desto größer wurden die Ernährungsprobleme. Es müssen auch große Anteile des Eilands nur landwirtschaftlich genutzt worden sein. Es konnte nur eine überschaubare Zahl von Menschen auf »Isla la Pascua« leben und ausreichend ernährt werden.

Foto 9: Steinmetzkunst von Perfektionisten!

Die Menschen mussten nicht nur für Ernährung sorgen. Es mussten auch die Steinkolosse aus dem Vulkan geschlagen, kreuz und quer über das gesamte Eiland transportiert und aufgestellt werden. Was oft unterschätzt wird: Einst standen die Kolosse auf massiven Plattformen, von denen die meisten verfallen oder verschwunden sind. Schon die Mauern dieser Plattformen sind Beweise für die erstaunliche Kunstfertigkeit der Osterinsulaner.

Fußnoten
(1) Langbein, Walter-Jörg: »The Easter Island Controversy«, »Ancient Skies«, Ausgabe November/ Dezember 1977, Chicago 1977
Der Vollständigkeit halber: Mein erster Artikel (»Researcher interviews Prof. Dr. Hermann Oberth«) erschien in der März/April-Ausgabe 1976 von »Ancient Skies«, Chicago.
(2) Ziehr, Wilhelm: »Zauber vergangener Reiche«, Stuttgart 1975
(3) Heyerdahl, Thor: »Die großen Steine der Osterinsel« in
»Versunkene Kulturen«, Zürich 1963

 
Foto 10: Podest mit Statuen. Historisches Gemälde, 18. Jahrhundert.


Zu den Fotos:
Fotos 1-3: Geheimnisvolle Osterinsel ... Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Nach wie vor rätselhaft ... Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: ... die Kolosse der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Reste eines der massiven Podeste. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Auf Pdesten standen einst steinerne Kolosse. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Einige der Podeste trotzten dem Zahn der Zeit. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Steinmetzkunst von Perfektionisten! Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Ahu mit Statuen. Historisches Gemälde, 18. Jahrhundert. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein


458 »Ein Pirat, Samson und Skelette«,
Teil 458 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 28.10.2018


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Sonntag, 20. Dezember 2015

309 »Der Genozid«

Teil 309 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Giganten der Osterinsel

Etwa 1500 Menschen wurden von der Osterinsel in die Sklaverei verschleppt. Am 18. August 1863 zeigen die Proteste gegen den menschenverachtenden Sklavenhandel endlich Wirkung. Die wenigen überlebenden Polynesier sollen auf ihre Heimatinseln zurückgebracht werden. 318 Polynesier haben die unbeschreibliche Hölle überlebt. Das Schiff »Bárbara Gomez« mit den Überlebenden an Bord erreicht als erstes Ziel Papeete. Dann geht es weiter Richtung Isla la Pascua. An Bord bricht eine Pocken-Epidemie aus. 85 der 100 Osterinsulaner sterben, nur 15 überleben. In der Heimat angekommen, infizieren die fünfzehn »Geretteten« die schon dezimierte Bevölkerung der Osterinsel. 1 000 Osterinsulaner werden dahingerafft. Vorsichtig geschätzt fielen zwei Drittel der Bevölkerung der »zivilisierten Welt« zum Opfer. Tragischer Weise führt die christliche Rettungsaktion dazu, dass noch mehr »Wilde« sterben.


Foto 2: Die Osterinsel aus dem All. NASA

Noch 1929 schrieb der fast schon als heldenhaft verehrte Pater Sebastian Englert in einem Aufsatz in »Ewige Anbetung« über »Die Indianerseele« (1): »Niemand wird sich darüber wundern, wenn ich sage, daß der Indianer einer tieferstehenden Rasse angehört als wir Europäer. Und wenn ich manchmal etwas derbe oder scharfe Ausdrücke gebrauche, will ich damit die Indianer nicht verachten. Wer in die Mission geht, weiß von vornherein, daß er zu Menschen niederer Kulturstufe geht und daß das Charisma und die Größe des Missionars darin besteht, um sich der Ärmsten der Armen, der geistig und sittlich am tiefsten Stehenden liebevoll anzunehmen….. Der Missionar hat Gelegenheit, das Niedrige und Gemeine, das in der Indianerseele liegt, zu beobachten: Das Falsche, das Verschlagene, das Heimtückisch-Feige, das Verstohlene, das Sinnliche und das Träge, das Energielose und Dummstolze.«

Foto 3: Auch Make Make konnte nicht helfen
Bei einer unserer langen Jeep-Fahrten, die uns kreuz und quer über die Osterinsel führten, zeige ich mich entsetzt über die Verbrechen am Volk der Rapa Nui. Die stolze Insulanerin tritt auf die Bremse und bringt den Jeep nahe bei einem steinernen Koloss auf mächtigem Podest zum Stehen. Sie sieht mich traurig an. »Es war ein Genozid.« Abends legt sie mir eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 1878 vor. Demnach lebten anno 1877 nur noch 111 Menschen auf der Osterinsel, 85 Männer und 26 Frauen.

»Wenn man die jüngere Geschichte meiner Heimat verfilmen willen, kann man aus reichlich Material schöpfen…«, schimpft meine kundige Führerin. »Da gibt es reichlich Material für eine ganze Horror-Serie! Vermutlich würde das zu grauenhaft…«

Ich schaue meine Gesprächspartnerin wohl etwas zu zweifelnd an. Sie lacht. »Du hast ja recht. Leider wurde bisher viel zu wenig geforscht. Und wenn recherchiert wurde, dann meist beschönigend! Vieles ist noch unklar! Und so mancher ›Held‹ war in Wirklichkeit eine eher zweifelhafte Gestalt! Zum Beispiel Pater Sebastian Englert (1888-1969)…« Nach Heyerdahl wurde Englert als »ungekrönter König« der Osterinsel bezeichnet (3). Englert, Gymnasiallehrer für alte Sprachen, Sprachforscher, katholischer Geistlicher und Missionar wirkte intensiv auf der Osterinsel. Er setzte sich für den Erhalt der Riesenstatuen ein, erforschte die Mythologie der Osterinsel und versuchte den Leprakranken auf der Insel so gut zu helfen, wie er nur konnte.

Fotos 4 und 5: Osterinsel 1914 und fast ein Jahrhundert später

1917, die Einwohnerzahl der Osterinsulaner war wieder auf 301 angestiegen, grassierte eine Lepra-Epidemie auf der Osterinsel. Abends in meiner Pension lese ich in den handschriftlichen Notizen meiner Führerin. Der Geistliche Rafael Edwards weilte 1917 auf der Osterinsel und missionierte eifrig. Er bemühte sich auch um die Seelen der sterbenden Leprakranken, die unter unsäglichen Bedingungen hausen und mehr vegetieren als leben mussten.

Meine Gesprächspartnerin ist nicht besonders gut auf Rafael Edwards zu sprechen. »Dieser Mann des christlichen Gottes hätte sich etwas mehr um das Leiden und Leben der Leprakranken kümmern sollen als um ihr Seelenheil. Ihm war es doch egal, ob jemand an Lepra starb, Hauptsache, er starb als Christ und hat noch rechtzeitig gebeichtet!«

Foto 6: Autor Langbein in einer der Osterinsel-Höhlen

1917 beschreibt Rafael Edwards das grauenhafte Horrorszenario der »Leprakolonie« auf der Osterinsel. Die besonders hart von Lepra betroffenen Menschen gleichen mehr lebenden Leichen. Sie verfaulen bei lebendigem Leibe, umschwärmt von Moskitos, in ihren klaffenden Wunden fühlten sich Maden heimisch. 
Foto 7: Erkundung einer der Höhlen

Auf Stroh und »Unrat« (Rafael Edwards) liegend dämmerten die entstellten Menschen ihrem Ende entgegen. Immer wieder drang Edwards in Höhlen und Häuser in der Leprakolonie vor, um seelsorgerlich zu helfen. Lange hielt er es nicht zwischen den Kranken aus. Der Gestank der »faulen Ausdünstungen« raubte ihm den Atem, so dass ihm immer wieder fast die Sinne schwanden. Dann taumelte er ins Freie, atmete intensiv ein und aus, um sich wieder in den Gestank der Noch-Lebenden und Schon-fast-Toten zu stürzen. »Lepra wurde von den Mächtigen genutzt, um missliebige Insulaner zum Schweigen zu bringen!«, behauptete verbittert meine Gesprächspartnerin.

Foto 8: Düstere Stimmung...
Wann die ersten Menschen auf der Osterinsel zum ersten Mal an Lepra erkrankt sind, ist unklar. Fest steht, dass eine Rapa Nui Familie – drei Personen – nach Tahiti geflohen war und 1889, an Lepra erkrankt, in die Heimat zurückkehrte. Die drei – Vater, Mutter, Kind – lebten getrennt von der übrigen Bevölkerung in einer Höhle. 1902 oder 1903 waren aber schon so viele Menschen angesteckt, dass abseits von der einzigen Siedlung auf dem Eiland eine Lepra-Kolonie gegründet werden musste.

1938 unterschlug der chilenische Arzt und »Militär-Gouverneur« Spendengelder, die für die Leprakranken unter den Rapa Nui gedacht waren.

Erst 1947 begann man, eine modernere Leprastation aufzubauen, mindestens 58 Jahre nach Ausbruch der Krankheit. Es ist beschämend, dass in den 1950er und 1960er Jahren Leprakranke auf der Osterinsel nur gelegentlich ärztlich versorgt wurden. Es ist beschämend, dass es erst 1993, ein Jahrhundert nach Ausbruch, es Betroffenen ermöglicht wurde, sich in Santiago de Chile operieren zu lassen. Es ist mehr als beschämend, dass die Rapa Nui lange Zeit auf der eigenen Insel wie Gefangene in einem Ghetto gehalten wurden. Aufbegehrende Insulaner wurden zu den Leprakranken gesperrt. Auf diese sollten die Menschen gefügig gemacht werden. Als Strafe für Ungehorsam war Ansteckung mit Lepra vorgesehen. Das ist nicht mehr beschämend, das war verbrecherisch.

Howard Phillips Lovecraft (1890-1937), Großmeister des Horrors, schrieb: »Wir leben auf einer seelenruhigen Insel der Ignoranz inmitten eines Meeres von schwarzer Endlosigkeit und es war nie angedacht, dass wir je auf Reise gehen sollten.«

Einst versank die Urheimat der Osterinsulaner im Meer, dank des fliegenden Gottes Make Make – so überliefert es die Mythologie – konnten sich die Menschen auf die »Isla de Pascua« retten. Dort hätten sie wie in einem Paradies leben können… wenn nicht die »Schwärze« der zivilisierten Welt immer wieder Sklaverei, Elend und Tod gebracht hätte. Fast wäre die Bevölkerung der Osterinsel vollständig auslöscht worden. So kann man, muss man von einem Genozid sprechen.

Foto 9: Hund, Autor und kleiner Riese
Fußnoten

1) Zitat aus Fischer, Hermann: »Schatten auf der Osterinsel/ Plädoyer für ein vergessenes Volk«, 2. Überarbeitete Auflage, Oldenburg 1999, S. 202
2) Pinart, Alphonse: »Voyage à l´Ille de Paques: Le Tour du Monde«, vol. 36, Seiten 225-240, Paris 1878
3) Wikipedia-Artikel über Englert.
4) Edwards, Rafael: »La Isla de Pascua«, Santiago de Chile 1918

Zu den Fotos 

Fotos 1, 3, 7 und 8: Walter-Jörg Langbein
Foto 2/ Die Osterinsel aus dem All. NASA: NASA
Fotos 4 und 5/ Osterinsel 1914 und fast ein Jahrhundert später: Foto 4, 1914, gemeinfrei. Foto 5 Ingeborg Diekmann
Foto 6/Autor Langbein in einer der Osterinsel-Höhlen: Ingeborg Diekmann
Foto 9/ Fotograf unbekannt

310 »Die Weihnachtsgeschichte - wortwörtlich«
Teil 310 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 27.12.2015


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