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Sonntag, 30. Juni 2019

493. »Kann man Geister fotografieren?«

Teil 493 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


»Mariä Schutz« ist eine Friedhofskapelle, die auf eine lange, ehrwürdige Vergangenheit zurückblicken kann. Sie wird oft auch »Alte Pfarrkirche« genannt, war sie doch einst die »Laienkirche« von Fischbachau. Begonnen wurde ein erster Vorgängerbau bereits anno 1085 und  anno1087 geweiht. Die in ihrer Schlichtheit beeindruckenden früh-barocken Stuckaturen sind vergleichsweise jung. Sie wurden anno 1630 nach Art der Miesbacher Meister angebracht.Nach einem beeindruckenden Besuch der Kapelle des einstigen Klosters von Birkenstein führen mich kundige und Freunde aus Gerblinghausen zur Kapelle »Mariä Schutz« (1). 

Foto 1: »Mariä Schutz«

Geradezu idyllisch ist der alte Friedhof. Schmiedeeiserne Kreuze, Heiligenfiguren aus Stein und vom Zahn der Zeit arg in Mitleidenschaft gezogene Holztafeln mit uralten bayerischen Namen verleihen dem Gottesacker besonderen Charakter. Hier ruhen die Toten, die »Entschlafenen« wie manche gern umschreiben. Noch heute wagen sich manche Zeitgenossen zu nächtlicher Stunde nicht auf so einen Friedhof. Auch wenn sie es nicht zugeben, vielleicht sogar selbst gar nicht glauben wollen: Sie haben Angst vor »Geistern«. An Geister glaubt der vermeintlich aufgeklärte Mensch mit kühlem Sachverstand natürlich nicht. Nach dem Tod kommt nichts, meinen sie. Andere sind ganz anderer Ansicht. 

Foro 2: Sitting Bull
»Geister gibt es ohne Zweifel, denn sonst könnte man sie nicht fotografieren!« meinen die. Und das schon seit den Kindertagen des Fotografierens. Wirklich? Anno 1872 wurden in England das Medium Mrs. Guppy und der Fotograf Mr. Hudson hofiert. Die Lady rief mental Geister herbei, der Fotograf verewigte sie mit seinem primitiven Apparat. Ein anderes Medium, Mrs. A. E. Deane, war gleichfalls dazu in der Lage, die Geister von Toten herbeizuzitieren, die dann bei Seancen fotografiert wurden. Bei einer Sitzung erschien beispielsweise der Geist eines toten Mädchens. Er wurde gebeten, einen bestimmten Geist herbeizurufen: den des legendären Indianerhäuptling Sitting Bull. Der stolze Jenseitige tauchte wenige Minuten später auf. Ein Vergleich mit dem Titelbild von »My Magazine«, Oktober 1920, ergab eine mehr als erstaunliche Ähnlichkeit.

Foto 3: P. von Hindenburg
Auf Schloss Ostrau begegnete Paul von Hindenburg (*2.10.1847, †2.8.1934), der spätere Reichspräsident, auf der breiten Freitreppe des bei Koethen in Anhalt gelegenen Schlosses einem leibhaftigen Geist. Zunächst hielt von Hindenburg die Erscheinung für eine vornehme Dame aus Fleisch und Blut. Er stellte sich ihr vor. Sie reagierte nicht. Von Hindenburg hielt die Dame für schwerhörig. Als er später sein Erlebnis schilderte, dabei die Dame sehr präzise beschrieb, erfuhr er Erstaunliches: »Das war unser Schlossgeist!« In England ist besonders der »Tower« als Erscheinungsort von Geistern bekannt. Fast ebenso berüchtigt ist Clamis Castle. Der Überlieferung nach soll hier McBeth König Duncan ermordet haben. Auf Claimis Castle, so lautet eine uralte Überlieferung, erscheint immer dann, wenn einem Mitglied des Königshauses ein Unheil droht eine »grüne Frau«. Geisterfotograf William Hoppe soll es gelungen sein, die Dame auf die fotografische Platte zu bannen. Mittels Selbstauslöser lichtete er nicht nur die Spukgestalt, sondern auch noch sich selbst ab.

Ein Betrug scheint ausgeschlossen zu sein. Die Fotoplatte kann nicht manipuliert, sprich vorbelichtet worden sein. Sie wurde nämlich von einem Journalisten ausgewählt. Wenige Tage nach dem so dokumentierten Auftauchen der »grünen Frau« starb König Eduard VIII. Kurz nach der Ermordung von US-Präsident Abraham Lincoln am 15. April 1865 wandte sich die Witwe des legendären Staatsmannes Mary Todd Lincoln (*1818; †1882) an William Mumler, einen bekannten Geisterfotografen jener Zeit. Sie gab einen falschen Namen an. Und doch tauchte auf dem »Geisterfoto« ein Phantom auf, das mit Fantasie als Abraham Lincoln identifiziert werden kann.

Foto 4: Abraham Lincoln
Foto 5: Mary Todd Lincoln
Diese Beispiele sind willkürlich gewählt. Es würde den Rahmen des vorliegenden Buches sprengen, auch nur die wichtigsten Geisterfotos aufzulisten. Die Fülle an Material, wovon gewiss ein erheblicher Teil schlichtweg gefälscht ist, wirft eine Frage auf: Was sind Geister eigentlich? Oder profaner: Woraus bestehen sie? In den 1870er Jahren gelang es dem Medium Wilma Hardy durch reine Gedankenkraft, »Geisterhände« aus dem Nichts auftauchen zu lassen. Der Bostoner Geologe William Denton beobachtete das Phänomen kritisch. Es gelang ihm von den »Geisterhänden« sogar Gipsabdrücke anzufertigen. Ähnliche Materialisationen konnte auch das französische Medium Marthe Bértraud bewerkstelligen. Zu Beginn unseres Jahrhunderts tauchten bei Seancen mit ihr »schleierartige Materialisationen« auf, die die Gestalt von Köpfen, Armen oder ganzen Menschen annahmen.

Die Erscheinungen waren dabei so plastisch, dass es manchen Zeitgenossen schwer fiel, an Übersinnliches zu glauben. Lag da nicht vielleicht doch ein geschickter Trick vor? Schaffte es das Medium, etwas durchaus Materielles mit Hilfe von Taschenspielertricks als etwas »Jenseitiges« auszugeben? Der Münchner Arzt und Erforscher des Übersinnlichen, Freiherr von Schrenck-Notzing (*1862, †1929), war bestens vertraut mit solchen Tricks. Er kannte sie alle. Und er unternahm strenge, ja peinliche Kontrollen, um jede Möglichkeit eines Betrugs auszuschließen. So musste sich Medium Marthe Bértraud vor jeder Seance nackt ausziehen.

Foto 6: Mary Todd Lincoln
Ihr Körper wurde peinlich genau auf eventuell versteckte Hilfsmittel hin untersucht. Nichts Verdächtiges wurde gefunden. Freiherr von Schrenck-Notzing gab ihr sogar Brech- und Abführmittel ein, um  auch jede nur denkbare Trickserei zu vereiteln. Schließlich musste Marthe Bértraud ein enges, knapp sitzendes Trikot anlegen. Ihr Kopf wurde mit einer Haube umhüllt. Und trotzdem entstanden die geheimnisvollen Materialisationen. Es bildeten sich dunstartige Wolken aus dem Nichts. »Geister« formierten sich. Dr. Schrenck-Notzing fand heraus, dass auch männliche Medien Geister erscheinen lassen konnten, zum Beispiel die Gebrüder Willy und Rudi Schneider aus Braunau am Inn. Auch bei beiden Brüdern schlossen kriminalistische Überwachungsmethoden aus, dass betrogen wurde. Die beiden Männer waren dazu in der Lage, Geister herbeizurufen, die vor den Augen der Zeugen als nebulöse, halb durchsichtige Wesen entstanden.

Als im Dezember 1929 an Bord des Schiffes SS. Watertown zwei Mitglieder der Besatzung starben, wurden sie, altem Brauchtum folgend, auf See bestattet. Einen Tag später geschah Unbegreifliches. Von einer bestimmten Stelle an Bord aus betrachtet, sah man die Gesichter der Toten im Meer. Und das Tag für Tag, erstaunlich deutlich. Die seltsame Geistererscheinung trat auch auf den folgenden beiden Reisen der SS. Watertown auf. Die Gesichter der Toten im Wasser verfolgten das Schiff. Mehrere Fotos beweisen die Realität des Unbegreiflichen. Noch ein Beispiel: 1959 hielt der Geistliche R. S. Blance  eine ehemalige Kultstätte der Ureinwohner Australiens auf im Bilde fest. Als das Foto von einem professionellen Labor entwickelt worden war, war deutlich eine geheimnisvolle, halb durchsichtige Gestalt zu sehen.

Foto 7: So soll »Mary King’s Close« ausgesehen haben.

Geister tauchten auf frühen Fotos des 19. Jahrhunderts auf. In unseren Tagen lassen sie sich per Video aufnehmen. Architekt David Roulston aus Glasgow verbrachte beispielsweise im Juni 1995 eine Nacht im alten Gemäuer von »Mary King’s Close« in Edinburgh. Dem 47-Jährigen wurde bald unheimlich zumute. Er spürte unerklärliche Kältewellen. Da er eine Videokamera dabei hatte, filmte er wahllos. Als er dann Tage später die Aufnahmen zuhause ansah, wurde ihm erst wirklich unheimlich. Da tauchte ein unheimliches schemenhaftes Gesicht aus dem Nichts auf. Dieses unheimliche Etwas hat als »monströse Form« nach amtlichen Dokumenten bereits im 17. Jahrhundert dort sein Unwesen getrieben.

Wenn eine Straße idealer Aufenthaltsort für Geister ist, dann ist es »Mary King’s Close«. Hier grassierte anno 1645 eine fürchterliche Pestepidemie. Die Krankheit breitete sich rasend schnell aus in Edinburgh. Viele Menschen wurden dahingerafft. Wie viele Opfer zu beklagen waren, lässt sich nicht mehr feststellen. Die entsetzten Stadtväter Edinburghs sahen sich genötigt, etwas zu unternehmen. Da sie »Mary King’s Close« für den Ausgangspunkt der tödlichen Krankheit hielten, fassten sie einen Beschluss, der umgehend in die Tat umgesetzt werden musste. Die schmale Gasse wurde einfach an beiden Enden zugemauert. 

Der Legende nach wurde die Gasse zum Gefängnis für viele Menschen, die nicht entkommen konnten. Waren sie schon von der Pest befallen? Wieder gab es Todesopfer zu beklagen. Erst im Frühjahr 2003 wurde die Gasse des Todes wieder geöffnet und zur makaberen Attraktion für ganz spezielle Führungen (2).

Foto 8: »Mariä Schutz«. Foto Heidi Stahl
Spukte es in der »Mary King’s Close«-Gasse? Oder gibt es eine weniger gespenstische Erklärung für seltsame Erscheinungen in dem keine zwei Meter breiten Gässchen? Einst endete es an einem See. Die Bevölkerung wuchs und wuchs, immer mehr Menschen hausten in den Elendsvierteln. So wurde der See in »Baugelände« verwandelt, das heißt man versuchte, das Gewässer zuzuschütten. So entstand ein stinkender Sumpf, dessen wabernde Dämpfe angeblich abends wie »Gespenster« aussahen. Und angeblich löste das Einatmen dieser ungesunden Schaden Halluzinationen aus.
Fragen über Fragen ergeben sich! Wenn es Geister gibt, sind das die Seelen von Verstorbenen? Halten sie sich in einem wie auch immer gearteten Zwischenreich auf? Und können sie ihre Welt verlassen und die unsere besuchen? Nach Prof. Markolf H. Niemz sind Raum und Zeit eine Illusionen und »Licht« kann die Schwelle zwischen Diesseits und Jenseits überwinden. »Licht« aber sollte fototechnisch dokumentierbar sein.

Literatur
Foto 9: Sensationell!
Aries, Judas: »Gefährder Einstein/ Wie Sie Gott mit GOTT zu Fall bringen«, Norderstedt 2019 (Foto 9!)
Holbe, Rainer: »Phantastische Phänomene«, München 1993
Keller, Werner: »Was gestern noch als Wunder galt«, Zürich 1973
»One dog night« in »Fortean Times« Nr. 83
Niemz, Prof. Markolf H.: »Lucy mit c: Mit Lichtgeschwindigkeit ins Jenseits«, Norderstedt 2005
Niemz, Prof. Markolf H.: »Lucy im Licht: Dem Jenseits auf der Spur«, München 2007
Niemz, Prof. Markolf H.: »Lucys Vermächtnis: Der Schlüssel zur Ewigkeit«, München 2009
Niemz, Prof. Markolf H.: »Bin ich, wenn ich nicht mehr bin? Ein Physiker entschlüsselt die Ewigkeit«,  Freiburg 2011
Niemz, Prof. Markolf H.: »Ichwahn: Ein Physiker erklärt, warum Abgrenzung gegen unsere Natur ist. Der Schlüssel für ein neues Miteinander, München 2017

Fußnoten
1) Friedhofskirche »Mariä Schutz«, Martinsweg 3, D-3730 Fischbachau, Telefon  08028.90670
2) https://www.realmarykingsclose.com/plan-your-visit/opening-times-prices/ (Stand 23. Mai 2019)

Foto 10: Kirchhof »Mariä Schutz«.
Zu den Fotos
Foto 1: »Mariä Schutz«, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2:  Häuptling Sitting Bull um 1883. Foto wikimedia commons/ Daniel Guggisberg historical photographs collection
Foto 3: Paul vom Hindenburg, um 1914. Foto gemeinfrei/ Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Abraham Lincoln/ Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Mary Todd Lincoln/ Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Mary Todd Lincoln/ Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: So soll »Mary King’s Close« ausgesehen haben. public domain
Foto 8: »Mariä Schutz«. Foto Heidi Stahl
Foto 9:
Foto 10: Kirchhof »Mariä Schutz«. Foto Heidi Stahl

494. »Berichte vom Leben nach dem Tod«
Teil 494 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 07. Juli 2019



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Sonntag, 10. September 2017

399 »Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«

Teil 1 »Birkenstein und Orte der Weisheit«,
Teil  399 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein


Fischbachau ist ein idyllischer Urlaubsort in Oberbayern. Er liegt an der malerischen Leitzach im Mangfallgebirge. Zwei sakrale Sehenswürdigkeiten gibt es, nämlich »Mariä Schutz« und das  »Martinsmünster«. Das »Martinsmünster« gilt als die besterhaltene romanische Basilika Südbayerns. »Mariä Schutz« ist vielleicht kunsthistorisch noch bedeutsamer, ist doch die »Alte Pfarrkirche« vielleicht nicht der älteste, aber der älteste unveränderte Kirchenbau Altbayerns.

Foto 1: Fischbachau im Winter.

Nach mehreren Regentagen Anfang Mai 2017 ist uns – mir und lieben Freunden aus dem Münchner Umland – der Wettergott mehr als gnädig. Nach heftigen Regenschauern von graublauem Himmel lacht die Sonne vom bayerisch-blauen Firmament. Einzelne weiße Wölkchen heben noch die herrliche Bläue des Himmels hervor. Und »Mariä Schutz« und das  »Martinsmünster« strahlen in blendendem Weiß förmlich miteinander um die Wette.

Aber uns zieht es zunächst einmal weiter gen Himmel, den Berg hinauf zum ehemaligen Kloster und der Klosterkapelle von Birkenstein. Man sieht nur mit dem Herzen gut, so heißt es. Dieses Wort trifft auf Birkenstein zu. Die Schönheit Birkensteins, seine mystische Atmosphäre, lässt sich weder fotografieren, noch in angemessene Worte fassen. Man muss Birkenstein und seine Geheimnisse einfach erleben!

Per Zug ist Birkenstein von München aus zu erreichen. Man fährt Richtung Bayrischzell und steigt in Fischbachau aus. Von da aus geht es per Taxi oder zu Fuß weiter. Eine Stunde Fußweg muss man einkalkulieren. Bequemer ist die Anreise per PKW. Von München aus fährt man auf der Autobahn Richtung Salzburg. Man erlässt die Autobahn entweder bei der Ausfahrt Wayarn oder bei der Ausfahrt Irschenberg. Von da aus geht es nach Miesbach. Wunderschön ist die weitere Fahrt durch das wunderschöne Leitzachtal bis nach Fischbachau. Man kann aber auch Fischbachau über Schliersee erreichen. Den letzten Kilometer muss, nein darf man zu Fuß gehen, dann kommt man in Birkenstein an.

Anfang Mai 2017 drohte mein Besuch in Birkenstein auszufallen. Bedingt durch Straßensperrungen und Baustellen komme es in der Region zu Staus. Birkenstein müsse aus dem Programm genommen werden. Auf kleinen Nebensträßchen der idyllischen Art erreichten wir dann aber doch das Ziel, die mysteriöse Klosterkapelle.

Eigentlich könnte man sich tagelang in Fischbachau aufhalten, zahlreiche Hinweise auf uralten Volksglauben studieren. Der Bildstock des Heiligen Nepomuk zum Beispiel ist einen Besuch wert. 

Foto 2: Nepomuk von Fischbachau.
Johannes ne Pomuk, also Johannes aus Pomuk, Tschechien 1380 wurde zum Priester geweiht und Pfarrer an der Kirche St. Gallus in Prag. Sein energisches Auftreten für die Rechte der Kirche, seine mutige Haltung gegenüber dem König machte den konsequenten Theologen beim Volk beliebt. Er ließ sich, heißt es, den Mund nicht verbieten, worüber sich König Wenzel offenbar maßlos ärgerte. Zu allem Überfluss erkor sich die Königin Johannes ne Pomuk zum Beichtvater.

König Wenzel wollte nun von Nepomuk erfahren, was seine Ehefrau so an Sünden zu beichten Pflegte, aber auch unter schlimmster Folter bewahrte Nepomuk das Beichtgeheimnis. So starb er nach schlimmsten Qualen, so wird überliefert, als Märtyrer. Eine Legende schildert, fünf Sterne hätten der Königin gezeigt, wo der geschundene Leichnam des Priesters zu finden sei. Tatsächlich wurde der Körper Nepomuks gefunden und konnte beigesetzt werden. Angeblich wurden seine Gebeine und seine Zunge anno 1719 bei einer Graböffnung unversehrt vorgefunden. Zehn Jahre später wurde Johannes Nepomuk kanonisiert. Das »Zungenwunder« wurde als Zeichen des Himmels gesehen. Kein Wunder, dass Nepomuk zum Patron der Beichtväter wurde.

Eigentlich sollte man sich Zeit nehmen für Birkenstein und seine Klosterkapelle. Hand aufs Herz: Ich hätte mir mehr Zeit nehmen sollen für Birkenstein. Eigentlich sollte man nicht mit dem Auto anreisen, sondern als Pilger besuchen. Aber ich bin froh, überhaupt in Fischbachau und Birkenstein gewesen zu sein.

Wie ich vor Ort erfahren habe finden alljährlich 43 Fußwallfahrten nach Birkenstein statt. Manche haben schon eine sehr alte Tradition. So finden schon seit 1835 Fußwallfahrten von Obertaufkirchen bei Erding statt. Zwischenstation ist Tuntenhausen. Eine Wallfahrtskirche von Tuntenhausen ist bereits anno 1226 erstmals urkundlich erwähnt. Am späten Nachmittag des zweiten Tages erreichen die Pilger Birkenstein.

Foto 3: Der Verfasser in Birkenstein.

1470 bis 1480 wurde der Sakralbau durch eine größere Hallenkirche ersetzt, 1513 bis 1533 kamen die beiden markanten Doppeltürme hinzu. In den Jahren 1548 und 1584  setzten gewaltige Brände dem Gotteshaus zu. Die Kirche konnte aber wieder instand gesetzt werden. Der für heutige Zeitgenossen kuriose Name der Gemeinde Tuntenhausen  geht auf einen frühen Siedler namens Tunti oder Tunto zurück, der bereits im 8. Jahrhundert dokumentiert ist. Tuntenhausen ist also als »Befestigte Wohnanlage« oder «Burg« des Tunti/ Tunto zu verstehen.

Foto 4: Wallfahrtskirche von Tuntenhausen

Zurück ins 21. Jahrhundert. Zurück in unsere Zeit des Lärms und der Hektik. Dank des Internets können wir schneller denn je an Informationen gelangen. Dank des Internets können wir weltweit Kontakte knüpfen, ohne auf Entfernungen achten zu müssen weltweit mit anderen Menschen sprechen. Ich weiß die Segnungen des Internets sehr zu schätzen, so wie ich auch den modernen Wissenschaften wirklich außerordentlich dankbar bin. Die faszinierenden Wissenschaften haben uns viele Fenster geöffnet, die uns unglaublich viel von der Wirklichkeit zeigen. Seit Jahrhunderten explodierte das Wissen auf Planet Erde geradezu. Und dank des Internets ist heute allgemein zugänglich, was noch vor wenigen Generationen nur von Wenigen eingesehen werden konnte, die Zugang zu den größten Bibliotheken ihrer Zeit hatten.

Je weiter die Pioniere der Wissenschaft vorankamen, je größer der von ihnen angehäufte Wissensschatz wurde, desto schneller wuchs die Spezialisierung. Und je größer das Messbare, heute schon wissenschaftlich erfassbare und überprüfbare Wissen wird, desto größer wird die Distanz zur Mystik. Ja alles was nicht irgendwie messbar ist, was sich nicht mittels wissenschaftlicher Formeln definieren lässt, scheint offiziell gar nicht existieren zu dürfen. Dabei gibt es doch schon seit Jahrzehnten intensive Bemühungen Mystik und Wissenschaft nicht als unvereinbar Gegensätzliches zu sehen.

Allen voran versuchte Bestsellerautor (1) Fritjof Capra (* 1. Februar 1939 in Wien), ein österreichisch-amerikanischer Physiker, Systemtheoretiker und Philosoph, mit einem ganzheitlich-systemischen Ansatz eine Verbindung zwischen östlicher Mystik und moderner Physik herzustellen. Versuchten Weise der letzten Jahrtausende, die Wahrheit hinter dem Vordergründigen zu erkennen, so gibt es seit Jahrzehnten ernsthafte Bemühungen, das Gemeinsame von Wissen und Geheimnis zu finden (2).

Foto5: Fritjof Capra.
Ich frage mich immer wieder, ob nicht die moderne Wissenschaft des scheinbar Faktischen, eine wesentliche menschliche Fähigkeit mehr und mehr verkümmern lässt? Ich meine die Fähigkeit des Spürens, des Erfühlens von einer letztlich noch unser Vorstellungsvermögen bei weitem überschreitenden Weisheit. Betreten wir damit die Welt der Religionen? Auf der einen Seite gibt es die strenge materialistische Schulwissenschaft. Auf der anderen Seite gibt es die Welt der großen Religionen, die zu mächtigen Institutionen geworden sind. Das freilich war alles andere als im Sinn der großen Weisen vergangener Jahrtausende (3).

Institutionalisierten Religion geht es freilich früher oder später nur noch um Macht. Um diese Macht umsetzen zu können, benötigen sie Menschen, die sich das Denken abnehmen lassen. Was sie nicht gebrauchen können, das sind Menschen, die versuchen, mit selbständigem Denken und Weisheit die Realität zu erfassen. Sie sehen die Dinge nicht, wie sie nach Meinung ihrer Vordenker gesehen werden müssen, sie wollen sich ein eigenes Bild machen. Solche Menschen entziehen sich der Macht von Wissenschaftlern wie von Geistlichen, die vorschreiben wollen, was zu glauben ist und was nicht.

Was ich mich seit vielen Jahren frage: Gibt es auf unserem Planeten Erde Orte, an denen Weisheit besser erspürt werden kann als an anderen Orten? Ich meine ja. Und ich bin davon überzeugt, dass solche Stätten seit Jahrtausenden bekannt sind. An solchen Orten hat man schon vor Jahrtausenden Menhire errichtet, geheimnisvolle Zeichen in Berghänge gekratzt, Tempel gebaut, die dann später von Vertretern der großen Religionen vereinnahmt wurden.


Foto 6: Einer der »alten Weisen«.

Fußnoten

1) Capra, Fritjof: »Das Tao der Physik/ Die Konvergenz von westlicher
     Wissenschaft und östlicher Philosophie«, Neuausgabe, Bern, München, Wien,
     1984
2) Davies, Paul: »Gott und die moderne Physik«, Vorwort von Hoimar von
     Ditfurth, München 1986
Talbot, Michael: »Mystik und neue Physik/ Die Entwicklung des kosmischen
     Bewusstseins«, München 1989
3) Bütler, Rene: »Die Mystik der Welt/ Quellen und Zeugnisse aus vier
     Jahrtausenden/ Ein Lesebuch der mystischen Weisheiten aus Ost und West«,
     Bern, München, Wien 1992
Läpple, Alfred: »Ketzer und Mystiker/ Extremisten des Glaubens/ Versuch einer
     Deutung«, München 1988


Foto 7: Der Regenbogen, ein Symbol.
Zu den Fotos
Foto 1: Fischbachau im Winter. Foto wikimedia commons/ Bbb.
Foto 2: Der Nepomuk von Fischbachau. Foto wikimedia commons/ gemeinfrei/ Rudolph Buch.
Foto 3: Der Verfasser in Birkenstein. Foto Heidi Stahl. Copyright Heidi Stahl.
Foto 4: Wallfahrtskirche von Tuntenhausen mit dem Wappen der Gemeinde. Foto Wikimedia commons Rufus46
Foto 5: Fritjof Capra. Foto Wikimedia commons Zenobia Barlow
Foto 6: Einer der »alten Weisen«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Der Regenbogen, ein Symbol. Foto Heidi Stahl


400 »Vom Staffelberg nach Birkenstein«,
»Das Geheimnis der fliegenden Kapellen«, Teil 2
Teil  400  der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 17.09.2017


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