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Sonntag, 1. Mai 2016

328 »Vom Nabel der Welt ins All«

Teil 328 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Fotos 1 und 2: Weltenbaum der Maya

Zum ersten Mal begegnete ich dem mysteriösen Objekt im Jahr 1978. Ein Geistlicher zeigte mir einen kuriosen Gegenstand: Das Ding war etwa dreißig Zentimeter lang und aus sehr dunklem, offenbar sehr hartem Holz geschnitzt. Es war lang und schmal, lief nach unten spitz zu. An den drei abgeflachten Seiten der ›Spitze‹ waren geometrische Figuren zu erkennen, die mich an Schlangen erinnerten. Diese Spitze machte ungefähr eine Hälfte des Fundobjekts aus. Die obere Hälfte bestand aus dem sorgfältig geschnitzten Oberkörper eines menschlichen Wesens, offenbar eines Mannes. Wann genau es zu dem merkwürdigen Fund kam? Nach Angaben des Geistlichen machte er seine Entdeckung 1968.

Foto 3: Ein »Phurba«
Der Geistliche hatte das hölzerne Objekt bei nicht genehmigten Grabungen in seiner kleinen Kirche unter dem Mittelgang gefunden. Der Priester hat offenbar systematisch Steine aus dem Fußboden des Gotteshauses gelockert, entfernt und darunter gegraben. Hat er sich damals – also vor mehr als vierzig Jahren – »nur« der Sachbeschädigung schuldig gemacht? Oder lagen gar Akte der Kirchenschändung vor? Wichtig ist, dass der Pfarrer sachkundig alles wieder in Ordnung brachte, so dass keinerlei Spuren einer Beschädigung erkennbar waren. Ja zu Beschädigungen sei es gar nicht gekommen, weil nur Steine gelockert, gelöst, herausgenommen und später wieder eingesetzt worden seien. Aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen wurde der Fund nie gemeldet. 

Inzwischen ist der Geistliche verstorben. Was aus dem merkwürdigen »Ding« wurde? Ich weiß es nicht. Wie kam das eigenartige Gebilde unter den Fußboden des Gotteshauses? Es ähnelte auf das Verblüffendste einem »Phurba« aus Tibet! In meiner kleinen Sammlung sakraler Objekte befindet sich ein solcher »Phurba«, aus Holz geschnitzt. Das 23 Zentimeter lange und bis zu fünf Zentimeter breite kleine alte Kunstwerk wurde, wie man mir mitgeteilt hat, in Nepal gefertigt. Mit so einem Dolch hat alter Mythologie zufolge Gott Vajrakila (auch Vajrakumara genannt) Dämonen und Geister gebannt.

Ursprünglich war der »Phurba« wohl von profaner Natur und diente als Hering der Verankerung und Sicherung von Zelten. Im sakralen Bereich markierte man mit einer geweihten Phurba heilige Stätten, etwa Plätze für einen Tempel. Und schließlich gilt er auch als die  »Achse der Welt«.

Die Weltachse, im Latein des Christentums »axis mundi« genannt, ist fester Bestandteil des Menschheitserbes. Im Christentum sah man den Kreuzigungshügel von Golgatha bei Jerusalem als Mittelpunkt der Welt an. Auf diesem »Nabel der Welt« stand wie ein heidnischer »Weltenbaum« das Kreuz Christi. In der Tat gab es den »Nabel der Welt« schon Jahrtausende vor dem Christentum.

Foto 4: Wohin reiste der Mann von Palenque?

Im »Mithras-Kult« stand im »Nabel der Welt« eine hohe Leiter, die Terra mit den acht Himmeln verbunden hat. Auch die Maya wussten von einer solchen Verbindung zwischen Erde und Himmel. Die Weltachse – etwa von Palenque – führte in den Himmel. Was verstanden die Maya unter »Himmel«. Verstanden sie darunter ein jenseitiges Reich der Verstorbenen? Oder glaubten sie in weiter zurückliegenden Zeiten an Götter, die tatsächlich leibhaftig in den Himmel empor steigen konnten? Wohin reiste also der Mann von Palenque? Ins All? Ins Totenreich? In den Himmel?

In diesem Zusammenhang denken wir natürlich an die Grabplatte von Palenque unter dem Tempel der Inschriften, an die fantastische Darstellung, die 1968 das Cover von Erich von Dänikens »Erinnerungen an die Zukunft« zierte. Nach wie vor wird gestritten und diskutiert. Steigt da eine Seele empor in den Himmel? Oder fällt der Verblichene hinab ins Totenreich? Oder sehen wir – und diese Sichtweise drängt sich uns auf – einen Astronauten im Raumanzug?

Foto 5 : Ceiba-Baum, Tikal
Vergessen wir nicht die Hopi-Indianer. Auch sie verehrten die »Weltachse«. Sie führte aus eine unterirdischen Höhle empor in den Himmel. Die Katchinas pendelten zwischen Himmel und Erde . Ganz ähnlich, nur konkreter, war die Mythologie der Maya. Die Maya von Yucatán verstanden einen Ceibabaum (Kapokbaum) als Weltachse. Seine Wurzeln im Unterirdischen versinnbildlichten die Unterwelt, sein mächtiger Stamm die Welt der Lebenden und seine Krone den Himmel. Diese Interpretation, das will ich betonen, habe ich nirgendwo in der Literatur gefunden!

Ist es nicht sehr interessant, dass in manchen Überlieferungen der »Nabel der Welt«, also das »Zentrum der Welt« exakt dort festgemacht wird, wo die Verbindung zwischen Himmel und Erde besteht? Sollte auf diese Weise die immense Bedeutung der Orte hervorgehoben werden, wo die Himmlischen vom Himmel herab zur Erde kamen und wo sie wieder gen Himmel auffuhren?

Auch auf der Osterinsel gab es einen »Nabel der Welt«, der durch ein steinernes Ei gekennzeichnet wurde. Auch wenn es meines Wissens nach auf der Osterinsel keine Überlieferung von einer »Weltachse« gab, so waren den Osterinsulaner sehr wohl fliegende Götter bekannt. Deren prominentester Vertreter war der geradezu legendäre Make-Make, der ja den ersten Bewohner vom Atlantis der Südsee zur Osterinsel geflogen haben soll, als seine Heimat in den Fluten des Meeres versank. 

Foto 6 : Riese aus Stein
Die Vergangenheit der Osterinsel ist nebulös und mythenumrankt. Die neuere, jüngere Vergangenheit dieses herrlichen Eilands ist zwar weitestgehend bekannt, wird aber nach wie vor gern verdrängt. Ob das daran liegt, dass den Menschen von »Rapa Nui« bis weit ins 20. Jahrhundert hinein entsetzliches Leid zugefügt wurde? Wiederholt wurde das kleine Inselchen überfallen, wurden vor allem Männer in die Sklaverei verschleppt. In der Fremde kamen die meisten der Entführten ums Leben. Sie starben an Erschöpfung, fielen Krankheiten zum Opfer. Als schließlich die letzten Überlebenden in die Heimat zurückkehren durften, brachten sie Krankheiten mit, so dass fast die gesamte Bevölkerung dahingerafft wurde.

So ist es nur zu verständlich, dass die Einheimischen den Erforschern der alten Geschichte der Osterinsel mit Misstrauen begegneten. Von Fremden hatten die Vorfahren nie Gutes erfahren. Sollte man den Nachkommen der Peiniger von einst die geheimen Überlieferungen aus uralten Zeiten offenbaren? Die Entzifferung der Osterinselschrift wurde keinem der Fremden anvertraut. Und wie sieht es mit den heiligen Überlieferungen aus?

Bei meinem ersten Besuch auf der Osterinsel im Oktober 1992 erzählte mir weit nach Mitternacht der
Foto 7 : Make-Make, fliegender Gott der Osterinsel
»Chef« meiner kleinen Pension, dass die berühmten Osterinselkolosse auch so etwas wie »Weltachsen« seien und Unterwelt und Himmel miteinander verbänden. Die Unterwelt werde durch Kammern in den Sockeln dargestellt, auch durch Gräber. Was die meisten Besucher der Insel nicht wissen: Es gab einst eine Verbindung zwischen Bestattungen von Menschen und den Plattformen, die als Fundamente für die Statuen dienten. Mag sein, dass direkt unter diesen Plattformen einst besonders würdige Insulaner bestattet wurden. Fest steht, dass es in unmittelbarer Nähe der Plattformen Gräber gab.

Die hohe Statue stehe für die Welt der Lebenden, aber auch für die Verbindung zwischen Erde und Himmel. Und die roten Zylinder auf den Häuptern der Osterinselkolosse symbolisierten den Himmel. In der Literatur fand ich allerdings eine derartige Interpretation der Osterinselriesen nicht.

Fotos 8 und 9 : Zwei »Weltachsen«: Maibaum und auf der Grabplatte von Palenque

Auch in unseren Gefilden gibt es Brauchtum, das nach wie vor gepflegt wird. Es hat seinen Ursprung in der »heidnischen« Weltachse. Und die wird auch heute noch, besonders im ländlichen Bereich des Freistaats Bayern aufgerichtet. Man nennt sie im Volksmund – Maibaum. Über den Ursprung des Maibaums kann man nur spekulieren. Geht der Brauch auf germanische Baum-Rituale zurück? Ist der heutige Maibaum vage Erinnerung an die von den Germanen in Wäldern verehrten Götter? Oder liegt der Ursprung des christlichen Brauchs des Maibaum-Aufstellens sehr viel weiter zurück in der Vergangenheit? Hat man Stein durch Holz ersetzt? Richtet man heute Maibäume auf, so wie man vor Jahrtausenden mit sehr viel größerem Aufwand gewaltige Menhire in die Senkrechte brachte?

Vor Jahrtausenden wurden riesige Steinmonolithen bewegt, transportiert und mühsam platziert. Warum? Zu welchem Zweck?


Foto 10 : Die Katchinas pendelten zwischen Himmel und Erde

Literatur zum Thema Osterinsel


Heyerdahl, Thor: »Aku-Aku/ Das Geheimnis der Osterinsel«, Berlin 1972
Lee, Georgia: »The Rock Art of Easter Island/ Symbols of Power, Prayers to the Gods«, Los Angeles 1992
Foto 11: »Phurba«
Machowski, Jacek: »Insel der Geheimnisse/ Die Entdeckung und Erforschung der Osterinsel«, Leipzig 1968
Mann, Peggy: »Land of  Mysteries«, New York 1976
Mazière, Francis: »Insel des Schweigens/ Das Schicksal der Osterinsel«, Frankfurt 1966
Métraux, Alfred: »Ethnology of Easter Island«, Honolulu, Hawaii, 1971
Orliac, Catherine und Michel: »Mysteries of  Easterisland«, London 1995

Zu den Fotos:
Fotos 1 und 2: Weltenbaum der Maya. In Foto 2 (rechts) habe ich den Weltenbaum markiert. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Ein »Phurba«.  Foto 3 zeigt den gleichen »Phurba« wie Foto 11, aus anderer Blickrichtung. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Wohin reiste der Mann von Palenque? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5 : Ceiba-Baum, Tikal. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6 : Riese aus Stein. Im Bild: Statue, Hund, Autor Langbein. Foto privat
Foto 7: Make-Make, fliegender Gott der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 8 und 9 : Zwei »Weltachsen«: Maibaum und auf der Grabplatte von Palenque. Foto 8: Heidi Stahl. Foto 9: Walter-Jörg Langbein
Foto 10 : Die Katchinas pendelten zwischen Himmel und Erde. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 11: »Phurba«. Foto 11 zeigt den gleichen »Phurba« wie Foto 3, aus anderer Blickrichtung. Foto Walter-Jörg Langbein

329 »Gesar, der Göttliche mit Menschenhaut«,
Teil 329 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 08.05.2016

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Sonntag, 1. April 2012

115 »Die mysteriösen Steine der Bretagne«

Teil 115 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Geheimnisvolle Welt der Menhire
Foto W-J.Langbein
»Zu gewissen Zeiten gibt die menschliche Gesellschaft Rätsel auf ...« stellte der große französische Schriftsteller Victor Hugo (1802-1885) in seinem Roman »Dreiundneunzig« fest (1). Zu den großen Geheimnissen unseres Planeten gehören ohne Zweifel die mysteriösen Steine der Bretagne.

1874 erschien Hugos »Dreiundneunzig«. Damals war natürlich Frankreich längst christianisiert ... und doch existierten Katholizismus und »heidnischer« Glaube nebeneinander her. Der bretonische Bauer, so konstatierte Hugo mit leiser Ironie (2), »verehrt am meisten seinen Pflug und danach seine Großmutter, glaubt an die heilige Jungfrau und an die weiße Dame, bückt sich vor dem Altar und auch vor dem geheimnisvollen, aus der Heide ragenden alten Stein.«

Der Respekt vor den uralten Menhiren – zu Deutsch: vor den stehenden Steinen – wurde aber bei weitem nicht von allen Bewohnern der Bretagne geteilt. Godfrey Higgins (1772-1833) bereiste vor rund zwei Jahrhunderten das Land der Menhire und Hinkelsteine. Er versuchte vergeblich zu ergründen, warum Tausende und Abertausende von zum Teil viele Tonnen schweren Steinriesen in manchmal endlos scheinenden Reihen aufgestellt wurden. Der Archäologe erfuhr von einem kurios anmutenden Glauben.

Historische Aufnahme um 1910
Foto: Archiv W-J.Langbein
Angeblich wurde einst ein gewaltiger Schatz vergraben ... und die Stelle mit einem imposanten Menhir gekennzeichnet (3). Ganz so leicht wollte man es Schatzsuchern aber nicht machen ... und so versteckte man den steinernen Hinkelstein mit den Kostbarkeiten von unvorstellbarem Wert ... in einem Wald von Tausenden und Abertausenden von riesigen Steinen. Ein geheimer Plan soll dem Suchenden verraten, wo er den Spaten anzusetzen hat, um fündig zu werden.

So unglaubwürdig diese »Erklärung« auch ist ... ohne Zweifel brachte man Jahrhunderte lang die Menhire der Bretagne mit verborgenen Schätzen in Verbindung. Und so wurden unzählige der Hinkelsteine.... wer kennt sie nicht aus »Asterix und Obelix« ... umgestürzt und zerschlagen. Gold oder andere Schätze fanden sich bislang nicht. Religiösen Eiferern galten die Monumente aus der Steinzeit als heidnisches Zauberwerk von bösen Geistern, Hexen oder gar des Teufels selbst. Und so galt es für fanatische Christen geradezu als christliche Pflicht, möglichst viele der Zeugnisse aus uralten Zeiten zu zerstören.

Carnac um 1829, alter Stich
Foto Archiv W-J.Langbein
Aus weiteren Gründen wurden die »Hinkelsteine« dezimiert: Sie standen oft den Landwirten im Weg, behinderten sie beim Anlegen von Feldern. Also mussten sie weichen. Man benutzte die Steinmonster zudem gern als »Steinbrüche«. So wurden unzählige der Steinnadeln umgeworfen und in handliche Stücke zerschlagen. Und die wurden beim Straßen-, Brücken-, Häuser und Kirchenbau eingesetzt. Für so manchen Geistlichen war es ein besonderer Genuss, die alten Kulturdenkmäler verwüsten und zerschlagen zu lassen. Und wenn dann die Brocken als Fundament für ein christliches Gotteshaus benutzt wurden, frohlockte man über den siegreichen neuen Glauben.

Als die Straße D781 von Erdeven nach Quiberon gebaut wurde, standen die stolzen Menhire von Kerzerho, Gemeinde Erdeven, im Weg. Ursprünglich war der Menhir-Komplex zwei Kilometer lang und 65 Meter breit. Ohne Rücksicht auf Verluste wurde das uralte Erbe verwüstet und zerstört. Die Straße hatte Vorrang ... und die zertrümmerten Menhire eigneten sich doch bestens als Schottermaterial!

Wie viele Menhire einst – vor Jahrtausenden – in den Himmel der Bretagne ragten ... wir wissen es nicht. Im Laufe der gut dreißig Jahre, die ich mich schon mit dem Geheimnis der Bretagne beschäftige, begegneten mir die unterschiedlichsten Zahlenangaben.

Mein Vater lehrte Englisch und Französisch an einem Gymnasium in Oberfranken. Um Land und Leute besser kennenzulernen, unterrichtete er zeitweise auch an Schulen in den USA und in Frankreich. Mit meinem Vater war ich vor rund einem halben Jahrhundert in der Bretagne ... bei Carnac. Ich erinnere mich an einige geheimnisvolle abendliche Stunden. Die Menhire waren damals frei zugänglich, während sie heute offenbar vor dem Vandalismus von Besuchern geschützt werden müssen. Während wir zwischen den mysteriösen Steinen umhergingen, erzählte mir mein Vater von seltsamen örtlichen Legenden ... von einem Heer heidnischer Soldaten, das dank der Gebete frommer Christen in Stein verwandelt wurde. Zunächst seien die versteinerten Soldaten wie sorgsam gearbeitete Statuen deutlich als Menschen zu erkennen gewesen. Die Jahrtausende aber hätten ihnen die menschlichen Umrisse genommen.


Abendstimmung
Foto: W-J.Langbein
»Weil ihre Herzen kalt wie Stein waren ... blieben letztlich nur Steine von den Soldaten übrig!« Ein katholischer Geistlicher erzählte meinem Vater eine ganz andere Version. Demnach krochen nächtens böse Geister und Teufel aus der Erde: um die Menschen zu peinigen, um sie in Versuchung zu führen oder um ihre Seelen zu rauben. Gar manches Mal habe der Teufel selbst Menschen zu Macht und Reichtum verholfen ... zum Preis ihrer Seele! Dank frommer Christenmenschen sei die höllische Gefahr erkannt worden. Ihre Gebete, ihre Bitten um Schutz vor den höllischen Peinigern sei erhört worden. Und so wurden die Besucher aus der Unterwelt in Steine verwandelt. Sie sollten bis in alle Ewigkeit den Menschen als Warnung dienen.

Derartige frömmelnde Geschichtchen belegen nur eines: das Unwissen über Bedeutung und Herkunft der Menhire. Ich lauschte damals fasziniert den Worten meines Vaters, während wir zwischen den sich schier endlos durch die abendliche Landschaft schlängelnden Steinreihen schlenderten. Irgendwie war es dort doch gespenstisch, besonders als die untergehende Abendsonne die bizarren Steinformen zum Glühen zu bringen schien. »Das seltsame Licht soll von der Sehnsucht der versteinerten Soldaten nach Erlösung herrühren ...« erzählte mir damals mein Vater. Das hatte ihm mit erhobenem Zeigefinger ein örtlicher Priester erzählt.

Der Autor vor einem kleinen
Menhir - Foto: Ilse Pollo
Bis heute gibt es keine verlässliche Angabe über die Menhire, die heute noch erhalten sind. Damit meine ich noch stehende, aber auch liegende Kolosse. Allein in Südfrankreich dürften es noch vier bis fünf Tausend sein. Besonders imposant ist der Menhir Kergadiou von Carnac.. über zehn Meter lang! Wurde er umgeworfen... oder hat er nie gestanden? Der vermutlich größte Koloss ist wohl der »Grand Menhir Brisé« von Locmariaquer. Er war der Wolkenkratzer unter den Hinkelsteinen.... 21 Meter hoch und 300, vielleicht sogar 350 Tonnen schwer. Schon vor rund sieben Jahrtausenden soll er mit reiner Menschenkraft aufgerichtet.... und wenige Jahrhunderte später umgeworfen worden sein. Beim Aufprall zerbrach er in vier Teile.

Stehende Steine prägen das Bild der Bretagne. Bei Kermario zum Beispiel hat man weit über Tausend Menhire in zehn Reihen aufmarschieren lassen. Heute sind noch 1029 der steinernen Riesen erhalten: auf einem Areal von 1120 Metern Länge und 100 Metern Breite. Was mag es bedeuten, dass die Menhire von Ost nach West der Größe nach ansteigen? Sollen die Steinreihen den Besucher an bestimmte Orte führen? Wenn ja, dann ist uraltes Wissen in Vergessenheit geraten.

Menhire von Ménec
Foto Steffen Heilfort
Bei Manio zum Beispiel bilden die Steinreihen imaginäre Straßen, die einst über einen künstlich angehäuften Tumulus führten. Auf dem mysteriösen Plateau von Manio dominiert ein drei Meter hoher Menhir das geheimnisvolle Bild. Vor Jahrtausenden wurden in den tonnenschweren Koloss Schlangen eingraviert. Mehrere Steinbeile wurden in unmittelbarer Nähe ausgegraben.

Bei Ménec, Carnac, Departement Morbihan, formieren sich 1099 Menhire zu elf Kolonnen ... auf einem Areal von 1167 Metern Länge und 100 Metern Breite. Sie sind – warum auch immer – nach Südwest/ Nordost ausgerichtet. An den Enden der Reihen formieren steinerne »Wächter« je einen Halbkreis. Immerhin vier Meter hoch ist der größte Menhir von Ménec.

Fußnoten
1 Hugo, Victor: »Dreiundneunzig«, Leipzig, 2. Auflage 1949, S. 162
2 ebenda
3 Higgins, Godfrey, Esq.: »The Celtic Druids«, 1. Auflage, London 1829, Bildteil »Carnac«


»Geheimnisvolles Gavrinis«,
Teil 116 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 08.04.2012


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