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Sonntag, 11. September 2016

347 »Der Gott mit dem Löwenkopf«

Teil 347 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Der mysteriöse Küstentempel

Hoch ragt der Turm des Küstentempels von Mahabalipuram in den Himmel. Mir kam das schlanke Bauwerk mit markanter Spitze wie ein Leuchtturm vor. »Meine Urgroßmutter konnte sich noch daran erinnern, dass ihre Großeltern von einem Signalfeuer auf der Turmspitze erzählten. So sollten Schiffe auf die Küste hingewiesen und gewarnt werden.«

In der sechzehnbändigen Buchreihe »Architektur der Welt« wird bestätigt (1): »Das auffälligste Merkmal des Strandtempels ist sein ungewöhnlich gestreckter Turm.« Es sei zu vermuten, dass man »den Tempel zum weit sichtbaren Wahrzeichen strecken wollte.« Auf dem Tempelturm selbst brannte wohl kein Feuer, wohl aber im Tempelbereich: »Des Nachts, wenn der Tempel den Schiffen nicht sichtbar war, entzündete man auf einem hohen Steinpfeiler östlich vom Tempel ein Licht. Schiffe, die sich der Küste näherten, konnten dann aus der Position der Tempellampe und des Leuchtfeuers auf einem landeinwärts gelegenen Felsrücken ihren Kurs korrigieren.«

Foto 2: Lakshmi, Vishnu und Shiva

Nach einer Legende lebte einst ein »Prinz Hiranyakaspiu«. Der mächtige Mann weigerte sich, zu Gott Vishnu zu beten. Sein Sohn Prahlada hingegen war ein strenggläubiger Mann und verehrte Vishnu zutiefst. Prahlada schleuderte seinem Vater in einer Diskussion entgegen, Gott Vishnu sei allgegenwärtig, auch in jedem Stein. »Prinz Hiranyakaspiu« lachte hämisch und brachte eine »steinerne Säule« zum Einsturz. Aus den Mauersteinen heraus materialisierte sich Gott Vishnu höchstpersönlich als furchteinflößendes Wesen mit dem Leib eines Menschen und dem Haupt eines Löwen. Der Prinz musste seinen Unglauben mit dem Leben bezahlen. Vishnu zerfetzte ihn. Prahlada wurde König. Prahladas Enkelsohn gründete Mahabalipuram. Ließ er auch die geheimnisvollen »sieben Tempel« bauen, von denen nur noch der eine Küstentempel die Unbilden der Zeit überstanden hat?

Foto 3: Der Küstentempel vom Meer aus gesehen

Unsere Reiseleiterin zeigte mir ein schmales Heftchen, erschienen anno 1931 (2). Geschrieben hat es ein Engländer namens Fyson, der lange Zeit in Mahabalipuram lebte. Fyson hält eine örtliche Legende fest. Demnach wurde Gott Indra eifersüchtig auf die Menschen, die so herrliche Tempel geschaffen hatten. Also ließ der wütende Indra einen gewaltigen Sturm ausbrechen, der Meeresspiegel stieg gewaltig und so verschwanden sechs der sieben Küstentempel im Meer.

Nach der örtlichen Folklore – bei meiner Indienreise im November 1995 wurden mir verschiedene Versionen einer Sage erzählt – ist der heute vom Verfall bedrohte Küstentempel von Mahabalipuram stolzes Überbleibsel einer einst riesigen Anlage, zu der sechs weitere Tempel gehörten. Die Götter seien ob der herrlichen Bauwerke neidisch auf die Menschen gewesen. Sie schickten eine gewaltige Flut, die den prachtvollen Komplex weitestgehend zerstörte. Nur einer der Küstentempel habe die Sintflut überstanden.

Sollten tatsächlich sechs von sieben Tempeln im Meer versunken sein? »Das alte Indien« bestreitet das (3): »Narasimhavaraman I. ließ auch eine Gruppe von monolithischen Felsentempeln aus dem Granit der Uferfelsen herausmeißeln, die der europäischen Seefahrt als ›Sieben Pagoden‹ geläufig waren. Fünf dieser Tempel sind erhalten geblieben.«

Foto 4: Ein Ratha, kein Küstentempel!

Die Zahlenangabe ist definitiv falsch. Neben den fünf kleinen Tempeln gibt es ja auch noch den einen Küstentempel. Hier werden offensichtlich die fünf Miniaturtempelchen, die fünf Rathas, mit Küstentempeln verwechselt. Narasimhavaraman I. regierte Mitte des 7. Jahrhunderts nach Christus das südliche Indien. Wie schon sein Vater liebte der Regent die schönen Künste und auf seine Initiative ging wohl auch der Bau der fünf Rathas zurück.


Fotos 5+6: Shivas Küstentempel
Der letzte Küstentempel hatte im Allerheiligsten eine Kultstätte, die Gott Shiva geweiht war. Der Architekt war ein Könner. So ließ er in der Umfassungsmauer ein »Guckloch«. Auf diese Weise konnten Seeleute auf dem Weg zum Hafen von ihren Schiffen aus direkt in die sogenannte »Cella« blicken. Diese »Cella« war sozusagen das »Herz« eines Tempels. Hier fand sich in der Regel die Statue einer Göttin oder eines Gottes.

Zum Tempelkomplex gehörte ein System von Höfen. Über ein kompliziertes Röhrensystem konnte Wasser in flache Becken strömen, so dass einzelne kleinere Kultbauten im Tempelbereich zu steinernen Inseln wurden. Die Tempelbecken waren flach und wurden ausschließlich mit Süßwasser gefüllt, und das wenige Meter vom Meer entfernt. Eine Überflutung des Tempels war ausgeschlossen. Es gab nämlich nicht nur eine Röhrenanlage für die Wasserzufuhr, sondern eine weitere um ab einer bestimmten Höhe Wasser abfließen zu lassen. Es wurde ins Meer geleitet.

Warum dieses komplexe System angelegt wurde, wir wissen es nicht. Der sehr niedrige Wasserspiegel schließt eine Verwendung als »Badeteich« für »rituelle Waschungen« aus. Eine vage Vermutung: Der Ursprung der Anlage geht auf sehr viel ältere Wasser- oder/ und Schlangenkulte zurück.

Der Tempel wurde als Miniaturbild des Kosmos gesehen. Der Tempelturm galt als die Weltachse, die Erde und Kosmos miteinander verband. Dieser »Weltachse« bin ich im Verlauf meiner Reisen immer wieder begegnet. Die flachen Wasserbecken mögen als Spiegel für den Himmel gedient haben. So wurden die Sterne auf die Erde geholt. Im Zentrum des Kosmos-Modells stand die Statue einer Göttin oder eines Gottes, als Sinnbild für das Göttliche im Herzen des Universums.

Fotos 7+8: Der Küstentempel
Unsere kundige Reiseleiterin vertraute mir an: »Der Küstentempel ist wirklich ursprünglich Teil einer riesigen Gesamtanlage, über deren Ausmaße wir keinerlei Vorstellung haben!« Schon immer hätten »die Alten« davon fabuliert, dass seit Generationen immer wieder Fischer von ihren Booten aus Tempel auf dem Meeresgrund gesehen hätten. »Bei ruhiger See und bei bestimmtem Sonnenstand und zu ganz bestimmten Tageszeiten soll man herrliche Bauten weit unter dem Meeresspiegel erkannt haben.« Lange wurden derlei Schilderungen als fantastische Spinnereien abgetan. Allenfalls hielt man es für möglich, dass ganz natürliche Felsformationen für Tempelbauten gehalten wurden.

Im Frühjahr des Jahres 2002 ging ein Team von Archäologen derlei »Fantastereien« im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund. Spezialisten der »Scientific Exploration Society«, Dorset, England, und von »India’s National Institute of Oceonography« taten sich zusammen und tauchten vor Mahabalipuram. Sie machten in einer Tiefe von fünf bis acht Metern, 500 bis 700 Meter vom Ufer entfernt, (4) erstaunliche Entdeckungen. Man war sich einig: Einst hatte hier ein Tempel gestanden, dessen steinerne Reste nun auf dem Meeresboden lagen! Teils lagen die erstaunlichen Funde frei, teils musste erst eine Schicht von Ablagerungen entfernt werden.

Da gab es eine arg verwaschene Statue aus Stein, vermutlich eines Löwen. Oder stellte sie Gott Vishnu mit Löwenkopf dar? Sehr gut erhalten war eine gewaltige Plattform, aufgetürmt aus präzise ineinandergefügten, sauber behauenen Steinquadern. Steinerne Treppenstufen führten auf die Plattform. Immer wieder machten die Forscher Mauerwerk aus, Ruinen von Mauern. Einzelne, rechtwinkelig zugeschnittene Steinquader, lagen verstreut auf dem Meeresboden. Es gab keinen Zweifel: Das waren die Reste von steinernen Tempelanlagen! Gehörten sie zu einem großen Tempel, oder zu einem Komplex mehrerer Tempel?

Foto 9: Sie wusste viel über Tempel zu erzählen
Im Frühjahr 2005 beteiligte sich die Indische Marine an der Suche nach Überbleibseln versunkener Tempel vor der Küste von Mahabalipuram. Wieder fand man Beweise – per Sonar: zum Beispiel eine zwei Meter hohe und siebzig Meter lange Mauer.  Einen halben Kilometer vom Strand entfernt ließen sich zwei weitere Tempel ausmachen, auf dem Meeresgrund!

Unklar ist bis heute, wie viele steinerne Gebäude wann genau und warum vom Meer verschlungen wurden. Was löste die Katastrophe aus? Industriell verschuldete Erderwärmung jedenfalls kann nicht für den Anstieg des Meeresspiegels verantwortlich gemacht werden, denn die einst stolzen Bauten dürften wohl schon vor vielen Jahrhunderten versunken sein.

Fußnoten

1) Stierlin, Henri (Hrsg.): »Indien«, Band 9 der Reihe »Architektur der Welt«, ohne Ortsangabe, ohne Jahreszahl, Seite 139, rechte Spalte, zweiter Absatz
2) Fyson, D. R.: »Mahabalipuram or Seven Pagodas«, Madras 1931
3) Franz, Heinrich Gerhard: »Das Alte Indien«, München 1990, S. 384, linke Spalte, letzter Absatz unten
4) Die Tiefenangaben variieren leicht.

Zu den Fotos
Foto 1: Der mysteriöse Küstentempel von Mahabalipuram. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Lakshmi, Vishnu und Shiva. Foto/Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Der Küstentempel vom Meer aus gesehen. Foto wikimedia commons KARTY JazZ
Foto 4: Ein Ratha, kein Küstentempel! Foto etwa 1910. Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 5+6: Shivas Küstentempel. wikimedia commons Yoga Balaji
Fotos 7+8: Der Küstentempel. wikimedia commons Yoga Balaji
Foto 9: Sie wusste viel über Tempel zu erzählen

348 »Riesen, Götter, Astronauten«,
Teil 348 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 18.09.2016

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Sonntag, 1. Mai 2016

328 »Vom Nabel der Welt ins All«

Teil 328 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Fotos 1 und 2: Weltenbaum der Maya

Zum ersten Mal begegnete ich dem mysteriösen Objekt im Jahr 1978. Ein Geistlicher zeigte mir einen kuriosen Gegenstand: Das Ding war etwa dreißig Zentimeter lang und aus sehr dunklem, offenbar sehr hartem Holz geschnitzt. Es war lang und schmal, lief nach unten spitz zu. An den drei abgeflachten Seiten der ›Spitze‹ waren geometrische Figuren zu erkennen, die mich an Schlangen erinnerten. Diese Spitze machte ungefähr eine Hälfte des Fundobjekts aus. Die obere Hälfte bestand aus dem sorgfältig geschnitzten Oberkörper eines menschlichen Wesens, offenbar eines Mannes. Wann genau es zu dem merkwürdigen Fund kam? Nach Angaben des Geistlichen machte er seine Entdeckung 1968.

Foto 3: Ein »Phurba«
Der Geistliche hatte das hölzerne Objekt bei nicht genehmigten Grabungen in seiner kleinen Kirche unter dem Mittelgang gefunden. Der Priester hat offenbar systematisch Steine aus dem Fußboden des Gotteshauses gelockert, entfernt und darunter gegraben. Hat er sich damals – also vor mehr als vierzig Jahren – »nur« der Sachbeschädigung schuldig gemacht? Oder lagen gar Akte der Kirchenschändung vor? Wichtig ist, dass der Pfarrer sachkundig alles wieder in Ordnung brachte, so dass keinerlei Spuren einer Beschädigung erkennbar waren. Ja zu Beschädigungen sei es gar nicht gekommen, weil nur Steine gelockert, gelöst, herausgenommen und später wieder eingesetzt worden seien. Aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen wurde der Fund nie gemeldet. 

Inzwischen ist der Geistliche verstorben. Was aus dem merkwürdigen »Ding« wurde? Ich weiß es nicht. Wie kam das eigenartige Gebilde unter den Fußboden des Gotteshauses? Es ähnelte auf das Verblüffendste einem »Phurba« aus Tibet! In meiner kleinen Sammlung sakraler Objekte befindet sich ein solcher »Phurba«, aus Holz geschnitzt. Das 23 Zentimeter lange und bis zu fünf Zentimeter breite kleine alte Kunstwerk wurde, wie man mir mitgeteilt hat, in Nepal gefertigt. Mit so einem Dolch hat alter Mythologie zufolge Gott Vajrakila (auch Vajrakumara genannt) Dämonen und Geister gebannt.

Ursprünglich war der »Phurba« wohl von profaner Natur und diente als Hering der Verankerung und Sicherung von Zelten. Im sakralen Bereich markierte man mit einer geweihten Phurba heilige Stätten, etwa Plätze für einen Tempel. Und schließlich gilt er auch als die  »Achse der Welt«.

Die Weltachse, im Latein des Christentums »axis mundi« genannt, ist fester Bestandteil des Menschheitserbes. Im Christentum sah man den Kreuzigungshügel von Golgatha bei Jerusalem als Mittelpunkt der Welt an. Auf diesem »Nabel der Welt« stand wie ein heidnischer »Weltenbaum« das Kreuz Christi. In der Tat gab es den »Nabel der Welt« schon Jahrtausende vor dem Christentum.

Foto 4: Wohin reiste der Mann von Palenque?

Im »Mithras-Kult« stand im »Nabel der Welt« eine hohe Leiter, die Terra mit den acht Himmeln verbunden hat. Auch die Maya wussten von einer solchen Verbindung zwischen Erde und Himmel. Die Weltachse – etwa von Palenque – führte in den Himmel. Was verstanden die Maya unter »Himmel«. Verstanden sie darunter ein jenseitiges Reich der Verstorbenen? Oder glaubten sie in weiter zurückliegenden Zeiten an Götter, die tatsächlich leibhaftig in den Himmel empor steigen konnten? Wohin reiste also der Mann von Palenque? Ins All? Ins Totenreich? In den Himmel?

In diesem Zusammenhang denken wir natürlich an die Grabplatte von Palenque unter dem Tempel der Inschriften, an die fantastische Darstellung, die 1968 das Cover von Erich von Dänikens »Erinnerungen an die Zukunft« zierte. Nach wie vor wird gestritten und diskutiert. Steigt da eine Seele empor in den Himmel? Oder fällt der Verblichene hinab ins Totenreich? Oder sehen wir – und diese Sichtweise drängt sich uns auf – einen Astronauten im Raumanzug?

Foto 5 : Ceiba-Baum, Tikal
Vergessen wir nicht die Hopi-Indianer. Auch sie verehrten die »Weltachse«. Sie führte aus eine unterirdischen Höhle empor in den Himmel. Die Katchinas pendelten zwischen Himmel und Erde . Ganz ähnlich, nur konkreter, war die Mythologie der Maya. Die Maya von Yucatán verstanden einen Ceibabaum (Kapokbaum) als Weltachse. Seine Wurzeln im Unterirdischen versinnbildlichten die Unterwelt, sein mächtiger Stamm die Welt der Lebenden und seine Krone den Himmel. Diese Interpretation, das will ich betonen, habe ich nirgendwo in der Literatur gefunden!

Ist es nicht sehr interessant, dass in manchen Überlieferungen der »Nabel der Welt«, also das »Zentrum der Welt« exakt dort festgemacht wird, wo die Verbindung zwischen Himmel und Erde besteht? Sollte auf diese Weise die immense Bedeutung der Orte hervorgehoben werden, wo die Himmlischen vom Himmel herab zur Erde kamen und wo sie wieder gen Himmel auffuhren?

Auch auf der Osterinsel gab es einen »Nabel der Welt«, der durch ein steinernes Ei gekennzeichnet wurde. Auch wenn es meines Wissens nach auf der Osterinsel keine Überlieferung von einer »Weltachse« gab, so waren den Osterinsulaner sehr wohl fliegende Götter bekannt. Deren prominentester Vertreter war der geradezu legendäre Make-Make, der ja den ersten Bewohner vom Atlantis der Südsee zur Osterinsel geflogen haben soll, als seine Heimat in den Fluten des Meeres versank. 

Foto 6 : Riese aus Stein
Die Vergangenheit der Osterinsel ist nebulös und mythenumrankt. Die neuere, jüngere Vergangenheit dieses herrlichen Eilands ist zwar weitestgehend bekannt, wird aber nach wie vor gern verdrängt. Ob das daran liegt, dass den Menschen von »Rapa Nui« bis weit ins 20. Jahrhundert hinein entsetzliches Leid zugefügt wurde? Wiederholt wurde das kleine Inselchen überfallen, wurden vor allem Männer in die Sklaverei verschleppt. In der Fremde kamen die meisten der Entführten ums Leben. Sie starben an Erschöpfung, fielen Krankheiten zum Opfer. Als schließlich die letzten Überlebenden in die Heimat zurückkehren durften, brachten sie Krankheiten mit, so dass fast die gesamte Bevölkerung dahingerafft wurde.

So ist es nur zu verständlich, dass die Einheimischen den Erforschern der alten Geschichte der Osterinsel mit Misstrauen begegneten. Von Fremden hatten die Vorfahren nie Gutes erfahren. Sollte man den Nachkommen der Peiniger von einst die geheimen Überlieferungen aus uralten Zeiten offenbaren? Die Entzifferung der Osterinselschrift wurde keinem der Fremden anvertraut. Und wie sieht es mit den heiligen Überlieferungen aus?

Bei meinem ersten Besuch auf der Osterinsel im Oktober 1992 erzählte mir weit nach Mitternacht der
Foto 7 : Make-Make, fliegender Gott der Osterinsel
»Chef« meiner kleinen Pension, dass die berühmten Osterinselkolosse auch so etwas wie »Weltachsen« seien und Unterwelt und Himmel miteinander verbänden. Die Unterwelt werde durch Kammern in den Sockeln dargestellt, auch durch Gräber. Was die meisten Besucher der Insel nicht wissen: Es gab einst eine Verbindung zwischen Bestattungen von Menschen und den Plattformen, die als Fundamente für die Statuen dienten. Mag sein, dass direkt unter diesen Plattformen einst besonders würdige Insulaner bestattet wurden. Fest steht, dass es in unmittelbarer Nähe der Plattformen Gräber gab.

Die hohe Statue stehe für die Welt der Lebenden, aber auch für die Verbindung zwischen Erde und Himmel. Und die roten Zylinder auf den Häuptern der Osterinselkolosse symbolisierten den Himmel. In der Literatur fand ich allerdings eine derartige Interpretation der Osterinselriesen nicht.

Fotos 8 und 9 : Zwei »Weltachsen«: Maibaum und auf der Grabplatte von Palenque

Auch in unseren Gefilden gibt es Brauchtum, das nach wie vor gepflegt wird. Es hat seinen Ursprung in der »heidnischen« Weltachse. Und die wird auch heute noch, besonders im ländlichen Bereich des Freistaats Bayern aufgerichtet. Man nennt sie im Volksmund – Maibaum. Über den Ursprung des Maibaums kann man nur spekulieren. Geht der Brauch auf germanische Baum-Rituale zurück? Ist der heutige Maibaum vage Erinnerung an die von den Germanen in Wäldern verehrten Götter? Oder liegt der Ursprung des christlichen Brauchs des Maibaum-Aufstellens sehr viel weiter zurück in der Vergangenheit? Hat man Stein durch Holz ersetzt? Richtet man heute Maibäume auf, so wie man vor Jahrtausenden mit sehr viel größerem Aufwand gewaltige Menhire in die Senkrechte brachte?

Vor Jahrtausenden wurden riesige Steinmonolithen bewegt, transportiert und mühsam platziert. Warum? Zu welchem Zweck?


Foto 10 : Die Katchinas pendelten zwischen Himmel und Erde

Literatur zum Thema Osterinsel


Heyerdahl, Thor: »Aku-Aku/ Das Geheimnis der Osterinsel«, Berlin 1972
Lee, Georgia: »The Rock Art of Easter Island/ Symbols of Power, Prayers to the Gods«, Los Angeles 1992
Foto 11: »Phurba«
Machowski, Jacek: »Insel der Geheimnisse/ Die Entdeckung und Erforschung der Osterinsel«, Leipzig 1968
Mann, Peggy: »Land of  Mysteries«, New York 1976
Mazière, Francis: »Insel des Schweigens/ Das Schicksal der Osterinsel«, Frankfurt 1966
Métraux, Alfred: »Ethnology of Easter Island«, Honolulu, Hawaii, 1971
Orliac, Catherine und Michel: »Mysteries of  Easterisland«, London 1995

Zu den Fotos:
Fotos 1 und 2: Weltenbaum der Maya. In Foto 2 (rechts) habe ich den Weltenbaum markiert. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Ein »Phurba«.  Foto 3 zeigt den gleichen »Phurba« wie Foto 11, aus anderer Blickrichtung. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Wohin reiste der Mann von Palenque? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5 : Ceiba-Baum, Tikal. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6 : Riese aus Stein. Im Bild: Statue, Hund, Autor Langbein. Foto privat
Foto 7: Make-Make, fliegender Gott der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 8 und 9 : Zwei »Weltachsen«: Maibaum und auf der Grabplatte von Palenque. Foto 8: Heidi Stahl. Foto 9: Walter-Jörg Langbein
Foto 10 : Die Katchinas pendelten zwischen Himmel und Erde. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 11: »Phurba«. Foto 11 zeigt den gleichen »Phurba« wie Foto 3, aus anderer Blickrichtung. Foto Walter-Jörg Langbein

329 »Gesar, der Göttliche mit Menschenhaut«,
Teil 329 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 08.05.2016

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