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Sonntag, 15. Januar 2012

104 »2012 und der Aufbruch ins All - Teil II«

Teil 104 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Abendfrieden auf der Osterinsel
Foto W-J.Langbein
Die sinkende Abendsonne taucht die Osterinsel in ein magisches Licht. Rotbraunes Lavagestein scheint von innen heraus zu leuchten. Eine kleine Herde von freilebenden Pferden trabt in der angenehmen Kühle. Sie genießen sichtlich die milderen Temperaturen ... nach der Gluthitze eines typischen Tages auf dem einsamsten Eiland der Welt.

Rot strahlt – so scheint es – Lavastein, über den die Pferde tänzelnd schreiten. Vor vielen Jahrhunderten haben Insulaner magische Zeichnungen hinein geritzt. »Houngan-Man« erklärt mir: »Die Osterinsel entstand in der dritten Weltperiode! Am Ende jener Epoche wurde das Leben auf der Erde fast vollständig ausgelöscht! Gigantische Supervulkane brachen damals aus, verwandelten unsere Erde in eine apokalyptische Hölle! Es regnete Tod vom Himmel. Wieder ging eine Weltära zu Ende, die nur sehr wenige überlebten ... die Adams und Evas der folgenden Zeit!«

Tatsächlich entstand die Osterinsel durch eine gewaltige Katastrophe: riesige Vulkane brachen auf dem Meeresgrund aus und schossen gewaltige Lavamengen aus der Höllenglut des Erdinneren. Riesige Lavamassen erstarrten ... und bildeten die Osterinsel. Noch heute erinnern drei erloschene Vulkane an den apokalyptischen Ursprung des Eilandes. Es sind die Spitzen von über dreitausend (!) Meter hohen Kegeln! Drei Vulkane sind noch auszumachen. Besonders imposant ist Rano Kau. 1600 Meter misst sein Durchmesser. Sein gewaltiges »Maul« ist etwa 300 Meter tief!

Vulkan Rano Kau - Foto W-J.Langbein
Die uralten Überlieferungen der Azteken nannten diese Ära »Regensonne«. Der »Houngan-Man« interpretierte mit einem Augenzwinkern: »Am Ende dieser Periode regnete es heiße Sonnentropfen. Die dritte Weltepoche ging in einer Apokalypse unter ...«

In Walter Krickebergs Standardwerk »Märchen der Azteken und Inkaperuaner« lesen wir (1): »In diesem Zeitalter geschah es, dass es Feuer regnete, so dass die Menschen dadurch verbrannten, und dass es Sand und Steine hagelte, wie man berichtet. Damals wurden die vulkanischen Aschen und Brocken ausgestreut, die blasige Lava schäumte auf, und die roten Felsen breiteten sich aus.«

Mit ernster Stimme mahnte »Houngan-Man« bei einem unserer Gespräche zu Füßen eines der Osterinselkolosse: »Vier Weltepochen endeten in Apokalypsen. Vier Mal ging die Erde unter. Vier Mal überstand das Leben die schlimmsten Katastrophen. Am Ende unserer Epoche wird es auf der Erde kein Überleben geben!«

Die Götter Tonatiuh (groß)
und Quetzalcoatl (klein)
Foto: Archiv W-J.Langbein
»Houngan-Man« weiter: »Wir leben in der vierten und letzten Ära. Am Ende unserer Ära werden wieder Naturgewalten toben ... und in einer letzten Weltenkatastrophe alles Leben auf der Erde auslöschen!« »Houngan-Man« schüttelte traurig den Kopf: »Götter wie Tonatiuh und Quetzalcoatl dominieren bei den Azteken die Welt. Man lächelt in der modernen, zivilisierten Welt gern über solche Vorstellungen. Das wird sich aber ändern, wenn die letzte Apokalypse über die Erde hereinbricht!«

Vier Weltepochen endeten nach uralten Maya-Überlieferungen bereits im tödlichen Chaos. Die Bewohner der ersten Welt – gewaltige Riesen – wurden von Jaguaren gefressen. Am Ende der zweiten Epoche kam ein fürchterlicher Sturmwind auf. Die meisten Menschen kamen um, einige wenige überlebten als Affen im Urwald. Gott Quetzalcoatl wurde vom Thron gestoßen.

Gott Tlaloc regierte die dritte Welt. »Nach Ablauf dieser Zeit ließ Quetzalcoatl Feuer vom Himmel regnen.« Tlalocs Frau Chalchiuhtlicue wurde zur Sonne (2). Auch die dritte Ära fand ein apokalyptisches Ende (3):

»Und als Chalchiuhtlicue das letzte Jahr Sonne war, regnete es Wasserfluten in solcher Menge, dass der Himmel einstürzte und die Gewässer alle Menschen, die damals auf Erden wandelten, mit sich forttrugen; aus ihnen entstanden alle Arten von Fischen, und auch der Himmel hörte auf zu bestehen, weil er auf der Erde lag.«

Unsere – die fünfte und letzte – Welt wird von Sonnengott Tonatiuh dominiert ... so lange, bis sie durch katastrophale Erdbeben zerstört wird. »Houngan-Man«: »Die Azteken waren davon überzeugt, in der fünften und letzten Ära zu leben. Die drohende Apokalypse konnte nicht verhindert, nur hinausgezögert werden ... durch Blutopfer!«

Götter und Göttinnen haben in unserer wissenschaftlich aufgeklärten Welt keinen Platz mehr. Wir wissen, wie es zum Beispiel zu einem Vulkanausbruch kommt. Uns ist der Kreislauf des Wassers vom Regen bekannt: von Bächen, Flüssen, Seen und Meeren ... zurück in himmlische Höhen ... und Wiederkehr als Regen. Göttinnen wie Chalchiuhtlicue werden nicht mehr als »Erklärung« bemüht.

Göttin Chalchiuhtlicue
Foto W-J.Langbein
In unser »modernes« Weltbild passt nicht die Vorstellung von mehreren Weltzeitaltern, an deren Ende fast alles Leben ausgelöscht wird ... um in der nächsten Epoche neu zu erblühen! Wir haben ein lineares, ein evolutionäres Weltbild: Primitivstes Leben entstand zufällig. Es entwickelte sich langsam immer weiter. Schließlich erreichte das Leben in Gestalt des Homo Sapiens Sapiens sein bislang höchstes Niveau ...

Wir Menschen sehen uns – stolz und eingebildet – als die Krone der Schöpfung. Dass es schon einmal ... ja schon öfter apokalyptische Katastrophen gab, die fast alles Leben vernichteten, will kaum jemand zur Kenntnis nehmen. Weil es unserem gängigen Bild von der Entstehung des Lebens widerspricht. Aber: Es gab immer wieder solche Katastrophen und Beinahe-Weltuntergänge.

Wir belächeln die Vorstellung der Azteken, dass in Teotihuacan, außerhalb von Mexico City, Welt- und Planetenschöpfungen stattgefunden haben sollen. Gern übersehen wir die fundamentale Kernaussage der Azteken-Philosophie von den fünf Weltzeitaltern ...

Die mysteriöse Sonnenpyramide
von Teotihuacan
Foto: W-J.Langbein
Fakt ist: Seit den Anfängen der Erdgeschichte gab es immer wieder gewaltige Naturkatastrophen, die immer wieder beinahe alles Leben auslöschten. Unzählige Beispiele könnte ich anführen, um die schier endlose Litanei der immer wiederkehrenden Apokalypse zu belegen ... Zwei Beispiele sollen genügen.

»Bild der Wissenschaft« vermeldete am 24.1.2011: »Was das Leben beinahe auslöschte«. Ich darf zitieren: »Kohlenasche scheint gewaltigste Katastrophe der Erdgeschichte mitverursacht zu haben. Brennende Kohlevorkommen und die dabei entstehenden riesigen Aschewolken waren vermutlich der Hauptgrund dafür, dass es vor etwa 250 Millionen Jahren zum größten Massensterben der Erdgeschichte kam. Dieses Fazit ziehen kanadische Forscher aus einer Studie, in der sie Gesteinsproben aus dem Erdzeitalter Perm unter dem Mikroskop untersuchten. Was sie dort entdeckten, waren kleinste Partikel Kohlenasche, die wahrscheinlich aus dem heutigen Sibirien stammen: Dort tobten zu dieser Zeit Vulkane und spuckten Milliarden Tonnen glühendes Gestein aus, wodurch sie wahrscheinliche die gigantischen Kohlevorkommen in der Umgebung entzündeten. Die Asche breite sich dann über die gesamte Erde aus und vergiftete nicht nur die Atmosphäre, sondern auch die Ozeane, vermuten die Geologen.«

Hier sollen Planetenwelten
erschaffen worden sein ...
Foto W-J. Langbein
Vor 75.000 Jahren explodierte auf Sumatra eine gewaltige Magmablase. Toba spie unvorstellbare Massen von Materie in hohe Regionen der Atmosphäre. Nacht setzte ein, Jahrzehnte gab es keinen Sonnenschein mehr. Ein extremer Temperatursturz ließ abrupt einen viele Jahre währenden vulkanischen Winter über den Planeten Erde hereinbrechen. Giftiger Schwefel regnete auf Land und Meer herab. Massensterben waren die Folge. Mensch und Tier wurden an den Rand des Aussterbens gebracht. Wie viele Menschen weltweit die höllische Apokalypse überstanden haben mögen? Darüber streiten sich die Experten. Zahlen zwischen 1.000 und 10.000 Menschen als Gesamtbevölkerung unseres Globus werden genannt! Eine dicke Ascheschicht im Grönlandeis lässt erahnen, wie schlimm die Katastrophe vor 75.000 Jahren gewesen sein muss!

Was sich im Verlauf der Erdgeschichte immer wieder wiederholte ... das wird auch in Zukunft immer wieder geschehen. Unzählige Supervulkane sind längst überfällig, zum Beispiel jener unter dem riesigen Areal des Yellowstone-Parks in den USA. Wird er schon bald die nächste Apokalypse bewirken? Hank Heasler, Park Geologe, lässt keine Zweifel aufkommen: »Die Frage ist nicht, ob er ausbrechen wird, sondern wann.« Vor 2,1 Millionen Jahren spie der Supervulkan – das ist die offizielle wissenschaftliche Bezeichnung für den Monstervulkan – 2450 Kubikkilometer Magma empor. Vor 1,3 Millionen Jahren waren es »nur« 280 Kubikkilometer. Vor 640.000 Jahren kam es zur bislang letzten gewaltigen Entladung: 1.000 Kubikkilometer. Zum Vergleich: Der gewaltigste Vulkanausbruch der jüngsten Vergangenheit war der von 1815 in Indonesien. Der »Tambora« schleuderte 50 Kubikkilometer glühende Magma in die Luft. Bei der Apokalypse im Gebiet des »Yellowstone Nationalparks« vor 2,1 Millionen Jahren war es fast 50 Mal so viel!

Nach dem Weltbild der Azteken leben wir im letzten der fünf Erdzeitalter. Am Ende wird alles Leben auf unserem Planeten ausgelöscht werden. Wiederholt hatte das Leben auf Planet Erde unglaubliches Glück. Wiederholt ereigneten sich globale Katastrophen, so wie sie in der Mythenwelt der Azteken beschrieben werden. Es ist nur eine Frage der Zeit: Irgendwann wird die Erde zur toten Kugel, die als Welt ohne Leben die Erde umkreist.

Zwei Möglichkeiten gibt es: Wir können fatalistisch das Ende alles Lebendigen akzeptieren. Oder wir können versuchen, Raumfahrt zu entwickeln ... und als Menschheit in die Tiefen des Alls auswandern! Das amerikanische Pentagon hat nun ein kühnes Projekt initiiert: Es soll mit der Entwicklung von Raumschiffen begonnen werden, die in einhundert Jahren bereit stehen werden ... um Planet Erde zu verlassen und zu fernen Sternen zu reisen.

Arche Noah
Gemälde von Edward Hicks
Um es biblisch auszudrücken: Noah hat rechtzeitig mit dem Bau der berühmten Arche begonnen. Als die Sintflut ausbrach, stand das Rettungsschiff zur Verfügung. Kosmische Rettungsschiffe für eine Evakuierung ins All können nicht erst gebaut werden, wenn eine finale kosmische Katastrophe ausbricht. Dann ist es zu spät. »Was das alles kostet ...« wenden Kritiker ein. Ich sehe kosmische Rettungsschiffe als die große Chance für die Menschheit an. Wir müssen uns alle – über jede religiöse, geographische oder nationale Grenze hinweg – zusammentun und als Menschheit am kühnsten Projekt der Geschichte des Planeten arbeiten: am Projekt »Aufbruch ins All«. Der ehemalige Astronaut und Inhaber des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik an der TU München Ulrich Walter: »Wenn eines Tages ein Asteroid einzuschlagen droht, und die Menschheit ganz plötzlich eine Arche braucht, wird niemand mehr mit … ethischen Bedenken ankommen.«

Wir müssen lieber gestern als morgen mit der Entwicklung von kosmischen Archen beginnen ...

Buch von Walter-Jörg Langbein: 2012 - Endzeit und Neuanfang

Fußnoten
1 Krickeberg, Walter (Hrsg.): Märchen der Azteken und Inkaperuaner, Neuauflage, Düsseldorf 1972, Seite 10
2 ebenda, S. 11
3 ebenda, S. 11 und 12
Hinweis: In meinem Buch »2012« gehe ich sehr viel ausführlicher auf das Thema dieses Blogbeitrags ein. Themen »Beinahe-Apokalypsen« und »Aufbruch ins All« werden fundiert behandelt!

»Am Nabel der Welt«
Teil 105 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 22.01.2012

Sonntag, 1. Januar 2012

102 »2012«

Jetzt lesen:
2012 - Endzeit und Neuanfang


Teil 102 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Moderne Nachgestaltung des
Sonnensteins - Foto: W-J.Langbein
Schon von weitem beeindruckt mich die steinerne Scheibe mit den mysteriösen Zeichen und Symbolen. Sie wirkt wie mit einem modernen Gerät ziseliert. Die detailreichen, kleinen, in Kreisen angeordneten Gravuren erwecken den Eindruck geheimnisvoller Leichtigkeit ... und doch ist die steinerne Scheibe geradezu ein Monster: 3,60 Meter misst ihr Durchmesser. 1,22 Meter dick ist der so sorgsam bearbeitete Basaltstein ... und geschätzte 24 Tonnen schwer!

Am 17. Dezember 1790 wurde der kolossale Stein bei Erdarbeiten südlich der Kathedrale in Mexiko City gefunden ... und erst 1885 in das »Nationalmuseum für Anthropologie« geschafft. Dort dominiert er auch heute noch das gesamte imposante Museum, nicht nur das Erdgeschoss ... wo man ihn – mit modernsten technischen Mitteln – aufgestellt hat.

Tage könnte man im »Nationalmuseum für Anthropologie« verbringen ... und müsste doch von Vitrine zu Vitrine eilen. Tagelang könnte man den mysteriösen Stein in Augenschein nehmen. Aber man würde ihn doch nicht verstehen. Umstritten ist bis heute, welche Funktion der kolossale Stein einst hatte. Häufig hört man die Erklärung, er sei eine »quauhxicalli«, eine Opferscheibe gewesen. In der Tat: Neben Adler- und Jaguarstatuetten gab es bei den Azteken auch verzierte runde Steine, auf denen den Göttern Opfer dargeboten wurden. Solche »Altare« weisen aber in der Regel runde Aushöhlungen auf, in die die Opfer gelegt wurden.

Chac Mool von Chichen Itza - Foto: W-J.Langbein
Ähnliche Altare hatten auch die Mayas. In der Tempel-Anlage von Chichen Itza, Mexiko, trug eine Chac-Mool-Figur auf dem Bauch einst eine Opferschale. Wurden Menschenherzen in diese Schüsseln gelegt? Wir wissen es nicht. Und die »Berichte« der mordenen Spanier über die angeblich ach so blutrünstigen »Wilden« sind mit Vorsicht zu genießen. Dienten sie doch oft als Begründung für eigene Greueltaten!
Oder handelte es sich um ein »Temelacatl«? Dann wäre der Stein so etwas wie eine Plattform für die rituelle Tötung eines Menschen gewesen. Das menschliche Opfer wurde mit einem Seil angebunden ... und von einem bewaffneten Krieger attackiert. Das Opfer erhielt auch »Waffen«, hatte aber keine Chance. Denn während der Krieger mit tödlichen Mordinstrumenten ausgestattet war, standen dem Opfer nur Atrappen zur Verfügung. Das »Duell« war also nur vorgetäuscht: Verlierer und Gewinner standen von vornherein fest!

Beide »Erklärungen« überzeugen mich nicht: Auf dem »Sonnenstein« fehlt jegliche Vertiefung für Opfergaben. Der Stein ist mit millimeterkleinen feinen Gravuren versehen ... exakt graviert. Auf diesem Kunstwerk sind keine verzweifelten Menschenopfer herumgetrampelt! Eine Vorrichtung zum Anbinden der Todgeweihten ist auch nicht zu erkennen, wohl aber, dass das gewaltige steinerne Rund Teil eines größeren Ganzen war.

Der Kalenderstein ... das Original
Foto: W-J.Langbein
Folgt man »wissenschaftlichen« Werken, so wissen wir heute ganz genau, was jedes einzelne Zeichen bedeutet. Dabei konnte man sich bis heute nicht einmal auf eine Bezeichnung für den gewaltigen Stein einigen. Die gebräuchlichsten Titulierungen sind »Aztekenkalender« und »Sonnenstein«.

So manches Mal stand ich vor dem mysteriösen Kultobjekt im Anthropologischen Museum von Mexiko City. Das fast etwas beängstigende Gesicht im Zentrum zieht mich immer wieder in seinen Bann. Wer aber starrt mich da an? Ist es der Sonnengott Tonatiuh? Oder ist es die Erdgöttin Tlatlecuhtli? Ich persönlich tendiere mehr zur Göttin als zum Gott, wurde doch unlängst in der »Unterwelt« von Mexico City der sogenannte »Tlatlecuhtli«-Monolith entdeckt ...

Dreißig spzialisierte Techniker mussten im Mai 2010 zwei PS-starke Kräne einestzen, um den in vier Teile zerbrochenen einstigen Monolithen ... komplett wog er einst mindestens zwölf Tonnen ... in das »Templo-Mayor-Museum« zu schaffen.

Die gewaltige Steinplatte trägt neben kleineren ein Hauptmotiv: die Erdgöttin Tlatlecutil. Und diese Tlatlecutil ähnelt in verblüffender Weise der »Maske« im Zentrum des mysteriösen »Sonnensteins« (oder »Aztekenkalenders«). In beiden Fällen streckt die zentrale Gottheit ihre Zunge weit aus dem Mund.

Gott ... oder Göttin ...
Foto W-J.Langbein
Mehrfach war ich in Mexiko City. Mehrfach wurde mir von Archäologen vor Ort versichert: »Wir wissen genau, wo sich unter der heutigen Metropole Mexico City archäologische Stätten befinden, etwa Reste von uralten Tempeln!« Aber diese Plätze sind überbaut, förmlich überwuchert vom modernen Mexico City. Man müsste ganze Ortsteile abreißen, um an die Spuren der Vergangenheit zu gelangen. Selbst wenn die Archäologen entsprechende Genehmigungen erhalten sollten, fehlen die finanziellen Mittel. Theoretisch könnte man sich auch unterirdisch an die zu erwartenden Funde heranarbeiten. Für solche, überaus aufwändige Grabungen sind, so versicherte man mir, Genehmigungen noch schwerer zu erhalten ... aus Sicherheitsgründen. Zudem sind sie um ein Vielfaches teurer ... und somit schon gar nicht finanzierbar. Die Orte der verborgenen Schätze werden streng geheim gehalten, schon aus Angst vor Plünderern.
Betrachtet man den runden »Kalenderstein« genauer, so macht man eine Entdeckung: Man kann ihn als komplexes Gebilde von konzentrischen, ineinander liegenden Rädern unterschiedlicher Größe sehen. Eine befriedigende kalendarische Erklärung für den mysteriösen Stein, der alle Symbole berücksichtigt, gibt es allerdings nicht. Den letzten »Ring« des Steins bilden zwei mytholohische Schlangen, deren Häupter – einander zugewandt – am unteren Rand des Steins zu erkennen sind.

Zwei Schlangen ringeln sich
um das Scheibenrund
Foto: W-J.Langbein
Ohne auf die komplexe Thematik des Kalenders einzugehen sei gesagt: die Azteken gingen – wie die Mayas – von Zeitzyklen aus, die wie das mechanische Werk eines Zeitmessers abliefen. Und so mag der »Kalenderstein« der Azteken so etwas wie ein versteinerter »Computer« gewesen sein. Vielleicht muss man in Gedanken die verschiedenen »Räder« kreisen lassen ...

Was wir wissen: Die Azteken gingen von fünf Zeitaltern aus. Die Mythen über diese fünf Äonen sind unglaublich kompliziert und komplex. Zum Beginn jeder Epoche gibt es eine Schöpfung, am Ende steht eine Apokalypse. Die erste Epoche wurde »Sonne der Erde« genannt. In dieser Ära wurde die Erde von Riesen bevölkert. Schöpfergott Tezcatlipoca hat sie verschlungen. In der zweiten Ära, »Sonne des Windes«, wurden die Menschen der göttlichen Obrigkeit wohl zu klug. Es gab so etwas wie einen Krieg. Die meisten Menschen kamen um. Die wenigen Überlebenden wurden in den Urwald abgedrängt. Sie entwickelten sich zurück ... und wurden zu Affen.

Die roboterhafte
Chalchiuhtlicue
Foto: W-J.Langbein
In der dritten Epoche, »Sonne des Regens«, entwickelten die Menschen den Ackerbau. Tlaloc, Gott des Regens wie der Fruchtbarkeit, war der Schöpfer in dieser Zeit. Ein göttliches »Strafgericht« – glühender Ascheregen – kam vom Himmel. Diese globale Katastrophe vernichtete alles und setzte der dritten Ära ein Ende. Die Menschen aber überlebten – in der Gestalt von Hunden, Truthähnen und Schmetterlingen.
Chalchiuhtlicue – Göttin der Bäche, Flüsse, Seen und Meere – war die Schöpferin der vierten Epoche. Sie war es aber auch, die dieser Ära ein Ende setzte. Wassermassen strömten aus der Erde und ersäuften alles, der Himmel stürzte ein. Wieder überlebten die Menschen: in der Gestalt von Fischen.

Gott Tonatiuh regiert die fünfte Ära ... in der die Azteken lebten, in der wir leben. Auch unsere Welt - »Fünfte Sonne« wird ein Ende finden ... durch gewaltige Erdbeben. Die Weltsicht der Azteken war eine pessimistische. Sie glaubten, dass unser Zeitalter das letzte auf Erden sein wird. Auf die Verwüstung des Globus folgt keine neue Ära ... auf Erden. Nach Weltsicht der Mayas wird es dann kein Leben auf Planet Erde mehr geben!

Wann aber endet unsere Ära nach dem Kalender der Azteken? Weltuntergangspropheten frohlocken zu früh ... Dazu gibt es bei den Azteken keinerlei Angaben. Einen Weltuntergangstermin im Jahre 2012, so wie von den Mayas angeblich prophezeit, gibt es bei den Azteken nicht! Die Azteken befürchteten allerdings, die endgültige Katastrophe stehe unmittelbar bevor ... und könne nur durch blutige Menschenopfer an die Götter hinausgezögert werden.

Aztekenopfer - Foto: Archiv W-J.Langbein
Die Azteken glaubten an fünf Epochen. Jede Epoche endete in einer Katastrophe. Der Mensch überlebte immer, indem er sich den neuen Verhältnissen anpasste. Nur die letzte Apokalypse, die Katastrophe am Ende der fünften Epoche ... würde der Mensch nicht überleben. Tatsächlich wurde Planet Erde im Verlauf der Ewigkeiten immer wieder von gewaltigen Naturkatastrophen heimgesucht, die das Leben weltweit immer wieder fast vollkommen auslöschten.

Vor rund 70.000 Jahren wäre die Menschheit durch eine gewaltige Naturkatastrophe fast ausgerottet worden. So endete eine Planetenära ... und eine neue begann. Der Mensch überlebte, noch einmal. Wie oft wird er noch Glück haben? Globale Katastrophen wird es immer wieder geben. Und irgendwann wird unsere Erde zum toten Planeten.

Wenn »2012« symbolisch für die endgültige globale Apokalypse steht ... kann der Mensch dieses Weltenede überleben?

Lesen Sie das spannende Buch von Walter-Jörg Langbein:
2012 - Endzeit und Neuanfang


»2012 und der Aufbruch ins All«
Teil 103 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 08.01.2012

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