Sonntag, 11. März 2012

112 »Die Göttin von Malta«

Teil 112 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Eine Monstermauer von Malta
Foto: Ilse Pollo
Die Inseln von Malta sind bizarr. Auf engstem Raum wurden monströse Tempel errichtet, neben denen der staunende Besucher zum Zwerg wird. Die zum Teil stark verwitterten Monstersteine, die bei den sakralen Bauten zum Einsatz kamen, lassen auf ein sehr hohes Alter der Kultur von Malta schließen. Vor rund sechs Jahrtausenden – so heißt es in der wissenschaftlichen Literatur – machten sich emsige Baumeister ans Werk. Warum türmten sie bei einer geschätzten Bevölkerungszahl von allenfalls 3000 so viele so riesige Tempel auf?

War Malta vor Jahrtausenden so etwas wie ein religiöses Zentrum? Kamen gläubige Pilger aus dem Mittelmeerraum nach Malta, um mysteriösen Kulten zu huldigen? Gab es unterschiedliche Gruppen, die alle einen eigenen Tempel beanspruchten? Sollte diese Überlegung zutreffen ... woher kamen dann die Pilger – vor rund sechs Jahrtausenden? Nach heutigem Wissensstand kann es aber vor sechs Jahrtausenden keine europaweite Seefahrt gegeben haben, um Pilgerscharen nach Malta zu befördern und wieder nach Hause zu bringen. Vor sechs Jahrtausenden dürfte es allerdings auch nicht die technischen Mittel und Methoden gegeben haben, um mit spielerischer Leichtigkeit Riesentempel zu bauen ... so die beeindruckenden Bauten überhaupt Tempel waren.

Wir neigen ja dazu, sehr alte Bauten zu »Tempeln« zu erklären. Dabei wissen wir nicht einmal, wie die Bauwerke von Malta einst aussahen. Vermutlich waren die Zyklopensteine – zumindest teilweise – verputzt und bemalt. Heute stehen fast nur noch die Mauern und bilden ein Gewirr von ineinander geschachtelten Räumen. Einst waren sie wohl überdacht. Einst lagen wohl zyklopenhafte Quader auf den zyklopenhaften Mauern.

Ein Riesentempel - Foto: W-J.Langbein
Auf der Nebeninsel Gozo, oberhalb des Örtchens Xaghra gelegen, entstand vor rund sechs – oder gar vor sieben? – Jahrtausenden der wohl älteste »Tempel«, »Ggantija« (auch »Gigantija« genannt). 1990 ernannte ihn die UNESCO zum Weltkulturerbe. Stundenlang kroch ich zwischen den gewaltigen Steinquadern herum ... Bis zu sechs Meter ragen sie in den Himmel. Die größeren werden pro Stück gut und gerne auf fünfzig Tonnen geschätzt. Wie hoch das Bauwerk ursprünglich war? Wir wissen es nicht. Wie viele dieser gigantischen Bauten es einst gab ... wir wissen es nicht. Nach Bray Warwick, Mitautor des vergriffenen Werkes »Lexikon der Archäologie« (1) »zeigen die etwa dreißig noch erhaltenen Beispiele (der Tempelbauten) einen hoch entwickelten Grundriss und Aufbau«.

Wenn nach Expertenansicht noch etwa dreißig Tempelruinen erhalten sind ... wie viele mögen es dann vor sechs oder sieben Jahrtausenden gewesen sein? In der Tat: die Perfektion der Bauweise lässt uns heute noch staunen. Wo aber wurde diese fortgeschrittene Bauweise entwickelt? Bray Warwick mutmaßt: »Einwanderer« mögen die Megalithbauten errichtet haben. Woher sollen sie gekommen sein? Nirgendwo sonst in Europa gibt es vergleichbare Bauten. Sollten die Einwanderer erst auf Malta damit begonnen haben, unvorstellbare Steinmassen zu Riesenbauten aufzutürmen? Fakt ist: In Westeuropa gibt es eine ganze Reihe von monumentalen Steinsetzungen – man denke an Englands Stonehenge oder an die berühmten Megalith-Reihen der Bretagne.

Gale de Giberne Sieveking (1925-2007), einer der renommiertesten Archäologen des 20. Jahrhunderts, setzte sich intensiv mit gigantischen Monstersteinen auseinander, die vor Jahrtausenden mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit verbaut wurden. Der Gelehrte, langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter am »British Museum« von Rang, sah die »großen Steine« als (2) »Erscheinungsform einer Religion, oder auch mehrerer Religionen, die sich auf Ahnenverehrung und Kult der Muttergottheit gründeten«.

Zyklopenbauweise - Foto: Wolfi
Wann die ersten Menschen auf Malta siedelten ... das interessiert mich nicht besonders. Mag sein, dass schon vor 100.000 oder gar 150.000 Jahren Menschen auf Malta hausten. Wann aber entdeckten die Menschen ihre Liebe zur Riesenbauweise? Eine Archäologin erklärte mir vor Ort, darauf bedacht, dass ihre männlichen Kollegen nichts hörten: »Zahlreiche Symbole wie Spiralen an Tempelwänden deuten auf die Göttin hin, die hier verehrt wurde. Sämtliche Tempel stellen – vom Grundriss her – die Urgöttin, die Muttergöttin dar!«

Auf meinen Reisen zu den rätselhaften Orten der Welt habe ich immer wieder eine interessante Beobachtung gemacht: Archäologen und Archäologinnen vertrauen einem wirklich interessierten Besucher vor Ort ihre ganz persönliche Sicht der Dinge an ... die nur selten – wenn überhaupt – Eingang in die »wissenschaftliche« Literatur findet. In einer immer noch von männlichen Autoritäten geprägten Szene der universitären Archäologie führt die Göttin der Vorzeit nach wie vor ein bescheidenes Dasein. Das gilt auch für die Göttin von Malta.

Blick in die Unterwelt - Foto: W-J.Langbein
Wie wichtig die Rolle war, die einst die Göttin auf Malta spielte, belegen zahlreiche Figürchen und Figuren, die eine stämmige Muttergöttin darstellen. Oder wurden auf Malta mehrere Göttinnen verehrt? Im Tempel von Hagar Qim, Malta, saßen einst imposante Göttinnen auf steinernen Thronen. Als sich das Patriarchat durchsetzte, wurden die Göttinnen entfernt. Zum Tempel von Hal Tarxien gehörte einst eine imposante Statue einer stolzen stehenden Göttin. Offensichtlich wurde das Jahrtausende alte Kunstwerk mutwillig zerstört. Man hat es zertrümmert. Gefunden wurden bislang nur Füße und Beine. Offensichtlich, so ist zu erkennen, trug die göttliche Matrone einen locker fallenden Rock.

Im mysteriösen »Hypogäum« von Hal Saflieni, Malta, wurde einst auch die Göttin verehrt. Der Begriff »Hypogäum« stammt aus dem Griechischen und lässt sich mit »unterirdischer Raum« übersetzen. Was für eine maßlose Untertreibung: drei Etagen hat man vor Jahrtausenden in den gewachsenen Stein getrieben ... und so ein unterirdisches Reich von »Mutter Erde« geschaffen. Neben drei größeren Räumen gibt es Dutzende von Kammern, die verschachtelt ineinander übergehen.

Richtig ist: tief unter der Erde fand man im »Hypogäum« unzählige Knochen. Vorschnell wurde die riesige unterirdische Anlage zur »Begräbnisstätte« erklärt. Inzwischen darf es als gesichert angesehen werden, dass die Gebeine von immerhin 7000 Menschen nicht von den Erbauern der »Unterwelt« beigesetzt wurden, sondern sehr viel später. Salopp ausgedrückt: Spätere »Trittbrettfahrer« haben die unterirdischen Räume als Grabkammern missbraucht.

In der »Unterwelt« des Hypogäums wurde die vielleicht schönste Darstellung der Göttin entdeckt. Das Figürchen, gern herablassend als »Fat Lady« bezeichnet, ist recht klein. Es misst in der Länge zwölf Zentimeter. Unbekannte Künstler haben die Alabasterstatuette mit viel Liebe zum Detail geschnitzt. Die »schlafende Lady« ruht, seitlich liegend, auf einem Bett. Wie alle Darstellungen der »Muttergöttin« aus uralten Zeiten sind die feminin-mütterlichen Formen betont.

Alexander Knörr, profunder Malta-Kenner, schreibt in seinem Buch »Hagar Qim« (3): »Hinweise darauf, dass die Tempel Maltas und Gozos wirklich der Ausübung einer Religion dienten, sammelten Archäologen in Form von einzelnen Hinweisen, wie zum Beispiel kleiner Statuetten, welche in den Tempelanlagen bei Ausgrabungen gefunden wurden.« Und weiter heißt es bei Alexander Knörr (4): »Da die meisten dieser Statuetten wohl geformte, teilweise überaus üppige, weibliche Rundungen aufweisen, liegt laut Meinung der zuständigen Archäologen nahe, dass ein Kult um die Magna Mater (lateinisch: große Mutter – Muttergottheit), eine Fruchtbarkeitsgöttin hier gepflegt wurde.«

Die Muttergöttin von Malta -  Foto: W-J.Langbein
Wer meint, auf Malta seien die ältesten Spuren der verehrten Muttergöttin gefunden worden, irrt gewaltig. Das Matriarchat ist sehr viel älter als die Tempel von Malta! Doris Wolf, eine Schweizer Wissenschaftlerin, entdeckte in Ägypten eine bis heute kaum beachtete Statue einer Muttergöttin. Sie schreibt in ihrem Buch »Was war vor den Pharaonen?« (5): »Bei der Grotte der Großen Göttin im Tal der Königinnen ist noch eine andere Erscheinung interessant, die allerdings bisher unbeachtet blieb: eine aus dem Fels gemeißelte überlebensgroße weibliche Skulptur auf der linken Seite des Eingangs, die über dem Boden schwebt. Obwohl der Kalkfelsen hoffnungslos brüchig ist, kann man bei der verwitterten Großplastik die untere Körperhälfte mit dem betonten Schoßdreieck erkennen, das gut erhalten ist.«

Die wohl älteste »Muttergöttin« ist die »Venus von Villendorf«. Sie soll vor 30 000 Jahren geschnitzt worden sein. Eine ganz ähnliche »Muttergöttin« wurde in Tschechien gefunden. Das Alter der »Fat Lady«: 27 000 Jahre!

Fußnoten

1 Warwick, Bray und Trump, David: »Lexikon der Archäologie«, 2 Bände, Reinbek bei Hamburg 1975
2 Sieveking, Gale: »Wanderung der Megalithen« in Bacon, Edward (Hrsg): »Versunkene Kulturen/ Geheimnis und Rätsel früher Welten«, München 1963, S. 185
3 Knörr, Alexander: »Hagar Qim/ Auf den Spuren eines versunkenen Kontinents/ Rätsel um die Insel Malta«, Groß Gerau 2007, Seite 20
4 ebenda
5 Wolf, Doris: »Was war vor den Pharaonen?«, Zürich 1994,S.63

Literaturempfehlung

Walter-Jörg Langbein: »Das Sakrileg und die Heiligen Frauen«

»Das Geheimnis der steinzeitlichen Schienen«,
Teil 113 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 18.03.2012



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Sonntag, 4. März 2012

111 »Die Monsterbauten von Malta«

Teil 111 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Geheimnisvolles Malta
Foto: NASA
Malta ist ein Zwergstaat im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn man die Nebeninsel Gozo mit einbezieht ... dann ist das mysteriöse Eiland nicht größer als Bremen. Mit einer Fläche von 316 Quadratkilometern erscheint Malta als kleiner Klecks auf dem Globus. Und doch gehört das Eiland zu den geheimnisvollsten Gefilden unseres Planeten.

Wieso wurden auf dem kargen Fleckchen Land – keine 100 Kilometer südlich von Sizilien gelegen – 25 Tempel errichtet? Wozu benötigten die Steinzeitmenschen von Malta ... es waren vor Jahrtausenden eher Hunderte als Tausende ... gleich 25 Tempel? Und warum wurden diese sakralen Bauten so angelegt, als hätten Riesen mit gigantischen Steinquadern gespielt? 25 Monsterbauten stehen in keinem Verhältnis zur Mini-Inselwelt von Malta.

Ein Beispiel: Die Ruinen des Tempels von Hagar Qim. Die verwirrende Anlage sieht so aus, als hätten Kinder Bauklötzchen aneinander gereiht und aufeinander getürmt, um so etwas wie ein Märchenschloss zu bauen ... mit vielen Türchen und Toren, verschachtelten Höfen und kleinen Plätzen. Von »Bauklötzchen« aber kann nicht die Rede sein: einer der monströsen Kolosse ist über fünf Meter hoch und über einen Meter dick! Ein anderer ist knapp sieben Meter lang und über drei Meter breit. Seine »Dicke«: etwa 75 Zentimeter!

Hagar Qim - Foto: W-J.Langbein
Bislang habe ich keine glaubhafte Erklärung gefunden, wie derartige Steinmonster transportiert wurden. Gewiss, sie wurden aus »weichem« Kalkstein gemeißelt. Dafür können sehr wohl primitive Faustkeile benutzt worden sein. Wie aber hat man die wuchtigen Steinkolosse befördert? Hagar Qim entstand, so lautet übereinstimmend die Meinung der Wissenschaftler, in mehreren Etappen. 3700 und 2700 vor Christus wurde an Hagar Qim gearbeitet. Die Ausrichtung des verwirrenden Tempelkomplexes wurde mehrfach geändert, da und dort wurden »Kammern« ergänzt ... nach wessen Plan? Und wenn vor Jahrtausenden über Jahrhunderte hinweg auf der riesigen Baustelle gearbeitet wurde ... wer hatte die Bauaufsicht? Wer entwarf die Baupläne, als es keinerlei Schrift gab?

Im Verlauf mehrerer Malta-Aufenthalte kroch ich immer wieder in Hagar Qim umher. Die wuchtigen Steinkolosse wurden mit Präzision aneinandergefügt. Der verschachtelte Bau muss sorgsam geplant, die riesigen Bauelemente müssen vorher entsprechend der Pläne exakt vorbereitet worden sein. »Kleeblatt-Form« sei, so lese ich immer wieder, die Grundform der meisten Tempel. »Einst gab es unterirdische Grabhöhlen, in denen die vornehmen Toten bestattet wurden!« erklärte mir vor Ort ein Wissenschaftler. »Die wuchtigen Tempel sind überirdische Nachbildungen der unterirdischen Anlagen! Kollege widersprach energisch: »Umgekehrt verhält es sich, genau umgekehrt!« Die unterirdischen Grabanlagen von Malta seien Nachbildungen der überirdischen Tempelkomplexe.

Hagar Qim - Foto: W-J.Langbein
Während Experten über die unterirdischen Tunnel und Grabanlagen streiten ... erfreut sich die mysteriöse Unterwelt von Malta bei der einheimischen Bevölkerung keiner besonderen Beliebtheit. So werden zwar auch heute noch immer wieder – etwa beim Ausschachten von Kellerräumen – unterirdische Kammern entdeckt. Offiziell müssten solche Entdeckungen den amtlichen Behörden gemeldet werden. Das aber geschieht so gut wie nie. Müssen doch die »Häuslebauer« damit rechnen, dass dann ihr Grundstück enteignet wird. Ich selbst durfte einmal mit Erlaubnis des Hausbesitzers in einen muffigen Kellerraum steigen ... nachdem ich hoch und heilig versprochen hatte, niemandem zu verraten, wo ich was gesehen habe! Lachend erklärte mir der Hausbesitzer in gebrochenem Englisch: »Solche geheimen Entdeckungen gibt es viele auf Malta!«

Der Autor in Hagar Qim - Foto: Ilse Pollo
Eine schwache Glühbirne flackerte an der bröckelnden Decke. Hinter einem Regal mit süßsauer eingelegtem Kürbis verdeckte ein wollener Teppich ein etwa einen Quadratmeter großes Loch. Auf meine wiederholte Bitte wurde der Teppich abgenommen. Ich leuchtete mit meiner Taschenlampe hinein.

Die Größe des Raums konnte ich nur vage abschätzen. Er war wohl einst – etwa – fünf Meter im Quadrat und mindestens drei Meter hoch. An einer Seite machte ich – halb reliefartig herausgearbeitet – so etwas wie »Säulen« aus. Sie reichen von einem schmalen Sockel am Boden bis unter die Decke. Ein gutes Viertel des Raums war vom Boden bis zur Decke mit Geröll gefüllt. »Vielleicht gab es hier einst einen Ausstieg nach oben...«

Der Lichtkegel wandert über die Wände. Da und dort, so scheint es mir, hat man mit Hammer und Meißel Löcher in die Wände geschlagen, wohl auf der Suche nach vermeintlichen Schätzen. Ob man fündig wurde? Der Besitzer schwieg wie ein Grab. Ob ich fotografieren darf, frage ich höflich. »Auf keinen Fall!« Ist es erlaubt, durch das Loch in den angrenzenden Raum zu klettern? Auf keinen Fall. Das sei zu gefährlich. Immerhin darf ich meinen Kopf durch das Loch stecken. Mühsam gelingt es mir, auch noch Platz für meinen Arm zu finden. Der Lichtkegel schleicht nun über die glatt polierte Decke und den etwas raueren Boden. Im Boden fallen mir wiederum einige offensichtlich frisch gemeißelte Löcher auf.

Nach längerem Rückfragen gibt der Hausbesitzer zu: »Unter diesem Raum gibt es einen weiteren. Vom tieferen Raum führt eine schmale Treppe nach oben ... « Die sei aber »wohl schon vor Ewigkeiten« eingestürzt. »Und wenn man etwas von dem Schutt herausholt ... rutschen weitere Steinbrocken und Sand nach ...« Und eine weitere Etage tiefer ... mag es noch einen Raum geben. »In solchen Räumen ...« erfahre ich ... »wurden schon manches Mal Sachen gefunden«. Sachen ... frage ich nach. »Naja, so kleine Figürchen aus Stein ... von fetten Weibern!«

Eine schlafende Muttergöttin von Malta
Foto: W-J.Langbein
Natürlich ist jeder Entdecker archäologischer Objekte verpflichtet, seine Funde zu melden. Wie häufig Archäologisches gefunden ... und einbehalten wird? Niemand vermag das zu sagen. Fakt ist: Unzählige archäologische Funde – von Statuetten und Statuen unterschiedlichster Größe belegen, dass es vor Jahrtausenden auf Malta einen Kult der Muttergöttin gegeben haben muss. In privaten Sammlungen, aber auch in offiziellen Museen sah ich diverse »Exemplare« dieser Muttergöttin. Ob nur wenige Zentimeter klein ... ob über lebensgroß ... immer wurde diese Göttin mit sehr femininen, drall-ausladenden Formen dargestellt.

Für mich gibt es keinen Zweifel: Malta war vor vielen Jahrtausenden Zentrum einer matriarchalischen Religion, in deren Mittelpunkt eine Erdgöttin stand, die über Leben, Sterben und Geburt »regierte«. Es war eine Göttin der Fruchtbarkeit, die in den unterirdischen Höhlen von Malta angebetet wurde. Meiner Überzeugung nach sind die Monstermauern von Malta Überbleibsel einst gigantischer Tempels, die Nachbildungen der Höhlen darstellten. DIE Urgöttin wurde weltweit – zum Beispiel auch in Ägypten, bevor die Pyramiden gebaut wurden – in unterirdischen Kammern verehrt. Unterirdische Höhlen – künstliche wie natürliche – wurden als besonders heilig angesehen, als »Gebärmutter« der Erde, aus der alles Leben hervorging.

Fast alle der Muttergöttinnen von Malta scheinen Schwangere zu zeigen. Was mir aufgefallen ist: Bei der überwiegenden Mehrzahl dieser Figürchen und Figuren fehlt der Kopf. Häufig liegt eine Hand der Göttin auf ihrem Leib, so, als solle die Schwangerschaft betont werden. In einem einzigen Fall wurde meines Wissens nach eine komplette Darstellung einer Malta-Göttin gefunden, tief unter der Erde in einem bunkerartigen Keller, mehrere Etagen unter der Erdoberfläche.

Lesetipp: Die Bücher von Walter-Jörg Langbein

»Die Göttin von Malta«,
Teil 112 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 11.03.2012


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