Sonntag, 2. Dezember 2012

150 »Von Riesenköpfen und Monsterwesen«

Teil 150 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Einer der Olmekenschädel von
Laventa mit dem Verfasser
(links im Bild)
Foto: Archiv W-J.Langbein
Mannshoch ist der mächtige steinerne Schädel, den ein Farmer um 1850 bei Hueyapan entdeckte. Wer mochte den tonnenschweren Koloss geschaffen haben? Archäologen verirrten sich damals selten in das Städtchen am Popocatépetl im Nordosten des mexikanischen Staates Morelos. Erst anno 1869 publizierte José Maria Melgar y Serrano im Mitteilungsblatt der »Mexikanischen Geographischen und Statistischen Gesellschaft«. Melgar beging einen schlimmen Fauxpas. Er beschrieb das mächtige Haupt so wie es ist, aber eigentlich nicht sein darf. Heute befindet sich der Riesen-Kopf im »La Venta Park« von Villahermosa, Gemeinde Centro, Bundesstaat Tabasco. Wurde der umstrittene Fund tatsächlich in das Freilichtmuseum geschafft? Oder stammen alle Riesenköpfe des Freilichtmuseums aus dem Sumpfland von La Venta? Wie auch immer:

Der Hueyapan-Kopf hat ganz eindeutig negroide Züge: eine breite Base und wulstige Lippen. So konstatierte Melgar anno 1869, der steinerne Kopfe beweise, das in einer sehr frühen Epoche der Menschheitsgeschichte »Neger« in Mexiko gelebt haben müssten!

Monument Nr.1
Foto: Hajor
Der spektakuläre Fund wurde von wissenschaftlicher Seite mehr als stiefmütterlich behandelt! Nie und nimmer durfte er Zeugnis ablegen für Menschen mit negroiden Zügen, die sehr lange vor Columbus Zentralamerika besucht haben müssten! Diese Behauptung durfte nur falsch sein, also lohne es sich nicht, den Kopf in Augenschein zu nehmen. Erst 1906 stattete der deutsche Forscher Eduard Seler dem Stein des Anstoßes einen Besuch ab. Einen Niederschlag in der wissenschaftlichen Literatur hatte diese Visite nicht zur Folge. Erst 1932 wurde der unmögliche Fund »wissenschaftlich« beschrieben: von Albert Weyerstall.

Der »unmögliche« Riesenfund lässt sich einwandfrei zuordnen seine unzähligen riesengroßen »Brüder« und »Schwestern«, nämlich der Olmeken-Kultur. Die Olmeken betraten vor rund 3200 Jahren die Bühne der Geschichte Zentralamerikas. Um 400 vor Christus erlosch der Stern dieses rätselhaften Volkes. Wenn nun die Olmeken eine riesigen Kopf mit negroiden Zügen schufen, schätzungsweise 30 Tonnen schwer, müssen sie da keinen Kontakt mit Schwarzafrikanern gehabt haben? Und das muss lange vor Columbus gewesen sein! Solch frühe Kontakte über den Atlantik hinweg darf es nach noch gültiger Lehrmeinung aber nicht gegeben haben.

Was nicht sein kann, das darf auch nicht sein. Daran ändern auch nichts die zigtonnenschweren Olmekenköpfe, die man im Sumpfland von La Venta in Küstennähe gefunden hat: und sie alle haben negroide Züge ... wulstige Lippen und breite Nasen! Wenn es nur einen solchen Riesenschädel gäbe ... man könnte von einem Zufall sprechen. Das ist aber nicht der Fall! Es gibt eine Vielzahl solcher Kolossalköpfe, und alle haben diese negroiden Züge. Ein Musterexemplar findet sich im »Museo Nacional de Antropología e Historia«, Mexico. Man sieht heute diese tonnenschweren, wuchtigen Plastiken als typisch für die olmekische Kunst an!

Riesenhaupt im Museum
Foto Maunus
Vor Jahren nahm ich an einer spontanen Diskussion im »Museo Nacional de Antropología e Historia« teil. Es ging um die Frage der Olmekenschädel mit den wulstigen Lippen und der breiten Nase. Ich wurde als »Rassist« beschimpft, als ich zaghaft auf das äußere Erscheinungsbild der Kolossalköpfe hinwies. Ich würde mich beleidigend über die frühen Kulturen Mittelamerikas äußern, hieß es. Ich würde den frühen Völkern Mittelamerikas nicht zubilligen, dass sie ihre alten Hochkulturen Mittelamerikas selbst gegründet haben. Ich würde vielmehr behaupten, sie gingen auf Einwanderer aus einem fernen Kontinent zurück. Eine etwa 50-jährige Amerikanerin mit blau gefärbtem Haar und einem Monokel (tatsächlich!) keifte giftig: »Sie berauben die Völker ihrer ureigensten Historie!«

Was für ein Unsinn! Natürlich wurden die frühen Kulturen Mittelamerikas in Mittelamerika von dort Ansässigen gegründet! Natürlich waren es die ortsansässigen Olmeken, die die grandiosen Riesenskulpturen schufen! Aber wen stellten sie dar? Waren es afrikanische Seefahrer, die lange, lange vor Columbus Amerika entdeckten? Erkundeten afrikanische Pioniere Zentralamerika und wurden von einheimischen Künstlern in Stein verewigt? Erwiesen die Olmeken der fremden Seefahrern auf diese Weise ihren Respekt? Meiner Meinung nach ist es rassistisch zu behaupten, afrikanische Seefahrer seien nicht in der Lage gewesen, bis nach Zentralamerika zu gelangen!

Das parkartige Freilichtmuseum von Villahermosa gehört zu den schönsten der Welt. Man kann heute gemächlich und bequem von Ausstellungsstück zu Ausstellungsstück flanieren ... und mysteriöse Kunstwerke aus Stein aus uralten Zeiten bewundern. Man kann sich kaum vorstellen, welche Strapazen Archäologen auf sich genommen haben, um die Kolossalfiguren aus dem Schlamm von La Venta zu bergen. An den Originalschauplätzen von La Venta ist heute erschreckend wenig zu sehen. Wo sensationelle Ausgrabungen vorgenommen wurden ... hat man später mächtig betoniert ... für die Landebahnen des Flugplatzes. Andere Areale wurden bis heute nicht archäologisch untersucht. Unter Erdhügeln scheinen sich Pyramiden zu verbergen. Wann wird man zum Spaten greifen?

»Altar 4« erinnert den heutigen Besucher am ehesten an einen Schreibtisch, unter dem sich jemand versteckt. Bei näherem Betrachten erkennt man aber das Gesicht und den weit aufgerissenen Rachen eines »Monsters«.

Altar 4 - Foto: Ruben Charles
Häufig wird dieses »Monster« als Jaguar interpretiert. Im Mittelpunkt olmekischer Mythologien – vergleichbar mit den ältesten Texten des »Alten Testaments« – steht ein ganz besonderer Schöpfungsakt: Demnach paarte sich einst ein Jaguar mit einer Frau. So entstand ein Geschlecht von Monstern, vergleichbar mit den Werwölfen, nur dass diese Wesen eben Zwitter aus Mensch und Jaguar waren. Aus diesen Mischwesen sollen später die Regengötter hervorgegangen sein.

»Altar 4« zeigt offenbar einen Jaguar, der seinen mit scharfen Zähnen bewehrten Rachen öffnet. Darin sitzt ein menschliches Wesen. Es könnte sich dabei um einen Priester handeln, der so etwas wie einen Totenkopfschmuck trägt. Verschlingt der Jaguar den »Priester« ... oder spuckt er ihn aus? Stellt der Mensch den Tod dar ... oder jemanden, der den Tod besiegt, der aus dem Rachen des Jaguars steigt? Geht es im Bild um Auferstehung, Wiedergeburt und ewiges Leben?

Niemand vermag mit Sicherheit zu sagen, was der »Schreibtisch« wirklich darstellt. Leider sind uns keine Maya-Hieroglyphen an den Monumenten erhalten, die wir wie ein Buch lesen könnten, um uns die steinernen Denkmäler erklären zu lassen. Gab es Codices, die zum Beispiel den Menschen im Monstermaul erklärten? Wir wissen es nicht. Primitiv waren die Schöpfer dieser Skulpturen nicht! Sicher ist, dass die komplexe Kalenderwissenschaft auf die Olmeken und deren Vorläufer zurückgeht!

Mann mit Totenkopf
Foto: W-J.Langbein
Eine mögliche Erklärung für den »Schreibtisch« lautet so: Dargestellt wird ein Herrscher. Er ergreift mit einer Hand ein Seil. Dieses Seil führt um den Altar herum. An den beiden schmalen Seiten des »Schreibtischs« (im Foto nicht zu sehen) waren ursprünglich zwei Gestalten dargestellt. Die Abbildung auf der rechten Schmalseite (im Bild nicht zu sehen) ist allerdings stark verwittert. Sind es Verstorbene, Vorfahren des Herrschers? Nimmt der Herrscher mit den Totengeistern Kontakt auf, um sich Hilfe von ihnen zu erbitten? Stellt also das Seil die Verbindung unserer Welt mit dem Totenreich dar?

Eine andere Interpretation versteht die vermeintlichen »Verstorbenen« ganz anders, nämlich als Gefangene des Königs. Der Herrscher hat ihr Schicksal in den Händen, entscheidet über Leben und Tod!

Je mehr Fachliteratur man liest, in der alte Kunstwerke Zentralamerikas interpretiert werden, desto mehr voneinander abweichende Erklärungen werden einem geboten. Es müsste von Seiten der Wissenschaft sehr viel deutlicher gemacht werden, dass bei den »Erklärungen« sehr viel Fantasie im Spiel ist! Und je weniger von einer Skulptur zu erkennen ist, desto mehr Spielraum wird der Vorstellungskraft geboten. Leider werden aber fantasiereiche Vermutungen gern als gesicherte Erkenntnis vorgetragen.

Noch ein Schreibtisch
Foto: Archiv W-J.Langbein
Ein weiterer »Schreibtisch« ist leider stark beschädigt. Große Teile scheinen abgeschlagen worden zu sein. Man erkennt wieder eine menschliche Gestalt. Sie kauert, mit nach vorn gebeugtem Oberkörper und einer »Zipfelmütze« auf dem Kopf, wieder im Schlund eines Monsters.

Die sitzende Gestalt hält etwas in den Armen. Was das ist, man kann es nicht mehr erkennen. Auch hier gibt es keine übereinstimmende Erklärung. Da ist von einem Menschenopfer die Rede. Wird ein Baby oder ein Kleinkind den nach Blut schreienden Göttern dargeboten? Oder genießt das Baby ganz besonderen Schutz der mächtigen Götter? Oder wird etwas ganz anderes dargestellt, nämlich die geistige Entwicklung des Menschen auf spiritueller Ebene vom Baby zum Erwachsenen? Oder schützt der Mensch – womöglich ein Priester – ein kleines Jaguar-Baby?

Ich habe großen Respekt vor den wissenschaftlich arbeitenden Archäologen. Was mich aber sehr stört: Sehr häufig trägt jeder Experte seine ganz persönliche Erklärung für ein bestimmtes Monument als absolut sichere Erkenntnis vor. In Wirklichkeit aber wird häufig nur spekuliert, wiedersprechen die verschiedenen »Erklärungen« einander.

Die Bücher von Walter-Jörg Langbein

»Von Pyramiden und heiligen Bäumen«,
Teil 151 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 09.12.2012


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Sonntag, 25. November 2012

149 »Laguna Lejia«

Teil 149 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Laguna Lejia
Foto W-J.Langbein
Von der schillernden Welt der Salar de Atacama geht es hoch ... in Höhen, in denen man sonst nur Engeln oder Flugzeugen begegnet. Laguna Lejia ist unser Ziel ... in über 4300 Metern Höhe! In San Pedro de Atacama, einem bescheidenen Wüstenkaff, kann man sich in »nur« 2500 Metern über Normalnull akklimatisieren. Und das ist bitter nötig! Übertriebener sportlicher Ehrgeiz kann gesundheitsschädlich sein!

So habe ich erlebt, wie eine Gruppe von Mountainbikern aus einem Bus kletterte. Sie holten sich ihre Räder, der Bus fuhr voran und war bald außer Sichtweite. Und dann schwangen sich die Sportler auf ihre Bikes und trampelten ... in einer Höhe von 3000 Metern über Normalnull los. Eine junge Frau fiel zurück, versuchte die anderen einzuholen ... vergeblich. Auf einer Höhe von 4000 kippte sie schließlich vom Rad, blieb – von den anderen unbemerkt – liegen. Wir haben sie in unseren Bus getragen und zu ihrer Gruppe gefahren. Sie war vollkommen desorientiert ... zum Glück hatten wir Sauerstoff dabei!

Seltsame Gravuren in
der Wüste
Fotos: W-J.Langbein
Es geht vorbei an Steinen, die wer weiß vor wie vielen Jahrhunderten oder Jahrtausenden mit rätselhaften Gravuren versehen wurden. Ist es bedeutungslose Graffiti-Kunst? Oder konnten die Menschen einst diese Zeichen wie ein Buch lesen? Wurden hier Hinweise auf Gefahren in den Stein geritzt, symbolisch dargestellt, vergleichbar mit unseren Schildern am Straßenrand? Oder ging es vielmehr um astronomische Beobachtungen? Wurden besondere Himmelserscheinungen wie Kometen dokumentiert? Bislang wurden die sprechenden Steine von unseren Experten nicht wieder zum Reden gebracht.

Bis heute gibt es keine Bestandsaufnahme der gravierten Steine. Sie sollen viel älter sein als die Scharrzeichnungen in der Atacama-Wüste. Sie sind sehr viel abstrakter, weniger realistisch als die Bilderbücher im Wüstensand!

Es geht weiter an kleinen Dörfchen, die einen strahlend sauberen Eindruck machen. Mächtige Vulkane liefern das am häufigsten verwendete Baumaterial. Die Brocken aus Vulkangestein kommen beim Häuserbau ebenso zum Einsatz wie bei der Friedhofsmauer. Ein kalkhaltiger Putz wird aufgetragen ... oder die Steine werden mit dicker, kalkhaltiger Farbe bemalt. Die Menschen in dieser Region sind nach unseren Maßstäben sehr arm. Sie arbeiten hart für wenig Geld. Ihre bescheidenen Behausungen aber sind blitzblank. Sie erstrahlen geradezu hellweiß in der gleißenden Sonne.

Unterwegs zur Laguna
Lejia - Foto: W-J.Langbein
Manchmal kam es mir so vor, als sei die offizielle Religion – der Katholizismus – so oberflächlich wie die Kalkfarbe auf den Steinen aufgetragen. Ein Dorfgeistlicher erzählte mir resigniert-deprimiert: »Der alte Aberglaube lebt weiter. Christliche Missionare haben schon lange versucht, die Menschen davon abzubringen und wirklich für den christlichen Glauben zu gewinnen ... Vergeblich!« Woran das liegen mag, will ich wissen. Der Priester wiegt nachdenklich den Kopf. Er schweigt eine Weile.

»Mag sein,« so sagt der Gottesmann schließlich nachdenklich, »dass die mordenden und plündernden Eroberer Südamerikas nicht gerade glaubwürdige Vertreter der Religion der Nächstenliebe waren. Wer das Schwert schwingt und gleichzeitig von Nächstenliebe spricht ... wer predigt, dass es auf geistliche Werte ankommt und gleichzeitig durch Folter an versteckte Goldschätze kommen möchte ...« Der Geistliche verstummt. »Wir nehmen es hin, dass die Menschen in ihrem alten Götterglauben verwurzelt sind. Sie pilgern nach wie vor zu den Vulkanen, quälen sich in die Höhe, um den Göttern näher zu kommen. Dort opfern sie ihnen, wie schon vor vielen Jahrhunderten! Es sind heidnische Götter, die da angebetet werden, auch wenn die Wanderer auf uralten Prozessionswegen Kreuze tragen. Auch wenn christliche Geistliche mitmarschieren und dem Ganzen einen christlichen Touch zu geben versuchen!«

Steinerne Pyramiden begegnen uns auf dem Weg zur Lagune immer wieder in winzigen Dörfern. Oft sind es mehr kleine Gehöfte als Siedlungen. Die Symbole stehen, so erklärt mir ein einheimischer Reiseführer, für das uralte Weltbild der kosmischen Mächte hoch oben auf den Vulkankegeln. Einigen hat man das christliche Kreuz aufgesetzt ... »Aber die alten Götter sind noch präsent ...«

Pyramide und Kreuz
Foto W-J.Langbein
Die Menschen, so erfahre ich weiter, sehen keinen Widerspruch: Sie glauben an die himmlische Gottesmutter Maria, die hoch oben bei den Sternen thront ... und an zornige Götter, die im Erdinneren hausen und den Menschen Tod und Verderben bringen können, wenn Vulkane ihre glühende Höllenlava über Mensch und Tier ergießen lassen!

»Der Schamane vermittelt schon immer zwischen den Welten, zwischen den Göttinnen und Göttern im Himmel ... und den Mächten, die in der Erde hausen. Das Christentum genügt vielen Menschen hier nicht, es ist ihnen zu simpel! Es soll nur einen Gott geben? Oder glaubt der Christ an mehrere Götter ... an Vater, Sohn und Heiligen Geist? So einfach verschwinden aber die mächtigen Götter nicht von den Vulkankegeln! Wer sie leugnet, bringt Unglück auf sich selbst und seine Familie!« Um Katastrophen zu vermeiden, gehen viele Einheimische auf »Nummer sicher«. Sie besuchen regelmäßig den katholischen Gottesdienst ... und pilgern zu den Göttinnen und Göttern.

Und die Göttinnen und Götter haben mit den einst heiligen Vulkanen zu tun. In Stein verewigt: ein Symbol, das an die christliche Dreifaltigkeit erinnert. Es könnte aber auch für drei Feuerzungen stehen, die aus einem Vulkan geschleudert werden. »In Europa hat man doch auch den Donner und den Blitz mit Göttern wie Thor in Verbindung gebracht! Hier, wo Vulkane das Landschaftsbild prägen, gelten Vulkanausbrüche als Strafe der Götter! Mancher ›Christ‹ fürchtet sich vor göttlicher Strafe: weil man sich zu sehr vom alten Glauben abgewendet hat!«

Uraltes Symbol alten
Volksglaubens
Foto: W-J.Langbein
Der Geistliche wird zornig: »Der religiösen Obrigkeit in Rom ist das egal! Dort ist vor allem wichtig, dass viele Menschen getauft und als Christen in den Statistiken geführt werden!« Beim Abschied murmelt er mir zu: »Wenn Sie wüssten, wie viele ›christliche‹ Geistliche den alten Göttinnen und Göttern der Vulkane näher stehen als dem biblischen Jahwe ...«, kopfschüttelnd zieht er sich in seine kleine Kirche zurück.

Man kommt dem Himmel wirklich näher, wenn man sich »Laguna de Lejia« nähert. Das Himmelsblau scheint klarer zu werden. Und in 4300 Metern scheinen sich blaues Wasser und blauer Himmel ineinander zu spiegeln. Und scheinbar überall recken riesige Vulkane ihre schneebedeckten Häupter gen Himmel. Da und dort scheint es in dem einen oder anderen Koloss zu rumoren. Steht ein Ausbruch bevor. Vulkan Lascar gehört zu den unmittelbaren »Nachbarn« der Lagune Lejia ... und ist der vermutlich aktivste Feuerberg der Anden. Der Lascar ist ein furchteinflößender Koloss. Mehr als 5600 Meter ragt er in den Himmel. Schon oft spie er Lavamassen und Asche hoch in die Atmosphäre. Sein aktiver Krater misst 800 Meter im Durchmesser und ist dreihundert Meter tief. Sechs Katastrophen hat er mindestens verursacht, der vulkanische Riese. Sechs zum Teil überlappende Kraterschlünde sind noch zu erkennen. Die Frage ist nicht, ob der Lascar wieder Feuer und Lava speien wird, sondern wann. Und die Bevölkerung vor Ort rechnet damit schon seit Jahren!















WJ Langbein: 2012 - Endzeit und Neuanfang


»Von Riesenköpfen und Monsterwesen«,
Teil 150 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 02.12.2012


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