Sonntag, 4. November 2018

459 »Geheimnisvolle Mythen: Artus, Gilgamesch und eine Göttin«

Teil 459 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Kuriose Kreaturen...

Schriftliche Aufzeichnungen über die Geschichte von Menschen und Völkern gibt es erst seit wenigen Jahrtausenden. So manches Dokument wie die sprechenden Hölzer der Osterinsel konnte bis heute nicht entziffert werden. Aber auch längst übersetzte alte Texte werden immer noch nicht verstanden. Warum? Sie wurden nicht selten falsch übersetzt, weil sie womöglich von fantastischem Wissen unserer Vorfahren berichten. Hinweise auf »unmögliches Wissen« wurden durch falsche Übersetzungen zum Verschwinden gebracht, nicht aus Bosheit, sondern weil mancher fantastische Text zur Zeit der Übersetzung nicht verstanden werden konnte. So schlummern in riesigen Bibliotheken Schätze, die bis heute nicht gehoben wurden. So künden von Sagen und Überlieferungen, von Mythen aus uralten Zeiten.

Foto 2: Bücher über Bücher ...

Wenn wir uns damit begnügen, nur die in Wort und Schrift verfassten Geschichtsbücher zu studieren und dabei die Mythen außer Acht lassen, dann entgeht uns ein Großteil der Menschheitsgeschichte. Stellen wir uns vor, es gebe eine gewaltige Bibliothek der Menschheit mit unzähligen endlosen Korridoren und unzähligen Räumen mit unzähligen Büchern. Wir konzentrieren uns auf zwei oder drei Räume, die anderen betreten wir nicht. Die Menschheitsgeschichte ist nun einmal sehr viel älter als die ältesten Texte auf Keilschrifttafeln, die wir kennen. Was wir übersehen: Es gibt neben den Geschichtsbüchern die faszinierenden Mythen, die in der fernen Vergangenheit entstanden, lange bevor der Mensch schreiben konnte. Sie überliefern uns Geschichten aus der »Kinderstube« der Menschheit. Leider nehmen wir diese uralten Mythen, die uns doch auf geheimnisvolle Weise berühren und ansprechen, nicht ernst. Zum Glück wurden viele dieser Mythen im Laufe der Jahrhunderte schriftlich festgehalten.

Foto 3: Bücher, Bücher, Bücher...

Fragen wir Fachleute, wie nach ihrer Ansicht Mythen zu bewerten sind und ob sie Fakten über die Vergangenheit der Menschheit zu bieten haben. Religionswissenschaftler Louis Marillier (*1862; †1901) zum Beispiel erkennt die Gleichartigkeit der Mythen, verneint aber ein kollektives Denken, wie es ja Carl Gustav Jung vermutet (1). Er hält sie vielmehr für spontane individuelle Schöpfungen, die auf eine Erfahrung, die unsere Vorfahren machten, zurückgehen. Was für eine Erfahrung?

Sein Landsmann Georges Dumezil (*1898; †1986), er analysierte indoeuropäische Religion und Gesellschaft, formulierte es wie folgt (2): »Die Mythen sind Alleinbesitz der Urzeiten gewesen und spiegeln den Zustand und die Ereignisse der damaligen Gesellschaft wider.« Der Ethnologe Konrad Theodor Preuss (*1869; †1938) zählt zu den Pionieren der modernen Ethnologie. Der Gelehrte war der gleichen Ansicht wie Louis Marillier und Georges Dumezil (3): »In Mythos und Kult werden die Erlebnisse der Urzeit nachvollzogen!« 

Foto 4: David hat Goliath getötet
Karl Friedrich Kohlenberg (*1915; †2002) betrieb intensive ethnologische Studien. Fasziniert von der rätselvollen Vergangenheit der Menschheit vertiefte er sich in die ältesten Überlieferungen aus grauer Vorzeit. Sein Resümee lautet (4): »Jeder Mythos, jede Legende spiegelt, wie von der Wissenschaft nachgewiesen, einen Zustand und ein wirkliches Geschehen wieder.«

Wir kennen den Mythos von David und Goliath. Wir wissen aus der Bibel, dass der schmächtige David den Riesen Goliath tötete. Mit seiner Schleuder streckte David den Riesen mit einem Stein zu Boden und hieb ihm mit seinem eigenen Schwert den Kopf ab. Stolz präsentierte David das abgeschlagene Haupt des Giganten (5). 

Weniger bekannt ist der Mythos von König Artus, der gegen Riesen gekämpft haben soll. In Artusromanen tauchen sie auf, mächtige Riesen. In der christlichen Mythologie wohlbekannt ist der gutmütige Riese Christophorus, der einst in jeder katholischen Kirche in beeindruckender Weise dargestellt wurde. Riesen tauchen immer wieder auf, im Alten Testament wie in Mythen, in Sagen und Erzählungen. Mehr als mysteriös ist, was im 6. Kapitel des Buches Genesis berichtet wird (6): »Als aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen waren, und nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten. 

Da sprach der Herr: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn er ist Fleisch. Ich will ihm als Lebenszeit geben hundertzwanzig Jahre. Es waren Riesen zu den Zeiten und auch danach noch auf Erden. Denn als die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus die Riesen. Das sind die Helden der Vorzeit, die hochberühmten.«

Foto 5: Artus gegen den Riesen
Im Hebräischen des Originaltextes heißen sie »bənê ha’älohîm«, also Söhne der Elohim, der Götter. Söhne der Götter wurden bereits vor Jahrtausenden in den Keilschrifttexten aus Ugarit beschrieben. Als ich während meines Studiums der evangelischen Theologie nach diesen ominösen Söhnen der Elohim-Götter fragte, bekam ich meist ausweichende Antworten. Nach Professor Georg Fohrer handelte es sich bei den himmlischen Wesen um »niederrangige Götter«, die aus uralten Mythen übernommen und ins Buch Genesis aufgenommen wurden. Aus der Verbindung zwischen den Söhnen der Elohim und Menschenfrauen entstanden nach Genesis Kapitel 6 die Riesen. Die biblischen Riesen wurden in der Sintflut ausgetilgt. Die Göttersöhne waren nach den Keilschrifttexten aus Ugarit unsterblich, ob die Söhne der Elohim-Götter des Alten Testaments auch ewig lebten, darüber schweigt sich die Bibel aus. Nach Hiob (7) gehörten die Göttersöhne zum Hofstaat Jahwes, wurden offenbar immer wieder einberufen, um Gott gegenüber Rechenschaft über ihre Taten abzulegen.

Riesen, Riesen, Riesen. Die Frage, die wir uns stellen müssen: Hat es sie einst wirklich gegeben?Sind alte Mythen und heilige Bücher wie die Bibel glaubwürdig, wenn sie uns von Riesen erzählen?Louis Marillier hält, wie erwähnt, Mythen für spontane individuelle Schöpfungen, die auf eine Erfahrung, die unsere Vorfahren machten, zurückgehen. Was für eine Erfahrung (Siehe Fußnote 1!)? Sollten unseren Vorfahren in grauer Vorzeit Riesen begegnet sein? Sollten Mythen, Sagen, Märchen und Legenden, die von Riesen berichten, doch einen wahren Kern haben? Sollten Berichte über angebliche Funde von menschenähnlichen Riesenskeletten Hinweise auf reale »Fabelwesen« geben? Sollten gar auf der Osterinsel noch vor wenigen Jahrhunderten gelebt haben? Hausten auf der Insel »Santa Catalina«, etwa 35km südwestlich von San Pedro, Los Angeles, Riesen in einer Art »Kolonie der Giganten«? 

Fotos 6-8: Der Riese Christophorus im Dom zu Paderborn

Fakt ist: Durch die gesamte Mythenwelt geistern Riesen, die vor Urzeiten auf unserem Planeten gewirkt haben sollen. Dabei wird in den Überlieferungen hartnäckig versichert, diese Riesen seien Abkömmlinge der Götter. Riesen sind als Götterabkömmlinge in der Mythologie wirklich zahlreich dokumentiert. Es erhebt sich die Frage: Gab es sie wirklich? Waren es nur Ausgeburten erzählerischer Fantasie? Haben Riesen leibhaftig unter unseren Vorfahren gelebt und gewütet? Wer hat recht? Wen nehmen wir ernst: der Mythologie oder der heutige Anthropologie, die sich schwer daran tut, vorgeschichtliche Riesen in ihr Denken mit einzubeziehen?


Foto 9: Eine Ritzzeichnung (Osterinsel)
Es gilt nicht »entweder … oder«, wer die Vergangenheit der Menschheit erforschen will, muss auch die Mythologie in seine Überlegungen einbeziehen, auch wenn sie im Widerspruch zur Anthropologie stehen mag. Wir können es uns nicht leisten, eine einzige Quelle außer Acht zu lassen! Je weiter wir in die Vergangenheit reisen wie in die Tiefen eines fernen Kontinents, desto mehr vermischen sich Mythen und historische Fakten. Je gründlicher wir die graue Vorzeit zu erforschen versuchen, desto fantastischer muten manchmal Fakten und desto realistischer kommen uns Mythen vor. Je weniger Angst wir vor mutigen Antworten auf die Rätsel der Vergangenheit haben, desto mehr erfahren wir über uns und die Zukunft der Menschheit. Und desto glaubwürdiger wird womöglich das scheinbar Fantastische. Vielleicht verstehen wir dann zum Beispiel Geheimnisse der Osterinsel wie ihre rätselhaften Ritzzeichnungen von merkwürdigen Gestalten, die an Riesen erinnern.

Die älteste Fassung des Gilgameschepos entstand in altbabylonischer Zeit, ist also etwa 3600 bis 3800 Jahre alt. Das legendäre Epos beschreibt den Werdegang von Gilgamesch, König von Uruk, und seine Heldentaten. Gilgamesch siegte im Kampf gegen Löwen, suchte aber vergeblich nach der Unsterblichkeit. Dank sensationeller Textfunde war es dem Heidelberger Assyrologen Stefan M. Maul (*24.12.1958) möglich, die bislang vollständigste Fassung des »Gilgamesch Epos« neu zu übersetzen und Textlücken zu schließen.

Die Göttin Belet-ili, auch Nimah und Nintud genannt, tat sich mit Gott Nudimmud, auch Enki und Ninsiku genannt, taten sich zusammen. Gemeinsam planten, entwarfen und schufen sie den Riesen Gilgamesch (9): »Das Bild seines Leibes entwarf Belet-ili, Nudimmud vollendete meisterhaft seine Gestalt.«

Im Louvre zu Paris befindet sich eine Statue aus dem Palast von Sargon II, die rund zweieinhalb Jahrtausende sein dürfte und wohl Gilgamesch darstellen soll. Sie ist 5,52 Meter hoch, stattliche 2,18 Meter breit und hat somit die Ausmaße, die Gilgamesch gehabt haben soll (10): »Jener ist strotzend an Kraft und von strahlender Schönheit, stattlich ist seine Statur, elf Ellen hoch ist er gewachsen.«

Foto 10: »Riesen« der Osterinsel, Ritzzeichnung

Fußnoten
Foto 11: Gilgamesch
(1) Marillier, Leon Louis: Du Role de la Psychologie dans les etudes de Mythologie comparée, Revue de l‘Histoire des Religions, XXXII, 1895, Seiten 116-141 (zitiert nach Kohlenberg, Karl F.: Enträtselte Vorzeit – die Mythen geben Antwort, München und Wien 1970, Seite 20, Zeilen 5-8 von unten)
(2) Dumezil, Georges: Aspects de la Function guerriére chez les Indoeuropéens, 1959 (zitiert nach Kohlenberg, Karl F.: Enträtselte Vorzeit – die Mythen geben Antwort, München und Wien 1970, Seite 20, Zeilen 1-4 von unten)
(3) Preuss, Konrad Theodor.: Der religiöse Gehalt der Mythen, Tübingen 1933
(zitiert nach Kohlenberg, Karl F.: Enträtselte Vorzeit – die Mythen geben Antwort, München und Wien 1970, Seite 81, Zeilen 9-11 von oben)
(4) Kohlenberg, Karl F.: Enträtselte Vorzeit – die Mythen geben Antwort, München und Wien 1970, Seite 81, Zeilen 7-9 von oben
(5) Siehe hierzu 1. Buch Samuel Kapitel 17
(6) 1. Buch Mose Kapitel 6, Verse 1-4
(7) Buch Hiob Kapitel 1, Vers 6 und Buch Hiob Kapitel 2, Vers 1
(8) Das Gilgamesch-Epos, neu übersetzt und kommentiert von Stefan M. Maul. 6. Auflage. München 2014
(9) ebenda, eBook-Version, Pos. 650
(19) ebenda, eBook-Version, Pos. 652

Zu den Fotos:
Foto 1: Kuriose Kreaturen... Ritzzeichnung Osterinsel/ Zeichnerische Rekonstruktion. Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 2: Bücher über Bücher ... Foto  pixelio.de/ Carina Döring
Foto 3: Bücher, Bücher, Bücher. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: David hat Goliath getötet. David mit dem abgeschlagenen Haupt Goliaths Bildfeld an der großen Knesset Menora/ Foto wikimedia commons/ Deror avi
Foto 5:  König Artus kämpftgegen einen Riesen/ Werk von Walter Crane 1845-1915/ wikimedia commons/ public domain
Fotos 6-8: Der Riese Christophorus im Dom zu Paderborn. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Eine Ritzzeichnung (Osterinsel). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 10: »Riesen« der Osterinsel, Ritzzeichnung, Collage. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 11: Gilgamesch im Kampf mit dem Löwen (Louvre). Foto wikimedia commons

460 »Astronautengötter«,
Teil 460 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 11.11.2018


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Sonntag, 28. Oktober 2018

458 »Ein Pirat, Samson und Skelette«

Teil 458 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Edward Davis - Entdecker?
Der niederländische Seefahrer und Forschungsreisende Jakob Roggeveen (*1659; † 1729) gilt auch heute noch als der »Entdecker« der Osterinsel.  Er sichtete die mysteriöse Insel Ostern 1722 also, erblickte und taufte sie »Paaschen Eiland«, »Osterinsel«. Welcher Europäer wirklich als »Entdecker« gelten darf, das ist allerdings umstritten.

Lion Wafer war Wundarzt und Chirurg. Von 1680 bis 1688 begleitete er den berüchtigten englischen Seeräuber Edward Davis     auf  seinen abenteuerlichen Erkundungsfahrten und Beutezügen . Wafer benennt den Freibeuter als wahren Entdecker der Osterinsel. Davis soll schon im Jahre 1687 die Osterinsel erspäht haben, also Jahrzehnte vor Roggeveen. Allerdings hielt er sie für einen Zipfel des mysteriösen Kontinents im Pazifik, den es allerdings nicht gibt. Carl Friedrich Behrens freilich dürfte der erste Europäer gewesen sein, der die »Osterinsel« betreten hat.

Als die ersten Europäer die Osterinsel heimsuchten, da gab es bereits in Tamsweg im Salzbuerger Lumgau einen merkwürdigen alten Brauch. Tamsweg findet man in der südlichsten Ecke des Salzburger Landes. Der Bezirkshauptort liegt auf knapp über 1.024 m Seehöhe, zählt ca. 6.000 Einwohner und bietet seinen Besuchern reichlich weitgehend unberührte Natur. Wahrzeichen des malerischen Städtchens ist die Wallfahrtskirche St. Leonhard.

Zum Fronleichnams-Fest gibt es große Schauumzüge, an denen Gestalten aus der biblischen Geschichte sowie Sagen- und Heldenfiguren teilnehmen. Besonders imposant ist natürlich der Samson von Tamsweg, der immerhin 6,20 Meter in den Himmel ragt, vergleichbar mit so manch‘ steinernem »Kollegen« der Osterinsel. 1635 wurde der Samson von Tamsweg erstmals urkundlich erwähnt. Wann er erstmals umhergetragen wurde, niemand vermag das zu sagen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wollte die Kirche derlei Umzüge verbieten. Das Volk aber hielt am alten Brauch fest, trennte diplomatisch Weltliches von Kirchlichem und ließ den Riesen am Abend des Tages vor der kirchlichen Prozession und am Nachmittag nach der Prozession durch die Straßen tragen. Trotz seiner Größe von 6,20 m wiegt er »nur« 105 Kilogramm, kann also von einem Mann auf den Schultern getragen und manövriert werden. Folgenden interessanten Hinweis fand ich im Internet (1):

Foto 2: Der Riese Samson, Tamsweg
»Vermutlich leitet sich die Riesenfigur von den wesentlich älteren mythischen oder symbolischen Riesengestalten ab, welche die europäischen Urvölker einst bei ihren kultischen Flurumgängen herumzutragen pflegten.«

Immer, wenn ich auf Reisen bin, besuche ich örtliche Bibliotheken, auch private. Dabei habe ich schon so manche Entdeckung machen dürfen. Bei meinem ersten Besuch der »Osterinsel« hatte ich Gelegenheit in der Erstausgabe eines spannenden Buches über die ersten Europäer auf dem Eiland zu lesen. Erschienen ist das Werk 1891 (2). Es gehörte meinem Pensionswirt, einem behäbigen Polynesier. Geschrieben hat es William J. Thomson, der Titel lautet »Te Pito te Henua, or Easter Island«. William J. Thomson, der ohne Zweifel als seriöse Quelle gelten darf, zitiert da einen Bericht, den man sonst in der Literatur über die Osterinsel weitestgehend vergeblich sucht,  verfasst von Carl Friedrich Behrens. Der Rostocker Behrens (*1701; †1750) berichtet über Begegnungen mit Riesen auf der Osterinsel (3):

»Wahrheitsgemäß könnte ich wohl sagen, dass diese Wilden von mehr als gigantischer Größe sind. Die Männer sind groß und breit, im Schnitt 3,65 Meter (4) groß. So erstaunlich es auch anmuten mag, aber der größte Mann unserer Besatzung konnte zwischen den Beinen dieser Kinder Goliaths hindurchgehen ohne auch nur den Kopf zu neigen. Die Frauen können nicht, was die Statur angeht, mit den Männern mithalten, da sie im Allgemeinen nicht größer als drei Meter sind.«


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Von diesen mysteriösen Riesen hörte ich einige Male bei meinen Besuchen auf der Osterinsel. Manche Erzähler sahen in Hinweisen auf Giganten, die angeblich im 18. Jahrhundert auf der Osterinsel gehaust haben sollen, unglaubwürdige Fantastereien. Charles Hoy Fort  (*1874; »1932) veröffentlichte 1919 sein erstes Buch, betitelt »Book of the damned«. Eine deutsche Übersetzung ließ leider viel zu lange auf sich warten. Der deutsche Titel lautet »Das Buch der Verdammten« (5). Das Werk kam erst 1995 auf den Markt. Fort interessierte sich brennend für die Welt der Wissenschaften.

Genauer gesagt: Mit Eifer suchte er Fakten, die  seiner Überzeugung nach von der Wissenschaft »unter den Teppich gekehrt« wurden. Er sammelte, was mit den herkömmlichen schulwissenschaftlichen Theorien nicht erklärbar war. Fort bezeichnete diese verhassten Fakten als »Verdammte«. Und zu diesen »Verdammten« zählte er die Riesen. Nach seiner Meinung lehnte die Wissenschaft die Existenz von Riesen ab, nach dem Motto: »Es kann nicht sein, was nicht sein darf!« (6)

Foto 3: Tod des Riesen Goliath

Manche Osterinsulaner lachten über die angebliche Existenz von Riesen auf der Osterinsel. Andere wiederum verwiesen mich auf Berichte, wonach es auf der Insel »Santa Catalina« an der Küste vor Los Angeles einst Riesen gegeben haben soll. Das Eiland ist 35 km lang, 13 km breit und weist eine Fläche von 194,2 km² auf, ist also geringfügig größer als die Osterinsel (Fläche 162,5 km². »Santa Catalina«  liegt etwa 35km südwestlich von San Pedro, Los Angeles und gehört zum Los Angeles County.

Foto 4: »Santa Catalina«-Insel, Foto NASA

Bereits um 8000 v. Chr. lebten Menschen auf »Santa Catalina«. Sehr alt sollen auch die Skelette von Riesen sein, die in großer Zahl auf der kleinen Insel entdeckt wurden. Das zumindest behauptete der Hobbyarchäologe Ralph Gidden (*1881, †1968), der von 1919 bis 1928 umfangreiche Grabungen vor Ort durchführte. Immer wieder, so Ralph Gidden, stieß er auf Skelette von Riesen. Die »kleineren« maßen angeblich nur 2,13 Meter, die größeren über 2,74 Meter. Eine Frage drängt sich auf: Wo sind die Skelette geblieben, die Ralph Gidden aus ihren Gräbern geholt haben will? 3.000 Skelette von Riesen sollen es gewesen sein. Und alle hatten angeblich sechs Finger an jeder Hand.

Der »Ogden Standard-Examiner«, Morgenzeitung von Ogden im Bundesstaat Utah, berichtete am 10. November 1929: »In verschiedenen Teilen der Insel wurden mehr als 3.000 Skelette gefunden, fast alle männlichen Skelette waren 2,13 Meter groß, ein anderes über 2,74 Meter.« Im Artikel wird ein vermutliches Alter von 3.000 Jahren angegeben.

Foto 5: Avalon Bay, Catalina Island, Kalifornien

Wo aber sind die Skelette geblieben? Diese Frage muss immer wieder gestellt werden. Bekannt ist nur, dass Glidden seine gesamte Sammlung anno 1962 für 5.000 US-Dollar  verkauft hat, Skelette inklusive. Fünfzig Jahre später wurde angeblich im Archiv des »Catalina Island Museum« eine verstaubte Schachtel gefunden. Diese Schachtel soll diverse Dokumente, verfasst von Glidden, aber auch Fotos von Riesenskeletten enthalten haben. Ein gewisser L.A. Marzulli soll eines der Fotos analysiert haben und zum Ergebnis gekommen sein, dass da tatsächlich das echte Skelett eines Riesen zu sehen sei, der zu Lebzeiten 2,59 Meter groß war. Nach Marzulli habe eines der Skelette sechs Finger an jeder Hand gehabt. Offenbar war Mr. Marzulli von der Echtheit der Riesenfunde überzeugt.

Fakt ist, dass Ralph Gidden über Jahre hinweg von der »Heye Foundation« finanziell unterstützt wurde. Die Stiftung finanzierte die Ausgrabungen des engagierten Hobbyarchäologen. 1924 stellte die »Heye Foundation« die Zahlungen an Ralph Gidden komplett ein. Der aber benötigte natürlich Geld, um weitere Ausgrabungen durchführen zu können. So erschloss sich der emsige Ralph Gidden eine neue, die Einnahmequelle. Er eröffnete ein »Museum«, das allerdings eher einem Horrorkabinett als einem Museum nach heutigem Verständnis entsprach, und kassierte Eintrittsgelder. Reichtümer konnte er freilich so nicht anhäufen, die Einnahmen fielen wohl eher bescheiden aus.Fotos zeigen Ansammlungen von Skeletten oder von Skelettteilen, von Totenschädeln zwischen Tonwaren aus uralten Zeiten.

Foto 6: Ralph Glidden gräbt das Skelett eines Riesen aus

Ich habe wiederholt versucht, mit Archäologen unserer Zeit über Ralph Gidden und sein Museum zu unterhalten. Die meisten fühlten sich zu erhaben, um in die Niederungen eines solchen Themas hinab zu steigen. Einige wenige hatten nur Verachtung übrig für die Ausgrabungen auf »Santa Catalina«. Man müsse von Grabschändungen sprechen und die Zurschaustellung von Gebeinen von Ureinwohnern auf das Schärfste kritisieren. Dabei wird vergessen, dass die wissenschaftliche Archäologie bis heute nicht sehr viel pietätvoller mit Totengebeinen aus uralten Zeiten umgeht.

Ein Beispiel: In den Jahren von 1896 bis 1902 raubten Archäologen menschliche Gebeine aus Bestattungshöhlen von Hawaii. Sie gelangten in den Besitz des »Museums für Völkerkunde«, Dresden, und wurden wie Tonwaren oder Holzschnitzereien ausgestellt. Pietät sieht anders aus! Ab 2010 gehörten die Skelette zu den »Staatlichen Kunstsammlungen Dresden«. Erst 2017 wurden sie nicht mehr als archäologische Fundobjekte, nicht mehr als Gegenstände, sondern als »verstorbene menschliche Individuen« angesehen. Sie wurden nach mehr als einem Jahrhundert an Vertreter des Ursprungslandes zurückgegeben (7).Ich muss wieder fragen: Gab es wirklich diese Riesen-Skelette? Gibt es sie noch? Wo werden sie aufbewahrt? 

Foto 7: Die Osterinsel aus dem All
Fußnoten
(1) https://www.meinbezirk.at/lungau/leute/samsonumzug-d1740229.html (Stand 26.8.2018)
(2) Thomson, William J.: »Te Pito te Henua, or Easter Island«, Washington 1891
(3) Ebenda, S. 462. Die Originalausgabe von Thomson liegt mir leider nicht mehr vor. Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein. Siehe auch Schoch, Robert M.: »Die vergessene Zivilisation/ Die Bedeutung der Sonneneruptionen in Vergangenheit und Zukunft«, eBook-Ausgabe, Ancient Mail Verlag Werner Betz, 1. Auflage. Groß Gerau Juli 2014 (Kapitel 5 »Te Pito Te Henua«, Unterkapitel »Legenden von Riesen«.)
Schoch gibt ein Zitat von Thomson wieder. William J. Thomson schreibt im Kapitel »Personal Appearance of the Natives«: »Behrens solemnly states that a boat came off to the ship steered by a single man, a giant 12 feet high, etc. He afterwards observes, ›with truth I might say that these savages are all of more than gigantic size. The men are tall and broad in proportion, averaging 12 feet in height. Surprising as it may appear, the tallest men on board of our ship could pass between the legs of these children of Goliath without bending the head. The women can not compare in stature with the men, as they are commonly not above 10 feet high.‹«
(4) 12 Fuß bei Thomson
(5) Fort, Charles Hoy: »Das Buch der Verdammten«, Frankfurt am Main 1995
Zur Lektüre empfohlen sind auch die übrigen Werke Forts.
Fort, Charles: »New Lands«, New York 1923/ Übersetzung »Neuland«, Frankfurt am Main 1996
Fort, Charles: »Lo!«, New York 1931/ Übersetzung »Da!«, Frankfurt am Main 1997
Fort, Charles: »Wild Talents«, New York 1932/ Übersetzung »Wilde Talente«, Frankfurt am Main 1997»Astronauten, Taucher, Fabelwesen?«

Foto 8
(6) Siehe hierzu Fort, Charles Hoy: »Das Buch der Verdammten«, Frankfurt am Main 1995, Seite 210, Zeilen 8-10 von oben
(7) https://www.skd.museum/presse/2017/freistaat-sachsen-gibt-menschliche-gebeine-aus-museum-fuer-voelkerkunde-dresden-an-hawaii-zurueck/ (Stand 25.08.2018)

Zu den Fotos
Foto 1: Edward Davis - Entdecker? Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Der Riese Samson, Tamsweg im Lungau, Foto wikimedia commons.
Foto 3: David und Goliath von Osmar Schindler, 1888, gemeinfrei.
Foto 4: »Santa Catalina«-Insel, Foto NASA, Foto gemeinfrei.
Foto 5: Avalon Bay, Catalina Island, Kalifornien, U.S.A., wikimedia commons.
Foto 6: Ralph Glidden gräbt das Skelett eines Riesen aus, Foto vor 1928. 
Foto 7: Die Osterinsel aus dem All. Foto NASA. Foto gemeinfrei. 
Foto 8: Wenn er nur reden könnte... Foto Walter-Jörg Langbein

459 »Geheimnisvolle Mythen: Artus, Gilgamesch und eine Göttin«,
Teil 459 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 04.11.2018

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