… oder auch: Die Macht der Kriminellen
Leseprobe:Der Schläger und der Kinderschänder
Der 6. Kriminalroman, der in »Ich-Form« entsteht, der als
Münsterland-Kriminalroman auf wahren Begebenheiten basiert. Hier eine
Leseprobe.
»In dieser Januarnacht hat sich wieder Schnee auf den
Wegen und Straßen breitgemacht. So führte mein Weg zu Fuß durch den Ort zum
Einkaufen. Nicht mit dem Tretroller. Wobei ich unterwegs auch keinen Radfahrer
erblicken konnte. Aber dafür eine liebe Bekannte, die ich in einem Laden sah,
den ich betrat, auch um ihr ein gutes neues Jahr zu wünschen. Es war nur
ein kurzes schwätzen, in meiner Hand hielt ich nach wie vor den Türgriff und
irgendwie war dann mein Blick auf die Straße gerichtet, die die Nutzer zwangen,
auf den Schneematsch zu achten.
Was Emil auch tat. So sah ich, wie er, konzentriert in
dem großen dunklen Taxi hinter dem Steuer, an mir quasi vorbeifuhr, aber mich
auf jeden Fall nicht sah. Was ich selbst als sehr angenehm empfand. So konnte
ich mich verabschieden und gehen. Er schien wohl den Ort verlassen zu wollen,
also musste ich nicht damit rechnen, dass er mir wieder begegnet und damit auch
seine Drohungen, die er mir grundsätzlich mitteilte.
Dabei hat er wieder eine Zeit aussetzen müssen. So sahen
es auch andere, die mich vor Tagen davon in Kenntnis setzten. Er musste sich
mit einem Rollator bewegen. M. hat ihn im Supermarkt
an der Kasse getroffen. Emil bezahlte dort gerade die 5 Flaschen
Kräuterschnaps, die er umgehend in seine Taschen versinken lassen wollte.
Natürlich fragte M. ihn, ob er mit der Menge Bier, die er
sich täglich reinzieht, nicht mehr zufrieden ist und darum mit Schnaps
unterstützend tätig wird. M. lacht ja dann auch, wenn Emil anfängt zu brüllen.
So ist es dann auch geschehen, dass auch andere Menschen wieder darauf
aufmerksam werden.
Sicher bin ich davon ausgegangen, dass er eigentlich
endlich erwischt worden ist. Es hat ja wohl damit zu tun gehabt, dass Aktionen
gegen Gewalt überdacht worden sind. Es war wohl wieder ein Fehler, den ich mir
erlaubt habe. Habe mich wieder an eine Behörde gewandt und im Grunde genommen
mehr die sensible Nummer abgezogen. Das bringt nichts.
Wobei auch mein Umfeld, zum Teil jedenfalls, der
Auffassung ist, dass ich Emil, seiner Gruppierung und die damit verbundenen
furchtbaren Probleme, einfach abhake. Das wäre vermutlich sinnvoll. Für mich
aber fast schon unmöglich. Warum ist das so? Beschäftigt habe ich mich doch
schon damit. So vermute ich, das die Reinkarnation für mich irgendwie
zutreffend ist. Und in einem dieser früheren Leben, muss ich ein Elefant
gewesen sein, oder natürlich eine Elefantenkuh. Denn das sogenannte
»Elefantengedächtnis« scheint für mich sozusagen wie ein Traumata zu wirken.
Wobei ich manchmal dieses gute Langzeitgedächtnis auch durchaus als positiv
betrachte.
Sich erinnern kann durchaus auch Sinn geben. Gesehen habe
ich schon, wie Emil seine Frau verprügelt. Das hat er sogar im Auto geschafft.
Zufällig stand ich damals im Schlafzimmer der alten Wohnung und konnte deutlich
sehen, dass Emil am Steuer des PKW saß. Er parkte ein, dabei löste er sich von
dem Gurt und schrie. Er stellte den Wagen ab, um dann sofort auf seine Frau
einzuschlagen ohne aufzuhören. Sie hielt den Unterarm vor ihr Gesicht, ich
konnte sehen, wie sie versuchte, ihren Sicherheitsgurt zu lösen. Sie schaffte
das, riss die Seitentür auf und bewegte sich aus dem Wagen. Ihre Tür war noch
weit auf, als er ausstieg, seine Tür zuschlug und sofort mit dem Schlüssel und
der Funk-Technik die Türen schloss. Er brüllte sie an, sie schlich hinter ihm
her, sie war kreideweiß im Gesicht.
Er hat ja dafür eine Faust gebildet. Damit schlägt er zu.
Damit droht er. Auch mich. Regelmäßig.
Mittlerweile stelle nicht nur ich die Frage, wie es Emil
schafft, diese Form der Erwerbstätigkeit, und das auch fast täglich, in dem
Zustand durchführen kann. Nun wurde für ihn und seine Frau ein Anwalt aktiv,
der wirklich engagiert, aber mit Sicherheit nicht pro bono, eher vermutlich zu
seiner eigenen Abwechslung, auftrat. Er war ja auch als Angestellter in der Kanzlei
tätig, da gehen die Uhren eher anders, aber schon längere Zeit auch nicht mehr
für ihn.
»Eine Alkoholfahrt
hat zu keinem Zeitpunkt stattgefunden und wird auch niemals stattfinden.
Insofern kann unsere Mandantschaft Ihnen (damit bin ich gemeint) versichern, dass sich der Arbeitgeber
schützend vor unsere Mandanten stellt und ggfls. gegen Sie (damit meinte er
mich) gesondert tätig wird. Insofern (wieder)
besteht für Sie (auch wieder meinte
er mich) keinerlei Veranlassung, die
Polizei in Kenntnis zu setzen, sollte unsere Mandantschaft (da meinte er
wirklich Emil und seine Frau) unter
Alkoholeinfluss eine Taxifahrt durchführen.«
Emils Frau, oder irgendjemand aus seiner Verwandtschaft,
dürfte ihm das vorgelesen haben. Er und sie werden das als eine Art Urteil des
Anwaltes gesehen haben. So einfach ist das.
Als ehemalige Elefantenkuh schmeiße ich doch solche
Schreiben natürlich nicht weg. Es ist ein Problem, irgendwelche Dinge zu
beweisen.
Als das vor längerer Zeit passierte, dass ich Emil neben
dem Vater des Kindes sah, habe ich es eine ganze Weile lang einfach nicht mehr
geschafft, diese Stelle mit meinem Tretroller anzufahren. Bin einfach vorher
abgebogen. Anfang dieses Jahrs musste ich aus irgendwelchen Gründen doch dort
vorbei. Auf dem Platz, wo Emils Taxi vorher stand, befand sich ein Müllcontainer.
Das kleine Haus schien auch umgebaut zu werden. Es war eine Art entspannt zu
sein, die ich in dem Moment fühlte.
Tage danach stand ich mit dem Tretroller an der Kreuzung,
die nach dem Training auf den Waldwegen auf mich wartet. Emil kam von links,
fuhr das dunkle Taxi, hatte grün an der Ampel und raste förmlich an mir vorbei.
Neben ihm, also vorne auf der Beifahrerseite, saß der Junge. Er war wohl etwas
größer, vielleicht in der Grundschule. Seinen Kopf hatte er an das seitliche
Fenster gelehnt. So konnte ich wieder sehen, wie emotionslos in das Nichts
gerichtet sein Blick war. Wieder war es nur ein Moment. Die Tränen flossen mir
unkontrolliert über meine Wangen.
Für mich ist die Würde des Menschen unantastbar (Art. 1
Abs. 1 Grundgesetz). Das gilt auch ganz besonders für die Würde der Kinder, die
Kinderrechte sind auch in der UN-Konvention verankert.
Verlange ich zu viel?«
»Der Mörder und der Kinderschänder«
Bei diesem Werk handelt es sich um einen Kriminalroman. Etwaige Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit real existierenden Menschen wären rein zufällig. Alle beschriebenen Handlungen sind an die Realität angelehnt.
»Der Mörder und der Kinderschänder« 2025
ISBN: 9783769325911
Im Buchhandel erhältlich
Bei Thalia und