Samstag, 20. Februar 2010

Samstagsrezension: Helga König

Hongkong. Meine Liebe. Ein spezieller Reiseführer. Thorsten Boose, Silke Oettel

"Besser als einer, der weiß, was recht ist, ist einer, der liebt, was recht ist; und besser als einer, der liebt, was recht ist, ist einer der Begeisterung fühlt für das, was recht ist." (Zitat: Loa-tse)

Thorsten Boose und Silke Oettel haben den Anspruch an sich gestellt, einen speziellen Reiseführer über Hongkong zu konzipieren. Worin unterscheidet sich dieser von all den anderen, die auf dem Markt sind? Grob gesagt, er ist mit mehr Liebe und persönlichem Engagement verfasst worden und verfügt über eine 38 Seiten lange Filmecke. Dort kann man sich in Filmrezensionen der Autoren vertiefen, die ich mit großem Interesse gelesen habe. Ich werde zum Ende meiner Rezension darauf abermals zu sprechen kommen.

Die sehr spannenden Reisebeschreibungen, die dem Buch eine angenehm persönliche Note verleihen, werden durch eine Vielzahl hübscher Foto von der Stadt zusätzlich belebt. Es handelt sich hierbei nicht um die touristischen Standardfotos, die man aus anderen Reiseführern kennt, sondern um abgelichtete individuelle Eindrücke, wie etwa die wirklich gut gelungene idyllische Momentaufnahme im Nan-Lian-Garten des Chi Nunnery in Diamond Hill.

Die Autoren nehmen den Leser mit auf ihre Erkundungstour. Die einzelnen Punkte hier aufzulisten, halte ich allerdings für wenig sinnvoll. Zur Sprache kommen dabei auch kleine Inseln und Dörfer, beispielweise Stanley, ein Fischerdorf, das die Einheimischen einst nicht grundlos "Chuck Chu" ( Räuberdorf ) nannten.

Festhalten möchte ich allerdings, dass die Autoren es schaffen, das Gesehene stets hervorragend intellektuell aufzuarbeiten. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, darunter auch imposante Tempelanlagen und Museen, werden gut erklärt, auf Besonderheiten der Architektur wird hingewiesen, auch Hotels werden genannt. Dabei wurde das Peninsula und das Heritage erfreulicher Weise nicht vergessen. Schön, dass die Autoren diese beiden Spitzen-Hotels nicht ausgespart haben, denn durch ihre Erwähnung wird deutlich, dass dieser Reiseführer keinesfalls für Billigtouristen gedacht ist.

Die Idee, das Buch mit Filmrezensionen zu Filmen aus Hongkong zu beschließen, möchte ich besonders loben. Für einen Erstreisenden in diese Stadt sind Filme ein guter Einstieg, um die Mentalität und die Gefühlswelt von Asiaten kennenzulernen. Solche Informationen erleichtern den Umgang mit den Menschen dort ganz gewiss. Der Film "Chan`s Hong Kong" ist meines Erachtens der ideale Einstieg: Die Autoren schreiben hier u.a." Jackie erklärt uns einiges über die Kultur ( den "Großen Buddha" streifen wir dabei) , den Glauben und die Geschichte und erklärt, dass Hongkong heutzutage das weltweite Zentrum der Kampfkünste sei, da sich hier aus allen Kampfkünsten die Meister niedergelassen haben. Neben dem hektischen Großstadtleben bietet der Film auch Gelegenheit zur Entspannung auf Cheung Chau Island, wo es keine Autos gibt."

Empfehlenswert.

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Mittwoch, 17. Februar 2010

Mein Umgang mit dem Feind

»Der Künstler lebt vom Applaus«

Als Autorin freue ich mich, wenn meine Bücher gelesen werden, wenn über sie gesprochen und geschrieben wird. Auf eine für mich besondere Buchbesprechung möchte ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, aufmerksam machen.

Vor mir liegt die aktuelle Mitgliederzeitschrift für KIMM e.V. – Informationen für Morbus Menière Betroffene, KIMM aktuell. Aufmerksam lese ich diese Zeitschrift, gleich auf Seite 3 kann ich mir ein Bild von Anna Bott, der kommissarischen Vorsitzenden machen, die mich herzlich anlacht. Ich lese den Vortrag von Dr. Helmut Schaaf, Oberarzt in der Tinnitus Klinik Dr. Hesse in Bad Arolsen und weitere Beiträge engagierte Ärzte. Um Ihre Frage gleich vorwegzunehmen: Nein, Morbus Menière ist nach wie vor nicht heilbar. Aber: Viele Auswirkungen sind in vielen Teilen ausgleichbar, beeinflussbar und viele ungünstige Faktoren angehbar.

Über die Auswirkungen der Erkrankung auf das Berufsleben berichtet eine junge Frau. Ihren Beitrag konnte ich nur abnicken, Menière verändert das Leben, die Lebensgestaltung, ist ein Karrierekiller. Dann lese ich den Beitrag einer großen Kämpferin: Inge Freifrau von dem Bussche, die für das Jahr 2010 ein Jubiläum ankündigt, 60 Jahre mit Morbus Menière.

So liebevoll und persönlich alle Beiträge gehalten sind, fällt auch die Buchbesprechung aus.

Leseproben finde ich, die häufig beschriebene Situationen von Betroffenen repräsentieren.

Der Schriftführer von KIMM, Herr Fred Knäuel, als Verfasser der Buchbesprechung, lässt zum Abschluss Textstellen einfließen, die ihn selbst persönlich berührt haben. Der für mich wichtigste Satz aber ist dieser: »Das Buch dürfte aus meiner Sicht auch/gerade für den nicht- oder nur indirekt betroffenen Leser eine exzellente Lektüre sein, die sein Verstehen von Morbus Menière bzw. den davon Betroffenen voranbringen kann

Bei keiner meiner Publikationen gehen »mein Ich« und das »lyrische-Ich« so nah beieinander, quasi Hand-in-Hand, wie in »menière desaster«. Herr Dr. Schaaf führt in seinem Vortrag Folgendes aus: »Schon, wenn man „mit Sicherheit“ wissen will, was genau den Morbus Menière ausmacht und vor allem was nicht, kommt man in Definitions- und Abgrenzungsschwierigkeiten bis hin zu der Auffassung, dass es „den Morbus Menière“ gar nicht gibt, sondern nur ein Syndrom, das nach Menière benannt ist.« und » dass es weder „die Menière Krankheit“ noch „den Menièrepatienten“ gibt«.

So können wir davon ausgehen, dass jeder Menière Betroffene sein ureigenes Schicksal hat.

Symptome der Erkrankung sind überliefert bei Julius Caesar 100 v. Chr.- 44 v. Chr., Martin Luther 1483 - 1546, Vincent van Gogh 1853 - 1890. Prosper Menière beschrieb 1861 ein Syndrom, das später nach ihm benannt wurde.

Wie gehen Betroffene mit diesem Syndrom um. Wenn ich von mir sprechen will, so war ich fast zwei Jahrzehnte ein Simulant für meine Außenwelt. Den Menière habe ich zu meinem Feind erklärt. Von Martin Luther wird berichtet, dass er der Meinung war, der Teufel wolle von ihm Besitz ergreifen. Für mich nachvollziehbar, denn begleitet wurden meine Anfälle von einem unglaublichen, Angst einflößenden Dröhnen, das nur ich hörte. So wie ich musste auch Luther gegen einen Feind kämpfen, der heimtückisch aus dem Nichts kam und wieder im Nichts verschwand. Nicht anders kann es Vincent van Gogh ergangen sein, der in meinen Augen tragischste »Bruder im Leid«. Wenn ich Berichte lese, gerade über sein klägliches Ende und lese, wie nach möglichen Erklärungen gesucht wird, berührt mich das tief. Sich während eines Menière Anfalles in die Brust zu schießen und zu hoffen, dass diese Aktion auch den gewünschten Erfolg bringt, ist aus meiner Sicht der Dinge ein Unterfangen, dem ich mich nicht ausgesetzt hätte. Es zeigt aber die Verzweiflung des Betroffenen deutlich auf. Sehen Sie, liebe Leserin und Leser, manchmal gestalten sich die Dinge anders, als sie sich uns darstellen. Betrachten Sie einfach das Wirken der Beschriebenen unter dem Aspekt, dass diese Menschen Menière Betroffene waren.

Mein Umgang mit dem Feind. Für mich war die Zeit mein Freund, sie arbeitete für mich, denn ich lebe in anderer Zeit an anderem Ort. Auch mir war klar, dass dem letzten Anfall, der mich mehr als 30 Stunden lang mit voller Wucht erfasste, kein weiterer mehr folgen durfte. Andere Zeit, anderer Ort, Vincent hat zur Waffe gegriffen, ich zur Überweisung für den Klinikaufenthalt.

Der Morbus Menière hat meine uralte Kriegerseele zum Leben erweckt. Bevor mich ein Feind vernichtet, vernichte ich ihn. Ich komme jetzt zu dem wohl spannendsten Teil meiner Ausführung. Denn die Anfälle, die zuvor im Abstand von zwei Tagen kamen, blieben plötzlich aus, während sich die ohrtoxische Substanz ihren vernichtenden Weg zu meinem Gleichgewichtsorgan bahnte. Wie ein Cyberstalker, der, wissend, dass es ihm an den Kragen geht und doch nicht über seinen kranken Schatten springen kann, stichelnd darauf lauert, dass sein Opfer doch noch einen Rückzieher macht um wieder aus dem Nichts kommend zuzuschlagen und zu verschwinden. Der Krieger in mir hat die Entscheidung getroffen, die Behandlung weiterzuführen. Der Feind saß in meinem Gleichgewichtsorgan, dort habe ich ihn vernichten lassen. Das war eine gute Entscheidung – für mich. Es war kein Pyrrhus-Sieg. Diese Entscheidung hat mir ein Mehr an Lebensqualität gebracht. Und eine gewisse Sicherheit, im Umgang mit meinen Feinden. Es musste etwas in mir sterben, damit ich wieder leben konnte.

Sylvia B. menière desaster Der Feind in meinem Innenohr
bei hugendubel    bei buecher.de 
 
Helmut Schaaf Morbus Menière bei buecher.de
 
Vielen Dank KIMM für die Buchbesprechung
 
Ich hatte einen Traum

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