Montag, 1. August 2011

Für Sie gelesen: ON LOCATION – Die Welt der Naturfotografie

Liebe Leserinnen und Leser,

heute möchte ich Ihnen einen wundervollen Bildband vorstellen, den die National Geographic Society, eine der größten Wissenschaftsorganisationen der Welt, herausgebracht hat.

ON LOCATION – Die Welt der Naturfotografie

Das Vorwort des Buches hat Chris Johns , der seit 2005 Chefredakteur bei NATIONAL GEOGRAFIC ist, verfasst. Dramatisch schildert er seine Begegnung mit einem Elefanten. Er führt weiter aus, dass Neugierde, Durchhaltevermögen, Einfallsreichtum und körperliche Fitness Grundvoraussetzungen sind, um in die entlegenen und extreme Gebiete und dort in diese außergewöhnlichen Situationen zu gelangen, die in den Bildern festgehalten wurden.

Die Bilder der fünf besten Naturfotografen werden vorgestellt. Und nicht nur das: Im Anhang lüften die Fotografin Gabriela Staebler, die Fotografen Bernd Ritschel, Norbert Rosing, Carsten Peter und Hans Strand die Geheimnisse, durch die ihre Bilder den Zauber des Außergewöhnlichen erhalten.


Gabriela Staebler

Eine große Liebe zu der Wildnis Afrikas hat Gabriela Staebler seit 23 Jahren. Sie beschreibt unter anderem: »… es ist die wichtigste Voraussetzung für gute Wildlife - Bilder, das Verhalten der Tiere zu kennen. Die Erde gehört uns nicht allein. Ich wünsche mir, dass meine Bilder Interesse und Emotionen wecken und dazu beitragen, dass Flora und Fauna Afrikas in ihrer Schönheit und Vielfalt erhalten bleiben.«






Dieses Bild von Gabriela Staebler entstand in Kenia. Ein Gnu springt in die Fluten.

Sehr schön beschreibt Gabriela ihre Begegnungen mit wilden Tieren und führt emotional aus: »... Hätte ich nur einen Tag Zeit, die Wildnis Kenias zu erleben und zu fotografieren - ich würde die Masai Mara wählen.«

Wunderschöne Bilder aus Namibia, Feenkreise, Sandtränen, Narasträucher, wirken auf mich wie Kunstwerke. Gabriela Staebler ist eine starke Frau, die künstlerisch ausdrucksvolle Bilder macht.


Bernd Ritschel

Bernd Ritschel zeigt dem Leser Bilder von der Zugspitze, aus Stubai, Bachalp und aus Peru.

Bernd Ritschel beschreibt, wie er sich mit acht Metern pro Sekunde dem Gipfel der Zugspitze nähert. Und ich muss lächeln, denn mit der Gondel habe ich auch schon den »Gipfelstürmer« zur Aussichtsterrasse gemacht. Seine Beschreibung und auch die grandiosen Bilder wecken die Erinnerung.






Bernd Ritschel schreibt: »Etwas verrückt muss man als Fotograf manchmal sein. Wie käme man sonst auf die Idee, eine umfangreiche und schwere Mittelformat - Ausrüstung über den tief verschneiten Jubiläumsgrat zu tragen? Die Qualität der Aufnahmen entschädigt anschließend für alle Mühen.«

Betrachten Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, das Bild und Sie werden, wie ich, dieser Aussage zustimmen.



Norbert Rosing
Norbert Rosing hat für NATIONAL GEOGRAFIC das Archipel der Eisbären auf Spitzbergen, die Polarfüchse in Kanada, den Grand Canyon in der Sächsischen Schweiz fotografiert. Der Weg dorthin war ein langer und aufregender, wie er schreibt. Sein Vater nahm ihn mit auf lange Wanderungen durch die heimischen Wälder und Wiesen, erklärte ihm den Zauber der Natur und ermunterte ihn, seinen Weg zu gehen.



Bisons im Dampf von Fumarolen im Yellowstone- Nationalpark hat Norbert Rosing mit seiner Leica aufgenommen. Der Dampf wärmt die Bisons, greift aber Kameralinsen an. Wie er dieses Problem gelöst hat, verrät der gebürtige Münsterlander dem interessierten Leser.



Carsten Peter
Carsten Peter schreibt: »... Mein erstes Reiseziel musste ein Vulkan sein. Ich wollte dorthin, wo Natur noch wenig erschlossen ist, dorthin, wo sie am extremsten ist, wo man als Mensch wieder wohltuend klein erscheint.«

In Kamtschatka, Russland, begibt er sich auf eine Gratwanderung am Vulkan. Er fotografiert auf Hawaii, begibt sich auf Höhlenexpedition in die unendlichen Tiefen in Untersberg.

»Tornadosirenen schrillen beim Anflug dieser gigantischen Superzelle in Texas. Dieses massige, rotierende Gewitter wirbelt so viel Staub auf, dass nicht zu erkennen ist, ob sich an seiner Basis ein Tornado entwickelt...«
Sie vermuten richtig, liebe Leserinnen und Leser: Carsten Peter fotografierte auch im Auge des Sturms. Diese Bilder dürfen Sie sich nicht entgehen lassen.






Hans Strand
Besonders wirken die Aufnahmen von Hans Strand auf mich. Er fotografierte den Süden Islands, war in Patagonien, in Europas wildem Norden und auf den Seychellen.

Er beschreibt Patagonien: »Diese vom Wetter hart angepackte Gegend an der Südspitze Südamerikas ... bietet eine der dramatischsten Landschaften der Erde...«




»Die Torres del Paine an Chiles Südspitze sind imposante Türme aus Granit mit einer Höhe von fast 3.000 Metern. Im ersten Tageslicht erglühen sie in schreiendem Rot. An diesem Morgen bedeckt zudem Neuschnee die Landschaft.«

Die Bilder von Hans Strand verzaubern mich, sie sind voll Magie und Poesie.



ON LOCATION, ein Bildband, den ich gerne weiterempfehle.

Ihre Sylvia B.








Copyright für alle Fotomotive: Gabriela Staebler, Bernd Ritschel, Norbert Rosing, Carsten Peter und Hans Strand/NATIONAL GEOGRAPHIC. Vielen Dank!




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Sonntag, 31. Juli 2011

80 »Der Heilige Geist war eine Frau«

Teil 80 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

St. Jakobus bei Nacht
Foto: W-J.Langbein
In Prien bin ich spät am Abend des 24. November 2006 in die kleine Chiemgau-Bahn gestiegen. Vorschriftsmäßig, wie auf einem Blechschild gefordert, habe ich dem Lokomotivführer meinen Zielbahnhof mitgeteilt. Angehalten wird nur bei Bedarf. Auf die Minute stoppt der kleine Zug ächzend. Der freundliche Lokomotivführer eilt in Person herbei, und teilt mir mit, dass ich nun aussteigen muss. Ich bedanke mich, klettere aus dem Bähnchen ... und stehe Sekunden später in vollkommener Dunkelheit. Vorsichtig taste ich mich ins schwarze Nichts, bis ich auf einen festen Weg komme. In der Ferne sind Lichter zu erahnen. Ich mache mich auf den Weg. Irgendwann hält ein freundlicher Urschallinger im PKW, fragt mich nach meinem Ziel. Ich nenne den Namen »meines« Gasthofs. »Steigen'S ein, da fahr ich Sie hin!«

St. Jakobus frühmorgens
Foto: W-J.Langbein
Warum ich dann nach Urschalling gekommen bin, erkundigt sich der hilfsbereite Fahrer. »Wegen St. Jakobus ...« antworte ich. Das freut den stolzen Urschallinger. »Dann müssen Sie unbedingt das Bild vom Heiligen Geist anschau'n!« rät er mir. Ich nicke. Wegen eben dieses Bildes bin ich nach Urschalling gekommen.

Gegen Mitternacht habe ich mein Zimmer in einer gemütlichen Familienpension bezogen. Die freundliche Wirtin hat mir verraten, aus welchem Fenster ich blicken muss ... um St. Jakobus zu sehen. Ich schaue aus besagtem Fenster ... und starre in die pechschwarze Nacht. Ich wage ein Experiment, montiere das starke Blitzlicht auf meinem Fotoapparat und löse aus ....

Wie das Gotteshaus von Kirchbrak birgt St. Jakobus ein Geheimnis. Auf einem uralten sakralen Fresko wird der Heilige Geist ganz eindeutig als Frau dargestellt. Errichtet wurde das Gotteshaus zwischen 1160 und 1200 ... und zwar – wie St. Michael von Kirchbrak – als Wehrkirche. Nicht ganz klar ist, wann genau die ersten frommen Fresken angebracht wurden. Sie dürften vielleicht schon acht Jahrhunderte alt sein. Um 1550 jedenfalls wurden sie jedenfalls alle übertüncht, auch überputzt ... und gerieten in Vergessenheit.


Innenansicht der
»Bibel für die Armen«
Foto: W-J.Langbein
Als man die schmalen Fenster des Gotteshauses erweiterte, beschädigte man – unwissentlich – herrliche Fresken aus uralten Zeiten. Die Kunstwerke wurden erst 1923 zufällig wieder entdeckt. Ein älterer Einwohner von Urschalling erklärte mir, seine Urgroßmutter habe bei einer langweiligen Predigt an der Wand gekratzt... da sei Putz abgefallen und ein Gesicht sei zu erkennen gewesen. Ob die kleine Anekdote der Wahrheit entspricht?

1941/42, 1966 bis 1968 und 1980 bis 1991 wurden mit großem Aufwand Restaurierungen vorgenommen. Es zeigte sich, dass doch einige erhebliche Lücken in der Freskenmalerei klaffen. Ursprünglich waren alle Wände und die Decke im schönen Gotteshaus mit unzähligen religiösen Bildnissen flächendeckend geschmückt. Die Fehlstellen haben die Restauratoren aus Respekt vor den Originalen nicht neu bemalt. So gibt es da und dort weiße Stellen ... aber man weiß, dass man nur die echten Kunstwerke, keine modernen Nachtempfindungen sieht.

Zweimal wurde das Gotteshaus, die einstige Kapelle, mit Fresken geschmückt: zum ersten Mal wohl schon um 1175 bis 1200, zum zweiten Mal um 1390. Mag sein, dass die ersten Gemälde nur für die erlauchten Familie der Hirnsberger gedacht waren. 1390 ließ der letzte Spross der adeligen Hirnsberger so etwas wie eine gemalte Bibel für die Armen schaffen.

Jesus betet im Garten
Gethsemane
Foto: W-J.Langbein
Unter einem Rundbogen wird in zehn Bilder – wie in einem Comic-Strip – die zentrale Geschichte des »Neuen Testaments« erzählt. Da die Bildergeschichte für ein Publikum ohne Lesekenntnisse gedacht war, musste auf jegliche Schrift verzichtet werden. Leider hat man just in diesen farbenprächtigen Bilderbogen ein Fenster eingebaut, so dass an den Malereien erhebliche Beschädigungen entstanden. Heute ist noch gut zu erkennen, wie prachtvoll das Gesamtbild einst war, das so brachial behandelt wurde ...Wir sehen im »Laienschiff« der Kirche Jesus auf einem Esel in Jerusalem einreiten, auch wenn das Bild stark beschädigt ist. Wir erleben Jesus beim »letzten Abendmahl«, das auch als Fragment ein »Sakrileg« erkennen lässt.

Im Garten Gethsemane betet der verzweifelte Jesus. Wen oder was betet er an? Nach der Bibel bat Jesus Gottvater, ihm doch die Kreuzigung zu ersparen. Auf dem Bild von Urschalling scheint Jesus zu so etwas wie einem auf einer Sockel stehenden Skulptur zu sprechen. Leider ist nur noch ein kleiner Teil des Gesichts erhalten ... und ein Stück von einem Fuß einer Statuette.


Kuss des Verräters
Foto: W-J.Langbein
Gut zu erkennen ist der verräterische Kuss des Judas. Judas hat auf diese Weise – wie wir aus dem biblischen Bericht wissen – den römischen Soldaten die Person Jesu verraten. Mit massiver Waffengewalt sind die Römer angerückt, um den barfüßigen Jesus zu ergreifen.

Seltsam: Einer der römischen Soldaten trägt ein Schild... und darauf ist ein Fisch zu sehen, das Geheimzeichen der jungen Christenheit. Als die ersten Christen verfolgt wurden, gaben sie sich untereinander durch ein kleines Fischzeichen zu erkennen. I-CH-T-Y-S ist das griechische Wort für Fisch. Die einzelnen Buchstaben wurden als Abkürzungen für ein Bekenntnis zu Jesus verstanden: Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser, im Griechischen: I-esus, CHristus, Theos, hYos Soter. Sollte der Häscher als heimlicher Christ geoutet werden? Oder lautet die versteckte Botschaft so: »Durch die Verhaftung Jesu leiteten die Römer das Ende Jesu ein. Es kam zum Verhör, zum Prozess und zur Hinrichtung. Gottvater wollte seinen Sohn zur Rettung der Menschheit opfern. Die Römer gehörten also zum göttlichen Heilsplan.«

Bild für Bild erzählt der »sakrale Comic« die zentrale Geschichte des »Neuen Testaments« weiter: Jesus wird vor den Hohepriester geschleppt, er wird gedemütigt und gegeißelt (fast völlig zerstörte Bilder) und gekreuzigt. Schließlich sieht man ihn zwischen den beiden Verbrechern am Kreuz ... und – auf Bild 10 der Reihe – wird sein Leichnam in einen Sarg gelegt.

Es ist zu vermuten, dass im Zeitraum vieler Jahrhunderte diese zehn Bilder von unzähligen Geistlichen für die Gemeinde im Gotteshaus predigend erklärt wurden. Für die einfache Bevölkerung waren solche religiöse Darstellungen kostbarkeiten des Glaubens. Die Bildergeschichte wird wohl als anschauliche Illustration für so manche Predigt gedient haben!

Was aber mögen frühere Prediger zum mysteriösesten aller Bilder im Gotteshaus gesagt haben? Wenn man beim sonntäglichen Gottesdienst Richtung Altar blickt, dann übersieht man es leicht. Der gewählte Platz ist durchaus logisch, nämlich im »Himmel«. Das ungewöhnliche Bildnis wurde hoch oben im Gewölbe des Chors angebracht: ein »ketzerisches« Bild von der Dreifaltigkeit! Es zeigt ganz eindeutig Gottvater und Gott Sohn und dazwischen den Heiligen Geist.

Der Heilige Geist war
eine Frau
Foto: W-J.Langbein
Gottvater (mit weißem Haar und Bart), Gott Sohn (mit wallendem Haupthaar und Bart in jugendfrischen Farben) und Heiliger Geist haben strahlende Heiligenscheine... Und »der« Heilige Geist ist ganz eindeutig... als Frau dargestellt. Die »Heilige Geistin« hat eindeutig sehr feminine Gesichtszüge und feminine Körperformen. Der Busen ist dezent angedeutet. Gottvater und Gott Sohn haben die »Heilige Geistin« in ihre Mitte genommen. Beide greifen ihr, sagen wir.., an die Schulter.

Im Kirchenführer »Urschalling« (1) heißt es: »Faszinierend, wie der Meister versuchte, dieses letzte und tiefste Geheimnis der Offenbarung darzustellen: die Einheit im Körper mit zwei Händen, bekleidet mit einem Hauptgewand und einem umhüllenden Mantel; die Dreiheit in den Häuptern und dem darauf verteilten göttlichen Nimbus mit je einem Hauptstrahl; zur Rechten Gott Vater, zur Linken Christus, in der Mitte ganz frauenhaft der Heilige Geist.«

In der einstigen Wehrkirche von Urschalling wird »der« Heilige Geist ganz eindeutig als Frau gezeigt, ein scheinbar ketzerisch-anstößiges Bild! Tatsache ist aber: Ursprünglich war der »Heilige Geist« wirklich weiblich!

Empfohlene Lektüre
Walter-Jörg Langbein: Maria Magdalena

Fußnote
Brugger, Walter und Bahnmüller, Lisa: »Urschalling«, Raubling, 3. Auflage 2003, S. 12

»Die Heilige Geistin und Maria Magdalena«,
Teil 81 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 07.08.2011

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