Sonntag, 5. April 2015

272 »Die Bremer Stadtmusikanten kamen nie nach Bremen«

Teil 272 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Denkmal für die Stadtmusikanten
Vergeblich suchte ich anno 1964 nach den berühmten Stadtmusikanten… am falschen Ort, nämlich in Bremerhaven. Die tierischen Musikusse sind übrigens nie nach Bremen gekommen. Das vermelden die Gebrüder Grimm am Ende des Märchens: »Von nun an getrauten sich die Räuber nicht weiter in das Haus, den vier Bremer Musikanten gefiels aber so wohl darin, daß sie nicht wieder heraus wollten. Und der das zuletzt erzählt hat, dem ist der Mund noch warm.« (1)

Aufgezeichnet wurde das Märchen von den vier Bremer Stadtmusikanten von den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm. Veröffentlicht wurde es erstmals im Jahr 1819, in der zweiten Auflage der Grimmschen Sammlung der »Kinder- und Hausmärchen«. Als Quellen dienten Erzählungen aus dem Raum Höxter (meiner jetzigen Heimat) und aus dem Raum Kassel.

Zwei Grundthemen sind bekannt. Da wären einmal die Erzählungen von Haustieren auf der Wanderschaft, die mit List und Tücke Räuber aus einem gemütlichen Haus im Wald vertreiben. Und da wäre zum anderen die Erzählung von ausgenutzten Haustieren, die mit dem Schlimmsten rechnend die Flucht ergreifen und beschließen, ihr Glück in Bremen als Stadtmusikanten zu suchen.

»Bremer Stadtmusikanten« hat es tatsächlich gegeben, allerdings waren das keine begabten Tiere, sondern Menschen aus Fleisch und Blut. So lässt sich ein Bremer Ratstrompeter bereits  für das Jahr 1339 nachweisen. Gut ein Jahrhundert später musizierte eine Gruppe von Bremer »pipers«, also von Bremer Bläsern, und das nicht nur in der Stadt Bremen sondern auch im Ausland, nämlich in niederländischen Städten.

Die Band von Bremer Stadtmusikanten bezog ein festes Salär von der Stadt Bremen. Manchmal waren es vier, manchmal fünf, manchmal sogar sechs Bläser, die bei öffentlichen Festlichkeiten auftraten, aber auch ihre Kunst bei privaten Feierlichkeiten zum Besten gaben. Besonders weit waren die Bremer Bläser zu hören, wenn sie von Kirchentürmen herab mit Begeisterung und vollem Lungeneinsatz posaunierten.

Die privilegierten »pipers« wurden von der freiberuflichen Konkurrenz sehr beneidet. Je erfolgreicher die unabhängigen Musikusse den fest angestellten Kollegen die Arbeit streitig machten, desto größer wurde der Unmut der Etablierten. Musikpädagoge Heinz Müller-Beck zum Verfasser (2): »Man kann davon ausgehen, dass die Privilegien die ›Original-Bremer-Stadtmusikanten‹ behäbig werden ließen. Wozu sich anstrengen, wenn man doch ein festes Gehalt bezog. Die Freischaffenden  machten vermutlich intensiv Werbung. Sie dürften auch schneller auf die jeweiligen Modetrends reagiert haben, während die ›privilegierten‹ dazu nicht wirklich dringende Veranlassung sahen. Mit anderen Worten: Die freiberuflichen Musikusse boten die neuesten Trends, die privilegierten sicher oft, was schon ihre Väter und Großväter hatten erklingen lassen.«

Die privilegierten pochten immer wieder auf ihre alten, von der Stadt zugesicherten Rechte und beschwerten sich beim Rat der Stadt. Der sah sich immer wieder genötigt, Musikanten ohne Vertrag mit der Stadt auszuweisen. Es mag sein, dass die etablierten Bläser deshalb von der freien Konkurrenz gern mit eigentlich als etwas tumb geltenden Haustieren verglichen wurden.

Wenn wir nach den ältesten Versionen des berühmten Märchens suchen, stoßen wir auf flämische und französische Fassungen, die schon im zwölften Jahrhundert die Runde machten. In diesen frühen Varianten hatten es die Stadtmusikanten allerdings nicht mit Räubern, sondern mit anderen Tieren zu tun. Auch strebten die tierischen Musikusse keineswegs immer nach Bremen, sondern hatten ganz unterschiedliche Ziele.

Der Schweizer Literaturwissenschaftler Max Lüthi (1909-1991), der als einer der großen Märcheninterpreten des 20. Jahrhunderts gilt, zählte die »Bremer Stadtmusikanten« zur Gattung der europäischen Volksmärchen. Der Kern der Geschichte soll allerdings bereits um 100 v.Chr. in Rom bekannt gewesen sein.

Was so märchenhaft daherkommt, lässt sich durchaus auch radikal-politisch interpretieren. Da sind vier Tiere, nämlich Esel, Hund, Katze und Hahn. Sie haben für ihre menschlichen Herren geschuftet und sind alt geworden. Sie wurden im wahrsten Sinne des Wortes ausgebeutet und sind nun aus Sicht der »Herren« nur noch nutzlose, überflüssige Esser, die selbst nur noch fressen, aber nichts mehr zu leisten imstande sind. Lassen wir das Märchen selbst zu Wort kommen:

»Es hatte ein Mann einen Esel, der ihm schon lange Jahre treu gedient hatte, dessen Kräfte aber nun zu Ende giengen, so daß er zur Arbeit immer untauglicher ward. Da wollte ihn der Herr aus dem Futter schaffen…« Mi Recht fürchtet das Grautier um sein Leben und macht sich auf die Wanderschaft… nach Bremen, um dort Musikant zu werden. Er begegnet einem Jagdhund, der ebenfalls um sein Leben bangend die Flucht ergriffen hat: »›Ach‹, sagte der Hund, ›weil ich alt bin und jeden Tag schwächer werde, auch auf der Jagd nicht mehr fort kann, hat mich mein Herr wollen todt schlagen, da hab ich Reißaus genommen.‹«

Von ganz ähnlichem Schicksal berichtet schließlich die Katze. Auch sie ist alt geworden. Sie wärmt sich auf ihre alten Tage lieber am Ofen als auf Mausejagd zu gehen. Ihre Herrin, so schwant es dem Stubentiger, will sie ersäufen. Also ergreift auch die Katze noch gerade rechtzeitig die Flucht und schließt sich Esel und Hund an, gemeinsam wollen die Tiere nach Bremen wandern.

Zu guter Letzt schließt sich ihnen noch der Hahn an. Der hat zufällig mitbekommen, dass sein letztes Stündlein geschlagen hat, so er im vormals trauten Heim bleiben sollte. Hat doch die Hausfrau der Köchin den Auftrag gegeben, den Hahn zu schlachten und am Sonntag als Suppenbeilage zu servieren. So wird mit dem Hahn das Quartett komplett.

Unschwer lassen sich die ausgedienten Tiere als Arbeiter deuten, die nach einem Leben des Schuftens keinen Dank, sondern nur den Tod erwarten dürfen. Erst wurden sie nach Strich und Faden ausgebeutet bis sie nichts mehr leisten konnten. Dann sollten sie bösartig abserviert werden. Die alten Ausgedienten aber ergeben sich nicht in ihr Schicksal. Sie verlassen ihre bösartigen »Arbeitgeber«, schließen sich zusammen und beweisen, dass sie noch Mumm in den Knochen haben. So gelingt es ihnen, böse Räuber zu vertreiben und ein neues Leben anzufangen. Ihren Plan, nach Bremen zu marschieren und dort als Musikanten zu arbeiten, haben sie aber aufgegeben. Ohne die ausbeuterische Herrschaft kommen die »Bremer Stadtmusikanten« viel besser zurecht im Leben, frei und selbstbestimmt.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist das »Kindermärchen« von den »Bremer Stadtmusikanten« aktueller denn je. Anders als zu Zeiten der Gebrüder Grimm sind heute immer mehr »Alte« alles andere als »altes Eisen«. Unsere heutigen »Senioren« sind heute oftmals sehr viel rüstiger und agiler als zu Grimms Zeiten. In unseren Breiten streben immer mehr Senioren in die örtlichen Fitness-Studios, wuchten Gewichte, trampeln auf Spinrädern und können ein wirklich aktives »Alter« erleben.

Erst im 20. Jahrhundert entstand eine Fortsetzung zum Märchen der Grimms.  Wilhelm Scharrelmann führte die Geschichte von den Bremer Stadtmusikanten fort. Das Sequel zum Original der Gebrüder Grimm freilich ist heute so gut wie unbekannt. Die Bremer Stadtmusikanten sind heute weltberühmt wie der Dom zu Bremen.

Alle Jahre wieder findet am ersten Wochenende im März das Seminar »Phantastische Phänomene« statt. Wirklich besuchenswert sind das Überseemuseum direkt am Hauptbahnhof in Bremen, natürlich der Dom zu Bremen mit den kuriosen »Tieren« am Eingangsportal, der berühmten »Kirchenmaus« und den rätselhaften Kapitellen in der Ostkrypta! Ein paar Schritte vom Dom entfernt… das Denkmal der »Bremer Stadtmusikanten«. Es soll Glück bringen, die Vorderbeine des Esels zu reiben. Das glauben offensichtlich viele Bremen-Besucher, denn die Vorderbeine des Grautiers sind blank geputzt…..

Fußnoten

(1) Schreibweise unverändert übernommen,
nicht der Rechtschreibreform angepasst.
(2) Aufzeichnungen Walter-Jörg Langbein.
Herr Müller-Beck ist vor Jahren
hochbetagt verstorben.
(3) Schreibweise unverändert übernommen,
nicht der Rechtschreibreform angepasst.

Zu den Fotos

1971 gab die Post der D.D.R. schöne
Briefmarken mit Szenen aus dem Märchen
von den »Bremer Stadtmusikanten« heraus.
Diese Motive sind ideale Illustrationen
zum Märchen. Fotos: Archiv
Walter-Jörg Langbein

Denkmal »Bremer Stadtmusikanten«:
Fotos Walter-Jörg Langbein

273 »Erich von Däniken zum 80. Geburtstag«
Teil 273 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 12.04.2015

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Sonntag, 29. März 2015

271 »Hexen und ein Steinerner Mann«

Teil 271 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Der Dom zu Verden. Teilansicht. Foto W-J.Langbein
»Wir stehen hier im Zentrum von Verden an der Aller!«, schwadronierte der wütende Mann. Mir kam er wie ein Lehrer vor, der seiner Klasse beim Schulausflug kruden Unfug erzählte. »Und dieser Felsbrocken hier, das ist der Lögensteen! Man bezeichnet ihn auch als Lugenstein! Warum?« Die Schulkinder kicherten verlegen. »Das habe ich euch doch schon genau erklärt!« Der Lehrer wurde sichtlich ärgerlich. »Ich habe euch doch intensiv auf unseren Besuch hier vorbereitet! Der Steinbrocken trägt den Namen Lugenstein oder Lügenstein, weil…..« Jetzt setzte ein bebrillter Schüler ein: »…weil hier die Heiden gelogen haben!« Die Stimmung des Lehrers hellte sich auf. »So ist es! Die Heiden hatten einen falschen Glauben! Sie versammelten sich hier am Lügenstein und feierten ihre Feste. Ihr Glaube war natürlich die reine Lüge!« Einige Schüler lachten, einige zischten »Streber!«

Dom zu Verden. Innenansicht. Foto W-J.Langbein
Richtig ist, dass es einst im heutigen Verden an der Aller einen »Lugenstein« gab und gibt. Der Name leitet sich aber nicht von der »Lüge« ab, sondern geht über das Sächsische auf den lateinischen Begriff »Lex«, »Gesetz«, zurück. Es gab zu heidnischen Zeiten im heutigen Verden an der Aller einen markanten Stein am Gerichtsplatz, wo in vorchristlichen Zeiten Recht gesprochen wurde. Karl der Große soll dann just an dieser Stelle »Recht« gesprochen haben.  Zutreffender dürfte die bis heute gebräuchliche Bezeichnung »Blutgericht« von Verden sein. 4500 Sachsen, die sich weigerten, zum Christentum zu konvertieren, wurden anno 782 angeblich von Karl dem Großen zum Tode durch Enthaupten verurteilt und hingerichtet. Die Leichen habe man in die Aller geworfen. Das Wasser des Flusses sei vom vielen Blut rot geworden.

1921 gab es in Verden Notgeldscheine zu 25 Pfennig, 50 Pfennig, 75 Pfennig und 1 Mark. Auf dem 1-Mark-Schein wurde der »weltgeschichtlichen Hinrichtung der 4500 Sachsen bei Verden durch Karl den Großen 782« gedacht.

Notgeld von Verden. Archiv Langbein

Ob es sich beim heutigen »Lugenstein« um das Original aus vorchristlichen Zeiten handelt, muss dahingestellt bleiben. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein kurioser Monolith, der vor Jahrzehnten gesprengt und später ins örtliche »Heimat-Museum« geschafft wurde. Es könnte sich dabei um einen Opferstein gehandelt haben. Das, freilich, ist reine Spekulation. In der Schulwissenschaft besteht ja die Neigung, geheimnisvolle Objekte sogleich als »Kultobjekte« zu identifizieren.

Wie viele der rebellischen Sachsen in Verden ihr Leben lassen mussten, ist und bleibt umstritten. Waren es tatsächlich, wie lange allgemein angenommen, 4500 Tote, oder doch nur »einige wenige Dutzend«? Oder waren es zwischen 400 und 500 Hingerichtete?

Fest steht: Es gab einst im heutigen Areal von Verden eine Gerichtsstätte und ein heidnisches Heiligtum. Das heidnische Heiligtum dürfte auf Befehl Karl des Großen zerstört worden sein. Und just dort wurden gleich zwei kleine christliche Kirchen aus Holz gebaut.

Tikal in Guatemala. Foto W-J.Langbein
Während sich die Christen von Verden mit zwei bescheidenen Holzbauten begnügen mussten, ragten in einem anderen Teil der Welt weitaus beeindruckendere Bauten aus Stein in den Himmel. Im nördlichen Guatemala erlebte zu jener Zeit die Mayastadt Tikal einen glanzvollen Höhepunkt.

Allein im zentralen Bereich der Stadt – Fläche etwa 16 Quadratkilometer – gab es mehr als dreitausend Gebäude. Und die größten Stufenpyramiden Mittelamerikas ragten stolz in den Himmel. 100 Stufen mussten erklommen werden, wollte man das Heiligtum von »Ah Cacao« (»Tempel des Jaguars«) erreichen. Die Priesterastronomen waren Experten in Sachen Kalendererstellung. Sie beobachteten mit religiöser Inbrunst den Verlauf der Sonne, richteten die steinernen »Kultbauten« mit unglaublicher Präzision aus. Im späten 9., vielleicht erst im frühen 10. Jahrhundert endete abrupt die Bautätigkeit in Tikal. Die Stadt wurde aufgegeben und verlassen. Der Urwald eroberte die einst so glanzvolle Metropole zurück. Bis heute wurde erst ein kleiner Teil der Stadt von Archäologen ausgegraben. Besonders im riesigen Außenbereich der Stadt wurde erst ein Bruchteil der Bauten freigelegt.

Der Turm des Doms. Foto Langbein
Unklar ist, warum in Verden gleich zwei Holzkirchen in unmittelbarer Nähe gebaut wurden. Waren zwei christliche Gotteshäuser erforderlich, um das weit ältere heidnische Heiligtum zu übertrumpfen? Beide Sakralbauten fielen Bränden zum Opfer, um 850 der erste, um 950 der zweite. Ein erster Bau aus Stein folgte einige Jahrzehnte später, zu Beginn des elften Jahrhunderts. Wieder kam es zu einer Brandkatastrophe. Im späten zwölften Jahrhundert wurde – wieder just dort, wo einst die »Heiden« ihren Göttern gehuldigt hatten - zu Verden ein steinerner Dom gebaut. Lange bestand das Gotteshaus nicht.  Es wurde Ende des dreizehnten Jahrhunderts durch einen Brand zerstört. Die unteren Geschosse des wuchtigen Turms trotzten der Katastrophe und wurden als Basis für den »neuen« Turm genutzt. Vollendet wurde das Gotteshaus 1829.

»Wir stehen hier im Zentrum von Verden an der Aller!«, schwadronierte der Lehrer wieder vor seiner Schulklasse. Er reckte seine Arme prophetengleich gen Himmel. »Gott hat bewiesen, dass nach seinem Willen an dieser Stelle sein Haus stehen sollte! Der Teufel wollte das verhindern! Der Fürst der Finsternis hat alles unternommen, um den Bau des Doms zu verhindern. Zuletzt prozessierte er sogar gegen den Dom… und verlor!« Satan selbst soll gegen den Dom prozessiert haben? Der Pädagoge bezog sich wohl auf einen kuriosen Rechtsstreit, der vor einigen Jahren ausgetragen wurde.

Schon Wilhelm Busch konstatierte: »Musik wird störend oft empfunden, derweil sie mit Geräusch verbunden.«  In diesem Sinne zog eine Dame aus Verden vor den Kadi. Die langjährige Anwohnerin hatte zunächst vor dem Landgericht zu Verden auf Unterlassung des Orgelspiels im Dom geklagt. Was gemeinhin als sakrale Musik empfunden wird, das empfand sie als »unzumutbare Geräuschabsonderung«. Sie unterklag in erster Instanz vor dem Landgericht von Verden und in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht Celle. Das Urteil der ersten Instanz wurde bestätigt. Die »Lärmimmission« müsse nach dem »Empfinden eines Durchschnittsmenschen« als zumutbar gewertet werden. Weitere Schritte unternahm die Dame offenbar nicht. Zu behaupten, dass der Satan auf dem Wege der gerichtlichen Klage »gegen den Dom« vorgehen wollte, das kann nur als Ausgeburt eines außerhalb jeglicher Vernunft arbeitenden Gehirns bezeichnet werden.

Löwe und Einhorn. Foto Walter-Jörg Langbein

Es lohnt sich allemal, den Dom zu Verden zu besuchen. Sehenswert ist der romanische Taufstein aus der Zeit um 1150. Auf der Nordseite des Domes blieb ein romanischer Kreuzweg aus der gleichen Zeit erhalten. Er gehörte einst zu einem Kloster, von dem ansonsten kein Stein auf dem anderen blieb. Löwe und Einhorn zieren die Tür, die in den Kreuzgang führt. Man kann nur erahnen, wie der einst vierflügelige Kreuzgang ausgesehen haben mag. Er wurde anno 1180 angelegt, ist aber leider nur noch fragmentarisch erhalten. Durchschreitet man den Kreuzgang steht man schließlich vor Skulpturen, die einst Bischof Eberhard von Holle  im 16. Jahrhundert hat anfertigen lassen.


Der »Steinerne Mann«. Foto Walter-Jörg Langbein

Anno 1517 begann in Verden an der Aller die grausame Zeit der Hexenprozesse. Es wurde gefoltert, verurteilt und verbrannt: vor der Reformation und nach der Reformation. Mit Einführung der lutherischen Reformation durch Eberhard von Holle endete der Irrsinn der Hexenprozesse keineswegs. Martin Luther selbst befürwortete das Verbrennen der Hexen.

Auf die Anklage folgte die Folter, die Männern und Frauen absurdeste »Geständnisse“ abtrotzte. Sechs angeklagte Frauen wurden so grausam gemartert, dass sie starben, bevor sie verurteilt werden konnten. Fünf weitere Frauen verstarben in der Haft. 26 Frauen und sechs Männer wurden verurteilt und bei lebendigem Leib verbrannt. Einigen Angeklagten, so vermerken es die Akten, gelang rechtzeitig die Flucht.

In der Dommauer gefangen... Foto Walter-Jörg Langbein

Einst, so wird überliefert, veruntreute ein Küster Dom-Gelder und verprasste alles. Man kam ihm auf die Schliche und forderte Rechenschaft von dem Mann. Frech bestritt er bei einer Anhörung im Dom seine Diebstähle! »Ich habe die Wahrheit gesagt!«, soll er frech ausgerufen haben. »Und wenn ich lüge, soll mich der Teufel holen!« Satan soll daraufhin versucht haben, den Dieb durch das Domgemäuer zu zerren. So sehr er es auch versuchte, es gelang ihm nicht vollends. Der Küster blieb in der Dommauer stecken und wurde zu Stein.


Das ist nicht der »Steinerne Mann«. Foto Walter-Jörg Langbein

Den »Steinernen Mann« übersieht man leicht. Man findet ihn im Innenhof, an einer Ecke des nördlichen Seitenflügels, hoch oben, ein Stück unter dem Dach. Ich selbst hätte die kuriose Steinplastik fast verwechselt… mit einem seltsamen »Steinkreuz« auf dem Dach, das tatsächlich einer menschenähnlichen Gestalt ähnelt. Hat man dieses »Kreuz« erspäht, lässt man den Blick nach unten wandern und findet… den »Steinernen Mann«.

Der Kreuzweg von außen. Foto W-J.Langbein

Der Lugenstein. Foto W-J.Langbein
272 »Die Bremer Stadtmusikanten kamen nie nach Bremen«
Teil 272 der Serie

»Monstermauern, 
Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       

erscheint am 05.04.2015 

Und übernächsten Sonntag geht's um einen
»runden Geburtstag«....


273 »Erich von Däniken zum 80. Geburtstag«,
Teil 273 der Serie 
»Monstermauern, 
Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       

erscheint am 12.04.2015


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