Montag, 29. April 2013

Fido Buchwichtel und ein Toter im Zwillbrocker Venn


Hallo liebe Leute!

Fido Buchwichtel 
bringt Euch heute 
den Bestseller der Woche 
aus dem Wichtelland und die Natur auf den Bildschirm. Aber ich rate Euch zur Vorsicht, liebe Menschen, denn die Bäume schlagen aus!

Wie Ihr sicher wisst, brüten im Moment die Flamingos im Zwillbrocker Venn. Das ist immer wieder ein besonderes Ereignis, das viele Besucher anzieht. Das mag vielleicht an dem Migrationshintergrund dieser edlen Tiere liegen. Den übrigens scheinbar auch dieser Tote aus dem Krimi der Menschenautorin Tuna von Blumenstein hatte. 
Der Tote im Zwillbrocker Venn
Wobei ich etwas anmerken möchte. Dieser Tote wurde nicht direkt im Venn gefunden, sondern lag auf dem Weg nahe der Aussichtsplattform. Woher ich das weiß? Ganz einfach: ich bin ein waschechter Vennwichtel, da staunt Ihr Menschen!

Geboren, aufgewachsen und meiner Heimat treu geblieben, mache ich natürlich gerne ein wenig Reklame für diesen Krimi. Wobei ich an anderer Stelle ja schon klargelegt habe, dass wir Wichtel überzeugte Pazifisten sind. Mord und Totschlag gibt es nicht unter Wichteln. Das ist halt der Punkt, wo sich unsere Geister scheiden. Und, wir gehen mit unserer Umwelt sorgfältiger um. Respekt vor dem Leben ist uns selbstverständlich! Im Gegensatz zu manchen Menschen. Das sage ich jetzt mal in aller Deutlichkeit: Der Lachmöwensee ist keine Eislauffläche! Fritten- und Glühweinbuden haben auf der Landebahn meiner Flamingokumpels nichts verloren! Wir brauchen auch und gerade im Winter unsere Ruhe!

Und jetzt, wo die Natur erwacht, ebenfalls! Nicht nur Wichtelkinder sollen und müssen ungestört aufwachsen. Mit ihnen haben ca. 100 Tierarten ihren Lebensraum im Zwillbrocker Venn. Da kann ich doch wohl von Euch Menschen erwarten, dass Ihr gefälligst auf den ausgewiesenen Wegen das Venn erkundet! Geraucht wird übrigens auch nicht! Das hätte uns Wichteln noch gefehlt, wenn eine achtlos weggeworfene Kippe dafür sorgt, dass unser schönes Wichteldorf abfackelt wird. 


Also benehmt Euch anständig, wenn Ihr Gäste meiner Heimat seid. Dafür verspreche ich Euch auch etwas: Falls wir Wichtel tatsächlich einen Toten im Venn finden sollten, dann schleppen wir den, extra für Euch, auf eine Wanderweg. Denn unsere verdiente Ruhe lassen wir uns noch nicht einmal von einem Toten stören. 

Und jetzt zitiere ich noch meinen Urahn, den berühmten Buchwichtel Johann Wolfgang von Kurzarm: Der Tote im Zwillbrocker Venn Kaufen! Lesen! Weiterempfehlen! 

In diesem Sinne und bis nächsten Montag winke winke Euer

Fido Buchwichtel

Nicht vergessen:
»Der Mörder und der Kinderschänder«
Ein Münsterland-Kriminalroman, der auf wahren Begebenheiten basiert.
Bei diesem Werk handelt es sich um einen Kriminalroman. Etwaige Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit real existierenden Menschen wären rein zufällig. Alle beschriebenen Handlungen sind an die Realität angelehnt.

Unter dem Pseudonym - Tuna von Blumenstein - hat die Autorin fünf Kriminalromane veröffentlicht:

»Der Mörder und der Kinderschänder« 2025
 
ISBN: 9783769325911
Im Buchhandel erhältlich
 
Bei Thalia
und
Krimis der Tuna vB auch als eBook

Sonntag, 28. April 2013

171 »Spuk in Monstermauern«

Teil 171 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien« 

von Walter-Jörg Langbein

Teil der wehrhaften Monstermauer
Foto: W-J.Langbein
Delhi ist eine rapide wachsende Monsterstadt. Weit über elf Millionen Menschen leben in Delhi-City. Nimmt man das Umland hinzu, muss man von siebzehn Millionen Bewohnern ausgehen. Es können aber auch mehr sein. Heute gibt es für dieses Millionenheer drei Stadtverwaltungen. Das Ur-Delhi soll, so berichtet es das Mammutepos Mahabharata, vor weit mehr als drei Jahrtausenden gegründet worden sein. Delhi hat den Beinamen »Stadt der sieben Städte«. Und in der Tat: Sieben ehemalige Städte lassen sich archäologisch nachweisen, die im Verlauf der letzten Jahrtausende im Stadtgebiet des heutigen Delhi entstanden und wieder verfielen.

Tughlaqabad zum Beispiel – Delhi Nr. 3 oder Nr. 5 (**) – wurde anno 1321 von Ghuyas-ud-din Tughlag gegründet ... als »uneinnehmbares Fort«. Wahre Monstermauern sollten es jedem noch so starken Heer unmöglich machen, die Stadtfestung einzunehmen. Besonders gefürchtet waren attackierende Mongolen. Und so wurden die Bauten im Eiltempo aus dem Boden gestampft, vermutlich von Arbeitersklaven ohne Rechte. Noch heute beeindrucken mächtige Mauerreste von gewaltigem Format. Meterdicke Monstermauern verschlangen unvorstellbare Massen an Material. Ich kletterte auf Steinhaufen herum, die seit Jahrhunderten von der Natur in Beschlag genommen werden. Ob man sie je zu rekonstruieren versuchen wird? Wohl kaum! Denn es gibt nicht einmal ausreichend finanzielle Mittel für den Erhalt der noch erhaltenen Ruinen. Selbst wahrscheinlich noch gut erhaltene Teile der Wehranlagen, die unter dichtem Gestrüpp schlummern, werden nicht freigelegt ... einfach weil das Geld fehlt.

Bis zu 15 Meter hoch soll die
Monstermauer einst gewesen sein.
Foto: W-J.Langbein
Ob die gewaltigen Wallanlagen tatsächlich jedem Angriff trotzen konnten? Imposant müssen sie einst gewesen sein. Aber: Es gab wohl keine echte militärische Bewährungsprobe. 1327 wurde die Stadt, die zu diesem Zeitpunkt womöglich noch nicht vollendet war, bereits wieder aufgegeben. Warum? Der Legende nach soll Nizamuddin Aulia, ein als heilig angesehener Sufi-Mystiker, die Stadt schon verflucht haben ... als sie von einem großen Zwangsarbeiterheer aus dem Boden gestampft wurde. Angeblich wurden Arbeiter, die für den Sufi einen Brunnen anlegten, abgezogen und beim Stadtbau eingesetzt ... sehr zum Zorn des Sufi. Wütend soll er geschrieben haben: »Ich verfluche diese Stadt, die schon bald unbewohnt und unfruchtbar sein soll!« Mag sein, dass die Story vom Fluch einen wahren Kern enthält. Es war womöglich Wassermangel, der zur Aufgabe des Forts führte. Sank der Grundwasserspiegel, warum auch immer, so dass es nicht mehr ausreichend Wasser für die Bevölkerung gab? In der Legende verflucht ein Heiliger die Stadt, weil die Arbeiten an seinem Brunnen abgebrochen werden mussten ...

Wie auch immer: Die Geschichte vom Fluch lebt auch heute noch in so mancher lokalen Legende fort. Und in den uralten Gemäuern soll es auch in unseren Tagen noch spuken.

Reste eines Wehrturms
Foto: W-J.Langbein
»In einer uralten indischen Ruine bin ich einem Gespenst begegnet!« Davon ist der Bauingenieur Heiner Pohlmann*, 28, überzeugt. »Mein Hobby sind die ältesten Baudenkmäler der Welt. In meiner Freizeit unternehme ich deshalb Weltreisen, um vor Ort die Baukunst unserer Vorfahren zu studieren.«

Vom Flughafen von New Delhi fuhr der Weltreisende in Sachen »uralte Gemäuer« zu den weitläufigen Ruinen von Tughlaqabad. »Der gewaltige, festungsartige Komplex wurde auf einer kleinen Insel erbaut. Ein Großteil der Mauern erstand vor etwa 700 Jahren: auf älteren Ruinen. Schon vor 4000 Jahren gab es hier eine Verteidigungsanlage!« Einen Tag lang erkundete Heiner Pohlmann den riesigen Komplex.

»Ich benötigte viele Stunden, um die wuchtige Außenmauer zu umrunden. Dann ging ich ins Innere des Gebäudes. Die Hitze war unerträglich. Drei Wächter zogen sich in ein kleines Hüttchen zurück. So konnte ich auf teilweise halsbrecherischen Wegen jene Teile der Burganlage aufsuchen, die sonst für Touristen gesperrt sind! Ich kletterte über eingestürzte Mäuerchen. Ich fotografierte eifrig. Plötzlich hatte ich ein merkwürdiges Gefühl: Beobachtete mich jemand? Hatte ein Wächter bemerkt, dass ich die vorgeschriebenen Wege verlassen hatte? Ich drehte mich um. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. In brütender Hitze kam plötzlich so etwas wie ein eisiger Windhauch auf. Als ich mich wieder den Ruinen zuwandte, stand einige Meter vor mir eine Gestalt.«

Pohlmann weiter: »Sie trug einen wollenen Umhang, der auch den Kopf bedeckte und nur das Gesicht freiließ. Die Person, anscheinend eine Frau, faltete die Hände wie zum Gebet. Ich wollte sie fotografieren, aber mein neuer, teurer Apparat versagte. Die Frau schritt weiter, in das Innere eines halb verfallenen Raumes. Ich ging ihr nach. Ich sah sie am Ende eines langen Korridors stehen. Sie drehte sich kurz zu mir um und verschwand durch die steinerne Wand. Dabei kam wieder ein eiskalter Windhauch auf! Mir zitterten die Knie. Ich stürzte ins Freie und es dauerte eine Weile, bis ich nicht mehr fror.«

So soll die Spukgestalt
ausgesehen haben.
Foto:
Archiv W-J.Langbein
Einer der Wächter sprach ganz gut Englisch. Heiner Pohlmann erzählte ihm sein Erlebnis. »Der Mann starrte mich entsetzt an und verschwand wortlos in seiner Hütte.« Tage später kehrte Bauingenieur Heiner Pohlmann mit einem Dolmetscher an den Ort der unheimlichen Begegnung zurück. Jetzt erfuhr er von dem zurückhaltenden Wächter, dass es sich bei der Spukerscheinung um einen Zombie, einen wiederkehrenden Toten, handelt. »Vor vielen Jahrhunderten wirkte er als eine Art Architekt bei der Errichtung der gewaltigen Bauanlage mit. Er soll bei einem ›Unfall‹ ums Leben gekommen sein.« Womöglich fiel er einem Sabotageakt zum Opfer, war doch der Bau der wehrhaften Stadt von Anfang an umstritten. Heiner Pohlmann jedenfalls bekam zu hören: »Sehr, sehr selten kommt der Tote an seine frühere Wirkungsstätte zurück. Vielleicht spürt er es, wenn sich jemand in besonderem Maße für seine Arbeit interessiert?«

Pohlmann: »Ich habe mir die Erscheinung wirklich nicht eingebildet. Ich habe diese Gestalt gesehen. Es war kein normales lebendes Wesen, kein lebender Mensch! Die Erscheinung sonderte den Gestank der Verwesung aus. Auch wenn ich kein ängstlicher Mensch bin, dieser Spuk war einfach unheimlich. Ich bekomme noch heute eine Gänsehaut, wenn ich daran denke!« Ich kann Herrn Pohlmanns Bericht nur wiedergeben. Bestätigen kann ich ihn nicht. Mir jedenfalls ist die unheimliche Gestalt bei meinem Besuch vor Ort nicht begegnet, auch keinem meiner Reisegefährten!

Hier soll die Spukgestalt
erschienen sein.
Foto: W-J.Langbein
Eine andere Version der Legende besagt: Der Tote, der Zombie, bewacht einen Schatz von unermesslichem Wert. Einst gab es nämlich, mitten in der Festung, einen Palast, dessen Bau gewaltige Mengen von Gold verschlang. Der arabische Weltreisende Ibn Battuta will ihn noch gesehen haben. Die Ziegelsteine, so berichtet er, waren mit purem Gold umhüllt. So wurde am Tage das Sonnenlicht reflektiert ... Das gespiegelte Licht soll neugierige Besucher förmlich geblendet haben. Bewacht eine Spukerscheinung einen riesigen Goldschatz? Für Geistererscheinungen gibt es keine Beweise. Den »Goldpalast« hat es aber wahrscheinlich wirklich gegeben. Wurde die Spukgeschichte erfunden, um die uralten Mauern vor Plünderern zu bewahren? Oder sind sie Ausgeburten der Fantasie, die gern von scheinbar uralten Gemäuern inspiriert werden? Bei meiner Erkundung der Ruinen hatte ich – ich gebe es zu – mehr Angst vor Giftschlangen, die im Ruinengemäuer hausen und gern auf von der Sonne erhitzten Steinen dösen.

Was mag sich unter diesem
Hügel verstecken?
Foto: W-J.Langbein
Begegnet sind mir weder Geister, noch Schlangen. Beim Gang durch die Ruinen sinnierte ich über die Vergänglichkeit nach ... über den Verfall auch solcher Monstermauern, die eigentlich für die Ewigkeit gedacht sein können, um schon nach wenigen Jahren zu verfallen! Seltsam unnatürlich wirkende »Hügel« warten darauf, sachkundig erforscht zu werden. Sie mögen kein Gold zu bieten haben ... aber sicherlich noch erstaunlich gut erhaltenes Mauerwerk aus der Gründerzeit der Moloch-City Delhi.

* Name geändert, der Verfasser
** Beide Bezeichnungen sind in der Literatur gebräuchlich, der Sachverhalt ist umstritten!

»Das Horrorkabinett von Konarak«,
Teil 172 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien« 

 von Walter-Jörg Langbein erscheint am 05.05.2013

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