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Sonntag, 24. April 2016

327 »Der Dolch der Götter«

327 »Der Dolch der Götter«,
Teil 327 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Eines der Gesichter eines »Phurba«

Endlich hatte ich einen Entschluss gefasst. Ich würde mein Studium der evangelischen Theologie abbrechen. Und das – auch wenn das manchen Zeitgenossen absurd vorkommen mag – aus Respekt vor dem christlichen Glauben. Da ich zentrale Lehren der christlichen Religion evangelisch-lutherischen Gepräges nicht mehr nachvollziehen konnte, durfte ich einfach nicht eben diese Lehre von der Kanzel predigen. Ich konnte einfach nicht Priester sein. Denn der Gläubige muss sich darauf verlassen können, dass ihm der Geistliche nicht einfach nur schöne Geschichten erzählt. Nur ein wirklich gläubiger Priester ist ein glaubwürdiger Priester. Nur dann kann er helfen.

Meinen  Entschluss teile ich einem befreundeten Geistlichen mit, der seine kleine Gemeinde in einem

Foto 2
Foto 3
kleinen Dörfchen im Oberfränkischen seelsorgerlich betreute. Nach Genuss »geistiger« Getränke erkundeten der Gottesmann und ich die »Unterwelt«. Ein Gang führte einst vom Pfarramt in die nahe gelegene dörfliche Kirche. Wer mochte wohl den Gang angelegt haben? Mein geistlicher Führer hatte eine interessante These parat.

In Deutschland und Österreich gab es einst hunderte, ja tausende von sogenannten »Schratzelgängen« oder »Schratzelhöhlen«. Weil sie extrem niedrig sind, man kann sich in ihnen in der Regel nur sehr gebückt oder gar nur kriechend fortbewegen, wurden sie einst den »Schratzeln«, also Zwergen, zugeschrieben. Wer sonst als Zwerge, so glaubte man, kann in dieser »Unterwelt« hausen?

Die Gänge sind oft der Regel 50 bis 60 Zentimeter »breit« und einen Meter bis 1,40 Meter »hoch«, manchmal deutlich niedriger. Verengungen machen ein Weiterkommen manchmal fast unmöglich. Wer an Platzangst leidet, sollte die Erkundung der Gänge anderen überlassen. Kriecht man schlangenartig durch so einen Gang, stößt man in der Regel irgendwann auf einen »Raum«, der etwas breiter und höher als der Gang selbst ist. Häufig ist so ein Raum mit »Sitzbänken« ausgestattet, die für normalgroße Menschen völlig ungeeignet sind. Zwerge könnten sich hier versammelt haben, unter der Erde. Probleme bereitet der Mangel an frischer Atemluft Zwergen wie normalwüchsigen Menschen.

Foto 4
Als »Lagerräume« sind die »Schratzelgänge«, auch »Erdställe« genannt, vollkommen ungeeignet. Selbst wenn die kleinen in die Gangsysteme integrierten »Räume« als Keller gedacht waren, warum hat man dann die Minitunnels zu diesen Räumen so angelegt, dass man meist auf allen Vieren oder gar auf dem Bauch kriechen muss, um ans Ziel zu kommen? Wollte man gar – zum Beispiel – einen Sack Kartoffeln aus so einem Schratzel-Raum holen, gestaltete sich das mehr als problematisch, weil man dabei nicht aufrecht gehen konnte.

Unklar ist auch, wann die ersten dieser Gänge angelegt wurden. Sie lassen sich nicht datieren. In einer »Schratzelhöhle« in Bad Zell (Oberösterreich) fanden sich Holzkohlereste, die auf die Zeit von 1030 n.Chr. bis 1210 n.Chr. datiert wurden. Ein »Erdstall« im bayrischen Höchermühle wurde auf Grund von Holzkohleresten auf die Zeit zwischen Ende des zehnten und Mitte des 11. Jahrhunderts angesetzt. Diese Funde lassen freilich keine Rückschlüsse auf die Entstehungszeit der Gänge zu. Sie verraten uns lediglich, dass vor rund einem Jahrtausend Menschen in der »Zwergen-Unterwelt« waren. Vielleicht um sie zu erkunden. Die Anlagen selbst können Jahrzehnte, Jahrhunderte oder Jahrtausende älter sein. Welchem Zweck mögen sie wirklich gedient haben?

Nach intensivem Quellenstudium bin ich zur Überzeugung gekommen, dass die Gänge im Zusammenhang mit religiösem Brauchtum standen. Fakt ist, dass die Zugänge zu dieser »Unterwelt« häufig im Bereich von Kirchen liegen, in direkter Umgebung von Kirchen oder unter Kirchen. Bekanntlich wurden christliche Kirchen häufig auf heidnische Kultstätten gebaut. Verschiedene »Erklärungen« sind mir bei meinen Recherchen begegnet. Der Heimatforscher Anton Haschner spekulierte, dass es sich bei den Räumchen, zu denen Schratzelgänge führen, um »Seelenkammern« handelte, in denen die Seelen von Verstorbenen auf das »Jüngste Gericht« warten mussten (oder durften?). Eine andere Theorie besagt, dass es sich nur um symbolische Gräber gehandelt habe. Wenn nomadisierende Bevölkerungsgruppen umherzogen, sich wieder einmal niederließen, legten sie dann zu Ehren der zurückgelassenen Toten symbolische Gräber an?

Foto 5
An Filme wie »Die Rückkehr der lebenden Leichen« erinnert mich eine andere These. Demnach sollten die Totengeister in den »Schratzelhöhlen« verbleiben und nicht die Menschen in Angst und Schrecken versetzen.

Mein geistlicher Führer, der mir die Tür zur Unterwelt unter seinem Pfarramt geöffnet hatte, spekulierte: Einst gab es einen heidnischen Kult, zu dem der mysteriöse unterirdische Gang gehörte. Pfarramt und Kirche wurden auf die Zugänge zu den Schratzelhöhlen gebaut, um sie für das Christentum in Beschlag zu nehmen. Man habe schließlich zu christlichen Zeiten den einstigen »Erdstall« ausgebaut, um ihn nutzen zu können: als praktischen unterirdischen Weg vom Pfarrhaus zur Kirche und retour.

Nun war »mein« Geistlicher nicht nur ein emsiger Erkunder unterirdischer Gänge aus unbekannten Zeiten. Er suchte auch im Gotteshaus selbst, grub unter dem Mittelgang nach »Schätzen«, und er wurde fündig. Er fand ein kurioses »Ding«, etwa dreißig Zentimeter lang, aus sehr dunklem, hartem Holz geschnitzt, schmal und spitz zulaufend. Viele Jahre später stieß ich in Indien auf ein ganz ähnliches Objekt. Es ist ein »Phurba«. Der »Phurba« erinnert an einen dreiseitigen Dolch, ein Dolch der Götter. Dreiseitig ist der Griff, dreiseitig ist die Klinge. Er kam und kommt im Himalaya zum Einsatz. Besonders in Tibet wird er als heiliges Attribut wichtiger Götter angesehen. Senkrecht stehend wird der »Phurba« als »Achse der Welt« verstanden. Den Griff des »Phurba« zieren gewöhnlich drei Gesichter. Eines strahlt freudigen Optimismus aus, eines wirkt wütend oder traurig und das dritte macht einen ausgeglichenen Eindruck. Die drei Gesichter im Griff des Götterdolchs lassen uns natürlich sofort an die »Heilige Dreifaltigkeit« des Christentums denken. Die Trinität des Christentums freilich ist sehr viel älter. So ist aus vorchristlichen Zeiten eine Vielzahl von Götter-Triaden bekannt.

Foto 6: Das freundeliche Gesicht eines »Phurba«

Göttinnen-Triaden gab es im Heidentum bis in christliche Zeiten hinein. Offensichtlich waren die drei Göttinnen so stark im Volksglauben verwurzelt, dass es selbst emsigsten Missionaren und Bekämpfern des Heidentums nicht gelungen ist, sie aus dem Bewusstsein der Menschen zu verbannen. So wurden die heidnischen Drei-Göttinnen einfach »christianisiert« und durften forthin mit dem Segen der Kirche verehrt werden, als die drei Bethen. Die drei Bethen waren die vorchristliche Form der christlichen Trinität, bestehend aus Gott-Vater, Gott-Sohn und Heiligem Geist. In der uralten einstigen Wehrkirche von Urschalling (am Chiemsee gelegen) ziert bis heute eine rätselhafte Darstellung der christlichen Dreifaltigkeit die Decke. Sie hat einen Unterleib, doch der Oberleib spaltet sich auf in zwei Männer und eine Frau. Klar zu erkennen sind Gott-Vater als alter Mann mit Rauschebart, Gott-Sohn Jesus als junger Mann und dazwischen der »Heilige Geist« als Frau. Eine rein weibliche Triade findet sich noch heute im altehrwürdigen Dom zu Worms.


Foto 7: Schlecht gelaunter »Phurba«

In Delhi erklärte mir ein Angestellter eines kleinen Museums: »Der ›Phurba‹ geht auf den Hering zurück, mit dem man Zelte fest verankerte. Er sicherte also das Zelt, das Zuhause, und schützte so vor den Unbilden der Natur. Ohne die Phurba-Verankerung konnte ein Sturm leicht ein Zelt davontragen, die Bewohner Wind und Wetter ausliefern!«



Foto 8
Foto 9
Empfehlenswerte Literatur zum komplexen Thema der »Schratzel-Höhlen« oder »Erdställe«:

Kusch, Heinrich und Ingrid: »Tore zur Unterwelt/ Das Geheimnis der unterirdischen Gänge aus uralter Zeit«, Graz 2009
Kusch, Heinrich und Ingrid: »Versiegelte Unterwelt/ Das Geheimnis der Jahrtausende alten Gänge…«, Graz 2014

Zu den Fotos:

Alle Fotos (1-9) zeigen einen hölzernen »Phurba« aus Tibet. Alle Fotos Walter-Jörg Langbein

328 »Vom Nabel der Welt ins All«,
Teil 328 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 01.05.2016


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Sonntag, 28. April 2013

171 »Spuk in Monstermauern«

Teil 171 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien« 

von Walter-Jörg Langbein

Teil der wehrhaften Monstermauer
Foto: W-J.Langbein
Delhi ist eine rapide wachsende Monsterstadt. Weit über elf Millionen Menschen leben in Delhi-City. Nimmt man das Umland hinzu, muss man von siebzehn Millionen Bewohnern ausgehen. Es können aber auch mehr sein. Heute gibt es für dieses Millionenheer drei Stadtverwaltungen. Das Ur-Delhi soll, so berichtet es das Mammutepos Mahabharata, vor weit mehr als drei Jahrtausenden gegründet worden sein. Delhi hat den Beinamen »Stadt der sieben Städte«. Und in der Tat: Sieben ehemalige Städte lassen sich archäologisch nachweisen, die im Verlauf der letzten Jahrtausende im Stadtgebiet des heutigen Delhi entstanden und wieder verfielen.

Tughlaqabad zum Beispiel – Delhi Nr. 3 oder Nr. 5 (**) – wurde anno 1321 von Ghuyas-ud-din Tughlag gegründet ... als »uneinnehmbares Fort«. Wahre Monstermauern sollten es jedem noch so starken Heer unmöglich machen, die Stadtfestung einzunehmen. Besonders gefürchtet waren attackierende Mongolen. Und so wurden die Bauten im Eiltempo aus dem Boden gestampft, vermutlich von Arbeitersklaven ohne Rechte. Noch heute beeindrucken mächtige Mauerreste von gewaltigem Format. Meterdicke Monstermauern verschlangen unvorstellbare Massen an Material. Ich kletterte auf Steinhaufen herum, die seit Jahrhunderten von der Natur in Beschlag genommen werden. Ob man sie je zu rekonstruieren versuchen wird? Wohl kaum! Denn es gibt nicht einmal ausreichend finanzielle Mittel für den Erhalt der noch erhaltenen Ruinen. Selbst wahrscheinlich noch gut erhaltene Teile der Wehranlagen, die unter dichtem Gestrüpp schlummern, werden nicht freigelegt ... einfach weil das Geld fehlt.

Bis zu 15 Meter hoch soll die
Monstermauer einst gewesen sein.
Foto: W-J.Langbein
Ob die gewaltigen Wallanlagen tatsächlich jedem Angriff trotzen konnten? Imposant müssen sie einst gewesen sein. Aber: Es gab wohl keine echte militärische Bewährungsprobe. 1327 wurde die Stadt, die zu diesem Zeitpunkt womöglich noch nicht vollendet war, bereits wieder aufgegeben. Warum? Der Legende nach soll Nizamuddin Aulia, ein als heilig angesehener Sufi-Mystiker, die Stadt schon verflucht haben ... als sie von einem großen Zwangsarbeiterheer aus dem Boden gestampft wurde. Angeblich wurden Arbeiter, die für den Sufi einen Brunnen anlegten, abgezogen und beim Stadtbau eingesetzt ... sehr zum Zorn des Sufi. Wütend soll er geschrieben haben: »Ich verfluche diese Stadt, die schon bald unbewohnt und unfruchtbar sein soll!« Mag sein, dass die Story vom Fluch einen wahren Kern enthält. Es war womöglich Wassermangel, der zur Aufgabe des Forts führte. Sank der Grundwasserspiegel, warum auch immer, so dass es nicht mehr ausreichend Wasser für die Bevölkerung gab? In der Legende verflucht ein Heiliger die Stadt, weil die Arbeiten an seinem Brunnen abgebrochen werden mussten ...

Wie auch immer: Die Geschichte vom Fluch lebt auch heute noch in so mancher lokalen Legende fort. Und in den uralten Gemäuern soll es auch in unseren Tagen noch spuken.

Reste eines Wehrturms
Foto: W-J.Langbein
»In einer uralten indischen Ruine bin ich einem Gespenst begegnet!« Davon ist der Bauingenieur Heiner Pohlmann*, 28, überzeugt. »Mein Hobby sind die ältesten Baudenkmäler der Welt. In meiner Freizeit unternehme ich deshalb Weltreisen, um vor Ort die Baukunst unserer Vorfahren zu studieren.«

Vom Flughafen von New Delhi fuhr der Weltreisende in Sachen »uralte Gemäuer« zu den weitläufigen Ruinen von Tughlaqabad. »Der gewaltige, festungsartige Komplex wurde auf einer kleinen Insel erbaut. Ein Großteil der Mauern erstand vor etwa 700 Jahren: auf älteren Ruinen. Schon vor 4000 Jahren gab es hier eine Verteidigungsanlage!« Einen Tag lang erkundete Heiner Pohlmann den riesigen Komplex.

»Ich benötigte viele Stunden, um die wuchtige Außenmauer zu umrunden. Dann ging ich ins Innere des Gebäudes. Die Hitze war unerträglich. Drei Wächter zogen sich in ein kleines Hüttchen zurück. So konnte ich auf teilweise halsbrecherischen Wegen jene Teile der Burganlage aufsuchen, die sonst für Touristen gesperrt sind! Ich kletterte über eingestürzte Mäuerchen. Ich fotografierte eifrig. Plötzlich hatte ich ein merkwürdiges Gefühl: Beobachtete mich jemand? Hatte ein Wächter bemerkt, dass ich die vorgeschriebenen Wege verlassen hatte? Ich drehte mich um. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. In brütender Hitze kam plötzlich so etwas wie ein eisiger Windhauch auf. Als ich mich wieder den Ruinen zuwandte, stand einige Meter vor mir eine Gestalt.«

Pohlmann weiter: »Sie trug einen wollenen Umhang, der auch den Kopf bedeckte und nur das Gesicht freiließ. Die Person, anscheinend eine Frau, faltete die Hände wie zum Gebet. Ich wollte sie fotografieren, aber mein neuer, teurer Apparat versagte. Die Frau schritt weiter, in das Innere eines halb verfallenen Raumes. Ich ging ihr nach. Ich sah sie am Ende eines langen Korridors stehen. Sie drehte sich kurz zu mir um und verschwand durch die steinerne Wand. Dabei kam wieder ein eiskalter Windhauch auf! Mir zitterten die Knie. Ich stürzte ins Freie und es dauerte eine Weile, bis ich nicht mehr fror.«

So soll die Spukgestalt
ausgesehen haben.
Foto:
Archiv W-J.Langbein
Einer der Wächter sprach ganz gut Englisch. Heiner Pohlmann erzählte ihm sein Erlebnis. »Der Mann starrte mich entsetzt an und verschwand wortlos in seiner Hütte.« Tage später kehrte Bauingenieur Heiner Pohlmann mit einem Dolmetscher an den Ort der unheimlichen Begegnung zurück. Jetzt erfuhr er von dem zurückhaltenden Wächter, dass es sich bei der Spukerscheinung um einen Zombie, einen wiederkehrenden Toten, handelt. »Vor vielen Jahrhunderten wirkte er als eine Art Architekt bei der Errichtung der gewaltigen Bauanlage mit. Er soll bei einem ›Unfall‹ ums Leben gekommen sein.« Womöglich fiel er einem Sabotageakt zum Opfer, war doch der Bau der wehrhaften Stadt von Anfang an umstritten. Heiner Pohlmann jedenfalls bekam zu hören: »Sehr, sehr selten kommt der Tote an seine frühere Wirkungsstätte zurück. Vielleicht spürt er es, wenn sich jemand in besonderem Maße für seine Arbeit interessiert?«

Pohlmann: »Ich habe mir die Erscheinung wirklich nicht eingebildet. Ich habe diese Gestalt gesehen. Es war kein normales lebendes Wesen, kein lebender Mensch! Die Erscheinung sonderte den Gestank der Verwesung aus. Auch wenn ich kein ängstlicher Mensch bin, dieser Spuk war einfach unheimlich. Ich bekomme noch heute eine Gänsehaut, wenn ich daran denke!« Ich kann Herrn Pohlmanns Bericht nur wiedergeben. Bestätigen kann ich ihn nicht. Mir jedenfalls ist die unheimliche Gestalt bei meinem Besuch vor Ort nicht begegnet, auch keinem meiner Reisegefährten!

Hier soll die Spukgestalt
erschienen sein.
Foto: W-J.Langbein
Eine andere Version der Legende besagt: Der Tote, der Zombie, bewacht einen Schatz von unermesslichem Wert. Einst gab es nämlich, mitten in der Festung, einen Palast, dessen Bau gewaltige Mengen von Gold verschlang. Der arabische Weltreisende Ibn Battuta will ihn noch gesehen haben. Die Ziegelsteine, so berichtet er, waren mit purem Gold umhüllt. So wurde am Tage das Sonnenlicht reflektiert ... Das gespiegelte Licht soll neugierige Besucher förmlich geblendet haben. Bewacht eine Spukerscheinung einen riesigen Goldschatz? Für Geistererscheinungen gibt es keine Beweise. Den »Goldpalast« hat es aber wahrscheinlich wirklich gegeben. Wurde die Spukgeschichte erfunden, um die uralten Mauern vor Plünderern zu bewahren? Oder sind sie Ausgeburten der Fantasie, die gern von scheinbar uralten Gemäuern inspiriert werden? Bei meiner Erkundung der Ruinen hatte ich – ich gebe es zu – mehr Angst vor Giftschlangen, die im Ruinengemäuer hausen und gern auf von der Sonne erhitzten Steinen dösen.

Was mag sich unter diesem
Hügel verstecken?
Foto: W-J.Langbein
Begegnet sind mir weder Geister, noch Schlangen. Beim Gang durch die Ruinen sinnierte ich über die Vergänglichkeit nach ... über den Verfall auch solcher Monstermauern, die eigentlich für die Ewigkeit gedacht sein können, um schon nach wenigen Jahren zu verfallen! Seltsam unnatürlich wirkende »Hügel« warten darauf, sachkundig erforscht zu werden. Sie mögen kein Gold zu bieten haben ... aber sicherlich noch erstaunlich gut erhaltenes Mauerwerk aus der Gründerzeit der Moloch-City Delhi.

* Name geändert, der Verfasser
** Beide Bezeichnungen sind in der Literatur gebräuchlich, der Sachverhalt ist umstritten!

»Das Horrorkabinett von Konarak«,
Teil 172 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien« 

 von Walter-Jörg Langbein erscheint am 05.05.2013

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Sonntag, 21. April 2013

170 »Die Ashoka-Säule und der weise Regent«

Die neuen Bücher von Walter-Jörg Langbein sind da!

Teil 170 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Ruinen erinnern an eine stolze
Festung. - Foto: W-J.Langbein
»Meiden Sie unbedingt das ›Fünfte Delhi‹!« raunt mit der katholische Geistliche zu. »Ich habe Jahre in New Delhi gelebt ... als Missionar gewirkt.« Der geistliche Herr hatte von meiner geplanten Indienreise erfahren, mich angerufen ... und »hilfreiche Ratschläge« angeboten. Ich hatte dankend angenommen und besuchte den alten Herrn. Ich erinnere mich an unser Gespräch, als wäre es erst gestern gewesen ... In seinem mit Heiligenbildern und christlichen Statuen geschmückten Studierzimmer redet er mit monotoner Stimme auf mich ein. »Firozabad ist die Hochburg des Heidentums und der abergläubischen Bräuche! Viele Frauen tragen ein Amulett zwischen den Brüsten ... eine teuflische Figur, halb Mensch, halb Gott!« erfahre ich.

»Hüten sie sich vor derlei Aberglauben! Bleiben sie ihm fern!« Ich unterbreche: »Sie meinen die Hindu-Gottheit Ganesha?« Der Geistliche nickt wütend und verächtlich. »Ein besonders böser Ort des Aberglaubens ist Firozabad, das ›fünfte Delhi‹!« Und ganz besonders gefährlich seien die Donnerstage! Warum?

»Da strömen die Menschen herbei, um zu beten ... um zu den heidnischen Göttern zu sprechen, um Kerzen für sie anzuzünden. Aberglaube ... Aberglaube!« Ob sonst noch etwas zu beachten sei, will ich vom Priester wissen. »Wie Sie mir berichtet haben, werden Sie in Indien viel mit Auto und Bus unterwegs sein. Nehmen Sie diese Christopherus-Medaille mit auf Ihre Reise. Sie soll Sie vor Unfällen schützen! Außerdem werde ich für die Dauer Ihrer Reise jeden Sonntag eine Kerze in unserer schönen Kirche anzünden ...«

Zweifel keimen in mir auf. Was unterscheidet heidnisches von christlichem Brauchtum? Ist eine Christophorus-Medaille gottgefällig, ein Ganesha-Figürchen aber nicht? Bringt eine Kerze, in einer christlichen Kirche entzündet, Schutz durch Gott und seine Heiligen ... ein für indische Götter entzündetes Wachslicht Unglück?

Uraltes Mauerwerk
Foto: W-J.Langbein
Des einen »Aberglauben«, so scheint es, ist des anderen »wahre Religion« ... und umgekehrt. Wirklich? In Indien sah ich so manchen privaten Hausaltar, auf dem Ganesha und Christopherus friedlich nebeneinander standen.

Einst war das »fünfte Delhi« so etwas wie eine riesige Festungsanlage ... Feroz Shah Kotla, von genialen Architekten entworfen. Auftraggeber war Sultan Feroz Shah Tughlag (1309-1388). Wahre Monstermauern ragten einst in den Himmel. Wehrhafte Türme dienten wachsamen Spähern als Ausguck. Nahte etwa ein feindliches Heer? Je früher eine geplante Attacke erkannt wurde, desto schneller konnten Soldaten zur Verteidigung aktiviert werden. Heute lassen eher karge Ruinen die einstige Größe der so mächtigen Metropole erahnen. In diesen verfallenen, nur zu einem kleinen Teil rekonstruierten Mauern sollen nach dem Volksglauben Dschinn hausen. Dschinn – der Koran widmet ihnen eine ganze Sure, nämlich die 72. – trachten danach, als unsichtbare Geistwesen Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen, ihnen zu schaden.

Besonders gefürchtet ist der Ghul, ein leichenfressendes Monstrum. Schüsseln mit Milch sollen die unsichtbaren Geister beschwichtigen und milde stimmen. Mich und meine Reisegefährten haben nicht die unsichtbaren Gespenster ins »Fünfte Delhi« gelockt, auch nicht die Ruinen der Wehranlagen ... sondern ein sehr viel älteres Denkmal, nämlich eine Ashoka-Säule aus Sandstein. Ashoka, auch Ashoka der Große genannt, lebte von 304 v.Chr. bis 232 v.Chr. Als Enkel des Dynastiegründers Chandragupta Maurya regierte er von 268 v.Chr. bis zu seinem Tode.

Rest eines Ecktums
Foto: W-J.Langbein
Ashoka zeichnete sich zunächst durch rücksichtslose Härte aus. Mit Grausamkeit zog er mit seinem Heer in den Krieg. Einzige Lebensziele, so schien es, waren die Verteidigung des bestehenden Reiches ... und die Eroberung weiterer Gebiete. 261 eroberte er Kalinga (heute Orissa) im östlichen Indien. Würde der Herrscher ein echtes Weltreich schaffen? Er war auf dem besten Wege. Doch erkannte der mächtige Regent, dass seine Siege das Ergebnis unbeschreiblichen Blutvergießens waren. Ihm wurde bewusst, dass Feind wie Freund, dass eigene wie fremde Truppen und Zivilbevölkerung unsäglich litten. Ashoka der Große war vollkommen gewandelt. Warum? Was war geschehen? War er zum Buddhismus bekehrt worden? Offenbar!

Ashoka verbot nicht nur blutige Tieropfer, er setzte sich vehement für eine vegetarische Lebensweise ein. Der erstaunlich erfolgreiche Feldherr von gestern verbot jede Form der Kriegsführung. Überhaupt, so forderte er immer wieder eindringlich seine Untertanen auf, müsse im Kleinen wie im Großen auf jegliche Gewalt verzichtet werden.So schaffte Ashoka vor rund 2300 Jahren die Folter ab ... eine Methode, die sehr viel später im christlichen Abendland von Inquisitoren und Hexenjägern eingesetzt wurde, um vermeintliche Ketzer auszulöschen und angebliche Hexer und Hexen vor der ewigen Verdammnis zu bewahren.

Ashoka wurde zum Friedensfürsten, der auf diplomatischem Wege Freundschaftsverträge mit den Nachbarn – etwa den Griechen in Baktrien – anstrebte. Im eigenen Reich sollte Gerechtigkeit herrschen. Ein christlicher Missionar berichtete mir vor Ort in den Ruinen des »fünften Delhi«: »Im großen Reich Ashokas herrschte Willkür. Überall gab es mächtige Beamte, die nach Gutdünken Steuern erhoben, um sich selbst zu bereichern. Vetternwirtschaft führte zu unglaublichen Ungerechtigkeiten. Die einen mehrten ihren Grundbesitz in rasendem Tempo, die anderen vegetierten als Landarbeiter wie Sklaven. Ashoka bekämpfte diese ungerechte Willkür. Er sorgte für eine gerechte Landverteilung. Er setzte lokale Despoten ab.«

Traurige Ruinenreste
Foto: W-J.Langbein
Ashoka setzte sich für das Wohlergehen seines Volkes ein. Gigantische Wehranlagen hielt er für Geldverschwendung. Er ließ lieber überall Krankenhäuser errichten, für Mensch und Tier. Gesetze sollten das neue Leben im Reich regeln  ... zum Wohl der Menschen. Die Gesetze, die Erlasse des Herrschers, sollten überall und für jedermann einzusehen sein. Und so beauftrage Ashoka Schriftkundige, die überall im Reich seine Erlasse öffentlich sichtbar anzubringen hatten: an Felswänden ebenso, wie an weithin sichtbaren Säulen ... so wie die Ashoka-Säule von Feroz Shah Kotla, New Delhi. Da das Reich groß war, es umfasste die nördliche Hälfte des indischen Subkontinents, aber auch zum großen Teil das Gebiet des heutigen Afghanistan und Pakistan, wurden die Edikte Ashokas in zahlreichen Sprachen veröffentlicht, zum Teil auch mehrsprachig. So sind Edikte in Brahmi, aber auch in Griechisch und Aramäisch erhalten!

Ashoka war kein religiöser Eiferer. Er vertrat einen friedlichen Buddhismus, erklärte den Buddhismus zur Grundlage seiner Herrschaft. Ashoka war ein Philosoph, der Moral und Ethik nicht nur im hohen Elfenbeinturm diskutieren, sondern in die Realität seines Volkes umsetzen wollte! Anders als die Vertreter fast aller anderen Religionen war für Ashoka Toleranz gegenüber Andersgläubigen selbstverständlich: »Respekt für Vater und Mutter sind gut. Gut ist Großzügigkeit gegenüber Freunden, Verbündeten, Verwandten ... Es ist gut, keine Lebewesen zu töten. Maßhalten beim Ausgeben, Maßhalten beim Besitzen, auch das ist gut!« (1)

Eine der Ashoka-Säulen - Fotos: W-J. Langbein
Ende des zwölften Jahrhunderts gab es einen Machtwechsel: Der letzte Hindu-König wurde entmachtet und abgesetzt, der Islam bestimmte von nun an das Leben der Menschen. Sultan Qutb-ud-din befahl den Bau eines »Siegesturms«, der auch als Minarett diente. Errichtet wurde der beeindruckende Turm ... auf den Ruinen eines Hindu-Tempels. 73 Meter ragt das Denkmal für den Sieg des Islam über den Hinduismus in den Himmel. An seiner Basis habe ich einen Durchmesser von rund fünfzehn Metern gemessen. Ganz oben soll der Durchmesser nur noch zweieinhalb Meter betragen.

Kurz vor der Abreise aus Indien stimmte mich der christliche Missionar, den ich vor Ort in der Ruinenstadt getroffen hatte, mehr als nachdenklich. Der Botschafter des Christentums, der unbedingt anonym bleiben möchte, meinte: »Der weise Regent Ashoka hatte den massiven Grundstein für ein friedliches Leben gelegt. Was er in seinen Gesetzen veranlasste, ermöglichte den Menschen ein erstaunlich freies Leben. Es ging gerechter zu, als im christlichen Abendland des Mittelalters und der Neuzeit. Es gab keine Ausbeutung durch Herrscher, die ihre Autorität auf Gott selbst zurückführten. Und ob nach dem Wechsel zum Islam die Toleranz des Ashoka das Leben der Menschen weiterhin bestimmte ... das ist zu bezweifeln!« (2)

Denkmal für die
Unterwerfung des
Hinduismus
Foto: W-J.Langbein
Ashoka ... wer kennt in unseren Breiten noch den Namen dieses weisen Regenten? Sein Denken kam ohne rigorose Glaubensvorschriften aus. Niemand musste an bestimmte Götter glauben. Niemand stellte obskure religiöse Vorschriften und Gesetze auf. Ashoka erließ Edikte ... für ein gewaltfreies Leben. Mir scheint: Ashokas Denken ist heute aktueller denn je ... und notwendiger denn je!

Fußnoten
1: Reisenotizen Walter-Jörg Langbein, bislang unveröffentlicht
2: Reisenotizen Walter-Jörg Langbein, bislang unveröffentlicht

»Spuk in Monstermauern«
Teil 171 der Serie 

»Monstermauern, Mumien und Mysterien« 
von Walter-Jörg Langbein
erscheint am 28.04.2013


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Sonntag, 14. April 2013

169 »Das Geheimnis der eisernen Säule«

Teil 169 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Umringt - die mysteriöse
Eisensäule von Delhi
Foto: W-J.Langbein
Die Hitze ist kaum zu ertragen. Welche Temperatur »im Schatten« herrscht, das ist vollkommen belanglos. Es gibt nämlich im Hof der alten Moschee Quwwat-al-Islam, Delhi, nur Sonne und keinen nennenswerten Schatten. »So many people...« sage ich zu unserem Guide. Eine Schülerin mit einem Tornister auf dem Rücken, antwortet: »No ... no, today only few people ...« Wenn die dicht gedrängte Volksmenge als kleine Ansammlung gilt ... wie dicht mögen dann die Wartenden stehen, wenn der Besucherandrang wirklich richtig groß ist? Die eiserne Säule hat Hunderte von gläubigen Pilgern angelockt.

Da und dort sind vereinzelt einige ausländische Touristen zu erkennen. Ihre nervöse Ungeduld steckt die einheimischen Menschen zum Glück nicht an. Die lange Menschenschlange bewegt sich langsam vorwärts. Es dauert Stunden, bis endlich die eiserne Säule in greifbare Nähe gerückt ist. Ein junger Mann erklimmt den kleinen steinernen Sockel, auf dem die Säule steht. Er stellt sich mit dem Rücken zur Säule, greift mit den Armen nach hinten und umfasst die mysteriöse Säule für eine Weile. Das soll Glück bringen. Angeblich werden Wünsche, an die man bei der Umarmung denkt, in Erfüllung gehen.

Man mag zu einem solchen »Aberglauben« stehen, wie man will. Ist der christliche Glaube an die Wirkung von Reliquien so ganz anders? Man denke an sogenannte Kontaktreliquien: Objekte, die angeblich einst von Heiligen berührt worden sind, sollen auch heute noch wundersame Wirkung haben ... auch dann, wenn es die besagten Heiligen vermutlich gar nicht gegeben hat! Und was ist von den unzähligen »Splittern« vom Kreuz Christi zu halten? Angeblich ergeben alle diese Kreuzreliquien gleich mehrere Kreuze!

Zurück zur geheimnisvollen Eisensäule von Delhi. Sie trotzt seit mindestens 1700 Jahren den Witterungseinflüssen, ohne auch nur eine Spur von Rost zu zeigen. Das geheimnisvolle Artefakt wiegt schätzungsweise sieben Tonnen, ist etwa 6,60 Meter hoch. Die Säule, sie verjüngt sich nach oben etwas, hat an der Basis einen Durchmesser von 40, oben von etwa 30 Zentimetern.

Anno 1905 - Foto: India Illustrated
Eine Inschrift auf dem Schaft besagt, dass sie zur Erinnerung des Sieges von König Chandragupta II Vikramaditya über seine Feinde errichtet wurde. Der Herrscher, dessen Name gelegentlich zu Chandra verkürzt wird, lebte von 375 n.Chr. bis 414 n.Chr. Wir können also davon ausgehen, dass das eiserne Denkmal rund 1600 Jahre alt ist. Und trotzdem rostet es nicht!

Die Säule könnte aber noch älter sein. Ursprünglich stand sie nämlich auf einem Hügel namens »Vishnupadagiri«, zu Deutsch: »Hügel mit dem Fußabdruck Vishnus«. Der heilige Ort befand sich im heutigen Udayagiri bei Sanchi. Wo angeblich Vishnu selbst erschienen sein soll, dort haben vor Jahrtausenden Wissenschaftler astronomische Beobachtungen durchgeführt und die Bewegungen der Gestirne berechnet. Die eiserne Säule war ursprünglich so etwas wie der Zeiger einer astronomischen Uhr. Ihr Schatten zeigte exakt den Termin der Sommersonnwende an. Um 400 n.Chr. wurde sie an ihren heutigen Standort geschafft. Wann sie geschaffen wurde?

Wir wissen es nicht. Uns ist nur bekannt, dass sie um 400 n.Chr. neu aufgestellt wurde. Warum rostet sie nicht? Eine einfache Erklärung bietet sich an. Tag für Tag reiben sich Inder und Touristen an der Säule. Putzen sie bei ihren innigen Umarmungen kleinste Rostpartikel ab, bevor größere Rostschäden entstehen können? Nein! Ganz im Gegenteil! Der häufige Hautkontakt müsste vielmehr den Vorgang des Rostens noch beschleunigen. Durch das Berühren der Säule mit Armen und Händen wird nämlich Schweiß übertragen. Dadurch gelangen Harnsäure, Ammoniak, Fett- und Milchsäuren auf das Eisen. Diese Substanzen, konservieren nicht. Sie fördern vielmehr den Prozess des Verfalls durch Rost! Warum aber rostet die seltsame Säule nicht?

Die mysteriöse Säule
als Publikumsmagnet
Foto: W-J.Langbein (2)
Dr. Rostislaw S. Furduj meint, dass sie ein Beweis für fortschrittlichste Wissenschaft im Alten Indien ist. Er verweist darauf, dass 1979 eine Gruppe sowjetischer Gelehrter (Barssukov, Nemoshkalenko und andere) ein besonderes Verfahren zum Patent anmeldeten. Proben von Mondgestein enthielten, wie sich bei der Analyse im Labor ergab, winzige Eisenpartikelchen. Sie stammen von Meteoriten. Dieses Mondeisen rostet nicht, auch dann nicht, wenn es Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Sollte die mysteriöse Säule also aus »Mondeisen« gefertigt worden sein? Lieferten Eisenmeteoriten das Material? Die sowjetischen Gelehrten Barssukov und Nemoshkalenko kamen zur Überzeugung, dass das Mondmetall dadurch extrem widerstandsfähig wurde, dass es über unvorstellbar lange Perioden von Zeit, Millionen und Abermillionen von Jahren, schutzlos der kosmischen Strahlung ausgesetzt war. Dr. Rostislaw S. Furduj: »Durch diese energetische Strahlung wurden jene Zentren im Metall, welche die Korrosion hervorrufen, zerstört. Das Mondeisen enthält gewisse Eigenschaften von Edelmetall.«

Die Wissenschaftler überprüften ihre Vermutung im Labor. Sie legten ein poliertes Eisenblättchen in eine Hochvakuumkammer und gravierten mit gebündelten Elektronenstrahlen geometrische Figuren hinein. Anschließend wurde das Plättchen wieder in normaler Atmosphäre dem Einfluss einer Säure ausgesetzt. Das Eisen wurde nun teils von der Säure beschädigt, zum Teil nicht. Eine genaue Untersuchung ergab, dass das Eisen dort, wo Elektronenstrahlen auf das Metall eingewirkt, Symbole eingraviert hatten, keinerlei Säureschäden zu erkennen waren.

Junger Mann umarmt die
eiserne Säule
Foto: W-J. Langbein
Dr. Rostislaw S. Furduj fragte nun, in wieweit diese Erkenntnis auf die berühmte Eisensäule von Delhi übertragen werden könne. Sie besteht nämlich keineswegs aus reinem Eisen, sondern enthält schwefel- und phosphorhaltige Beimengungen. Sie wurde also aus Eisen von eher minderer Qualität gefertigt ... und müsste deshalb rosten. Sollten also die alten Inder vor mindestens 1600 Jahren über ein Verfahren verfügt haben, das das Artefakt resistent gegen Rost machte? Den sowjetischen Wissenschaftlern war es gelungen, im Vakuum Eisen mit Elektronenstrahlen zu beschießen und so rostwiderstandsfähig zu machen. Dazu waren Wissen und modernste Geräte des 20. Jahrhunderts erforderlich. Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass die Wissenschaftler des Alten Indien mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln eine Vakuumkammer herstellen konnten, die groß genug war, um die ganze Säule aufzunehmen. Wie also machten sie das Eisen der Säule resistent gegen Rost?

Wissenschaftler des »Indian Institute of Technology Kanpur« bieten eine andere Lösung an. Demnach schützt eine Schicht aus Eisen, Sauerstoff und Wasserstoff die heilige Säule vor Rost. Beherrschten altindische Metallurgen die Kunst, so eine schützende Hülle zu erzeugen?

Rätselhaft, die Eisensäule Delhi
Foto: Sujit Kumar
Mein persönliches Fazit: Die berühmte Eisen-Säule von Delhi trotzt nach wie vor jedem Versuch einer Erklärung. Es gibt verschiedene Theorien, von denen keine wirklich gesichert und bewiesen ist! Auch Dr. Furduj sah sich genötigt, zu einer Hypothese zu greifen: »Offensichtlich muss die Metallurgie damals ein Niveau gehabt haben, das unserem heutigen Wissen überlegen war.« Um Skeptikern den Wind aus den Segeln zu nehmen:

Das uralte Wissen der »Alten Inder« muss keineswegs von Außerirdischen stammen. Ich darf zusammenfassen: Ein uns nach wie vor unbekanntes Verfahren wurde eingesetzt, um die eiserne Säule von Delhi vor Rost zu bewahren. Dieses Verfahren wurde keineswegs nur bei der »Wundersäule« von Delhi eingesetzt. Nicht rostendes Eisen kam beispielsweise auch beim Bau des indischen Tempels von Konarak zum Einsatz. Es wurden, der sowjetische Historiker I. Mozhejko weist daraufhin, verschiedene »Eisenbalken« verwendet und in die Gesamtkonstruktion integriert, die, so wie die Säule von Delhi, nicht rosten.

Wie alt diese Eisenteile sind, das ist nicht bekannt. Wir können allenfalls darüber mutmaßen, wann sie in sakralen Bauten verarbeitet, nicht aber wann sie hergestellt wurden. Solche Bauelemente wurden immer wieder verwendet. Wenn ein Tempel zu baufällig war, um restauriert zu werden, nutzte man Bauteile beim Nachfolgetempel.Mehrere »Balken« aus Eisen größeren Ausmaßes traten zum Vorschein, als die »Schwarze Pagode von Konarak« in sich zusammenbrach. Mindestens 29 »Eisenbalken« wurden gezählt. Die beiden längsten waren über zehn Meter lang. Wir wissen: Errichtet worden war das sakrale Bauwerk vermutlich 1240. So alt sind die »Eisenbalken« also mindestens!

Und noch einmal ...
die Eisensäule
Foto: Mark A. Wilson
Fazit der angesehenen Fachzeitschrift »Nature«: »Es erscheint als wahrscheinlich, dass viele eiserne Objekte in Indien existieren, deren Herstellungsdatum nicht festgestellt werden kann. Sie können sehr wohl uralt sein.« Mein ganz persönliches Fazit: Im alten Indien wurde eine geheimnisvolle Wissenschaft praktiziert, die vollkommen in Vergessenheit geraten ist.

Literatur:
Britton, S. C.: »Ancient Indian Iron«, Artikel in »Nature“« 134 (238-240 und 277-279/ 1934)Däniken, Erich von: »Erich von Däniken im Kreuzverhör«, Düsseldorf und Wien 1978
Runde, Ingo: »Die Säule von Delhi bleibt ein Rätsel« in Däniken, Erich von (Hrsg.):
»Kosmische Spuren«, München 1992
Furduj, Dr.Rostislaw: »Zur Metallsäule in Delhi - Ein neuer Wink« in Däniken, Erich von
(Hrsg.): »Kosmische Spuren«, München 1992


»Die Ashoka-Säule und der weise Regent«,
Teil 170 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein
erscheint am 21.04.2013


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