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Sonntag, 24. April 2016

327 »Der Dolch der Götter«

327 »Der Dolch der Götter«,
Teil 327 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Eines der Gesichter eines »Phurba«

Endlich hatte ich einen Entschluss gefasst. Ich würde mein Studium der evangelischen Theologie abbrechen. Und das – auch wenn das manchen Zeitgenossen absurd vorkommen mag – aus Respekt vor dem christlichen Glauben. Da ich zentrale Lehren der christlichen Religion evangelisch-lutherischen Gepräges nicht mehr nachvollziehen konnte, durfte ich einfach nicht eben diese Lehre von der Kanzel predigen. Ich konnte einfach nicht Priester sein. Denn der Gläubige muss sich darauf verlassen können, dass ihm der Geistliche nicht einfach nur schöne Geschichten erzählt. Nur ein wirklich gläubiger Priester ist ein glaubwürdiger Priester. Nur dann kann er helfen.

Meinen  Entschluss teile ich einem befreundeten Geistlichen mit, der seine kleine Gemeinde in einem

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kleinen Dörfchen im Oberfränkischen seelsorgerlich betreute. Nach Genuss »geistiger« Getränke erkundeten der Gottesmann und ich die »Unterwelt«. Ein Gang führte einst vom Pfarramt in die nahe gelegene dörfliche Kirche. Wer mochte wohl den Gang angelegt haben? Mein geistlicher Führer hatte eine interessante These parat.

In Deutschland und Österreich gab es einst hunderte, ja tausende von sogenannten »Schratzelgängen« oder »Schratzelhöhlen«. Weil sie extrem niedrig sind, man kann sich in ihnen in der Regel nur sehr gebückt oder gar nur kriechend fortbewegen, wurden sie einst den »Schratzeln«, also Zwergen, zugeschrieben. Wer sonst als Zwerge, so glaubte man, kann in dieser »Unterwelt« hausen?

Die Gänge sind oft der Regel 50 bis 60 Zentimeter »breit« und einen Meter bis 1,40 Meter »hoch«, manchmal deutlich niedriger. Verengungen machen ein Weiterkommen manchmal fast unmöglich. Wer an Platzangst leidet, sollte die Erkundung der Gänge anderen überlassen. Kriecht man schlangenartig durch so einen Gang, stößt man in der Regel irgendwann auf einen »Raum«, der etwas breiter und höher als der Gang selbst ist. Häufig ist so ein Raum mit »Sitzbänken« ausgestattet, die für normalgroße Menschen völlig ungeeignet sind. Zwerge könnten sich hier versammelt haben, unter der Erde. Probleme bereitet der Mangel an frischer Atemluft Zwergen wie normalwüchsigen Menschen.

Foto 4
Als »Lagerräume« sind die »Schratzelgänge«, auch »Erdställe« genannt, vollkommen ungeeignet. Selbst wenn die kleinen in die Gangsysteme integrierten »Räume« als Keller gedacht waren, warum hat man dann die Minitunnels zu diesen Räumen so angelegt, dass man meist auf allen Vieren oder gar auf dem Bauch kriechen muss, um ans Ziel zu kommen? Wollte man gar – zum Beispiel – einen Sack Kartoffeln aus so einem Schratzel-Raum holen, gestaltete sich das mehr als problematisch, weil man dabei nicht aufrecht gehen konnte.

Unklar ist auch, wann die ersten dieser Gänge angelegt wurden. Sie lassen sich nicht datieren. In einer »Schratzelhöhle« in Bad Zell (Oberösterreich) fanden sich Holzkohlereste, die auf die Zeit von 1030 n.Chr. bis 1210 n.Chr. datiert wurden. Ein »Erdstall« im bayrischen Höchermühle wurde auf Grund von Holzkohleresten auf die Zeit zwischen Ende des zehnten und Mitte des 11. Jahrhunderts angesetzt. Diese Funde lassen freilich keine Rückschlüsse auf die Entstehungszeit der Gänge zu. Sie verraten uns lediglich, dass vor rund einem Jahrtausend Menschen in der »Zwergen-Unterwelt« waren. Vielleicht um sie zu erkunden. Die Anlagen selbst können Jahrzehnte, Jahrhunderte oder Jahrtausende älter sein. Welchem Zweck mögen sie wirklich gedient haben?

Nach intensivem Quellenstudium bin ich zur Überzeugung gekommen, dass die Gänge im Zusammenhang mit religiösem Brauchtum standen. Fakt ist, dass die Zugänge zu dieser »Unterwelt« häufig im Bereich von Kirchen liegen, in direkter Umgebung von Kirchen oder unter Kirchen. Bekanntlich wurden christliche Kirchen häufig auf heidnische Kultstätten gebaut. Verschiedene »Erklärungen« sind mir bei meinen Recherchen begegnet. Der Heimatforscher Anton Haschner spekulierte, dass es sich bei den Räumchen, zu denen Schratzelgänge führen, um »Seelenkammern« handelte, in denen die Seelen von Verstorbenen auf das »Jüngste Gericht« warten mussten (oder durften?). Eine andere Theorie besagt, dass es sich nur um symbolische Gräber gehandelt habe. Wenn nomadisierende Bevölkerungsgruppen umherzogen, sich wieder einmal niederließen, legten sie dann zu Ehren der zurückgelassenen Toten symbolische Gräber an?

Foto 5
An Filme wie »Die Rückkehr der lebenden Leichen« erinnert mich eine andere These. Demnach sollten die Totengeister in den »Schratzelhöhlen« verbleiben und nicht die Menschen in Angst und Schrecken versetzen.

Mein geistlicher Führer, der mir die Tür zur Unterwelt unter seinem Pfarramt geöffnet hatte, spekulierte: Einst gab es einen heidnischen Kult, zu dem der mysteriöse unterirdische Gang gehörte. Pfarramt und Kirche wurden auf die Zugänge zu den Schratzelhöhlen gebaut, um sie für das Christentum in Beschlag zu nehmen. Man habe schließlich zu christlichen Zeiten den einstigen »Erdstall« ausgebaut, um ihn nutzen zu können: als praktischen unterirdischen Weg vom Pfarrhaus zur Kirche und retour.

Nun war »mein« Geistlicher nicht nur ein emsiger Erkunder unterirdischer Gänge aus unbekannten Zeiten. Er suchte auch im Gotteshaus selbst, grub unter dem Mittelgang nach »Schätzen«, und er wurde fündig. Er fand ein kurioses »Ding«, etwa dreißig Zentimeter lang, aus sehr dunklem, hartem Holz geschnitzt, schmal und spitz zulaufend. Viele Jahre später stieß ich in Indien auf ein ganz ähnliches Objekt. Es ist ein »Phurba«. Der »Phurba« erinnert an einen dreiseitigen Dolch, ein Dolch der Götter. Dreiseitig ist der Griff, dreiseitig ist die Klinge. Er kam und kommt im Himalaya zum Einsatz. Besonders in Tibet wird er als heiliges Attribut wichtiger Götter angesehen. Senkrecht stehend wird der »Phurba« als »Achse der Welt« verstanden. Den Griff des »Phurba« zieren gewöhnlich drei Gesichter. Eines strahlt freudigen Optimismus aus, eines wirkt wütend oder traurig und das dritte macht einen ausgeglichenen Eindruck. Die drei Gesichter im Griff des Götterdolchs lassen uns natürlich sofort an die »Heilige Dreifaltigkeit« des Christentums denken. Die Trinität des Christentums freilich ist sehr viel älter. So ist aus vorchristlichen Zeiten eine Vielzahl von Götter-Triaden bekannt.

Foto 6: Das freundeliche Gesicht eines »Phurba«

Göttinnen-Triaden gab es im Heidentum bis in christliche Zeiten hinein. Offensichtlich waren die drei Göttinnen so stark im Volksglauben verwurzelt, dass es selbst emsigsten Missionaren und Bekämpfern des Heidentums nicht gelungen ist, sie aus dem Bewusstsein der Menschen zu verbannen. So wurden die heidnischen Drei-Göttinnen einfach »christianisiert« und durften forthin mit dem Segen der Kirche verehrt werden, als die drei Bethen. Die drei Bethen waren die vorchristliche Form der christlichen Trinität, bestehend aus Gott-Vater, Gott-Sohn und Heiligem Geist. In der uralten einstigen Wehrkirche von Urschalling (am Chiemsee gelegen) ziert bis heute eine rätselhafte Darstellung der christlichen Dreifaltigkeit die Decke. Sie hat einen Unterleib, doch der Oberleib spaltet sich auf in zwei Männer und eine Frau. Klar zu erkennen sind Gott-Vater als alter Mann mit Rauschebart, Gott-Sohn Jesus als junger Mann und dazwischen der »Heilige Geist« als Frau. Eine rein weibliche Triade findet sich noch heute im altehrwürdigen Dom zu Worms.


Foto 7: Schlecht gelaunter »Phurba«

In Delhi erklärte mir ein Angestellter eines kleinen Museums: »Der ›Phurba‹ geht auf den Hering zurück, mit dem man Zelte fest verankerte. Er sicherte also das Zelt, das Zuhause, und schützte so vor den Unbilden der Natur. Ohne die Phurba-Verankerung konnte ein Sturm leicht ein Zelt davontragen, die Bewohner Wind und Wetter ausliefern!«



Foto 8
Foto 9
Empfehlenswerte Literatur zum komplexen Thema der »Schratzel-Höhlen« oder »Erdställe«:

Kusch, Heinrich und Ingrid: »Tore zur Unterwelt/ Das Geheimnis der unterirdischen Gänge aus uralter Zeit«, Graz 2009
Kusch, Heinrich und Ingrid: »Versiegelte Unterwelt/ Das Geheimnis der Jahrtausende alten Gänge…«, Graz 2014

Zu den Fotos:

Alle Fotos (1-9) zeigen einen hölzernen »Phurba« aus Tibet. Alle Fotos Walter-Jörg Langbein

328 »Vom Nabel der Welt ins All«,
Teil 328 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 01.05.2016


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Sonntag, 1. Februar 2015

263 »Phallus, Gott und Kirche…«

Teil 263 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1
Vor mehr als einem Jahrhundert bereiste Ernst von Hesse-Wartegg (1854-1918) die Erde und berichtete über »Die Wunder der Welt« (1). Er hatte die amerikanische Staatsbürgerschaft und war Konsul für Venezuela in der Schweiz. Seine abenteuerlichen Reisen führten den echten Weltenbummler auch nach Ägypten und Amerika, nach Zentralamerika und Asien. Mark Twain und Karl May nutzen seine Reiseberichte als Quellen.

Ernst von Hesse-Wartegg schreibt (2): »Der berühmteste Tempel der Hinduwelt indessen ist jener des fünfköpfigen Lingams von Paschpattinath, ein Labyrinth von Tempelhallen, Türmen, Pagoden und Kolonaden, alles von Gold und Silber strotzend. Viele  Tausende von büßenden Brahmanen unternehmen von Tibet her wie von der Südspitze von Indien die beschwerliche Reise nach Nepal, um aus der Hand des Radschguru, das heißt des brahmanischen Oberpriesters, heiliges Lingamwasser zu trinken.«

Foto 2
Ernst von Hesse-Wartegg berichtet (3) über die ganz besondere »Attraktion« von Paschpattinath (heute  gebräuchliche Schreibweise: Pashupatinath): »Die Lingamsäule steht in einer hohen Pagode mit doppeltem Dach, wie sie in Japan gebräuchlich sind. Diese Säule ist das einzig bekannte Idol der Hindureligion, in das an er Spitze fünf Gesichter Gottes eingemeißelt sind, nach den vier Weltgegenden sowie nach dem Himmel gerichtet, um so seine Allgegenwart zu versinnbildlichen.«

Mit dieser Erklärung konnte sich ein Theologieprofessor aus Erlangen ganz und gar nicht anfreunden. In einer teils heftigen Diskussion warf er mir wütend an den Kopf: »Sie wollen Christ sein? Dann distanzieren Sie sich von diesen sündhaften Kulten der Schamlosigkeit und des Verderbens! Es sind steinerne Versuchungen für den wankelmütigen Menschen. Entscheiden Sie sich zwischen Sittsamkeit und Zuchtlosigkeit!

Aber sind die steinernen Phalli wirklich Obszönitäten, wie der gelehrte Theologe evangelisch-lutherischen Glaubens meinte? Fakt ist: Die uralten »Phalli« gehörten im »Alten Indien« zu den heiligsten Symbolen. Sie gehören in den großen Komplex »Gott Shiva«. Shivas Symbol ist der Lingam, eine ganz besondere Säule! Eine uralte Überlieferung erklärt ihre wahre Bedeutung!

Im »Alten Indien« stritten sich einst die Götter, wer von ihnen denn der Höchste sei. Sie konnten sich nicht einigen. Da tauchte gerade noch rechtzeitig am Himmel eine riesige Feuersäule auf. Die war so riesig, dass selbst Gott Brahma nicht an ihr oberes Ende fliegen konnte. Und Gott Vishnu gelang es nicht,  bis zum unteren Ende vorzudringen. Das obere Ende ragte weit in den Himmel, das untere Ende weit in die unergründlichen Tiefen des Meeres. Das Lingam ist also die Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Meer und All.

Bei unserer Reise zu zahlreichen Tempeln Indiens begegneten uns immer wieder Lingam-Säulen. Der Ursprung des als heilig angesehenen Lingams ist unklar. Ursprünglich mag er ein »heiliger Stein« gewesen sein, der an Orten aufgestellt wurde, die für den Glauben besonders wichtig waren. Auf der Osterinsel zeigte mir ein Einheimischer in der Familienhöhle seiner Ahnen einen aus dem Vulkangestein heraus gemeißelten »Stab Gottes«. Angeblich sollte er in der nur Familienmitgliedern zugänglichen Höhle an die Allgegenwart des großen Gottes Make Make erinnern, der bei Tag und Nacht weiß, was seine Menschenkinder treiben.

Foto 3

Von der Osterinsel nach Südamerika… Chucuito, am Titicacasee gelegen, hat eine glanzvolle  und geheimnisvolle Vergangenheit. Es war einst eine Metropole der Inka und der Lupaca.  Auch die plündernden und mordenden Spanier wussten um die Bedeutung des uralten Ortes.

Auch unter spanischem Regiment änderte sich nichts,  Chucuito blieb die Hauptstadt der Region. Die katholischen Spanier brandschatzen und folterten, sie bauten aber auch imposante Kirchen im kleinen Fischerdorf Chucuito, zum Beispiel »Iglesia de Nuestra Senora de la Asuncion« und »Iglesia Santo Domingo«.

Im »Taypikala Hotel Lago« hielt mir abends an der kleinen Bar ein »Missionar« (so stellte er sich vor) nach einigen Gläsern »Johnny Walker Black Label« eine »Privatpredigt« über den Sündenpfuhl, das »Sodom und Gomorrha« von Chucuito. Gemeint ist damit der eher unscheinbar wirkende Tempel »Inka Uyu«. Das steinerne Geviert hat – ich habe selbst nachgemessen – eine Länge von zwanzig und eine Breite von zehn Metern. Selbst die Spanier wagten es nicht, die Anlage, die man leicht übersehen kann, abzureißen. Vermutlich sah ihnen die Kultstätte viel zu ärmlich aus, so dass sich eine Plünderung nicht zu lohnen schien. 

Foto 4

War die Anlage immer wieder umstritten, so wurde doch die Echtheit wissenschaftlich bewiesen. Marion und Harry Tschopik waren in den 1940er Jahren vor Ort, haben Ausgrabungen vorgenommen und vor allem auch die schützende Steinmauer untersucht. Sie kamen zum Ergebnis, dass es sich um eine »authentische alte Anlage« handelt. Allerdings ist sie einzigartig in ganz Südamerika, es gibt nichts Vergleichbares. Eine Spekulation sei mir erlaubt: Kamen die Erbauer von auswärts, vielleicht gar aus Indien?

Vor Ort habe ich immer wieder gehört, die mysteriöse Mauer um das »Lingam-Feld« sei von den Aymara errichtet worden. Die Herkunft des Aymara-Volks ist umstritten. Sie könnten Nachkommen der Hochkultur von Tiahuanaco sein, aber auch aus dem nördlichen Peru eingewandert sein. In der Sprache der Aymara, die auch heute noch von den meisten Menschen von Chucuito gebraucht wird, bedeutet »uyu/ uyo« Feld, in der Inka-Sprache Quechua hingegen Penis.

Foto 5

Unklar ist auch, ob die Lingams, die heute im Gemäuer wie Pilze aus dem Boden zu sprießen scheinen, wirklich alle von den Erbauern der Mauer so platziert wurden. Oder wurden einige bei Feld- und Straßenarbeiten gefunden und erst in neuerer Zeit ins Gemäuer gebracht? Wie dem auch sei: Rätselhaft ist die Vielzahl steinerner Lingams, einzigartig in ganz Südamerika! Und: Experten vor Ort haben die Lingams untersucht. Sie sind zweifelsohne sehr alt und wurden aus Material fabriziert, das aus nahe gelegenen Steinbrüchen stammt.

Foto 6

Direkt an der Mauer um den Lingam-Bezirk von Chucuito entdeckte ich seltsam Bauteile aus Stein, die – so eruierte ich vor Ort – bei Ausgrabungen im Tempelareal gefunden wurden. Die Steinteile sehen aus, als seien sie vor Ewigkeiten gegossen worden, als haben Wind und Wetter die einst scharfen Kanten gebrochen. Ob sie einst Teile des Tempels waren? Wenn ja, welche Funktion hatten sie? Eines erinnert an ein Tor, eines an einen Vogel.

Foto 7

Archäologie-Professor Edmundo de la Vega, »Universidad Nacional del Altiplano«, Puno: »Im Moment hat niemand eine Antwort, es gibt nur Spekulation!«

Was mir sofort aufgefallen ist: »Inka Uyu« könnte genauso ein von Hindus errichteter Tempel sein, finden sich doch im Gemäuer eingeschlossen eine Vielzahl von Lingams, die genauso gut in einer Pagode irgendwo in Indien stehen könnten. Im Tempelchen von Chucuito würde sich ein frommer Hindu ebenso in Gottesnähe fühlen wie ein Inka irgendwo in Indien.

Foto 8
 Und wenn wir unvoreingenommen sind, dann ähneln sich der biblische Gott und Shiva sehr. Beide erschienen in einer Feuersäule, beide gelten als allgegenwärtig, allwissend und als Höchster der Hohen! Und der biblische Gott ist wie Shiva Teil einer Götter-Triade. Im Christentum sind es Gottvater, Sohn und Heiliger Geist, im Hinduismus Brahma, Vishnu und Shiva.

Literatur
(1) Hesse-Wartegg, Ernst von: Die Wunder der Welt«, Stuttgart, Berlin, Leipzig 1912/1913
(2) ebenda, Band I, S. 282
(3) ebenda




Foto 9

 Anmerkungen zu den Fotos

Foto 1: Buchrücken von »Die Wunder der Welt«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Anlage von Pashupatinath. Foto wiki commons Leon Petrosyan
Foto 3: Autor Walter-Jörg Langbein im Tempelgemäuer von Chucuito.
Foto Ingeborg Diekmann.
Foto 4: Phalli wie Pilze, Chucuito. Foto wiki commons Leon Petrosyan
Foto 5: Lingam von Parasurameswar. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Bauteil an der Tempelwand von Chucuito. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Bauteil an der Tempelwand von Chucuito. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Gott Shiva von Halebid. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Cover von »Die Wunder der Welt« von Ernst von Hesse-Wartegg


264 »Begegnung im Urwald«,
Teil 264 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«,
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 8.2.2015


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Sonntag, 19. Januar 2014

209 »Die Straße der Sphingen«


Teil 209 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         

von Walter-Jörg Langbein



Der Sphinx von Gizeh um 1900.
Foto: Archiv W-J.Langbein
Abu Ja´far al-Idrisi (1173-1251)  war einer der ersten Forscher, die die Geheimnisse der Pyramiden vom Gizeh-Plateau zu ergründen versuchten. Nach intensivem Quellenstudium kam er zum Ergebnis, dass die heute nach Cheops benannte Pyramide sehr viel älter als gemeinhin angenommen sei. Sie soll »vor der Sintflut« gebaut worden sein. Diese fantastisch anmutende Behauptung wird vom Historiker al Makrizi (1364-1442) bestätigt: Demnach baute König Saurid vor der großen Flut Pyramiden als Tresore für uraltes fantastisches Wissen.

Glaubt man al Makrizi, dann harren in den Pyramiden bis heute unentdeckte Räume voller kostbarer Schätze des Wissens auf mutige Forscher. Unter jeder Pyramide soll sich in einem unterirdischen Raum eine Art Roboter befinden, der die Kammern des Wissens bewacht. Altarabisches Märchen oder wahre Überlieferung?

Im Verlauf der letzten tausend Jahre lockten die Pyramiden des Gizeh-Plateaus immer wieder  Laien wie Wissenschaftler an. Ihre Erkenntnisse werden bis heute ignoriert. Abu Ja´far al-Idrisis Werk erschien erst 1989 unter dem Titel »Buch von den Lichtern der oberen Himmelskörper«. Fazits gibt eine schier unüberschaubare Flut uralten Wissens, das bis heute verborgen blieb. Warum wurden diese Schätze bis heute nicht entdeckt? Wurde nicht gesucht, weil die alten Überlieferungen als unglaubwürdige Fantastereien abgetan werden?

Ich habe vor Ort den Eindruck gewonnen, dass sehr wohl immer wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit zum Teil mit brachialer Gewalt versucht wird, in den Pyramiden Zugänge zu versteckten Kammern ausfindig zu machen.

Stolz überstand der Sphinx Jahrtausende...
Foto: Walter-Jörg Langbein
Thomas Shaw (1694-1751), Reisender, Naturforscher und Theologe, setzte sich auch mit der »Cheops-Pyramide« auseinander. Es gebe eine fantastische Unterwelt unter dem Plateau von Gizeh, geheime Kammern, aber auch Gänge, die die drei großen Pyramiden miteinander verbinden. Unterirdisch könne man von der »Cheops-Pyramide« zum Sphinx gelangen.
Denken wir an Ägypten, kommt uns die »Cheops-Pyramide« in den Sinn... und die Sphinx. Die – eigentlich der Sphinx – ist uns als eine Art Symbol für das Mysteriöse, für das Rätselhafte, bekannt. Wie kam das Fabeltier zu diesem Ruf? In der griechischen Mythologie begegnet uns eine weibliche Sphinx als Hüterin des Mysteriösen. Die Sphinx – Tochter des Typhon und der Echidna – ist ein Mischwesen. Auf dem Rumpf einer mächtigen Löwin sitzt ein  Mädchenkopf.

Die Sphinx überwacht von einem steilen Felsen bei Theben aus die Menschen. Wer in ihre Nähe kommt, muss ein Rätsel lösen. Gelingt ihm das, darf er weiterleben. Weiß er keine Antwort, wird er von der wütenden Sphinx (griechisch für »Würgerin«) umgebracht und verschlungen.

Das Rätsel der Sphinx: »Was geht am Morgen auf vier Füßen, am Mittag auf zweien und am Abend auf dreien?« Der griechischen Mythologie zufolge wusste als erster Mensch Ödipus die Antwort: der Mensch. Als Baby krabbelt er auf allen Vieren, als Erwachsener geht er auf zwei Beinen und im Alter ist er auf einen Stock als drittes Bein angewiesen.
 
Sphingen vor dem Karnak-Tempel (»Eingang«) Foto: Ingeborg Diekmann, Bremen.
 
Ist die Sphinx Hüterin uralten Wissens? Wo mag es versteckt worden sein? Bei Herder (1744-1803) lesen wir (1): »Das Schicksal selbst aber sandte … ein Symbol von der ältesten Art, den Sphynx, das Bild verborgner Weisheit.« Eine meiner Studienreisen führte mich in den Bundesstaat Tamil Nadu.  Dort, an der Südostküste Indiens gelegen, entstanden unzählige Tempel aus Stein und das größte Steinrelief der Welt. Es zeigt überirdische Gottheiten, die über den kosmischen Fluss zur Erde gelangen.  Ein Bettelmönch beobachtete mich beim Fotografieren des gewaltigen Steinreliefs von Mahabalipuram und erklärte mir lächelnd: »Sie fotografieren nur die äußere Form, nicht aber das innere Wahre!«

Der fromme Man, der seit Jahrzehnten die altindischen Texte studierte, verwies mich auf »verborgenes Wissen im Stein«. »Wissen«, so erklärte er mir auf meine Nachfrage, »lässt sich in Stein verewigen wie Informationen auf einer CD.« Ewige Schwingungen seien »im Stein« verborgen und könnten auch noch nach Jahrtausenden abgerufen werden, während CDs womöglich schon nach Jahrzehnten verstummen.

»Wissen ist im Stein der Sphinx verborgen?«, fragte ich nach. »Das Größte ist im Kleinen, im Elektron!«  Der Nuklearphysiker und  Philosoph Jean Émile  Charon (2) (1920 -1998)   hat bewiesen,
dass das Elektron – verkürzt ausgedrückt – Informationen in sich aufsaugt wie ein »Schwarzes Loch« Materie. Soll das heißen, dass die Sphinx uraltes Wissen in sich gespeichert hat und bereit hält? Werden wir je dazu in der Lage sein, das verborgene Wissen der Sphinx abzurufen, wie die auf einer CD gespeicherten Informationen? Was wird uns die Sphinx zu erzählen haben?

Sphinx unter Palmen.
Foto Walter-Jörg Langbein
Die Sphinx? Oder richtiger, eigentlich, der Sphinx? Ägypten ist das Land der Pyramiden und der Sphingen. Allerdings gab es einst im Land am Nil sehr viel mehr Sphingen als Pyramiden. Vor dreieinhalb Jahrtausenden verband eine Prachtstraße die Tempel von Karnak und Luxor miteinander. 2700 Meter war sie lang und 76 Meter breit. Pharao Amenhotep III., heißt es, hat sie bauen lassen. Was diese wahrlich breite Straße allerdings zur Prachtstraße machte, das sind unzählige Sphinx-Statuen, die die Verbindungsstraße zwischen den Tempeln säumten! Wie viele mögen es einst gewesen sein? Man vermutet: mehr als 1350. Intensive Ausgrabungen förderten immerhin 650 Sphingen – zumindest in kleinen Teilen – zutage. Von einem »Geheimprojekt« habe ich aus gewöhnlich gut informierter Quelle erhalten: Man wolle die Sphinxallee wieder in altem Glanz erstehen lassen. Der damalige Staatspräsident Ägyptens, Husni Mubarak, sollte bereits vor Jahren die uralte Straße der Sphingen neu eröffnen.

Was mag noch im Wüstensand verborgen sein? Weitere Ausgrabungen würden womöglich weitere Fragmente von Sphingen ans Tageslicht bringen. Man wolle so viele Sphinxfragmente finden we nur möglich und ergänzen.. und so Millionen von Touristen ins Land locken. Von diesem – in Archäologenkreisen mehr als umstrittenen – Projekt habe ich vor Jahren erfahren. Es wurde bis heute nicht in die Tat umgesetzt, allein schon wegen der fehlenden Millionen, die erforderlich wären.

Wer wurde da als Sphinx verewigt?
Foto: Walter-Jörg Langbein

Plausible Gründe sprechen gegen die »Wiederherstellung« der Straße der Sphingen: Horrende Kosten wären aufzubringen, wollte man weitere Ausgrabungen durchführen, »vollständige« Sphingen restaurieren und bruchstückhaft erhaltene Sphingen rekonstruieren. Die neu erstandene Straße der Sphingen müsste bewacht werden, vor Plünderern und religiösen Fanatikern. Religiöse Extremisten könnten sehr wohl figürliche Darstellungen wie die Sphingen sprengen wollen! Das Risiko ist unkalkulierbar. Die Situation in Ägypten ist alles andere als stabil!

Ich erinnere mich an die Tempelanlage von Karnak, die als die größte Ägyptens gilt. Massive Monstermauern haben einst die ineinander verschachtelten Bauten geschützt. Über viele Jahrhunderte wurde immer wieder altes Mauerwerk abgerissen und neues errichtet. Das alte Material wurde wieder verbaut.

Angebetet wurde in einem Teil des Komplexes die »Triade von Theben« (»Dreifaltigkeit von Theben«): Gott Amun, seine Gattin Mut und Sohn Chons. Vater Amun  war der mächtige Sonnengott, Mutter Mut war die imposante Himmelsgöttin und Sohn Chons ein Mondgott. Erinnert uns diese Triade nicht an die Dreifaltigkeit des Christentums? Im Katholizismus wird die Mutter des göttlichen Jesu immer mehr zur Himmelskönigin verklärt.

Jede(r) Sphinx trägt individuelle Züge. Foto W-J.Langbein

Die Riesenanlage von Karnak mutet bombastisch an... geheimnisvoll-mysteriös aber ist die Widder-Sphingen am Eingang zum Karnak-Tempel. Der Widder symbolisierte im Alten Ägypten die vier großen kosmischen Mächte. Ob sie bis heute nicht »lesbare« Informationen zu bieten haben, die weit über die in Lehrbüchern beschriebene Symbolik hinausgehen?

Führt die Straße der Sphingen zu den verborgenen Geheimnissen des »Alten Ägypten«?



Fußnoten


Griechische Sphinx, etwa 550 v. Chr.,
Kerameikos-Museum, Athen, wikicommons
Foto: Μαρσύας
1) Johann Gottfried Herder: »Der Sphinx/ Eine Erd- und Menschengeschichte«, keine weiteren Angaben

2) Siehe hierzu...

Capra, Fritjof: Das Tao der Physik/ Die Konvergenz von westlicher Wissenschaft und östlicher Philosophie, Neuausgabe, Bern, München, Wien,1984

Capra, Fritjof: Wendezeit/ Bausteine für ein neues Weltbild, Bern, München, Wien, 3. Auflage 1983

Charon, Jean E.: Der Geist der Materie, Wien und Hamburg 1979


»Die Monstermauer von Peru«,
Teil 210 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien« 
von WalterJörgLangbein,                                                                                               erscheint am 26.01.2014




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