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Sonntag, 1. Februar 2015

263 »Phallus, Gott und Kirche…«

Teil 263 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1
Vor mehr als einem Jahrhundert bereiste Ernst von Hesse-Wartegg (1854-1918) die Erde und berichtete über »Die Wunder der Welt« (1). Er hatte die amerikanische Staatsbürgerschaft und war Konsul für Venezuela in der Schweiz. Seine abenteuerlichen Reisen führten den echten Weltenbummler auch nach Ägypten und Amerika, nach Zentralamerika und Asien. Mark Twain und Karl May nutzen seine Reiseberichte als Quellen.

Ernst von Hesse-Wartegg schreibt (2): »Der berühmteste Tempel der Hinduwelt indessen ist jener des fünfköpfigen Lingams von Paschpattinath, ein Labyrinth von Tempelhallen, Türmen, Pagoden und Kolonaden, alles von Gold und Silber strotzend. Viele  Tausende von büßenden Brahmanen unternehmen von Tibet her wie von der Südspitze von Indien die beschwerliche Reise nach Nepal, um aus der Hand des Radschguru, das heißt des brahmanischen Oberpriesters, heiliges Lingamwasser zu trinken.«

Foto 2
Ernst von Hesse-Wartegg berichtet (3) über die ganz besondere »Attraktion« von Paschpattinath (heute  gebräuchliche Schreibweise: Pashupatinath): »Die Lingamsäule steht in einer hohen Pagode mit doppeltem Dach, wie sie in Japan gebräuchlich sind. Diese Säule ist das einzig bekannte Idol der Hindureligion, in das an er Spitze fünf Gesichter Gottes eingemeißelt sind, nach den vier Weltgegenden sowie nach dem Himmel gerichtet, um so seine Allgegenwart zu versinnbildlichen.«

Mit dieser Erklärung konnte sich ein Theologieprofessor aus Erlangen ganz und gar nicht anfreunden. In einer teils heftigen Diskussion warf er mir wütend an den Kopf: »Sie wollen Christ sein? Dann distanzieren Sie sich von diesen sündhaften Kulten der Schamlosigkeit und des Verderbens! Es sind steinerne Versuchungen für den wankelmütigen Menschen. Entscheiden Sie sich zwischen Sittsamkeit und Zuchtlosigkeit!

Aber sind die steinernen Phalli wirklich Obszönitäten, wie der gelehrte Theologe evangelisch-lutherischen Glaubens meinte? Fakt ist: Die uralten »Phalli« gehörten im »Alten Indien« zu den heiligsten Symbolen. Sie gehören in den großen Komplex »Gott Shiva«. Shivas Symbol ist der Lingam, eine ganz besondere Säule! Eine uralte Überlieferung erklärt ihre wahre Bedeutung!

Im »Alten Indien« stritten sich einst die Götter, wer von ihnen denn der Höchste sei. Sie konnten sich nicht einigen. Da tauchte gerade noch rechtzeitig am Himmel eine riesige Feuersäule auf. Die war so riesig, dass selbst Gott Brahma nicht an ihr oberes Ende fliegen konnte. Und Gott Vishnu gelang es nicht,  bis zum unteren Ende vorzudringen. Das obere Ende ragte weit in den Himmel, das untere Ende weit in die unergründlichen Tiefen des Meeres. Das Lingam ist also die Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Meer und All.

Bei unserer Reise zu zahlreichen Tempeln Indiens begegneten uns immer wieder Lingam-Säulen. Der Ursprung des als heilig angesehenen Lingams ist unklar. Ursprünglich mag er ein »heiliger Stein« gewesen sein, der an Orten aufgestellt wurde, die für den Glauben besonders wichtig waren. Auf der Osterinsel zeigte mir ein Einheimischer in der Familienhöhle seiner Ahnen einen aus dem Vulkangestein heraus gemeißelten »Stab Gottes«. Angeblich sollte er in der nur Familienmitgliedern zugänglichen Höhle an die Allgegenwart des großen Gottes Make Make erinnern, der bei Tag und Nacht weiß, was seine Menschenkinder treiben.

Foto 3

Von der Osterinsel nach Südamerika… Chucuito, am Titicacasee gelegen, hat eine glanzvolle  und geheimnisvolle Vergangenheit. Es war einst eine Metropole der Inka und der Lupaca.  Auch die plündernden und mordenden Spanier wussten um die Bedeutung des uralten Ortes.

Auch unter spanischem Regiment änderte sich nichts,  Chucuito blieb die Hauptstadt der Region. Die katholischen Spanier brandschatzen und folterten, sie bauten aber auch imposante Kirchen im kleinen Fischerdorf Chucuito, zum Beispiel »Iglesia de Nuestra Senora de la Asuncion« und »Iglesia Santo Domingo«.

Im »Taypikala Hotel Lago« hielt mir abends an der kleinen Bar ein »Missionar« (so stellte er sich vor) nach einigen Gläsern »Johnny Walker Black Label« eine »Privatpredigt« über den Sündenpfuhl, das »Sodom und Gomorrha« von Chucuito. Gemeint ist damit der eher unscheinbar wirkende Tempel »Inka Uyu«. Das steinerne Geviert hat – ich habe selbst nachgemessen – eine Länge von zwanzig und eine Breite von zehn Metern. Selbst die Spanier wagten es nicht, die Anlage, die man leicht übersehen kann, abzureißen. Vermutlich sah ihnen die Kultstätte viel zu ärmlich aus, so dass sich eine Plünderung nicht zu lohnen schien. 

Foto 4

War die Anlage immer wieder umstritten, so wurde doch die Echtheit wissenschaftlich bewiesen. Marion und Harry Tschopik waren in den 1940er Jahren vor Ort, haben Ausgrabungen vorgenommen und vor allem auch die schützende Steinmauer untersucht. Sie kamen zum Ergebnis, dass es sich um eine »authentische alte Anlage« handelt. Allerdings ist sie einzigartig in ganz Südamerika, es gibt nichts Vergleichbares. Eine Spekulation sei mir erlaubt: Kamen die Erbauer von auswärts, vielleicht gar aus Indien?

Vor Ort habe ich immer wieder gehört, die mysteriöse Mauer um das »Lingam-Feld« sei von den Aymara errichtet worden. Die Herkunft des Aymara-Volks ist umstritten. Sie könnten Nachkommen der Hochkultur von Tiahuanaco sein, aber auch aus dem nördlichen Peru eingewandert sein. In der Sprache der Aymara, die auch heute noch von den meisten Menschen von Chucuito gebraucht wird, bedeutet »uyu/ uyo« Feld, in der Inka-Sprache Quechua hingegen Penis.

Foto 5

Unklar ist auch, ob die Lingams, die heute im Gemäuer wie Pilze aus dem Boden zu sprießen scheinen, wirklich alle von den Erbauern der Mauer so platziert wurden. Oder wurden einige bei Feld- und Straßenarbeiten gefunden und erst in neuerer Zeit ins Gemäuer gebracht? Wie dem auch sei: Rätselhaft ist die Vielzahl steinerner Lingams, einzigartig in ganz Südamerika! Und: Experten vor Ort haben die Lingams untersucht. Sie sind zweifelsohne sehr alt und wurden aus Material fabriziert, das aus nahe gelegenen Steinbrüchen stammt.

Foto 6

Direkt an der Mauer um den Lingam-Bezirk von Chucuito entdeckte ich seltsam Bauteile aus Stein, die – so eruierte ich vor Ort – bei Ausgrabungen im Tempelareal gefunden wurden. Die Steinteile sehen aus, als seien sie vor Ewigkeiten gegossen worden, als haben Wind und Wetter die einst scharfen Kanten gebrochen. Ob sie einst Teile des Tempels waren? Wenn ja, welche Funktion hatten sie? Eines erinnert an ein Tor, eines an einen Vogel.

Foto 7

Archäologie-Professor Edmundo de la Vega, »Universidad Nacional del Altiplano«, Puno: »Im Moment hat niemand eine Antwort, es gibt nur Spekulation!«

Was mir sofort aufgefallen ist: »Inka Uyu« könnte genauso ein von Hindus errichteter Tempel sein, finden sich doch im Gemäuer eingeschlossen eine Vielzahl von Lingams, die genauso gut in einer Pagode irgendwo in Indien stehen könnten. Im Tempelchen von Chucuito würde sich ein frommer Hindu ebenso in Gottesnähe fühlen wie ein Inka irgendwo in Indien.

Foto 8
 Und wenn wir unvoreingenommen sind, dann ähneln sich der biblische Gott und Shiva sehr. Beide erschienen in einer Feuersäule, beide gelten als allgegenwärtig, allwissend und als Höchster der Hohen! Und der biblische Gott ist wie Shiva Teil einer Götter-Triade. Im Christentum sind es Gottvater, Sohn und Heiliger Geist, im Hinduismus Brahma, Vishnu und Shiva.

Literatur
(1) Hesse-Wartegg, Ernst von: Die Wunder der Welt«, Stuttgart, Berlin, Leipzig 1912/1913
(2) ebenda, Band I, S. 282
(3) ebenda




Foto 9

 Anmerkungen zu den Fotos

Foto 1: Buchrücken von »Die Wunder der Welt«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Anlage von Pashupatinath. Foto wiki commons Leon Petrosyan
Foto 3: Autor Walter-Jörg Langbein im Tempelgemäuer von Chucuito.
Foto Ingeborg Diekmann.
Foto 4: Phalli wie Pilze, Chucuito. Foto wiki commons Leon Petrosyan
Foto 5: Lingam von Parasurameswar. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Bauteil an der Tempelwand von Chucuito. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Bauteil an der Tempelwand von Chucuito. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Gott Shiva von Halebid. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Cover von »Die Wunder der Welt« von Ernst von Hesse-Wartegg


264 »Begegnung im Urwald«,
Teil 264 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«,
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 8.2.2015


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Sonntag, 16. Februar 2014

213 »Phallus und Göttin«

Teil 213 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Landkarte mit Hinweis auf Chucuito
(wiki commons/ gemeinfrei)




Von Puno bis Chucuito sind es nur 18 Kilometer. Ich legte die kurze Strecke in einem Taxi zurück. Die Fahrt war atemberaubend, weniger wegen der schönen Landschaft, sondern wegen des Fahrstils meines Chauffeurs. Der versuchte offenbar, einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen. Der Mann könnte ohne Probleme gefährliche Stunts in einem Film übernehmen. Meine Empfehlung: Entweder mit dem Bus fahren, das schont Nerven und ist sehr viel sicherer. Oder man bietet dem Taxifahrer den doppelten Fahrpreis an, wenn er auf riskante Manöver verzichtet ...

Chucuito, am Titicacasee gelegen, hat eine glanzvolle Vergangenheit. Es war einst eine Metropole der Inka und der Lupaca.  Auch die Spanier maßen dem uralten Ort große Bedeutung zu. Chucuito blieb die Hauptstadt der Region. Die Spanier bauten imposante Kirchen im kleinen Fischerdorf: »Iglesia de Nuestra Senora de la Asuncion« und »Iglesia Santo Domingo«. Wer auch immer in den Gotteshäusern predigt, wettert gewöhnlich gegen das »Sodom und Gomorrha« von Chucuito ...

(Die Maria von Chucuito. Foto Wiki commons, Foto Leon Petrosyan)


Der Stein des Anstoßes ist eher unscheinbar, heute zumindest ... »Inca Uyo«. Leicht übersieht man die Mauer aus glatt polierten Steinen. Das steinerne Geviert hat – ich habe selbst ein Maßband angelegt – eine Länge von zwanzig und eine Breite von zehn Metern. Und doch muss dieses kleine Mauerwerk vor rund einem halben Jahrtausend für Nachkommen der Inkas und Lupacas immer noch so wichtig gewesen sein, dass die Spanier es nicht abzureißen wagten.

(Der Verfasser wird von jungen Verkäufern bestürmt.
Foto Ingeborg Diekmann)

Ich erinnere mich an meinen Besuch im »Inca Uyo«-Tempel. Zwei kleine Kinder boten mir und meinen Begleitern kleine gestrickte Fingerpuppen an. Zunächst wollten sie pro Fingerpuppe einen Dollar kassieren. Ich zögerte, und schon sank der Preis auf die Hälfte. Ich zückte schon meinen Geldbeutel, um einige der kleinen innig fein gestrickten Minitierchen zu  erwerben, da strömten schon die nächsten kleinen Händler ins Tempelareal. Sie boten zehn Püppchen für einen Dollar. Der Preis erschien mir als zu niedrig für die wirklich schönen kleinen Kunstwerke aus bunter Wolle. Also machte ich ein Angebt: Fünf Minifingerpüppchen für zwei Dollar.

Kaum stand mein Angebot, war ich von Kindern unterschiedlichster Größe umringt, die mir alle schreiend und lachend ihre Ware anboten ... Fingerpüppchen in Gestalt von Löwen, Schildkröten, Hühnern, Affen, Pferden. Ich glaube, ich habe die Produktion von Wochen, wenn nicht gar Monaten aufgekauft ... Der Handel blühte an jenem Tag im Areal des »Inca Uyo«-Tempels. Warum wird der kleine »Hof« im Mauerwerk von der christlichen Geistlichkeit als ein »Sodom und Gomorrha« verabscheut? Es sind die Phallusse unterschiedlicher Größen, die wie Steinpilze aus dem Boden wachsen.

(Phallusse in allen Größen ...
Foto: Walter-Jörg Langbein)
»Diese unzüchtigen Steine müssen zerschlagen werden!«, hatte ein Professor vom Fachbereich »Altes Testament« gewettert, als wir bei meinen Vorbereitungen für den Besuch in Chucuito auf den geheimnisvollen »Inka-Tempel« zu sprechen kamen. »Dort wird das männliche Genital in unziemlicher Weise dargestellt! Zerschlagen müsste man diese Obszönitäten!« Rechts und links vom schmalen Eingang des Mauerwerks steht je ein steinerner Phallus. Mich erinnern sie an die beiden Säulen »Jachin« und »Boas« am Eingangstor zum Tempel von Jerusalem (1).

Aber sind die steinernen Phalli wirklich Obszönitäten, wie der gelehrte Theologe evangelisch-lutherischen Glaubens meinte? Die vielleicht ältesten »Phalli« gehörten im »Alten Indien« zu den heiligsten Symbolen. Eine uralte Überlieferung erklärt ihre wahre Bedeutung:

Im »Alten Indien« stritten sich einst die Götter, wer von ihnen denn der Höchste sei. Sie konnten sich nicht einigen. Da tauchte gerade noch rechtzeitig am Himmel eine riesige Feuersäule auf. Die war so riesig, dass selbst Gott Brahma nicht an ihr oberes Ende fliegen konnte. Und Gott Vishnu gelang es nicht,  bis zum unteren Ende vorzudringen. Das obere Ende ragte weit in den Himmel, das untere Ende weit in die unergründlichen Tiefen des Meeres.

Schließlich öffnete sich die Feuersäule ... und in ihr erschien Gott Shiva, der Höchste aller Götter. Die Feuersäule Shivas, so heißt es, war die Urform des altindischen Linga(m). Bis heute wird er in Stein und Holz nachgebildet und nach wie vor vordergründig sexistisch missverstanden. Dabei kennen wir Gott Shiva unter anderem Namen aus dem »Alten Testament« ....

Auch wenn es bibelfromme Christen abstreiten, so kennen wir Shivas »Lingam« aus der Bibel. Gott Shiva erschien in der Feuersäule, der biblische Gott Jahwe erschien in der Feuersäule (2): »Und Jahwe zog vor ihnen her … des Nachts in einer Feuersäule.« Wie sich doch die Bilder gleichen!


(Foto: Walter-Jörg Langbein. Aufgenommen in Konarak, Indien)

Scheinbar »erotische« Darstellungen in alten indischen Tempeln wurden von Missionaren vor Jahrhunderten als »sündhaft unsittlich« gesehen. Es gab Überlegungen, die Kunstwerke zu zerstören, was aber zum Glück unterblieb. Wenn sich Göttinnen und Götter vereinen, steht dies für etwas Heiliges. Es geht nicht um akrobatischen Sex, sondern um das Miteinander der Kräfte, um den ewigen Kreislauf des Lebens.

Betrachtet man die »Phalli« von Chucuito genauer, so stellt man fest, dass es zwei »Modelle« gibt. Die einen stehen in steinerner Pracht da. Die anderen wurden mit der Spitze nach unten eingegraben. Warum? Die Spitze der einen weist ins Erdinnere, ins Reich der Pacha Mama. Die Spitze der anderen verbindet die Erde mit dem himmlischen Reich des Sonnengottes Inti. Wie sich doch die Bilder gleichen! Der Linga(m) Shivas reichte aus den Tiefen des Meeres in den Himmel. Die »Phalli« von Chucuito verbinden das Reich der Muttergöttin mit den Gefilden des männlichen Sonnengottes!

Im »Heiligen Land« der Bibel war Jahwe keineswegs immer der einsame, alleinige Gott. Ihm zur Seite stand eine Göttin aus vorbiblischen Zeiten, Ascherah genannt. Über viele Jahrhunderte war die Göttin im Allerheiligsten des Tempels präsent. Je mehr Anerkennung Jahwe im Verlauf der Jahrhunderte als der Gott des »Heiligen Landes« zuteil wurde, desto heftiger wurde Göttin Ascherah bekämpft. So lesen wir im 5. Buch Mose (3): »Du sollst dir keinen Holzpfahl als Ascherahbild errichten bei dem Altar Jahwes.«

Barbara Walker bringt es in ihrem viel beachteten Lexikon auf den Punkt (4): »Eine Zeit lang akzeptierte Ascherah den semitischen Gott El als ihren Geliebten. Sie war die Himmelskuh, er der Stier.« El war, was gern verdrängt wird, einer der vielen Beinamen des biblischen Jahwe. Kurios: Während sonst die »Säule« Symbol des männlichen Gottes ist, steht im Allerheiligsten von Jahwes Tempel der »Pfahl« für die Göttin.

Ascherah war dem bekanntesten Bibelübersetzer Martin Luther ein Dorn im Auge, so dass er den Namen »Ascherah« aus der Bibel verschwinden ließ. In den meisten neueren Übersetzungen aber ist Ascherah wieder an die Seite Jahwes zurück gekehrt. (5)

(Einige der Phallusse im Tempel.
Foto Leon Petrosyan. Wiki commons, gemeinfrei)

Inzwischen weiß man, dass die Mauern von Chucuito astronomische Bedeutung hatten.Verbindet man die beiden gegenüberliegenden Ecken mit dem schmalen Eingang im Steingeviert, dann bilden eben diese beiden gegenüberliegenden Ecken mit dem Eingang den exakten Schnittpunkt der Nord-Süd und Ost-West-Achse. Deshalb wird vermutet, dass »Inca Uyo« zur astronomischen Beobachtung diente (6).

20 mal 10 Meter misst das Mauergeviert von Chucuito. War es einst Teil eines weitaus größeren Komplexes? Ein Archäologe erklärte mir vor Ort, der »Phallus-Tempel« sei das zentrale Kernstück einer sakral-astronomischen Anlage gewesen. Man habe Sonne, Mond und Sterne beobachtet, wie die Mayas auf ihren Pyramiden und die Wissenden Indiens. Wie auch immer: Mit schmuddeligem Sex hat Chucuito ebenso wenig zu tun wie Shivas Linga(m) und Jahwes »Feuersäule«. Es geht um die Verbindung zwischen unten und oben, zwischen Himmel und Erde. Von einem »Fruchtbarkeitskult« ist immer wieder die Rede, wenn es um Chucuito geht.

Schon die ersten Missionare erkannten, wie wichtig den Menschen der Anden die »Heilige Mutter« war. Sie setzten Maria mit der alten Göttin gleich, was von den Inkas und ihren Nachfahren akzeptiert wurde. Was die Menschen – nicht nur in Peru – nicht verstanden, das war das Verbot, auch weiterhin zu Pacha Mama zu beten, ihr weiter zu huldigen. Dieses häufig mit grausamer Gewalt propagierte Verbot wurde nur oberflächlich befolgt.

Maria von Guadalupe.
Foto W-J.Langbein
Sowohl bei den Mayas als auch bei den Inkas ersetzte nach der Christianisierung Maria heidnische Göttinnen. Eines der wichtigsten Marienheiligtümer der Welt finden wir in Guadalupe, Mexico. Wo heute öffentlich Maria verehrt wird, wird auch heute noch zur Aztekengöttin Tonantzin gebetet. Und aus Pacha Mama wurde offiziell Maria, auch wenn heute noch Pacha Mama verehrt wird, gleichberechtigt mit Maria.

Pacha Mama war die personifizierte Mutter Erde, ihr Name lässt sich mit »Mutter Welt«, auch »Mutter Kosmos« übersetzen. War? 2008 wurde Pacha Mama in die Verfassung Ecuadors aufgenommen, als Prinzip »Leben im Einklang mit der Natur«.









Fußnoten
(1) Siehe 1. Buch der Könige Kapitel 7, Verse 13-22
(2) 2. Buch Mose Kapitel 13, Vers 21
(3) 5. Buch Mose Kapitel 16, Vers 21
(4) Walker, Barbara: »Das Geheime Wissen der Frauen«, Frankfurt 1993, S. 67
(5) Langbein, Walter-Jörg: »Lexikon der biblischen Irrtümer«, München 2003, siehe Kapitel »Ascherah: Rückkehr einer Göttin«, S. 16-21!
(6) Schmidt, Kai Ferreira: »Peru Bolivien/ Handbuch für individuelles Reisen und Entdecken«, 2. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Markgrönnigen 6/ 2000, S. 381

214. Vögel, Mythen, Fabelwesen
Teil 214 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                                                                                              
erscheint am 23.02.2014

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