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Sonntag, 19. Januar 2020

522. »Sieben Erden und ›unmögliches‹ Wissen«

Teil 522 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Kaum ein Student
interessierte sich für die
»Legenden der Juden«.
Bei Prof. Ernst Bammel (*1923; †1996) studierte ich emsig mehrere Semester Judaistik in der altehrwürdigen Universitätsstadt Erlangen. Mit einigen wenigen anderen Studenten übersetzten wir Texte von Qumran ins Deutsche. Auf dem »offiziellen« Lehrplan Fachbereich evangelische Theologie kamen die hochinteressanten Seminare Prof. Bammels gar nicht vor.

Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen brachte für uns Studenten »Scheine«, die bestätigten, dass uns Prof. Bammel in die Wissenschaft der Judaistik eingeführt hatte. Doch besagte »Scheine« waren für das Weiterkommen im Studium ohne jede Bedeutung. Deshalb wurden Prof. Bammels Veranstaltungen nur von einigen vereinzelten Studenten besucht. Da hat ein hochangesehener Professor der Theologie spannende Veranstaltungen über Jesu Welt angeboten, wie sie in den Qumran-Schriften und den »Legenden der Juden« beschrieben wird. Meiner Meinung nach waren die Seminare Professor Bammels unverzichtbar für jeden Suchenden, der Jesus und seine Welt besser verstehen wollte. Ich kann es bis heute nicht nachvollziehen: Kaum ein Student der evangelischen Theologie zeigte auch nur das leiseste Interesse.

 Prof. Bammel war es, der mich Ende der 1970er Jahre auf die »Legenden der Juden« aufmerksam machte. Von ihm erfuhr ich, dass es dort Hinweise auf fremde Planeten oder Erden gab. In meinen Notizen, die ich damals anfertigte, hielt ich fest: »Nach Louis Ginzberg gibt es sieben Welten oder Erden. Siehe ›Legends of the Jews‹!«

Ich suchte im siebenbändigen Werk »Legends of the Jews« von Ginzberg nach Informationen über Welten/ Erden im Weltall und wurde rasch fündig. Sieben »Erden« wurden aufgelistet: »erez«, »adamah«, »arka«, »harabah«, »yabbashah«, »tebel« und »heled«. Ginzberg vermerkt (2): »Unsere eigene Erde wird ›heled‹ genannt.« Ich suchte bei Ginzberg nach weiteren Welten/ Erden und würde wieder fündig. Es gab eine zweite Auflistung von wiederum sieben »Erden«. Sie ist nicht identisch mit der ersten Liste, mit der sie nur in Teilen übereinstimmt: »erez«, »adamah«, »arka«. »ge«, »neshiah« und »ziah«. Drei fremde »Erden« tauchen in beiden Listen auf. Der wohl gravierendste Unterschied: In Liste 1 heißt unser Heimatplanet »heled«, in Liste 2 aber »tebel«. Kurios: »tebel« ist in Liste 1 der Name einer fremden »Erde«. Fakt ist, dass es in den »Legends of the Jews« ganz klare Hinweise auf fremde »Erden« gibt.

Zwischen den »Erden« gibt es den »abyss«, lesen wir bei Louis Ginzberg (3). Ich darf daran erinnern, dass Louis Ginzberg (*1873; †1953) sein Lebenswerk in deutscher Sprache verfasste. Der deutsche Text wurde ins Englische übertragen. Bislang ist nur die englischsprachige Version erhältlich. Es ist an der Zeit, dass das deutschsprachige Original endlich publik gemacht wird. So können wir nur darüber spekulieren, was wohl im Original steht, wo wir in der Übersetzung »abyss« lesen. »Abyss« bedeutet, ich habe mehrere Wörterbücher konsultiert, »Abgrund«, »Schlund«, »Hölle« und »Unendlichkeit«. Die Vorstellung von »Erden«, die voneinander durch »Abgründe« getrennt sind, erscheint uns heute als zutreffendes Bild vom Kosmos. Das Bild von »Erden«, die sich in der Unendlichkeit förmlich verlieren, wird in den »Legenden der Juden« sehr anschaulich beschrieben.

Man kann nur darüber staunen, wie modern und korrekt die Vorstellung von fremden »Erden« in den »Legenden der Juden« in verständliche Worte gefasst wurde. In der Bibel suchte ich vergeblich nach vergleichbaren Hinweisen auf fremde »Erden« in den Abgründen des Alls. Fündig wurde ich bei meiner Suche allerdings auf unerwartete, korrekte Beschreibungen von der wahren Gestalt von Planet Erde.

Um die ursprüngliche Aussage eines Textes zu erkennen, bedarf es oftmals geradezu detektivischer Recherche: im hebräischen Original der Texte. Dort gibt es viel zu entdecken, was man in Übersetzungen vergeblich suchen wird. Ich will den Übersetzern keineswegs böswillige Falschübersetzungen unterstellen. Die Übersetzer ließen vermutlich erstaunliche Erkenntnisse über das wissenschaftlich korrekte Weltbild früher biblischer Autoren gar nicht bewusst verschwinden. Sie waren voreingenommen und lasen nur das aus den Texten heraus, was ihrer Meinung nach nur darin stehen konnte.

Beim Propheten Jesaja (4) heißt es lapidar: »Er (Gott Jahwe) thront über dem Kreis der Erde.« Der Bibelübersetzer stellte sich dabei die Erdscheibe vor, die zu Füßen Jahwes lag. Ist das aber auch die Aussage des Originaltextes? Dort heißt es wortwörtlich (5): »Der (Jahwe) thronend auf Chug der Erde.«

Was aber ist »Chug«? Der Begriff leitet sich vom Verb »chagag« ab. »Chagag« bedeutete zunächst sich kreisend drehen oder rotieren. Im weiteren Sinne wurde daraus die tanzende Bewegung, schließlich Feste begehen, zelebrieren. Der niederländische Bibelforscher Karel Claeys (*1914; †1986) kommt nach sorgsamer Überprüfung aller Varianten von »Chug« im Alten Testament zu folgender Erkenntnis (6): »Beim Überdenken der einzelnen Begriffe wird deutlich, dass sie alle eine Umspannung, ein Umfassen, ein Bedecken oder Bekleiden eines bestimmten dreidimensionalen Körpers, und zwar eines rundlichen Körpers, bezeichnen.« Nach Karel Claeys muss es sich dabei um die »Kugelschale« oder ganz einfach »die Kugel« gehandelt haben.

Man kann also den eben zitierten Jesajavers auch so übersetzen: »Er (Jahwe) thront über der Kugel der Erde.« Erstaunliche Zusatzinformationen bietet Hiob (7):»Er (Jahwe) ... hängt die Erde über das Nichts.« Was Luther mit »Nichts« übersetzt, heißt im Hebräischen »belimah«. »Belimah« ist ein zusammengesetztes Wort, bestehend aus »beli« (ohne) und »mah« (etwas).  Wenn wir etwas näher beim Herbäischen bleiben wollen: »Er (Jahwe) hängt die Erde über das Nicht-Etwas.«

Was soll das »Nicht-Etwas«? Ich spekuliere etwas: In modernere Wissenschaftssprache übersetzt: Vakuum. Kombinieren wir Jesaja mit Hiob: Gott hängte die Erdkugel über das Nicht-Etwas. Wobei der Ausdruck für Kugel das Moment des Drehens enthält. Geht man also den Worten auf den Grund, erhält man diese Information: Die Erde wurde als eine sich drehende Kugel über oder im Vakuum gesehen.

Hinweise auf das Erdinnere dürfen im Alten Testament auch nicht fehlen. Nach Psalm 24 (8) gehört unser Planet Gott Jahwe, auch »was darinnen ist«. Was aber ist im Inneren der Erde? Aufschluss gibt wiederum ein Psalm, der in der heutigen Übersetzung eigentlich unverständlich ist. Im Psalm 136 heißt es (9) über Gott Jahwe: »Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Der die Erde über den Wassern ausgebreitet hat, und seine Güte währet ewiglich.« Wie ist »der die Erde über den Wassern ausgebreitet hat« zu verstehen?

Wo »majim« im Hebräischen steht, da wird gewöhnlich Wasser übersetzt. Der Sprachkundler und Lexikograph König sieht dies weitaus differenzierter. So schreibt er in seinem Lexikon (10), »majim« sei als »leicht strömende und zerrinnende Masse«. zu verstehen Unter diesem Gesichtspunkt erhält der Psalmvers eine ganz andere Bedeutung: »Danket dem Herrn, denn er ist freundlich. ... Der die Erde über der leicht strömenden und zerrinnenden Masse ausgebreitet hat.«

Interessant ist auch das Verb »ausbreiten«. Im Hebräischen wird »raqa« verwendet. Was bedeutet es? Die spezielle, konkrete Bedeutung wird klar, wenn wir uns verwandte Begriffe ansehen: »raq« heißt dünn sein, »raqqah« das Dünne. Ein Vergleich mit stammverwandten Wörtern aus dem Arabischen, Äthiopischen, Assyrischen und Syrischen, aber auch mit dem nachbiblischen Hebräischen legt eine ganz spezielle Bedeutung nahe, wie Karel Claeys ausführt (11) nämlich »das Ausbreiten einer dünnen Schicht«.

Eine Überprüfung von drei Vergleichsstellen im Alten Testament bestätigt diese Übersetzung. Bei Jesaja (12) wird von einem Künstler berichtet, der ein »Bild gießt«. Der Goldschmied überzieht es dann mit einer dünnen Schicht Goldes. Im 2. Buch Mose (13) geht es um die Herstellung von Goldplatten, die dünn gehämmert, also ausgedehnt wurden. Auch im vierten Buch Mose wird ein kunsthandwerklicher Vorgang beschrieben (14): Räucherpfannen wurden zu dünnen Blechen umgearbeitet. In allen Fällen beschreibt »raqa« eindeutig einen konkreten Vorgang, nämlich das Überziehen mit einer dünnen Schicht.

So gelangen wir zu einer wortgetreuen Übersetzung: »Danket dem Herrn, denn er ist freundlich. … Der die Erde über der leicht strömenden und zerrinnenden Masse in einer dünnen Schicht ausgebreitet hat.«

Für den Menschen zu Beginn des dritten Jahrtausends gibt es keinen Zweifel an der Kugelgestalt der Erde. Auch über das Erdinnere weiß er Bescheid. Die Erde ist keineswegs ein kompakter, harter Ball. Vielmehr schwimmen die Erdteile, wie es in einem populären Lexikon heißt (15) »wie Eisschollen im Wasser auf dem schweren magmatischen Untergrund«. Mit anderen Worten: Die Erdteile, die Kontinente und Länder sind eine dünne Schicht Erde, die auf dem aus Magma bestehenden weicheren Erdinneren driftet. Auf dem weich-zähflüssigen Brei ruht eine verhältnismäßig dünne Kruste. Dieser durch modernste geologische Forschungen bestätigte Sachverhalt wird bereits im Psalm 136 äußerst prägnant und zutreffend beschrieben, wenn man den ursprünglichen Sinn des hebräischen Wortlauts sorgsam rekonstruiert: »Der (Gott Jahwe) die Erde über der leicht strömenden und zerrinnenden Masse in einer dünnen Schicht ausgebreitet hat.«

Das Alte Testament ist in hebräischer Sprache verfasst. Wer meint, es sei leicht, die richtige Übersetzung zu erstellen, irrt. Übersetzen ist häufig nicht von Interpretieren zu unterscheiden. Es gibt selten eine eindeutige Variante. Frühere Übersetzer irrten. Sie unterstellten den Verfassern das falsche Weltbild von der Erde als Scheibe. Etwas anderes durfte im »Alten Testament« nicht stehen. Also übertrugen sie die Texte entsprechend, wobei sie ihre Voreingenommenheit zu bestätigen suchten. Geht man aber unvoreingenommen an die hebräischen Aussagen, versucht man der ursprünglichen Bedeutung der Worte auf den Grund zu gehen, dann entdeckt man manchmal in uralten Versen ein unglaublich modernes Weltbild: Die Erde ist keine Scheibe, sondern eine Kugel im Vakuum des Alls. Und unter der harten Erdkruste, unter der dünnen harten Erdschicht gibt es Zähflüssiges. Darauf schwimmen die Erdteile wie Eisschollen auf dem Wasser.

Dieses Wissen scheint schon vor Jahrtausenden bekannt gewesen zu sein. Die »Legends of the Jews« enthalten konkrete Hinweise auf fremde Planeten. In Schriften des »Alten Testaments« finden sich Beschreibungen der Erde als sich im All drehendeKugel und auf das »Innenleben« der Erde. Woher stammt derlei eigentlich unmögliches Wissen?

Fußnoten
(1) Ginzberg, Louis: »The Legends of the Jews«, Band 1 »From the Creation to Jacob«, Seite 10, 10. Zeile von oben bis Seite 11, 7. Zeile von oben. Übersetzung Walter-Jörg Langbein.
(2) Ebenda, Seite 113, 13. Zeile von unten - Seite 115, 12. Zeile von unten. Übersetzung Walter-Jörg Langbein.
(3) Ebenda, Seite 10, 11. Zeile von oben
(4) Der Prophet Jesaja Kapitel 40, Vers 22, zitiert aus »Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments nach der Übersetzung Martin Luthers«, Stuttgart 1972, S.790
(5) Vom Verfasser aus dem Hebräischen ins Deutsche übertragen.
(6) Claeys, Karel: Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft, Stein am Rhein 1987, S. 460
(7) Das Buch Hiob Kapitel 26, Vers 7, zitiert aus »Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments nach der Übersetzung Martin Luthers«, Stuttgart 1972, S.584
(8) Psalm 24, Vers 1
(9) Psalm 136, Verse 1 und 6, zitiert aus »Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments nach der Übersetzung Martin Luthers«, Stuttgart 1972, S.706
(10) König, E.: »Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament«, Leipzig 1936
(11) Claeys, Karel: »Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft«, Stein am Rhein 1987, S. 630-639
(12) Der Prophet Jesaja Kapitel 40, Vers 19
(13) Das zweite Buch Mose Kapitel 39, Vers 3
(14) Das vierte Buch Mose Kapitel 17, Verse 3-4
(15) »Bertelsmann Lexikothek«, Band 5, Gütersloh 1983, S. 363

Zum Foto
Foto 1: Kaum ein Student unteressierte sich für die Legenden der Juden.
Foto: Jesus hinter der Marienkirche zu Bad Segeberg. Foto Walter-Jörg Langbein, Sommer 2019.



523. »Meister der Intelligenz und Wissenschaft«,
Teil 523 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 26. Januar 2020

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Sonntag, 10. Dezember 2017

412 »Jakobs Himmelsleiter und das Tor zum Himmel«

Teil  412 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein



Foto 1: Jakobs Traum von der Himmelsleiter,  Kupferstich von 1694

»Das ist doch alles ein Scheiß!« ließ der Religionslehrer ärgerlicher als sonst vernehmen. Ich war damals 14 und löcherte den »Gottesmann« gern dann und wann mit Fragen über Erich von Dänikens »Erinnerungen an die Zukunft«, speziell wenn es ums Alte Testament ging. Auf meine Frage, warum er sich  denn so sicher sei, dass die Bibel wirklich keine Hinweise auf prähistorische Astronautengötter enthalte, kam wieder sein »Das ist doch alles ...«. Und selbstgefällig ließ der Geistliche und Religionslehrer vernehmen: »Ich habe die biblischen Texte in den Originalsprachen gelesen, da kommen keine Außerirdischen drin vor!«

Im Verlauf meines Studiums an der evangelischen Theologie an der »Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/ Nürnberg« übersetzte ich die fünf Bücher Mose und zahlreiche andere Textpassagen des Alten Testaments wie die »UFO-Sichtungen« des Propheten Hesekiel aus dem Hebräischen ins Deutsche. Dabei bemühte ich mich, dem hebräischen Originaltext möglichst gerecht zu werden. Vor allem wollte ich den Text selbst sprechen lassen, ohne eine theologische Interpretation hinein zu übersetzen. Gerade der Theologe neigt ja dazu, eine bestimmte Sichtweise als richtig vorauszusetzen, um dann Bibeltexte so zu übersetzen, dass die theologische Voreingenommenheit bestätigt wird.

Foto 2: Die Himmelsleiter, 16. Jahrhundert

Der brave, konservative Theologe jeder Religion geht von einer unbezweifelbaren religiösen Wahrheit aus, über die nur die eigene Religion verfügt. Er hat keinen Zweifel, dass nur seine Religion allein die Wahrheit von Gott, Schöpfung und Welt zu bieten hat. Er übersetzt dann Texte entsprechend, sprich er hinterfragt die Lehre seiner Theologie niemals. Er übersetzt vielmehr – bewusst oder nicht – so, dass eben seine vorgefasste Meinung bestätigt wird. Wie sollte das auch anders gehen? Wenn man sich im Besitz der allein gültigen Wahrheit sieht, und das im Gegensatz zu den vermeintlich Ungläubigen aller anderen Religionen, kommt bei jeder Übersetzung heraus, was die Lehre der eigenen Religion vorschreibt. Was davon abweicht gilt als falsch.

So kann man schließlich sehr schön die Übersetzung als Beweis für die Richtigkeit der eigenen religiösen Glaubenswelt heranziehen. Dabei bestand nie die Gefahr, dass eine Übersetzung die eigene Glaubenslehre in Frage stellen würde. Man ist überzeugt, allein zu wissen, was wahr ist und nimmt erst gar nicht wahr, was diesem Glauben widerspricht.

Foto 3: Der Kalvarienberg, Bad Tölz, Foto Heidi Stahl

Maria Montessori (*1870 in Chiaravalle; † 1952 in Noordwijk aan Zee) war eine italienische Ärztin, Reformpädagogin, Philosophin und »Erfinderin« der Montessoripädagogik. Kritisch äüßerte Maria Montessori über die herkömmliche Pädagogik: »Die Schule ist jenes Exil, in dem der Erwachsene das Kind solange hält, bis es imstande ist, in der Erwachsenenwelt zu leben, ohne zu stören.« Diese Aussage trifft auch, ja besonders auf jede fundamentalistische Theologie zu. Der Student wird so lange mit der angeblich alleingültigen Lehre traktiert, bis er sie verinnerlicht hat. Dann stört er nicht mehr im religiösen Getriebe. Und wenn doch, wird er in gewissen Ländern eben einen Kopf kürzer gemacht.

Von besonderem Interesse war für mich schon als Schüler die mysteriöse Geschichte von Jakobs Traum. Im Traum sieht Jakob eine Leiter, die bis in den Himmel reicht. Auf dieser Leiter steigen Boten Gottes vom Himmel zur Erde herab oder von der Erde empor in den Himmel. Im hebräischen Original ist von »Boten Gottes« die Rede, aus denen später »Engel« wurden. Wie diese Boten ausgesehen haben, wir wissen es nicht. Der Text selbst gibt keinen Hinweis etwa auf Flügel, die ja im Christentum als Attribut von Engeln gelten.

Foto 4: Kreuzkirche Bad Tölz, Foto Heidi Stahl

Die genaue Lokalisation des Traums, sprich wo denn genau die Himmelsleiter gestanden haben soll, das lässt sich aus dem biblischen Text nicht herauslesen. Bei der knappen Beschreibung dieses Ortes gibt es Unklarheiten. Im 1. Buch Mose Kapitel 28, Vers 17 erfahren wir, dass dem Jakob angst und bange wurde. Aber warum?

Die altslavische Tradition kennt einen der mysteriösesten Texte, der niemals in den Kanon des Alten Testaments aufgenommen wurde und der doch die Geschichte von Jakob und der Himmelsleiter ausführlicher erzählt. Wie im biblischen Text (1) lesen wir auch hier die gleiche Rahmenhandlung (2): »Jakob machte sich auf den Weg zu Laban, seinem Onkel. Und er fand einen Ort und schlief ein, nachdem er (s)einen (3)  Kopf auf einen Stein gelegt hatte, denn die Sonne war untergegangen. Da hatte er einen Traum: Und siehe, eine Leiter war auf der Erde aufgestellt, deren Spitze bis zum Himmel reichte.«

Foto 5: Ein Engel vom Kalvarienberg 
Die altslavische  Bibelapokryphe ist aber sehr viel detailreicher als der kurze Text im »Alten Testament«. So erfahren wir (4), dass rechts und links von jeder Leiterstufe »menschliche Gesichter« zu sehen waren. Dann aber präzisiert der Text (5): »Gesichter, die bis zur Brust reichten«. Offenbar standen also auf jeder Stufe rechts und links so etwas wie Büsten, womöglich auch Statuen. Die »Himmelsstiege von Bad Tölz« kommt mir in den Sinn. Anno 1718 gab es hoch über dem Isartal nur eine Himmelsstiege: im Freien.  1726 wurde die »Kreuzkirche« auf dem Kalvarienberg über die »Himmelsstiege« gebaut.

Ehrfürchtig steht der fromme Pilger vor einer breiten Holztreppe, die aber offenbar nur von Engeln und hoher Geistlichkeit beschritten werden darf. Rechts und links davon führen steinerne Treppen nach oben. Die mittlere Treppe, so lesen wir auf einer Schrifttafel, wurde »nach dem Muster der wahren heiligen Stiege zu Rom hier errichtet und durch Einlegung mehrerer heiliger Reliquien eingeweiht«. Die seitlichen Treppen sind für profanere Besuche bestimmt.

Rechts und links von der eigentlichen Himmelsstiege stehen Engel,  just wie es der altslavische Text zu beschreiben scheint. Die Himmelsstiege von Bad Tölz wie die zu Rom verbindet auf plastische Weise irdische mit himmlischen Gefilden. Freilich ist die »Leiter Jakobs« im altslavischen Text recht kurz. Nur zwölf Stufen müssen die Engel überwinden, um von der Erde in den Himmel oder aus dem Himmel zur Erde zu gelangen.

Foto 6: Die Himmelsstiege von Bad Tölz
Der Übergang in den »Himmel« freilich erfordert im altslavischen Text einigen Mut (6): »Und die Spitze der Leiter war ein Antlitz wie eines Menschen, aus Feuer behauen.« Der unbekannte Textautor vergleicht das Tor zum Himmel mit einem »Antlitz eines Menschen, aus Feuer behauen«. Darf man den Text beim Wort nehmen? Dann gab es da eine »Leiter«, die zwölf »Sprossen« hatte und in ein Etwas mündete, das wie ein feuriges Menschenantlitz aussah. Prof. Ernst Bammel (*1923, †1996) versicherte mir, dass es nach jüdischer Legende aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt über dem Boden ein »Tor zum Himmel« gab. Ein »Stargate«? War dieses »Tor zum Himmel« so schrecklich, dass die Menschen sich fürchteten? Denn als schrecklich und fürchterlich wird der Übergang beschrieben, der Ein- und Ausgang, das »Himmelstor«.

Wie dürfen wir uns ein Tor zum Himmel vorstellen? Als realen Ort des Wechsels vom Irdischen ins Himmlische und umgekehrt?

Fußnoten
Foto 7
1) 1. Buch Mose Kapitel 28, Verse 11 und 12
2) Petkov, Julian: »Altslavische Eschatologie: 

Texte und Studien zur apokalyptischen Literatur 
in kirchenslavischer Überlieferung«, Tübingen 2016, 
Seite 320, »Text der ›Leiter Jakobs‹«, I. 1 und 2
3) Hier liegt wohl ein Druckfehler in der von mir 

zitierten Quelle vor. Jakob legte ja wohl kaum einen, 
sondern seinen Kopf auf einen Stein. 
Man darf ja wohl davon ausgehen, dass Jakob 
nur einen Kopf hatte!
4) Petkov, Julian: »Altslavische Eschatologie: 

Texte und Studien zur apokalyptischen Literatur in 
kirchenslavischer Überlieferung«, Tübingen 2016, 
Seite 320, »Text der ›Leiter Jakobs‹«, I. 1, 4 und 5
5) ebenda
6) ebenda, I.3


Zu den Fotos
Foto 8
Foto 1:Jakobs Traum von der Himmelsleiter,  Kupferstich von 1694. Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Jakobs Himmelsleiter in  einer niederdeutsche Lutherbibel, spätes 16. Jahrhundert
Foto 3: Der Kalvarienberg, Bad Tölz, Foto Heidi Stahl Mai 2014, copyright Heidi Stahl
Foto 4: Kreuzkirche Bad Tölz, Foto Heidi Stahl, copyright Heidi Stahl
Foto 5: Ein Engel vom Kalvarienberg Bad Tölz Heidi Stahl, copyright Heidi Stahl
Foto 6: Die Himmelsstiege von Bad Tölz, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Engel an der Himmelsstiege, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Engel rechts und links der Stufen, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Gemälde von Michael Willmann  (1630–1706), wikimedia
commons/ public domain

Ein herzliches Dankeschön geht an Hedi Stahl für ihre vorzüglichen Fotos (3-5). Das Copyright für die Fotos hat natürlich Heidi Stahl!


413 »Jakob und das schreckliche Tor zum Himmel«,
Teil  413 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 17.12.2017



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Sonntag, 12. Oktober 2014

247 »Maria, die Schlange und die Evangelisten«

Teil 247 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein

Zwei Jungfrauen mit ihren Schlangen.

Die riesige Schlange glotzte mich aus starren, bösen Augen an, sauste ruckartig auf mich zu, um sich dann wieder ebenso ruckartig zurückzuziehen. Dabei stieß sie furchteinflößende Zischlaute aus. Immer wieder griff das monströse Wesen an. Die spitze Zunge der Schlange berührte schmerzhaft meine Stirn. Gleichzeitig ertönte wie aus weiter Ferne ein dröhnendes Gelächter.

Die Schlange freilich war nicht wirklich besonders groß, aber das kam mir nur so vor. Ich war nämlich erst vier Jahre alt und saß mit meiner Mutter nur einige Meter vom berühmten Parthenon entfernt. Die Schlange war aus Holz. Ein dickleibiger, bärtiger Grieche, im Vergleich zu dem Hägar der Schreckliche ein schmales Bürschlein war, hielt das geschnitzte Reptil in einer Pranke und stieß es immer wieder in meine Richtung. Dazu ließ der Koloss sein dröhnendes Lachen erschallen. Zum Glück gelang es meinen Eltern, den aufdringlichen Händler zu vertreiben, der hölzerne Schlangen zum Kauf anbot.

Abgespielt hat sich die für mich fürchterliche Szene – ich war damals gerade vier Jahre alt – unweit des Parthenon. Der vielleicht berühmteste Tempel der Welt wurde einst der Göttin Pallas Athena Parthenos geweiht. Der Beiname der Göttin Parthenos lässt sich mit »die Jungfräuliche« übersetzen. Das wohl wichtigste Attribut der jungfräulichen Himmlischen war die Schlange. Aus der Feder des Pausanias stammt die Beschreibung einer Kolossalstatue der Athena. Zu ihren Füßen schlängelte sich eine nicht minder kolossale Schlange. Andere Darstellungen der Göttin zeigten sie mit einem Schild, auf den sie sich stützt… und an dem sich eine Schlange emporwindet.

Jungfrau und Himmelskönigin mit Attributen...

Uns muss Athena Parthenos vertraut erscheinen: eine Göttin, Jungfrau, in »Begleitung« einer Schlange. Uns kommt die jungfräuliche Himmelskönigin  und Gottesmutter Maria in den Sinn. »Wikipedia« vermeldet im Artikel zum Thema »Unbefleckte Empfängnis« über »Ikonographie und Darstellung (Marias) in der Kunst«: »Ihre Heiligenattribute sind: eine Schlange, die sie zertritt, das biblische Symbol für die Sünde, eine Weltkugel, wodurch Maria als Siegerin über die gesamte weltliche Sünde erscheint – die Schlange windet sich oftmals um die Weltkugel…«

Offensichtlich wurde aus der bescheidenen Mutter Jesu, über die wir im »Neuen Testament« so gut wie nichts erfahren, nach und nach eine Himmelskönigin, die mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. Noch gilt sie nicht offiziell als Göttin, aber ihre Ehrenbezeichnung »Mutter Gottes« erinnert doch sehr an die mächtigen Mütter der Götter, die selbst Göttinnen waren… aus vorchristlichen Zeiten!

Apfel, Schlange und Mondsichel zu Füßen der christlichen Jungfrau.

Aus der jungfräulichen Göttin Athena wurde die jungfräuliche Maria. Beide hatten das Attribut der Schlange. Und da verwundert es nicht, dass der Parthenon-Tempel im sechsten Jahrhundert in eine christliche Kirche verwandelt wurde, die der jungfräulichen Maria geweiht war. Jungfrau Maria behielt das einst heidnische Attribut Schlange. Doch das einst höchst positive Sinnbild Schlange wurde im Christentum im wahrsten Sinne des Wortes verteufelt. Aus dem einst im höchsten Maße positiven Symbol war das Negative schlechthin. Im vordynastischen Ägypten, zum Beispiel,  genoss die »Schlangenmutter« Wadjet  höchste Verehrung. Und Schlangengöttin Mehem lege sich des Nachts schützend um den Sonnengott Re, der dann unbesorgt schlafen konnte. Verdrängt wird von christlicher Seite heute gern, dass die Schlange zur Zeit der frühchristlichen Gnosis als kluge Überbringerin von Wissen verehrt wurde.

Die Gnostiker spielten gern mit Worten. Das führte allerdings oft zu einer völlig anderen Interpretation biblischer Texte. Gern erinnere ich mich an manches hochinteressante Gespräch mit Prof. Dr. Dr. Ernst Bammel, bei dem ich während meines Studiums der evangelischen Theologie mehrere Seminare im Fachbereich Judaistik besuchte. So manches Mal unterhielten wir uns über den Schlangen-Mythos des »Alten Testaments«. Professor Dr. Dr. Bammel machte mich darauf aufmerksam, dass Schlange und Eva gleichgesetzt wurden. Der Name Eva wurde als »Mutter alles Lebenden« verstanden, »hawya« ist zugleich auch die »Schlange« und bedeutet als Tätigkeitswort »unterrichten«.  Kirchenlehrer Hippolyt von Rom (etwa 170 bis 235 n. Chr.) übersetzte die »Schlange« mit »das weise Wort Evas«.

Die Himmelskönigin und der Mond...

Im christlichen Glauben, dessen Vertreter in der frühen Geschichte des Christentums vehement Gnostiker als böse Ketzer verfolgten,  ist die Schlange der böse Teufel, der den Menschen um das ewige Leben im Paradies gebracht hat. Weil Eva auf die Schlange hörte, von den verbotenen Früchten aß und ihren Mann Adam zur gleichen Sünde verleitete, wurden Adam, Eva und die Schlange aus dem Paradies gejagt. Die paradiesischen Zustände waren damit Vergangenheit. Mit brutaler Engelsgewalt wurden die ersten Menschen daran gehindert, ins Paradies zurückzukehren. Adam musste von nun an im Schweiße seines Angesichts schuften, Eva unter Schmerzen gebären und die Schlange auf dem Bauch durch die Gegend kriechen.

Johannes oder Ninurta?

Im christlichen Glauben steht auch heute noch die Schlange für Sünde, Vertreibung aus dem Paradies und für Verlust des ewigen Lebens. Diese negative Bedeutung freilich ist sehr jung, gemessen an der Religionsgeschichte unserer Welt. Wenn wir die Mythen und Glaubenswelten seit Jahrtausenden untersuchen, begegnet uns immer wieder die Schlange, ganz im Gegensatz zur christlichen Theologie aber als das Symbol für das ewige Leben!

Die Schlange im Paradies verspricht (4) Erkenntnis und Erlösung durch Erkenntnis, so wie das auch die Gnostiker glaubten. Die Gnostiker, stärkste Konkurrenten des frühen Christentums, schwelgten in der Wiederbelebung uralter Glaubenslehren, in denen mächtige Muttergottheiten eine große Rolle spielten. Sie anerkannten nicht den alleinigen männlichen Gott. Zu einem Gott gehörte für sie stets eine Göttin. Einer recht informativen und erfreulich sachlichen Internetseite (5) entnehme ich prägnante Informationen über den Themenkomplex Gnostiker und Schlange: »Einige gnostische Sekten verehrten die Schlange. Sie betrachteten die Schlange nicht als Verführer, die Adam und Eva zu sündhaftem Verhalten verleitet hat. Vielmehr betrachteten sie die Schlange als einen Befreier, der Adam und Eva Erkenntnis gebracht hatte indem er sie überzeugte, vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen und dadurch vollkommen Mensch zu werden.«

Marduk oder Lukas?

Von großer Wichtigkeit war für die Gnostiker Maria Magdalena. Anders als im Christentum, das die vermeintliche Prostituierte verleumdete, war unter den Gnostikern eine ganz andere Lehre weit verbreitet. Maria Magdalena verkündete die wirkliche Lehre Jesu. Nach Erscheinen meines Buches »Das Sakrileg und die Heiligen Frauen« (6) nahmen gleich mehrere evangelische und katholische Geistliche Kontakt mit mir auf, die mir versicherten, dass sie in ihren Gottesdiensten die »amtlichen Glaubenslehren« verkündeten, obwohl sie selbst überzeugte Gnostiker seien. Eine noch recht junge evangelische Geistliche trug – so versicherte sie mir wiederholt –  stets ein Amulett am Hals, das statt den gekreuzigten Jesus die Schlange zeigte.

Die Geistliche vertraute mir unter dem Siegel der Verschwiegenheit an, dass für sie das »wahre Christentum« die Verehrung der Göttin in Gestalt einer Schlange sei. Jahwe, der Gott des patriarchalischen Judentums, sei von der Göttin belehrt worden, habe ihre Botschaft aber verfälscht. Zu diesem Glauben könne sie sich aber nicht bekennen, müsse sie doch um ihre Entlassung aus kirchlichem Dienst fürchten. Man kann tatsächlich davon ausgehen, dass so eine Geistliche von der Kirche aus ihren Reihen verstoßen und selbst als Religionslehrerin kaum eine Anstellung finden würde.

Markus oder Nergal?

Ein katholischer Geistlicher hofft, so versicherte er mir, dass er die Rückkehr der Gnosis als »das eigentliche Christentum« noch erleben dürfe. »Der Amtskirche ist die Gnosis ein Dorn im Auge, weil sie eben nicht von oben herab für alle gültige Dogmen predigt, sondern auf die selbständige Erkenntnissuche des einzelnen Menschen setzt!« Der Geistliche zeigte mir Darstellungen von Göttinnen aus dem alten Babylon. So wurde die Göttin Astarte sehr häufig mit einer Mondsichel und einer Schlange dargestellt… so wie Maria, die Gottesmutter in zahllosen sakralen Kunstwerken vieler Jahrhunderte im Christentum katholischer Prägung!

Mindestens genauso häufig wie wir Maria, die Himmelskönigin im ihren uralten Attributen (Mondsichel oder Vollmond und Schlange) in unseren Kirchen begegnen, finden wir dort auch die Attribute der vier christlichen Evangelisten. Stellen wir uns vor, ein Mensch aus dem »Alten Babylon« würde eine christliche Kirche besuchen. Dort entdeckt er die vier Evangelisten mit ihren Symbolen. Ohne zu zögern würde der Mensch aus Babylon Lukas als babylonischen Stadtgott Marduk,  Markus als Unterweltgott Nergal,  Johannes als Windgott Ninurta und Matthäus als Nabu, den Gott der Weisheit identifizieren.

Marduk und Lukas hatten beide das Symboltier Stier. Markus und Nergal wurden beide mit einem Löwen dargestellt. Johannes und Ninurta teilten sich den Adler als »Erkennungszeichen« und Matthäus und Nabu symbolisches Attribut war ein geflügelter Mensch oder Engel.

Matthäus oder Nabu?

Mit anderen Worten: Jahrtausende alte Symbole aus babylonischen Zeiten wurden vom Christentum übernommen, als Zeichen der Evangelisten. Die vier Evangelisten gelten als Träger des Christentums, die vier babylonischen Götter stützten die »vier Weltenden«.  Sollte auch uraltes gnostisches Wissen zu Beginn des 21. Jahrhunderts in unseren christlichen Gefilden im Verborgenen weiterleben? Ich bedauere es sehr, dass es in der »Wissenschaft« Theologie keine Erforschung von Entwicklung und Veränderung uralten Glaubens zum Christentum hin gibt. Nach wie vor, so scheint es mir, mag man nicht zugeben, dass uraltes »heidnisches« Glaubensgut im heutigen Christentum fortbesteht. Wirklich verblüfft hat mich, dass in Kreisen heutiger christlicher Geistlichkeit die offiziell nach wie vor als Ketzerei verdammte Gnosis immer noch Anhänger hat, in welchem Umfang auch immer. Offiziell wagt es kein Priester christlicher Prägung, sich zur Gnosis zu bekennen. Ob sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern wird? Ich glaube es nicht!

Zu den Fotos...

»Zwei Jungfrauen mit ihren Schlangen«: Links »Athena Parthenos« wikicommons Marsyas, rechts Maria mit Jesuskind an der Tür der Marien-Kapelle im Dom zu Paderborn, Foto Walter-Jörg Langbein 

»Jungfrau und Himmelskönigin mit Attributen...«: Maria aus der Stadtkirche von Lügde, Foto Walter-Jörg Langbein. Die Stadtkirche wird auch als Marienkirche bezeichnet.

»Apfel, Schlange und Mondsichel zu Füßen der christlichen Jungfrau.«: Maria aus der Stadtkirche von Lügde, Foto Walter-Jörg Langbein.

»Die Himmelskönigin und der Mond...«: Münsterkirche zu Hameln, Foto Walter-Jörg Langbein

»Johannes oder Ninurta?«, »Marduk oder Lukas?«, »Markus oder Nergal?« und »Matthäus oder Nabu?«: Münsterkirche Hameln, Fotos Walter-Jörg Langbein


Die Münsterkirche von Hameln. Foto Walter-Jörg Langbein

Fußnoten

1) Siehe hierzu auch Gruben, Gottfried: »Die Tempel der Griechen«, München, 5. Auflage 2001, S. 171-190!
2) 1. Buch Mose Kapitel 3, Verse 1-24, »Sündenfall«
3) Siehe hierzu auch…
Baudry, Gérard-Henry: »Handbuch der frühchristlichen Ikonographie«, Freiburg
     2010
Biedermann, Hans: »Knaurs Lexikon der Symbole«, München 1989
Biedermann, Hans: »Wellenkreise/ Mysterien umd Tod und Wiedergeburt in den
     Ritzbildern des Megalthikums«, Hallein 1977
Black, Jeremy und Green Anthony: »Gods, Demons and Symbols of Ancient
     Mesopotamia«, Austin 1992
4) 1. Buch Mose Kapitel 3, Vers 4
5) http://www.eaec-de.org/Gnostizismus.html

»Was geschah vor der Schöpfung? Ein »Reisebericht«
Teil 248 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 19.10.2014

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