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Sonntag, 2. November 2014

250 »Monsterwesen, Vögel und ein Hase«

Teil 250 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Am 25. Oktober 2014 hielt ich im Rahmen des »One-Day-Meetings« der »A.A.S.«-Gesellschaft in Bremen einen Vortrag: »Pyramiden, Monster, Fabelwesen – Von Cheops bis zum Dom in Paderborn«. Hier im Blog lesen Sie eine ausführlichere Fassung meines Vortrags, heute Teil 3!

Mein Erstling erschien am 24.12.1979

Vor 35 Jahren erschien mein erstes Buch - »Astronautengötter/ Versuch einer Chronik unserer phantastischen Vergangenheit«. Seit Jahrzehnten bereise ich die Welt, von Ägypten bis zur Osterinsel. Stets bin ich unterwegs zu den großen Geheimnissen unseres Planeten. Ich muss zugeben, dass ich Jahrzehnte lang die eigene Heimat vernachlässigt habe. Ich studierte fasziniert die Kunst in der kleinen Kirche der Osterinsel und übersah nicht minder interessante Gotteshäuser in eigenen Gefilden! Fakt ist: Große Geheimnisse bieten auch unsere »Gotteshäuser«, von der kleinen Kapelle bis hin zum Dom! Keine Stunde Fahrt mit der S-Bahn entfernt, vor meiner sprichwörtlichen Haustür: Der Dom zu Paderborn!

Ich kann jedem Besucher des Doms zu Paderborn nur empfehlen, sich ausreichend Zeit für das Paradies-Portal zu nehmen. Bewunderung verdienen die großen Heiligen-Statuen ganz ohne Zweifel. Übersehen Sie aber bitte nicht die mysteriösen Darstellungen von sphinxartigen Mischwesen zu Füßen der Statuen, und zwar direkt unterhalb der unteren Kante des Schutznetzes…

Anmutige Sphingen. Foto Walter-Jörg Langbein

Mehrfach treten »Sphingen« paarweise auf. Da gibt es beispielsweise zwei anmutig wirkende weibliche Sphingen. Sanft neigen sie ihre Köpfe. Eine greift nach ihrem spitz zulaufenden Flügel.  Ihr menschlicher Oberkörper sitzt, ähnlich wie bei einem Zentauren, auf einem Pferdeleib. Die Kollegin hat einen ganz anderen Tierkörper. Es könnte der eines Skorpions sein. Das Hinterteil jedenfalls ist, wie bei einem Skorpion, aufgerichtet.

Kleine Sphinx von Ludwigsburg. Archiv W-J.Langbein

Sind es wirklich Sphingen? Woher sollten die Steinmetze in Paderborn derlei Fabelwesen gekannt haben? Im Raum Ludwigsburg wurde bei Ausgrabungen eine geflügelte Sphinx gefunden. Das Figürchen ist nur fünf Zentimeter klein und stammt wohl aus Kleinasien. Es wurde vor rund zweieinhalb Jahrtausenden aus Elfenbein geschnitzt. Sollten die Künstler von Paderborn ähnliche Vorlagen gekannt haben? Oder wirkten in Paderborn Skulpteure aus Ägypten, Griechenland oder aus dem kleinasiatischen Bereich? Wie dem auch sei: Sphingen wurden am Paradiestor zu Paderborn angebracht, warum auch immer.

»Sphinx« mit Halsband. Foto Walter-Jörg Langbein

Andere Sphingen von Paderborn haben einen eher weniger intelligenten Gesichtsausdruck. Einer (oder eine) trägt eine Art Halsband, hat dazu Schlappohren wie ein Esel, Menschengesicht und Vogelkörper. Sein Kollege hingegen, mit ähnlichem Leib ausgestattet, hat so etwas wie eine spitze Mütze auf dem Kopf.

Bei einem dritten Pärchen fällt eine Sphinx mit Löwenleib auf. Typisch für den König der Wüste ist die Quaste am Schwanz. Auffälliger ist, dass diese besonders kuriose Mischung ursprünglich zwei Hälse mit zwei Häuptern hatte. Einer der Köpfe wurde mutwillig abgeschlagen.

Sphinx mit Löwenleib und zwei Köpfen. Foto W-J.Langbein

Eine andere »Sphinx« wurde offensichtlich von Anfang an kopflos konzipiert. Dieses aus alten Mythen entsprungene Wesen wurde nicht nachträglich enthauptet. Es liegt auch kein Kriegsschaden vor. Vielmehr sieht es so aus, als zeige die mysteriöse kleine Steinplastik ein Mischwesen, dem man den Kopf abgeschnitten hat. Und in diesem Zustand hat der Steinmetz es abgebildet? Warum? Soll darauf hingewiesen werden, dass diese Monster besiegt, getötet werden können? Unterhalb der kopflosen Sphinx liegt etwas, was man als mit Präzision abgeschnittenen Kopf sehen mag. Die Darstellungen vom Paradiestor soll man wohl wie ein Buch lesen können, wie ein Bilderbuch ohne ein einziges Wort. Im dreizehnten Jahrhundert gab es im Volk sehr wenige Menschen, die lesen konnten. Analphabetismus war der Normalzustand. Für diese Mehrheit der Dombesucher waren die präzise ausgearbeiteten Darstellungen gedacht. Was sollten sie mitteilen? Welche Botschaft sollten sie überbringen.

Kopflose Sphinx. Foto Walter-Jörg Langbein

Nehmen Sie sich viel Zeit, wenn Sie das Paradiesportal des Doms zu Paderborn studieren. Achten Sie besonders auf die mannigfaltigen Sphingen. Da wäre zum Beispiel eine Kreatur auf vier Beinen. Die mächtigen Pranken deuten auf ein löwenartiges Tier hin. Der Kopf stammt offenbar eher von einem Pferd. Bei näherem, genauerem Betrachten fällt auf, dass über dem »Pferdekopf« ein zweiter Kopf sitzt. Er ist kleiner, schmaler… wie der eines Hasen. Beide Häupter teilen sich zwei Ohren…

Ein weiteres Beispiel: Da fressen zwei Sphingen vergnügt große Blätter. Die Füße sind nicht die eines Huftiers, eher einer Großkatze. Die Ohren wiederum sind lang und spitz, wie die eines Pferdes oder Esels. Direkt daneben machen wir eine weitere Sphinx aus, die leider stark beschädigt oder verwittert ist. Es ist wiederum ein Vierbeiner, aber nicht mit Pranken eines Löwen, sondern mit Hufen. Wenn wir genau hinschauen, erkennen wir, dass der Kopf wohl der eines Stieres war. Teile der Hörner sind noch vorhanden.

Blätterfressende Sphingen. Foto W-J.Langbein

Das Paradiestor lockt tagtäglich unzählige Menschen zum Dom. Bestaunt werden die Heiligenfiguren, die kleinen – viel interessanteren – Reliefs von unterschiedlichsten Sphingen aber werden nicht beachtet. Fragen über Fragen ergeben sich! Was haben diese mythischen Mischwesen an einem bedeutenden christlichen Gebäude zu suchen? Über welches Wissen verfügten die Steinmetze? Stammten sie aus dem Orient und kannten sie jahrtausendealte Bildnisse von Sphingen und Greifen?

Winziger Traubenfresser. Foto Walter-Jörg Langbein

Es lohnt sich wirklich, die detailreiche Kunst am Paradiestor zu Paderborn sorgsamst zu studieren. Immer wieder werden sie winzige Details entdecken, zauberhaft und naturgetreu dargestellte Tiere beweisen die große Kunstfertigkeit der Steinmetze! Auf den ersten Blick meint man schöne Ornamentik zu erkennen. Dann macht man üppigen Pflanzenwuchs aus, Weinreben mit winzigen Trauben. Man konzentriert sich und erkennt da und dort liebevoll gestaltete Tiere. Ein kleines Vögelchen pickt an Weintrauben. An anderer Stelle duckt sich ein kleiner Hase ängstlich, verbirgt sich vor dem Betrachter.
Noch ein Vogel... und ein Hund. Foto Walter-Jörg Langbein

Diese winzigen Details beweisen ganz eindeutig: Die Künstler, die das Paradiestor von Paderborn schufen, waren Meister ihres Fachs. Sie beherrschten die Kunst der naturgetreuen Darstellung. Also sind die mysteriösen »Monsterwesen« nicht das Ergebnis von Unfähigkeit. Den Künstler schwebten also reale Wesen vor, die es in der Natur nicht geben dürfte?

Könnten wir doch die Darstellungen in Stein wie ein Buch lesen! Dann wüssten wir, warum neben naturgetreu dargestellten Tieren die mysteriösen Wesen an einem der wichtigsten christlichen Gotteshäuser angebracht wurden! Stellen sie reale Wesen dar? Oder müssen wir sie als Symbole verstehen? Die geflügelte griechische Sphinx kann als Todesbotin verstanden werden. Altägyptische Sphingen wiederum waren höchst positive Symbole, die die Macht königlicher, ja göttlicher Herrscher darstellten!


Ängstlicher Hase. Foto Walter-Jörg Langbein

Erinnern wir uns an die Beschreibung von Mischwesen, die die Götter einst geschaffen haben, die uns der Historiker Eusebius hinterlassen hat (23):

»Menschen mit Schenkeln von Ziegen und Hörnern am Kopfe, noch andere, pferdefüßige, und andere von Pferdegestalt an der Hinterseite und Menschengestalt an der Vorderseite. Erzeugt hätten sie (die Götter) auch Stiere, menschenköpfige, und Hunde, vierleibige, deren Schweife nach Art der Fischschwänze rückseits an den Hinterteilen hervorliefen, auch Pferde mit Hundeköpfen...sowie andere Ungeheuer, pferdeköpfige und menschenleibige und nach Art der Fische beschwänzte, dazu weiter auch allerlei drachenförmige Unwesen und Fische und Reptilien und Schlangen und eine Menge von Wunderwesen, mannigfaltig gearteten und untereinander verschieden geformten.«

Tier-Mensch- oder Tier-Tier-Mischwesen  begegneten mir auf meinen Reisen weltweit: auf der Osterinsel ebenso wie in einem Felsentempel in Mahabalipuram, Indien. Und immer schufen die Künstler, die die Mischwesen dargestellt haben, zusätzliche Bildnisse von Mensch und Tier in geradezu fotorealistischer Manier. Sie konnten also die Realität sehr naturgetreu abbilden, die Darstellungen der Mischwesen sind kein Resultat mangelhafter Fähigkeiten der Künstler. Mischwesen aber können nicht von der Natur hervorgebracht worden sein…. Wurden sie von »göttlichen« Gentechnikern entwickelt?

Griechische Sphingen, um 1650. Archiv W-J.Langbein

Heutige Gentechniker können schon die monströsesten Mischwesen ins Leben rufen. Ich bin davon überzeugt, dass in geheimen Labors schon längst solche Mischwesen produziert werden, wie vor Jahrtausenden. Warum? Weil Experimente schon um ihrer selbst willen ausgeführt werden, oder einfach nur um auszutesten, was möglich ist!

3. Fazit: Mysteriöse Mischwesen

Mischwesen wurden nicht nur von Eusebius beschrieben, sie finden sich nicht nur auf Jahrtausende alten Dokumenten aus Stein, sondern auch an Kirchenportalen. Häufig wurden wahrhaft monströs anmutende Wesen neben geradezu fotorealistisch dargestellten Menschen und Tieren gezeigt. Die mysteriösen Mischwesen sind also nicht Ergebnis mangelhafter Darstellungskunst. Kühn gefragt: Erinnern sie uns an die gentechnisch erzeugten Fabelwesen der Astronautengötter?

Fußnote 
Die Harpyie, um 1650

23) Zitiert nach Däniken, Erich von:
»Die Augen der Sphinx/ Neue Fragen
an das alte Land am Nil«,
München 1989, S. 68 unten
und S. 69 oben
Dort angegebene Quelle:
Karst, Josef: »Eusebius Werke,
5. Band, Die Chronik, Leipzig 1911«

»Tresore für die Ewigkeit«,
Teil 251 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 09.11.2014



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Sonntag, 8. Juni 2014

229 »Monster aus Stein«



»Das Paradiestor und seine Sphingen Teil 4«, 
Teil 229 der Serie 
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                          
von Walter-Jörg Langbein



Kreaturen aus der Hölle? Foto Walter-Jörg Langbein

Ich stehe am »Paradiestor« des Doms zu Paderborn und fotografiere. Ein Geistlicher im Talar bleibt grüßend stehen. »Warum interessieren Sie sich denn für dieses Eselchen?«, fragt er und schreitet weiter. »Ein Eselchen ist das nicht…«, widerspreche ich höflich. »Es hat Flügel! Und die Füße passen auch nicht…« Der Gottesmann kehrt um. »Sie haben recht! Ein Esel ist das nicht! Das Tier hat Pfoten wie eine Großkatze…« Kopfschüttelnd betrachtet der Geistliche den steinernen Fries. »Drei von diesen merkwürdigen Tieren… nebeneinander. Zwei erinnern an Mischungen aus Esel, Großkatze und Engel…« Er deutet auf das dritte Wesen. »Schade, dass diese Kreatur so stark beschädigt ist! Es könnte ein gehörnter Stier sein, aber mit Flügeln….« 

Auf ein weiterführendes Gespräch will der Kleriker sich nicht einlassen. »Das sind teuflische Kreaturen der Hölle!«, zischt er förmlich, die Hände abwehrend in Richtung Fries ausgestreckt. »Oben stehen die Heiligen, zu ihren Füßen kriechen die gottlosen Tiere… in der Hölle!«

Im Land der Pyramiden, im mysteriösen Reich am Nil, wurden vor mindestens fünf Jahrtausenden geheimnisvolle Fabelwesen in Form von Plastiken dargestellt, zum Beispiel Löwe-Mensch-Wesen. Mischwesen tummeln sich in nicht zu überschauender Anzahl auch im Ägyptischen Museum von Kairo. Letztlich wurden da alle Arten von Tieren miteinander kombiniert und mit teilweise menschlichen Merkmalen versehen. Diese kuriosen Fabelwesen gehören zu den »main attractions«, zu den »Hauptattraktionen« Ägyptens. Eines davon steht unweit von den großen Pyramiden: die oder der Sphinx.

Wir wissen nicht wirklich, wie alt die Sphinx im Schatten der Cheopspyramide ist. Unklar ist auch, wie sie ursprünglich ausgesehen hat. Hatte das Mischwesen einst das Haupt eines Löwen? Wurde das menschliche Haupt erst später modelliert? Es fällt auf, dass der Kopf der Sphinx von den Proportionen her zu klein ist. Sah er ursprünglich ganz anders aus, war er ursprünglich größer? Wurde er kleiner, weil er ummodelliert wurde, sprich neue Konturen verpasst bekam?

Verwandt mit der Sphinx... die Lamien.
Foto Archiv W-J.Langbein

Sphinxartig sind die Lamien, die in verschiedenen Varianten in Griechenland bekannt waren. Stets haben sie den Leib eines Tieres, zum Beispiel pferdeartig, aber mit gespaltenen Hufen an den Hinterbeinen und Klauen an den Vorderbeinen. Engelsgleich soll ihr weibliches Gesicht gewesen sein, passend zu den besonders ansehnlichen Brüsten. Manche Lamien scheinen menschenähnlich gewesen zu sein: attraktive Vampirinnen, die ihren Männern nächtens das Blut aus den Adern saugten.

Bartholomaeus Anglicus ( ca. 1190 bis ca. 1250), franziskanischer Scholastiker und früher Enzyklopädist, verfasste das Sammelwerk »De Proprietatibus rerum«. Er kennt Lamien als »Tiere mit Menschengestalt und Pferdefüßen«.

Manche Lamien scheinen Zwitter gewesen zu sein. In historischen Darstellungen haben sie gelegentlich weibliche wie männliche Geschlechtsattribute.
Lamien haben durchaus etwas Sphinxartiges. Denken wir an Sphinx, kommt uns die ägyptische Sphinx auf dem Pyramidenplateau in den Sinn. Im griechischen Kulturbereich gab es interessante Sphinx-Varianten: 

·        Die Sphinx als ein Löwe mit Flügeln und dem Kopf einer Frau,
·       die Sphinx als Frau mit ausgeprägten Brüsten und den Tatzen einer Löwin
·       und die Sphinx als Mischwesen mit einem Schlangenschwanz und  Vogelflügeln.
Aus dem griechischen Kulturraum stammt auch ein anderer Klassiker der monströsen Art, die Harpyie. Schon Homer hat sie beschrieben,  Hesoid kannte sie auch. Harpyien setzten einst in den legendären Berichten über die Argonauten dem blinden König Phineus zu. Sie rauben sein Essen oder machen es zumindest für den menschlichen Verzehr ungenießbar. Die Harpyie war ein monsterhaftes Mischwesen, hatte den Leib eines Vogels, meist eines Adlers, und das Haupt einer Frau.

Wen es ins »British Museum« verschlägt bekommt mit einigem Glück einen Fries eines Denkmals aus Xanthos in Lykien zu Gesicht. Es zeigt Harpyien, die der Kreatur vom Nürnberger Stadtwappen recht ähnlich sind.

Eine Kreatur aus der Familie der Harpyien.
Foto Archiv W-J.Langbein

Heute neigen Wissenschaftler dazu, derlei Kreaturen als reine Hirngespinste oder »symbolisch gemeinte Darstellungen«  abzutun. Die mit reichlich Phantasie ausgestatteten Dichter sollen einfach unterschiedliche Tiere mit Menschen kombiniert haben, um ganz außergewöhnliche Wesen zu erschaffen, die in sich ganz unterschiedliche Fähigkeiten vereinten. Aber waren diese mysteriösen Wesen wirklich nur Produkte der menschlichen Erfindungsgabe?

Warum hört man nicht auf die antiken Historiker, die sich ganz konkret zu den monströsen Schöpfungen äußern? Historiker Eusebius zum Beispiel lässt auch nicht den geringsten Zweifel aufkommen: Monströse Mischwesen, Geschöpfe der Götter, hat es ganz real und in Fleisch und Blut gegeben: 

»Menschen mit Schenkeln von Ziegen und Hörnern am Kopfe, noch andere, pferdefüßige, und andere von Pferdegestalt an der Hinterseite und Menschengestalt an der Vorderseite. Erzeugt hätten sie (die Götter, Ergänzung des Autors) auch Stiere, menschenköpfige, und Hunde, vierleibige, deren Schweife nach Art der Fischschwänze rückseits an den Hinterteilen hervorliefen, auch Pferde mit Hundeköpfen...sowie andere Ungeheuer, pferdeköpfige und menschenleibige und nach Art der Fische beschwänzte, dazu weiter auch allerlei drachenförmige Unwesen und Fische und Reptilien und Schlangen und eine Menge von Wunderwesen, mannigfaltig gearteten und untereinander verschieden geformten.«

»Die Chronik« des Eusebius sei jedem Zeitgenossen wärmstens empfohlen, der sich für die Epochen unserer Historie interessiert, die auch heute noch von der Schulwissenschaft tabuisiert werden. Die Entwicklung der heutigen Menschheit hat linear zu erfolgen. Von der Amöbe bis zum Jetztmenschen ging es angeblich immer nur aufwärts. Sehr frühe Hochkulturen, die in Kataklysmen vor Ewigkeiten ausgelöscht wurden, haben in der offiziellen Geschichtsschreibung keinen Platz.

Die mysteriöse Harpyie fand auf geheimnisvolle Weise und aus unerfindlichen Gründen ihren Weg ins große Stadtwappen der Stadt Nürnberg. Monsterhafte Wesen fanden ihren Weg aber auch nach Paderborn, wo sie am »Paradiestor« mit bestechender Detailfreude in den Stein graviert wurden: als eine endlose Kette von Vogel Greifen, die gen Himmel steigen und wieder vom Himmel herab kommen, als merkwürdige Mischwesen mit Leibern von nicht immer definierbaren Vierbeinern mit Gesichtern oder Köpfen von Menschen. »Stiere, menschenköpfige« wurden laut Eusebius von den Göttern erzeugt. Solche Kreaturen haben unbekannte Künstler vor vielen Jahrhunderten am Paradiestor zu Paderborn im Stein verewigt. Woher hatten sie ihr Wissen? Entsprang es der Phantasie?


Ein Monsterwesen von Paderborn... Rechtes Foto:
Vergrößerung der »Kopfpartie«, Fotos W-J.Langbein

Wie kommt es, dass Kreaturen ganz ähnlicher »Machart« am Fries des Doms zu Paderborn verewigt wurden? Die mysteriösen Darstellungen in Stein sollten endlich einmalgründlich untersucht werden. Es lohnt sich, einmal zu recherchieren, wo es ähnliche Darstellungen gibt. Am Münster zu Freiburg gibt es ebenso Mischwesen in Stein. Da kämpfen Kentauren – Mensch/Pferd-Mischwesen gegen Menschen. Da begegnen wir einem weiteren Mischwesen, dem Vogel Greif. Alexander der Große tritt eine Himmelsreise an, in die Lüfte emporgehoben von zwei Greifen!

Überall begegnen sie uns, die Mischwesen, die laut Eusebius ein Werk der Götter waren. Hat es sie wirklich gegeben, wie der antike Historiker postuliert? Gehen alte Mythen, die sich um diese monströsen Wesen ranken, auf wahre Begebenheiten zurück? Diese Frage ist berechtigt in einer Zeit, in der sich Wissenschaftler anschicken, auf gentechnischem Wege Mischwesen zu erschaffen. Noch sind derartige Experimente stark durch Gesetze reglementiert oder gar verboten. Ich bin aber davon überzeugt, dass in geheimen Forschungslabors die Entwicklung sehr viel weiter fortgeschritten ist als wir erfahren.

Wenn Eusebius von den Monsterwesen als Kreationen der »Götter« spricht, dürfen wir dann eine kühn anmutende Spekulation wagen? Experimentierten die »Götter« in Sachen Gentechnologie? Kreierten sie Wesen, wie sie zum Beispiel im Münster von Freiburg und im Dom zu Paderborn in Stein verewigt wurden? (Zum Vergleich: Das Foto zeigt oben und unten Mischwesen von Paderborn, in der Mitte von Freiburg!)

Von oben nach unten:
Paderborn, Freiburg, Paderborn.
Fotos W-J.Langbein


Empfehlenswerte Quellen

Die Welt der Monsterwesen aus alten Zeiten wird bis heute sträflich vernachlässigt.

Wer Quellenstudium betreiben möchte, sei auf folgende Werke verwiesen. Es handelt sich dabei allerdings nur um eine bescheidene kleine Auswahl! Interessant ist, dass in uralten Enzyklopädien über das Leben monströse Fabelwesen als reale Kreaturen beschrieben werden, als Bestandteil der Gesamt-Zoologie von Planet Erde.

Albertus Magnus: De Historia Animalium, Lyon 1562
Bartholomäus, Anglicus: De Proprietatibus Rerum, London 1935
Claudius Aelanius: De Historia Animalium, Lyon 1562
Karst, Josef: Eusebius’ Werke, Band V, Die Chronik, Leipzig 1911
Kircher, Athanaius: Mundus Subterraneus, ohne Ortsangabe, 1665
Münster, Sebastian: Cosmographey, Basel 1598

Mischwesen auf einem alten Mosaik.
Privatbesitz. Foto: W-J.Langbein

»Adam und Eva von der Osterinsel«,
»Das Paradiestor und seine Sphingen Teil 5«,
Teil 230 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                        
erscheint am 15.06.2014




Sonntag, 5. Mai 2013

172 »Das Horrorkabinet von Konarak«

Teil 172 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«

von Walter-Jörg Langbein

Konarak, im indischen Bundesstaat von Orissa am Golf von Bengalen gelegen, ist so etwas wie eine Geisterstadt in Stein. König Narasimha Deva (13. Jahrhundert) gab den Auftrag, einen imposanten Himmelswagen für den Sonnengott Surya zu bauen. Der Gigant aus Granit scheint auf vierundzwanzig gewaltigen, mannshohen Rädern zu ruhen. Sieben magische Pferde aus Stein standen bereit. Der Sonnengott sollte jederzeit mit seinem mächtigen Vehikel gen Himmel fliegen können.

Unklar ist, ob die Kultanlage erst kurze Zeit nach Vollendung ... oder schon während des Baus wieder aufgegeben wurde. Verschwunden ist, so viel wissen wir, der einstige Tempelturm. War das sakrale Bauwerk bereits vollendet, als es wieder abgebrochen wurde? Oder hatten die Baumeister eine unfertige Bauruine hinterlassen, die aufgegeben und später wieder abgetragen wurde? Wurden die unzähligen, üppigen Figürchen am Tempel von den Steinmetzen (1) alle fertig gestellt? Oder unterbrachen die Künstler manche ihrer Arbeiten, aus welchem Grund auch immer?

Besonders liebevoll wurden Statuen von Surya gestaltet, ob stehend oder hoch zu Ross. Ein Sonnengott wurde schon lange vor Baubeginn just an jener Stelle verehrt, wo später Surya angebetet werden würde. So wie Kirchen häufig auf »heidnischen« Kultplätzen entstanden, so bauten die »Alten Inder« ihre Tempel oftmals dort auf, wo schon lange zuvor sehr viel ältere Kulte zelebriert wurden.

Sonnengott Surya von
Konarak - Foto:
W-J.Langbein
Aus einem Sonnengott (oder gar ... aus einer Sonnengöttin?) wurde Surya, der als Zentrum des Sonnensystems angesehen wurde. Ja man verehrte ihn als Atman, das »Höchste Selbst«. Mag sein, dass in Surya zwei Gottheiten aufgingen: eine männliche und eine weibliche. Aus der weiblichen Göttin wurde der weibliche Aspekt Suryas, genannt »Savitri«, die »Leuchtende«. Frommen Missionaren war die Göttin mehr als suspekt. Sie verunglimpften sie gern als Teufel Luzifer, den »Lichtbringer« oder »Lichtträger«.

Im 19. Jahrhundert wurden einige der grandiosen Tempel Indiens entdeckt ... zum Beispiel die Sakralbauten von Khajuraho. Und fast überall haben emsige Steinmetzen Himmelstänzerinnen, Göttinnen und mysteriöse Fabeltiere dargestellt ... und immer wieder sexuelle Darstellungen. Die Pärchen, fein säuberlich in Stein modelliert, demonstrieren zum Teil akrobatische Liebesakte, die an Hochleistungssport erinnern. Einer der Tempelentdecker war der britische Offizier T.S. Burt. Für den Armeehauptmann waren diese erotischen Kunstwerke »extrem unzüchtig und anstößig«. Zögerlich vermeldete der prüde Offizier Königin Viktoria seine Entdeckungen ... und dachte intensiv darüber nach, ob es denn nicht besser wäre, die Erotik in Stein möglichst rasch zu zerstören. Schließlich siegte der Respekt vor den uralten Bauwerken über die Prüderie, die Kunstwerke blieben unangetastet, in Khajuraho, in Konarak und in anderen Städten Indiens.

In Konarak gingen moderne Restauratoren sehr sorgfältig mit der alten, zum Teil maroden Bausubstanz vor. Sie waren bemüht, die alte Bausubstanz zu erhalten. Auch sollten die Tempelanlagen so stabilisiert werden, dass sie noch möglichst viele Jahrhunderte dem Zahn der Zeit trotzen können. Es wurde aber darauf verzichtet, die Fantasie walten zu lassen, wo Lücken in den Reliefs klafften. Man bewies den Mut zur Lücke und verzichtete auf erfundene Ausfüllungen aus Stein.

Mut zur Lücke - Foto: W-J.Langbein
Tausende von Figürchen und Reliefs zieren den Sonnentempel von Konarak, kleine und große. Es ist, als hätten die Künstler vor vielen Jahrhunderten ein Werk hinterlassen, das wir wie ein Buch lesen sollen. Genauer gesagt: Es ist ein riesiges Bildband in Stein. Tausende Darstellungen unterschiedlichster Größen belegen eine simple Wahrheit: die Künstler der »Alten Inder« schufen detailgetreue Abbildungen der Wirklichkeit, fotorealistisch und naturgetreu. Diese Feststellung ist wichtig. Wir können nicht einerseits die präzise, korrekte Darstellung von Menschen und Tieren bewundern ... und andererseits bei fantastisch anmutenden Darstellungen Unfähigkeit der Künstler unterstellen!

Was viele Besucher – vor allem aus dem christlichen Abendland – oftmals übersehen, das sind Horrorkreaturen, die genauso detailgetreu abgebildet wurden wie Menschen und Tiere. Diese Wesen locken nur wenige Betrachter an, ganz im Gegensatz zu den Pärchen, die Sexakrobatik demonstrieren. Ich behaupte: die furchteinflößenden Monsterwesen muss es wirklich gegeben haben, genauso wie die Menschen und Tiere. Sie lassen sich nur keiner bestimmten Gattung zuordnen. Es sind kuriose Mischwesen. Für Fantasiegestalten sind sie alle zu naturalistisch dargestellt!

Mischwesen wurden im Königreich Ur bereits vor rund fünf Jahrtausenden verewigt ... als Stiere mit Menschenköpfen, aber auch als Skorpion-Menschen. 1995 stellte ich diese monströsen Wesen in meinem Buch »Das Sphinx-Syndrom« (2) vor.

Monster von Ur
Foto: Archiv
W-J.Langbein
Solche Monsterwesen hat der Geschichtsschreiber Eusebius (etwa 260 bis 339 n. Chr.) schaudernd und detailgetreu beschrieben (3): »Menschen mit Schenkeln von Ziegen und Hörnern am Kopfe, noch andere, pferdefüßige, und andere von Pferdegestalt an der Hinterseite und Menschengestalt an der Vorderseite. Erzeugt hätten sie (die Götter) auch Stiere, menschenköpfige, und Hunde, vierleibige, deren Schweife nach Art der Fischschwänze rückseits an den Hinterteilen hervorliefen, auch Pferde mit Hundeköpfen ... sowie andere Ungeheuer, pferdeköpfige und menschenleibige und nach Art der Fische beschwänzte, dazu weiter auch allerlei drachenförmige Unwesen und Fische und Reptilien und Schlangen und eine Menge von Wunderwesen, mannigfaltig gearteten und untereinander verschieden geformten.«

Man möchte gern diese Horrorkreationen ins Reich der Märchen verbannen. Man möchte hoffen, dass es sie nie gegeben hat ... doch in fast allen Museen der Erde finden sich Abbildungen, präzise Darstellungen jener Wesen. So finden sich im französischen Louvre Miniaturen, etwa 4.200 Jahre alt, die menschenköpfige Stiere darstellen. Im Eingangsbereich des Ägyptischen Museums von Kairo sah ich in einer Glasvitrine das in Stein gearbeitete Halbrelief fremdartiger Monster. Ihre Leiber erinnern an Pferde, sie haben Löwenfüße. Auf unnatürlich langen Hälsen sitzen verhältnismäßig kleine Köpfe, die an Löwenhäupter erinnern. Angriffslustig stehen die beiden Wesen einander gegenüber, scheinen gleich einander angreifen zu wollen. Noch hindern sie kleine, sehr naturgetreu dargestellte Wesen daran, zerren an Stricken ...

Monster der Osterinsel
in der Kirche
Foto: W-J.Langbein
Monsterschriften wurden auch auf der Osterinsel dargestellt - in Halbreliefs in Stein, halb Vogel, halb Mensch. Emsige Steinmetzen haben mit großer Geduld unzählige dieser Kreaturen in das grobkörnige Vulkangestein gemeißelt. Tausende solcher Kunstwerke mag es gegeben haben. Die meisten sind dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Nicht wenige sind nur den Einheimischen bekannt. Und nicht wenige werden interessierten Besuchern gezeigt.

Die mysteriösen Mischwesen der Osterinsel wurden sogar von der christlichen Kunst übernommen. Man findet sie im Schnitzwerk der kleinen christlichen Kirche auf dem mysteriösen Südseeeiland! Da werden Vogel-Mensch-Kreaturen im Sinne der christlichen Religion geduldet: offenbar will die Geistlichkeit den Insulanern mit starkem »heidnischen« Hintergrund entgegenkommen. Und so tauchen alte heidnische Fabelwesen in christlichem Kontext wieder auf. Im Vordergrund steht die Statistik: Im Vordergrund steht die Zahl der Religionsanhänger der eigenen Richtung. Da stört man sich auch nicht daran, dass uraltes fremdes Glaubensgut mehr oder minder heimlich weiter zelebriert wird, auch wenn man es eigentlich als heidnisch ablehnen müsste!

Konaraks Tempelfiguren ... ein riesiges Buch in Stein! Die sexuellen Darstellungen haben, so höre ich immer wieder, einen tieferen, symbolischen Sinn. Es gehe um den göttlichen Zeugungsakt der Weltschöpfung. Wie aber sind die Mischwesen zu verstehen, die einem Horrorkabinett entsprungen zu sein scheinen? Darf man die unheimlichen Darstellungen psychologisierend interpretieren: als Darstellung von Urängsten der Menschen, die so konkretisiert wurden?

Misch- und Fabelwesen 
Oder haben wissenschaftliche Interpreten der Kunst von Konarak und anderer Tempel Angst vor der Vorstellung, dass es einst wirklich furchteinflößende Geschöpfe gegeben hat, die in der Zoologie eigentlich keinen Platz haben dürften?

Fußnoten
1 Steinmetzen und Steinmetze sind Pluralformen von Steinmetz
2 Langbein, Walter-Jörg: »Das Sphinx-Syndrom«, München 1995, Abbildungen 21 und 22
3 Karst, Josef: »Eusebius Werke«, Band 5, »Die Chronik«, Leipzig 1911. Siehe hierzu Däniken, Erich: »Die Augen der Sphinx«, München 1989. S. 68 und 69

»Monsterwesen in Konarak«,
Teil 173 der Serie Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein
erscheint am 12.05.2013


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