Posts mit dem Label Iso Kalakal werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Iso Kalakal werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 18. März 2018

426 „Im Totenbunker“

Teil  426 der Serie Monstermauern, Mumien und Mysterien                         
von Walter-Jörg Langbein      
                  

Fotos 1-4: Gespenstische Ruinen von Nan Madol

Die rätselhaften Bauten von Nan Madol wirken auf den Besucher märchenhaft schön. In üppigem Pflanzengrün sind oft massive Mauerbauten nur noch zu erahnen. Auch auf das besterhaltene Gemäuer breitet sich stetig die Natur aus. Palmen wachsen zwischen mächtigen Steinen. Ihre starken Wurzeln durchdringen die Fundamente von Steinmauern und drohen sie zum Einsturz zu bringen. Mangrovenbäume wachsen direkt in wuchtigen Steinmauern und sprengen Steinblöcke auseinander.

Ende des 19. Jahrhunderts – das dokumentieren Fotos – waren die mysteriösen Ruinen von Nan Madol im höchsten Maße bedroht. Extremer Baumwuchs, das schien unausweichlich, würde das uralte Gemäuer zerstören. Fotos, die wohl in den 1890er Jahren entstanden, wirken so, als seien sie in den Kulissen eines Horrorfilms entstanden. Offensichtlich wurden im Verlauf der letzten hundert Jahre immer wieder Bäume in und um einige der Ruinen gefällt, um zumindest einige Überbleibsel der uralten Stadt zu erhalten. Es fehlt am Geld. Nur mit sehr hohem finanziellen Aufwand könnte Nan Madol, das »8. Weltwunder« da und dort restauriert und konserviert werden.

Foto 5: Eingang zur Totengruft

In den frühen 1990er Jahren suchte und sammelte ich Berichte über unheimliche Begegnungen, etwa mit »Geistern«. Zahlreiche Menschen aus den USA, aber auch aus Deutschland, schickten mir ihre »Erlebnisberichte«, deren Wahrheitsgehalt ich natürlich nicht überprüfen kann. Aus dem geplanten Buch wurde allerdings nichts. Die spannendsten und ungewöhnlichsten Schilderungen habe ich archiviert. Claudia G., damals 29 teilte mir mit, sie habe in den frühen 1990er Jahren vor der Insel Ponape geschnorchelt. Sie wollte bunte Fische und Korallen bestaunen. Es kam aber ganz anders. Sie habe einen grässlichen Spuk erlebt, beteuerte sie mir. Ich zitiere ihren kurzen Bericht:

»Von der kleinen Hauptstadt Kolonia fuhr ich mit einem gemieteten Motorboot zu den Ruinen von Nan Madol. Ich machte es an einem kleinen Eiland fest und schnorchelte im flachen, warmen Wasser. Herrliche buntglänzende Fische schienen zum Greifen nahe. Plötzlich kam ich über eine tiefere Stelle. Weit unten meinte ich steinerne Särge erkennen zu können! Panik befiel mich! Plötzlich war mir eiskalt. Ich schwamm hastig an die kleine Insel. Über eine steinerne Treppe stieg ich empor. Ich ging auf einem Weg durch zwei gewaltige Mauern. Vor einem wuchtigen, gedrungenen Bau setzte ich mich auf einen Stein. Plötzlich spürte ich extreme Angst. 


Foto 6: Die bunkerartige Gruft, Foto etwa 1890 bis 1899

Etwas kam von hinten auf mich zu, begleitet von eisigem Wind, und das bei 30 Grad im Schatten! Eine eiskalte Knochenhand legte sich auf meine nackte Schulter. Es stank ganz widerlich nach Verwesung! Mir blieb fast das Herz stehen! Panisch vor Angst floh ich ins Boot. Der Motor sprang sofort an. Nichts wie weg! Ich spinne nicht: Ich habe einen echten Spuk erlebt, in der Südsee!«

Atemberaubend ist auch heute noch »Nan Dowas«, ein wahrhaft gigantischer Gebäudekomplex. Oder genauer: Was von der einstigen Pracht noch übrig geblieben ist, verschlägt dem Besucher den Atem. Die äußeren Mauern haben eine Länge von neunzig Metern, wie ich vor Ort abgeschritten habe (1). Sie wurden aus wuchtigen steinernen Säulen in Blockhausbauweise aufgetürmt: drei Meter dick und neun Meter hoch ist die Mauer heute noch. Deutlich sind Beschädigungen zu erkennen. Gewaltige Steinsäulen stürzten irgendwann zu Boden. Unermessliche Kräfte müssen hier gewirkt haben. Wie hoch diese gewaltige Mauer einst wohl war? Niemand vermag das zu sagen. Ich fragte »meinen« Guide, den tüchtigen Lihp Spegal, was er von dem unheimlichen Erlebnis halte. Der junge Mann war alles andere als erstaunt. Einheimische würden nie und nimmer nachts die Ruinen aufsuchen. Warum? Aus Angst vor Begegnungen mit Spukerscheinungen.
    
Foto 7: Im Inneren des »Totenbunkers«.

Die Bauten aus Basaltsäulen, so Lihp Spegal, seien so von furchteinflößenden Erscheinungen geschützt. Plünderer würden nicht wagen, in den Ruinen nach Schätzen oder auch nur Tonscherben und Knochen zu suchen. Ein Fluch soll nicht nur auf der unterseeischen Heimstatt der Götter liegen sondern auch auf den Gräbern der direkten Nachfahren der ältesten Götter. Vermeintlich »zivilisierte« Europäer, die derlei Überlieferung für Humbug hielten, wurden, davon sind viele Einheimische vor Ort überzeugt, mit dem Tode bestraft. So berichtete mir Tour-Guide Lihp Spegal, kein Geringerer als Victor Berg, »Kaiserlicher Regierungsrat« und »Stellvertretender Gouverneur« der Insel, sei ein Opfer eines Fluches geworden.
    
Ende April 1907 gab er den Befehl, das Grab des verehrten Iso Kalakal zu suchen und zu öffnen. Bei einer Nacht- und Nebelaktion wurde tatsächlich die letzte Ruhestätte jenes frühen Herrschers gefunden. Zur Erinnerung: Iso Kalakal war von Gott Nan Dzapue höchstpersönlich gezeugt worden, der extra zu diesem Anlass vom Himmel auf die Erde herabgestiegen war. Trotz lauter Warnungen der Einheimischen wurde die Totenruhe Iso Kalakals empfindlich gestört. Sein Grab wurde geschändet, seine Gebeine wurden herausgenommen. Die Europäer machten sich lustig über den angeblich wirkungslosen Fluch. Man sei ja auch kein Grabräuber, sondern Wissenschaftler. Abfällig äußerten sie sich über die vermeintlich dummen und abergläubischen Insulaner.

Foto 8: Mauerwerk im Inneren des »Totenbunkers«.

Die Insulaner freilich wunderten sich über die arroganten Europäer. Der Fluch würde jeden Treffen, der es wage, die Totenruhe der Altvorderen zu stören. Betroffen seien Grabräuber wie Archäologen, der Fluch würde da nicht differenzieren. Das Lachen der »Zivilisierten« über die vermeintlich »Primitiven« verstummte allerdings bald. Schon einen Tag nach der Grabschändung erkrankte Victor Berg, der Stunden zuvor noch kerngesund war, und starb. Eine medizinische Erklärung fanden die Ärzte nicht. Die Einheimischen waren alles andere als überrascht. So ergehe es jedem, der die heiligen Orte von Nan Madol störe!

Die Anlage von Nan Dows ist allen Schäden zum Trotz immer noch sehr gut erhalten. Da und dort sind einstmals stolze Mauern eingestürzt. Tonnenschwere Basaltsäulen fielen aus luftiger Höhe und liegen heute noch, Jahrhunderte nach einer Katastrophe, zerbrochen wie ein Mikadospiel für Riesen am Boden. Die Anlage war freilich noch viel komplexer als der heutige Besucher zu erkennen vermag.

Foto 9: Mauerwerk im Inneren des »Totenbunkers«.

In ihrem Zentrum steht ein massives »Gebäude«. Es ist fensterlos und erinnert am ehesten an einen massiven Bunker. Die Wände wie die tonnenschwere Decke bestehen aus massiven Basaltsäulen, die für Nan Madol typisch sind. Im Inneren ist es bedrückend eng und es riecht muffig. Ich habe mich einige Stunden im »Totenbunker« aufgehalten, einfach um die Atmosphäre zu spüren. Leise war die Brandung des Meeres zu vernehmen. Der Geruch war unangenehm, stammte wohl von modrigem Brackwasser. Verwesende Leichtenteile gibt es schon lange nicht mehr. Und die steinernen Tische, auf denen die verfaulenden Toten aufgebahrt wurden, sind schon lange verschwunden. Einheimisch in Kolonia meinten im Gespräch, europäische Plünderer hätten sie im 19. Jahrhundert zerlegt und abtransportiert.

Nach wie vor gibt es mündliche Überlieferungen, die freilich nach und nach in Vergessenheit geraten. So hörte ich von zwei greisen am Rande der Hauptstadt Kolonia lebenden Männern, dass Nan Madol einst eine sehr große Stadt war, viel größer als die Ruinen heute vermuten lassen. Einst, so heißt es, war Kanimweiso Teil der riesigen Gesamtanlage. Kanimweiso (2) lasse sich mit »die zu ehrende Stadt« oder »die Stadt, die man ehrt« übersetzen. In grauer Vorzeit, wann immer das gewesen sein mag, versank Kanimweiso in den Fluten des Pazifik.

Die ehrwürdigen Toten, die zu Lebzeiten die Herrscher von Nan Madol waren, wurden nicht einfach begraben. Ihre Leichname wurden zunächst in heiligen Zeremonien, die nur der eingeweihten Priesterschaft bekannt waren, im steinernen »Bunker« von Nan Dowas aufgebahrt. Dort lagen sie dann bis zur vollständigen Skelettierung. Die Knochen wurden dann bestattet: und zwar an geheimen Orten auf der Hauptinsel Ponape, auf dem Festland also.

Foto 10: Der Nan-Dowas-Komplex, nach einer Vorlage aus der Zeit von 1890 bis 1899

Der »Bunker«, aber auch das ausgeklügelte System von Mauern um den Bunker, wurden besonders massiv gebaut. Die wuchtigsten Steinsäulen, aber auch die größten Steinbrocken, wurden für den Bau des sakralen Gebäudekomplexes verwendet. Bei Ausgrabungen in Nan Dowas, gegen die die Nachkommen der Erbauer massiv protestierten, fand man einige wenige Knochensplitter. Wie mir ein junger Lehrer in Kolonia bestätigte, wurden die Skelette der Toten mit Ritual-Werkzeug und strengen Vorschriften folgend pietätvoll im Bunker zerschlagen, bevor sie aufs Festland geschafft werden durften. Dort wurden sie an verschiedenen Stellen, die einige Einheimische angeblich heute noch kennen, bestattet. Warum? Der Pädagoge erklärte mir: »So wollte man verhindern, dass die Toten zurückkehren würden!« Belege für diese Erklärung fand ich nirgendwo in der Literatur.

Foto 11: Decke des »Totenbunkers« von oben.

Ende des 19. Jahrhunderts haben  Forscher wie F.W. Christian (3)  die künstlichen Inseln von Nan Madol kartographiert und möglichst präzise Lagepläne von Nan Madol angefertigt. Angeblich haben sie , das hört man vor Ort auch heute noch, »kistenweise«  Artefakte aus den Ruinen geborgen und mitgenommen . Die Einheimischen waren ob dieser Plünderungen entsetzt. Sie fürchteten sich vor dem Zorn der Toten. Der örtliche Führer Paul Nahnmwarki habe schließlich mit Selbstmord gedroht, falls man weiter die heiligen Stätten entweihen würde. Ob das die plündernde Europäer beeindruckt hat? Vielleicht hörten sie auf, Kostbarkeiten zu stehlen, weil es so gut wie keine Funde mehr gab?

Fußnoten

1) Die Angaben in der Literatur variieren.
2) Die Namen und Bezeichnungen wurden und werden oft in stark voneinander abweichenden Schreibweisen überliefert. Offenbar versuchten die ersten Besucher die ihnen völlig fremden Worte mehr oder minder lautsprachlich festzuhalten.
3) Christian, F.W.: »The Caroline Islands/ Travel in the Sea of Little Islands«, London 1899


Zu den Fotos
Fotos 1-4: Gespenstische Ruinen von Nan Madol, etwa 1890-1899. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Eingang zur Totengruft. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Die bunkerartige Gruft, Foto etwa 1890 bis 1899, Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Im Inneren des »Totenbunkers«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Mauerwerk im Inneren des »Totenbunkers«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Hier ließ man die vornehmen Toten verfaulen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Der Nan-Dowas-Komplex, nach einer Vorlage aus der Zeit von 1890 bis 1899. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 11: Decke des »Totenbunkers« von oben. Foto Walter-Jörg Langbein

427 »Warum versank das Land?«,
Teil  427 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 25.03.2018



Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 11. März 2018

425 „Das himmlische Riff“

Teil  425 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Reste des einstigen Schutzwalls.

Nan Mwoluhsei, die gewaltige Wallanlage vor der Seeseite von Nan Madol heißt übersetzt »Wo die Reise endet«. Für wen? Für die Insulaner, die mit ihren Booten nach Nan Madol kamen? Vor Ort erfuhr ich eine andere Erklärung: Dort habe die Reise  für die vom Himmel Kommenden geendet. Dort habe sich für die himmlischen Wesen, die einst aus den Tiefen des Alls zur Erde kamen, der »Eingang« zur Erde befunden.

Deshalb lautet der älteste Name von Nan Madol »Soun Nan-leng«, zu Deutsch »das himmlische Riff«. Warum? Weil dort die Götter vom Himmel zur Erde herabstiegen und auch wieder von dort aus gen Himmel entschwanden. Nan Madol war für die Götter der Ort, wo ihre Reise endete. Wo sie zur Erde herabkamen, da war das »himmlische Riff«. Sie waren nicht von dieser Welt. Ihre eigentliche Heimat lag im Himmel.

Dabei dachte man keineswegs an überirdische Gefilde im religiösen Sinne. Man verstand darunter nicht einen transzendenten Ort, an dem die seligen Geister von Verstorbenen auf Wolken sitzend Manna verspeisen und zu lieblichen Lautenklängen frommes Liedgut singen. In »Polynesiean Mythology« wird dieser Himmel als ein recht ungastlicher Ort beschrieben. Aus dem Munde einer Himmlischen, die zur Erde herabgekommen war, erfahren wir, dass ihr unsere Erde sehr gut gefällt. Und das im Gegensatz zum »Himmel«:

Foto 2: Reste des einstigen Schutzwalls.
    
     »Ich liebe diese Welt.
     Sie ist nicht kalt und leer wie
     der hohe Raum dort oben.«

Seltsam, wie exakt diese Beschreibung des Weltalls den Erkenntnissen entspricht, wie wir Menschen des 20. Jahrhunderts sie der Raumfahrt verdanken! Auch für die Götter aus dem All war unser blauer Planet »himmlischer« als das kalte, leere All. Wenn also davon die Rede ist, dass die Götter vom »Himmel« zur Erde kamen, dann ist damit eben nicht ein über den Wolken vermutetes Paradies im Gegensatz zur harten Realität auf der Erde gedacht! Lassen wir den legendären Gott der Südsee Pourangahua zu Wort kommen. Er frohlockt geradezu über seine Ankunft auf der Erde:
    
     »Ich komme,
     und eine unbekannte Erde
     liegt unter meinen Füßen.
     Ich komme,
     und ein neuer Himmel dreht (sich)
     über mir.
     Ich komme
     auf diese Erde und sie ist
     ein friedlicher Rastplatz für mich.
     O Geist des Planeten!«

Hier spricht kein körperloses Geistwesen aus einem Himmel im fromm-religiösen Sinne, sondern ein real-körperliches Wesen, das als Astronaut von Welt zu Welt, von Planet zu Planet reist.
    
Fotos 3-5: Götterstatue von Ponape.

Kontakte zwischen den himmlischen Besuchern und den irdischen Bewohnern von Nan Madol gab es immer wieder. Sie blieben nicht immer ohne Folgen. Paul Hambruch, der deutsche Gelehrte und Archäologe, erkundete zu Beginn unseres Jahrhunderts intensiv die Geheimnisse von Nan Madol.  Wissende Einheimische fassten Vertrauen zu ihm und erzählten dem Deutschen einige ihrer heiligen Überlieferungen, die er sorgsam notierte, und zwar in der Originalsprache Nan MadMadolsd in der deutschen Übersetzung. Da begegnen wir zum Beispiel dem Himmelsgott Nan Dzapue, der mit höchst »menschlichen« Absichten auf unseren Planeten kam.   
    
Foto 6: War Gott Nan Dzapue ein Astronaut?

»Einstmals verließ Nan Dzapue den Himmel und stieg nach Pankatera hinab; dort trieb er Ehebruch mit der Frau des Sau Telur. Sie trafen einander und badeten in einem Bach. Er beschlief sie auf der Stelle.« (1) Die Geburt seines Sohnes wartete der himmlische Vater nicht ab: »Nan Dzapue begab sich wieder in den Himmel zurück.« Sohn Iso Kalakal entwickelte sich zu einem kriegerischen Helden und begründete die erste große Herrscherdynastie von Nan Madol.
    
Berichte über die Frühgeschichte von Nan Madol wurden über viele Jahrhunderte hinweg mündlich weitergereicht, von Generation zu Generation. Die heiligen Legenden wurden von unzähligen Generationen als Tatsachenberichte aufgefasst und als solche den Jungen vererbt, die wiederum ehrfurchtsvoll die Texte auswendig lernten - um sie wiederum der nächsten Generation anzuvertrauen. Noch im 19. Jahrhundert gab es kaum einen Inselbewohner, der nicht firm war in den altehrwürdigen Überlieferungen. Heute sterben die Wissenden nach und nach aus. So droht ein reiches kulturelles Erbe, dessen wahres Alter niemand kennt, in Vergessenheit zu geraten.
    
Foto 7: Lageplan Nan Madol

Diesem Trend wirken zahlreiche Studenten der örtlichen Hochschule »Community College of Micronesia«, Kolonia, Pohnpei, entgegen. In mühevoller Kleinarbeit haben sie sich alte Erzählungen diktieren lassen und schriftlich festgehalten. So entstand die wertvolle Mythensammlung  »Never and Always«. Diesem Standardwerk zufolge gehen die Siedlungen auf den künstlichen Inseln von Nan Madol auf zwei legendäre Brüder –  Olsihpa und Olsohpa –  zurück. Sie kamen von »irgendwoher« aus dem Westen. Bei ihrer Ankunft fanden die Beiden freilich bereits Bewohner vor - solche der göttlichen Art. Die Brüder, sie werden als Halbgötter bezeichnet, sollen magische Kräfte besessen haben. Ohne Schwierigkeit ließen sie die Basaltsäulen vom entfernt gelegenen Steinbruch herbeischweben. Göttliche Magie wurde demnach genutzt um die scheinbar anders nicht zu erklärenden Leistungen beim Transport unvorstellbarer Steinmengen zu bewerkstelligen.
    
Arthur C. Clarke schrieb, dass eine fortschrittliche Technologie der Zukunft aus heutiger Sicht von Magie kaum mehr zu unterscheiden sein wird (2). Wenn bei der Erstellung der steinernen Welt von Nan Madol tatsächlich Außerirdische »die Hand im Spiel« gehabt haben sollten, dann muss ihr Wirken für die Inselbewohner tatsächlich wie Zauberei ausgesehen haben!

Foto 8: Blick ins All.
Die überirdischen, göttlichen Ur-Gründer von Nan Madol lebten, so heißt es in uralten Überlieferungen, im Meer. Masao Hadley, angesehener Wächter von Nan Madol: »Bevor das Volk von Pohnpei hier ankam, da gab es schon die Stadt der Götter! Auf dem Meeresgrund! (3)« Diese Behausungen tief unter dem Meeresspiegel sollen auch heute noch zu finden sein: Direkt bei Nan Mwoluhsei, also dort, wo die Reise endet - die der Götter aus dem All? Davon sind auch heute noch die Einheimischen überzeugt. Mutige Taucher, so wird berichtet, sind in jene Gefilde vorgedrungen und haben Ruinen erblickt. Diese Überreste einer uralten Urkultur hat noch niemand zu erforschen gewagt. Ein göttlicher Fluch soll auf ihnen ruhen und jeden Menschen töten, der sich den einstigen Behausungen der himmlischen Wesen nähert.
     
David Hatcher Childress ließ sich auch durch noch so Furcht einflößende Schilderungen der tödlichen Auswirkungen dieses Fluchs nicht davon abhalten, zusammen mit einigen Freunden vor Ort zu tauchen. In einer Tiefe von zwischen zwanzig und fünfunddreißig Metern unter dem Meeresspiegel stießen sie immer wieder auf senkrecht stehende Monolithen. Sie traten häufig paarweise auf und waren fast immer stark mit Korallen überwuchert. Childress (4): »Einige dieser Steine tragen Gravuren, zum Beispiel Kreuze, Quadrate, Rechtecke und auf einer Seite offene Vierecke. Ähnliches habe ich in den fantastischen Ruinen in den Bergen Boliviens, bei Puma Punku, einige Meilen von Tiahuanaco entfernt, gesehen. Gab es eine Verbindung?«

Waren das die ersten Hinweise auf die Stadt der Götter? Childress und seine Kollegen stellten fest: Unweit der stehenden Säule fiel der Meeresboden noch weiter ab, vermutlich auf fünfzig bis sechzig Meter. In jene tieferen Regionen wagten sie nicht hinabzutauchen (4).
    
Bereits 1980 hat Dr. Arthur Saxe die unterseeische Nachbarschaft von Nan Madol tauchend erkundet. Das geschah im Auftrag der Behörde »The Trust Territory of the Pacific«. Dr. Saxe veröffentlichte in einer wissenschaftlichen Broschüre seine unter Wasser gewonnenen Erkenntnisse. So berichtet er von senkrecht stehenden Säulen, die in einer schnurgeraden Linie verlaufen, die sich wiederum in den Tiefen des Meeres verliert. Sie haben einen Durchmesser, so der Gelehrte, zwischen  70 cm und zwei Metern. Ihre Länge war nicht festzustellen, da nicht eruiert werden konnte, wie tief sie im Boden des Meeresgrundes stecken. Besonders imposant: Majestätisch ruht da eine fast sieben Meter hohe Säule auf einer flachen Plattform, die an einem unterseeischen Abhang eingearbeitet ist.
     
Foto 9: Blick ins All.
Meine Forderung: Es ist endlich an der Zeit, den Meeresboden um Nan Madol herum gründlich zu erforschen. Es genügt nicht, planlos herumzutauchen. Vielmehr muss sehr sorgsam kartografiert werden. Und es gilt, die Säulen auf dem Meeresgrund zu vermessen. Schließlich muss versucht werden, auch jene tiefer gelegenen Regionen - vielleicht mit Mini-U-Booten? - zu erfassen, in die bisher noch keine Taucher vorgedrungen sind. Wird man dann endlich die uralten Stadt der Götter, über die die Überlieferungen berichten, entdecken? Warten gar mehrere solche Götter-Metropolen in den Tiefen der Südsee? Davon sind zahlreiche Bewohner von Pohnpei überzeugt. Ein solches Unterfangen ist freilich extrem kostspielig. Auch heute fehlen, wie schon seit Jahrzehnten, die Mittel, um auch nur die wichtigsten bekannten Ruinen vor dem weiteren Verfall zu bewahren.
    
Literatur
Ashby, Gene (Hrsg.): »A Guide to Pohnpei/ An Island Argosy by George
     Ashby«, 2. revidierte Auflage, Kolonia 1993
Ashby, Gene (Hrsg.): »Micronesian Customs and Beliefs«, revised edition,
     Kolonia 1993
Ashby, Gene (Hrsg.): »Never and Always/ Micronesian Legends, Fables and
     Folklore«, 2. erweiterte Auflage, Kolonia 1989
Childress, David Hatcher: »Lost Cities of Ancient Lemuria and the Pacific«,  
     Stelle, Ill., USA, 1988
Hambruch, Paul: »Ergebnisse der Südsee-Expedition 1908-10«, Berlin  
     1936
Morrill, Sibley (Herausgeber): »Ponape«, San Francisco 1970
»Polynesian Mythology«, Wellington, New Zealand, o.J.

Fußnoten
1) Maschinegeschriebenes Manuskript, Privatsammlung, Ponape
2) Arthur C. Clarke: »Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.«
3) Maschinegeschriebenes Manuskript, Privatsammlung, Ponape
4) Childress, David Hatcher: »Lost Cities of Ancient Lemuria and the Pacific«,  
     Stelle, Ill., USA, 1988

Foto 10: Nan Madol um 1899

Zu den Fotos

Foto 1: Reste des einstigen Schutzwalls. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Reste des einstigen Schutzwalls. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 3-5: Götterstatue von Ponape. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Foto 6: War Gott Nan Dzapue ein Astronaut? Astronaut Bruce McCandless II im All Challengermission Foto NASA gemeinfrei.
Foto 7: Lageplan Nan Madol, Ausschnitt. Foto: wiki commons/ Hobe Holger Behr
Foto 8: Blick ins All. Foto: Wikimedia Commons/ NASA.
Foto 9: Blick ins All. Foto: Wikimedia Commons/ NASA.
Foto 10: Nan Madol um 1899. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein

426 »Im Totenbunker«,
Teil  426 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 18.03.2018



Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Labels

Walter-Jörg Langbein (656) Sylvia B. (105) Osterinsel (79) Tuna von Blumenstein (46) Peru (34) Karl May (27) Nan Madol (27) g.c.roth (27) Maria Magdalena (22) Jesus (21) Karl der Große (19) Make Make (19) Externsteine (18) Für Sie gelesen (18) Bibel (17) Der Tote im Zwillbrocker Venn (17) Rezension (17) der tiger am gelben fluss (17) Autoren und ihre Region (16) Apokalypse (15) Vimanas (15) Atlantis der Südsee (13) Der hässliche Zwilling (13) Weseke (13) Blauregenmord (12) Nasca (12) Palenque (12) meniere desaster (12) Krimi (11) Pyramiden (11) Malta (10) Serie Teil meniere (10) Ägypten (10) Forentroll (9) Mexico (9) National Geographic (9) Straße der Toten (9) Lügde (8) Briefe an Lieschen (7) Monstermauern (7) Sphinx (7) Tempel der Inschriften (7) Winnetou (7) Lyrik (6) Marlies Bugmann (6) Mord (6) Märchen (6) altes Ägypten (6) 2012 - Endzeit und Neuanfang (5) Atahualpa (5) Hexenhausgeflüster (5) Mexico City (5) Mord in Genf (5) Satire (5) Thriller (5) Atacama Wüste (4) Cheopspyramide (4) Dan Brown (4) Ephraim Kishon (4) Hexenhausgeflüster- Sylvia B. (4) Leonardo da Vinci (4) Machu Picchu (4) Sacsayhuaman (4) Teutoburger Wald (4) große Pyramide (4) Meniere (3) Mondpyramide (3) Mord im ostfriesischen Hammrich (3) Mysterien (3) Sakrileg (3) Shakespeare (3) Bevor die Sintflut kam (2) Das Sakrileg und die heiligen Frauen (2) Friedhofsgeschichten (2) Goethe (2) Lexikon der biblischen Irrtümer (2) Markus Lanz (2) Münsterland-Krimi (2) Vincent van Gogh (2) Alphabet (1) Bestatten mein Name ist Tod (1) Hexen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen Hexenhausgeflüster (1) Mord Ostfriesland (1) Mord und Totschlag (1) Münsterland (1) einmaleins lernen (1) meniére desaster (1)