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Sonntag, 9. Dezember 2018

464 »Drachen, Jungfrauen und ein himmlischer Fluss«

Foto 1: Drachentöter von Marienmünster.
Teil 464 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Meine Urgroßmutter Hedwig Welsch, sie verstarb am 9.12.1971 im Alter von 90 Jahren, las mir als ich noch ein kleines Kind war, Märchen und gruselige Geschichten von Drachen vor. Edle Helden kämpften todesmutig gegen feuerspeiende Drachen, töteten sie und befreiten holde Jungfrauen aus ihren Klauen. Das Volk jubelte dann lautstark, wo die siegreichen Kämpfer auftauchten. Und natürlich bekam jeder Drachentöter die befreite Jungfrau, die sonst das Monster gefressen hätte, zur Frau. Manche bekamen dann noch zusätzlich vom königlichen Schwiegervater das halbe Königreich dazu.

Als ich in Erlangen Theologie studierte, erzählte mir ein arabischer Kommilitone ein Märchen. Ein König hatte drei Söhne, die in die Welt reisten, um sich zu bewähren. Einer der drei Männer gelangte in eine Stadt. Jeden Tag musste ein unschuldiges Mädchen einem siebenköpfigen Drachen ausgeliefert werden, damit die Bestie die Stadt verschonte. Das Untier hauste auf einem Berg nah bei einer Kapelle. Nun sollte des Königs Töchterlein dem Drachen ausgeliefert werden. Der wandernde Königssohn freilich wusste das zu verhindern, tötete den Drachen. Als Lohn bekam der Prinz die Tochter des Königs und wurde, als der König starb, selbst König.

In der Schweiz hörte ich von einem Märchen, das angeblich eine wahre Begebenheit aus dem Jahr 1420 schildert. Zwei riesige Drachen, so überliefert es das Märchen, hausten in unterirdischen Höhlen, in die man über einen Brunnenschacht gelangte. Die Drachen verbrachten dort den Winter, dann flogen sie wieder in die Welt hinaus.

In der Krypta der Kathedrale von Metz, Frankreich, ist eine Statuette eines Drachens zu sehen. Das Tier hat einen Namen: »Graoully«. Die Kreatur soll einst in einem römischen Amphitheater gehaust haben. Der Name »Graoully«, ursprünglich »Grauli«, soll auf das deutsche Wort »gräulich« zurückgehen. Braungräulich, so wird überliefert, waren die Schuppen des Monsters. Sie waren härter als jedes Schwert, heißt es, und so konnte der Drachen »Graoully« lange Zeit nicht besiegt werden. Erst im dritten Jahrhundert gelang es, so wird heute noch erzählt, dem Heiligen Clemens von Metz die Stadt vom Drachen zu befreien. Es gelang dem Kirchenmann, dem Untier eine Stola umzubinden und auf eine Insel im Fluss Seille zu bringen. Da tat sich die Erde auf, verschluckte den Drachen »Graoully«. Der Heilige Clemens wälzte auf das Loch einen mächtigen Felsbrocken, so dass der Drachen bis zum heutigen Tage nicht mehr ans Tageslicht zurückkehren konnte.

Foto 2: Drache Graoully von Horace Castelli

Noch im 19. Jahrhundert erinnerten sich die Bürger von Metz an den Bischof, der den Drachen besiegte. Zu Ehren des Kirchenmannes wurde Jahr für Jahr eine Prozession durchgeführt, bei der Nachbildungen von »Graoully« durch die Straßen getragen wurden. Horace Castelli (*1825;†1889) war wohl Augenzeuge einer solcher »Drachenprozession«. Bei ausgelassener Jahrmarkstimmung wurde eine Drachenfigur mit Flügeln von beachtlicher Größe durch die Straßen geschleppt, begleitet von Trommlern und Verkäufern von Lebensmitteln. Das Schauspiel lockte natürlich auch viele Neugierige an.

Ein behelmter Soldat reitet in der detailreichen Darstellung von Horace Castelli das Untier, das sein furchteinflößendes Maul aufreißt. Ein umsichtiger Mann besänftigt den Drachen, indem er ihm Backwaren in den Rachen kippt. Das Bild vom Drachen mit mächtigen Flügeln ist sehr alt. Es war schon in biblischen Zeiten bekannt. Was wenige wissen: Die biblische Schlange, die Eva zum Ungehorsam verleitet und das göttliche Verbot missachten lässt, war womöglich ein Drachen mit Flügeln. Nach dem biblischen Schöpfungsbericht verfügte die Schlange vom Paradies ursprünglich über Beine, heißt es doch ausdrücklich im Buch Genesis, zitiert nach der Lutherbibel von 2017 (1):

»Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht vor allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang.« Nur wenn die Schlange ursprünglich Beine hatte und »Gott der HERR« ihr die Beine nahm, macht dieser Vers Sinn. Denn ohne Beine hätte sie auch vor der Strafaktion auf dem Bauch kriechen müssen.


Foto 3: Ein geflügelter Drache

Sehr viel ausführlicher ist die apokryphe Schrift »Apokalypse des Moses« (2): »Nachdem er mir dieses gesagt, sprach er in großem Zorn zur Schlange: Weil du dieses tatest als unerfreulich Werkzeug, indem du Arglose betörtest, so sei verflucht vor allem Vieh! Der Speise, die du aßest, sei beraubt! Friss Staub dein Leben lang! Kriech auf der Brust und auf dem Bauch, beraubt der Hände und Füße! Nicht Ohr, noch Flügel bleibe dir, nicht irgend eines deiner Glieder! In deiner Bosheit hast du sie damit berückt und es dahin gebracht, daß sie das Paradies verlassen müssen.«

Paul Rießler hat die »Apokalypse des Moses« in sein Standardwerk »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel« (3) aufgenommen. Auch hier wird die Verwandlung der Schlange als Strafe Gottes beschrieben. Paul Rießler übersetzt (4): »Nicht Ohr, noch Flügel bleibe dir, nicht irgend eines deiner Glieder.«

Die Schlange hatte also nach der »Apokalypse des Moses« vor der Bestrafung durch Gott noch Hände, Füße und Flügel oder vier Beine und Flügel, danach nicht mehr. Hände, Füße und Flügel wurden ihr von Gott genommen. Mit anderen Worten: Vorher war die Schlange ein drachenartiges Wesen.

Wenn wir an die Gebrüder Jacob (*1785; †1863) und Wilhelm Grimm (*1786; †1859) denken, so fallen uns ihre »Kinder- und Hausmärchen« ein, die beide weltberühmt machten. Die Märchen erschienen von 1812 bis 1858. Die beiden Grimms waren aber auch, und das ist weniger bekannt, Sprachwissenschaftler und Volkskundler. Jacob Grimm, der als Begründer der deutschen Philologie und Altertumswissenschaft gilt, veröffentlichte anno 1835 einen wahren Meilenstein der Mythenforschung (5). Das Werk »Deutsche Mythologie« wurde 2007 erneut und komplett publiziert (6).

Foto 4: Darstellung eines Drachen, Künstler Lucas Jennis, frühes 17. Jahrhundert.

Jacob Grimm geht in seinem Werk über deutsche Mythologie (7) auch auf das Thema Drachen ausführlich ein. Er schreibt (8): »Die schlange kriecht oder ringelt sich auf dem boden, stehn ihr flügel zu gebot, so heißt sie drache, was ein undeutsches aus dem lat(einischen) draco, gr(iechischen) Δράκος (Drákos) stammendes, schon früh eingeführtes wort ist.« (Jacob Grimm bezeichnet Drachen als »undeutsches Wort«, damit meint er aus einer fremden Sprache entlehntes Fremdwort.)

Mit anderen Worten: Jacob Grimm entdeckte bei seinem Studium deutscher Mythologie einen direkten Zusammenhang zwischen Schlange und Drachen, der ja bereits im Schöpfungsbericht des Alten Testaments und ausführlicher in den Apokryphen des Alten Testaments beschrieben wurde. Leider findet sich im umfangreichen grimmschen Werk kein Hinweis auf die Drachen in der Krypta der Abdinghofkirche. Auf der Homepage »paderborn.de« (9) findet sich ein interessanter Hinweis (10):»Diese mythischen Drachen waren seit der Antike bis ins hohe Mittelalter Sinnbild für Naturkräfte, die hier vermutlich die Wasserquellen der Pader schützen sollten. Diese Schlangendrachen sind hier eine kunstgeschichtliche Kostbarkeit.«

Foto 5: Schlangendrachen, 17. Jahrhundert

Branko Čanak hat sich wie kaum ein anderer Zeitgenosse intensiv mit den geheimnisvollen Wesen in der Krypta der Abdinghofkirche beschäftigt. Er bezeichnet sie als (11) »Wasserdrachen, Hüter der Paderquellen und älteste Bewohner der Gegend«. Auch der lwl., der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, geht auf die geheimnisvollen Tiere in der Krypta ein (12) »Die Drachen sind, obgleich man sie als vermutete Hüter der Paderquellen an verschiedensten Orten der Stadt immer wieder findet, ein oft übersehenes Symboltier.« In der Tat: Es wird die Vermutung angestellt, dass die acht Drachen an dem Säulenkapitell die unterirdischen Paderquellen schützen sollen. Auch die Bezeichnung »Wasserdrachen« ist spekulativ, lässt sich nicht mit alten Dokumenten aus der Entstehungszeit der Krypta belegen. Wasserdrachen sind in China bekannt, werden in uralten Mythen beschrieben.

Foto 6: Chinesische Wasserdrachen.

Die chinesische Mythologie kennt den Wasserdrachen nicht als Behüter von Quellen oder Flüssen, sie repräsentieren vielmehr die Gottheiten von Gewässern. Kurios: Auch im alten Indien repräsentieren Götter Flüsse. So wird die Flussgöttin Ganga mit dem gewaltigen Fluss Ganges gleichgesetzt. In Reliefs wie jenem von Mahalipuram (12m hoch, 33 m breit!) sieht man Ganga als schlangenartiges Wesen im himmlischen Fluss, zusammen mit ihrem ebenso schlangenartigen Partner, zur Erde kommen. Ganga schwimmt nicht im Fluss, sie ist der personifizierte Fluss. Die chinesischen Wasserdrachen haben wie die acht Drachen in der Krypta der Abdinghofkirche Bärte. Wohl ein Zufall…

Meine Urgroßmutter Hedwig Welsch, sie verstarb am 9.12.1971 im Alter von 90 Jahren, las mir als ich noch ein kleines Kind war, Märchen und gruselige Geschichten von Drachen vor. Bis heute beschäftigen mich die Drachen. Sind es reine Fantasiewesen, die es nie gegeben hat? Oder schlummern in unseren Genen Erinnerungen an geheimnisvolle, furchteinflößende Kreaturen, die vor langer Zeit ausgestorben sind? Waren Drachen gut oder böse, göttlich oder teuflisch?

Foto 7: Mysteriöses Steinrelief mit Göttin Ganga


Fußnoten
(1) 1. Buch Mose Kapitel 3, Vers 14
(2) »Apokalypse des Moses« Vers 26, zitiert nach Weidinger, Erich: »Die Apokryphen/ Verborgene Bücher der Bibel«, Augsburg 1999, Seite 43
(Rechtschreibung wurde unverändert übernommen!)
(3) Rießler, Paul: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel übersetzt und erläutert von Paul Rießler«, Augsburg 1928, Seiten 138-155: »Apokalypse des Moses/ Adam und Eva«
(Rechtschreibung wurde unverändert übernommen!)
(4) ebenda, Kapitel 26, Seite 148 Mitte
(Rechtschreibung wurde unverändert übernommen!)
(5) Grimm, Jacob: »Deutsche Mythologie«, Göttingen 1835
(6) Grimm, Jacob: »Deutsche Mythologie«, Wiesbaden 2007
(7) Grimm, Jacob: »Deutsche Mythologie«, Akademische Druck- und Verlagsanstalt Graz 1968, dreibändige Faksimile-Ausgabe der 4. Auflage, Berlin 1875-78
(8) ebenda, Band II, S. 573, Zeilen 15-18 von oben
(Rechtschreibung wie durchgehende Kleinschreibung wurde unverändert übernommen!)
(9) https://www.paderborn.de/index.php (Stand 10.10.2018)
(10) https://www.paderborn.de/tourismus-kultur/sehenswuerdigkeiten/Abdinghofkirche_Sehensw.php (Stand 10.10.2018)
(11) http://wasserdrachen-podcast.de/ (Stand 10.10.2018)
(12) https://www.lwl.org/pressemitteilungen/mitteilung.php?urlID=31724 (Stand 10.10.2018)

Foto 8
Zu den Fotos
Foto 1: Der Drachentöter von Marienmünster. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Drache Graoully von Horace Castelli, 1872. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Ein geflügelter Drache, Darstellung etwa 1565.  Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Darstellung eines Drachen, Künstler Lucas Jennis, frühes 17. Jahrhundert. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Schlangendrachen, 17. Jahrhundert, Künstler eventuell Athanasius Kircher, ca. 1666. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Chinesische Wasserdrachen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Mysteriöses Steinrelief mit Göttin Ganga. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Götting Ganga kommt vom Himmel herab. Foto Walter-Jörg Langbein

465 »Monster im Meer?«,
Teil 465 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 16.12.2018



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Sonntag, 3. September 2017

398 »Marias Himmelfahrt und Adams UFO«

Teil  398 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Tizians Mariae Himmelfahrt
Kirchenrat Wilhelm Mädl (1) beeindruckte mich als Kind sehr. Von stattlicher Statur glich er einem biblischen Propheten, der das Wort Gottes mit sicherer Stimme verkündete. Einmal fragte ich den imposanten Mann Gottes, wie es denn möglich sei, dass er auf jede Frage eine Antwort parat habe. »Ich habe Theologie studiert!«, antwortete er stolz und selbstsicher. Mag sein, dass Kirchenrat Mädl mitverantwortlich dafür ist, dass ich schließlich auch evangelische Theologie studierte und auszog, um Pfarrer zu werden.

Herr Mädl zeigte mir eines Nachmittags einen Prachtband mit sakralen Gemälden. Besonders beeindruckend fand ich die Darstellung einer Himmelfahrt Marias von Tizian (1490-1576). Man sieht die Menschen auf Erden, vor ihren Augen entschwindet auf Wolken Maria gen Himmel. Und hoch oben wartet schon der mächtige Gottvater. Damals dachte ich bei Engeln noch nicht an Außerirdische.

Dann aber: Anno 1968 las ich Erich von Dänikens ersten Weltbestseller »Erinnerungen an die Zukunft«. Da ging es auch um Texte aus dem »Alten Testament«, in denen Erich von Däniken Hinweise auf Besucher aus dem All sah. Und da, wie ich wusste, im Rahmen des Theologiestudiums Altes und Neues Testament in den Originalsprachen gelesen werden, war ich überzeugt: Ich musste evangelische Theologie studieren, um mehr über die »Astronautengötter« zu erfahren.

Dekan Adolf Müller erkundigte sich immer wieder nach meinen Fortschritten als braver »stud.theol.«. Er nahm mit wachsender Besorgnis zur Kenntnis, dass ich lieber über Astronautengötter als über Luthers Theologie sprach. Wiederholt lud er mich dazu ein, doch sonntags in der Michelauer Kirche zu predigen. Dazu kam es nie. So sehr sich Dekan Müller bemühte, mich zum Durchhalten zu bewegen.

Foto 2: Noch eine Himmelfahrt Marias.
Am 15. August, vor wenigen Tagen, feierte die katholische Christenheit »Mariae Himmelfahrt« . Seit dem Ende des 6. Jahrhunderts wird es, festgelegt von Kaiser Mauritius, an diesem Tag gefeiert. Allen theologischen Bemühungen zum Trotz heißt es im Volksmund nach wie vor »Mariae Himmelfahrt«. Die Theologie, speziell die katholische, anerkennt aber als einzigen »Himmelfahrer« nur Jesus. Nur Jesus ist sozusagen aus eigener Kraft in den Himmel empor gestiegen. Offiziell heißt das hohe Fest »Assunta«, was sich vom lateinischen »assumptio« herleitet. »Assumptio« freilich bedeutet »Aufnahme«. Theologisch korrekt wurde also Maria in den Himmel aufgenommen.

In der Hermitage in St. Petersburg wird ein Gemälde aufbewahrt, das den theologisch falschen Titel »Mariae Himmelfahrt« trägt. Bartolomé Esteban Murillo hat es um 1675 geschaffen. Zu sehen ist eine majestätische Maria, die voller Erwartung nach oben blickt. Getragen wird sie von einer ganzen Schar kleinwüchsiger Engel, die mit dem Transport Marias ihre liebe Mühe zu haben scheinen. Ich vermute, dass Bartolomé Esteban Murillo an eine alte Überlieferung dachte, als er sein Kunstwerk schuf. Wann die fromme Geschichte erstmals erzählt wurde, wir wissen es nicht. Klar ist: 1216 schrieb Cäsarius von Heisterbach eine Legende nieder. Demnach wurde Maria, eingehüllt in eine strahlende Lichtaura, in den Himmel empor gebracht.

In der Basilika »San Paolo fuori le Mura« lockt ein altehrwürdiges Altarbild auch heute noch Gläubige wie Touristen an. Es entstand Mitte des 19. Jahrhunderts nach einer älteren Vorlage, nach einem Kunstwerk von Giulio Romano. Zu sehen ist eine Schar von Menschen. Die Jünger und ersten Christen haben sich in einer Höhle am Sarkophag Marias eingefunden. Sie sind aufgeregt, bestürzt, ja schockiert. Sie können, so scheint es, noch nicht fassen, dass Maria entschwunden ist. Eine Etage höher, über den Wolken, sieht man Maria um Himmel, umgeben von Engeln. Neben ihr sitzt Weltenherrscher Jesus, der Maria just zur Himmelskönigin krönt. Über allem schwebt, in Gestalt einer Taube, der »Heilige Geist«. Gottvater ist nirgendwo auf dem Bild zu entdecken.

Foto 3: Papst Pius XII.

Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wurde das Fest in Deutschland eingeführt. Erst Papst Pius XII. verkündete anno 1950 das Dogma von der »ganzmenschlichen Aufnahme Mariens in den Himmel«. Wenn Maria physisch in den Himmel aufgenommen wird, so ist damit nicht der Himmel als ein spirituelles Jenseits gemeint. Es ist nicht davon die Rede, dass die Seele Marias in ein geistiges Himmelreich aufgenommen wird, sondern ganz und gar, leibhaftig.

Das Motiv der »Himmelfahrt« gibt es in  christlichen Varianten, etwa wenn Maria von Engeln in den Himmel geholt wird. Freilich ist das Motiv, wie wir es etwa aus christlichen Gemälden kennen, nicht das Original. Der Ursprung verliert sich irgendwo in den unergründlichen Weiten der religiösen Bilder. Wo tauchte es erstmals auf? Bei den Ägyptern finden wir es ebenso wie bei den Sumerern. Besonders präastronautisch als Quelle geeignet ist der »Etana Mythos«, der ganz konkrete Begleiterscheinungen eines Flugs aus irdischen empor in himmlische Gefilde schildert. (2)

Um es klar und deutlich auszusprechen: Ich will nicht unterstellen, dass Maria eine Außerirdische war und per Raumschiff entschwunden ist. Als alter Präastronautiker aber bin ich davon überzeugt, dass es Jahrtausende vor Jesu und Marias Lebzeiten Kontakte mit »Astronautengöttern« gab. Da wurden Menschen – wie wir das aus heutigen Zeiten kennen – entführt. Was für uns Heutige das All ist, das war für die jungen Christen der »Himmel«.

Laut Überlieferungen, die Louis Ginzberg (3) übersetzt und aufgezeichnet hat, unternahm Adam Flugreisen durchs All, sechs Welten wurden ihm gezeigt: Erez, Adamah, Arqua, Ge, Neshiah und Ziah. Erez war eine düstere Welt der Dunkelheit, anscheinend ein Planet, der sich in großer Distanz um seine Sonne drehte. Auf Adamah hatten es die Bewohner, anscheinend Vertreter einer fortgeschrittenen Zivilisation, bereits geschafft, ihre Umwelt zu verpesten. Auf Arqua lebten die Cainiten, Zwerge und Riesen. Jene Kreaturen fristeten ein ärmliches Dasein, kannten kein Getreide. Oft wurden zweiköpfige Wesen geboren, Mutationen. Planet Ge befand sich »nah am flammenden Feuer«. Umkreiste dieser Planet in relativ geringem Abstand seine Sonne, vergleichbar mit Merkur? Auf Nesiah hausten Zwerge ohne Nase. Sie atmeten durch zwei Löcher. Auf Ziah herrschte arge Wasserknappheit, die Bewohner jener Welt werden als besonders schön beschrieben.

Foto 4: Der Moses von Urschalling.

Die »Apokalypse des Moses« (4) benennt Eva als »UFO-Zeugin«: »Und Eva blickt zum Himmel auf, da sieht sie einen Lichtwagen heranfahren. Kein aus dem Mutterleib Geborener kann die Herrlichkeit beschreiben.«.

Und in Louis Ginzbergs »Legenden der Juden« berichtet Rabbi Bar Jochai, wie Rabbi Yosse und eine kleine Schar Menschen auf einen Außerirdischen treffen. »Woher kommst du?« wird er gefragt. »Vom Planeten Arqua!« antwortet er bereitwillig. Die Menschen staunen: »Es gibt also Lebewesen auf Arqua?« Das bestätigt der Fremde. »Als ich euch kommen sah, beschloß ich nach dem Namen der Welt zu fragen, auf die ich gekommen bin.«

Auf seinem Heimatplaneten sei so manches anders als auf der Erde. So seien die Jahre dort länger, mehr Zeit vergehe zwischen Saat und Ernte. Dem Besucher sind aber noch andere Welten bekannt. Doch nur auf der Erde könne er wie auf seinem Heimatplaneten leben. Friedlich gehe es aber auf Arqua keineswegs zu, da würden weite Bevölkerungskreise in Lagern gehalten, streng von Wächtern beaufsichtigt. Auf der Welt »Herabah« gebe es reichlich Wasser, auf »Tebel« hausten entsetzliche Monsterwesen, Kreaturen, die künstlich erzeugt worden seien.

In altjüdischen, heiligen Texten, die leider nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen wurden, wimmelt es nur so von Hinweisen, die die ersten Menschen in Verbindung mit Außerirdischen bringen. So veröffentlichte Paul Rießler »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel«.

Im Text »Leben Adams und Evas« (5) wird ein Bericht vorgelegt, der Adam selbst als »UFO- Zeugen« darstellt. Da lesen wir: »Da sah ich gleich dem Winde einen Wagen, und seine Räder waren feurig.« Adam selbst wurde an Bord genommen. »Ich wurde...entrückt. Ich sah den Herrn da sitzen.« Erzengel Michael steuerte das Vehikel.

Foto 5: Adam und Eva von Urschalling.

Ja, die biblischen Engel, die »Wächter des Himmels«, sie tauchen weltweit auf. Überall pendelten sie, so scheint es, zwischen Himmel und Erde, sie vermittelten zwischen dem obersten Himmelsboss und den Menschen. Sie brachten Befehle von oben nach unten und Bitten von unten nach oben. Nicht immer waren sie ihrem Boss gehorsam, begehrte auf, manche wurden verdammt, schlugen sich auf die Seite der Menschen und wurden von der Theologie verteufelt.

Ob ich denn wirklich glaube, dass die »Engel« außerirdische waren, werde ich seit Ende der 1970er immer wieder gefragt. Ich bin davon überzeugt, dass kosmische Besucher da und dort als »Engel« in die Glaubenswelten von Planet Erde einbezogen wurden.

Wenn kosmische Besucher vor Jahrtausenden auf unseren Plant kamen, wo sind sie denn geblieben, diese »Astronautengötter«? Heute bin ich davon überzeugt, dass Planet Terra nicht nur vor Jahrtausenden von Außerirdischen besucht wurde. Ich glaube, dass sie, die »Astronautengötter«, auch heute noch hier sind, mitten unter uns. Sie beeinflussen das Weltgeschehen. Ob sie sich jemals offenbaren werden?

Foto 6: Erzengel Michael als Drachentöter

Obwohl ich mich seit Jahrzehnten mit diesen Wesen aus dem All beschäftige, weiß ich immer noch zu wenig über sie. Sind sie Wesen aus Fleisch und Blut? Sie sind Lebewesen? Oder sind sie etwas ganz anderes, als wir uns vorstellen können? Sind sie Verkörperungen von künstlicher Intelligenz? Wir suchen nach wie vor das »missing link« zwischen Tier und Mensch. Ich halte uns Menschen für das Bindeglied zwischen natürlich-biologischer und künstlicher Intelligenz.

Künstliche Intelligenz kann sich – Stichwort morphogenetische Felder – in Nullzeit über jede Distanz bewegen. Reisen durch die Unendlichkeit des Alls sind für künstliche Intelligenz in Nullzeit möglich, sie ist nicht (mehr) auf Raumschiffe angewiesen. Höchstgeschwindigkeiten, die für irdische Raumfahrer schon theoretisch vorstellbar sind, scheinen interstellare Raumfahrt unmöglich zu machen. Künstliche Intelligenz kennt diese Hürde nicht. Mir scheint, wir stehen erst am Anfang des Begreifens. Mag wohl sein, dass die meisten Menschen unseres Planeten wirklich in Schockstarre verfallen, wenn sie erst einmal begreifen, was »UFOs« wirklich sind.

Nachdem ich 1979 mein Studium der evangelischen Theologie abgebrochen hatte, stürzte ich mich mit Begeisterung auf »meine Astronautengötter« Weihnachten 1979 erschien auch mein gleichnamiges Buch, »Astronautengötter« nämlich. Erich von Däniken bin ich unendlich dankbar. Er war, ist und bleibt ein wahrer Freund. Er ist ein wunderbarer Mensch und ich bin dem Schicksal dankbar, dass ich ihn kennenlernen durfte. Von keinem Menschen habe ich so viel gelernt wie von ihm.

Foto 7: Erich von Däniken

Für mich gibt es keinen Zweifel: Die wahre und wirklich große Bedeutung von Erich von Däniken haben die meisten Zeitgenossen noch gar nicht erkannt. Es gibt so etwas wie einen »Masterplan des Universums«. Und den kennt niemand so gut wie Erich von Däniken!

Fußnoten
1) Perzel, Herbert: »800 Jahre Michelau in Oberfranken/ Vergangenheit und
     Gegenwart einer fränkischen Gemeinde«, Michelau 1994

2) Ich bedanke mich bei Dieter Bremer und Reinhard Gunst für ihre Hinweise via Facebook, die mich dazu veranlassten,den  Text zu ergänzen!
3) Ginzberg Louis: »The Legends of the Jews«, Vol. 1, eBookausgabe, Digireads
    2004
4) Rießler, Paul: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel«, Augsburg 1928, »Apokalypse des  Moses«, 33, Seite 151 oben (Siehe Foto 8!)

Der gleiche Sachverhalt wird auch geschildert in »Das Leben Adams und Evas«. Siehe hierzu E. Kautzsch: »Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments«, »Zweiter Band: Die Pseudepigraphen des Alten Testaments«, Tübingen, Freiburg i.Br. und Leipzig, Verlag von J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), 1900, S. 524 (33) und S. 526 (37).
Ich bedanke mich herzlich bei Norbert Renz für seinen wichtigen Hinweis via facebook!
5) Rießler, Paul: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel«, Augsburg 1928, »Das Leben Adams und Evas«, 25, S. 674 oben

Foto 8: Aus der »Apokalypse des Moses«

Zu den Fotos

Foto 1: Tizians Mariae Himmelfahrt 1490-1576. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Noch eine Himmelfahrt Marias. Edward Jakob von Steinle 1810-1886. Foto wikimedia commons/ Altera Levatur
Foto 3: Papst Pius XII. Foto wiki commons public domain
Foto 4: Der Moses von Urschalling. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Adam und Eva von Urschalling. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Erzengel Michael als Drachentöter, um 1400. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Erich von Däniken. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 8: Aus der »Apokalypse des Moses«. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein

399 »Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«,
Teil 1: »Birkenstein und Orte der Weisheit«

Teil 399 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 10.09.2017


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