Posts mit dem Label Tsunami werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tsunami werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 14. August 2016

343 »Tempel auf dem Meeresgrund«

Teil 343 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Fotos 1 und 2: Der Küstentempel bei Tag und bei Nacht

Meinen ersten Besuch stattete ich Mahabalipuram bei Nacht ab. Es war nach einem glühend heißen Tag immer noch schwül warm. Doch eine sanfte nach Tang und Fisch riechende Briese machte die Temperatur erträglich. Das Meeresrauschen, die spritzende Gischt, die Sterne am pechschwarzen Himmel und der gespenstisch wirkende, mit Scheinwerfern angestrahlte Tempel direkt am Meer, all das ergab eine surreal wirkende Atmosphäre. Ich fühlte mich wie auf einen fernen, fremden Planeten versetzt, als staunender Erdenwicht, der nicht begreifen konnte, in was für eine Welt er geraten war.

Kleine Tempel – so es denn Tempel waren – aus Stein wuchsen aus dem gewachsenen Fels der Erde. Da und dort waren vage Pilger zu erkennen. Einige trugen Fackeln, andere Taschenlampen und wieder andere waren mit Öllampen ausgestattet. Manche trugen Blumen bei sich, die sie im Tempel an der Küste ablegten. Wieder andere blieben scheu vor dem Eingang stehen, blickten ins Innere des »Gotteshauses«, murmelten etwas leise vor sich hin. Beteten sie? Baten sie um Beistand einer Göttin? Bedankten sie sich bei einem Gott? Weit über 100.000.000 Göttinnen und Götter sind den Hindus Indiens bekannt.

Foto 3: Kleine Tempel wachsen aus dem Stein

Mein zweiter Besuch fand bei Tageslicht statt. Ich meinte erkennen zu können, dass der Küstentempel quasi auf einer steinernen »Landzunge« stand. Der Eindruck täuscht. Der Küstentempel war weit mehr als ein Jahrtausend den Gewalten des Meeres direkt ausgesetzt und drohte beschädigt, ja zerstört zu werden. Vermutlich hätte das sakrale Bauwerk dem Tsunami vom 26. Dezember 2004 nicht standhalten können, wenn nicht im Auftrag von Indira Gandhi rechtzeitig Schutzmaßnahmen ergriffen werden wären. Mit erheblichem technischen Aufwand wurde dem uralten Bauwerk zum Meer hin ein massiver Schutz verabreicht : Vor allem massive Wellenbrecher aus teils gewaltigen Felsbrocken und eine zusätzliche Mauer.

Foto 4: Das gigantische Steinrelief

Ich marschierte den Weg vom gigantischen Steinrelief mit der vom Himmel kommenden Göttin, vorbei an den fünf steinernen Rathas bis hin zum Küstentempel. Die Landschaft war bizarr. Aus dem staubigen Boden wölbten sich Steinstrukturen, kleine und große. Am ehesten erinnerten sie mich an die Buckel von Walen. Die Rücken der Meeressäuger freilich waren aus Stein. Aus Granit, wie man mir vor Ort versicherte.

Foto 5: Blick aufs Meer
Vom Inneren des Tempels aus blickt man auf das tosende, peitschende Meer. Da draußen, so hieß es bei meinem Besuch, ruhen sechs weitere Tempel auf dem Meeresgrund. Derlei lebende Legenden wurden gern als märchenhafte Erfindungen fantasiebegabter Menschen belächelt und abgetan. Immerhin  erhielt die Hafenstadt Mahabalipuram den Beinamen »Sieben Pagoden«, weil es sechs weitere Tempel wie den Küstentempel gegeben haben soll. Unklar ist, seit wann man von den sechs Tempeln auf dem Meeresgrund spricht. D.R. Fyson, ein Engländer, lebte lange Jahre in Madras, verfasste ein sachkundiges, fundiertes Werk über Mahabalipuram. Er schreibt (1):

»Die Überlieferung versichert, dass der Küstentempel als einzige von sieben Pagoden übrig geblieben ist, die einst eine schöne Stadt (Mahabalipuram) zierten. Es heißt, dass die Kronen der anderen Pagoden gelegentlich unter den Wellen glänzen. Nach der Legende konnte der König dank der Hilfe einer Nymphe den Hof von Indra im Himmel besuchen. Nach seiner Rückkehr (zur Erde) gelobte er, seine Stadt (Mahabalipuram) genauso prachtvoll zu gestalten. Das erweckte Indras Eifersucht und Indra stieg in einem großen Sturm herab und ließ den Ozean ansteigen und die Stadt überfluten.«

Vorsichtig formulieren Dr. Robert M. Schoch und Robert Aquinas McNally (2): »Die Stätte besteht aus großen überfluteten Strukturen, in denen manche Betrachter das Werk menschlicher Hände zu erkennen meinen. Mahabalipuram mag eine verlorene Stadt der Pyramidenbauer gewesen sein, vielleicht aber auch eine nicht richtig erkannte geologische Formation.« Dr. Schoch und McNally fordern eine gründliche wissenschaftliche Untersuchung.

Foto 6: Zentrum des Riesenreliefs

Vor (vielen?) Jahrtausenden sollen – auch in Mahabalipuram –  erste »primitive« Tempel aus Holz entstanden sein. Es mögen einfache Holzhütten gewesen sein, in denen Begräbniszeremonien abgehalten wurden. Man wechselte – wann auch immer – zum Granit als Material und legte »Höhlentempel« an.  Die Bearbeitung des harten Gesteins setzt fortgeschrittene Steinmetzkunst und entsprechende Werkzeuge voraus. Ursprünglich mögen von der Natur geschaffene Höhlen als sakrale Orte für religiöse Zeremonien genutzt worden sein. Wo es aber keine natürlichen Höhlen gab, wurden welche künstlich geschaffen. Das geschah auch in Mahabalipuram. Diese »Höhlen« waren anfangs freilich allenfalls kleine Kammern, die man in Granitbrocke hinein meißelte.

Im fünften, sechsten und siebten Jahrhundert begnügte man sich nicht mehr mit derlei Kammern. Aus Granitfelsen modellierte man kleine Tempel, die man Rathas nannte. Andere Bezeichnungen: Vimanas, Karren oder Tempelwagen. Fünf solche Rathas sind neben dem riesigen Steinrelief Hauptanziehungspunkte für einheimische Pilger wie für Touristen aus aller Welt.

Was mir schnell auffiel: Sowohl das riesige Steinrelief als auch die Rathas wurden nicht vollendet. Irgendwann müssen die Steinmetze von heute auf morgen ihr unvollendetes Werk seinem Schicksal überlassen haben. Warum?

Das Steinrelief zeigt in der Mitte, in einem von der Natur geschaffenen Felsspalt, den vom Himmel zur Erde herabströmenden Fluss. Rechts davon fallen vor allem zwei riesige Elefanten auf, die – wie auch die kleinen Elefanten darunter – sehr realistisch und naturgetreu verewigt wurden. Links vom Himmelsfluss wurde nur ein Teil der steinernen Fläche bearbeitet. Man erkennt klar, dass Vorbereitungen für das Einmeißeln weiterer Figuren getroffen wurden. Dazu kam es aber nicht. Die Arbeiten wurden – warum auch immer – abgebrochen.

Foto 7: Das Riesenrelief blieb unvollendet

Löst man den Blick von den Darstellungen von Tänzern, Zwergen, Elefanten, die zu Hunderten im Relief verewigt wurden, fällt eine fast kahle Stelle größeren Ausmaßes links vom Himmelsfluss auf. Unten, direkt links neben dem Fluss, erkennen wir die Darstellung eines Tempelchens. Davon links wurden einige wenige Tiere, wiederum sehr naturalistisch, in den Stein gemeißelt. Sie wurden allerdings zum Teil offenbar nicht vollendet. Es sieht so aus, als hätten die Künstler unvermittelt Hammer und Meißel zur Seite gelegt, um nie mehr ihr Werk fortzuführen. Und weiter links kann man erste rudimentäre Anfänge neuer Reliefbilder erkennen (Foto 8).

Foto 8: Rudimentäre Anfänge von neuen Reliefbildern

Warum wurden diverse Steinmetzarbeiten in Mahabalipuram nicht beendet? Starb der Auftraggeber? Wurde er abgesetzt? Oder ereignete sich eine Naturkatastrophe, die so gravieren war, dass alle Arbeiten an Pagoden, Tempeln und Reliefs abrupt abgebrochen wurden? Gab es dank eines gravierenden Klimawandels einen erheblichen Anstieg des Meeresspiegels, so dass sechs der sieben Pagoden von Mahabalipuram in den Fluten versanken?

Zu diesem spannenden Thema schreiben John und Mary Gribbin (3): »Die eiszeitlichen Menschen waren aber auch Küstenbewohner, die mit Sicherheit an den Rändern von Mittelmeer und Nordsee, aber auch entlang der Großen Australischen Buch und anderen Meeresufern lebten. Manche Forscher vermuten, dass die Hauptzentren dieser frühmenschlichen Besiedlungen in Gebieten lagen, die heute vollständig vom Meer überschwemmt sind. Vermutlich war der primäre Effekt von Klimawechseln und Überschwemmungen im Küstenbereich, dass die damalige Bevölkerungszahl drastisch reduziert wurde. Die katastrophalen Begleiterscheinungen dieser Geschehnisse bilden daher den Ursprung jener Legenden von der großen Flut (Sintflut), die seit Urzeiten überliefert werden. Zwischen 15.000 und 10.000 v.Chr. stieg der Meeresspiegel weltweit um mindestens 50 Meter und bis 5.000 v.Chr. hatte er weitere 40 Meter zugenommen.«

Foto 9: Waren die Inseln immer Inseln?
Das Phänomen von Bauten auf dem Meeresgrund ist bis heute viel zu wenig erforscht. Mir scheint, man hat lange Zeit so gut wie gar nicht nach versunkenen Bauwerken gesucht, weil man entsprechende Überlieferungen gern als frei erfundene Phantastereien abtat. Neuerdings aber scheint sich das Blatt zu wenden.

Ich erinnere mich sehr gern an meine Reisen nach Nan Madol, Pohnpei, Archipel der Karolinen, Föderierte Staaten von Mikronesien. Nan Madol wird als das »Venedig der Südsee« bezeichnet. Die Bezeichnung passt, heute zumindest. Da gibt es Miniinseln mit steinernen Bauten oder zumindest Ruinen, dazwischen oft schmale Wasserwege. Rund 90 künstlich geschaffene kleine Inseln trugen einst alle massive Steinbauten aus Basaltsäulen. Doch waren die Inseln immer schon Inseln?

Mein Eindruck: Der Komplex von Nan Madol bestand einst aus einem zusammenhängenden, geschlossenen Areal von mindestens 80 Hektar Größe.  Auf alle Fälle wurde der recht große Komplex wie auf dem Reißbrett geplant und gebaut. Von Anfang an wurde alles im Ganzen geplant. Zum Meer hin wurde eine massive Mauer, ebenfalls aus Basaltsäulen aufgetürmt. Offensichtlich war man sich der Gefahr bewusst. Viel geholfen hat der Schutzwall nicht. Nan Madol wurde überflutet.

Foto 10: Unterwegs auf einem der »Kanäle«

Als der Meeresspiegel stieg, wurden die Straßen zwischen den »Tempeln« zu Kanälen, die steinernen Bauten auf ihren massiven Fundamenten zu Inseln. Bei einigen der »Kanäle« konnte ich feststellen, dass sie – heute unter Wasser – gepflastert sind. Taucher beteuern: Es gibt ähnliche Bauten aus Basaltsäulen vor Nan Madol, auf dem Meeresgrund.


Foto 11: Autor Langbein unterwegs zu den Ruinen
Fußnoten

(1) Fyson, D.R.: »Mahabalipuram or Seven Pagodas«, Madras 1949, Seite 28,
Übersetzung aus dem Englischen durch Walter-Jörg Langbein
(2) Schoch, Dr. Robert M. und McNally, Robert Aquinas: »Voyages of the Pyramid Builders«, eBook-Version, Pos. 844 und Pos 845
(3) Gribbin, John und Mary: »Kinder der Eiszeit – Beeinflußt das Klima die Evolution der Menschen?«, Frankfurt am Main 1994, S. 162

Zu den Fotos

Fotos 1 und 2: Der Küstentempel bei Tag und bei Nacht. Fotos W-J.Langbein
Foto 3: Kleine Tempel wachsen aus dem Stein. Foto um 1910 entstanden. Archiv W-J.Langbein
Foto 4: Das gigantische Steinrelief. Foto wikimedia commons/  Bernard Gagnon
Foto 5: Blick aufs Meer. Foto um 1910 entstanden. Archiv W-J.Langbein
Foto 6: Zentrum des Riesenreliefs. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Das Riesenrelief blieb unvollendet. Foto wikimedia commons/  Bernard Gagnon
Foto 8: Rudimentären Anfänge von neuen Reliefbildern. Foto wikimedia commons/  Bernard Gagnon 
Foto 9: Waren die Inseln immer Inseln? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Unterwegs auf einem der »Kanäle«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 11:  Autor Langbein unterwegs zu den Ruinen. Foto Marianne Schartner


344 »Legende aus Stein«,
Teil 344 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 21.08.2016


Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 4. Oktober 2009

Die Monsterbauten der Südsee

Das Atlantis der Südsee – Teil 1: Die Monsterbauten von Nan Madol
(Eine Serie von Walter-Jörg Langbein)


Die Tsunamis von Samoa haben schreckliche Verwüstung hinterlassen. Viele Menschen wurden getötet. Die gesamte Habe von sehr viel mehr Menschen wurde vernichtet, vom Meer verschlungen. DPA: »Zwei schwere Erdbeben innerhalb von nur 24 Stunden haben im Südseeparadies Samoa und auf der indonesischen Insel Sumatra viele Todesopfer gefordert und verheerende Verwüstungen angerichtet.« Die beiden Erdbeben verursachen schlimme Killerwellen, die das Meer aufwühlten und gewaltige Wellen auftürmten. Erst berichteten die Medien über angeblich nur einige wenige Opfer. Bald wurden »Hunderte« von Toten befürchtet. Dann hieß es, man müsse wohl die Zahl der Menschen, die ums Leben kamen, anheben. Sollten »mehr als Tausend« oder gar »Tausende« umgekommen sein? Die genaue Zahl wird man wohl nie erfahren.

Überlebende schildern die Wucht und die Schnelligkeit der Killerwellen. Palanitina Toelupa, die Verwaltungschefin im Gesundheitsministerium von Samoa: »Einige Leute haben versucht, sich mit dem Auto in Sicherheit zu bringen, und die Wellen rissen die Wagen weg! Es ist herzzerreißend.«

Wendy Booth, Chefin der Touristen-Anlage »Sea Breeze« an der Südküste, berichtete im australischen Radiosender »Fairfax Radio Network«, was sie erlebt hat: »Die zweite Welle traf uns durch den Fußboden. Das Wasser rauschte zur Hintertür hinaus und riss uns mit! Wir konnten uns an einem Geländer festhalten, mein Mann und ich klammerten uns aneinander. Der Sog zurück Richtung Meer nach der Welle war gigantisch. Die Kraft des Wassers riss unsere Einrichtung durch das Dach!«

Ein Bild des Grauens bot sich der Journalistin, die als eine der ersten an den Strand von Samoa kam. Tote steckten in dicken Schlammschichten oder in Sanddünen, wo wenige Stunden zuvor Badende das Südseeidyll genießen konnten.

Während immer höhere Zahlen von Todesopfern kursieren, erheben Wissenschaftler mahnend ihre Stimmen. Der Seismologe Kerry Sieh von der »Nanyang University«, Singapur, sieht die Flutwellen unserer Tage als Vorboten für weit schlimmere Kataklypsen. Der Wissenschaftler rechnet mit einem Beben im Bereich 8,8. Was bedeutet das? Killerwellen von zehn und mehr Metern Höhe würden ausgelöst. Innerhalb von wenigen Minuten könnten Hunderttausende von Menschen sterben! In Pedang, Sumatra, leben mehr als 200.000 Menschen in einem schmalen Küstenstreifen.

Sollte es zu einem Megatsunami kommen, werden die meisten dieser Menschen umkommen: Die Straßen sind als Fluchtwege nicht geeignet. Sie sind viel zu schmal, um den Menschenmassen einen Ausweg in höhere Regionen zu ermöglichen. Evakuierung innerhalb von Minuten ist unmöglich... und mehr als Minuten werden nicht zur Verfügung stehen.

Vor Sumatra ächzt die Erde. Die ozeanische Erdeplatte schiebt sich unter die Sundaplatte... unter der Südsee. Gewaltiger Druck baut sich auf. Es entstehen Brüche. Urplötzlich kann die Erdplatte um zehn und mehr Meter absacken: und das innerhalb weniger Sekunden. Ist die Südsee von einer gewaltigen Apokalypse bedroht? Seit Jahren treten verstärkt Brüche auf. Die Apokalypse ist vorprogrammiert.

Seismologe Sieh ist pessimistisch. Er sieht in den Beben unserer Tage Warnungen vor Schlimmerem, sehr viel Schlimmerem. Der Wissenschaftler beschreibt die bisherigen Katastrophen mit einem Riss in der Windschutzscheibe eines Autos. Jederzeit kann sie platzen. In der Südsee bildet sich schon seit Jahren so ein »Riss«. Jederzeit ist eine gewaltige Katastrophe möglich. Und es gibt Wissenschaftler, die die wirkliche Apokalypse für überfällig halten!

So entsetzlich die Geschehnisse auch sind... schließlich steht der Tod jedes einzelnen Opfers für eine menschliche Tragödie: Weit schlimmere Katastrophen sind jederzeit möglich. Weit schlimmere Unglücke suchten die Südsee schon in der Vergangenheit auf. Im Dezember 2004 löste ein Seebeben vor Sumatra der Stärke 9,2 einen Tsunami aus. 230.000 Menschen wurden getötet. Vor Jahrtausenden spielte sich in der Südsee eine Apokalypse ab, die einen Kontinent im Meer versinken ließ: das Atlantis der Südsee! Gab es Millionen von Opfern? Und wird es bei der nächsten Katastrophe Hunderttausende oder gar Millionen von Opfern geben?

»Atlantis« lag, glaubt man dem Historiker Platon (427 bis 347 v. Chr.), im Atlantik. »Atlantis« wurde zum Inbegriff für einen totalen Kataklysmus als Folge menschlicher Überheblichkeit. Weniger bekannt ist, dass es einst auch im fernen Pazifik ein großes Weltreich gegeben haben soll, das wie Atlantis in den Fluten des Meeres versank. Diesem Atlantis der Südsee widme ich mich schon seit mehr als drei Jahrzehnten: beim Quellenstudium und auf Reisen in die Südsee. Es sieht so aus, als ob noch heute deutliche Spuren dieser versunkenen Welt zu finden sind. Wo?

»Pohnpei« – auch »Ponape« geschrieben – gehört zur Inselgruppe der Karolinen. Touristen verirren sich nur selten in diese weit abgelegene Region der Südsee. Manche kommen, um im glasklaren Wasser zu tauchen. Erstaunt stellen sie dann fest, dass es eine echte archäologische Sensation gibt! Dabei gibt es doch wirklich Phantastisches zu besichtigen: so etwas wie das »achte Weltwunder«. Auf künstlichen Inseln wurden gigantische Bauten errichtet.. aus gewaltigen Steinsäulen, mit meterdicken Mauern. Warum wurde in der fernen Südsee so gigantisch gebaut? Warum setzte man unvorstellbare Mengen an massivem Stein ein und nicht Holz, das so üppig wächst? Warum schichtete man kolossale Steinsäulen im Blockhüttenstil aufeinander.. und nicht das im Übermaß vorhandene Holz? Welchem Zweck dienten einst die Monstermauern von Nan Madol? So manchen Tag habe ich das Geheimnis von »Pohnpei« vor Ort zu ergründen versucht. Und so manches Mal dachte ich bei mir: »Könnte man nur die kolossalen Ruinen wie ein Buch lesen!«

Die Anreise aus Europa ist schon eine Strapaze, und das trotz modernster Transportmittel. Meine Flugroute: Hannover - Frankfurt - Newark/ New York - Honolulu/ Hawaii - Johnston Island - Majuro - Kwajalein - Kosrae - Pohnpei. Für den »einfachen Weg« müssen - und das bei günstigen Flugverbindungen! - drei oder vier Tage einkalkuliert werden. Bei der Reiseplanung muss darauf geachtet werden, für die jeweiligen Zwischenstationen ausreichend Zeit einzuplanen. Verpasst man bei einem Zwischenaufenthalt den Anschlussflug, kann das mehr als ärgerliche Folgen haben. Dann sitzt man tagelang irgendwo fest... Aber die rund 22 000 Flugkilometer lohnen sich für jeden, der sich für die großen Geheimnisse unseres Planeten interessiert! »Pohnpei« mit den zyklopischen Monsterbauten von »Nan Madol« ist wirklich eine Weltreise wert!

Ist man erst einmal nach einer wirklichen Weltreise in Kolonia, der Hauptstadt »Pohnpeis«, angekommen, hat man das eigentliche Reiseziel immer noch nicht erreicht: die Monsterruinen der steinernen Geisterstadt »Nan Madol«. Sie sind schon in greifbare Nähe gerückt... und immer noch einige Strapazen entfernt. Man muss vom Minihafen von »Pohnpei« zeitlich so aufbrechen, dass man sein Ziel erreicht, so lange die Flut noch hoch steht. Die Rückfahrt wiederum kann nur bei Hochflut angetreten werden. Sonst kann man die seichten Meeresuntiefen um »Nan Madol« nicht passieren. Die Ruinen sind aber ein sprichwörtlich weites Feld. Man könnte Wochen, ja Monate in ihnen verbringen.

Entsetzen löste mein Vorschlag aus, vor Ort zu übernachten, um so mehr Zeit in den Ruinen verbringen zu können. Das sei vollkommen unmöglich, so wurde mir beschieden. Auf intensives Nachfragen gab es keine Ausflüchte, sondern eine klare Antwort: Bei Nacht werden die mysteriösen Ruinen von den Einheimischen gemieden. Es soll in den uralten Bauten nämlich spuken! Und selbst die, die sich für modern und nicht abergläubisch halten, wiegeln ab. Wer weiß, welche Naturkräfte unbekannter Art »Nan Madol« zu einer Gefahrenzone machen.
Immer wieder wird auf den Archäologen Victor Berg verwiesen. 1907 führte er in den Ruinen archäologische Ausgrabungen durch. Obwohl ihn kundige Einheimische immer wieder warnten, ließ er nicht von seinen Vorfahren ab. Er soll die Gebeine des legendären Königs Iso Kalakal entdeckt haben. Die Bewohner von »Pohnpei« sehen weniger die wissenschaftlichen Erkenntnisse, nach denen der Gelehrte suchte.. als die Grabschändung und die Störung der Totenruhe. Victor Berg starb kurz darauf aus »ungeklärten Gründen«.

Die Boote, mit denen man »Nan Madol« erreichen kann, bieten keinerlei »Luxus«. Eigentlich fehlen ihnen Selbstverständlichkeiten... zumindest nach unserem Geschmack. Aber Touristen verirren sich so oft nicht in jene Gefilde der Südsee. So lohnt offenbar die Anschaffung bequemer Boote nicht. Gewöhnlich sind es alte hölzerne Fischerkähne mit museumsreifen Außenbordmotor. Ausrangierte Kähne wurden notdürftig umgerüstet. Das eine oder andere »modernere« Gefährt ist schon aus Kunststoff gefertigt, hat aber auch keine Sitze. Man hockt auf dem Boden und spürt jede Welle als einen kräftigen Schlag gegen den Allerwertesten. Wasser schwappt am Boden des Bootes hin und her. Öl- und Benzinaugen schwimmen auf dem Wasser im Rumpf des Bootes.

Immer wieder brechen Regenschauer über den neugierigen Erforscher des Geheimnisvollen herein. In unregelmäßigen Abständen brechen große Wellen über dem Reisenden zusammen, der zudem im Wasser sitzt. So ist er von oben wie von unten durchnässt. Aber Hand aufs Herz: So wird eine Südseereise erst wirklich abenteuerlich. Auf die Nässe folgt Sonnenhitze. Die Kleidung trocknet, Sonnenbrand breitet sich aus.

Ich erinnere mich sehr gut an meine erste Fahrt zu den Ruinen. Das schlimme Schlingern und Schaukeln ließ bei mir Übelkeit aufkommen. »Geht’s nicht etwas weniger strapaziös?« fragte ich schüchtern meinen tüchtigen Guide, Lihp Spegal. Nachsichtig erklärte er mir: »Es gibt zwei Möglichkeiten. Die erste: Man fährt langsam aufs Meer hinaus. Dann spürt man wirklich jede einzelne Welle und wird durch das dauernde Auf und Ab auf den hohen Wellen seekrank. Die zweite: Man fährt so schnell es geht. Dann fliegt man förmlich über die Wellen dahin. Aber fast jede schlägt kräftig gegen den Boden des Boots. Man wird also tüchtig durchgeschüttelt!«

Hoffnungsvoll entschied ich mich für Variante II. Stundenlang wurde ich kräftig durchgeschüttelt. Mit einem Arm umklammerte ich meine Fotoausrüstung, mit dem anderen hielt ich mich so gut wie möglich fest. Die angeblich sanftere Variante II war wirklich sehr hart. Wie mochte dann wohl die »schlimmere« Variante I aussehen? Ich verzichtete darauf. Auch nahm ich es hin, dass Lihp Spegal recht unbekümmert mit einer glimmenden Zigarette im Mund dann und wann aus einem Kanister Benzin nachfüllte. Auf meine ängstlichen Blicke reagierte er mit einem schallenden Lachen. Es gelang mir auch, die langen Risse im Rumpf des Bootes zu übersehen.

In rasender Fahrt ging es vorbei an kleinen dicht bewaldeten Inselchen. Da und dort sieht man eine windschiefe Hütte darauf errichtet. Ein paar Pfähle hat man in den Boden gerammt. Ein Wellblechdach als Regenschutz und Schattenspender wurde wohl schon vor vielen Jahren angebracht. Diese »Bauten« störten sehr das idyllische Südseebild. Bald haben wir die kleinen Eilande hinter uns gelassen. Immer wieder musste dabei das Tempo stark gedrosselt werden. Dann zuckelten wir wieder einmal über eine seichte Untiefe.

Bunte Seesterne leuchteten vom scheinbar greifbar nahen Boden. Man konnte nicht abschätzen, wie tief das glasklare Wasser ist. Geschickt hob Guide Lihp Spegal immer wieder den Außenbordmotor hoch. »Sonst streift er mir am Boden an!« erklärte er lachend in gut verständlichem Englisch und fügte hinzu: »Jetzt stellen Sie sich einmal vor, wir hätten eine tonnenschwere Basaltsäule im Boot, um sie nach »Nan Madol« zu transportieren! Wir würden garantiert an einer dieser Untiefen hängen bleiben!« Mehrfach habe ich die strapaziöse Bootsfahrt auf mich genommen, um die monströsen Steinbauten zu erkunden. Den Sonnenschutzcremes mit höchstem Faktor zum Trotz stellte sich rasch ein schmerzhafter Sonnenbrand ein.

Mit Höchstgeschwindigkeit sauste unser Rennkahn seinem Ziel entgegen. Plötzlich tauchte ein Meeressäuger auf. In wenigen Metern Entfernung begleitete uns ein Delfin. Manchmal schien er urplötzlich das Interesse an uns zu verlieren und blieb – gelangweilt? - zurück. Dann aber nahm er spielerisch die Verfolgung auf, um uns zu überholen. Es sah so aus, als ob er sich über uns lustig gemacht hat. Weit voraus sprang er hoch aus dem Wasser, um uns zu demonstrieren, wie überlegen er uns ist.


Am 11.10.2009 erscheint Teil II meiner Serie: Das Atlantis der Südsee

Mittwoch, 30. September 2009

Das Atlantis der Südsee

Fast stündlich erreichen uns neue Horromeldungen aus der Südsee. Der vermeintlich »friedliche Ozean«, der Pazifik, erweist sich als Todesmeer. Ein unterirdisches Erdbeben dürfte für eine Welle der Verwüstung verantwortlich sein. Hunderte von Menschen kamen ums Leben, als eine Riesenwelle über friedliche Südseeinseln hereinbrach.

Betroffen ist die Küstenregion von Samoa. Journalist Alan Ah Mu kommentierte: »Dass Häuser von Hurrikans zerstört werden, das kennen wir. Aber so etwas wie dies hat hier noch niemand erlebt!« Der Präsident der USA erklärte die Insel Amerikanisch-Samoa zum Katastrophengebiet. Bill Englisch, Präsident von Neuseeland, sprach entsetzt von »einer erheblichen Zahl von Opfern«.

Die Fakten: 200 Kilometer südlich von Samoa brach am Dienstag, den 29. September 2009, um 19.48 Mitteleuropäischer Sommerzeit ein Erdbeben der Stärke 8,0 aus. Flutwellen wurden ausgelöst, die nur fünfzehn Minuten später über Samoa hereinbrechen Nach Aussagen eines neuseeländischen Touristen wurde der Ort Sau Sau auf Upolu »vollkommen ausgelöscht« Widersprüchliche Angaben über die Höhe der zerstörerischen Wellen kursieren: Waren sie nur ein bis zwei Meter hoch.... oder sechs Meter? Mike Reynolds ist der Nationalparkchef von Amerikanisch-Samoa. Nach seiner Aussage richteten vier bis zu sechs Meter hohe Wellen unbeschreibliche Verwüstungen an.

Die Südsee stellen wir uns gern als ein idyllisches Meer paradiesischen Friedens vor. Die Wirklichkeit aber ist bweitaus bedrohlicher und steht der Fiktion von Roland Emmerichs Film »2012« nicht nach. Der gesamte Südseeraum ist ein sprichwörtliches Pulverfass. Jederzeit kann es zu weit größeren Katastrophen kommen, die nicht Hunderte, sondern Zigtausende von Menschenleben fordern mögen. Warum?

Vulkanismus ist in der Südsee nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Der Pazifik ist alles andere als ein »Stiller Ozean«. Die seismische Zone um das Meer herum wird als »Feuerring« bezeichnet. Ein großer Teil der vulkanischen Aktivitäten unseres Planeten spielt sich auf dem Meeresboden im Pazifik ab. Der Geologe H.W. Mennard schätzte vor einem halben Jahrhundert, dass es am Boden des Pazifiks rund 10 000 bereits erloschene oder noch aktive Vulkane gibt.

Mit anderen Worten: In der Südsee ticken unzählige unberechenbare Zeitbomben, die jederzeit mit verheerender Wirkung detionieren können. Theoretisch kann jederzeit eine Katasterophe in der Südsee ausbrechen, die apokalyptische Ausmaße annehmen mag. Was in der Zukunft geschehen mag, das hat sich meiner Überzeugung nach schon vor Jahrtausenden in der Südsee abgespielt! Vor Jahrtausenden gab es in der Südsee einen Kontinent, der durch eine gigantische Katastrophe fast vollständig von der Erde verschwand. Nur einige Eilande - Pohnpei und die Osterinsel - blieben übrig. Noch heute finden sich dort Erinnerungen an die nausgelöschte Südseekultur.

Auf der Osterinsel fotographierte ich eine Riesenstatue, die im Lauf unzähliger Jahrhunderte fast vollkommen vom Erdboden verschlungen wurde. Sie steht symbolisch für das Verdrängen der Erinnerungen an das Atlantis der Südsee. Wollen wir nichts über die Schrecken der Vergangenheit erfahren, weil sie sich jederzeit wiederholen könnten?

In den vergangenen drei Jahrzehnten stieß ich bei Recherchen zu meinen Büchern immer wieder auf Spuren vergangener Katastrophen globalen Ausmaßes.

Am Sonntag, den 4. Oktober 2009, startet hier meine Serie »Das Atlantis der Südsee«. Die Tusunami- Katastrophe von Samoa löste Schrecken und Verderben aus. Vor Jahrtausenden aber gab es sehr viel Schlimmeres. Das Atlantis der Südsee - ein Kontinent - verschwand in den Fluten! Wenn wir die Vergangenheit erforschen, erfahren wir, dass apokalyptische Unglücke jederzeit möglich sind!

Abbildung oben: Eine der Monstermauern von Nan Madol
(Foto: Walter-Jörg Langbein)
Ankündigung
: Am Sonntag, den 4. 10.2009 erscheint Teil 1 der Serie »Das Atlantis der Südsee« von Walter-Jörg Langbein: »Die Monsterbauten von Nan Madol«

Labels

Walter-Jörg Langbein (656) Sylvia B. (105) Osterinsel (79) Tuna von Blumenstein (46) Peru (34) Karl May (27) Nan Madol (27) g.c.roth (27) Maria Magdalena (22) Jesus (21) Karl der Große (19) Make Make (19) Externsteine (18) Für Sie gelesen (18) Bibel (17) Der Tote im Zwillbrocker Venn (17) Rezension (17) der tiger am gelben fluss (17) Autoren und ihre Region (16) Apokalypse (15) Vimanas (15) Atlantis der Südsee (13) Der hässliche Zwilling (13) Weseke (13) Blauregenmord (12) Nasca (12) Palenque (12) meniere desaster (12) Krimi (11) Pyramiden (11) Malta (10) Serie Teil meniere (10) Ägypten (10) Forentroll (9) Mexico (9) National Geographic (9) Straße der Toten (9) Lügde (8) Briefe an Lieschen (7) Monstermauern (7) Sphinx (7) Tempel der Inschriften (7) Winnetou (7) Lyrik (6) Marlies Bugmann (6) Mord (6) Märchen (6) altes Ägypten (6) 2012 - Endzeit und Neuanfang (5) Atahualpa (5) Hexenhausgeflüster (5) Mexico City (5) Mord in Genf (5) Satire (5) Thriller (5) Atacama Wüste (4) Cheopspyramide (4) Dan Brown (4) Ephraim Kishon (4) Hexenhausgeflüster- Sylvia B. (4) Leonardo da Vinci (4) Machu Picchu (4) Sacsayhuaman (4) Teutoburger Wald (4) große Pyramide (4) Meniere (3) Mondpyramide (3) Mord im ostfriesischen Hammrich (3) Mysterien (3) Sakrileg (3) Shakespeare (3) Bevor die Sintflut kam (2) Das Sakrileg und die heiligen Frauen (2) Friedhofsgeschichten (2) Goethe (2) Lexikon der biblischen Irrtümer (2) Markus Lanz (2) Münsterland-Krimi (2) Vincent van Gogh (2) Alphabet (1) Bestatten mein Name ist Tod (1) Hexen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen Hexenhausgeflüster (1) Mord Ostfriesland (1) Mord und Totschlag (1) Münsterland (1) einmaleins lernen (1) meniére desaster (1)