Heute, am Vortag des Weihnachtsfestes, möchte ich wieder aus Merkwürdistan berichten. Ihr wisst ja, das ist jenes Land, in dem merkwürdige Dinge passieren.
Ob auch in Merkwürdistan Weihnachten gefeiert wird?
Natürlich!
Aber kann es in Anbetracht der Zustände in diesem Land auch eine echte Menschlichkeit geben?
Am Abend des 22.Dezember will die Rentnerin Erika K. zum Tagesausklang ein Buch lesen.
Plötzlich verspürt sie starke Zugluft – Gift für ihr Rheuma. Aufgrund der schlecht schliessenden Wohnungstüre macht sie auch sofort die Ursache dafür aus: jemand muss am Gang ein Fenster offen gelassen haben!
Nur mit einem Schlafrock bekleidet, tritt die Rentnerin auf den Gang, um das Fenster zu schliessen.
Rumms!
Das war allerdings nicht das Fenster, sondern die Eingangstür, welche ins Schloss gefallen war.
Erika K ist ausgesperrt, mit Schrecken bemerkt sie, in welcher Lage sie sich befindet: sie hat weder Handy noch Geld bei sich.
Anstatt eine Nachbarin um Hilfe zu bitten, läuft sie in Panik hinunter auf die Straße. Sie weiß: ihre Tochter hat einen Schlüssel zu ihrer Wohnung, nur die Tochter wohnt am anderen Ende der Stadt. Wie soll sie um diese Uhrzeit zu ihr gelangen?
Am Ende der Straße ein Taxistandplatz. Ein Taxifahrer bemerkt die verstörte Frau:
„Was ist denn los, Gnädigste, kann ich Ihnen helfen?“
Die Rentnerin schildert ihre mißliche Lage.
„Steigen´s ein!“, der Taxifahrer öffnet den Verschlag seines Mercedes.
Aber sie habe doch kein Geld dabei, wendet Erika K. ein.
„Einsteigen, das mach ma schon.“ - der Tonfall des Taxlers lässt irgendwie keinen Widerspruch zu.
Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, fährt er die Rentnerin zu ihrer Tochter. Glücklicherweise ist sie zu Hause, der Reserveschlüssel ist auch schnell gefunden.
Sodann fährt er die Rentnerin wieder zurück, hilft der vor Aufregung Zitternden auch noch beim Aufsperren der Wohnungstür.
Daraufhin bietet Erika K. an, die Taxifahrt zu bezahlen, nun hat sie ja ihr Portemonnaie wieder.
Der Taxler winkt ab: „Lassen´s nur, Gnädigste, es ist ja Weihnachten!“.
Es gibt sie also doch noch, die echte Menschlichkeit – auch in Merkwürdistan.
Sollte das nicht Anlass zur Hoffnung geben?
Ich wünsche allen Lesern dieses Blogs und allen Freunden unserer Autorengemeinschaft ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!
Ihr
Robert Brettschneider
Teil V dieser Serie finden Sie hier:
Dies ist der virtuelle Schreibtisch von Walter-Jörg Langbein, Sylvia B., g.c.roth und verschiedenen Gastautoren.
Mittwoch, 23. Dezember 2009
Damoklesbuch II

So entstand mein erster Roman
Es ist viele Jahre her, um genau zu sein etwa 15 Jahre, vielleicht ein wenig mehr. Zu dieser Zeit war die Vampirliteratur noch nicht weit verbreitet. Jedenfalls habe ich damals nicht viel davon mitbekommen. Doch immer wenn ich einen Vampirfilm, Berichte über das Thema Vampir oder doch einmal den Klappentext eines Buches zu sehen bekam, dachte ich ganz still bei mir: Warum muss ein Vampir eigentlich nur eine blutsaugende Bestie sein?
Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los und in meinem Kopf manifestierte sich eine imaginäre Persönlichkeit, die sich immer mehr in ein nahezu reales Wesen verwandelte. Er entwickelte Eigenschaften, Eigenarten und begann ein Eigenleben zu führen. Im Grunde war Aengus O’Donaghue, mein allererster Romancharakter, damit geboren. Er geisterte immer häufiger in meiner Fantasie herum und diktierte mir förmlich eine Geschichte, die so real anmutete, dass ich begann, sie schriftlich festzuhalten.
Damals noch fern jeden Computers, zückte ich Block und Stift und begann seine Abenteuer und Eskapaden aufzuschreiben. Ich gesellte ihm andere, für mich wesentlich weniger reale, Figuren hinzu und spann ein Geflecht aus Begebenheiten um sie herum. Nach und nach entstand ein Roman von etwa 200 handschriftlichen Seiten.
Mein damaliger Freund beobachtete meine fiebrigen Bemühungen aufmerksam und schenkte mir zu Weihnachten mein erstes Laptop. Wow, war das ein Apparat! Ich fütterte ihn mit meiner Geschichte, überarbeitete sie beim Eingeben gleich vollständig und heraus kamen ganze 250 Datenseiten. Von meiner Arbeit überzeugt, begann ich natürlich sofort die Verlage mit meinem Manuskript zu belagern. Ohne Erfolg! Aussagen wie: Passt nicht ins derzeitige Verlagsprogramm, ein Thema, das die Leser nicht anspricht, zu eigensinnige Charaktere, ein Ende, das nicht gut ankommen würde und die erstaunlichste Absage für einen Vampirroman: zu realistisch!
Überzeugt davon, dass meine Arbeit nichts wert sein kann, wenn so viele Verlage ablehnen, zog ich mich zurück und ließ das Manuskript Jahre auf dem Computer ruhen. Rest in peace!
Doch irgendwann erwachte mein Ehrgeiz, ich wollte mir das Manuskript noch einmal vornehmen, überarbeitete es erneut, gesellte neue Charaktere hinzu, schrieb manches um und strich vieles heraus. Erneut war ich überzeugt, dieser Roman taugt etwas. Aber ich wollte nicht denselben Fehler wie bei meinem ersten Versuch begehen und wandte mich an eine Verlagsagentin, die sofort angetan war von meinem Roman. Plötzlich erhielt ich die erste richtige Anerkennung. Sie teilte mir aber auch ihre Kritikpunkte mit, die ich sehr gut nachvollziehen konnte und zum Großteil innerhalb eines Monats beseitigte. Dann bot sie das Manuskript den Verlagen an und beinahe wäre etwas daraus geworden. Aber knapp vorbei ist eben auch daneben.
Wieder versank mein heiß geliebter Charakter Aengus O’Donaghue in einer Computerschublade und ruhte für viele Jahre dort. Wie es Untote jedoch so an sich haben, entstieg er irgendwann seinem dunklen Grab und forderte erneut meine Aufmerksamkeit. Und diesmal war es genau der richtige Zeitpunkt. Ich hatte durch Zufall von Books on Demand erfahren und entschied mich dafür, diese Chance zu nutzen. Es war nicht der Wunsch nach dem großen Erfolg, der mich dazu trieb, sondern einfach die Hoffnung, ein paar interessierte Leser mit meiner Geschichte anzusprechen, eine Resonanz zu erhalten. Womöglich sogar eine Positive. Darum überarbeitete ich erneut den gesamten Stoff, jagte ihn durch ein Rechtschreibprogramm, gab ihn meiner Schwester zur Korrektur und dann endlich an BoD frei.
Was ich damit ausdrücken will: Gebt Eure Träume niemals auf! Vielleicht dauert es einfach nur ein wenig länger, bis sie sich realisieren lassen. Manchmal gehört harte Arbeit dazu, langwierige Recherchen, viele Enttäuschungen und ganz besonders viel Durchhaltevermögen. Aber wenn man dann sein erstes Buch in Händen hält, egal, auf welche Weise es veröffentlicht wurde, erfüllt es einen mit Stolz. Das ist es wert!
Dieser Beitrag gibt meine Meinung wider und ist nicht für alle Autoren zu verallgemeinern.
©Sylvia Seyboth
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